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Klavier

25. Juni 2026: Professionell zu musizieren ist kein Beruf, sondern eine Lebensanschauung. Vor allem bedarf sie eines ungeheuren Opfergeistes und horrende Arbeit. (Arturo Benedetti Michelangeli)

Foto: St. Cyriakus Kirche Gramschatz

Heute erinnere ich an Susanne von Klettenburg, pietistische Schriftstellerin, 1723.

Ich glaube, Menschen, die hassen, sind vor allem die ohne Opfergeist, die nicht wissen wollen, wieviel Arbeit und Lebensanschauung in einer künstlerischen Begabung und Berufung steckt. Damit meine ich auch Kirchenmusiker. Viele von ihnen sind keine Musiker im Sinne von Künstlertum.

Anna Schlatter gilt als eine Frau der Erweckung. Aus ihrer Familie entstammten viele Theologen, Schriftsteller und Dozenten. Sie war Haus- und Geschäftsfrau, lyrisch begabt, eine Frau, die dem Pietismus angehörte, aber sich sehr für die Ökumene einsetzte. Sie verzichtete auf vieles, aber nicht auf Lyrik und Musik. Der Pietist Hermann Francke hatte die „weltliche“ oder „unnütze“ Musik (für Kinder) noch verboten. Sie lebte in der Zeit der Empfindsamkeit.

Es war damals ganz normal, starke Gefühle öffentlich auszudrücken. Gleichzeitig trafen die Wellen der Aufklärung auf die bürgerliche und geistige Elite. Es war also eine turbulente Zeit; die Frauen- und Kindersterblichkeit sehr hoch, weil sich nicht genug um Frauen und Kinder gekümmert wurde; Fieber, Kinderkrankheiten, wenig Hygiene und Unterernährung spielten eine Rolle. Anna schaffte es bis zum 52. Lebensjahr.

Anna hatte viel mit Johann Caspar Lavater zu tun, mit Georg Gessner, Johann Michael Sailer, Johann Heinrich Jung-Stilling; durch ihre Gastfreundschaft fanden sich viele an ihrem Tisch ein. Dadurch wurde sie ein wichtige Vermittlerin innerhalb der Erweckungsbewegung, denn ihre Gäste waren sowohl evangelisch, katholisch als auch aufgeklärte Christen und Geistliche.

Anna wehrte sich gegen starren, radikal-fundamentalistischen Glauben, der andere ausschloss; sie war weitherzig und gebildet. Sie verhalf vielen zu einem erweckten Glauben. Zanksucht ließ sie nicht zu. Das war nicht einfach, denn Politik, Gesellschaft, Religion, Zeitgeist und geistliche Strömungen gingen immer Hand in Hand. Der Pietismus wurde angegriffen, während Romantik, Aufklärung und Erweckung aufeinander stießen. Für Anna war nur wichtig, ob ein Mensch ein erweckter Christ ist, suchend nach dem Reich Gottes, sei sie evangelisch, pietistisch oder katholisch.


Historische mechanische Möller Nöske Orgel Beenhausen Ludwigsau 1 Nord-Hessen, 1 M, 8 kl. R

Die Möller-Orgel in der ev. Kirche im Ludwisgauer Stadtteil Beenhausen in der klassischen Saalkirche wurde 2014 von Orgelbau Rotenburg umfassend renoviert. Die Pfarrei gehört zum Kirchspiel Ludwigsau-Nord, Pfarrbezirk Beenhausen.

Die schöne helle kleine Kirche mit zartgelben hohen Emporen wirkt wie ein leckerer Käsekuchen oder wie eine Sahnetorte. Der dreiteilige kleine weiße Orgelprospekt ist rot umrandet. Ein paar gekröpfte Pfeifen gucken hinten frech über den Prospekt hinaus.

