Startseite Nach oben

Ann-Helena Schlüter


22. Juni 2024: Das Oberwerk besitzt einen sehr musikalischen Tremulant. Es gibt allgemein auch sehr unmusikalische Tremulanten. (AHS)

Foto: Bad Lausick bei Leipzig, Silbermann Orgel 2024

Ich bin in Bad Lausick bei Leipzig in der wunderschönen romanischen evangelischen St. Kilianskirche angekommen, älteste Kirche Sachsens (1100), aufgrund von Geldmangel nie verändert worden, was für uns heute gut ist – der einzigen Kirche in Sachsen, die St. Kilian heißt: Würzburg lässt grüßen und grüßt Sachsen und die Ökumene. Die Kirche ist schlicht und heilig, weiß, rundlich und mit kindlichen Holzdeckenfresken und „schiefen“ Säulen. Die Kanzel ist von 1696. Es gibt 2 Glocken von 1605, die viel erlitten haben. Die kreuzförmige Pfeilerbasilika ist eine Augenweide.

Die Akustik in der Kirche ist klar, berührend, sprechend, authentisch und direkt. Sowohl Kirche, Orgel, Glocken und Menschen haben hier eine bewegende Zeit hinter sich.
Es ist wunderschön, hier zu spielen, und die Menschen sind alle sehr lieb.

Die wunderschöne dreihundertjährige Silbermann Orgel 1721 oder besser, Silbermann Trampeli Orgel 1772 auf der WE, 2 M, urig, edel, mit begrenztem Umfang, ohne d und cis, besitzt nun ihren 4. Standort und ist seit 1957 hier. Das untere schwarze HW ist Silbermann, das Oberwerk Trampeli. Ich habe schon einige Trampeli Orgeln gespielt und beautiful Silbermann sowieso. Das Oberwerk besitzt einen sehr musikalischen Tremulant. Es gibt generell auch unmusikalische Tremulanten.

Die Orgel ist einen Ton höher gestimmt, woran man sich stets neu gewöhnen muss, zusätzlich zum „kleinen“ Umfang; nicht schwergängig; Schiebekoppeln, Koppeltritt. Aufgrund der unglaublichen Feuchtigkeit (auch in meiner neuen Wohnung sind es 69 Prozent Luftfeuchtigkeit!) sind die Zungen leider verstimmt. Die weiße Orgel wurde 1990 von Eule restauriert.

Ich liebe die dicken schwarzen Registerzüge. Die erste Orgel hier ist vermutlich von 1605.

Das reiche Bad Lausick besitzt ca. 8000 EW mit einem schönen Bahnhof, in dem sich ein griechisches Restaurant befindet (Poseidon).

Heute ist das Konzert 17 Uhr, 10 € Eintritt. Es kommen vor allem Kurgäste.

Der MDR hat mich zum Thema Frauen an der Orgel interviewt. Es ist offenbar allgemein bekannt geworden, wie schwer es als Frau in dieser Männer-Domäne ist, in der Jahr für Jahr die besten Stellen an Männer vergeben werden, in der Männer sich zusammenrotten und in der in einem Mob über Frauen hergezogen, ihre Abschlüsse in Frage gestellt, ihre Konzerte verhindert, ihr Leben gestalked und belästigt, ihr Aussehen verspottet und Karriere bewusst erschwert wird, eine Domäne, in der Männer nur ihre männlichen Schüler fördern und zusammenhalten und Angst vor sich wehrenden Frauen haben: Die christliche Kirchenmusik.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen


19. Juni 2024: Kunst ist immer eine Glaubensbotschaft.
Foto: nächstes Konzert

Als ich ein Kind war, schien es in der Nachbarschaft normal, „unmusikalisch“ zu sein; wenn die anderen Happy Birthday schief gesungen haben, hab ich es auch falsch gesungen.

Auch heute noch finde ich es hin und wieder attraktiv, auf unmusikalisch zu machen. Ich weiß, wie man sich verhalten muss, um normal-unmusikalisch zu wirken, und ich kenne auch die verschiedenen „Stärke-Gerade“ bis hin zu kunstversagt. Durch die vielen Schülerinnen und Schüler meiner Eltern, die ich tagtäglich hören musste, kenne ich die Abstufungen.

Gemeinsam unmusikalisch zu sein verbindet mehr, als wenn ich allein als Künstlerin dastehe. Grölen, schief singen – das verbindet unglaublich viele Menschen. Die Energie dahinter gefällt mir jedoch nicht. 


17. Juni 2024:
Foto: Georg Weishaupt Orgel St. Mauritius Wiesentheid bei Kitzingen 2024

Das Konzert gestern war sehr gut besucht, die große Kirche war voll. Es gab eine Pause mit Getränke-Verkauf. Die Orgel spielte sich butterweich. Wenn man zuvor Orgeln wie Gouda gespielt hat, dann ist es geradezu easy, eine solch neue „weiche“ Orgel zu spielen, die auch noch in brillanter Akustik steht und ein „bequemes“ Pedal und eine Setzeranlage aufweist. St. Mauritius ist eine atemberaubend schöne Kirche, die mitten auf einem residenzähnlichen Platz mit Park und Brunnen steht. Dort parkten wir den Mercedes Sprinter mit GL-Kennzeichen.
Ich liebe diese hübschen fränkischen Dörfer im Sonnenlicht. Anschließend waren wir Pfifferlinge essen, denn jetzt ist es die Zeit.

