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20. Dezember 2020

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Tradition ist eine Laterne. Die Dummen halten sich dran ist, den Klugen leuchtet sie den Weg. (Shaw)

Gesegneter vierter Advent! Danke für die liebe Weihnachtspost und Besuche.

Ich bin noch immer kein Fan von Transkriptionen von Orchesterwerken oder Klavierwerken auf die Orgel. Es ist meist eine Verschlechterung. Es mag zwar eine nette Übung sein oder ein seltsamer Versuch, die Orgel populär zu machen, aber es ist immer eine Verschlechterung, nie eine Verbesserung und nie ebenbürtig. Manche sind nett, aber konzertant wird die Orgel nur durch Originalwerke und ganz neue, virtuos gespielt. Es gibt selten gespielte originale Werke (z.B. von MacMillan, Moral, Franz Schmidt…) und neue Werke. Transkriptionen ersetzen in keiner Weise neue Werke an der Orgel. Aber Chopin?

Am liebsten mag ich, wenn Spieltraktur und Reglerwerk mechanisch sind und der Tremulant regulierbar. Aber ich schätze auch alle anderen Orgeln.

Hoffe, ich werde nun ordentliches Mitglied der GEMA. Zuerst ist man angeschlossenes, also normales Mitglied, dann außerordentliches, das bin ich schon lange, dann ordentliches. Eigentlich sollte ich vom finanziellen Aufkommen schon seit 2017 ordentliches Mitglied sein (es geht bei der GEMA hauptsächlich oder ausschließlich um Geld). Die Führungsriege der GEMA ist fast nur durch Männer besetzt; es ist schlimmer als bei den Oscars in den USA, bei denen so gut wie nie weibliche Regisseure nominiert werden. Ich verstehe, dass Frauen nicht alles können, genauso wenig wie Männer, aber künstlerische Frauen aufzuhalten oder zu bremsen, empfinde ich als großes Unrecht. Es sind prozentual erschreckend wenig Komponistinnen, besonders in der E-Musik (Klassik im Sinne zeitgenössischer, neuer Musik), ordentliche Mitglieder der GEMA. In der GEMA wählen und entscheiden kaum Frauen. Als Dienstleisterinnen in allen Formen von Sekretariat bis Assistenz sind Frauen in der GEMA, aber kaum im Vorstand oder im Gremium oder dort, wo gewählt, gemacht und entschieden wird. In der Zeitung virtuos der GEMA wird zwar seit kurzem zum Schein nach außen viele Frauen mit ihrer künstlerischen Arbeit präsentiert, aber die innere, hintere Struktur ist die gleiche geblieben: Die Statuten und Regularien, wann jemand Mitglied wird (mit was für einem finanziellen Aufkommen im Jahr) oder wann etwas E-Musik ist oder nicht und alle weiteren Regeln haben Männer ausgedacht und entschieden. Bildet dies nicht unsere Welt im Allgemeinen ab? Sind nicht alle Gesetze von Männern gemacht und entschieden, was für Frauen bis heute oft große Nachteile hat? Werden nicht deswegen so geringe Strafen für typische Männerverbrechen wie Vergewaltigung, Raserei, Erwürgen, (häusliche) Gewalt vergeben?

Auch bei der Einstufung von Werken in E-Musik in München ist das komplette Gremium ein purer Männer-Verein. Männer wählen gern Männer. Es geht dabei, wie gesagt, nur um Geld. Einstufungen = Geld. Ich habe den Eindruck, dass Frauen hier mehr kämpfen müssen, entsprechend eingestuft zu werden. Männliche Kollegen müssen meist gar nicht kämpfen.

Ich bin auch hier mittendrin in einer Männerwelt. Meine Werke wurden in E eingestuft. Ich musste aber einen männlichen Begleiter (Komponisten) mit nach München nehmen, um überhaupt verstanden zu werden. Ohne diesen wäre das Ganze sicher eskaliert. Dieser war wundervoll ruhig und gelassen. Ich erinnere mich, dass er geholfen hat, Vorurteile gegen Komponistinnen abzubauen. Es hieß nämlich recht lang, meine Stücken seien erstens zu schön, um E-Musik zu sein, und zweitens zu improvisatorisch. Drittens kam ich anfangs mit der entsprechenden Software nicht zurecht. Und dann diese viele Bögen, die man auszufüllen hat. Ich war anschließend völlig erschöpft. Es ist seltsam, wie unterschiedlich die Kommunikation zwischen Frau und Mann ist. Aber allein gegen 10 Männer, das ist nicht ohne. Mittlerweile ist es besser geworden. Sie erkennen mich mehr an. Aber es erscheint mir viel mehr Kampf, als Männer es je haben. Und das in meiner Zeit: 2020! Die Regeln sind ganz eindeutig antiweiblich in meinen Augen.

