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Klavier

29. August 2026: Orgeln sind Tempel, Wunderwerke, von Gottes Hand beseelt, Nachklang der Schöpfung. (J. Gottfried Herder)

Foto: Pneumatische Link Orgel opus 247 Schweigern Boxberg, Baden

Heute erinnere ich an Marek Edelmann, Ludwik Hirszfeld und Abraham Joshua Heschel.

Heute fuhren Sebastian und ich nach Schweigern:

Historische pneumatische und romantische Link Orgel op. 247 ev. Martinskirche Schweigern Boxberg (Baden), 2 M, 16 R

 Hier im lieblichen Taubertal steht die hübsche evangelische Kirche mit ihrer schmucken Denkmalorgel.

1954 bekam die Kirche ein neues Geläut, denn die historischen wurden im Zweiten Weltkrieg geraubt.

1959 wurde sie renoviert und auch 1999.

Die Kirche ist hell, mit loser Bestuhlung und beweglichem Altar.

Die Akustik ist sehr schön, sprechend und vokal.

Orgelinnenraum und Orgelpfeifen wurden 1999 ebenfalls gereinigt und die Orgel neu gestimmt.

Nach Abschluss der Kirchenrenovierung wurde die Orgel wieder eingebaut.

Schweigern liegt in einer Talsohle der Umpfer zwischen Boxberg  und Unterschüpf und  ist Stadtteil von Boxberg in Baden.

Es ist meine 15. Link-Orgel. Diese hier ist eine der jüngeren. Da die Dörfer kein Geld hatten, ihre Orgeln zu tauschen und zu ändern im Zeitgeist, blieb diese Orgel original erhalten, was ein Wunder ist.

Es gibt auch einen Schöpfer für Wind. Es machte viel Spaß, mit lebendigem Wind zu spielen. Es ist weicher und zarter. Die Orgel muss wieder saniert werden, da der Wind recht langsam arbeitet.

Der Klang ist warm, direkt, hell, singend in sehr schöner Akustik. Durch die hellen, warmen Klänge ist die Orgel raumfüllend. Sie besitzt schöne romantische 8 – Füße, Flöten, Solostimmen.

Ich sitze mit dem Gesicht zur Gemeinde.

Die Koppeln sind blau, das Pedal rosa, das 2. Manual hellgelb, das HW weiß. Es war sehr schön, hier zu spielen.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.



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28. August 2026: Ob Stoffe, Taft, Kleider, Farben oder Töne … ich erlebe das Wunderbare, Sinnliche auch beim Ineinanderfließen der Töne. (AHS)

Foto: Steinmeyer Orgel op. 2339 kath. Stadtpfarrkirche St. Jakobus der Ältere (1709)

Heute fuhren wir nach Lauda und trafen eine neue Königin:

Große neobarocke Steinmeyer Orgel opus 2339 kath. St. Jakobus Kirche Lauda Königshofen in Baden 3 M 36 R Radialpedal 4 Pedal Transmissionen aus HW

Im lieblichen Taubertal nah an Franken steht dieses Kind seiner Zeit mit wunderbaren Zungen und singenden Flöten und zartem Tremulant im Rückpositiv Schwebung im 3. Manual SW in dieser hellen großen langgezogenen Kirche mit viel weißem Stuck. Es ist eine der größten Orgeln der Umgebung. Die Akustik ist brillant.Die braune Orgel im zweigeteilten Prospekt verbunden durch ein Schwellwerk mit neobarockem Touch und mit großem RP an der weißen Emporenbrüstung steht auf der breiten WE.

Ihre Register und mechanische Setzeranlage sind etwas verwirrende dunkelbraune Kipp–Würfel: die linken müssen von links nach rechts und die rechts von rechts nach links gekippt werden. Ein Albtraum, hihi.

Als Organistin verschwindet man völlig hinter dem wuchtigen Instrument.Mechanische Spieltraktur (Tontraktur) und elektrische Registertraktur (Schleifladen-System). Freistehender Spieltisch mit Blick auf das Gehäuse.Es ist meine 45. Steinmeyer Orgel. In Lauda spielte ich auch in Gerlachsheim.Im Zuge einer Kirchenrenovierung wurde die Orgel gereinigt und gestimmt. Doch das Instrument benötigt eine umfassende Elektrosanierung da die Kosten hierfür von ursprünglich 15.000 Euro auf rund 50.000 Euro gestiegen sind. Bitte spendet!Die genaue registerweise Auflistung (Disposition) der Steinmeyer-Orgel von 1978 in St. Jakobus (Lauda) ist in den frei zugänglichen Online-Datenbanken nicht im Detail dokumentiert.