Der historische Prospekt der Orgel ist eine Augenweide: 

Weishaupt Orgel St. Mauritius Kirche Wiesentheid

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wo wohnt Gott? Mitten unter uns.

Wann ist Handwerk Kunst? (AHS)

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

16. Juni 2024: Das Ei Kunst liegt in ihm. Entweder es wird ein Vogel daraus, der fliegt, oder eben nur Rührei. 

In meinem Umzug lerne ich viel über Handwerk und seine Werkzeuge und Begriffe (und jetzt bitte nicht lachen) wie Heizungssockelleisten, Seitenschneider, Nagelschellen oder OBO, Willis Hausordnung (besonders schwerer Hammer), Wago-Klemmen (ich schrieb in meine Liste zuerst „Vargo-Klammern“), Abzweigdosendeckel, Gehrungsschnitt, Kabelkette… Und wie man einen „Planwagen“-LKW öffnet und schließt. In all dem Streichen, Parkett und Schmuckleisten kleben, Bilder mit Laser ausrichten, zum Hornbach fahren etc. – und das alles für Altbau, ist für mich die Frage, wann „endet“ Handwerk und wird Kunst oder besser, ab wann geht Handwerk in Kunst über?

Handwerk ist generell etwas Wunderbares. Wer Handwerk nicht genug achtet, hat leider nichts verstanden. Denn Handwerk hat mit Kreativität und Phantasie zu tun und ist das Fundament von Kunst. In ihr fängt sie an zu brüten, zu gären und zu atmen. Handwerk ist das warme Nest. Das Ei Kunst liegt in ihm. Entweder es wird ein Vogel daraus, der fliegt, oder eben nur Rührei.

Aber selbst wenn Handwerk keine Kunst ist oder wird, so ist sie doch solide, rechtschaffene und kluge Arbeit, wenn man sie gut macht. Sie ist zu achten und zu ehren.

Früher habe ich Baumärkte gehaßt; diese grässlichen Gänge voller Schrauben und Schläuche, ich werde ganz dizzy, und nie ist ein Mitarbeiter zur Stelle, und selbst, wenn man einen erwischt, versteht er meine Fragen nicht. Heute aber mag ich gewisse Baumärkte wie Hornbach: Wenn ein Baumarkt eine einladende Gartenabteilung und eine nahegelegene Bäckerei aufweist, bin ich zufrieden und versöhnt.

Ich huldige besonders dem Handwerk des Orgelbaus.

Heute ist wieder Konzert, diesmal in kath. St. Mauritius Kirche Wiesentheid in Franken bei Bamberg: meine erste Georg Weishaupt Orgel.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

13. Juni 2024

Nächste Konzerte: München, Bad Lausick, Wiesentheid, Schweden… Ich freue mich. Gestern bin ich zum ersten Mal mit einem großen und voll beladenen Transporter by Mercedes von Osnabrück nach Würzburg gefahren. Es lief sehr gut. Wir haben schöne Kooperationen mit top Unternehmen – als Künstlerin, die gerade umgezogen ist und neue Möbel braucht (ich liebe Holz-Massiv) ist das natürlich spitze.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

10. Juni 2024: Ich lerne von allen Künsten.

Foto: Scharfe Orgel Ebersbach 2024

Heute erinner ich an Emmy Noether.

Das Konzert gestern an der Gilbert Scharfe Orgel 2009 in Ebersbach Bünzwangen bei Stuttgart war sehr schön und gut besucht. Ich mag die schwäbischen gepflegten Orte. Ich bin mit dem Wagen gekommen. Leider schien auch hier das Hochwasser gewütet zu haben. Auch in Bünzwangen spielte ich das gleiche Programm wie in Gouda – obwohl hier eine ganz andere Welt herrscht.

Zuvor strömte man noch ins Wahl-Lokal zur Europawahl.
Wir waren danach alle zusammen essen im schönen Holz-Haus der Scharfes. Das Unternehmen ist ein Familienunternehmen.

Scharfe Orgel ev. Kirche Ebersbach Bünzwangen bei Stuttgart

 

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

8. Juni 2024: Der Pfad des Herzens ist dornig. (Noor Inayat Khan)

Foto: Moreau Orgel Sint-Jans-Kirche 2024

Heute erinnere ich an Mary Edwards Walker.

Das Konzert war sehr schön! Meine holländischen Fans und facebook-Freunde waren da. Einige waren zum ersten Mal auf einem Orgel-live-Konzert und zu Tränen gerührt. Zum ersten Mal habe ich auch Guus getroffen. Meine Hände wurden nach unten gebeamt auf Leinwand. Danach gab es Rosen.

