Startseite Nach oben

20. April 2022

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Die tägliche Dosis Musik ist eine akustische Seelenpflegerin. (Clemeny Burton-Hill)

Die Frage ist: Was ist Musik?

Mein Orgelschüler, Physiker, Prof. und Schwede, ist sehr nett, es macht Spaß, auf Schwedisch Orgel zu unterrichten. Beim indischen Oster-Orgel-Fest (online) habe ich Bach gespielt (über Link).

Foto: Rensch Orgel Schützingen

Neu: Cembalo

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

19. April 2022

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Kunst ist Innovation statt Variation. (AHS)

Ich lese gerade Kazuo Ishiguro, japanisch-britisch, über einen Pianisten: „Die Ungetrösteten“.

Foto: HfMT Hamburg, mit Clavichord, auf dem Gang geübt

Heute waren wir wieder ausreiten durch Wald und Feld, in der Ferne konnten wir die Vogesen sehen, diesmal sind wir auch zweimal  galoppiert. Und natürlich haben wir auch an Kristalle gearbeitet, meinem neuen Orchesterwerk. Es war ein wunderschönes Oster-WE.

Ab morgen ist dann wieder Musiker-Alltag. Wobei bei mir „Alltag“ stets etwas Besonderes ist. Osterferien in dem Sinne habe ich leider nicht.

Neu: Orgel-Information Enzkreis (Orgelsteckbrief)

Beckerath Orgel St. Leonhard Knittlingen

Rensch Orgel Ulrichskirche Schützingen

18. April 2022

Schlagwörter: , , ,

3 Kommentare
Kommentar verfassen

Musik ist Beziehungskunst voll Interaktion. (AHS)

Gesegneten Ostermontag!

Ich spielte heuer an Ostern an der Rensch Orgel in Schützingen und an der Beckerath Orgel in Knittlingen (die, was selten ist, vom Altar aus gesehen links steht). Beide diese neobarocken Orgeln hier im Enztal sind in den 70er Jahren erbaut. Und beide Orte sind wunderschön, wie „Little Schwäbisch Italy“: Weinberge, Tulpen, Kräutergärten, blühende Felder, Serpentinen, kleine und große Fachwerkhäuser, entzückende Dörfer und Dorfkirchen mit quadratischen Uhren auf dem Turm, Eis, Kühe, Schmetterlinge, Pferde. Alles friedlich, gepflegt und still.

Der Posaunenchor spielte gut.
Es waren die wärmsten Tage des Jahres mit ca. 20 Grad hier im Süden. Alles blüht. Abends waren wir grillen, einmal im Stall, einmal auf der Terrasse: Lachs, Schafskäse, Garnelen, Fleisch, dazu Kartoffeln und Salate. Lachs, Feta und Garnelen waren in Alufolie gewickelt und mit Öl, Wein, Gewürzen und Zitrone verfeinert.
Nachmittags waren wir wieder bei den Pferden in dem idyllischen Stall bei Gondelsheim im Bezirk Karlsruhe, haben ausgemistet, gefüttert etc. Ich habe einen großen Pfauenauge gesehen. Am späten Abend waren wir im Theater Osterfeld in Pforzheim im Varieté „Blütenzauber“. Ich wusste gar nicht, was mich erwartet – aber es war absolut spitze. Der Moderator war witzig, und die Tänzerin aus Vietnam atemberaubend. Es war wie Kunst, nicht wie Zirkus. Pforzheim ist etwas kleiner als Würzburg. Wir schauten später zur Entspannung die alten Filme Immenhof (EDELBERT!!) und den neuen Film Last Night in Soho (eine Mischung aus Musical, Thriller und Horror). Und wir haben Eierlikör selbst gemacht. Ohne Thermomix oder so. Selbstgemachter Eierlikör schmeckt 1000 x besser als gekaufter. Ich mag nicht, wenn zu viel Rum und zu viel Ei im Eierlikör ist, er dadurch dickflüssig, dunkelgelb und aufdringlich schmeckt. Unser war der beste: Sahnig, süß, hell, flüssig, mit Vanille, nicht zu viel Rum, fast wie Kuchen schmeckend. Man muss ihn bis zu 20 min mixen bzw. rühren und in hübsche Gläschen füllen oder in Schokobecherchen aus Waffel, die man essen kann.

