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Organistin Kegelladen-Orgel Reinheim

Förster & Nicolaus Orgel Kirche Reinheim Odenwald Hessen

ev. Kirche Dreifaltigkeitskirche

Orgelbauer:

Förster & Nicolaus (Lich) / Joh. Christian Köhler (Frankfurt am Main)

Baujahr:

1929 / 1960 / 2023 (1750)

Datum des Erstbesuchs:

April 2025 / Juni 2026

Disposition und Spielhilfen

Romantische voll-pneumatische Köhler / Förster & Nicolaus Orgel ev. Kirche Reinheim in Hessen, Odenwald, 2 M, 19 R und 3 Transmissionen, Kegelladen, Schweller, Walze, 1240 Pfeifen

Die wunderbare Kegelladen-Orgel 1929/2023 im genialen türkisfarbenen Köhler-Barock-Prospekt von 1750 in Reinheim, Odenwald ist denkmalgeschützt. 1750 ist das Geburtsjahr von J.S. Bach. Köhler baute 24 Orgeln in einem Jahr. Heute unvorstellbar.

Der historische grün-goldene Prospekt mit Engeln ist eine Augenweide.

Ich bin in Reinheim im Odenwald angekommen, eine süße Stadt bei Darmstadt. Die voll-pneumatische, romantische Förster & Nicolaus Orgel von 1929 im wunderbaren Köhler-Prospekt von 1750 wurde 2023 rekonstruiert – von Förster & Nicolaus. Für 230.000 €! Auf den Zustand von 1929.

Nachdem Förster & Nicolaus sie selbst nach dem Zeitwahn-Geschmack in den 60er Jahren neobarock zerstört hatte – die eigene Orgel!

Sie bauten damals Sifflöte und ein absurd schrilles dreifaches Scharff in die pneumatische Orgel ein und klebten und klemmten die romantischen Solofarben, die Streicher und Flöten ab. Man sieht hier also eine Orgelbaufirma, die es immer noch gibt, im Wandel der Zeit in dreimaliger Tätigkeit von Neubau über Verirrung hin zur Rekonstruktion.

Mein Konzert FLÖTENUHR war sehr schön, die Fahrt auf der freien Autobahn angenehm, den Wolken und dem Regenbogen entgegen.

Der Prospekt, spitz zulaufend, ist komplett historisch und war nie vom Holzwurm befallen. Es befinden sich große goldene Engel oben und ein LL-Wappen. Die Pfeifen im Prospekt sind klingend. 2026/2027 wird der Turm mit Dach neu gemacht und die Orgel deswegen eingetütet.

Konzert Plakat Reinheim

M I

Prinzipal
Bourdon
Salicional
Oktav
Traversflöte
Gemshornquinte
Waldflöte
Mixtur 4 – 5 fach





2 2/3´

2 2/3´

SW II

 

Liebl.Gedackt
Viola da Gamba
Konzertflöte
Aeoline
Vox-celeste
Rohrflöte
Piccolo
Harm aetheria
Oboe
16´






2 2/3´ 3 – 4 fach

Pedal

 

Subbaß
Violonbaß
Sanftbaß
Flötenbaß
Cello
16´
16´
16´

Nebenzüge und Spielhilfen

 

Man. Koppel
Man. Koppel
Ob. Okt. Koppel
Unt. Okt. Koppel
Ob. Oktav Koppel
Pedalkoppel
Pedalkoppel
automatisches Piano Pedal
1 Freie Kombination
Walze
Handregister ab
Zunge ab
II / I
II / I
II / I
II
I / Ped.
I / Ped.
II / Ped.

Konzert Reinheim 2026

Wunderschöne rosa Kippschalter für das HW I und himmelblaue für das SW.

Auf einer Windlade unten steht mit kleinen Schildchen die Originaldisposition 1929.

Die Spendengelder vom Staat kamen, weil die Orgel im restaurierten Zustand unter Denkmalschutz steht. Das hatt 2021 Patrizia Lips (CDU) veranlasst, dann kamen vom Land Hessen, Landeskirchen, Sparkasse Hessen Thüringen weitere Spenden.

Gut kann die Gemeinde 53000 € stemmen, und durch weitere Spenden sind es „nur noch“ 25000 €.