Im Publikum waren auch viele Touristen. Ich habe alles allein gemacht (Blättern, Register ziehen) – außer bei der BWV 542-Fuge. Gerben hat die Zungen gestimmt. Ich musste mich nach Reise und Umzug ausruhen und habe 10 Stunden durchgeschlafen, so erschöpft war ich. Meine Hände sind vom Umzug noch zerkratzt und ramponiert.

Unten gibt es noch eine wundervolle Johan Joseph Mitterreither Schrank-Orgel ( 1733-1800) von 1779 mit Perlmutt-Tastatur. Er war ein österreichischer Orgelbauer und wohnte in Rotterdam, 1761 ist er nach Gouda umgezogen und hatte hier auch seine Werkstatt. Später hat er noch in Leiden (NL) gewohnt.

Da ich morgen wieder Konzerte in Deutschland habe, fahre ich mit dem Nachtzug zurück. Ich werde Holland vermissen. Die Organisten sind sehr relaxed, freundlich und bei weitem nicht so gehässig und neidisch, wie ich Kollegen in Deutschland kenne. Ich brauche manchmal das Ausland (egal, welches), um mich zu erholen. Die Züge sind pünktlich und fangen erst das Spinnen an, wenn sie die deutsche Grenze passiert haben.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

 

Moreau Orgel Sint Jan Kerk in Gouda Holland

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

7. Juni 2024: Foto: Sint-Jans-Kirche 2024

Heute erinnere ich an Alice Ball.

Ich bin in Holland angekommen, in Gouda (Cccchauda ausgesprochen) – bei Rotterdam. Auch Amsterdam ist nicht weit weg. Ich bin über Utrecht gereist. Gouda ist eine kleine gepflegte Stadt von 50.000 Einwohnerinnen, an typischen Grachten und Wassern und Flüssen und Booten und Brücken und perfekten Rädern. Man denkt, man ist am Meer.

Die evangelische Sint-Jans-Kirche ist hier die längste und größte Kirche, mächtig und wunderschön, mitten in der Altstadt. Die Kirche ist gleichzeitig ein Museum aufgrund der wertvollen Fenster. Die riesige, tief stehende flämisch-französische Jacob Francois Moreau Orgel von 1732-1736 (vom Sohn vollendet) mit metallgrünen-goldenen Pfeifen und großem Rückpositiv ist eine Augenweide. Man kann am Prospekt die Werke nicht erkennen.

Das Konzert ist morgen um 16 Uhr.

Der schöne Spieltisch mit 3 M ist spannend. Die sehr schwergängige historische Orgel mit vielen Traktur-Nebengeräuschen besitzt einige weiße Einrast-Schiebe-Koppeln, die ich so noch nie gesehen habe. Sie hat Tremulante, was ich persönlich liebe. Das Pedal ist absolut nicht leicht zu spielen, weil die Abstände völlig verschoben oder anders sind, sehr eng. Man kann im Grunde (vor allem mittig) nur mit Spitze spielen und muss die Abstände neu einkalkulieren.

Unten gibt es eine schöne Chororgel. 

Obwohl die Kirche weitläufig ist, ist die Akustik eher trocken. Mittags waren wir am Markt essen. So lecker! Käsesuppe und Bauernbrot. Raclette. Ein Käsemarkt. KAAS BAR. Vor dem Alten Rathaus aus Sandstein, mit Carillon. Es ist sonnig und friedlich. Mein Hotel ist mitten in der Stadt. Gouda kommt tatsächlich von hier, hat aber kein Patent erhalten.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Moreau Orgel Sint Jan Kerk Gouda Holland

6. Juni 2024: Foto: Kreuztal 2024

Ich fahre heute nach Gouda, meinem Lieblingskäse.

Ich habe die Doku „Jung-Stilling“ gesehen. Was ich bedenklich finde, ist, dass ganz nebenbei lapidar erwähnt wird, dass die Ehefrauen allesamt früh und jung starben, nachdem sie Dutzende von Kindern zur Welt brachten – meist ohne medizinische Hilfe. Was daran christlich sein soll, ist mir schleierhaft. Das war eben früher „normal“, dass Frauen jedes Jahr geschwängert wurden bis zum Tod, weil der Mann nicht verzichten wollte.

Kinder und Frauen starben wie die Fliegen, und da heißt es, der Mann heiratet die Frau „aus Mitleid“? Damit sie früh stirbt? Und die vielen Kinder wurden eben weggegeben, wenn die Mama tot war und wenn sie selbst nicht starben.

Oder es musste die nächste Frau als Mutter herhalten – und es wurde die nächste junge Frau zu Tode geschwängert. Damit der Mann hinterher tiefgeistige Lyrik schrieb und überall Denkmäler und Straßennamen bekam. In seiner Lyrik ging es dann darum, dass der gute Denker „nicht zu hohe Erwartungen hatte“ und „sehr genügsam“ war. Der Frau jedenfalls hat es meist das Leben gekostet, ununterbrochen schwanger zu sein in jenen Zeiten. Und dann wurden sie einfach ersetzt von den mystischen Genies.

Wo sind die Denkmäler für all diese Frauen, die diesen Egoisten zu Diensten waren bis zum Tod?

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen