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Klaipeda und Nida, Konzerte im Ausland

Der Bus von Klaipeda über Siauliai nach Riga brauchte fast 5 Stunden. Ich schlief die ganze Strecke. Nur als wir über die Grenze fuhren, wachte ich auf. Dabei kenne ich die kleine Grenze ja längst. Gestern abend zeigte mir Dace (Daze ausgesprochen) das Opernhaus in Riga. Es ist groß, weiß und wunderschön. Dace spielt im Orchestergraben in der Gruppe der ersten Geiger. Die Pianistin Ilze, die aus Cesis kommt, und ich wohnen bei ihr. Dace führte mich in die Künstlerkantine, wir tranken etwas zusammen mit der Pianistin des Opernhauses, die sehr gut Deutsch spricht. Beide haben früher hier in der Akademie in Riga studiert. Es erinnerte mich an das Nürnberger Opernhaus, in dem meine Schwester Violine spielt. Sie ist auch Geigerin der ersten Geiger. Ich sah gestern das russische Ballett The Fountain of Bakhchisary von dem Komponisten Boris Asafjev. Eine traurige, aber ergreifende Geschichte; eine Legende.

Als mich Dace während der Pause in den Orchestergraben führte, sah ich all die großen und dünnen Tänzerinnen, die für den zweiten Teil als Bauchtänzerinnen gekleidet und sehr geschminkt waren. Sie machte ein Foto von mir, als ich auf das Dirigier-Podest kletterte und ein unsichtbares Orchester dirigierte.

Gestern noch bin ich auf der Kursiu Nerija aufgewacht (Kurische Nehrung), der Halbinsel-Zunge im Baltischen Meer, oder für uns Ostsee, die sich bis nach Russland hinstreckt, so nah an der Russischen Grenze. Die große Sanddüne, die Parnidener Düne in Nida, früher Nidden, alles ehemalig deutsches Gebiet, ist nur zwei Kilometer von der russischen Grenze entfernt, allerdings vom winzigen, verstreut liegenden Teil von Russland: Kaliningrad. Ich dachte noch kurz daran, ob ich vielleicht über die Sanddüne heimlich nach Kaliningrad wandern könnte.

Nach Nida zu kommen, ist eine Art Odyssee. Zuerst fuhr ich von meinen Verwandten früh mit dem Zug von Telsiai nach Klaipeda. Dann mit der kleinen Fähre über den Fluß Dane, der bereits zum Meer gehört, auf die Kurische Nehrung. Es ist noch nicht Saison und es war unterhalb der Woche, so dass ich die einzige war. Keiner spricht dort Englisch. Man kommt mit Deutsch etwas besser voran. Der Strand in Smiltyne war menschenleer. Es war trotz Sonnenschein sehr windig. Ich legte mich in den Sand, mit dem Gesicht in die Sonne. Ein langer, menschenleerer Strand um mich rum und rauschende Wellen im Wind, der meinen weißen Rock aufblähte.

In Smiltyne traf ich zwei Russinnen, die in Oslo Kunst und Journalismus studieren. Sie fuhren nach Hause. Sie hatten Ferien. Die eine fuhr nach Minsk und die andere nach Kaliningrad. Der Bus nach Kaliningrad stand neben meinem nach Nida, zum Greifen nah. Eine Minute lang dachte ich, ich wechsle den Bus und fahre mit ihnen nach Kaliningrad. Ich fühlte wieder die Sehnsucht nach Russland. Von Kaliningrad war es nur ein 40-Minuten-Flug nach Weissrussland. Ich bräuchte also zwei verschiedene Visa. Sie sprachen Schwedisch-Norwegisch mit mir, und ich antwortete in Englisch. Verstehen ist leichter als Sprechen. Wie schön klingt Schwedisch auch mit russischem Akzent! Wie schön muss es sein, eine Weile in Stockholm zu arbeiten!
Von Smiltyne fuhr ich mit dem Bus in die größte Stadt der Kursiu Nerija (auch Landbrücke genannt), nach Nida — über Preila und Pervalka, vorbei an den ‚toten Dünen‘. Das berühmte Dolphinarium hatte leider geschlossen.