Daher ist die Disposition hier zum ersten Mal im Netz.

An den Seitenwänden unten in der Kirche sieht man den goldenen Kreuzweg von 1900. Die klassizistische Kanzel ist von 1804, das Deckenbild im Chorraum von 1894.

1945 wurde der Turm beschossen und 1975 erneuert. Das Geläut besitzt 7 Glocken, wovon 2 historisch sind. Die Kirche besitzt einen schönen Chorraum, gekrönt mit einem hellblauen Vorhang und einem Hochaltar von 1755.

Sehr schöne sprechende Akustik, schwingend-süffig. Das ausdrucksstarke Schwellwerk verbindet optisch und akustisch die beiden Seitenflügel des Prospekts. Das Gehäuse ist eher schlicht.
Was es wohl früher hier für eine Orgel gab?
Geweiht wurde diese Orgel vom wunderbaren Paul Damjakob.

Sehr schön ist im RP das rauchige Quintatön und als Solostimme das Holzgedackt 8 mit Rohrflöte 4. Das HW ist gravitätisch, die Mixtur etwas zu scharf, sehr schön die französischen Zungen. Die Gamba mag ich und die Bifaria mit Salicional als Schwebung im SW oben. Und die Bombarde im Pedal.

Leider gibt es Steinmeyer nicht mehr!

Es war sehr schön, hier zu spielen. Die malerische Gegend mit ihren Dorfkirchen ist eine Augenweide!
Der Spieltisch ist schlicht und praktikabel, abgesehen von den Würfeln. Nebenan gibt es Eis!

Die Orgel mit edlen Zinnpfeifen steht als schön geschreinerte Schränke aus getöntem Eichenholz vor dem großen Fenster.

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27. August 2026: Gott hat auch Herzensanliegen: Wir. Wie wir. (AHS)

Es gibt einen Unterschied zwischen (negativer) Angst vor Gott, also vor Kontrolle – und positiver Ehrfurcht. Ehrfurcht bedeutet, dass wir uns von Gott führen lassen. Wir sind nicht fremdgesteuert, wenn wir unserem Schöpfer erlauben, uns zu führen, und darin übernehmen wir Verantwortung und Selbststand in Form von Selbständigkeit.

Heute erinnere ich an Margaret Laurence, 1926, kanadische Schriftstellerin, die als kreative und künstlerische Frau ihren Weg gegangen ist und genau darüber schreibt – wie wir wachgerüttelt werden können.

Ich freue mich über den schönen Pressebericht zu meinem Konzert in Altenstadt.

Zu Weihnachten kommt ein neuer Lyrikband von mir heraus. Diesmal habe ich zum ersten Mal die Rolle einer lyrischen Übersetzerin übernommen. Die wundervollen Gedichte von Edith Södergran von 1916 habe ich lyrisch aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt, ins moderne Deutsch von 2026. 110 Jahre liegen dazwischen. Es war viel Arbeit, hat aber auch viel Freude gemacht. Der Gedichtband heißt NOCTURNE. Die VÖ ist Mitte November.

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26. August 2026: Verloren geglaubte Empfindungen kommen beim Üben auch hervor. Oft muss ich stoppen und dem erstaunt nachfühlen. Manchmal passiert dies auch im Konzert, was sehr irritierend ist, da ich keine Zeit haben, nachzufühlen und mich das Gefühl kalt erwischt. (AHS)

Heute wurde ich Paul Damjakob vorgestellt, dem ehemaligen Domorganisten in Würzburg; er ist 87, fit, eine starke Persönlichkeit und sehr besonders. Er mag meine Videos zu Franz Liszt, besonders mein Ad nos aus dem Dom in Schwerin an der legendären, schwergängigen Ladegast Orgel (wo meine Füße auf dem riesigen breiten Pedal winzig aussehen) und mein Liszt B-A-C-H aus Hamm Heessen, und sagte, ich sei ein „Orgelvamp“, ein Genie, eine Virtuosin und eine Liszt-Expertin.