Heinrich Möller war der Vorgänger von Dieter Nöske, dieser wiederum der Vorgänger von Orgelbau Rotenburg. Der Allererste dieser Reihe aber war Orgelbau Bechstein, dessen Orgeln ich auch schon kennengelernt habe. Es ist eine lokale Orgelbau-Dynastie hier in Hessen. Die breiten süßen Registergesichter stehen nach vorn. Es ist meine dritte Heinrich-Möller-Orgel.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:

Nöske Orgel Beenhausen Ludwigsau



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CD 2026 Bach berühren auf jpc

24. Juni 2026: … dem Orgelmacher Gesell Schmaltz zum Trinkgeld da die neue Orgel fertig d. 14.8. 2 Thl. 6 gr. (Kirchrechnung 1739)

Foto: Konzert Wegmann Orgel Ludwigsau Ersrode 2026

Heute erinnere ich an den Poeten Erdmann Neumeister, 1671, und an den Komponisten Johann Friedrich Fasch, 1688.

In Ludwigsau Ersrode waren wir auch oben im Glockenturm; es war dort heiß wie in der Sauna.

Orgeln im hübschen Knüllwald:

Nöske Orgelbau Rotenburg Orgel 1984 /1996 ev. lutherische Kirche Rengshausen Knüllwald Hessen, 2 M, 17 klingende R, Schleifladen, Seiten-Orgel

Das hübsche, mechanische, neobarocke weiße Instrument steht auf der linken Seitenempore.

Die Kirche ist modern, von 1969. Die alte Kirche wurde leider abgerissen; diese war eine Augenweide; im Stil einer Fachwerkkirche, wie es hier in der Gegend einige gibt. Die Akustik ist erstaunlich schön.

Die lutherische Kirche befindet sich im Kooperationsraum Homberg-Land, Knüllwald-Rengshausen, Kirchenkreis Schwalm-Eder, Kirchgemeinde Knüllwald-Rengshausen ev. Kirche Kurhessen-Waldeck in Osthessen. Schöne Zunge im Pedal.

Es war sehr schön, vor meinem Konzert in Ludwigsau Ersrode die Kirchen in Ludwigsau, Knüllwald, Odenwald und Rotenburg an der Fulda zu besuchen und Süd- Nord- und Osthessen kennenzulernen.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:

Kleines neobarockes Paul Ott / Nöske Orgel-Positiv 1961 / 2018 ev. Kirche Nenterode Knüllwald Hessen, 1 M, 4 R

Das kleine feine Instrument hier in Nordhessen steht ebenerdig rechts. Die Gemeinde Knüllwald, heimelig und grün gelegen an den beiden Flüssen Efze und Beise, liegt im Schwalm-Eder-Kreis; die Kreisstadt heißt Homberg (Efze).

Die Mittelgebirgslage und der große Waldanteil sind sehr malerisch. Nenterode ist eingebettet ins Knüllgebirge. Rotenburg an der Fulda ist ca. 30 Minuten entfernt.

Nenterode, ein Ortsteil der Gemeinde Knüllwald im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis, hat heute ca. 200 Einwohnerinnen. 

Die evangelische Kirche in Nenterode gehört zum Kirchspiel Knüllwald und ist Teil des Kooperationsraums Homberg-Land im Kirchenkreis Schwalm-Eder. Es ist eine süße gepflegte Fachwerkkirche.

Es gibt kein Pedal. Man könnte eins anhängen. Das Regal wurde ausgetauscht mit einer milden Gambe, im Diskant besetzt. Die kleine alte Kirche erinnert an eine Kapelle.

Das Ott-Orgelpositiv wurde 2018 von Rotenburg Orgel neu intoniert.

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CD 2026 Bach berühren auf jpc

23. Juni 2026: Wie ist das Leben gering, wenn nichts in uns unsterblich ist. (Amiel)

Foto: Spieltisch Johann Eberhard Dauphin Orgel Barockorgel 1725 Meckbach Ludwisgau Hessen

Heute erinnere ich an Anna Schlatter-Bernet, 1773-1826, eine weltoffene hingegebene St. Galler Christin mit wunderbarer Lyrik, deren Texte eine Sängerin und ich gerade vertonen.