Nida selbst erinnert mich an die Nordseeinseln Langeoog und Juist, auf denen ich mit meiner Familie als Kind jedes Jahr gespielt habe. Die kleine Stadt mit circa 2000 Einwohnern liegt direkt am Kurischen Haff, einem Teil der Ostsee, mit Sandstränden, niedlichen bunten Häusern, frischer Luft, wenigen Autos, dafür Pferdekutschen, schwedische rot-weiße Häuschen mit Sauna, viele Fischerboote, große Sanddünen, viele Kiefernwälder.

Thomas Mann war hier in Klaipeda 1930-1932. Ich habe sein Haus besucht, froh, dass es geöffnet war außerhalb der Saison. Eine Frau zeigte mir persönlich alles, sprach fließend Deutsch. Sie erzählte mir viele Dinge, die ich noch nicht wusste. Er war verheiratet mit einer Jüdin und verließ schon 1933 Deutschland, emigrierte nach Amerika. Ich wurde plötzlich traurig. Hätten das doch alle gemacht! Es bedeutete, dass sie alles zurücklassen mussten und erst 13 Jahre später heimkamen. Thomas Mann hat sein Haus in Nidden nie wieder gesehen; es war fast zerstört worden. Es gehört nun Litauen und wird als Museum genutzt. Ich sah seine Fotos und Schriften. Sein Schreiben ist im Vergleich zu meinem maskulin. Mein Schreiben dagegen kommt mir feminin, hungrig vor im Vergleich. Es kam mir vor, als würde ich erneut einen wichtigen Teil der deutschen Geschichte erspüren. Selbst hier, in einer Gegend, die mir überhaupt nicht deutsch vorkam, sah ich Spuren der deutschen Geschichte. Hätte es auf dem Plateau nicht angefangen zu regnen, hätten mich einheimische Frauen nicht zufällig mit dem Auto nach unten genommen, hätte ich das Thomas Mann-Haus verpasst.

So verpasste ich aber die letzte Fähre zurück aufs Festland. Es wurde bereits kühl. Als ich das Plateau der Sanddüne erklommen hatte, fing es bereits, kaum dass ich oben war, zu regnen an. Ich wusste nicht, wo ich übernachten sollte. Alles war geschlossen. In einem Cafe erzählte ich, was passiert war. Als erstes wurde an mir herumgezupft, ich bekam gegen meinen Willen eine Tasse Kaffee und einen schwarzen Tee nach dem anderen, und ich wusste, dass ich jetzt sowieso nicht mehr würde schlafen können. Schließlich fand sich ein nettes goldiges russisches Ehepaar, bei dem ich übernachtete. Dafür war ich sehr dankbar. Leider waren die Umstände für mich so, dass zuerst an Schlafen nicht zu denken war. Durch die Wand hörte ich lautes russisches Fernsehen, der Kaffee hielt mich wach, und es tickte eine Uhr laut und immer lauter in meinem Ohr. Eine tickende Uhr ist nachts für mich das Schlimmste. Sie wird immer lauter und rhythmischer. Schließlich begab ich mich auf Uhrenjagd. Kaum hatte ich eine von der Wand genommen und eliminiert, indem ich die Batterie herausnahm, hörte ich irgendwo eine andere. Schließlich hatte ich alle Uhren entfernt, der Fernseher schwieg und allmählich ließen der Kaffee und mein Heimweh nach, und ich schlief ein. Irgendwo in der Ferne hörte ich die rauschenden Wellen des Meeres und etwas Regen an meinem Fenster.
Nachts kann ich manchmal meine Hände fühlen. Ich spüre ganz deutlich, dass sie da sind, schwer wie Blei, obwohl sie klein sind. Besonders, wenn ich viel geübt habe.