Der Schweller hat sich ausgehängt, die Orgel ist etwas windstößig (und damit etwas verstimmt) und die Pedalkoppeln sind positiv träge, aber sie ist eben denkmalgeschützt.

Bei der Abnahme durch den Sachverständigen fiel die Orgel durch. Ups! Da war was los!
Beim nächsten Termin war der Chef von F&N dabei, da wurde einiges richtig gestellt: der Zustand von 1929 ist so, wie er ist – und nicht wie er gegenwärtig sein sollte. Basta. Das hat gesessen.

Klar sind Defizite vorhanden: der ca. 7 m lange Weg zum Gebläse auf dem Dachboden beispielsweise.

Da sind die beiden Säulen rechts und links. Macht zwar keine Geräusche, ist aber ein viel zu weiter Weg, den die Luft gehen muss.
Aber da gab es strenge Auflagen, damit das Instrument als Denkmal anerkannt wurde, für die Fördergelder.

Selbst der Knopf zum Einschalten musste außerhalb des Spieltischs montiert werden. Wer kommt denn auf sowas?

Klang und Akustik

Warm-samtig-trockene Akustik. Die schöne Oboe funktioniert leider nicht.

In die Orgelwand schnitten sich verewigend die Organisten der Jahrhunderte ein, u.a. von 1777 und 1786.

Besonders schön ist die Traversflöte 4 und die Harmonika Aetheria 8.

Die Orgel wurde 29 Jahre lang nicht gereinigt; wurde jetzt alles gemacht, nach so langer Zeit sehr teuer, 53000 €

Prachtvoll präsentiert sich die Orgel in der Dreifaltigkeitskirche.

In dem Prospekt von 1750 stand bis 1928 eine von Köhler aus Frankfurt gebaute Orgel, bis die oberhessische Firma Förster & Nicolaus (F&N) für 18110 Reichsmark eine neue pneumatische Orgel in das bestehende Prospekt einbaute.

Die Disposition war hochromantisch und orientierte sich dennoch an der „Elsässer Orgelreform“ mit Soloregistern im oberen Manual. Bereits 1960 wurde diese Disposition, des zeitlichen Geschmacks geschuldet, leider tiefgreifend verändert und die schwebenden Registerfarben durch obertönige Register ersetzt, sowie Schweller und Crescendowalze ausgebaut.

Bei der Restaurierung durch die Fa. F&N 2021/22 stellte sich heraus, dass die Windversorgung  im Spieltisch bis 1960 unzureichend war, d.h. gerade so funktionierte. Das spürt man auch heute noch.

Bei geringen Temperaturschwankungen entfalteten sich diese Mängel und führten zu Fehlfunktionen bei der pneumatischen Schalttechnik, die nach 1960 reduziert wurde.

Das Förderprogramm der Bundesregierung für historische Orgeln machte es möglich, die Orgel die originale Disposition zurückzugeben und sie erst dadurch als denkmalgeschützt einzustufen.

Laut Aussage der Orgelbauer ist sie die einzige erhaltene Orgel der Firma F&N, deren Disposition sich an die Elsässer Orgelreform orientiert und mit einer enormen Fülle an Spielhilfen wieder ausgestattet ist.

Bei der Gelegenheit wurde die Orgel gereinigt (letzte Reinigung vor 29 Jahren), die pneumatische Technik überarbeitet (besonders die unzureichende Luftzufuhr  am Spieltisch), Pfeifen ausgetauscht, repariert und die Stimmvorrichtung gerichtet.

Das doppelfaltige Magazin wurde komplett neu beledert. Die Manualklaviatur wurde überarbeitet und verformte Tastenbeläge erneuert.

Im Fußwinkelbrett wurde der Bretterverschlag entfernt und die Crescendowalze, deren Schaltmodul 60 Jahre mit gekappten Bleirohren in der Orgel lag, wieder eingebaut.

Das Schwellwerk, dessen Jalousien über 60 Jahre auf dem hinteren Gehäuse lagen, wurde ebenso wieder in Funktion gebracht.

Nach 17 Monaten Arbeitszeit, im Sommer 2022 wurde die Orgel wieder feierlich eingeweiht und überrascht seither mit einem vollen, angenehmen, lichten und variationsreichen Klang.