Er hat uns viel erzählt aus seinem Leben, was sehr spannend ist. Er schreibt nun an einem Buch über sein Leben.

Das sind so andere Zeiten als die, in denen wir nun leben. Ich bin überrascht, wie ein fast 90jähriger so lebendig, klug und gutaussehend sein kann; mit blauen, wachen Augen erzählte er uns, detailgenau, irgendwie unschuldig und mit viel Leidenschaft, wie die Zeiten 1940 und 1950 waren. Ich liebe Geschichte und könnte stundenlang zuhören, auch wenn mich viele Dinge aufwühlen und ich schon nach 10 Minuten das Gefühl habe, ich muss raus und alles verarbeiten und dann wiederkommen. Das denke ich alle 10 Minuten lang, viele Stunden lang.

Er redete dabei von allem anderen als Musik. Von Pferden, von Straßenbahnen und Zügen; er zeichnete sehr gut. Es war sehr interessant, zu sehen, wie er aufgewachsen ist; die Fotos, Briefe und Bilder – das unfassbar geschraubte Deutsch von damals in Briefen und die Musik zu hören.

Ich bin sehr dankbar und fühle mich geehrt, ältere Menschen, die weise und echt und nicht böse und bitter geworden sind, zu treffen; die lachen und sich freuen wie Kinder; bei denen man auch kindlich sein darf, ohne toll sein zu müssen; die die Zeit vergessen; die durch Schmerz und Leid durchgehalten haben.

Auch sagte er, dass die Zeiten auch bei ihm nicht immer leicht waren; er musste um alles um Erlaubnis bitten und fragen und bitten; aber er sagte, er hätte nicht weg gekonnt, denn die Domorgel in Würzburg sei sein Verdienst, „seine“ Orgel. Sein Leben war vor allem der Dienst in der Liturgie. Von daher verstehe ich es.

Mein Liszt an der legendären Ladegast-Orgel Dom Schwerin mit den brennenden Kerzen (Aufnahme nachts):

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25. August 2026: Wo willst du Gott suchen? In der Tiefe, über den Sternen? (Jakob Böhme)

Heute erinnere ich an Erika Mann, 1905. Sie reiste selbst herum, um zu erleben und verließ sich nicht darauf, was andere ihr erzählten, wie Sachen seien. So mache ich es auch. Es gibt zu viele Menschen, die hören Gerüchte und Stories und glauben sie, ohne selbst geprüft oder gesehen oder erlebt zu haben. Natürlich bedeutete es auch, dass Erika Mann kein leichtes Leben hatte.

Aber originelle Geister und große Intellektuelle würden dahinwelken in der zähen Masse von Spießbürgern, in der blühenden Idiotie, die schläfrig und krude die Kunst verachten und unfähig sind, edle und intelligente Gedanken nachzuvollziehen – so schrieb es auch José Maria Eça de Queirós, portugiesischer Schriftsteller und Kosmopolit, 1845. Er wurde als Nestbeschmutzer betitelt, weil er das Spießbürgertum seiner Landsleute aufdeckte.

Auch in der Schulmeister-Lehrer Lämpel-Kirchenmusik existiert viel Spießbürgertum, die Musik und Kunst im Keim ersticken. Man darf hierbei nicht vergessen, dass es Spießbürgertum um Macht geht. Um gesellschaftliche Stabilität. Um Gleichgültigkeit gegenüber Kunst. Um Unterdrückung. Wir brauchen wieder Kunst und Glauben in der Kirche.

Bürgerinnen der Welt schauen über die Grenzen ihres eigenen Landes hinaus. Sie reisen gern und schauen selbst nach, was Sache ist, auf den Bühnen des Lebens, suchend nach Geschmack und Erkenntnis. Das Herz schwebt himmelwärts, ist auf dem Sprung in die Ewigkeit. Die Erde reicht nicht aus. Mir wachsen Flügel, die Freiheit, an Orte zu gelangen, wo ich vorher nicht hinkonnte, und es ist leicht – besonders auch im Geist, in der Literatur, wie es auch Claire Keegan meinte, irische Schriftstellerin, 1968.

Musik ist wie ein Teil von mir, während ich Literatur als etwas von außen, außerhalb von mir, betrachten kann, das ich nach Belieben formen oder sein lassen kann. Beides, in mir, außerhalb von mir, hat Vor- und Nachteile.

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24. August 2026: Kammermusik ist das Gegenteil von Größe. In der Kirchenmusik heute haben viele das Herz der Musik mit der Größe und Anzahl von Pfeifen und dem Pegel der Lautstärke eingetauscht und damit Geist und Musikalität verloren, falls sie diese jemals hatten.

Das Herz der Kunst ist Imperfektion.

Heute erinnere ich an Monica Ali, die (aus ihrer eignen Biographie heraus) von Muslima berichtet, die von Pakistan nach London kamen, wie sie selbst auch – die meisten wegen Heirat mit viel älteren Männern, die sie beherrschen.

En önskan

Av hela vår soliga värld önskar jag blott en trädgårdssoffa

där en katt solar sig … Där skulle jag sitta

med ett brev i barmen, ett enda litet brev.

Så ser min dröm ut … (Edith Södergran)

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23. August 2026: Wenn es dich verlangen wird zu hören, will ich dir die großen Dichterinnen lesen. (Kaschnitz)

Foto: Seuffert Orgel Barockkirche Gerlachsheim

Der Orgelbauer Johann Philipp Seuffert stammte aus einfachen, bäuerlichen Verhältnissen und arbeitete sich hoch zum Würzburger Hoforgelmacher. 

Er machte seine Lehre bei Johann Hoffmann, dessen Orgeln ich auch schon gespielt habe, zum Beispiel in Arnstein, Oberzell und Fulda. Der Würzburger Hoforgelmacher Hoffmann ist nicht zu verwechseln mit der Ostheimer Firma Hoffmann aus der Rhön.

Johann Hoffmann starb 1725 in Würzburg. Er begründete die Würzburger Orgelschule, das mainfränkische süddeutsche Erbe.

Besonders wichtig waren ihm hierbei die eng-mensurierten Streicherstimmen wie die Gambe. Ich liebe schöne Gamben-Sounds, die es ja nicht immer gibt.

Der junge Seuffert ging auf Wanderschaft nach der langen Lehre (6 Jahre) und lernt viel über Klang unterwegs, in Italien, Österreich und Ungarn besonders.

Seuffert und Hoffmann standen stets in enger Verbindung.

Die süddeutsche Orgellandschaft zeichnet sich durch prachtvolle kleine Instrumente in Barockkirchen aus. Je kleiner die Orgel, umso ausgewogener muss sie sein. Seuffert verkörperte den fränkisch-schönborn’schen Barock.

Die größte Pfeife ist hier in Gerlachsheim der Contrabaß 16′ mit ca. 5 m (Frequenz 33 Hz); die kleinste Pfeife ist die Cymbel 1′ mit ca. 1,9 cm ohne Fuß (Frequenz 8448 Hz).

Die Registerzüge sind aus Ebenholz gedrechselt, mit Porzellanplättchen handgeschrieben. Die Registertraktur besteht aus Eisen und Eiche. Die Seuffert-Pfeifen sind 1007, darunter 38 stumme Prospektpfeifen. Die Vleugels-Pfeifen sind 702 Pfeifen.



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22. August 2026: Musik ist weder Magie noch Zauberei, sondern Rhythmen der Schöpfung in Klänge eingeprägt, in Tanz. (AHS)

Foto: Ehrlich Vleugels Orgel 1742 / 1973 Kulturkirche Unterschüpf Boxberg Baden

Mit Musik hat sich die Schöpfung vollgesogen.

Besonders schön sind die 8-Füße der Ehrlich Orgel in Unterschüpf, der Zimbelstern (langsam und angenehm), die Spitzflöte 8 mit Schwebung, die beiden Quinten (oben und unten), die beiden Mixturen im HW, heller und dunkler und beide nicht aggressiv, sondern warm.

Alle zarten Klänge sind lieblich und schön.

Sehr gern hätte ich hier die originale Ehrlich Orgel gehört, am originalen Spieltisch. Es war dennoch sehr schön, hier zu spielen.