Um 7 Uhr früh wollte ich nach dem Frühstück noch einmal auf die Sanddüne steigen und den Sonnenaufgang sehen, falls es einen gab, bevor ich mit dem Bus zurück nach Klaipeda und dann zurück nach Riga fuhr. Der russische Mann sprach etwas Deutsch. Er erzählte mir, seine Frau sei litauisch, und er selber habe keinen russischen Pass mehr. Um seine Geschwister in Kaliningrad zu besuchen, nicht weit von hier, müsse auch er ein Visum kaufen. Das fände es so absurd, dass er sich keines kaufen würde. Es sei auch zu teuer. Ich sagte ihm, er solle doch, um seine Familie zu sehen, wenigstens einmal im Jahr das Visum kaufen, auch wenn er es nicht gut fände (für mich kostet das Visum um die 70 Euro und ist einen Monat gültig). Aber egal, in wievielen Umschreibungen ich dies sagte, er ‚verstand‘ plötzlich mein Deutsch nicht mehr. Ich sehe, dass das Zusammenleben von Russen und den Balten, so nah aufeinander, nicht leicht ist. Die Russen fühlen sich nur in Russland oder in ihrer russischen Familie zu hause. Und das russische System ist noch immer unsichtbar in der Luft. Auch ich muss manchmal daran denken, dass mein Vater in russischer Gefangenschaft war während des Krieges. Ich frage mich, obwohl ich wenig darüber weiß, ob das nicht unbewusst einen gewissen Widerwillen manchmal hervorruft in mir, selbst in mir, trotz meiner Sehnsucht und meiner Liebe der russischen Musik, der Opern und Ballette, der Texte, der Kunst, der Leidenschaft, der Geschichte Russlands. Kaliningrad war früher Ostpreußen und ist damit auch Teil ‚meiner deutschen Geschichte‘, wenn auch so lange vor mir.

Meine Verwandten in Telsiai zu besuchen, ist für mich ein wichtiger Punkt meiner Reise.

Ginkunai

Das Konzert in der Kirche in Ginkunai war trotz Sonnenschein sehr gut besucht, standing ovation. Am Anfang dachte ich, der Estonia-Flügel bricht unter mir zusammen, und das Pedal quietschte, aber dann ignorierte ich alles, was stört.

Das geht, auch für das Publikum, und ich tauchte ein in das Herz der Musik. Ich liebe es, Effekte mit dem linken Pedal zu kreieren, transparente Klänge in weichen Nebel zu hüllen. Aber dazu brauche ich einen Steinway oder einen ähnlich guten Flügel.

Zwischendurch erzählte ich von meinem Leben (wobei ich manchmal nicht weiß, ob ich deutsch oder englisch rede), und wurde von Ramone ins Litauische übersetzt.

Der Wechsel zwischen Reden, Warten, Singen und Spielen ist nicht immer leicht, denn die klassischen Werke brauchen meine volle Aufmerksamkeit, wenn ich sie auswendig spiele. Für mich am wichtigsten und schönsten war das Improvisieren. Was ich in dem Moment fühle und wahrnehme und was herauskommt, ist für mich selbst eine Überraschung.

Heute waren meine Improvisationen wie rufende, warnende Glocken. Für viele Menschen sind meine Lieder und Texte das Schönste im Konzert, aber viele geniessen es auch, Haydn und Franck und Chopin und Bach zu hören.

Für mich sind diese Komponisten nicht Musik ‚aus einer anderen Zeit‘, sondern so, als würde ich sie jetzt auch improvisieren. Über die Musik kann ich oft besser kommunizieren als über Sprache im herkömmlichen Sinne. Es ist für mich selbst erstaunlich, wie schüchtern ich sein kann, wenn es wirklich drauf ankommt.

Siauliai, Verkörperung und Neuzeit

Mein Improvisationskurs Klavier war heute in Siauliai, Litauen:
Junge Menschen aus Kanada, USA, der Schweiz, Deutschland und Litauen kamen und hörten zu. Es ist erstaunlich, wie schüchtern und reserviert die Litauer teilweise sind. Auch die Schweizer sind eher still und abwartend. Dennoch spüre ich, wie wichtig es ist, was ich weitergeben möchte. Ich habe Deutsch und Englisch geredet und wurde ins Litauische übersetzt.
Die Fahrt von Lettland nach Litauen über die kleine Grenze eine Stunde hinter Riga lief ruhig und schön über Land durch Joniskis nach Siauliai (gesprochen showlay), der viertgrößten Stadt Litauens. Ich bin irgendwann im Auto eingeschlafen. Die drei Baltischen Länder sind nicht dicht besiedelt, überall viel grünes Land.

Der Tag, an dem ich in Riga ankam, war der erste schöne, sonnige Tag. Ab jetzt hatten wir nur wunderschönes Sonnenwetter, allerdings mit viel Wind. Die Winter sind hier noch oft sehr dunkel und kalt, und ist der Alkoholismus (und sogar noch das illegale Brennen von Branntwein) erschreckend.
In Litauen wohnen weniger als 10 Prozent Russen; das fällt auf in der Identität der Bevölkerung. Leider haben die Länder wenig miteinander zu tun; die osteuropäischen Länder oft generell weniger miteinander. Die Sprachen sind unterschiedlich, aber sonst haben sie eigentlich sehr viel gemeinsam. Die ausländischen Künstler hier haben es nicht leicht mit der Tatsache, dass sich die Balten nicht wiederum jemandem beugen wollen, weder den Deutschen noch den Russen noch der EU. Es dauert, bis Vertrauen aufgebaut ist.

Lettische und litauische Wohnverhältnisse zu sehen, ist berührend, sehr unterschiedlich. Zuvor habe ich eine Radtour mit den jungen Leuten der Kirche gemacht, wir sind 47 Kilometer insgesamt über Land gefahren durch Kairiai. Die Wege waren Sand, Schotter, Steine bei Gegenwind. Wir sind mit den Rädern zum Ferienhaus gefahren, haben dort gegrillt. Die Häuser hier sind sehr billig gewesen vor der Krise, mit Sauna und Ofen und Stall und Grundstück, wunderschön; er hat dort eine Stute, eine Hannoveranerin namens Wasera, und Ziegen. Ich habe das Pferd gefüttert und gestriegelt. Sie bekommt ein Fohlen. Wir haben in dem Haus übernachtet, es war kalt nachts, aber ein Holzhaus auf dem Land. Morgens merke ich die Stunde Zeitverschiebung, da ich immer von alleine aufwache. Wir machten Ausflüge nach Jurgaiciai, zum Hügel der Kreuze. Der Ort war mir unheimlich. Morgen nach dem Konzert in Ginkunai geht es weiter nach Telsiai und Degaiciai. Grenzen nicht akzeptieren?

29. April 2009

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Lettland

Lettland ist sehr interessant. Einerseits hoere ich, dass 60 Prozent der Bevoelkerung Russen sind oder zumindest russische Eltern haben, und andererseits ist es nicht richtig, wenn ich Osteuropa sage, sondern wenn, Nordosteuropa. Was ich aber weiss, ist, dass Riga eine wunderschoene Hauptstadt ist, in der fast die Haelfte der Menschen Lettlands wohnt, dass die Menschen gastfreundschaftlich, interessiert, liebevoll sind und dass ich mich nach einem Tag wie zuhause fuehle. Besonders die Akademie, die Musikhochschule, ist ein ruhiger, gleichzeitig kreativer Ort, in dem die jungen Kuenstler nicht hip sind oder gestresst, sondern einfache und hart arbeitende Leute mit beiden Beinen auf dem Boden.
Überall auf den Straßen ist Straßenmusik in Riga (ich schreibe nun wieder an meinem eigenen Laptop: so habe ich die Umlaute mitgenommen. Diese Laute brauche ich ja auch). Das Institut der Musikwissenschaft ist interessant, vor allem, weil die Musikwissenschafter an der Akademie studieren, nicht an der Universität; in Deutschland ist Musikwissenschaft nur an der Uni möglich, und leider herrscht zu oft Konkurrenz anstatt Zusammenarbeit zwischen Universität und Musikhochschule. Eine persönliche deutsche Stadtführung durch Erasmus-Studenten der Musikwissenschaft hat mir die Stadt nahe gebracht.

Auch der wunderschöne Dom mit der weltberühmten Walcker-Orgel ist evangelisch.

22. April 2009

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Wiesbaden

2 Uhr 15. Die Nacht hier in Wiesbaden vergeht schnell, gleich geht es zum Flieger. Wir schneiden und mischen gerade noch Stücke von mir.
Musik ist Erinnerung, sogar ein Erinnerungsraum. Fort vom ausgesuchten Unglück der Welt.

Es ist doch etwas anderes, nicht als Dozentin in Vorlesungen zu sein, sondern Neues auf sich wirken zu lassen. Denn ein Künstler ist tatsächlich auf der Bühne eine Vermittlerin  — und das geht weit über das Klavierspielen hinaus. Die künstlerische Welt der Musikhochschule ist dennoch für mich wie ein Zuhause.
Morgen Probe mit Uwe Steinmetz (Sax) aus Berlin für ein Konzert in Wuppertal, um abends wieder zurückzufahren nach Würzburg, da wir am Sonntag dort gleich zweimal spielen.