Historische barocke Dauphin Orgel 1725 Dorfkirche Meckbach Ludwigsau 2 in Nordhessen, 1 M, 8 klingende Register, Altar-Orgel

Diese alte original erhaltene Dauphin Orgel aus der ersten Dynastie geht mit dem Calcanten an, dem Gebläseschalter, und wird von Orgelbau Waltershausen gewartet, zuletzt 2025. Das Instrument ist eine Augenweide und komplett historisch. Nur die Sesqui ist später hinzugekommen.

Die Orgeln in Nordhessen auf dem Land sind noch sehr unerforscht.
Dabei ist diese kleine Kirche ein Traum: bemaltes Holz in Rottönen, wohin man blickt, was eine schummerige Atmosphäre auslöst, eine samtig trockene Akustik, schiefe Emporen, Logen, eine weiße gepflegte Stuckdecke, und die Orgel mit ihren goldenen Schleierbrettern steht als Krönung über dem Altar in einem bemalten schiefen Holzkorb.

Die Kirche wirkt durch die weiße Stuckdecke trotz allem hell; die Farben rot (das schwedische dunkle Rot), gold und weiß treten sofort ins Auge.

Man könnte die Klangfarben der historischen Barockorgel als etwas schrill bezeichnen; aber ich mag diese Kombination und finde, diese direkten Klänge in der trockenen Akustik haben etwas sehr Reizvolles.

Sehr besonders ist auch die wunderbare alte LiedAmpel: Sie wird mit einer Kurbel bei der Altarorgel hochgezogen und bestückt, was eine sehr tricky Angelegenheit ist; die Küsterin ist jedoch bestens damit vertraut.

Die Kirchen in Hessen sind meist sehr gepflegt mit Schieferturm; viele sind Fachwerkkirchen.

Diese Orgel auf der Empore im Chorbereich wurde im Zuge der Kirchenrestaurierungen umfassend saniert und wird dem Orgelbauer J. E. Dauphin zugeschrieben. Es ist meine 2. Dauphin Orgel; die erste in Spachbrücken Reinheim, Hessen.

Meckbach bildet mit dem Nachbarort Mecklar ein gemeinsames Kirchspiel.

Es ist nicht die Orgel allein, die beeindruckt: Die Atmosphäre und Persönlichkeit der gesamten Kirche. Es war sehr schön, vor meinem Konzert in Ludwigsau Ersrode die Kirchen in Ludwigsau, Knüllwald, Odenwald und Rotenburg an der Fulda zu besuchen und Süd- Nord- und Osthessen kennenzulernen.

Das bemalte Holz wirkt wie Samt, auch am wunderbaren Prospekt. In das trockene Samt der Holz-Akustik singt die Orgel direkt; diese historisch alt-trocken-schrill-Kombi mit historischem Klang-Samt (und das ist der Punkt!) ist sehr berührend.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.


Wegmann Orgel Kirche Ersrode Ludwigsau Hessen


Möller Orgel Kirche Niedergude Alheim bei Rotenburg an der Fulda

Nöske Orgelbau Rotenburg Orgel ev. Kirche Knüllwald Rengshausen Hessen



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CD 2026 Bach berühren auf jpc

22. Juni 2026: Eine Gottesgabe ist nie etwas Selbstverständliches.

Foto: Johann Hoffmann Orgel kath. St. Nikolaus Kirche Arnstein Franken

Heute erinnere ich an Alfred Delp, der 1945 von Nazis ermordet wurde, weil er seinem Glauben nicht entsagen wollte. Er war gläubiger Jesuit.

Mittlerweile kenne ich Südhessen, Nordhessen und Osthessen ganz gut. Besonders Knüllwald, Ludwigsau, Rotenburg, Odenwald und Taunus haben mir gefallen. In Ersrode steht die schönste Orgel in ganz Ludwigsau. Wir sind viel herumgefahren und haben Kirchen und Orgeln besucht.

