16. Mai 2026: Kunstwerke sind Picknickplätze, wo man das verzehrt, was man selber mitgebracht hat. (Francois Morellet)
Foto: Konzert Santa María de Habla Alemana Kirche Madrid 2026
Das Kunstmuseum Museo del Prado Madrid ist sehr zu empfehlen. Es gefällt mir vom ganzen Stil her auch besser als Reina Sofia. Ich mag Museen, in denen man von Saal zu Saal läuft und in der Mitte der Säle schöne Bänke stehen, wo man verarbeiten und ausruhen kann. So ist es auch in Prado. Die Säle sind elegant.
In Sofia (hier fährt ein gläserner Aufzug rauf und runter) aber gibt es keine Sitzgelegenheiten in den Räumen, und man läuft auch nicht von Saal zu Saal, sondern von einem hässlichen, sterilen Gang gehen Räume ab, zu denen so was wie Fabrikrampen führen. Man hat das Gefühl, die Kunstwerke hängen in einer Fabrik. Was auch ein bisschen was hat.
In Sofia gibt es das große Werk Guernica von Picasso. Er ist sehr kreativ und begabt, aber sein Leben zeigt eine bedenkliche, egoistische Beziehung zu Frauen insgesamt und eine sehr auf sich selbst fixierte, exzentrische, gottlose Lebenseinstellung. Dies kann ich auch in seiner Kunst sehen. Daher gefällt sie mir nicht so gut; sie berührt mich wenig.
Noch schlimmer ist es für mich bei Salvador Dali. Auch er war künstlerisch außergewöhnlich begabt mit großem, technischen Können, aber die Frauen in seinem Leben waren, ähnlich wie bei Picasso, seine Musen, die ihm in jeder Hinsicht zu Diensten stehen sollten. In seiner Kunst sehe ich etwas Dunkles, Sexistisches, Spöttisches, Verzerrtes, Frauenfeindliches, Kaltes.
Da es auch Kinder im Sofia gibt, finde ich es unverantwortlich, Stumm-Filme von und mit Dali zu zeigen, in denen Frauen mit einem Messer in die Augen gestochen wird. Wenn auch „nur“ im künstlerischen Akt.
Anders im Prado: Es gibt hier viele alte Kunstwerke, die (vielleicht bin ich altmodisch) die „alten Werte“ und Schönheit verkörpern wollen. Auch die Bilder der flämischen Künstlerin Clara Peeters (1589) werden hier gezeigt, die Stilleben darstellen. Ich bin leider kein großer Fan von Stilleben. Sie sind mir etwas zu … still. Aber ihr technisches und künstlerisches Können sind bemerkenswert. Weiter gibt es sehr interessante Kunstwerke von Diego Velazquez, unter anderem sein berühmtestes Werk „Die Hofdamen“.
Ich mag, dass seine Werke seinen schlitzohrigen Charakter widerspiegeln; jedenfalls meine ich, das zu sehen.
Wenn ich Kunst auf mich wirken lasse, spüre ich die geistliche Aura um das Werk. Und mich interessiert, wie die Person dahinter war oder ist. Natürlich sind auch berühmte Werke von El Greco, Rembrandt, Rubens, Tintoretto, Raffael, sweet Albrecht Dürer (dessen deutscher Name gar nicht auftaucht, nur die spanische Version), Fra Angelico, Goya, Jan Brueghel el Viejo, Tizian, Madrazo, Bosch und vielen anderen zu sehen.
Schön ist, dass im Sofia viele Künstlerinnen ausgestellt werden: u.a. Maria Blanchard, Angeles Santos, Rosario de Velasco – alles wundervolle spanische Malerinnen.
Jedenfalls kann ich die Führungen sehr empfehlen; auch die Museumsshops sind schön.
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