Inzwischen wurden namhafte Orgelvirtuosen und Virtuosinnen auf dieses Instrument aufmerksam und spielen Konzerte zur Freude aller.

Persönliche Note

Es ist meine zweite FN-Orgel. Die erste spielte ich in Frankfurt am Main.

Mein erstes Konzert wurde per Beamer nach unten übertragen, so dass man meine Hände sehen konnte. Ich habe statt Blumen einen Fleurop-Gutschein bekommen, was ich sehr süß finde.

Auch mein zweites Konzert heute in Reinheim war sehr schön und trotz der Hitze gut besucht, obwohl es in der Kirche heiß war und auf der Empore 32 Grad hatte. Selbst die dicksten Mauern einer ansonsten kühlen Kirche können dem männergemachten Klimawandel nicht stand halten – was erschreckend ist.

Ich habe es ausgehalten, weil wir zufällig einen Ventilator im Auto hatten. Der flog uns zwar runter und arbeitete dann ohne Schutz, aber er hat dennoch sehr geholfen.

Ich spielte die Uraufführung von Bernd Genz‘ Variationen zum schwedischen Volkslied Ute vår hage – und die Goldberg Variationen zu Bachs Aria; an der schönen pneumatischen historischen Kegelladen-Orgel.

Zu gern würde ich wissen, wie die barocke Köhler-Orgel von damals geklungen hat. Sie war seitenspielig und besaß ein Manual. 1929 kam dann der Neubau von FN im alten, wunderbaren Prospekt.

Der Organist der Kirche hielt sein Leben lang die 60er-Jahre-Orgel unter den Fingern, bevor er endlich die Rekonstruktion erleben durfte.

Schweller und Walze lagen lange ausgebaut in der Orgel. Irgendwie herzzerreißend.

Der Komponist Bernd Genz hat mir sein Werk gewidmet. Presse der Odenwälder Echo, Sparte Darmstadt-Dieburg war auch da

Der elegante Prospekt ist mit zwei posaunenblasenden Engeln und der Initialkartusche Landgraf Ludwigs VIII. (1739-1768) geschmückt. Die Köhler-Orgel  hatte in Manual und Pedal 17 Register.

Das war die ursprüngliche Disposition der Köhler-Orgel von 1750, zum ersten Mal im Netz:

Manualstimmen:

1. Prinzipal 8 fuß

2. Quintaton 16 fuß

3. Viola di gamba 8 fuß

4. Gedackt 8 fuß

5. Oktav 4 fuß

6. Flauto traverso 4 fuß

7. Waldflöte 2 fuß

8. Oktav 2 fuß

9. Nasat 2⅔ fuß

10. Sexquialtera baß

Sexquialtera diskant

11. Mixtur 3fach, repetiert auf kl c c‘

12. Trompete 8 fuß mit aufschlagender Zunge

Pedalstimmen:

13. Subbaß 16 fuß

14. Violonbaß 8 fuß

15. Oktavbaß 4 fuß

16. Posaunenbaß 16 fuß

17. Tremulant

Dies ist die Disposition der F&N Orgel vom 11. September 1960 (Neobarockisierung), 22 klingende Register, zum ersten Mal im Internet:

Hauptwerk 1

Prinzipal 8’

Robrflöte 8’

Oktave 4’

Weidenpfeife 4’

Gemshorn 22/3

Waldflöte 2’

Terz l 3/5

Mixtur 4fach

Oberwerk II

Gedackt 8’

Quintade 8’

Prinzipal 4’

Rohrflöte 4’

Schwiegel 2’

Quinte 1 2/3

Siffllet 1’

Scharff 2-3fach

Rohrschalmei 8’

Tremulant

Pedal

Violon 16’

Subbaß 16’

Gedackt 8’

Prinzipal 4’

Schwiegel 2’

Spielhilfen (Hilfszüge)

Manualkoppel

Pedalkoppel I

Pedalkoppel II

Hauptw. 4’/Pedal

Freikombination

Handregister ab

Zungen ab

Organo Pleno


2 Antworten auf “Förster & Nicolaus Orgel Kirche Reinheim Odenwald Hessen”

  1. Hans-Gerd Schrick

    Sehr gelungen! Liebe Frau Schlüter, frohe, gesegnete Ostern wünscht Ihnen Hans-Gerd Schrick

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