Der besondere Gottesdienst in Niedergude Alheim hier in Hessen gestern war sehr schön und gut besucht:

Pneumatische historische Möller Orgel 1876 ev. Kirche Niedergude Alheim (bei Rotenburg an der Fulda), Hessen, Westempore, zwischen den Turmstützen, 1 M, 9 klingende R

Das leichtgängige kleine Instrument mit festen Kombinationen gefällt mir gut. Die historische Möller-Orgel in der ev. Kirche im Alheimer Ortsteil Niedergude gehört zur Gemeinde Alheim bei Rotenburg an der Fulda und ist ein wertvolles, seltenes Instrument mit pneumatischer Traktur, das bis heute für Gottesdienste und Konzerte genutzt wird. Der Klang schmiegt sich in trocken-samtige Akustik.

Die Kirche wirkt fast wie ein normales Haus, nur mit kleinem schwarzen Schiefer-Turm: Klassizistischer Fachwerkbau mit Bruchsteinausfachung und Haubendachreiter, 1949 erneuert. Der Kirchenbau ist außen quer-, innen längsorientiert. Die Emporenstützen als Träger des Dachreiters sind bis zur Decke durchgeführt. Die wertvolle Kanzel hinter dem Altar ist von 1698. 

Diese süße Fachwerkkirche ist eine Augenweide und steht mitten im Ort. Innen ist sie hell, schief, gelb und eng. Das Dorf ist klein und liegt sehr ländlich.
Die Orgel wird von Orgelbau Rotenburg betreut.

Die Akustik ist hell-trocken; der Spieltisch in rötlichem Braun sehr schön; die Orgel geht mit einem goldenen Knopf an. Das pneumatische Instrument hat viele schöne 8-Füße, Koppel und P-Mf-F-T-A. Der Gottesdienst war mit der Musikakademie Kassel gestaltet.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:

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CD 2026 Bach berühren auf jpc

21. Juni 2026: Es kommt alles wieder, was nicht bis zu Ende gelitten und gelöst ist. (Hermann Hesse)

Foto: Siemann Orgel Stadtkirche Arnstein Franken

Heute erinnere ich an Maria Gonzalez, die maskuline Stereotypen in der Astronomieforschung beklagte.

Das Konzert in Ersrode Ludwigsau gestern war sehr schön und gut besucht. Hinterher gab es Wein und Snacks für alle. Die Presse war da: Die Hersfelder HZ und HNA. Ich habe Blumen bekommen. Wir haben einige Lieder von mir auch gesungen: In allen Stürmen und Jeden Augenblick.

Das war für mich Premiere, dass wir für meine Songs eine historische Pfeifenorgel kombiniert haben mit einer Wersi-Orgel mit allem Schnick-Schnack. Der Klang einer Wersi-Orgel ist völlig anders; ich kannte diese Instrumente bis dato gar nicht, aber sie haben wohl Kultstatus und sind sehr teuer. Es war eine witzige Kombi. Unten spielte Lars Tappe, oben ich. Ich unterrichte ihn jetzt seit einigen Monaten; er wird als Orgelbauer ausgebildet.

Zuvor und danach haben wir eine intensive Orgeltour durchgezogen: bei der Hitze war das schon heftig. Aber ich sammle ja Orgeln in meiner Westentasche. Hessen hat eine Menge sehr interessanter Dorfkirchen zu bieten. Wir fuhren mit Drop und haben insgesamt 20 Orgeln in 3 Tagen dokumentiert.

Anschließend grillten wir, aßen vom Kirschbaum und den Himbeeren, saßen auf dem Balkon und badeten im Garten-Pool. Nachts hatte es stark geregnet zuvor, das war gut.

Wundervoller Klang, zart-brillante Akustik: nicht zu trocken: Die schlichte Kirche zu Ersrode besitzt Stühle, keine Bänke, was sehr schön aussieht, und steht in einem gepflegten Garten. Schön sind die Zungen der kleinen historischen Orgel, besonders die Hobo (Mischung aus Oboe und Trompete) – und es gibt einen seitlichen Tremulanten und Koppeln. 


