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Tourblog

26. Oktober 2020

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Machst du wieder deine unbegreiflichen Notizen in die Noten? (Kollege)

Im sogenannten „Pfeifenorgelforum” (vorher nie gehört, Admin: ein Krankenpfleger Jürgen Strupat aus Köln), eine unschöne Seite, wird anstatt über Musik und Orgeln von einer Gruppe “Kirchenmusiker” (?) (alles Männer) mit meist anonymen, versteckten Namen (um ihre Identität zu verbergen) über Künstler (besonders Künstlerinnen) auf Trash-Niveau hergezogen und gespottet. Anstatt betreffende Persönlichkeiten selbst zu fragen (in meinem Fall, warum meine Noten so bunt sind), werden dort Spekulationen und Gerüchte verbreitet und gelästert. Ich bin nur auf diese unschöne Seite aufmerksam geworden, weil ich mehrfach von Kollegen und durch anonyme Hinweise auf die Lästereien hingewiesen wurde. Strupat selbst hat sich sehr gefreut und war geschmeichelt, dass ich mich auf diesem „Läster-Forum“ anmeldete, um Näheres über diese ominöse Seite herauszufinden. Eigentlich hatte ich keine Lust und Zeit, mir das anzusehen. Der Name „Pfeifenorgelforum“ ist eine Irreführung meiner Meinung nach, es ist ein Lästernetzwerk von überwiegend Altherren, in dem viele Leute ihrem Lebensgroll und Neid freien Lauf zu lassen scheinen, da sie selbst nichts geworden sind und die kritisieren und abwerten. Diese “echten Kirchenmusiker”, wie sie sich teilweise selbst bezeichnen, die musikalisch keiner kennt, und auch Leute, die es besser wissen müssten, spotten feige auf unterstem Niveau, haben teilweise nicht studiert (geschweige denn Orgel) und kritisieren und verdächtigen unter „Namen“ wie hintersatz, Astronaut, elsenp…

Peter Elsen aus Düren, Johannes Sommer. Oho: Viele Klarnamen hat mir Michael Klein aus Wetzlar verraten! Leider scheint hier keinerlei Admin diesem Treiben Einhalt zu gebieten, im Gegenteil, der Sinn der Seite scheint das Lästern zu sein. Begonnen hat diesen ellenlangen Läster-Thread in meinem Fall ein Rochus Schmitz aus Münster, Anwalt und Laie, seit 2013 in diesem „Sumpf“ aktiv. Er braucht wohl die Aufmerksamkeit? Ansonsten spielt er angeblich auf dem Katholischen Kirchentag, wenn er nicht gerade im Lästerforum hintenrum aktiv ist und meine persönlichen emails gegen meinen Willen zitiert. Christoph Bornheimer verteidigt Sebastian Küchler-Blessing und stellt mir mit Emails nach.

Es sind meist Männer, die weder die Leistung noch die Abschlüsse noch die Talente haben wie ich (Semis, Laien) und auch keine Ahnung, und die dennoch kritisieren und stänkern. Und die sich durch meine Videos und meinen Blog auf den Schlips getreten fühlen, anstatt darüber nachzudenken oder mich selbst zu fragen, wenn sie Fragen haben. Anstelle konstruktiver Kritik (fundiert und konstruktiv)  spricht viel Neid und Hass aus ihren Post und Beiträgen, finde ich. Dieses Forum ist daher in meinen Augen ein frauenfeindliches, kindisches Forum. Es ist fast alles erlaubt. Besonders niveaulos werden die “Diskussionen” und Threads, wenn jemand anders ist und gegen die Norm verstößt, was in der Orgelwelt schnell passiert, schon allein dadurch, dass man eine Frau ist. Die anonymen Kommentare, die ich seitdem (seit dem 25.10.20) hier erhalte und nicht freischalte, gleichen denen streitender Fünfjähriger, die sich gegenseitig die Schokolade wegklauen wollen. Es können unmöglich Akademiker sein, die sich auf so einem Forum tummeln.

Das sehr bedenkliche Verhalten gewisser männlicher Kirchenmusiker dagegen wird dort wiederum gar nicht diskutiert, sondern als Tabu unter den Tisch gekehrt, selbst dann, wenn es illegale oder schwer bedenkliche Fälle sind. In dieser Berufsgruppe gibt es die neidischsten Menschen, die ich je erlebt habe, die so fern von Gott sind, dass sie die Luft in den Kirchen vergiften. Unverständlich, wie jemand Kirchenmusiker sein kann und so ein toxisches, giftiges, unchristliches Spotten verbreitet.