03. April 2009

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Litauen. Das Gesetz der Oktave

In zwei Wochen fliege ich nach Litauen und Lettland für zehn Tage und bin anschließend für Proben und Fotos in Berlin. Davor allerdings habe ich vier Konzerte hintereinander weg mit drei verschiedenen Duos aus Berlin, Stuttgart und Düsseldorf. Ich freue mich sehr, das Baltische Meer wieder zu sehen. Es ist auch schön, wie ähnlich meine skandinavischen Wurzeln mit der Mentalität oder der Sprache des Baltikums sind, dabei hat es doch einen so starken russischen Einschlag. Wie klein die Welt ist! Ich habe diesen Wunsch, in Mexico City im Bellas Artes zu spielen. Und tatsächlich, ein Freund fern von hier wacht auf mit meiner Musik in Mexico City und sieht aus dem Fenster auf das große Theater, Auditorio Nacional, das Bellas Artes Auditorium, während die Sonne aufgeht.

Reutlingen. Die Tontraube

Bedingungslose Kreativität? Jedes Mal, wenn wir anfangen zu reflektieren, wollen wir Wahrheit.

Ich unterrichtete in Reutlingen Improvisation. Mit meiner Nichte war ich in der Philharmonie, um Peter und der Wolf von Prokovief zu hören.

Ich spüre die Musik, von Heimweh ausgebrannt. 

22. März 2009

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Hagen. Volumina

Es ist interessant, wie unterschiedlich Menschen aus ganz Deutschland sind, wenn Meisterklassen zusammenkommen wie jetzt in Hagen — als würden wir aus anderen Ländern sein, Norddeutschland, Bayern, Franken, Ruhrpott, Ostdeutschland: Wobei ich diese Menschen sehr mag, sie haben etwas liebevoll ruppiges im Humor und sind schlagfertiger als ich, aber ohne zu verletzen. Und ich konnte wieder einen Zwischenstopp einlegen in Köln, um alte Freunde zu besuchen, die mich schon seit Jahren kennen. Ich habe in Köln einige Jahre gewohnt, während ich studiert habe.

15. März 2009

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Klangwerte und Resonanz

Am letzten Abend, kurz vor dem Konzert, bekam ich ein neues Lied, wie immer, samt Text, obwohl ich versuche, das zu vermeiden.

Lieder aus dem Gesangbuch sind eigentlich Sprache. Es ist schön, viel zu spielen und dennoch Ruhe zu haben.

Wir sind, weil wir hören. Wir sind keine Augenbeute.

Kloster Triefenstein. Obertonreihe

In ein paar Stunden geht es schon nach Triefenstein, poetisch, wie ich finde, da hier der Stein trieft. Oder weint. Überall entspringt Wasser aus den Felsensteinen. Das war früher sicher nicht leicht zum Lagern von Dingen. Es ist ruhig und edel und wie eine Burg, ich komme mir fast wie ein Burg-Fräulein vor. Die Brüder sind 12 an der Zahl, normal gekleidet, freundlich und locker, fast jeden Alters, sehen richtig nett aus, evangelisch, spontan im Gebet und sehr natürlich. Ich spiele jeden Tag, letztes Mal viele CDs verkauft. Es ist schön, erkannt zu werden. Ich habe viele Spaziergänge gemacht und hatte gute Gespräche.

Es ist seltsam, wieder zuhause zu sein. Meine Straße kommt mir vor wie ein wuselnder und dennoch ruhiger Punkt. Es macht wirklich Spaß, Sax zu spielen. Ich habe ein silbernes C-Melody (als Absoluthörerin) von Selmers New York in einem alten Selmers Koffer mit lila Samtfutter innen. Und ein amerikanisches Alt-Sax (Martin), verschnörkelt und in Gold, mit einem roten Koffer. Das C-Melody-Mundstück funktioniert nur mit einem wirklich harten Blatt. Dann aber klingt der Ton weich, sympathisch und singend. Meine Gitarre, ebenfalls eine Martin, ist ebenfalls sehr schön.