Foto und Video: Schützingen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

17. April 2022

Schlagwörter: , ,

1 Kommentar
Kommentar verfassen

Durch die Musik können wir erkunden, ausdrücken und vermitteln, was es heißt, Mensch zu sein. (Clemency Burton-Hill)

Gesegneten Ostersonntag! Der Herr ist auferstanden. ❤️
Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ostern ist, wenn man sich fragt: Wer wälzt mir den Stein weg?

Und er ist weg. Jesus selbst hat ihn weggerollt. Der Tod konnte ihn nicht festhalten:

Ich spielte den Ostergottesdienst in Schützingen (im Kreis Stromberg, bei Karlsruhe) an der Rensch-Orgel.

Foto: Kyra und ich gestern beim Ausritt

Durch blühende Rapsfelder und Wälder.


Ann mit kurzen Haaren, HfMT Köln

16. April 2022

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Nichts kann unverwandelt gerettet werden, nichts, das nicht das Tor seines Todes durchschritten hätte. (Adorno)

Heute erinnere ich an Emile Durkheim und ihre spannenden Studien.

Gesegneten Ostersamstag! Ich bin im Schwabenländle, in der Fauststadt Knittlingen (Landkreis Bretten) bei Karlsruhe, wobei Knittlingen Württemberg und Bretten Baden ist, bin hier also direkt an der Grenze) bei Musiker-Freunden und ihren beiden Töchtern und den beiden English Springer Spaniel Juna und Galaxy  – wunderschöne wuschelige Hunde mit punktiger Schnauze, unglaublich verschmust. Die Musiker sind Akkordeonisten und Musiklehrer. Sie haben zudem drei Stuten, Stella (Schimmel), Wolke Sieben (Winterrappe) und Caya (Braune).

Sie sind das erste professionelle Musikerehepaar, das ich kenne, das Pferde hat. Wir waren lange ausreiten im wunderschönen blühenden Kraichtal, Stromberg und Enzkreis. Ich hatte Kyra, ein polnisches Kaltblut. Ich berichte morgen weiter.
Foto: Bad Windsheim

Neu: Dom zu Zwickau, weitere schönen Eulen

Eule Chororgel Dom zu Zwickau

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

15. April 2022

Schlagwörter: ,

2 Kommentare
Kommentar verfassen

Ich bin verrückt nach Größe, habe aber einen weiblichen Größenwahn, das ist etwas anderes. (Niki de Saint Phalle)

Französisch-schweizerische Künstlerin.

Heute erinnere ich auch an Maria Leopoldine von Österreich, Erzherzogin aus Wien und Kaiserin aus Brasilien.

Gesegneten Karfreitag! Ich fahre erst mal heim wie so viele. 
Es regnet. Der IC fährt durch eine verhangene Landschaft. Sehr passend.

Ich arbeite am Klavier an Mendelssohn und Liszt, am Cembalo an Scarlatti, an der Orgel an vielem, im Gesang an Mozart. Im Orchester arbeiten wir an Rezitativdirigieren, auch an Orchesterrezitativen.
Foto: Klinkhamer Cembalo
Ich freue mich auf Ostern. Anbei zwei Videos aus Chemnitz und Greifswald (später lade ich zwei Cembalo Videos hoch):

J.S. Bach – BWV 641 Choral Wenn wir in höchsten Nöten sein Das Orgelbüchlein Banzaf Orgel 

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Orgel Vlog

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Blaukehlchen

Orgel-Information: Lutherkirche Leer

14. April 2022

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Gequälte Gehirne fällen manchmal schlechte Entscheidungen. (Julia Shaw)

Unberechenbar heißt hierbei nicht gewalttätig. Das ist ein großer Unterschied, schreibt sie.

