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Tourblog

7. November 2019

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Lutherkirche Leer, Ostfriesland, Ahrend-Orgel von 2002

Die Lutherkirche mit niedriger Decke ist sehr besonders. Die dreimanualige Ahrendorgel thront mit Rosen, Girlanden und Rosengirlanden verziert über allem. Goldene Rosen auf den silbernen Pedalpfeifen an den Seiten! Es gibt Zungen (Trompete, Posaune, die berühmte Ahrend-Spezialität: die fünffach geöffnete Vox Humana), Flöten, die konischen Pfeifen wie Gemshorn 16, Nasard, die Spitzigen, Streicher (eine schöne Gambe), Schwebung und alles, was das Herz begehrt. Die sogenannten Unterscheidlichen. Dazu Vogel und Stern – beides die schönsten Zierdeklänge. Man kann ein wunderschönes Cornett zusammenstellen aus Rohrflöte 8, Spitzflöte 4, Nasard 3, Gemshorn 2 und Terz. Ich glaube, dass man hier sehr wohl auch Muffat spielen kann, da Gambe und Gemshorn wunderschön sind und genau die Farben haben, die man braucht. Außerdem stehen Ahrend-Orgeln auch in Süddeutschland. Farben können Gebiete einnehmen und ändern. 

In jedem Werk eine Mixtur 4-fach. Im Brustwerk ist diese allerdings in separat zu registrierende Reihen zerlegt, wie man das auch in alten italienischen Orgeln findet (dort „Ripieno“ genannt). 

Natürlich bin ich wieder in das Innenleben der Orgel geklettert und habe mir die Vox Humana (Zunge) genau angesehen und vorsichtig in Händen gehalten. Die Vox Humana (mit ihren fünf Öffnungen) ist natürlich nicht zu verwechseln mit der Voce Umana oder Piffero (Schwebung).

In der Orgel sieht man die Posaune im Pedal (Holz), den Subbass (Holz, gedackt, mit Stöpsel) im Pedal, die tiefe Hohlflöte aus Holz gedackt mit Stöpsel, ebenso den Bordun aus Holz gedackt mit Stöpsel, und wenn die Hohlflöte höher wird, ist sie aus Metall (zugelötet mit Seitenbärten), immer kleiner werdend; und je höher und kleiner, bekommt sie auch noch ein Rohr. Die schmalen Gamben (Reihe) aus Metall gehen etwas konisch auf.

Auf der anderen Seite die sehr kleinen Pfeifen aus Metall, die kleinen Spitzigen und kleinen Gedeckten: Hier sieht man das Gemshorn (oder Spitzflöte) 4, Nasard 3, Gemshorn 2 und dahinter die kleine Terz (flötig), ganz hinten Rohrflöte 8: ein wunderschönes Cornett (immer aus Flöten): Horn. 

Draußen scheint die Sonne. ps: Sehr empfehlen kann ich: Biofit von Dr. Schaette, wenn einem nach dem Üben die Arme wehtun.

19. Oktober 2019

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Was für ein Gerät!

Jetzt sage ich sogar, dass eine Orgel ein Gerät ist – obwohl ich mich darüber zuvor so aufgeregt habe. Aber die neue Klais-Saal-Orgel Würzburg ist ja nun wirklich ein echtes Gerät – ich war heute fünf Stunden dran, gespielt und genieße jede Sekunde. Was mir gefällt ist, dass es eine Konzertorgel ist, eine Saalorgel. So kann ich auch außerhalb von Kirchen üben. Das ist wichtig. Allein die tonnenschwere schwarze Decke abzuziehen von diesem wunderschönen fahrbaren Spieltisch und diesen mühsam etwas nach vorne zu schieben, den dicken Schlauch anzustecken, dann die Lichtsterne, die von oben fallen, und direkt unter den Pfeifen zu sitzen oder die Pfeifen vor sich zu haben, je nachdem, wohin ich den Spieltisch fahre, das alles ist schon purer Genuss. Das Handschuhfach auf und anschalten. Gebläse. Und jede Klangfarbe, jeden Klangschalter in Ruhe ausprobieren, jede Kombination. Wenn ich die Decke wieder anlege, kommt es mir vor, als würde ich meinem Pferd nach dem Reiten die Decke überlegen, damit es nicht friert, nachdem es geschwitzt hat. Beide Decken haben Klettverschlüsse.