Gut, es macht die Sache nicht leichter, dass ich manchmal emotional und nicht immer sehr diplomatisch bin. Ich hätte schon vor zwei Jahren ordentliches Mitglied sein sollen. Mein finanzielles Aufkommen war längst groß genug. Es ist wohl recht auffällig bei der GEMA, wenn eine Frau mit ihren eigenen Stücken aufsteigt und gut verdient, so dass einige meiner Konzerte von der GEMA kontrolliert wurden. Da sitzen dann heimlich und unerkannt (von der GEMA schlecht bezahlte) Laien und addieren Minuten: Menschen, die den Unterschied zwischen meinen Werken und denen von Messiaen oder Brahms nicht erkennen. Warum addieren die Minuten? Bei der GEMA ist Zeit Geld: Je länger das Werk, desto mehr Geld ist ein Werk wert. Eigentlich eine sehr fragwürdige Einstellung.

Der E-Musik-Topf der GEMA unterstützt bis heute hauptsächlich Männer. Der Prozentsatz der Frauen, die daraus gefördert werden, ist gering im Vergleich. Ich wurde und werde aus dem Topf gefördert und prompt kontrolliert. Die GEMA ist ihre eigene Polizei. Ich spüre den Widerwillen des Apparates GEMA, Komponistinnen der E-Musik zu fördern. Ich bin gespannt, wie es in der Zukunft wird. Schön finde ich, wenn Männer auch dazu verstehen und dazu verstehen wollen. Manchen geht dann nach einer Weile ein Licht auf, wie das Rätsel Frauen und Künstlerinnen zu verstehen ist.

19. Dezember 2020

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Die anderen sind beleidigt und gesellen sich dem feindlichen Lager zu. Krieg ist Krieg. (Kishon)

Heute sind meine verlegten Noten meines ersten Orchesterwerkes angekommen. Es heißt SEEHÖHLE. Ich freue mich. 2021 sind meine neuen Werke für Verlage geplant.

An Weihnachten kommt ein besonderes Video. Etwas Berühmtes. Bachs d-Moll-Toccata.

Es ist schön, im Stillen und Ruhigen zu üben. Ich weiß, manche denken, es würde mir wohl alles ganz leicht fallen. Aber nein, Erfolg bedeutet Arbeit, ein Stück weit: Von nichts kommt nichts. Es ist also sehr viel Fleiß. Mein Talent gibt mir Lust und Drive dazu. Es ist vor allem so, dass bei mir das Kontinuierliche das absolut Entscheidende ist. Manchmal leide ich unter meinem Perfektionismus und genieße dann ganz plötzlich wieder den klaren Eindruck, dass Kunst an sich, so griffig und roh sie ist, auch unfertig, die anziehendste Kunst ist. Ich liebe unfertige Kunst. In ihr steckt noch alles Potential, alle Phantasie, und sie ist erlöst und losgelöst von Perfektionismus, Härte, Ehrgeiz und Überkandideltem. Sogar losgelöst von zu viel Erwachsensein.

Mir gefallen die Krimis von Raymond Chandler. Ich möchte wirklich gern einen Krimi schreiben. Empfehlen kann ich auch die lustige Geschichte Hummeldumm. Es ist natürlich völlig unrealistisch, aber witzig. Wobei ich den seltsamen Humor von Patricia Highsmith mehr mag.

Unser Nachbar verkauft spanischen Wein. Ich habe mitten am Tag eine Weinprobe bekommen. Danach übte es sich nur noch sehr schwierig, aber ich blieb emsig dran. Egal, was ist.

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Mozart

18. Dezember 2020

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You’ve got the words to change a nation. (Emeli Sandé)

Ich freue mich, dass mein Künstlerprofil meiner neuen Orgel-Debut-CD bei audite Musikproduktion online ist.