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CD 2026 Bach berühren auf jpc

19. Juni 2026: Die Seele hat im Blut ihren Hauptwirkungsort, biblisch gedeutet: Die lebende Seele ist im Menschen von Kopf bis Fuß. Der Geist ist nicht an das Gehirn gebunden. Der Sitz des Geistes und der Seele ist nicht (allein) im Gehirn. (nach Peter Beck)

Foto: historische Notizen Bechstein Orgel Heubach Odenwald

Ich bin in Ersrode Ludwigsau angekommen. Ich freue mich auf das Konzert morgen. Heute besuchten wir Orgelbauwerkstatt Rotenburg an der Fulda, Hessen, spielten ev. St. Jakob Rotenburg, mechanisch Nöske Orgel, wird saniert, ev. Stiftskirche, mechanisch Rotenburg Nöske Orgel, kath. Kirche Rotenburg, ebenfalls Nöske-Orgel (elektrisch), ev. Martin Luther Kirche ebenfalls Nöske (mechanisch / elektrisch) und die Wegmann Orgel in Ersrode.

Heute erinnere ich an Susanna Margaretha Brandt, 1746, schön, jung, fleißig und unschuldig, die ermordet wurde in einer Männerwelt in einer Zeit, in der unverheiratete Schwangere ohne Geld von Arbeit ausgestoßen in Armut existierten, während Schwängernde fröhlich, frei und unbehelligt durch die Lande zogen. Ihr wurde Kindsmord vorgeworfen, weil sie dieses Baby allein nicht halten konnte und wollte, Mord, was vermutlich nicht mal gestimmt hat.

Die von Männern regierte Welt hat uns in den Wahn des stetig technischen Fortschritts getrieben. Dabei wirft der Tod uns immer wieder zurück auf den Grund und das Gegenteil von Fortschritt.

Doch wir wollen keinen Tod. Die neue Religion heißt Macht, Größe, Einkaufen. Jagd, Ablenkung und Haul. Eine Flut von Glitzer und Utopien. Ich merke das selbst, wenn wir im riesigen, glitzernden Luxus-Edeka einkaufen. Es macht natürlich Spaß; aber: es gibt alles und nichts und reicht dennoch nicht und hinterlässt etwas irritiert und konfus.

Aber stell dir vor, der böse Mensch würde ewig leben? Der Tod ist oft das einzige, was die Bosheit stoppt.

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CD 2026 Bach berühren auf jpc

18. Juni 2026: Ein Mensch ist nur dann tot, wenn er eine Leiche ist. Alles andere ist ein verhängnisvoller Bund mit dem Tod. (Peter Beck)

Foto: Holzpfeifen Schlimbach Orgel Heubach Odenwald

Heute erinnere ich an den jüdischen Psychologen Viktor Frankl, dessen Frau 1944 in Ausschwitz ermordet wurde. Er überlebte.

Ich kann nicht verstehen, warum manche denken, dass BWV 565 nicht von Bach sei, wo doch seine Sprache, wenn man sie kennt, deutlich herauszuhören ist, denn jeder Takt ist perfekt, die Art, wie er die Harmonien präsentiert, die Feinheiten des außergewöhnlichen Talents im Vergleich zu allen anderen Komponisten (siehe mein Blog, wo ich Bach und Händel direkt im Vergleich sah mit den Violinsonaten), der Übergang zur Fuge, der freie Stil der Toccata, der mich an ein junges 542 erinnert, ein junges Stylus Phantasticus. Dieses 565 spiele ich am Samstag.

Und so wie man eine Handschrift eines Künstlers erkennt, vor allem, wenn man ihn kennt und sich viel mit ihm beschäftigt, so erkennt man auch die Handschrift des größten Künstlers, vor allem, wenn man ihn kennengelernt hat.

Daher zurück zum Thema Evolution, das ich ja schon einige Male besprochen habe in meinem Blog: Viele sind ja der Meinung, wir stammen von Tieren ab. Aber dabei wurde etwas vergessen: Unsere Sprache. Ein komplexes System: Sprechen, Sinn, Satz, Verstehen, Ordnung, das ist etwas ganz anderes als Bellen etc. Unsere Sprache ist nicht nur mit dem Gehirn connected, sondern mit Geist und Seele. Und sie zeigt, dass wir ein Abbild Gottes sind, denn er spricht. Er spricht Wahrheit, Leben und Schönheit. Das menschliche Alleinstellungsmerkmal Sprache hat sich nicht von Wiehern oder Grunzen „entwickelt“ oder von primitiven Lauten oder Vorformen, denn Sprache weist auf etwas anders hin und unterscheidet sich grundlegend. Es hat sich ereignet.

