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Tourblog

Orgellove. Ein Fest für die Orgel

Presse Kolbermoor Konzert

Ich freue mich wieder auf die blaue Ehrlich-Orgel: Die blaue, mainfränkische Orgel in der evangelischen Stadtkirche Bad Wimpfen vom süddeutschen Orgelbauer Johann Adam Ehrlich (1703-1784) ist ein Wunderwerk. Mit ihren zwei Manualen und 23 Registern erklingt sie farbig, warm und berührend. Ein Barockinstrument mit drei leuchtenden Klangkronen, das mit allen großen Orgeln mithalten kann. Der reiche Klang der Ehrlich-Orgel in diesem wunderschönen Raum ist sprechend und sehr differenziert in der angenehmen Akustik.

Es mag sein, dass es in Frankreich, USA und weltweit anders ist, aber in Deutschland, Österreich und Schweiz sind alle Kirchenmusik-Abteilungen der Hochschulen ausschließlich von Männern besetzt. Es sind 100prozentig nur Männer Orgelprofs, nur Männer Domorganisten, alle wichtigen Orgelkantorenstellen der Großstädte und Innenstädte haben Männer inne, KMDs meist Männer, es ist nicht mal 90-10. Und meist können sie nicht sonderlich gut Orgel spielen. Kantorinnen werden auf die viel kleineren Stellen oder in Würzburg auf die andere Mainseite verbannt, schlechter bezahlt. Die Jurys zu Kantorenstellen (zB Hannover) nur Männer, nur Männer eingeladen, es wird ein Mann (Stelle neue Bachorgel). Manche Kirchen wie in Leipzig oder auch Arnstadt hatten noch nie eine Frau als Kantorin. Der neue Leipziger Kantor St. Nikolai wurde von Anfang an als „neuer Kantor“ bezeichnet, es war von Anfang an klar, dass es nie eine Kantorin hätte werden können. Das wäre eine historische Angelegenheit gewesen! Oder neuer Thomaskantor? Eine Frau? Ich habe unglaubliche Orgel-Machos erlebt. Die Kantorenstellen sind keine musikalischen Stellen. Es sind politische Stellen. Diese Seilschaften betreffen viele “Musik”-Festivals, fast ausschließlich von Männern geleitet, die wiederum fast nur Männer einladen (außer die eigene Freundin).

16. Oktober 2020

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Es gibt beruflich und künstlerisch leider kaum Seilschaften unter Frauen. (AHS)

Ich freue mich auf meine Konzerte in Waltershausen an der wundervollen Trost-Orgel nächstes Jahr, und auch an der schönen Strobel-Eule-Orgel in Bad Frankenhausen. Diesen Monat erst mal Bochum, Wilhelmshaven und Fulda.

Ich bin gerade in Hamburg an der wunderschönen Stellwagen-Flentrop-Orgel in St. Katharine – eine viermanualige Wunder-Orgel. RP-HW-OW-BW. Solowerke besonders RP und OW. Die Registerzüge für das Brustwerk (4. Manual) sind rechts und links an der “Decke”. Eine große Orgel, 8-Fuß und 16-Fuß-basierend, HW (2. Manual) 16-Fuß-basierend, 16-fußbasierende Mixtur zehnfach, sehr viele herrliche 8-Füße auf allen Werken, ein enormes, riesiges Rückpositiv. Die direkten Klänge eines solchen Rückpositivs muss man gesondert beachten beim Einregistrieren.

Die Prinzipale des HW sind warm und leise, da sie von den 16-Füßen verdeckt werden. In der großen, wunderschönen Kirche mit den langen, blauen Fenstern, den weißen Säulen und den roten Steinen und dem 6 Sekunden Nachhall thront der Klang füllig majestätisch. Das Pedal kann man (nur) an das riesige Rückpositiv koppeln. Dieses ist ja eine eigene Orgel. Werke 2-3-4 kann man koppeln. Das Pedal ist so herrlich, mehrere 32′, viele 16′, viele 8′, so dass man es nicht koppeln muss. 2-Füße sind nicht nötig, da in Rauschpfeife und Mixtur. Denn: 32′-Prinzipal, 32′-Großposaune, 16′ Posaune, 16′ Prinzipal, viele 8-Füße, Rauschpfeife (Brücke zur Mixtur), Mixtur, Trompete 8, Krummhorn 8, Dulzian 16. Die herrlichen Pfeifen stehen im Prospekt. Da die Orgel sehr viele Achtfüße hat und um diese Wunderpfeifen im Prospekt solistisch zum Klingen zu bringen, sind Vierfüße nicht unbedingt nötig im Triospiel; die Vierfüße stehen weiter hinten.