Viel Spaß beim Lesen der Infos zu meiner neuen Orgel-CD: audite Künstlerprofil Ann-Helena Schlüter mit Blog, Fotos und Vita. Sehr schöne Webseite. Ich bin stolz darauf, audite-Künstlerin zu sein.

Anbei mein Link zu meinem ersten veröffentlichten Orchesterwerk SEEHÖHLE im Intermezzo-Verlag Berlin: Orchesterwerke Ann-Helena Schlüter

Liebe ist … wenn man Orgel spielt. Ich liebe die Orgel, auch wenn das deutsche Surrounding der Orgel mit einigen stalkenden Männer-Hobbyorganisten nicht immer das Niveauvollste ist. Ich bin dankbar über meinen relaxten, niveauvollen Top-Professor, bei dem ich so viel lerne, nicht nur über Musik. Was kümmert es die Eiche, wenn sich Schweine an ihr reiben? Es geht um die Kunst, da darf man nicht abgelenkt werden.

Was ich an Brahms liebe, ist, dass er eine Top-Fuge mit Augmentation, Diminution, drei Engführungen, Durchführung, Coda geschrieben hat, klassisch-polyphon, ein Werk der Ratio, und dennoch in einem warmen, dunklen Ausdruck, Klang und Stil ein klagendes, zärtliches Liebeslied an Clara.

Eine Liebesliedfuge mit vielen Manualwechseln. Diese besondere Verbindung ist einfach wundervoll. Bach ist dies ja schon lange vor Brahms gelungen. Dennoch ist dieses polyphonste Werk Brahms sehr berührend. Virtuos im Ausdruck. Ein Werk der Spannung und Konzentration.

Generell liebe ich Solostimmen mit Zunge wie Krummhorn oder Trompete, aber auch Sesquialtera als Solostimme. An scharfen Orgeln muss ich mich noch immer an die („schrille“) Lautstärke gewöhnen, besonders an hellen und neobarocken Orgeln.

Spielt man hier organo pleno, dann sind Mixtur, Posaune 16 und Trompete 8 meist wichtig im Pedal, und dementsprechend ist das Manualiter. Dieser kräftig-fröhlich-laute Klang ist manchmal etwas erschreckend für mich, wenn gewisse Wärme im Instrument fehlt.

Was ich an Bach liebe, dass seine Interpretationen eines Chorals so unglaublich unterschiedlich sind, mal lyrisch, mal monumental, in allen Farben und Gemütszuständen. Und dann noch Mendelssohns vierter Satz der vierten Sonate – liebe Zeit, jede Woche zoomt sich wortwörtlich ein neues Werk in mein Bewusstsein. Und ja, es gibt noch so viel, worauf ich scharf bin, vor allem Reger.

Ich habe die Kanzlei Rochus Schmitz aus Münster angezeigt, weil dieser eine private email von mir ohne mein Einverständnis im Jürgen-Strupat-Forum kopierte, zitierte und veröffentliche und an Dritte weiterleitete und zu Spott aufgerufen hat, da ihn Datenschutz und die Vertraulichkeit des Wortes offenbar nicht interessiert, noch dazu in einem Forum, dessen Impressum bewusst eine falsche Adresse angibt (Jürgen Strupat ist nirgends registriert, wie mir die Polizei mitteilte) und deren Mitglieder mich beinahe täglich belästigen. Rochus Schmitz ist seit 2013 aktiv dabei! Dieser Rochus Schmitz belästigt mich auch mit emails und droht, mich im Netz zu kontrollieren. Die Strupat-Community scheint tief beeindruckt von mir. Angezeigt habe ich ebenfalls Benjamin Frensel, Jan Wilke und Christoph Bornheimer. Es ist schon erstaunlich, dass es solch einen Pulk von Männern gibt, die hinter meinem Rücken über mich und meinen Blog herziehen und mich falsch verdächtigen bzw. Unwahrheiten über mich verbreiten.

Was kümmert es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt? (nach Franz Josef Strauß) Was kümmert es den Mond, wenn die Hunde ihn ankläffen? Aber das muss ich erst lernen, mich nicht darum zu kümmern.

17. Dezember 2020

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Wo du nicht bist, Frau Organist, da schweigen alle Flöten. (AHS)

Danke für eure Bestellungen im Shop, ihr könnt gern für Weihnachten bei mir shoppen.

Ich freue mich auf meine Konzerte im Mai in München und Berlin und bei Andreas in Schongau und jetzt erst mal auf Bad Wimpfen.

Wegen dem erneuten Lockdown habe ich gestern die Weihnachtsatmosphäre in Frankfurt am Main eilig genossen, auch wenn alles sehr irreal erschien. So also kann man eine Gesellschaft innerhalb kürzester Zeit völlig verändern, fast ganz ohne Gewalt.

Es ist zudem interessant, wie sich Klangfarben im Kopf abspeichern und entwickeln. Besonders eine Plenums-Registrierung verändert sich in der Vorstellung. Es ist wichtig, zu entscheiden, ob man zur Mixtur eine 2 oder eine Quinte zieht oder eben nicht, ob man verdoppelt (Wind) oder nicht. Man muss den eigenen Weg finden; selbstbewusst. Nach dem Wissen der Regeln geht es ganz und gar um das eigene Entscheiden, um den eigenen Geschmack. Der entwickelt sich immer weiter. Entwickelt er sich nicht, ist das Künstlerische verloren. Geht man nie ein Risiko farblich ein oder hört nicht mehr, ist die Kunst vorbei. Hat man eine Orgel, die sehr direkt, vielleicht eher schrill oder scharf ist und wenig Hall im Raum, muss man das Ohr darauf trainiert haben und sofort wichtige Entscheidungen treffen. Momentan ist es bei mir so, dass das Wissen, Lernen und Wollen in einer Vision zusammentreffen, ich lerne wissbegierig. Habe ich eine Frage beantwortet bekommen, tun sich fünf neue Fragen auf. Ich erinnere mich, dass manche deutsche Orgellehrer davon überfordert und verängstigt waren. Vielleicht, weil sie sich selbst solche Fragen nie gestellt haben und sie auch nicht beantwortet konnten. Sie identifizierten sich nicht mit meinen Fragen. Wie kann man sich selbst solch wichtigen Fragen nie gestellt haben? Wie kann man diese nicht sofort beantworten und glücklich sein, dass jemand oder jefraud anderes sie nun ebenfalls stellt?

Ich liebe Registrierung. Es ist für mich Kunst.

Früher habe ich immer geglaubt, es gäbe keine unmusikalische Menschen. Aber das stimmt nicht. Es sind die unmusikalisch, die das Talent eines anderen Menschen nicht respektieren und erkennen, die sogar verhindern wollen. Ihr Neid und ihr schlechter Charakter ist ihnen wichtiger als Musik. Wenn jemand Musik an zweite Stelle setzt und seine Schlechtigkeit an erste, dann ist ein solcher Mensch unmusikalisch. Das sind die einzig unmusikalischen Menschen.

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16. Dezember 2020

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Tu si hic sis, aliter sentias.

Übersetzung: An meiner Stelle würdest du anders denken.

Heute spielte ich an der schönen, dreimanualigen Ahrend-Orgel von Hendrik in Frankfurt, in der Cantate Domino-Kirche am weihnachtlich geschmückten Nordwestzentrum. Die Akustik ist samtentrocken, Konzertsaalakustik vom Feinsten, kräftige Zungen, schöner Prestant 8 im HW, Wände und Decke für die Akustik hergerichtet, Elfenbein, Rückpositiv, kein Abstützen vorn für die Füße. Erstaunlich schön für Mendelssohn. Und für Trio-Sonaten-Aufteilung wie BWV 652.

Sehr empfehlen kann ich Otto Scherzer (1821), dessen süffige Orgelmusik vergleichsweise unbekannt ist.

Ich bin nach wie vor ein Fan von analoger Musik und analogem Wort, Buch und CD, und höre täglich gern CDs und Platten.

Auch wenn es mit Musik nichts zu tun hat: Viele Frauen sind daran gewöhnt, fast alles mitzumachen und sich nicht zu wehren. Ein weiteres Beispiel: Unzählige Frauen nehmen jahrzehntelang die ungesunde, brustkrebsverursachende Pille, um Männern zu gefallen. Dabei sind Männer (die immer gern schwängern können, während die Frau jeweils nur einmal schwanger wird) das Geschlecht, das die Pille nehmen sollte.