Sie tun mir im Grunde leid. Ich habe gar keine Zeit, mir diesen Quatsch in diesen Threads durchzulesen, bei dem fast nie etwas stimmt. Sie aber bevölkern meine Webseite seither, dass es meine Statistik im Background sprengt. Sie haben scheinbar sehr viel Zeit. Wegen des Lockdowns? Jetzt wisst ihr auch, woher die Dislikes meiner Videos auf YouTube kommen. Dabei ist mein Blog der einzige, der aufzeigt, was in dieser Berufsgruppe Kirchenmusik (und Orgel) los ist. Und ich habe nur von der Spitze des Eisberges hier berichtet.

Nun wieder zurück zu etwas Schönem:

Beim Stimmen von Tasteninstrumenten ist es hilfreich, die (mathematischen) Verhältnisse zu kennen. Dass Saiten, je länger sie sind, tiefer klingen. Ich liebe Clavichord und habe mich sehr gefreut, Sigrun Stephan kennenzulernen. Sie kommt zu meinen Konzerten.

Ich liebe die Musik Pachelbels.

Pachelbel hat Bach als Neunjährigen gekannt. Er ist in Nürnberg geboren wie ich. Und er kehrte am Ende nach Nürnberg zurück und arbeitete dort. Erstaunlich. Ich mag seine bescheidene, echte Musik. Sein jetzt weltberühmter Canon wurde erst 1970 (!) wirklich weltberühmt. Wahrscheinlich durch einen Zufall. Er hatte viel erlebt in seinem Leben, in Wien, in Erfurt. Er war mit der Bach-Familie eng, ist schon mit 52 gestorben, kannte auch Muffat und Froberger. Tolle Kontakte.

Es ist erstaunlich, wie das Leben von Menschen geführt wird. Hätte Bach nicht so früh seine Eltern verloren, wäre er nicht in diesen engen Kontakt mit seinem Bruder gekommen. Dieser Bruder aber hatte Klavierwerke und  Tastenwerke von verschiedenen Nationen gesammelt, von Frankreich, von Spanien, von Italien, das gab es zu dieser Zeit so nicht. Diese wertvollen Sammlungen hat sich der junge J.S. eingefleischt. Dieses seltene, wertvolle Einverleiben von besonderem Wissen in einer so sensiblen Zeit seines Lebens muss ausschlaggebend für den hochtalentierten Waisen gewesen sein. Später kamen Bachs eigene Werke zu den Sammlungen dazu, und er fügte Werke anderer zu den Sammlungen des Bruders dazu, bis diese unglaublich wichtige historische Dokumente wurden. Wie hätte das sonst möglich gemacht werden können, hätte Bach nicht bei seinem Bruder gewohnt? Wie hätte er bei seinem Bruder gewohnt, wenn seine Eltern nicht gestorben wären? Diese musikalische Basis kostbaren, seltenen, aktiven Wissen, diese Resonanz legte den Grundstein von Bachs Gesamtwerk.

Jener Bruder Johann Christoph muss ein besonderer Mensch gewesen sein. Man denke nur an die sogenannte Andreas-Handschrift oder an die Möllersche Handschrift.

Sehr empfehlen kann ich auch das Buch Die Resonanzpädagogik von Hartmut Rosa. Ich habe es in einem Atemzug durchgelesen. Es steht für mich in einem engen Zusammenhang zur Bachvermittlung.

Abbé Vogler: Bad Wimpfen, eine kleines, süßes Stück:

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25. Oktober 2020

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Alles ist in einem Ton. (AHS)

Wieder zurück aus Bochum.

Ich denke gern an das rote, große, originale J.P. Krämer-Clavichord Göttingen zurück, ungewöhnlich groß im Umfang, in Amsterdam, auf dem Gustav Leonhardt gespielt hat, dem es gehört hat, jetzt Menno, und es ist ganz anders zu spielen als Kather oder Zander oder Ruys. Sehr geeignet für Haydn. Von 1803.

Die Haustüren in Amsterdam sind wunderschön, alles ist unglaublich geschmacklich, wie in Schweden, auch die Sprache. Und die engen, steilen Treppenaufgänge sind unfassbar. Dass ich da noch nie gestürzt bin. Die Inneneinrichtungen und Fahrräder, alles gefällt mir sehr gut im Design. Ich bin viel spaziert, habe geübt. Diesen süffigen Sound am zarten Clavichord- das ist eine Kunst. Kather, Krämer, Ruys, Zander- alles wunderschön. Ich freue mich, die Instrumente aus Trier kennenzulernen. Die Holländer sind meist so relaxed. Das tut richtig gut. Jeder macht sein Ding und lässt die anderen in Ruhe. Schön.