Ich liebe neben den enormen, warmen und großen Pedalpfeifen die Rauschpfeifen und die Zungen dieser Orgel, besonders Zinke, Dulzian, Trommete… Timpani auch und sanft und mehrere langsam schwingende Zimbelsterne. Ich mag nicht so gern, wenn die Zimbelsterne aufgeregt rasen.

Keine Setzeranlage, keine Schweller, herrliche schwarze Registerknöpfe, Sperrventile wie in Merseburg. Ein Registerzug heißt Soli me tangere und führt ins Off. Es war früher Calcant – das Warn- und Klingelzeichen, dass die Balg-Windtreter wieder ihre Arbeit aufnehmen sollen, beispielsweise nach der Predigt: “Die Stunde ist rum, Leute, macht weiter!”

Es gibt auch Vogelgeschrei – eine Nachtigall, wenn das Wasser aufgefüllt wird. Ist das Wasser dieser Pfeife leer, wird aus dem Vogelgeschrei ein echtes Geschrei. Zuerst dachte ich: Was soll das denn für ein Vogel sein? Und war entsetzt, dass die Wundererbauer dieser Wunderorgel bei der Auswahl von Vogelklängen einen solch schlechten Geschmack hatten. Aber nein, es liegt daran, dass das Wasser hier nicht nachgefüllt wurde.

Man braucht unbedingt beim Einregistrieren von Stücken eine Nacht dazwischen, also nach dem Schlafen justiere ich noch einiges nach. Es ist wie beim Malen. Oder auch beim Schreiben.

Wir leben in einer Welt, in der billige Jeans von einem Weltende zum nächsten gekarrt werden, die Kinder zusammennähen, damit es billig bleibt, die 30.000 km zurücklegen, um bei uns verscherbelt zu werden. Schlimm!

Das Gehirn ist ein Organ. Meine Organe scheinen klein zu sein, auch meine Hände und Füße. Wenn ich mich mehr als 8 Stunden lang konzentriere, dann läuft mein kleines Organ Gehirn heiß wie ein Wasserkocher. Der Dampf entfaltet sich.

Presse Konzert Erlangen:

Das Illusionshören erschafft auch eine Wirklichkeit, vor allem im Konzert. Ich kreiere künstlerische Illusion für alle. (AHS)

Freu mich auf mein Interview-Orgelpodcast auf www.8fuss.de

Podcast Schlüter auf 8fuss.de

Neu: Scheidemann-Choral Heiliger Geist an der Heissler-Elenz-Orgel St. Laurentius Marktheidenfeld (Intonateur Video Heissler-Orgelbau):

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Jeder Ton muss mal in den Fokus gerückt worden sein, und sei er noch so klein. (AHS)

Zu Gast bei den Bochumer Orgeltagen

Sehr schön ist auch die grüne kleine italienische Orgel unten in Hannover, Marktkirche, wunderschön für Frescobaldi, mitteltönig, ein kleines “Stummelpedal” aus hellem Holz – auch sehr schön für Duospiel. Aber auch die “kleine” Eule links oben gefiel mir. Rechts die große Beckerath-Goll. Die rote Kirche hat eine recht trockene, samtige Akustik. Optimal zum Aufnehmen. Bänke gibt es keine. Als ich übernachtete, sah ich den Turm der Kirche vom Balkon aus.