Heute erinnere ich an Johann Ludwig Backhaus, Komponist aus Gotha, 18. Jahrhundert, und an Johann Eberhardt Ungelenk, 1741, Organist und Schulmeister in Wandersleben. Es ist bemerkenswert, dass der Beruf des Kirchenmusikers oft Hand in Hand ging mit dem Beruf des Schul-Lehrers. Daher sind viele Organisten, Kantoren und Kirchenmusiker eher Lehrer-Typen als Künstler? Die wenigsten Menschen haben allzu gute Erinnerungen an ihre Musiklehrer in der Schule. Oder? Künstlerinnen waren es meistens keine.

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21. August 2026: Bei Gott gibt es nur ein Tempo: ein zärtliches Tempo. Auch beim Üben.

Foto: Steinmeyer Orgel Kapelle Lohr

Heute erinnere ich an Hayden Panettiere.

Am 18. August 2026 spielte ich diese wunderschöne Steinmeyer Orgel mit elektropneumatischen Taschenladen in Lohr zum ersten Mal nach über 17 Jahren Schweigen (!). Ich fühle mich geehrt. Seit mind. 2011 schwieg die Orgel, weil das katholische Knabeninternat wegen Vorwürfen des sexuellen und geistlichen Missbrauchs und anderen Gründen zugemacht hat.

Wir steckten den Starkstrom ein, und zum ersten Mal nach fast zwei Jahrzehnten fuhr der Motor wieder hoch. Ein historischer Moment. Ich werde mich darum kümmern, dass das wundervolle Instrument saniert und gesäubert wird und bin Feuer und Flamme dafür.

Und heute, am 20. August, spielte ich die Orgel zum ersten Mal mit Pedal. Der Orgelbauer war da und entfernte die Heuler und Hänger im Pedal. Ein erfahrener Profi kann anhand der Art der Heuler sofort erkennen, wie man diese beseitigt. Da habe ich heute viel gelernt. Ich liebe Orgelbau.

Wir stellten auch Tremulant und Walze ein und redeten über die Zukunft der Orgel. Anfangs war alles noch sehr verstaubt, aber jetzt ist es schon viel sauberer.

Kaum spielte ich ein paar liebliche Töne, kamen Nachbarn und weinten vor Freude. Da musste auch weinen. Die Kapelle war ja vor kurzem noch geweiht. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Die Orgel wurde vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut und nach dem Krieg eingebaut. Auch das finde ich berührend. Steinmeyer baute während des Krieges sogar weiter.

Die in Oettingen (Lkr. Donau-Ries) ansässige wundervolle Orgelbauwerkstätte Steinmeyer war eine der bedeutendsten und produktivsten in ganz Deutschland, wenn nicht sogar weltweit.

In der über 150-jährigen Firmengeschichte (1847-2001) wurden über 2.400 Orgelneubauten realisiert, darunter Instrumente wie die Passauer Domorgel (1928 – nicht erhalten), die Orgel von St. Lorenz in Nürnberg (1937), die Hauptorgel der Basilika in Ottobeuren (1957) oder die Hauptorgel des Hamburger Michel (1962).

Das lange Bestehen der Werkstätte und die Anzahl der gebauten Orgeln gründen insbesondere auf den handwerklichen und klanglichen Qualitäten der Steinmeyer-Orgeln. Entsprechende Qualitäten sind daher auch bei der Orgel des Aloysianums zu vermuten. Und so ist es. Die Orgel ist in einem sehr guten Zustand und klingt top.

Aus nachvollziehbaren Gründen (Geldnot, Materialknappheit und Materialkontingentierung usw.) erlebte der Orgelbau in dieser schweren Zeit einen deutlichen Einbruch, so dass damals erbaute und heute noch erhaltene Orgeln einen besonderen Zeugniswert besitzen. Eine solche Orgel besitzt vor allem einen ideellen Wert, ist aber auch allgemein sehr wertvoll. Ich spüre eine richtige Verliebtheit gegenüber der Orgel.

Die Orgel hat sich unverändert erhalten!

Leider hat die Firma Steinmeyer zugemacht vor einigen Jahren. Das ist sehr traurig. Es ist wohl schwer, eine Firma über eine 3. oder 4. Generation hinweg zu halten. Manchen Nachkommen geht es vermutlich nicht mehr um die Sache, sondern nur noch ums Geld? Außerdem wurden Teile der Firma an die Orgelbaufirma Karl Göckel verkauft, was sich als schlecht erwiesen hat. Jedenfalls ist da wohl einiges schief gelaufen. Ich habe schon einige Göckel-Orgeln gespielt, die mir gut gefallen haben. Aber das Übernehmen der Firma Steinmeyer durch Göckel hat wohl eher nicht gefruchtet, was viele sehr enttäuscht hat.