Heute erinnere ich JoAnn Morgan, Raumfahrtingenieurin aus Huntsville, eine der ersten Frauen in dieser Branche. 

Heute habe ich das erste Mal die Orgel in der Marienkapelle Würzburg richtig wahrgenommen, und das in meiner Heimatstadt! 

Ich glaube, dass Kirchenmusik durch ihre breite Fächerung nicht unbedingt zulässt in ihrer Anlage, in etwas exzellent zu sein oder sein zu müssen, sondern eher in allem recht gut. Auf der Suche nach Neuem. Ein künstlerisches Studium dagegen ist fokussiert auf eine Sache, darin exzellent zu sein. Bei mir ist es so, dass ich in allem, was ich liebe, exzellent sein möchte. Besonders als Tastentigerin, wenn man Neues macht. Man darf sich jedoch nicht überfordern bei neuen Dingen. Ich bin ein schneller Mensch, aber auch ein schneller Mensch kann Dinge nicht erzwingen, manches braucht seine Zeit, nämlich schleichend zu wachsen, ins Kleinhirn zu wandern. Natürlich kann ich meinem Kleinhirn (wo auch immer es ist) sagen: Mach! Whereever you are! Nimm Dirigieren als Lebensimpuls wie Atmen! – Aber das Kleinhirn macht, was es möchte. Und entspanntes Lernen mag es nun mal lieber als hektisches.  

Ich habe nun ein Bariton Horn, ein Euphonium, ein Vier-Ventiler (wie meine Mutter, die das schon seit 10 Jahren spielt), da es leichter zu lernen ist als das kleine Waldhorn, denn das Mundstück ist viel größer beim Euphonium. Heute in meiner zweiten Blechstunde habe ich eine ganze B-Dur-Tonleiter gespielt. Er meinte, das wäre sehr gut für eine zweite Stunde. Ich sitze damit nun im Orchester unter den Blechbläsern zwischen Posaune und Horn, auch wenn ich noch etwas schüchtern bin und einfach erst mal noch zuhöre, mein Blech auf dem Schoß. Es ist einfach wundervoll. Ich muss sagen, diese Bläser sind einfach der Abschuss. Sie sind lustig, witzig, freundlich. Es ist eine völlig neue Erfahrung für mich. Wir spielen Sibelius, und ich sitze da und weine vor Freude. Es ist eine unglaubliche Erfahrung, in einem Sinfonieorchester unter Bläsern zu sitzen, Posaunen neben mir, und zu erleben, wie und was die Schwierigkeiten und Stärken von Bläsern sind, ihre Welt hautnah zu erleben. Töne werden plötzlich ein süffiges Band, das mich mitreißt. Es ist schwer, leise schöne Töne zu spielen, on time. Und es ist auch nicht leicht, immer zu wissen, wo man ist und alle Schlüssel auf Anhieb zu können. Wir spielten das süffige Finale, in dem das Blech seine Soli hat. Und es ist so schön, zu sehen, wie die Bläser zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Was ist wichtig und schwer beim Blech: Perfekte und vibrierende Lippenspannung, Zungenspitze (ta) löst den Ton aus, nicht die Luft, lockeren Druck auf dem Mundstück, Stütze und Atem. Sowohl Dirigieren als auch Blechblasen sind durch das Atmen psychologische Dinge. Am schönsten aber ist das komponierte Werk: All das ist Komponierunterricht. Es ist eine große Hilfe zum Komponieren, wenn man weiß, wie ein Orchester funktionieren, auch im Detail. Daher sind Proben zu besuchen und zu beobachten ausgesprochen wichtig. 