Sprache hat sich ereignet.

Der Mensch unterscheidet sich nicht graduell, sondern kategorisch. Was nicht den Wert eines Tieres schmälert. Aber der Mensch ist kein Tier und auch kein Raubtier, auch wenn er oft eins ist, und stammt auch nicht von einem Tier ab. Auch nicht von einem Affen, auch wenn dieser Hände hat. Kann ein Affe Klavier spielen? Chopin? Bach? Wird er jemals?

Und wie kann man die Schöpfung und Menschen auf rein Biologisches reduzieren? Das ist schon falsch. Wir sind nicht nur DNA, keine Überlebensfabrik, Roboter oder nur Materie. Gott ist kein Prinzip Computer oder Prinzip Bio.

„Natural Selection“ (natürliche Auslese) und die Theorie der Höherentwicklung, ein Zweig der Evolutions-Religion, sind gefährlich, siehe Hitlers Faschismus. Darwins „Lehre“, die Rassenlehre und Lehre von herrschenden Klassen haben viele Gemeinsamkeiten und sind immer noch populär: Das Schwache sei nutzlos, hinderlich, minderwertig. Das Gegenteil von dem, wie Gott denkt. Und ich glaube, dass diese Lehre Darwins die Macht von (bösen) Männern viel Rückenwind gegeben hat. Das darwinistische Menschenbild ist nicht vereinbar mit dem christlichen Menschenbild und atheistisch.

Nietzsche setzte der Evo-Theorie noch einen drauf: Der Wille zur Macht sei der Motor nach vorne. Dies denken viele Männer auch heute noch. Ein fester Wille zwingt die Welt (Alfred Huggenberger). Hi Testosteron. Deswegen sieht unsere Welt auch so aus, wie sie aussieht. Der harte Wille: Der herzlose Wille. Die Krönung der Evolutionstheorie. Doch auch diese Menschen sterben. Wo ist dann ihre höhere Macht? Ihre Entwicklung? Ihr Fortschritt? Und wo werden sie landen?

Wenn Minder und Hoch beide sterben, ist es dann nicht viel wichtiger, wie man stirbt, heißt, mit welchem Charakter, mit welchem Glauben, mit welcher Liebe, mit welchem Willen, mit welchem Geist, anstatt mit wieviel Geld und mit welchem Alter, wie „hoch entwickelt“? Denn den Tod umgehst du nicht, außer mit Gott. Unsterblichkeit schenkt nur er.

Und Vorsicht, der sogenannten Fortschritt treibt manchmal von Gott weg, da er oft dem Zeitgeist gehört. Zeit ist oft das Gegenteil von Ewigkeit und der Zeitgeist meist das Gegenteil vom Heiligen Geist.

Was ist überhaupt das Motiv, dass ausgerechnet der eitle Mensch (der meinte, die Sonne kreise um die Erde), denkt, er stamme vom Tier ab? Ganz einfach: Verantwortung. Stammt er vom Tier ab, hat er keine. Genauso wenig wie das Tier. Ist sie ein Abbild Gottes, trägt sie Verantwortung für ihr Tun und wird vor Gott zur Rechenschaft gezogen. Das wollen die wenigsten.



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17. Juni 2026: Was ist Tod? Wo wohnen Seele und Geist?

Foto: Pedal Jehmlich Orgel Stadtkirche St. Marien Werdau bei Zwickau

Heute erinnere ich an Francois-Xavier Bellamy, französischer Philosoph.

