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20. Februar 2026: Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug. (Hilde Domin, geboren Hildegard Löwenstein, was viel schöner ist)

Heute erinnere ich an die Schweizer Lyrikerin Andrea Maria Keller, 1967-2021.

Nehmen wir die geliebte geniale Wanderer-Fantasie von Schubert (manchmal denke ich, ach, der arme Schubi, er kann den Hals nicht vollkriegen, jedenfalls nicht bei der Wandererfantasie): Wenn die Akkorde und Arpeggios und Griffe am Klavier für kleine Frauenhände oder gar Kinderhände nicht (gut) machbar sind, dann wäre es misogyn, zu sagen, es muss trotzdem ohne Abänderungen und ohne Streichungen so gespielt werden! Das ist auf Dauer gesundheitlich gefährlich für Pianistinnen!

Die Läufe dieses hochvirtuosen, langen, zyklischen Werkes zeigen deutlich, was die meisten Organistenhände nicht können: ununterbrochen lange Perlenketten zu spielen, die über die ganze Klaviatur gehen (etwas, das eine Orgel ja schon generell nicht bietet: 88 Tasten am Stück, was ich sehr vermisse an der Orgel) und dies gar auch noch zusätzlich mit links und Läufe, die man nicht auf die Hände aufteilen kann (was Organisten sehr gern beim kleinsten Lauf tun) – weil die andere Hand parallel gleichzeitig ebenfalls unabhängig busy ist: In Dynamik, in Forte, in Virtuos.

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19. Februar 2026: Augen im ernsten Mund.

Heute erinnere ich an die Schweizerin Valentina Dsora mit ihren Gedichten stimmpigmente – die ich gerade lese und geschenkt bekommen habe.

In meiner Master Prüfung Chorleitung an der Folkwang Universität der Künste in Essen habe ich die Note 1,7 bekommen. Dies war das Programm:

Himmelslieder

Joseph Haydn. Oratorium. Urtext.

1) Recitativo Raphael: Im Anfange schuf Gott
Coro: Und der Geist Gottes (mit Recitativo Uriel)
4) Chor mit Gabriel: Mit Staunen
11) Recitativo Uriel: Und Gott sprach
12) Recitativo Uriel: In vollem Glanze (Sonnenaufgang)
Recitativo Uriel: Mit leisem Gang (Mond)
13) Chor mit Gabriel, Uriel und Raphael: Die Himmel erzählen
18) Chor mit Gabriel, Uriel und Raphael: Der Herr ist groß
25) Chor: Vollendet ist das große Werk

Ich habe das ganze Oratorium durchgearbeitet und bin sehr verliebt in diese Musik. Nun schreibe ich das Programmheft als Teil der Prüfung für die Gesamtnote.

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18. Februar 2026: Ich freue mich, denn ich werde von Gott gerufen. (Dagmar Schoofs)

Heute erinnere ich an Henriette Feuerbach, Philosophin.

Und heute geht es um das Thema Professionalität: Mit Professionalität meinen viele Männer Autorität. Und zwar ihre eigene. Die engen Männerverbandelungen und Vetternwirtschaften sind hierbei exklusiv. Die gegenseitige Respektzollerei unter Männern ist eine eigene Sprache, die viele Frauen an sich so gar nicht sprechen, was oft zu ihrem Nachteil wird.

Anbei die Stiftsbibliothek St. Gallen, zur ehemaligen Benediktinerabtei gehörend, mit Drucken aus dem 15. Jahrhundert. Der Saal im Rokoko-Stil  ist sehr aufwendig und reich gestaltet.

St. Gallen ist eine wunderschöne kleine schweizerische Stadt mit ca. 88.000 EW. Die schöne kleine Schweiz mit insgesamt nicht mal 10. Millionen EW hat die Migration viel besser im Griff als Deutschland.

So sind die Städte sauber und gepflegt, die Züge pünktlich mit schönen, funktionierenden, gepflegten Toiletten.

St. Gallen besitzt wunderschöne Kirchen, eine putzige Altstadt, die außergewöhnliche Stiftsbibliothek (die etwas gestellt und überladen wirkt) und gemütliche Cafés mit Schocki und Mohrenkopf.

Die Stadt liegt nahe am Bodensee, nah an Österreich, Liechtenstein und Deutschland.

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17. Februar 2026: Gott will von ganzem Herzen geliebt sein, gewissermaßen als cantus firmus. (Dietrich Bonhoeffer)

Diesen cantus firmus der Liebe und des Trostes präsentiert J.S. Bach für uns.

