26. Juni 2026: Vaterlands- und Mutterlandsliebe ist nicht Selbstbewunderung.
Foto: Pedal Nöske Orgel Niederthalhausen Ludwigsau Hessen 2026
Heute erinnere ich an Johanna Siebel, 1873, Schriftstellerin. Und an Sophie von Mereau, deren Ehemann Clemens von Brentano ihr verbieten wollte, weiter Romane zu schreiben: „Glauben Sie mir, Sie sind eine schlechte Künstlerin!“
Das erinnert mich an Robert Schumann mit Clara.
In der Zeit der Romantik entstellten sogenannte „romantische“ Weltanschauungen auch und gerade in der Lyrik den Glauben. Es war von Sinn und Geschmack die Rede, von goldenem Licht; auch Erweckung wurde mystisch und verklärend gesehen.
Frauen hatten es auch in dieser Zeit nicht leicht. Gedichte „durften“ sie schreiben; aber Theaterstücke, Romane oder Novellen – das galt als unschicklich, verdächtig. Es gab viele frauenfeindliche Romantiker und Literaturkritiker, die die Schreiblust und Begabung von Frauen bremsten. Sie sollten nur Briefe und Tagebuch schreiben, nichts Öffentliches.
Männer hatten schon immer Angst vor dem scharfen Blick und Wort der Frau, vor der weiblichen Schreibgewandtheit und poetischen Gabe. Selbst Reiseberichte sollten sie nicht wirklich schreiben. Sie wurden dann als unweiblich dargestellt, was für viele Frauen ja das Schlimmste ist; und dabei so unsinnig. Heute ist es nicht viel anders; es stellt sich nur anders dar; je nachdem, wie der Zeitgeist blubbert.
Geblieben ist: Frauen werden oft durch das Mittel der Beschämung gestoppt: Unweiblich, schlecht, peinlich, klein, emanzipiert, feministisch, naiv, ungeschickt etc. Zudem das (christliche) Rollenmuster und der enge Rahmen, indem selbständige, mündige Identität und geistiges Wachstum, Gotteserfahrung und Lehrbefugnis von Frauen nicht vorgesehen ist und war. Frauen helfen und halfen sich nicht gegenseitig.
Der in der Männerwelt bis heute allseits geschätzte Brentano war besonders schlimm: Er unterdrückte und manipulierte seine begabte und vor der Hochzeit erfolgreiche Frau Sophie, die er schwängerte und die kurz nach der Hochzeit beim Gebären starb; eine Frau zu stoppen, war (und ist) auf diese Weise leicht. Sofort nach dem Tod von Sophie heiratete er ein sechzehnjähriges Mädchen, ein Kind – das todunglücklich mit ihm war und schon zwei Jahre später davonlief. Gut für Auguste. Er hätte sie sicher sonst auch auf dem Gewissen.
Jedoch seine Schwester Bettina konnte Clemens nicht stoppen. Sie hat sich frei gerungen von ihm.
Und nun wieder zurück zur Orgel:
Rote Nöske Orgel Kirche Niederthalhausen Ludwigsau 1 Hessen, 1 M, 7 R
Die hübsche rote Orgel auf den weißen Emporen hier in Nordhessen ist ein kleines, kompaktes Instrument, das hinten offen steht, so dass man Teile des Innenlebens und Holzpfeifen erkennen kann.
Die evangelische Dorfkirche im Ludwigsauer Ortsteil Niederthalhausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) beherbergt eine Orgel der Orgelbauwerkstatt Nöske (Orgelbau Rotenburg). Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche ist überregional zudem für ihre beiden historischen „Zuckerhutglocken“ bekannt.
Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:
Anbei meine neue CD bei Naxos:
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Neue CD 2026: BACH BERÜHREN:
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Sehr gut geschrieben. Ich lese auch gerade über die Romantikerinnen. Was für eine spannende Epoche.