Vor der Orgel steht der Steinway D. Ich habe das Gefühl, zwei Steinways stehen mir zur Verfügung, die völlig unterschiedlich sind. Die Flügeldecke ist viel kleiner, die Lichtsterne fallen auf den schwarzen Lack des Flügels, die Pfeifen spiegeln sich im Lack des Flügels. Zwei Prinzessinnen, die ganz unterschiedlich sind. Und beide liebe ich. Beide spiele ich. Mozart da, Beethoven da.

Heute habe ich Mozar (608), Widor (5 ) und Vierne (3) gespielt. 

An einer Orgel liebe ich besonders viele verschiedene Achtfüße überall, viele verschiedene 16-Füße überall (und 32 im Pedal) und wenn das Pedal viele Vierfüße hat (was viele Orgeln leider nicht haben). Ja, die Vierfüße im Pedal sind super. Ich bin gar nicht immer so ein Fan von Mixturen, außer wenn sie wunderschön sind. Ich mag es lieber, selbst zusammenzustellen. Und dann liebe ich Zungen. Ach, und natürlich liebe ich die zarten Klänge. Vor allem die im dritten Manual, und wenn das Schwellwerk riesig, fein, mächtig, sensibel und deutlich ist und die Schweller sehr gut reagieren. Schweller sind so wichtig, und auch, dass man sie selbst belegen kann, dass sie für jedes Manual reagieren, und Walzen. Und Fernwerke liebe ich, und die vierten Manuale.

Aber diese Orgel hat noch so viel mehr zu bieten, für neue Musik geradezu perfekt. Und zum Komponieren. 

Ich freue mich auf meine nächsten Kunst-der-Fuge-Konzerte. Ich freue mich auch, alle Ladegastorgeln kennenzulernen. 

Iveta ist mein Vorbild. 

Das Verrückte ist: Niemand würde sagen, dass eine Orgel sich von alleine geschaffen hat. Sie ist eine Maschine. Technik. Ein Kunstwerk. Und die Erde? Sie ist eine Maschine, pure Technik, Kunst. Hat sie sich selbst erschaffen? 

 

12. Oktober 2019

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Schlagader Kunst: MfKG und Hamburg-Museum, Deichtorhallen, Haus der Photographie und Kunstverein

Es war sehr interessant und spannend in der Instrumentenabteilung und Orgelabteilung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, auch die Instrumente im Hamburg Museum (Museum für Hamburgische Geschichte) mit dem schönen Kunstwerk von J. Voorhout: Reincken und Buxtehude:

Kabinett-Orgeln, Schrank-Orgeln, mittelalterliche Orgeln (Taubeneimensur, Winold von Putten), römische Orgeln, byzantinische Doppel-Orgeln (Weichlöten mit Löteisen) Nachbau Schuke, Positive, eine italienische Prozessionsorgel, eine toskanische Renaissance-Orgel, Organetto, der alte Spieltisch der Arp-Schnitger-Orgel mit den Köpfen als Registerzüge, alte schöne Steinway-Flügel, beschmückte und verschnörkelte Flügeln von Steinweg, Breitkopf und Härtel, ein Lyraflügel, ein Mandolinenklavier.

An der Flentrop-Orgel in der Hauptkirche Katharinen, deren Prospekt J.S. Bach ebenfalls gesehen hat, spiele ich sehr gern. Die schwarzen runden Registerenden sind ästhetisch. Ich liebe die Klänge der vielen 16-Füße, des 32-Fußes.

Auch das Miniatur Wunderland (World’s largest model railway) gefiel mir, besonders Kiruna (Schweden), der Hamburg Flughafen, der Vulkan, Wolkenausbruch über der Schweiz, Hamburg und die Elphi in Miniatur.

Natürlich auch Kunst: Die Deichtorhallen mit den jungen Werken von Richter, dem Haus der Photographie, dem Kunstverein Hamburg mit der erstaunlichen Ausstellung von Peaches (Künstlerin und Sängerin).

3. Oktober 2019

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Feiertag – endlich!

Kunst ist, in den großen Reigen der Wiederherstellung einzutreten. Bewusst. (Ann-Helena Schlüter)

Für mich ist es mit Dissertation, Beethoven-Üben und Orgel genauso viel Arbeit wie an den anderen Tagen. Ich freue mich auf den Orgelkurs mit Daniel Roth und auf die Konzerte am WE, besonders auf die Schuke-Orgel in der Praetoriuskirche Wolfenbüttel.