Hattinger News: Hattinger News

24. Oktober 2020

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Es kommt mir vor, als wäre Instrumente stimmen wie angeln gehen. (AHS)

Das Konzert war sehr schön. Fusion Bochumer Orgeltage mit Blankensteiner Abendmusiken. Westdeutsche Allgemeine und Stadtspiegel Hattingen waren da und haben schöne Fotos gemacht: “Kult. Hier steht sogar eine Krippe im Orgelgang. Fehlt nur noch, dass ein Kaninchen drin liegt.” Ich musste lachen.

Die Musikerin Sigrun Stephan hat sehr sensibel geblättert. Das Konzert wurde auch aufgenommen. Der Titel war nach meinem Stück benannt. Pandemic Dance. Das Publikum war begeistert. Ich bin mit Kleid und “hochhackigen” Orgelschuhen flink nach und vor der Zugabe die gefährlichen Treppen hoch und runtergelaufen. Ich bin von Klavierabenden gewöhnt und liebe es auch, engen Kontakt zum Publikum zu haben und Zugaben zu spielen. Da die Orgel vorne war, konnten mich die Menschen auch sehen. Da den ganzen Tag die Heizung geböllert hat, war es warm. Trotz der streng bewachten “Hygienevorschriften” konnte man all die Menschen noch irgendwie unterbringen. Es war nicht leicht, in der trockenen Akustik eine schwergängige, kleine Orgel zu spielen, es war wie Cembalo spielen. Aber in meinem Stück habe ich die Orgel ins Wanken gebracht. Die Hattinger News schreibt: Das Highlight am Abend.

Das Holz in der schönen Kirche ist beweglich. Ich habe alle Geräusche von unten gehört. Einmal klingelte ein Handy, dann sind dem Fotografen Objektive heruntergedonnert und jemand packte Bonbons aus. Dennoch ging ich gerade in Bachs Musik wieder sehr auf. Hinterher waren wir in der Wasserburg Kemnade Wild essen. Es ist eine sehr künstlerische Burg, die ebenfalls Konzerte veranstalten, viele Instrumente ausstellen und eine “Musikscheune” haben.

Während andere Organisten verzweifelt suchen, habe ich den Anschaltknopf von Orgeln nun in zwei Sekunden gefunden.

Nun ruhe ich mich wieder im Bermuda3Eck aus. 🙂

Während ich für die Konzerte übe, prüfe ich Noten und Videos. Mein erstes Orchesterwerk kommt bald heraus. Es heißt Seehöhle, im Musikverlag Intermezzo Berlin. 

Ich nehme die gleichen Bach-Orgelwerke gern in verschiedenen Youtube-Video-Fassungen auf. Manche können das kaum fassen. Sie haben eine feste Meinung, aber dahinter steht meist eine gewisse Schule oder Tradition wie ein Dämon. Diese Dämonen will ich köpfen. Denn sie sind oft unmusikalisch, traumatisieren in musikalischer Hinsicht und machen unfrei. Sie sind wie ein Wahn. Ich bin da ganz fresh und untraumatisiert. Wie ich es wagen kann, zu komponieren, noch dazu so unmännlich?

Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich Organistin geworden bin. Zumal so, dass es für mich als reine Pianistin jetzt in diese Zeit viel schwerer gewesen wäre zu konzertieren. Gott hat gewusst, dass er mich rechtzeitig drehen muss. Alles ein Wunder. Auch dass ich kurz vor dem Virus eine Hauptwerkorgel bekam.

Wenn ich steile Treppen hoch und vor allem absteigen muss, wirkt sich bei mir die kleine Höhenangst so aus, dass ich ein Ziehen in der Kniekehle spüre, das vom Bauch her kommt und meine Knie weich macht. Aber im Kopf bleibe ich kühl, solange es keine Leitern sind.

Ich freue mich auf die Breil-Orgel in Herten bei den Westerholter-Orgeltagen. Nun bin ich erst einmal in Bochum an den wunderschönen Orgeln hier vor Ort.