Neu: Orgel-Information: Weise Orgel 

Hoffmann Orgel Würzburg

Ahrend Orgel Reformierte Kirche Leer, Ostfriesland

Neu: Orgelinformation Ostfriesland

Danke an Hendrik Ahrend 

13. April 2022

Schlagwörter: , ,

1 Kommentar
Kommentar verfassen

Menschen, die anders sind, gelten als gefährlich. (Julia Shaw)

Foto: Hoffmann Orgel Würzburg-Heidingsfeld St. Paul, historisches Gehäuse

Menschen mit anderem Aussehen oder anderer Art oder psychischen Problemen werden oft diskriminiert, schreibt Julia Shaw.

Heute erinnere ich an Cecilia Braekhus, norwegisch-kolumbianische Boxerin. Es fällt mir auf, dass gerade Frauen mit Doppel-Nationalität, also mit Blut aus zwei Ländern, besonders kreativ zu sein scheinen, denn die meisten Top-Zitate oder Erfolge kommen von Frauen mit mindestens zwei Nationalitäten.

Ich habe Chor schon immer geliebt. Schon als Kind, im Opernhaus Nürnberg. Obwohl sie mich dort in den Alt steckte, weil da dringend Mädchen gesucht wurden. Trotzdem lernt man gerade als Alt sehr viel. Ich mochte das musikalische Gemeinschaftsgefühl und vor allem das Repertoire. Und in den Opern mitsingen dürfen: Die erwachsenen Sänger waren lieb zu uns, und besonders die in der Schmink-Abteilung.

Viel später war es mir dann eine Zeitlang verleidet: Das lag am Chor vom Opernhaus Würzburg. Manche älteren Profi-Damen im Sopran (ich war im Extrachor) waren (vielleicht verständlicherweise?) so bitter und schlecht gelaunt (wer darf in der ersten Reihe stehen usw.), dass ich nicht mehr hingegangen bin. Eine hat mich ziemlich angeblafft, weil ich vor ihr stehen sollte. Doch wenn es nicht mehr um Musik geht, sondern um eine hektische Aufführung, die Geld einbringen soll und wo jeder im Rampenlicht stehen will, da macht das alles keinen Sinn mehr für mich. Das kenne ich schon zu gut, das brauche ich nicht. Das löst eher ungute Gefühle bei mir aus. Ich hatte das Gefühl, es ist eine verlogene Show – wir heucheln dem Publikum etwas vor und ich mir selbst, wenn ich da strahlend stehe. Professionalität darf nicht ausgenutzt werden für Heuchelei. Ich mag zudem nicht mehr, wenn das Repertoire nur weltlich ist.

Ich habe dann jahrelang kein Interesse mehr an Chor gehabt. In Frankfurt HfMDK sollte ich im Chor mitsingen, aber sträubte mich dagegen, was mir ein paar Feinde brachte. Ich durfte nur Gesangsunterricht haben, wenn ich im Chor singe. Nötigung? Ich bekam dann Gesangsunterricht auf anderen Wegen. Jetzt habe ich wieder einen Chor, sogar mehrere. Aber diesmal ist es anders. Es ist ein kleiner Chor, Kammerchor, und jeder steht dadurch automatisch im „Rampenlicht“. Und das Repertoire ist geistliches Repertoire, Schütz und Bach usw., was ich liebe. Und diesmal kommen verschiedene, wunderbare Faktoren zusammen für mich:

  • Komposition und Theorie (wie schreiben diese Komponisten ihre Chorwerke),
  • Chordirigieren (wie dirigiert uns die super Person da vorne),
  • Singen (wie setze ich um, was ich im Gesang gelernt habe),
  • Gehörbildung (ich singe immer alle Stimmen mit, wenn sie geprobt werden, leise oder innerlich) und
  • Andacht (der Chor ist meine „Stille Zeit“, meine Lobpreiszeit, denn wer bei solchen Texten, die pures Gotteslob sind, nicht in Verzückung gerät, muss ein Stein sein).