Diese kleine weiße Ladegast aber irgendwo im Nirgendwo im Dorf in einer kleinen Holzkirche bei Leipzig hat dennoch einen so umwerfenden Klang, dass sie nicht nur mithalten kann mit den teuren Innercity-Orgeln der westlichen Großstadtwelt – sie ist sogar in manchem noch schöner. Groß ist eben nichtgleich toll. “Riesenorgeln” sind nicht immer die besten, im Gegenteil. Die werden nur sehr gehyped. Das Wort Riesenorgel ist mir schon nicht sehr sympathisch – es geht mir immer um Klang. Und laut ist nichtgleich Klang.

Gern mag ich englische Musik, zB Walton.

Danke für Eure Einkäufe in meinem Shop! Stöbert ruhig dort! Manche finden es interessant, dass ich sowohl analog Bücher und CDs liebe als auch sehr in digitalen Netzwerken unterwegs bin.

Ich gehe jetzt beerdigen. (U.W.)

Über eine Treppe von Eule nach Goll. (AHS)

Über eine “lebensgefährliche” Wendeltreppe kommt man von der Eule-Orgel zur Hammer-Beckerath-Goll-Orgel. Die wunderbaren, dicken Riesen-Pedalpfeifen der neuen Goll sind direkte Nachbarn zu den Tasten, mein Blick fällt immer auf sie, während ich mich auf den vier Manualen austobe. Auch das Schwellwerk ist wundervoll. 32-Füße – ein Traum.

Meine eigenen Kompositionen haben immer etwas sehr Pianistisches.

Es stimmt, dass viele Musiker mit Musik ihr großes Ego polieren. Sie sind auch privat stolz, neidisch und eitel. Wichtig aber ist, in die Musik nichts davon einfließen zu lassen. Ich glaube, dass die, die authentisch sind, also die, die nicht so tun, als seien sie demütig und bescheiden, sondern zu sich stehen, viel mehr die Chance haben, in der Musik demütig zu sein. Die, die systematisch auf bescheiden machen, sind sehr in der Gefahr, ihre antrainierte Show und unterdrückten Gefühle als Kälte und Heuchelei auch in die Musik zu übertragen.

Facebook hat mich schon so im Griff, dass ich auch im realen Leben Menschen den Daumen nach oben zeige.

Auf YouTube habe ich über 1170 Follower. Merci!

Apropos Daumen: Wenn mir die Sehnen unten am Arm weh tun, dann sind es… kaum zu fassen… meine Daumen, die sehr aktiv sind. Denn die Sehnen der anderen Finger gehen oben am Arm entlang. Die meisten Musiker haben nie unten am Arm weh.

Die Leute, die ich nicht kenne, die wohnen immer unten. Und die, die ich kenne, die wohnen immer ganz oben. Und die Leute, die ich nicht kenne, wohnen immer in den vorderen Häusern. Und die Leute, die ich kenne, wohnen immer in den hintersten Häusern. Und das, was ich nicht suche, ist immer vorne in der Tasche. Und das, was ich suche, immer ganz hinten. Seltsames Leben.

Schwierig ist, mit der skeptischen Art von Männern umzugehen, die gern anderen Männern Generalschlüssel, Verantwortung und Alarmanlagen anvertrauen und ungern Frauen Verantwortung geben. Nur weil Frauen sich oft auch gern beschützen lassen (ich gehöre auch dazu), heißt es nicht, dass sie nicht dennoch genauso verlässlich alles handeln können, was sie wollen und müssen. Manche Männer scheinen nicht zu verstehen, dass in derselben großen weiblichen Persönlichkeit zwei Seiten stecken: eine, die von bestimmten Menschen beschützt werden möchte (aber nur von auserwählten) und eine, die ehrgeizig, selbständig und zielgerichtet ihren Weg verfolgt und der man alles anvertrauen kann, wenn Vertrauen und Freiheit da sind.

Presse Heilighafener Post:

12. Oktober 2020

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Sich selbst zu erkennen, ist mit die schwierigste Sache der Welt, und auch die unbequemste. (Shaw)

Ich übe Regers B-A-C-H. Die Aufnahme von Matthias Eisenberg gefällt mir sehr gut. Einer, der durchsichtig und pianistisch spielt, Orgelmusik nicht als Klumpen. Er war mit mir 2017 zum ersten Mal auf dem selben Plakat.