Heute erinnere ich an Sabina Wurmbrand, die mit ihrem Mann als Juden verfolgt und als Christen gefoltert wurden. Sie predigten: Das Herz des Evangeliums ist Vergebung.

Ich lese „Unter der Führung Gottes“ von Dietrich Bonhoeffer. Es sind sehr intensive Texte. Aber mehr als sein Schreiben, was sein Lebenswerk war, spricht sein Leben und noch mehr sein Tod: Er ist ganz bewusst und freiwillig nach Deutschland in den Tod zurückgekehrt und hätte doch in den USA ein sehr erfülltes und anerkanntes Leben führen können mit Literatur und allem, was er wollte.

Auch die Missionare Wurmbrand hätten Deutschland rechtzeitig verlassen können, taten es aber bewusst nicht.

Es gibt also Leute, die Deutschland nicht verlassen wollten, um ihrem Land und Gott zu dienen; und dann viele, weil sie nicht glauben konnten und wollten, dass dieses Böse wirklich eintreffen würde. Und dann ganz viele, weil sie Deutschland nicht (mehr) verlassen konnten.

Heute ist es bei all dem Antisemitismus so, dass es vielen leichter scheint, toten Juden zu gedenken als lebendige zu achten.

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16. Februar 2026: Wo immer wir sind, ist Museum, ist Zukunft. Das stimmt.

Foto: Wegmann Orgel Ersrode Hessen

Heute erinnere ich an Elisabeth Flickenschild, 1905, Schauspielerin, und an die Berliner Performance-Künstlerinnen Eva und Adele.

Ich lese „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ von Papst Franziskus.

Mechanische Kern & fils Orgel Gedächtniskirche Bad Homburg Hessen, Schleifladen, 2 M, 19 R, 1184 Pfeifen, Manual- Schiebekoppel

Die historische Sauer-Orgel von 1913, die mehrfach umgebaut wurde, überlebte leider nicht.

Es ist meine 4. elsässische Daniel-Kern-Orgel. Pedalkoppeln als Fußhebel; ungleichstufige Temperierung. Der Prospekt ist von Daniels Vater Alfred Kern, 1988.

In der hübschen weißen Kirche mit den großen hellen Fenstern steht die braune, schlichte, zarte Orgel in samtiger Akustik. Ich habe schon ein paar Mal in Bad Homburg konzertiert. Es hat viel Spaß gemacht. Es gibt in Hessen und Nordhessen viele interessante, historische (restaurierte) Orgeln, auch in den hessischen Dörfern.

Hasen Register-Schilder:

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15. Februar 2026: Kunst ist ja etwas anderes, nicht? (Chlodwig Poth, 1930)

Heute erinnere ich an Edith Landmann, 1877, Philosophin. Und an die wundervolle und unterschätzte Schauspielerin Diane Lane.

Ich lese über Elisabeth Dufaing, 1804, die Gründerin der Franziskanerinnen in Luxemburg. Sie wird Mutter Franziska genannt, adelig, demütig, entschlossen, großzügig. Ich kann nur erahnen, in welchen schwierigen Zeiten sie lebte. Sie hat sich sehr für Frauen eingesetzt, die sie ihre Töchter nannte. Zwar sind ihre Fotos erschreckend, finde ich, düster, ernst und dunkel, aber dennoch glaube ich, dass sie eine wundervolle Frau war.

Mein Geburtstag gestern war sehr schön. Wir waren brunchen, essen, spazieren, genießen.

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12. Februar 2026: Das Leben einer Frau kann die intensive Abfolge mehrerer Leben sein. (Wallis Simpson, 1896, Herzogin)

Heute erinnere ich an Sophie Mereau, geborene Schubart, 17170, deutsche Dichterin. Und an die amerikanische Schriftstellerin Pearl S. Buck, 1892.

Ich lese von dem flämischen Schriftsteller Felix Timmermans (1886) „Das Triptychon von den Heiligen Drei Königen“. Die traurige Geschichte erinnert mich sehr an das schrecklich traurige Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“.

Und natürlich über das Leben von Jospeh Haydn für das Programmheft zur Schöpfung.

Und morgen habe ich Geburtstag 🙂


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11. Februar 2026

Heute erinnere ich an Franz Brentano, 1838, der auch in Würzburg studiert hatte. Auf der einen Seite finde ich es gut, dass Franz sich radikal gegen das unbiblische Dogma der „Unfehlbarkeit“ des Papstes stellte. Auf der anderen Seite finde ich bedenklich, dass er den Tod Bruder nannte, den Tod, den Jesus klar als Feind bezeichnet hat, den er am Kreuz besiegte.