Es ist tatsächlich wichtig, ob man einen guten, freundlichen, musikalischen Chorleiter oder Chorleiterin hat oder nicht. Mir persönlich tut es auch gut, wenn es ein ruhiger Mensch ist, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und gerne lobt. Da habe ich hier den Jackpot gezogen. Mir liegt Chordirigieren sehr. Als ich das erste Mal mit Kirchenmusik in Kontakt kam, warnte man mich vor Chordirigieren, wie autoritär das wäre, wie furchtbar die Zusammenarbeit mit widerspenstigen Chören. Wie dumm! Es gibt bestimmt solche Horrorszenarien, und man kann alles missbrauchen und falsch angehen. Aber an sich sieht die Realität doch anders aus: Chöre freuen sich und sind dankbar, und das Repertoire ist so erbauend, vor allem, wenn man mit Christen zu tun hat.

Wie Angstszenarien Menschen von wichtigen Dingen abhalten können, auch mich, ist immer wieder erstaunlich. Das haben wir ja auch in der Politik gesehen.

Neu: Orgel-Information: Hoffmann Orgeln in Heidingsfeld: Nr. 1

Hoffmann Orgel St. Paul Würzburg Heidingsfeld

und Nr. 2

Hoffmann Orgel St. Laurentius Würzburg Heidingsfeld

12. April 2022

Schlagwörter: , ,

1 Kommentar
Kommentar verfassen

Warum sollte ich Fische, Zwiebeln und Biergläser malen? Mädchen sind so viel hübscher. (Marie Larencin)

Französische Malerin. Heute erinnere ich auch an Gesa Krause, deutsche Leichtathletin mit enormem Lauftalent.

Wenn ich über Kirchenmusik nachdenke, fällt mir auf, dass die Gottesdienst-Ordnungen oder Agenden sehr streng sind, so zumindest aus meiner Sicht. Das war früher noch viel strenger als heute, wo es seit ca. 20 Jahren das Evangelische Gottesdienstbuch gibt: Hier gibt es mittlerweile Alternativen zur strengen, stabilen Ordnung, aber auch diese Alternativen sind begrenzt und festgelegt. Man könnte die Ordnungen ein Stück weit als reglementiert bezeichnen. Heute ist es immerhin theoretisch möglich, dass die Kirchenmusikerinnen eigene Lieder aussuchen und sich aktiv und kreativ beteiligen am Gottesdienstgeschehen. An manchen Orten passiert das auch. Letztendlich ist die Gottesdienstvorbereitung Kommunikation und steht und fällt mit der Zusammenarbeit mit den anderen, insbesondere mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer. Diese Zusammenarbeit aber scheint nicht immer auf einer Augenhöhe, zumindest nicht arbeitsrechtlich, was eine Zusammenarbeit schwierig machen kann, denn der Pfarrer ist der Chef. Es ist aber nicht nur diese Zusammenarbeit, sondern auch die Agenden und Regeln an sich, die beflügeln oder ausbremsen können. Zusätzlich gibt es noch den Gemeindekirchenrat, der bestimmt. Hier befinden sich natürlich auch Laien. Man kann also noch so gut Kirchenmusik studieren, letztendlich bestimmt die jeweilige Stelle Gedeih und Verderb des Kirchenmusikers, je nachdem, auf welchen Pfarrer (ist sie musikalisch oder nicht, freundlich, flexibel und gläubig oder nicht) und auf welchen Kirchenrat frau oder man trifft. Ich habe einige Theologen kennengelernt, die von Liturgik und liturgischem Singen nicht viel halten und das auch nicht verstehen oder können.

Wenn ich auf „moderne“ Lieder schaue, zum Beispiel Simon  & Garfunkel, „American Tune“, auf dem wundervollen Choral „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ („Passion Choral“ genannt) fußend, dann merke ich, dass solche säkularen „Choräle“ oder säkularisierten Kirchenlieder als Protestlieder oder Studentenlieder die Massen mehr erreichen als die Choräle von Bach. „I’m trying to get some rest.“ Doch der Anklang der Melodie „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ verbindet schon mit Jesus. Die Hoffnung geht über die alte schöne Melodie, auch wenn sie umgeformt wurde, so dass der „American Dream“ die Hoffnung wird, nicht das Evangelium.

Ich finde es schön, wenn sich Text und Melodie in Kirchenlieder vereinigen. Oder wenn sich Text und Melodie gegenseitig auslegen, also unterschiedliche Texte zu einer bekannten Melodie im Gesangbuch gesungen werden, wie Choral-DJs. Das setzt natürlich viel Kenntnis von Kirchenliedern voraus. Genau damit beschäftigt sich die Hymnologie (Lehre vom Kirchenlied), mit Umtextungen, Contrafactus. Für mich ist es so: Wenn die Liturgik sich nicht zu einem Großen, Ganzen verschlingt, so wie bei Bach: Krippe und Kreuz in einer Einheit, dann hat man die Liturgik nicht verstanden, dann sind es immer nur Häppchen ohne Sinn und Verstand, Floskeln. Das Kirchenjahr macht nur im Gesamtzusammenhang Sinn, und zwar auch in dem jeweiligen Abschnitt. Sonst passieren keine Wunder, keine geistliche Erkenntnis, keine spirituelle Kunst. Bach war hervorragend darin, die Liturgik aus der Strenge zu lösen und sie doch einzuhalten. „Oh aller Welt verlangen – wie soll ich dich empfangen?“ Bach hatte vor der Strenge keine Angst, und er fühlte sich nicht von ihr ausgebremst. Wie hat er das nur geschafft? Er hat seinen eigenen Stil in dieser Strenge gefunden. Er hat in seinen Chorälen die Durchgänge perfektioniert und seinen Weg gefunden.

Der Aufbau und die Ordnung von Liturgik ist streng und knapp auf den Punkt gebracht, manchmal geradezu nüchtern. Wie ein System. Es ist sehr geordnet, was im Gottesdienst und im Kirchenjahr passiert. Es gibt Sammlungen und Lieder, die chronologisch geordnet sind, dazu Gebete, an denen man nicht rütteln kann, wie Tages- bzw. Kollektengebet usw. (wer Gott ist in dieser jeweiligen Zeit, eine dazugehörige Bitte zum Kirchenjahr und die Dreifaltigkeit zum Schluss). Ablauf, Introitus, Votum, Liturgie, Dialog. Eröffnung und Anrufung. Verkündigung und Bekenntnis. Es gibt zwar Schwerpunkte und Ausformungen, aber die Grundstruktur als Modell, Rüstzeug und Raster ist nicht rüttelbar, und das schon seit Jahrhunderten, wenn auch ein wenig von Kirche zu Kirche anders, aber festgelegt in der Agende, ein bisschen wie im Alten Testament. Ich verstehe, dass es nicht beliebig oder chaotisch sein soll, was im Gottesdienst geschieht, und dass eine Struktur auch Sicherheit bringt – aber die Philosophie hinter dem Ganzen ist sehr männlich und besitzt nicht die größten Entfaltungsmöglichkeiten. Früher gab es null Spielraum, siehe Johannes Bugenhagen, mittelalterliche Messen, preußische Agende, alte Missalen von 1503. Biblische Gesänge. Genfer Psalter. In diesem engen Raster Kunstformen zu finden, das ist gar nicht so leicht. Ich verstehe immer mehr, dass Künstler und Kirchenmusiker von Natur aus Feuer und Wasser sind. Der Kirchenmusiker sucht sich nicht umsonst einen Beruf und auch ein Studium aus, in dem er so eng an der Kandare gehalten wird. Er braucht Ordnung und Sicherheit. Er hasst Chaos und Unordnung. Ein Künstler dagegen braucht auch Unordnung und Chaos, er braucht nicht nur Sicherheit, sondern vor allem Freiheit. Dennoch lasse ich mich an die Kandare nehmen, vielleicht weil ich spüre, dass es mich dennoch anzieht: Denn es ist ja trotz seiner Strenge das Vielfältigste überhaupt. Ich glaube, man wird nirgendwo so umfänglich musikalisch ausgebildet wie im kirchenmusikalischen Studium. Allein die Orgel und ihr Spektrum an Repertoire und Geschichte bietet enorm viel Bandbreite. Vor allem, wenn man vorher Klavier studiert hat. Als Sahnehäubchen kommt dann noch Dirigieren dazu. Wobei das Sahnehäubchen eher eine Haube wird. Eine Sahnehaube. Eine dicke Sahnehaube. Allein Hymnologie und Liturgie umfassen sämtliche weitere Wissenschaften wie Theologie, Musikwissenschaft, Sprachwissenschaft usw. Und öffnet eine weitere Tür hin zur Theologie. Es ist nur wichtig, dass man nicht Floskeln frömmelt und einem Dogma dient.