Wichtig finde ich, Mendelssohn an der Orgel schön zu spielen: Brillant, n.l., artikuliert, dunkel, leicht (Orgelschule Knecht, A.W. Bach Berlin). Die Manuale können durchaus gekoppelt werden. Die Artikulation und auch die Orgelschreibweise Mendelssohns sind völlig anders als die Liszts oder Schumanns. Mendelssohn an der Orgel ist eine Welt für sich. Dadurch, dass es “romantische Musik” ist und doch so sehr an Bach angelehnt, ist man erst überrascht, dass Mittelstimmen einfach verschwinden, ins Off führen – doch durch die ständig “spontane” Zunahme und das Wegnehmen von Stimmen (und Händen) erreicht er eine sehr fließende Dynamik. B-Dur ist etwas unangenehm an der Orgel, aber ich liebe die vierte Sonate. Mir gefallen die Pianisten an der Orgel sehr: Liszt, Schumann, Brahms. Wunderschön. Man muss eben wissen, wie diese dort gespielt werden. Und die technischen Vorraussetzungen erfüllen. Es geht eben nicht darum, nur Töne zu spielen, oder gar, “viele” Töne zu spielen.

Orgelspielen ist Wissen. Ich bin sowohl für Liszt als auch für Reger als auch für Vierne; ich verstehe nicht, dass hier in der Orgelwelt so viel (ab)gewertet und geboxt wird. So etwas kenne ich aus der Klavierwelt nicht. Da ist es völlig normal, alles zu lieben und alles zu spielen. Punkt. Da wird nicht gewertet. Es muss daran liegen, dass Pianisten alles spielen können und wollen, während Kirchenmusiker oft das abwerten, was sie selbst nicht spielen können (wollen). “Nein, ich esse kein Brokkoli! Brokkoli ist doof.”

Dabei bezeichnen sie sich als “echte” Kirchenmusiker. Woran erkennt man “echte” Kirchenmusiker? Daran, dass sie oft neidisch, hintenrum, unkünstlerisch, frauenfeindlich, faul, technisch unversiert, unfähig zur Kommunikation, feige, negativ-konservativ und Strippenzieher sind. Hier in meinem Blog anonyme Hate-Kommentare dalassen. Es gibt 2020 A-Dom-Kantoren, die auf der Orgelbank sich einen herunterholen und dabei gefilmt werden. “Echte” Kirchenmusiker eben. Ich bin dankbar, eine “unechte” Kirchenmusikerin zu sein. Wie schrieb jemand über mich: Bezaubernde Energie im Kirchenraum. Man fragt mich, wie ich es in diesem “Verein” aushalte? Ich bin meiner Berufung und Gott treu. Außerdem gibt es phantastische Kirchenmusiker, die wahrscheinlich genauso unecht sind wie ich.

Es ist seltsam, wie sich diese Männer selbst schmeicheln. “Der erste”, “der profilierteste” – ein gesellschaftlicher Machismo, ein Snobismus, der Zwang, eine Überlegenheit haben zu müssen, wahrscheinlich als Kompensation. Ein Mann sagte mir vorgestern, dass solche manche Männer meinen, “sich auf diese Weise immerhin über 50 Prozent der Bevölkerung, also über Frauen, erheben können zu wollen.” Dies hat mit der Sexualisierung der Frau zu tun.

Ich finde die Musik von Lortzing interessant.

Selten auf YouTube: Ann-Helena featuring Steigleder und Ricercar in A:

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Die Geschichte der Musik ist noch lange nicht zuende. (AHS)

Bochumer Orgeltage: Die wunderschöne, historische, grüne Orgel hier in der evangelischen Kirche Hattingen Blankenstein, direkt an der Burg Blankenstein, ist etwas, was ich vorher noch nie gesehen habe: Eine historische Orgel hoch oben, direkt über dem Altar. Es ist eine Orgel des Orgelbaus Bautzen, von Eule rekonstruiert, neulich saniert. Eine gefährliche Treppe führt hinauf. Oben: Hinter mir ein Engel. Unter mir: Die Kanzel. Es ist unglaublich, wenn man in die achthundert Jahre alte, gotische Kirche kommt und anstatt eine Orgel hinten statt dessen eine kleine Orgel hoch oben thronen sieht, direkt über dem Altar. Der ganze hohe Altar wirkt dadurch lang wie ein Stab oder eine Pflanze, die vom Boden in die Decke wächst, wie Efeu, und die Orgel oben ist die Blüte, die Knospe. Erst dachte ich, es sei eine optische Täuschung oder die Orgel Dekoration, eine Wohnung für einen Engel oben. Aber nein, sie ist echt:

Sie hat zwei Manuale, ein hübsch gestimmtes Krummhorn, keinen Prinzipal 8, aber viele Flöten und kleine Mixturen und Koppeln und Schweller, es lässt sich sehr viel spielen, Mozart, Trio-Sonaten, Piece, Scheidemann… Die Akustik ist recht trocken, aber die duftigen Flöten machen dies wieder wett.