Ich erinnere mich gern an die Orgeljuwelen auch auf Rügen zurück vom letzten Jahr, in Sagard, Schaprode und Altenkirchen. Schätze.

Ich liebe die wunderschöne, einmanualige, mainfränkische, blaue Ehrlich-Orgel von 1786 in Markt Nordheim, die hübsche Schwestern-Orgel der Sohnes von Johann Adam, also Johann Bernhard. Er hat den optischen und süddeutschen Stil des Vaters übernommen. Waltershausen hat die Orgel wunderschön rekonstruiert und saniert. Das Pedal dieser historischen Orgel geht nur bis f. Aber Pachelbel und Bach manualiter ist sehr gut zu spielen. Der alte Zustand wurde wieder hergestellt, auch die Vergoldungen, das Schnitzwerk, der Schmuck. Die Familie Ehrlich hat wundervolle Instrumente hergestellt.

Jeder Ton, besonders beim Bachspiel, muss mal in den Fokus gerückt (worden) sein, und sei er noch so klein. Sonst meldet sich genau so ein unberücksichtigter Ton wie ein fauler oder schmerzender Zahn.

Ich teile die Töne oft nicht auf, wie viele Organisten machen. Als Pianistin bin ich das nicht gewöhnt. Im Gegenteil. Jedoch ist es oft hilfreich, aufzuteilen, um die Mittelstimmen an der Orgel hervorzuheben.

Zu wunderschönen Orgel-Aufnahmen gehören viele Voraussetzungen:

  • eine schöne Orgel
  • eine schöne Akustik
  • super Kamerateam
  • tolle Lehrer (Lehrerinnen gibt es in Deutschland leider selten)
  • tolle Stücke
  • guter Kantor, der nicht aus Neid die Orgel nicht zur Verfügung stellen will (Kantorinnen gibt es in Deutschland leider selten)
  • super Registrantin oder Registrant / Blätterer, wenn nötig
  • Zeit zum Einspielen / Einregistrieren, Ruhe, Stille
  • gutes Hotel

Ich habe darüber nachgedacht, dass es wahrscheinlich schwer für jeden Quereinsteiger ist, egal, auf welchem Gebiet. Denn die anderen, die sich in der Regelzeit und in aller Norm durch etwas durchquälen, sehen es ungern, wenn jemand aus ihrer Sicht “daherfliegt” und etwas nicht in der “richtigen Reihenfolge” macht, also “im ersten Semester” Konzerte spielt und Videos und CDs veröffentlicht, “abkürzt”, anders ist und gar die Welt erobern will. Da wird erst mal grundsätzlich gelästert.

Goll Hannover:

11. Oktober 2020

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Wir alle irren, nur jeder irrt anders. (Lichtenberg)

Das Konzert in Berlin wäre super geworden an der schönen Schuke, wurde aber verschoben wegen…

Ich spiele dort nun an Pfingsten 2021 zum zehnjährigen Orgelgeburtstag.

Und ich freue mich auf die Schongauer Orgelnacht an der schönen Sandtner.

Meine neuen gedruckten Kompositionen sind eingetroffen, mein erstes Quintett und Trio. Und schöne Presseberichte.

Ich bin fasziniert von der schönen, besonders geformten Goll-Orgel in der Kulturstadt Hannover. In den letzten 10 Tagen habe ich an 10 folgenden wundervollen Orgeln gespielt und an vielen aufgenommen:

  • Goll-Orgel in der Marktkirche Hannover (4 M) (Basis Beckerath-Hammer) – meine dritte Goll nach Regensburg
  • Sauer-Orgel (pneumatisch, 3 M) in Mönchengladbach Rheydt – meine vierte nach Hermsdorf und Leipzig
  • Steinmeyer-Elenz-Orgel Würzburg (3 M)
  • Elenz-Heissler-Orgel St. Laurentius Spessart (3 M, KM)
  • Ladegast-Orgel Hohenmölsen (2 M) – meine sechste bisher
  • Weigle-Orgel Heiligenhafen (2 M)
  • Marcussen-Orgel Fehmarn (2 M)
  • Kemper-Orgel in Burg Fehmarn (2 M) mit schönem, historischen Prospekt
  • Eule-Orgel Hannover (und die italienische Orgel)
  • Flender & Eder- Orgel Kolbermoor bei Rosenheim (2 M)

Und jetzt kommen noch direkt anschließend die Orgeln in Berlin-Heiligensee (Schuke) und meine wunderbaren Ehrlich-Orgeln in Markt Nordheim und Bad Wimpfen. Also 12-14 Orgeln an 12-14 Tagen. Jede Orgel hat auch ein völlig anderes Pedal.

Die Goll-Orgel Hannover mit ihrem ungewöhnlichen, langen Trauben- Prospekt ist klanglich wieder ganz anders als die schöne, warme Sauer-Orgel mit ihrem Bogen und den Spitzentürmchen. Es macht großen Spaß, diese verschiedenen Instrumente zu spielen und an diesen aufzunehmen. Mir gefiel aber auch die italienische Orgel und die Eule-Orgel in der Marktkirche Hannover. Die Klänge an der Goll Luzern sind majestätisch, etwas kühler, futuristischer als an der Sauer-Orgel, die sehr warm und süffig klingt.

Es war lecker, am Abend Trüffel-Spaghetti zu essen im Leonardo in Hannover und einen Spaziergang zu machen mit Freunden und Angel, der Hündin, und tolle Leute persönlich kennenzulernen. Danke an alle!

Was ich nicht mag: Das unsinnliche, unmusikalische, fehlerhafte, spitze Schneckentempo-Spiel vieler A-Kirchenmusiker. Ich habe immer das Gefühl, diese üben gerade mal wieder nach langer Zeit. Als Pianist wären sie so nicht weit gekommen. Der Unterschied zu Konzertorganist*innen ist meist enorm.

Sauer-Orgel Mönchengladbach

10. Oktober 2020

2 Kommentare
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Beschriebene Musik ist wie ein erzähltes Essen. (Grillparzer)

Auf nach Berlin zum Konzert heute Abend! Ich freue mich auch auf die Bochumer Orgeltage. 

An der großen Sauer-Orgel in Mönchengladbach (elektrischer Spieltisch) liebe ich besonders das Lieblich gedackt 16 und das Gemshorn. Sie blühen.

Ich mag die Geräusche der Kegellade. Ich hatte beim Aufnehmen der Passacaglia Gänsehaut. Und bald kommt mein Liszt-Video von dieser wunderschönen Sauerorgel. 

Es ist wichtig, früh und ausgeklügelt die Registrierangaben zu pappen, damit sie nicht zu spät sind, sondern mit viel Entspannung gedrückt werden können. Wichtig ist auch, nicht die Fersen und Knie anzuziehen.

Die Orgel ist doch sehr laut, wenn man aufnimmt. Nach einigen Stunden höre ich fast nichts mehr. Ich vertraue der Orgel blind. Manchmal höre ich beim Registrieren Klänge, die nicht da sind. Das reale Hören ohne Vorstellungskraft muss beim Üben nüchtern trainiert werden. Das Illusionshören aber erschafft auch eine Wirklichkeit, eine Gänsehaus-Wirklichkeit, vor allem im Konzert. Ich kreiere Illusion für alle.

Alle Gedanken kommen mir beim Üben.

Dass meine Füße so werden wie meine Hände, dazu braucht es länger als drei Jahre Orgelspiel. Mein Pedal ist mein Markenzeichen.

Gar hier meinen manche Männer, die selbst gar nicht spielen können, es besser zu wissen, wie es geht. Wie beim passiven Fußballschauen.  

Neu: Piece d’Orgue Fantasia G-Dur BWV 572 im Rekordtempo an der wunderschönen Steinmeyer-Orgel:

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9. Oktober 2020

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Wenn man Spaß an einer Sache hat, nimmt man sie ernst. (Uhlenbruck)

Die neu restaurierte nun Johannes Führer-Orgel (Orgelbauer aus München, nicht mit dem aus Niedersachsen zu verwechseln) in der Dreifaltigkeitskirche Kolbermoor mit 2 Manualen und 33 Registern ist sehr schön, federnd motorisch, mit weichen Zungen und nach Spenderinnen benannten Registern (Regina Dolce). Ich liebe die Walze. Zuvor wurden alle romantischen Farben stillgelegt. Die Orgel wehrte sich mit totaler Verschimmelung. Dann ging es mit der Wiederherstellung bergauf.

Manche aus dem Publikum stellen hinterher lustige Fragen – nicht zu Stücken, sondern zu meinen Haaren und zu Literatur. Schön finde ich, dass viele Kirchen und Veranstalter ein hübsches Orgelbuch haben, in das man hineinschreibt nach dem Konzert, mit Foto. In meinen eigenen Kompositionen lasse ich vor allem die Pfeifen erklingen, die sonst viel zu kurz kommen, die kleinsten und die größten. Diese sollen in meinen Stücken zum Tragen kommen.

Von Heiligenhafen nach Heiligensee — Ostsee nach Berlin. Freue mich auf mein Orgelkonzert in Berlin morgen. Wieder bin ich kaum zuhause. Das Künstlerübel C hat mich nicht getroffen. Zehn Tage, zehn neue Orgeln. Bin etwas erschöpfelt.

Es gibt Leute, die sagen, man könne Bach nicht auf einer Sauer-Orgel spielen. Ich glaube, Bach hätte es genossen. Man muss sich vorstellen, all die anderen haben zig Passacaglien komponiert. Und Bach nur eine einzige. Und damit gleich den Vogel abgeschossen. 

J.S. hat auch ein Pedal-Exerzitium geschrieben, für seinen Sohn, das sogar gut klingt, so nebenbei, und das auf der Dominante endet.

Ich mag die Musik von Johann Michael Haydn.

Ich finde es traurig, wenn Frauen, die in eine Männer-Domäne eingedrungen sind, wie Fußball, Schiedsrichter, Orgel, Dirigieren, Kunst, Musik, Politik… aufgeben und zurücktreten. Frauen, haltet durch! Bis zum Schluss! Egal, ob Anfeindungen kommen. Die Anfeindungen kommen leider von Frauen und Männern. Wir haben als Frau doppelt so viele Feinde wie Männer. Denn Frauen sind so erzogen worden, andere Frauen als Konkurrenz zu sehen. Haltet durch! Werdet und seid anders. Die Gleichberechtigung ist erst dann da, wenn Frauen mit genauso wenig Fähigkeiten wie Männer in allen Machtstellen sitzen. Sie werden es nicht schlechter machen, sie werden es besser machen.

Viele Männer sind irritiert von ehrgeizigen Frauen. Dadurch wird ihre Harmonie gestört. Angebliche Harmonie haben Männer nur untereinander. Frauen, ertragt die schlechte Harmonie, kümmert euch nicht darum, dass Männer meckern, wenn Frauen beruflich gleichberechtigt sind. Denn die “gute” Harmonie unter Männern ohne Frauen bewirkt eine Welt, in der Frauen nie aufblühen dürfen. Es ist eine reine Männer-Harmonie. Männer sind oft absichtlich gestört von Frauen, damit diese spätestens nach zwei Jahren dann doch erschöpft wieder gehen und zurücktreten. Seid nicht angewiesen auf die Männer-Harmonie.

Hunde mögen meist keine Katzen. Sollen Katzen deswegen immer auf dem Baum sitzen? Nein. Faucht! Ihr seid viel geschmeidiger, wendiger und mit schärferen Krallen. Wehrt euch. Ich halte die Flagge in der männlichen Orgelwelt hoch. Anbei mein Konzertplakat Berlin:

8. Oktober 2020

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Prozeß ist Wissen, das richtige Tempo Exzellenz und Entwicklung mehr als Theorie. (AHS)