Aber wir leben noch immer in einer Männergesellschaft, die Frauen in vieler Hinsicht bis heute ausnutzt und benutzt. Eine Gesellschaft, die viel mehr an Männerhormonen interessiert ist als an weiblichen. Nach dem Motto: „Das ist die beste Frau, von der man am wenigsten spricht.“

15. Dezember 2020

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Les envieux mourront, mais non jamais l’envie.

Übersetzung: Die Neider werden sterben, aber nicht der Neid.

Sehr empfehlen kann ich den Film Loving mit der wundervollen Ruth Negga.

Dirigieren ist einfach wunderschön: Die Choreographie (Fingersatz) und die Kontur der linken Hand zusammen mit der runden Sinuskurve der rechten, aber auch in die Takt(stock)spitze hinein zu dirigieren. Und dazu die vielen verschiedenen Interpretationen anzuhören, z.B. Beethovens Egmont. Was ich wirklich nicht mag, ist, wenn der Anfang Egmonts entsetzlich langsam interpretiert wird, auch der Allegroteil sich dahin schleppt. Meine Lieblingsaufnahme ist die von 1950 Celibidache in Berlin. Das ist einfach feurig. So empfinde ich das auch, genauso. Tolles Tempo. Aber ich mag auch Harnoncourt, obwohl oder besser weil dieser völlig anders ist. Wenn Technik, Wissen, das Kennen der Regeln und dann Gefühl und Spontaneität (und das bewusste Brechen von Regeln um des jeweiligen Ausdrucks willen) zusammenkommen, das ist wundervoll. Ich schließe sehr oft die Augen beim Dirigieren. Blind hat aber nur Karajan dirigiert.

Meine Promotionsstudie geht aufgrund von Corona nun recht gut voran. Meine Studie wird nun in eine Grafik gesetzt und die Daten ausgewertet. Ich sehe Licht am Ende des Tunnels.

Reale Anekdoten mit Orgellehrern, Teil 2 – Mitte meiner Orgelkarriere:

Ich finde eigentlich fast immer alles gut, was ich (künstlerisch) mache.

Ach? Dann musst du ja ein sehr glücklicher Mensch sein.

Wunderschöne holländische Musik: Sweelinck

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14. Dezember 2020

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Förut tvivlade jag på mig själv, nu är jag inte längre så säkert.

(Übersetzung: Zuerst zweifelte ich an mir, nun bin ich mir gar nicht mehr so sicher.)

Hier ist er wieder, dein Mitternachtsblog.

Sehr empfehle ich den Roman Der Geschichtenerzähler von Patricia Highsmith. Wann werde ich einen Krimi schreiben? Das ist eine Welt für sich. Heute habe ich jedenfalls sieben Stunden geübt, viel neues Repertoire für die Orgel, und komponiert. Und Gedichte.

Die Türen meiner nicht mehr existierenden (An-einem-Tag-Aufess-) Adventskalender habe ich übrigens nicht chronologisch geöffnet.

Brahms ist trotz seiner Haftung an die Klassik und auch an die Fuge unglaublich modern in seinen Harmonien, oft atonal. Liszt hat sich zwar anderen, neuen Formen zugewandt oder die Formen „aufgeweicht“, die Fuge ist ein Finale geworden mit sehr viel Laufwerk, aber er ist nie atonal. Das bedeutet, dass die Konservativen moderner waren in vielem. Und die Modernen waren konservativer als man es denkt. Und dennoch haben sie sich so beschimpft, anstatt sich zu gegenseitig zu bewundern. 

Gegenwahrnehmung Ann-Helena

Selbst heute, 2021, wird das verlotterte Aussehen von Männern deren Ehefrauen in die Schuhe geschoben. Ich hatte einen Lehrer, von dem man sagte, er hätte lange deswegen wie ein Hobo oder ein Obdachloser ausgesehen, weil „sich die Ehefrau nicht genügend um ihn gekümmert habe“. Daher hätte er sich eine andere gesucht, die ihn adrett anzieht und ihm den Bart schneidet, damit er nicht mehr wie so ein Bum aussieht. Leider ist diese neue Frau nicht zum Rundum-Kümmern anwesend; jedenfalls nicht, wenn er aß oder sprach. Sicher war sie auch schuld, wenn er nach einem Döner aussah wie ein Dreijähriger mit Bart nach dem Mittagessen?

Tipps für Corona, Teil 1: Badewanne, Duftkerze, Tee, Filme und Romane, Musik, Nüsse, Schreiben, Pflanzen.

Bachs wunderschöner Heiliger Geist:

Der Heilige Geist spielt ja auch im Advent und an Weihnachten eine wichtige Rolle.

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13. Dezember 2020

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Viele vornehme Menschen werden sich uns anschließen und es für eine Ehre erachten, Almosen zu erbitten. (Franz von Assisi)

Anbei das neue Gedicht von mir auf der Lyrik-Seite Signaturen unter Zeitzünder:

Signaturen Zeitzünder Lyrik Ann-Helena

Diesen Tag widme ich Kim Wall.

Ich habe einen neuen wundervollen Organisten entdeckt: Thomas Trotter. Künstlerisch und musikalisch an der Orgel.

Was mich wundert, ist, dass manche Frauen noch immer die unglaublichsten Sachen sagen wie: „Ich habe die Hemden meines Mannes trotz eines 12-Stunden-Tages selbst gebügelt.“ Selbst gebügelt ist, wenn der Mann sein dummes Hemd selbst bügelt. Wie oft habe ich schon Lehrer neben mir sitzen gehabt, dessen Hemd und Pausenbrot von der Ehefrau zusammengestellt wurden. Wie soll ich denn solche Lehrer ernst nehmen, egal, was sie mir über Musik erzählen wollen? Ich sehe nur das Hemd.

Anbei die wunderschöne Bach-Aria:

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12. Dezember 2020

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Manchmal wünsche ich mir ein kleines bisschen mehr Märchen in meinem Leben. (AHS)

Reale Anekdoten mit Orgellehrern, Teil 1 – Anfang meiner Orgelkarriere:

Also, dieses Register heisst Engelsstimme. Warum klingt das nur bis hierher?

Naja, es heißt Engelsstimme, kann also nicht so tief runtergehen.  (Oder haben Sie schon mal einen Engel gehört, der sooo tief spricht?)

Das ist eine sehr kindliche Antwort. Gibt’s noch mehr?


Der „Weihnachts“-Film loveactually gefiel mir noch nie. Eigentlich  geht es hier eben nicht um Liebe. Da sind Männer, die von dienenden jungen, ihnen unterlegenen Frauen angezogen sind. Dabei haben sie diesen typischen „ach, du bist so süß, aber irgendwie tust du mir auch leid“-Gesichtsausdruck, gepaart mit dem Wunsch nach Sex. Mit Liebe hat das alles so viel zu tun wie gerade Aufwachen mit fliegendem Galopp. Ich glaube, dass das meiste, was in dieser männlichen Gesellschaft Liebe heißt, weit entfernt von Liebe ist.

Meine Kakteen und Geranien blühen. 

Das Besondere an Mendelssohn und seinen klassisch-dynamischen Werken ist die Feindynamik der Hände, während das Pedal alles zusammenhält. Die relativ kurzen Linien (im Gegensatz zu den  unendlichen bei Liszt) im Manualiter und ihre Zweierbindungen, unter denen Decrescendo liegt, werden von den langen Pedallinien getragen. Es geht bei der Interpretation um die Kontraste, um das Elastische, um ein Verständnis aller Bögen. Das Fingergefühl im Pedal ist sehr wichtig. 

Das Pedal muß präzise, prägnant, kernig und dennoch entspannt sein.

Dann das lange Pizzicato im dritten Satz von Mendelssohn IV, dem „naiven“ F-Dur (ohne Drama); besonders alle rhythmischen Punktierungen gut abgesetzt und richtig betont, dazu das Pendant in den Händen. Diese müssen so sicher sein, dass das tragende Fundament im Pedal klar gehört wird. Da für mich am Klavier früher die linke Hand der Bass war, muss ich immer mal wieder umschalten. 

Im ersten Satz von Mendelssohn IV am besten ganztaktig oder in Halbe denken (Metronom 24) und dabei nicht vergessen, dass die Melodie oft ein anderes Absetz-Timing hat als das Pedal (3D). Immer genau wissen, wo man entspannen und wo man die original 100 wieder aufnehmen will. Das Finale der Sonate ist jedoch der vierte Satz, dahin steuert alles, hin zum Pedalmotiv. Die Sonate muss wie Ad nos ein Großes, Ganzes werden. Man merkt bei Mendelssohn, dass er mit Orgeln tiefer vertraut war als Liszt, der seinen Winterberger und Reubke hatte.

Übrigens kann ich mich trauen, mehr Streicher zu verwenden. Ich fand Streicher an Orgeln oft nicht so schön.

Das Drama bei J.S. Bach liebe ich am meisten, es ist tiefer als das musikalische Drama aller anderer Komponisten.

ps: Was mich wundert, dass in der Buchserie „Frau in der Gesellschaft“ im Fischer-Verlag Fotos im Titel abgelichtet werden, die „die Frau in der Gesellschaft“ vor allem als erotisches Symbol darstellen, und zwar auf eine Weise der Unterwürfigkeit und Hilflosigkeit, dünn, verletzlich, halb bekleidet, was Männern gut gefällt. Im Nachthemd. Mit dünnen Armen. Nach dem Motto: Mach mit mir, was du willst. Was für eine berufliche Position wird eine solch verletzliche, unterwürfige Frau in der Männergesellschaft wohl haben oder bekommen? Das soll die Frau in der Gesellschaft sein? In welcher, in der Männergesellschaft?

Gibt es eine Frauengesellschaft?

11. Dezember 2020

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Eine Durchlässigkeit des Klanges bis zur letzten Spitze des Raumes, nachts im Stillen, wenn alles ergeben und ruhig ist. (AHS)

Ich freue mich auf den Orgel-Kalender 2022, in dem ich eine wunderbare Orgel vorstelle. Nun, welche denkt ihr?

Ich liebe die As-Moll-Fuge von Brahms. Es ist ein Werk, das nicht so leicht ins Ohr geht („wie Peter Alexander“… ein Insider). Es ist ein klagendes Liebeslied für Clara Schumann. Ich finde ein so klassisch-dynamisches Werk immer eine wichtige Übung. Solche Werke spielt man nicht von hinten her, nicht aus der Legato-Sicht Regers, sondern von vorne her: neu gewachsen aus der Klassik, dementsprechend phrasiert. Dazu gehört die Analyse der Fuge, Linien, Imitationen und Artikulation.

Bedenklich finde ich die bewusst gehaltene Kluft zwischen Kirchenmusik und konzertant virtuoser Orgelmusik: Ein Schubladendenken und eine Trennung, die gar nicht sein müsste und die zu beiden Seiten hin schadet. Diese Kluft wird kultiviert.

Dabei geht nicht darum, dass sich die Orgel vom sakralen Raum trennen soll (diese Angst haben manche und denken an Cameron Carpenter), sondern darum, dass man die Orgel aus Verstaubtem, aus Heuchelei, aus Hierarchie und Neid befreit. Ich meine, was sind eigentlich Kirchenmusiker? Und wievielen Kirchenmusikern geht es wirklich um Gott? Oder um christliches Verhalten?  Na also. So ist doch die Sorge um die Orgel als ein heiliges Instrument nur eine Ausrede. Es geht mehr um die Angst und die Sorge, dass jemand viel besser spielen könnte als sie selbst. Oder jefraud. Dass man ihnen ihr Reich, ihr Revier streitig macht.

Die Orgel ist nicht nur ein Begleitinstrument. Man möge sich das bei einem Flügel vorstellen. Geradezu absurd, die Vorstellung. Die Orgel ist vom Wesen her überhaupt kein Begleitinstrument. Sie ist Königin. Natürlich nicht im überheblichen Sinne, sondern im Sinne von majestätischer Anbetung dem König, also Gott gegenüber (was jetzt nicht sexistisch gemeint ist, als müsse die Frau den Mann anbeten. Nein, es geht mir um das biblische Bild von Braut und Bräutigam, wie im Hohen Lied der Liebe in der Bibel).

Und es geht auch nicht um ein Ausstechen gegenseitig, nach dem Motto, entweder virtuos oder Improvisation oder Choral oder… Nein, sondern um Einheit. Das eine greift in das andere. Wie bei Bach. Wie können wir nach Bach so weit weg sein vom eigentlichen Sinn der Orgel? Vom eigentlich Sinn der Kirche?

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