Anschließend wurde mir der wunderschöne, mittelalterliche Ort gezeigt, die Fachwerkhäuser, die Burgfreiheit, die Burg, dazu die Handelsstrasse Hellweg (Hell oder Hall früher für Salz), die quer durchs Ruhrgebiet bis ans Meer führt, die Wasserburg Kemnade, früher für Damen und Burgfräulein. Nachts sehr schön beleuchtet alles, romantisch.

Hattingen bei Bochum ist ein malerischer Ort mit einer faszinierenden Innenstadt voller Fachwerkhäuser. Es sollte Unesco Weltkulturerbe werden in meinen Augen. Und was für Fachwerkhäuser! Sie stehen direkt an der großen Festung der mittelalterlichen Kirche St. Georg mit schiefem Turm: Fachwerkhäuser nach außen gewölbt, schräg, schief und wunderschön, gepflegt, geschmückt, auch das Bügeleisenhaus und das alte Rathaus, deren einmalige Fensterchen wie ein Adventskalender fungieren im Dezember, der Marktplatz – eine Augenweide. Ich habe lange als Kind in einem großen Fachwerkhaus in Reichenschwand gewohnt. Ich liebe den Duft, das Holz, die Größe, den Style.

Wir waren in Hattingen nach dem Üben italienisch essen unterhalb St. Georg, Vitello Tonnato und Dorade mit Alio e Olio. Die hübsche Ruhr. Hattingen, die 55.000-Einwohner-Stadt liegt direkt bei Bochum.

Hier in Bochum-Stiepel (eine sehr schöne Gegend mitten im Herbst) habe ich auch die wunderschöne Kirschner-Orgel in der tausendjährigen, evangelischen Kirche gespielt. Die Deckenmalerei und die herrliche Akustik haben mir sehr gefallen. Die Orgel ist ein Schmuckstück, auch die wunderschön verzierte Truhenorgel unten mit einer Zunge (Regal).

Arno und Wolfgang sind sehr nett. Arno hat früher meinen Papa oft im Radio gehört.

Das Hotel hier, Tucholsky, ist ein Künstlerhotel direkt bei der Christuskirche Bochum (eine “entweihte” Konzertkirche mit einer wunderschönen Schuke) und dem Bermuda-Dreieck. Die Zimmer sind große Wohnungen. Es sind viele Schauspieler schon hier abgestiegen. Man kann bis 15, früher sogar bis 18 Uhr frühstücken. Sehr künstlerfreundlich. Für Kneipentouren oder “auf jück gehen” habe ich keine Zeit. Morgen ist das Konzert. Es ist schon ausgebucht, viele Leute dürfen leider wegen Corona nicht mehr hinein.


Es ist auch interessant, wie Cembali gestimmt werden. Wichtig ist zu beachten: Ist eine Schwebung da, ist der Ton unsauber. Er muss ohne Schwebung und Vibration dastehen. Stabil. Spannend sind hierbei die Naturtöne, also beispielsweise der Ton zwischen f und fis, das sogenannte Alphorn-fa. Denn die Alphörner spielten diese Naturtöne zur Verständigung und Nachrichtenkommunikation. Das Alphorn-fa, den sogenannten elften Ton, kannte Bach auch. Es gibt hier also noch einige Intervalle, die wir nicht verwenden und vielleicht nicht mal kennen. Das ist spannend. Die Geschichte der Musik ist noch lange nicht zuende. C ist der 8. Ton, G ist der 3. Ton.

Es kommt mir vor, als wäre Instrumente stimmen wie angeln gehen.

Bach kannte die Verhältnisse, Obertöne, Kombinationen und Frequenzen der Töne und Intervalle, sicher auch die sogenannten Cents. Er wusste: Alles ist in einem Ton. Zwei ist eins. Die Oktav-Kopie. Dieses Wunder von Intervallen. Drei Intervalle in einem Dreiklang. Zwei Zweierbeziehungen. Das Gesetz von Bachs Fugeneinsätzen spiegelt das Intervall-System mit seinen Gesetzen wider. Bach hat das ganze Universum mit Musik eingerahmt, so wie die Wahrheit im Wort festgehalten wird. Daher auch das WTK I. Im Grunde ist es nicht wohltemperiert, sondern nicht mehr mitteltönig, also nicht nicht gleichschwebend. Bach lebte ja in einer mitteltönigen Welt. Er hat diese revolutioniert. Er wollte fort von der Wolfsquinte gis-es. Erst beim Stimmen von Cembali ist mir klar geworden, was Bach gehört, empfunden und was er geleistet hat. Inwiefern er trotz seiner angeblichen Altmodischheit revolutionär unseren modernen Klang eingeführt hat.

Ich mag auch die rauchigen Klänge, die andere als unsauber bezeichnen.

Ich habe neue Werke für Clavichord und Cembalo geschrieben.

Ob Bach mit dem eis in die Nähe des Alphorn-fas wollte?

Neue Passacaglia, in einer Farbe diesmal, in organo pleno, an der schönen Goll-Orgel Hannover:

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22. Oktober 2020

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Sich nur auf ein Instrument zu begrenzen, ist, als würde man nur eine Sorte Fisch kennen und essen. Sind das dann besonders gute Ein-Fisch-Esser? (AHS)

Ich finde, man muss mehrere Sorten Fisch kennen und essen, sich auf mehrere Instrumente professionalisieren. Vor allem bei Tasteninstrumenten. Warum sollte man ein besonders guter Einfischesser sein? Das ist langweilig.

Ich habe mir das Hörspiel von H.G. Wells angehört. Es geht um Marsmenschen in New York. Ich finde solche Geschichten unsinnig. Und das heißt es im Cover: Wells war einer der wichtigsten …. Und der Sprecher “gilt als Genie” – da loben sich Männer selbst und gegenseitig in den höchsten Tönen, noch dazu mit Kreationen, die mehr als fragwürdig und eher kindisch sind. Es ist wie bei Organisten, die sich einer nach dem anderen als “die vielseitigsten und profiliertesten” nennen – was soll das bitte heißen? Dass sie “markant” sind? Nichtssagende Begriffe. Und vielseitig sind gerade diese nun wirklich nicht. Aber manche Kirchenmusiker denken, sie seien passé vielseitig.

Frauen sind laut Männern “talentiert”, “begabt”, “junge Damen”, “fröhliche Mädchen” – und die Männer selbst dagegen sind “genial”, “profiliert”, “die besten ihrer Generation” und hastenichtgesehenwasnochalles … in was für einer unsinnigen Welt leben wir? Wer spielt dieses Spiel weiter noch alles mit? Mit dem absurden “die besten ihrer Generation” oder gar “die besten ihrer Zeit” ist eindeutig der weibliche Teil der Generation und der Zeit ausgeschlossen. Die Männer meinen damit nur sich selbst. Die begabten Frauen dürfen und sollen nur begabt sein. Da haben sie stehen zu bleiben. Weiter als begabt ist nicht erlaubt. Sie dürfen nicht die Besten werden, sie sollen nicht besser werden als Männer selbst, schon gar nicht “die besten ihrer Generation”. Denn da wären die Männer eingeschlossen.

Oder Filmgeschichten. Da heißt es “eine tragische Liebesgeschichte” …  Dass es eine Liebesgeschichte ist, denken die Männer, weil sich der Mann in die Frau verliebt hat. Die Frau würde diese Geschichte gar nicht unbedingt als Liebesgeschichte bezeichnen. Im Gegenteil. Sie weiß, dass der Mann sie selbst gar nicht meint. So ist das bei vielen Dingen. Die Geschichte der Welt, von Männern dominiert, definiert Dinge, die Frauen meist völlig anders definieren und sehen. Auch wenn wann wo herausragend war. Aber die Frauen denken sich: Ist doch egal, sollen die Männer halt machen, wenn es ihnen gar so wichtig ist… zu herrschen… Eigentlich ist es erbärmlich. Die Männer loben sich, rackern, definieren sich, meinen, sie schreiben Geschichte – und es ist nichts als Schall und Rauch, und die Frauen sollen bewundernd zusehen und respektvoll hauchen, wie wundervoll sich die Männer selbst als “Genie”, als “bester”, als “profiliert” darstellen. Leider gibt es genug Frauen, die genau das tun (obwohl sie es besser wissen). So geht unsere Erde damit rund und rund und rund und kaputt. Bei manchen Männern heißt es gar: Auch in seinem Privatleben war er sehr aktiv: Fünf mal verheiratet, und er hatte 8 Kinder.

Wunderschöne Goll-Orgel Hannover, einfach hier klicken:

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21. Oktober 2020

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Clavichord-Love. Von Zander nach Kather nach Ruys. (AHS)

Es ist spannend, auf einem Kather-Praetorius-Clavichord, gebunden, mit kurzer, gebrochener Oktave und mit geteilten Obertasten Reincken Fuga g-Moll zu spielen. Der Anschlag ist völlig anders als alles, was ich kenne:

Insgesamt wird quasi legato gespielt. Manchmal sogar überlegato. Alle gebrochenen Dreiklänge können gut gebunden werden. Auch alle Läufe mit Terzabstand legato. Nicht staccato. Das, was aufgrund der Gebundenheit nicht legato geht, erfordert ein dichtes non legato.

Diatonische Läufe müssen also leicht abgesetzt werden. Also Läufe mit Sekundenabstand quasi legato.

Ingesamt wird das Clavichord lieblich und süß gespielt. Nicht wild und aggressiv. Nicht spitz.

Die Tangenten sind aus Messing. Dieses ganze neue helle Instrument in Hamburg duftet stark nach Holz.

Man muss die Lautstärke des Instruments gut kennen. Nicht darüber gehen! Nicht lauter spielen. Nicht drücken. Besonders oben ganz weich spielen.

Das Handgelenk ist weich, man spielt nicht mit dem Arm. Gerade und locker sitzen und Finger verwenden.

Den Ton nicht nachdrücken, es verstimmt sich sofort. Immer nur plock-plock. Den nur vor und im Anschlag herstellen. Nicht nachdrücken oder im Nachhinein verändern wollen.

Manche Stellen im Stück müssen aufgrund der Gebundenheit umgestellt werden, sonst gibt es Störungen. So auch der Fingersatz.

Akkorde und Choräle spielen helfen für einen schönen Klang, der ohne abgewürgt zu werden, klingt. Die kurze Oktave beachten und oft den zweiten Finger verwenden. Übe Handgelenks-Rotationen, Kreis.

Ich freue mich auf mein Clavichord  von Sander Ruys, das 2021 kommt. Ich mag die Niederländer sehr. Insgesamt. Top Lehrer, top Orgeln , top Mentalität, top Instrumentenbauer.

Ich lese gerade die Clara-Biographie im Aufbau-Verlag.

Frescobaldi an der Goll-Orgel Hannover 2020:

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21. Oktober 2020

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Die Musik soll vornehmlich das Herz berühren. (alte Meister)

Ich freue mich, dass ich bei der GEMA in E und U in der Wertungsgruppe V bin. Immerhin. Momentan bin ich dort hauptsächlich E-Musik-Künstlerin.

Ich liebe das Dirigieren. Es ist wichtig, beim Dirigieren nicht in Ekstase zu verfallen, denn das hilft den Musikern in der Probe nicht, die stets einen aktiven Menschen vor sich brauchen, der aktiv hört. Wenn man in Ekstase ist, dann hört man nicht mehr. Dann bildet man sich Klänge ein. Bei Konzerten ist es natürlich gut, da die Kunst durch den Körper strömt. Aber in der Probe geht es darum, genau zu wissen, wann man wie dirigiert und warum, in 1 oder in 2 oder…

Schön finde ich, dass mein Clavichord nach einem schwedischen Vorbild frühbarocker Art gebaut wird (Stockholm). Frei, mit großem Umfang.

Ich habe am Clavichord auch den Franzosen Claude Goudimel von 1505 entdeckt. Ich mag den runden, warmen Klang und die Ruhe. Das détouché. Es war schön in Amsterdam vor ein paar Wochen.

Global on Fire: Neue Komposition an der Sauer-Orgel:

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Man braucht unbedingt beim Einregistrieren eine Nacht dazwischen: Nach dem Schlafen justiere ich einiges nach. Es ist wie beim Malen. Oder auch beim Schreiben. (AHS)

Ich liebe zur Zeit besonders die Orgeln in Alkmaar und in Hamburg Katharine. In Hamburg hat die Flentrop 17 Register allein im Pedal! Offene Pfeifen aus Metall, auch der 32-Fuß! Dazu 7 Zungen! Zum Stimmen dieser Zungen gibt es eine Vor- und Hinterlade in den Pedaltürmen und einen Weg dazwischen, damit man überhaupt stehen und stimmen kann. In Alkmaar sind es 4 Zungen im Pedal. Ich liebe das Regal im RP in Hamburg, die Zinke im OW, und dass bei beiden Orgeln im RP das Prinzipal 8 verdoppelt ist. Was für ein Sound! Und dass das HW in Hamburg Katharine allein drei 16-Füße hat. Ich finde es eine große und wichtige Kunst, Orgeln oben einschätzen zu können, wie es unten klingt, aufgrund der Unbalance oben, besonders, was große RP betrifft. Hier Passacaglia zu spielen mit 32-Füßen im Pedal und der zehnfachen dunklen Mixtur und den dazugehörigen 16-Füßen im HW, da blühen die Hemiola in der Fuge.

Erstaunlich finde ich den Musiker und die Persönlichkeit Matthias Eisenberg.

Am Donnerstag fahre ich nach Bochum zum Konzert an die Eule-Orgel.