Das Orgelgehäuse mit seinem Freipfeifenprospekt, der Spieltisch und die Orgelbank weisen eine zeittypische Gestaltung auf, wobei insbesondere der Mittelteil des Prospekts eindeutig Bezug auf die Architektur des Innenraums nimmt. Die Orgel hat klanglich die perfekte Größe für den Raum.

Auch die ebenso zeittypische, im Sinne der sogenannten Orgelbewegung gemäßigt mild-neobarocke Disposition scheint den Registerbeschriftungen des Spieltischs nach unverändert zu sein. Ein Klangdenkmal. Für mich ist die Orgel auch in gewisser Weise nicht neobarock, sondern eher lieblich-zart, zwar ohne Zungen, aber mit Walze und Tremulant. Dazu kommt die wundervolle Akustik der Kapelle.

Die Orgel muss natürlich gereinigt und saniert werden. Bitte betet! Eine Kapelle, eine Kirche, eine Orgel zum Leben zu erwecken, das ist auch geistlich ein Kraftakt, aber auch finanziell und emotional.



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20. August 2026: … und die Welt hebt an zu singen … (Eichendorff)

Foto: Ehrlich Orgel 1742 Kulturkirche Unterschüpf Boxberg Baden

Heute erinnere ich an Birgitta von Schweden.

Historische Ehrlich Orgel ev. Kulturkirche Unterschüpf Boxberg, Nordbaden, Main-Taubertal, 2 M, 21 R, Zimbelstern, Zungen, Schiebekoppel

Hier in Baden-Württemberg steht die weiße, ökumenische Kulturkirche mit Turm, samtig-trockener Akustik und flacher Holzdecke von 1617. Die Decke erinnert mich an bemalte Honigwaben.

Es ist eine Chorturmkirche.

Auf der bemalten Rund-Empore steht die Orgel. Die Bilder der Empore zeigen Musiker.

Es ist meine 6. Ehrlich-Orgel und die älteste dazu. Bisher spielte ich wundervolle Ehrlich-Orgeln u.a. in Bad Wimpfen, Gelchsheim und Nordheim.

Auch diese Orgel hier ist prunkvoll blau mit goldenen Schleierbrettern und eine Denkmal-Orgel. Sie ist schwergängig, aber nicht so sehr wie in Bad Wimpfen, die etwas jünger ist. Der fränkische Orgelbauer Ehrlich ist eine Sensation.

Diese Orgel wurde jedoch später leider verändert.

Von den originalen Ehrlich-Pfeifen sind nur 4 Tonreihen übrig geblieben, was sehr bedauerlich ist. Vleugels hat sehr viel ergänzt als opus 124.

Das wunderbare Gehäuse ist vom Bildhauer Johann Sommer (1716-1776).

Die zuvor katholisch, dann evangelisch, nun teil-profanisiert ökumenische Kultur-und Konzertkirche ist eine seltene Winkelkirche oder Hakenkirche: Die Bauflügel stoßen rechtwinklig aufeinander, so dass man nirgendwo einen Gesamtüberblick in der Kirche hat; überall sind Eck- und Winkelbereiche.

Die Unterschüpfer Kirche besitzt gotische Wandmalereien und eine Kanzel von 1617. Zudem stehen neue Kunstwerke, die die alte Kunst umgeben. Die ehemalige Schlosskirche wirkt hell, schlicht und angenehm naiv.

Boxberg hat ca. 7000 EW.

Es war sehr schön, hier zu spielen, auch wenn die Orgel etwas verstimmt war wegen der Hitze, besonders die Posaune im Pedal.

Die Orgel wird von Vleugels betreut.

Das HW ist oben. Die Registerzüge hierfür sind außen. Die Pedalzüge und Koppelzüge befinden sich unten.

Da es etwas schwierig ist, die handgemalten Registerschilder zu lesen, hat jemand weiße Schilder mit ausgedruckten Wörtern daneben geklebt. Besser ist, sich die Register zu merken.

Gerades, kurzes Pedal.

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