Gerade wird mein Steinway B-211 frisch gestimmt. Ich höre die Klänge, während ich schreibe. Ich stimme ihn immer auf 443. Früher mochte ich 444. Ich trage alles in mein Steinway-Buch ein und habe einen guten Stimmer, der jedes Jahr kommt. Kaum zu glauben, dass mein Steiny schon 10 Jahre alt ist. Er kommt aus dem Werk in Hamburg und ist Baujahr 2016. Heute ist der Listenpreis eines solchen Instruments 150.000 Euro aufgrund der Wertsteigerung, also fast doppelt so hoch. Damals 2016 konnte ich noch im Hamburger Werk alle neuen Flügel spielen und mir einen, meinen aussuchen. Das macht Steinway & Sons wohl gar nicht mehr. Ich hoffe, das liegt nicht an mir. Ich war damals im dortigen Auswahlsaal, dem Factory Selection Room, und wollte immer mehr Flügel ausprobieren. „Habt ihr noch mehr?“ Die armen Mitarbeiter. Dabei gingen meine Ohren schon blutend Richtung Fidschi Inseln, und ich habe mich dann doch für den entschieden, den ich von Anfang an haben wollte. Denn jeder Steinway klingt ja individuell.

Warum muss man jedes Jahr stimmen? Die Stimmung rutscht ab, der Flügel fängt sonst etwas an zu „jaulen“ und geht in Richtung 440.

Ich hatte schon immer einen Flügel: den wunderschönen alten Blüthner mit seiner Patent-Mechanik aus meiner Kindheit und einen alten samtigen Bechstein während meiner Kölner Studienzeit. Beide verkauft, beiden trauere ich hinterher.

Ich lese gern alte Bücher aus Antiquariaten. Zum Beispiel fand ich Deutschland nach dem Zusammenbruch von 1947 von einem Jesuitenpater, Max Pribilla (2006 neu gedruckt), ein seltenes historisches Dokument. Es geht um das „Schweigen des deutschen Volkes“. Auch damals gab es die Monatszeitschrift Stimmen der Zeit. Das Buch schreibt, dass die Deutschen schweigsam geworden sind, gelernt haben, zu schweigen und wegzuschauen und alles andere eher als dumm zu bezeichnen. Ich finde, das kann man noch heute sehr gut bemerken. Manche sind immer total erstaunt, wenn ich was sage und nicken heimlich dazu, würden aber nie selbst etwas sagen.

Dabei muss gesagt werden, dass Deutschland ein wichtiges Erbe zu vermitteln hat. Oft wird das positive, wichtige Erbe nicht weitergegeben und wenig Bleibendes oder Heimat vermittelt. Bellamy spricht vom „Kampf der Unkulturen“.

Auch Kunst und Musik sind ein Heimatraum und Lebensraum. Ich bin mir sicher, dass im Paradies, im Garten Eden gesungen wurde, bevor der Mensch in Schuld fiel. Wir stammen aus einem Garten; vom Land; vom Himmel; nicht aus einer Industrie.

Und ich erinnere an Etty Hillesum, jüdische Autorin, ermordet im KZ 1943, eine wunderschöne junge Frau. Sie schrieb, dass das Falten der Hände und das Knien zum Gebet ihre intimste Körpergeste sei, ihr kostbarstes Erbteil, eine sinnliche Gebärde. Kurz nachdem sie Gott fand, wurde sie ermordet. Ich muss schlucken und die Tränen zurückhalten, während ich das schreibe.

Aber wir wollen nicht nach Eden zurück. Eden ist abgelöst. Von Jesus.

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16. Juni 2026: Solange man Leistung überbewertet, muss man nicht die Trauer durchleben, dass man nicht ohne Leistung geliebt worden ist. (Alice Miller)

Foto: Pedal Schlimbach Orgel reformierte Kirche Heubach Odenwald Hessen

Heute erinnere ich an den Opern-Komponisten Reinhard Keiser, 1674 geboren.