Anbei mein Liszt Ad nos an der wunderschönen Sauer-Orgel:

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Pleasure is the law. (Claude Debussy)

Ich freue mich sehr, dass ich ins Finale gekommen bin im österreichischen Prosa- und Lyrik-Wettbewerb Zeilen.Lauf in Baden bei Wien, am 6. November. Das wird schön, weil man, wie in Österreich üblich, der Jury live die eigenen Texte vorliest. Das liegt mir. Wie in Villach und Klagenfurt. Es geht hierbei immer um die Leidenschaft und die Ehre und nicht um große Gelder. Etwas stressig, da ich am 7. sofort dann frühs nach Hannover fahre zum Konzert. Und am 4. in Hamburg spiele. Ich freue mich auch, ein Stipendium von der Ernst von Siemens Musikstiftung erhalten zu haben. Auch die GEMA hat mir nachträglich eine Nach-Ausschüttung angekündigt. Das alles ist schön in Corona-Zeiten, wobei ich ja emsig spiele wie eh und je. Dazu Videos, das macht mir unglaublich Spaß. Insgesamt bin ich auch froh, dass sich Bayern um die Künstler durchaus kümmert – anders als in anderen Bundesländern.

Traurig ist, dass eine Angehörige von mir an Krebs erkrankt ist. Ich verstehe nicht, warum ein Körper sich selbst zerstören will und “Veranlagung” dazu hat. Ich beobachte die flinken Vögel auf meinem Balkon und merke, dass ich mit Krankheit an sich immer noch große Probleme habe und vor Krankenhäusern Panik, trotz befreundeter Ärzte. Dabei weiß ich, dass alles in Gottes Hand liegt. Auch Krankheit. Ich habe vor Tod weniger Angst als vor Krank- und Schwachsein. Der Tod ist für mich der wichtige und notwendige Übergang (ein Übergang wie die Geburt) in die Ewigkeit zu Gott. Es ist ja kein wirkliches Sterben. Die Seele mit ihren Talenten und ihrem Wissen, die Würde und die Persönlichkeit und der Charakter sind unsterblich.

Mir fällt auf, dass Frauen Männer kaum darauf ansprechen, ob und wie sie eine “Maske” tragen. Frauen sind aber umso mehr hinter anderen Frauen her. Auch fällt mir auf, dass “die Maske” oft als Grund für sämtliche andere Gründe, meist psychologische, genutzt wird, u.a. auch, um komplett vom Thema abzulenken, auszuweichen, generell zu belehren und Macht auszuüben. Zudem fiel mir auf, dass ich die “Maske” nicht einhändig “anziehen” kann. Insgesamt denke ich, dass die Maske das leider recht pedantische Deutschland noch pedantischer macht.

Kreativität steckt in jedem Menschen: Interview

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18. Oktober 2020

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Dieser Artikel ist Helen May Butler (1957 gestorben) gewidmet, der Komponistin und Dirigentin. 

Liszt h-Moll-Sonate für Orgel ist nicht schlecht gemacht – wenn ein Klavier-Stück auf die Orgel übertragen wird, wird es im Grunde orchestriert – , aber es ist natürlich trotz allem nicht dasselbe – das Brillante der Klavierläufe klingt an der Orgel oft eher wie ein Trupp Glühwürmchen und die tiefen Passagen wie aus einer Selbstmordszene einer Wagner-Oper. Es hat etwas Komisches, Gewolltes. Manche Tempi sind dadurch verheerend verzerrt. Vielleicht bin ich auch zu sehr an das Original gewöhnt, habe ich es doch so oft gespielt. Das spontan Klagende und Traurige des puren Klavierklangs geht verloren an der Orgel, da diese so durchstrukturiert ist. Manche sind ja große Fans von Orgelübertragungen. Ich nicht unbedingt. Ich liebe Originale. Will man Liszt h-Moll spielen, muss man Klavier spielen. Will man Bach Trio-Sonaten spielen – übertrage ich diese aufs Klavier? Nein. Organisten würden sich ja das Maul zerreißen. Ich spiele diese an der Orgel. Aber umgekehrt wird es fröhlich gemacht, alles Erdenkliche auf die Orgel zu übertragen. 

Bochumer Orgeltage 2020, Hattingen-Blankenstein, dann bald Fulda, Hannover, Wilhelmshaven, Stade. 

Ich lerne so viel als Süddeutsche in Norddeutschland und auch in Holland. Ich liebe die Flentrop in Hamburg, diese Mixtur im HW, sechzehnfußbasierend und zehnfach. Und wo gibt es solche Zungen im Pedal, wo eine solche Zinke? Sieben Zungen im Pedal? Das ist doch einmalig.