Das Konzert abends in Kolbermoor bei Rosenheim / München war wunderschön. Meine neunte Orgel in neun Tagen. Neun schöne, verschiedene Orgeln in neun Tagen. Die junge, neue Frenger & Eder-Orgel in der katholischen Kirche Wiederkunft Christi Kolbermoor mit roten Plissees, abgestimmt auf das große Kreuz und den Raum, sieht optisch aus wie eine Rieger-Orgel. Zwei Manuale, motorisch sehr angenehm mit Wohlfühlfaktor. Mit einer Franke-Flöte. Erst dachte ich, weil wir nah an Franken sind. Aber nein, das Register ist nach dem sehr netten Kantor benannt, der sich sehr für die neue Orgel ins Zeug gelegt hat. Das Konzert war ausgebucht, über 70 Leute in Corona-Zeiten. Dass die Konzerte hier immer gut besucht sind (früher 180 Leute vor Corona), liegt sicher auch daran, dass die Orgel unten steht. Man hat das Gefühl, man spielt einen Klavierabend. Die Leute sitzen nah an einem dran und können einen gut beobachten. Ich bin das gewöhnt. Dadurch, dass die Orgel ebenerdig ist, ist die Akustik auch eine andere. Mir gefällt jede Orgel. Einfach jede. Ich habe Bach Passacaglia, Bach Trio-Sonate d-Moll und Bach Piece d’Orgue gespielt, dazu meine eigenen Werke, und Reincken. Presse war auch da.

Die lokalen Orgelbauer Frenger & Eder haben sich leider zerstritten. Ich hoffe, dass sie sich wieder versöhnen.

Morgen spiele ich die  deutsch-romantische Orgel in der Dreifaltigkeitskirche nebenan. Hier spielt Latry im Januar.

Anschließend waren wir nach dem Konzert italienisch essen. Ich habe mit “extra viel Knoblauch” bestellt, weil ich das mag. Die meinten das dann etwas zu gut am Ende…

Ich freue mich auf meine Konzerte in Berlin Heiligensee am Samstag. Schnuckelige Orgel.

Ich liebe das Aufnehmen. Michael Beier kommt mit mehr als 6 Kameras, sechs Audio-Kanälen und riesigen Stativen und tollen Mikros; ich räume die Empore auf, damit all die Kameras Platz haben. Um eine schöne Aufnahme zu machen, braucht es viele Voraussetzungen: Einen tollen Kirchenmusiker, einen tollen Kameramann, tolle Registranten, eine tolle Orgel, eine tolle Kirche, tolle Musik, eine schöne Akustik, tolle Lehrer und Unterstützer. Zeit, Sound, Kraft, Talent, Ruhe. Es braucht Geduld. Freunde. Sponsoren. Lust. Ausgeschlafenheit (möglichst). Wichtig ist immer der Umgang mit der Akustik: In St. Josef mit 8 Sekunden Nachhall und Rückpositiv, was eine Aufnahme erschweren kann, eine große Kirche, viel Stein; in Hohenmölsen samten-trocken, niedrige Decke, klein, viel Holz. In Marktheidenfeld eine angenehme Akustik. In Mönchengladbach eine angenehme Kirchengröße, zwei Sekunden Nachhall, kein Rückpositiv, perfekte Akustik. Hannover Marktkirche wiederum samtig-trocken.

Es ist nicht immer alles optimal. Ein Turm wird gleichzeitig repariert, ein Rohr ist verstopft, Handwerker laufen herum, eine Mikroanlage wird ausprobiert. Es fährt ein Krankenwagen vorbei. Man ist zu spät ins Bett gegangen. Das Hotel ist fremd. Aber das ist alles normale Realität. Dennoch macht das Aufnehmen Spaß. Die Klänge der Orgel sind immer bezaubernd.

Ich liebe die Sauer-Orgel in Mönchengladbach. Butterweiche Tasten, die Sonne, die beim Ad nos-Choral durch das blaue Fenster scheint Schritt für Schritt. Ein warmer Spaltklang 16-4. Vox und Aeoline. Viele Achtfuß-Flöten. Subkoppel und mehrere 16-Füße in den Manualen. Tasten, die schon beim puren Ansehen reagieren und spielen. Nun wird die Sauer- Orgel einige Monate gereinigt, der Motor erneuert, das Durchkoppeln möglich gemacht, die Elektronik sicher gemacht (50iger Jahre).

Anbei das Plakat vom Konzert heute bzw. schon gestern (bei Rosenheim):