Noeske Scheffer Orgel Jakobikirche Rotenburg an der Fulda Hessen
ev. Kirche St. Jakobi (1495)
Orgelbauer:
Dieter Noeske / Rotenburger Orgelbau / Justus Friedrich Schäffer
Baujahr:
1556 / 1682 / 1881 / 1962 / 1990 / 2026
Datum des Erstbesuchs:
2026
Disposition und Spielhilfen
Mechanische Nöske / Scheffer (Schäffer) Orgel Jakobikirche Rotenburg an der Fulda Hessen, 3 M, 32 R, Schleifladen, Altarorgel im Osten, großer goldener Zimbelstern, Renaissance-Stil
In der malerischen, idyllischen Altstadt von Rotenburg steht diese wundervolle schmale große Orgel auf der Chor-Empore. Leider kann man sie nicht mehr historisch nennen. Die alte Kirche ist eine Augenweide. Im Turm klingen 5 Glocken.
Im wunderschönen, gold-bläulichen historischen Gehäuse von 1556 / 1682 von Justus (Jost) Friedrich Schäffer (auch Scheffer genannt) sitzt die Nöske Orgel, die 2026 gereinigt und saniert wird, wo ich ein wenig dabei sein konnte. Während die Orgel ausgebaut wird, steht eine kleine neobarocke Hausorgel zum Spielen bereit hinter dem Altartisch.
Orgelbau Nöske führte 1990 einen erweiterten Teilneubau durch, verwendete aber vieles von Scheffer und rekonstruierte auch (leider nur teilweise und nicht ganz) den wundervollen historischen Klang. Wenn das Gehäuse des Instruments schon so wundervoll aussieht, wie schick muss erst der Klang gewesen sein!
Jedoch 1881 und 1931 wurde die Orgel von Heinrich Möller und Sohn verändert. Bereits 1962 baute Dieter Nöske die Orgel um. 1990 wurde sie dann von ihm um ein drittes Manual und viele neue Register erweitert. Die Orgel hat also so einiges mitgemacht.
Ich hätte sehr gern die originale Scheffer-Orgel gehört. Auch deswegen, weil ich von diesem Orgelbauer noch nie gehört habe. Er stammte aus Langensalza aus Thüringen.
Was ich nicht verstehen kann, ist, dass viele nur noch den jetzigen Orgelbauer eines Instruments nennen, obwohl große Teile der jeweiligen Orgel einem anderen, vorherigen Orgelbauer zuzuschreiben sind oder mehreren Vorgängern.
Natürlich gibt es dies auch umgekehrt. Viele interessieren sich unvorstellbarerweise einfach nicht für Geschichte, Gehäuse, Kirchen und Rekonstruktionen, forschen nicht.
Jost Schäffer hat die Schreinerei-Arbeiten von örtlichen Handwerkern aus Rotenburg exakt nach seinen Vorgaben fertigen lassen. Scheffer selbst nutzte Teile seiner Vorgängerorgel von 1556, die im Krieg leider beschädigt wurde.
Leider kennen wir den Namen dieses ersten Orgelbauers nicht. Ich forsche.
Die originale Orgel hatte 15 (13 klingende) Register.
Anbei die heutige Orgel, wie sie beginnt, sich zu häuten:
HW I
Bordun 16′
Principal 8′
Hohlflöte 8′
Praestant 4′
Blockflöte 4′
Pctae 2′
Waldflöte 2′
Cornett 3f 2 2/3′
Mixtur 4-5f 1 1/3′
Trompete 8′
BW II
Gedackt 8′
Gambe 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Octave 2′
Sesquialtera 2f 2 2/3′
Quinte 1 1/3′
Scharff 3-4f 1′
Dulcian 8′
Echowerk II
Bordun 8′
Fl. Travers 4′
Quinte 2 2/3′
Flageolet 2′
Terz 1 3/5′
Pedal
Subbass 16′
Prinzipalbass 8′
Gemshorn 8′
Quinte 5 1/3′
Octavbass 4′
Posaune 16′
Trompete 8′
Trompete 2′






Spielhilfen & Koppeln |
Normalkoppeln I/Ped, II/Ped, II/I, II/III Werk-Tremulant und Zimbelstern |
Klang und Akustik

Samtig-brillante Akustik. Die wertvolle alte Kirche mit viel Holz und roten Steinen singt.
Die Renovierung betrifft die Intonation und Reinigung der Pfeifen, Schimmelbekämpfung, Neubau der Windanlage, Neubau von Registern und Revision der Spieltrakturen.
Dies kostet ca. 150.000 Euro. Die Orgel besteht aus 2000 Pfeifen, 700 kg Zinn, 30 kg Eisen, 30 Tierfellen von Schafen und Ziegen und 22 Kubikmeter Holz. Tausende Stunden von Arbeit. Aber vor allem besteht sie aus Klang!
Gerade während einer Sanierung und Revision sieht eine Orgel so verletzlich und wundervoll aus. Auch Dieter Nöske hätte ich gern kennengelernt.
Persönliche Note
Es war schön hier. Mir gefallen die vielen interessanten Orgeln in Nordhessen sehr gut, auch die in den Dörfern und Randgebieten; sowohl die historischen als auch die neuen Instrumente. Besonders schlägt mein Herz für die restaurierten historischen Orgeln.
Gespielt habe ich also über 20 historische Orgeln in den Gebieten Knüllwald, Ludwigsau, Alheim und Hersfeld-Rotenburg an der Fulda in Hessen, zuvor im Odenwald. Eine malerische, idyllische, waldreiche Landschaft voll Fachwerkhäuser, Dorfkirchen und Wald.
Mit dabei waren Bechstein-Orgeln in Rohrbach, Gerterode und Sterkelshausen, Bechstein / Möller-Orgel in Niederellenbach, Möller-Orgel in Niedergude und Schmerbach-Orgel Niederbeisheim Knüllwald, Wegmann-Orgel in Ersrode, Nöske-Orgeln in Niederthalhausen, Rengshausen, Morschen und Heinebach, Ott-Nöske-Orgel in Nenterode, Nöske-Orgeln in ganz Rotenburg, Dauphin-Orgel in Meckbach, Möller-Nöske-Orgel in Beenhausen, Wilhelm / Döring-Orgel in Friedlos, abklären muss ich noch Mecklar.
Insgesamt waren Friedrich und Heinrich Bechstein, Heinrich und Valentin Möller und Dieter Nöske hier zugange. Betreut werden die meisten Instrumente von Orgelbau Rotenburg an der Fulda; einige auch von Orgelbau Waltershausen.
Und es war spannend, die Orgelbau-Firma Rotenburg an der Fulda zu besuchen und die Orgeln der Gegend zu spielen und die Kirchen anzusehen und vor meinem Konzert in Ludwigsau Ersrode die Kirchen in Ludwigsau, Knüllwald, Odenwald und Rotenburg an der Fulda zu besuchen und Süd- Nord- und Osthessen kennenzulernen.
Ich spielte u.a. in Niedergude, Nenterode, Ersrode, Meckbach, Sterkelshausen, Niederthalhausen, Niederellenbach, Rotenburg, Rengshausen, Rohrbach, Friedlos und Beenhausen…
Dieter Noeske ist 2020 verstorben. Die Firma wird von Peter Kozeluh geleitet.