Musikvermittlung soll aus Begeisterung heraus geschehen, aus Freude an der schöpferischen Leistung. Was sich nicht so leicht vermitteln lässt, ist eine Herausforderung.

18. September 2019

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Schritt für Schritt für Fahrt

Es ist doch erstaunlich, dass es für viele Männer eine Art Rollentausch ist, wenn Frauen erfolgreich sind. Dabei können Frauen durchaus erfolgreich sein und dennoch keine Männer sein – ich bin eher sehr sensibel und in vieler Hinsicht übermütig und kindlich und neckend und gern das ganze Gegenteil von einem Mann – dennoch empfinden Männer Frauen als „nicht demütig“, „egoistisch“, „feministisch“  oder Schlimmeres, wenn Frauen erfolgreich sind… erfolgreicher als sie selbst.

Bei einigen Kirchenmusiker ist es am Schlimmsten. Ich darf dann folgendes hören:

„Das Feministische hört ganz schnell auf, wenn es um Körperkraft geht.“

Oder:

„Das Feministische hört ganz schnell auf, wenn es um Komponistinnen geht.“

Dann sage ich, dass ich immer meine eigenen Werke spiele. Dann kommt der Satz: „Das ist aber egoistisch.“

Absurd. Abstrus.

Manche dieser schreien auch bei meinen Noten auf, weil ich viel hineinschreibe (I used to). Gut, aber vielleicht provoziere ich auch hin und wieder gern. 🙂

Herzlichen Glückwunsch an meine Nichte Emilia, die heute Geburtstag hat. I love you.

11. September 2019

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Orgel-Expedition 

Konzert in Heidelberg war sehr schön. Heute habe ich auch die Barockorgel mit der kurzen Oktave, ein Manuel geteilt, beim Kreuzgang des Doms Würzburg kennengelernt.

Es scheint eine (Polar-)Expedition, die Orgel aus ihrer religiösen Umgebung herauszulocken, die konfessionsübergreifend den Mann als Chef des Ganzen erhalten möchte. Es braucht Kraft und Mut, ein solches Problem zu schultern. Es gibt keine reale Domorganistin. Der Beruf der Konzertorganistin wird von vielen  zudem nicht als real existierend gesehen. Der Status Quo der Orgel ist, dass keine Differenzierung von Orgel und Kirche ingesamt vorgenommen wurde. Sie ist dadurch sehr eingeschränkt. Dies ist kein künstlerisches, sondern ein politisches Problem. Das Verrückt daran ist, dass besonders dort, wo „Kirchenmusik“ hochgehalten wird, die Frauenfeindlichkeit der Umgebung stark zunimmt. Dabei sind die meisten dieser Männer nicht mal Christen, sie wollen nur ihre Macht nicht verlieren.

Die gut bezahlten Chef-Stellen gehen meist an Männer: an große, laut redende Männer, die ihr Gehalt zudem massiv verhandeln. Auch in Frauenberufen wie Kindergärten sind Männer Boss. Frauen gehen hier dann oft leer aus bzw. verdienen sehr viel weniger, weil sie so nicht verhandeln. 

Auffallend ist zudem: Männer schauen bei Meetings oft nur Männer an. Wenn eine Frau etwas sagt, wenden sie den Kopf. Offensichtlich bemerken die Männer dieses Verhalten nicht. Wenn man sie darauf ansprechen würde, wären sie irritiert.   

Doch: 

3. September 2019

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New concerts

„Go with the choice that scares you the most. Because that’s the one that is going to require the most from you.“ (Caroline Myss)

Ich freue mich sehr auf die neuen Konzerte in Wilhelmshaven und beim Brandenburgischen Musikfestival.

Es war wunderschön, heute ins Gelände zu reiten, durch die (trockenen) Wälder. Oben am Schenkenturm hatte ich das Gefühl, in der Luftlinie direkt auf die Festung zuzureiten. Ich freu mich auf das Reitturnier.

Heute fiel mir auf: Durchhalten ist generell eine wichtige Parole. Nicht nur an der Börse… „Hartgesotten“ sein, nicht zittrig, buy-and-hold, gerade in der Krise, denn Rendite kommt von Risiko. Auch wenn Menschen nerven… wenn du gehst, verpasst du den nächsten schönen Ausritt, um im Bild zu sprechen.