Ich lese Lessings Dramen. Gotthold Ephraim erzieht sein Publikum am Glauben vorbei hin zu einer moralischen, menschlichen Gerechtigkeit (ohne Gott) = Aufklärung. Er wuchs in einem christlichen gebildeten Elternhaus auf. Vermutlich fühlte er sich zu vielem gezwungen und war lange auf der Suche nach seiner eigenen Berufung, studierte mal dies, mal jenes, Theologie, Medizin, Philosophie, liebte Reisen, Poesie, Literatur und Bildung. Seine Gesundheit war jedoch nicht stabil. Zurecht ärgerte sich Gotthold über die Politik in der Kirche und hatte sich dabei einige Feinde gemacht. Zudem hatte er jüdische Freunde, was vielen in der Kirche nicht gefiel. Lessing hatte Neider und Gegner, auch nach seinem Tod. Ich wäre ihm gern begegnet – und bin immer wieder erstaunt, dass es Hater in jedem Jahrhundert gegeben hat, auch ohne Internet.

Lessing war vielseitig, suchend, kritisch, frei, polemisch. Ich mag das sehr. Sein ironischer Stil ist eine Wonne, zu lesen. Menschen wie er haben unser Land zu einem Land der Dichterinnen und Denker gemacht. Wo sind diese Menschen heute? Was ist aus unserem Land geworden?

Die Zeit der sogenannten Aufklärung war natürlich auch eine sehr schwierige Zeit; so wie jede Zeit irgendwie auch schwierig ist. Themen Schuld, Hölle, Ewigkeit wurden in der aufklärerischen Weltanschauung ganz neu angeschaut – was auch notwendig ist und war. Gott hält jede Kritik aus, und Gott ist nicht die Kirche. Gott sei Dank.

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15. Juni 2026: Wir müssen Gott nicht einengen, die eine Entsprechung in Einengungen durch menschliche Machtverhältnisse hat. Wenn Männliches höher gewertet wird als Weibliches, dann entspricht diese Festlegung von Gott auf nur männliche Bilder der Unterdrückung von Nicht-Männern. (Annette Jantzen)

Foto: Spieltisch Bechstein Orgel Heubach Odenwald

Ich freue mich auf mein Konzert in Ersrode.

Historisch romantische Frosch Orgel St. Cyriakus Kirche Gramschatz Rimpar Franken, 2 M, 16 R, mechanische Kegelladen

Das hübsche süffige dunkle Instrument hier in Gramschatz Mainfranken in Bayern mit Blick zum Altar am freien Spieltisch wurde vor ca. 30 Jahren saniert und wird nun von Orgelbau Eichfelder (Bamberg) 2026/2027 saniert, wie sie es auch 1995 tat. Die Orgel ist original erhalten und steht in vokal-samtiger Akustik.

Die orange-gelben Registerzüge sind für das Pedal, die weißen Registerzüge für das HW I und die blauen Register Oberwerk II. Die beiden festen Kombinationen als Spielhilfen sind entzückender Weise rechts und links Löffeltritte.

Die Kirche im Gramschatzer Wald ist groß, hell und eine Augenweide, von weither zu sehen. Johann Peter Wagner und Johann Wolfgang van der Auvera bauten Altäre, Figuren und Kanzel – siehe auch Arnstein. 1157 gab es hier die erste kleine Kirche, eine Kapelle, bis 1697 eine Filiale der Pfarrei Retzstadt. Dann erstand die eigenständige Pfarrei Cyriakus. Nebenan gibt es die alte ehemalige Schule.

Das barocke große Langhaus samt Turm und Chor ist prachtvoll barock ausgestattet. Gott sei Dank wurde dieses Instrument von klanglichen und technischen Umbauten verschont. Die Akustik ist samtig trocken; die singenden Achtfüße schmeicheln hinein in diese samtige Akustik; es gibt auch einen schönen gravitätischen 16-Fuß im HW im unteren Manual; e stört mich nicht, dass die Manuale durchaus Nebengeräusche haben.

Der Bordun 16 ist ein Gedicht, das Cornett nicht zu aggressiv. Im Oberwerk finden wir Geigenprincipal, Hohlflöte und Piffara 8, alles fein und warm; Fugara 4 und eine Flöte 2. Es gibt zwar keine Zungen, aber das stört nicht. Zwei feste Kombinationen als zwei Löffeltritte links und rechts der Pedalklaviatur können getreten werden.

Videos und Klangbeispiele zu dieser Orgel sind hier zum ersten Mal im Netz:

Video zur Kegellade:

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