Ist es nicht erstaunlich, dass früher der cantus firmus im Tenor und nicht im Sopran zu finden war? Es sollte damals wohl besser die (hohe) Männerstimme den cantus firmus führen. Aber Gott hat es so eingerichtet,  dass die hellen Frauenstimmen immer mehr gehört werden als egal welche Männerstimmen. So wurde der cantus firmus dem Sopran gegeben.

Erstaunlich finde ich auch, dass sich Bach von den Kirchentonarten so komplett gelöst hat. Ich mag dorisch und phrygisch sehr gern. Aber Bach konnte damit nicht viel anfangen?

Foto: Geniale Walcker Orgel Hoffenheim

Neu: Orgel-Information Walcker Orgel Hoffenheim

Eine meiner Lieblingsorgeln:

Walcker Orgel Hoffenheim bei Heidelberg

Das krasse Gegenstück dazu, was ich fast am selben Tag spielte (weswegen Bossert und ich aneinander gerieten): Die Universal-Orgel in Zülpich bei Köln:

Weimbs Orgel Zülpich bei Köln

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Silbermann Orgel Glauchau

11. April 2022

Schlagwörter: ,

3 Kommentare
Kommentar verfassen

Mit einem Gang durch den Regenwald beschreitet man den Geist Gottes. (Birute Galdikas)

Kanadische Primatologin, Forscherin, die sich mit Gorillas und Primaten beschäftigt. Ihr Herz gehört Orang-Utans. Das ist schön. Heute erinnere ich auch an Suzanne Lenglen, französische Tennisspielerin.

Ich habe meine Many Mornings Fuchs-Herbst-Socken an, mit dem weichen Bund in orange (der coolste Fuchs ist auf der Rückseite vom Fuß) und dazu meine rote Cordhose und bin schon im ICE. (Mußte um 4 Uhr morgens aufstehen.) Manchmal finde ich es lustig, von einer Farbe verschiedene Schattierungen anzuziehen. Das erinnert mich an einen Wettbewerb in der Grundschule, da hatte das Kind gewonnen, das von einer Farbe die meisten Schattierungen (zu Grün) aufschreiben konnte. Ich hatte haushoch gewonnen. Viele Schattierungen hatte ich einfach erfunden. Neben dem zB normalen Grasgrün hatte ich noch Stachelbeergrün und Krautgrün und Kotzgrün… Einige Kinder stritten zwar mit mir, ob gewisse meine Grüntöne überhaupt existieren, aber da waren sie bei mir an der falschen Adresse ☺️. Ich verteidigte meine Grüntöne vehement und führte sie genau aus. Jetzt habe ich viele verschiedene Rotschattierungen an, inklusive meiner roten Woll-Baskenmütze vom Markt in Würzburg gestern am Palmsonntag.
Foto: Seifert Orgel Kevelaer

Neu: Orgel-Information Basilika Kevelaer:

Seifert Orgel Basilika Kevelaer

Seifert Chor-Orgel Kevelaer

Chororgel in der Basilika Kevelaer

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Silbermann Orgel Glauchau