Warum finden es eigentlich so viele Menschen und Kirchen schwer, bei der Bibel zu bleiben und erfinden immer wieder Neues hinzu? Selbst Franziskus nannte den „leiblichen Tod unseren Bruder“. Das ist so, als würde man unsere Sünden unsere Brüder nennen. Eine Verharmlosung der Fakten – vermutlich deswegen wird so vieles zur Bibel hinzugedichtet: um alles ein wenig abzuschwächen und abzumildern.
Allerdings glauben viele weder an Sünde noch an die Bibel. Aber an den Tod – an den müssen sie glauben. Am liebsten täten sie auch dies nicht und verdrängen ihn, solange es geht.

Wenn die vielen Päpste unfehlbar und damit alle ohne Sünde wie Jesus sind, warum haben sie nicht wie er den Tod besiegt? Warum haben sie nicht wie er für die Schuld der Welt bezahlt und stattdessen in dicken Betten in Palästen geschlafen? Warum haben sie niemanden aus dem Grab gerufen wie Jesus und sind stattdessen in den Männer-Riegen der Macht, der Dogmen und des Missbrauchs bis nach oben gestiegen? Unzählige Male geschwiegen zur Sünde? Sich feiern lassen? Man riecht also gleich, was menschengemacht erfunden und was von Gott ist.

Und ich erinnere an Augustinus Aurelius. Auch er glaubte wie viele Menschen an Dogmen: männergemachte Lehren und Mysten, wie ich sie nenne, die gefährlicherweise zur Bibel hinzugefügt und hinzugedichtet wurden, wie zum Beispiel das andauernde neue Empfangen des Leibes.

ps: Den Film Die siebente Saite kann ich leider nicht empfehlen. Zwar wird die Gambe in ihrer Schönheit durchaus herausgehoben. Aber die Hauptpersonen, die beiden französischen Komponisten Jean de Sainte Colombe, 1640, und Marin Marais, 1656, präsentieren sich als Ausgeburt der Hölle, während die Rolle der Frau in ihrer Lebensgefährlichkeit erschreckend und drastisch vor Augen geführt wird durch die Tochter Jeans.

Mit einer Sache aber hat Sainte-Colombe Recht: viele, die sich für Musiker halten, sind keine, sondern Gaukler. Zirkustiere. Und die Gaukler waren damals oft bei Hofe. Heute sind sie – überlegt mal, wo.

Das Karotten-Register:

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10. Februar 2026: Mut ist der Preis. (Amelia Earhart, 1898)

Heute erinnere ich an Julia Child, 1912, amerikanische Küchenmeisterin.

Ich liebe es, wenn Instrumente obertönig, leuchtend und gleichzeitig warmklanglich, süffig und rauchig singen.

Heute habe ich zum ersten Mal einen Pizza-Automaten gesehen. Innen scheint ein Backofen zu sein und heraus kommt … eine warme Pizza ??!!

Ich wurde gefragt, warum ich finde, dass die Westenfelder viel schwieriger zu spielen ist als die Haupt-Rieger. Ich bemerke, dass die modernen neuen Orgeln einem leicht, gefällig und fast ein wenig fast-food-mäßig alles darlegen, so dass man nur zugreifen muss, ohne sich anzustrengen … das ist bei Orgeln, die entweder historisch sind oder nach historischen Vorbildern gebaut wurden, anders: Sie haben viel mehr Hindernisse, Tücken und Herausforderungen.

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9. Februar 2026: Dass es nicht anders geht, dass der Mann immer ein Welträtsel daraus macht, wenn er einer Frau nicht mehr genügt! (Max Frisch)

Heute erinnere ich an Marianne Werefkin, 1860, russisch-deutsche Expressionistin, mit intensiven, temperamentvollen Selbstbildnissen. Solche Künstlerinnen sind immer noch viel zu vergessen und waren doch Wegbereiterinnen.

Ich lese Stich-Worte.

Mit der Zeit bekommt man eine ganz andere Sichtweise auf Zeit, finde ich. Alma Mahler war früher für mich eine Frau, die vor längst vergangene Zeiten gelebt hat. Dann eine Frau, die schon lange tot ist. Dann eine Frau, die einer anderen Generation angehört. Jetzt denke ich, meine Güte, sie ist 1964 gestorben. Das war ja gestern. Wie nah die Zeiten werden und wie nah dadurch all die Menschen und Künstler für mich werden, die ich leider nicht mehr erleben konnte.

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