Kuhn Orgel St. Laurenzen Kirche St. Gallen Schweiz
ev. reform. St. Laurenzenkirche
Orgelbauer:
Kuhn AG (Orgelbau Schweiz)
Baujahr:
1979 / 2007 /2016 / 2023-24
Datum des Erstbesuchs:
2016 / 2024 / 2026
Disposition und Spielhilfen


Ostemporen-Orgel Kuhn Orgel St. Laurenzen Kirche St. Gallen, Schweiz, 4 M, 89 R, 5507 Pfeifen, Schleifladen, gleichstufig
Das schöne neugotische Gehäuse der vorn stehenden Orgel ist von 1856 von Martin Braun. Das Rückpositiv-Gehäuse wurde von Kuhn hinzugefügt. Auf der Westempore stehen weitere großen Pedalpfeifen und ein Schlagwerk. Der Schwellkasten des romantischen Schwellwerks befindet sich unter der Empore. Es gibt hier zudem einen schönen Steinway.
Ursprünglich hatte die Kuhn-Orgel im östlichen Chorraum im Braun-Gehäuse 45 Register, über 3000 Pfeifen und 3 M, erbaut 1979 durch Kuhn AG. 2007 bekam die Orgel eine große Setzeranlage hinzu. Von einer kleinen Orgel konnte schon nicht die Rede sein. Aber diese hübsche Ost-Orgel reichte den Ehrgeizigen nicht.
Denn seit 2023 ist die Orgel elektrifiziert, da sie immer größer und größer und gewaltiger und monumentaler und spektakulärer und tonnenschwerer werden und auf doppelt so viele Register kommen sollte. Zuerst waren es 76 Register, dann 89. Aber man strebt 100 Register an? Dann 200? Dann 300? So bekam sie ein neues Werk vorne, 3 neue Teilwerke an neuen Standorten im Raum als Orgelanlage, wobei die Trakturen elektrifiziert wurden. Nun kamen zu den 3000 Pfeifen fast doppelt so viele hinzu.
Leider wurde hierbei der mechanische Spieltisch auf der Ostempore entfernt, damit ein frei stehender Spieltisch alle Blicke auf sich zieht. Beteiligt war neben Goll auch Rieger, was nicht verwunderlich ist. Alles, was groß, laut und erweitert ist – da scheint Rieger involviert.
Ich wundere mich manchmal, warum gewisse Männer Millionen in Orgeln, die bereits schon sehr schön sind, hineinbuttern dürfen, um ihr eigenes Machtgelüst und persönlichen Selbstwert zu befriedigen. Es muss innovativ, außergewöhnlich und teuer sein. Um eine “Welt-Neuheit” zu erschaffen, eine “3D-Orgel”. Machtgelüste nennt man dann “initiativ”.
St. Laurenzen schreibt hierzu, dass die “Surround-Orgel im Zentrum stehe”. Sollte nicht Jesus, das Kreuz und die Wahrheit und Liebe des Evangeliums im Zentrum stehen? Spektakulär und der Glaube passen oft nicht mal zusammen.
Anstatt dass die Kirche dies Geld für die Armen sammelt, wofür Kirche da ist, wird eine bereits bestehende schöne Orgel revidiert. Ein wenig erweitern – ok. Aber manche übertreiben maßlos. Vermutlich spielte der große Dom direkt um die Ecke hierbei eine Rolle, um sich selbst zu pushen? Um diese Gelüste und das Heidengeld zu rechtfertigen, werden Bibelstellen zitiert und spirituelle Gründe an den Haaren herbeigezogen.
Seit 2024 verfügt die neue Orgelanlage also über 76 klingende Register, neun Extensionen und vier Perkussions-Register.
Es ist meine 12. Kuhn-Orgel.
Fotos oben: einmal von 2026, einmal von 2016
Vorgänger-Orgeln
erste Orgel geweiht 1511, zweite Orgel 1762 erbaut von J. Bommer, (Lommis), dritte Orgel 1856 eingebaut von M. Braun (Spaichingen).
Rückpositiv I C-g3 Ost-Orgel
1 Suavial 8‘
2 Bleigedackt 8‘
3 Prinzipal 4‘
4 Koppelflöte 4‘
5 Sesquialtera II 2 2 / 3‘
6 Schwiegel 2‘
7 Spitzquinte 1 1 / 3‘
8 Sifflöte 1‘
9 Scharff III 1‘
10 Krummhorn 8‘
Tremulant
Unterwerk III C-g3 Ost-Orgel
22 Ital. Prinzipal 8‘
23 Holzgedackt 8‘
24 Viola di Gamba 8‘
25 Unda maris 8‘
26 Geigenprinzipal 4‘
27 Traversflöte 4‘
28 Nazard 2 2 / 3‘
29 Flageolet 2‘
30 Mixtur V 2‘
31 Terzzimbel III 16‘
32 Fagott 16‘
33 Trompette harm. 8‘
34 Clairon 4‘
Tremulant
Hauptwerk II C-g3 Ost-Orgel
11 Pommer 16
12 Praestant 8‘
13 Nachthorn 8‘
14 Spitzgedackt 8‘
15 Oktave 4‘
16 Rohrflöte 4‘
17 Quinte 2 2 / 3‘
18 Superoktave 2‘
19 Mixtur IV 1 1 / 3‘
20 Kornett V 8‘
21 Trompete 8‘
Pedal C-f1 Ostorgel
35 Praestant 16‘
36 Subbass 16‘
37 Oktave 8‘
38 Spitzflöte 8‘
39 Oktave 4‘
40 Rohrpfeife 4‘
41 Blockflöte 3‘
42 Mixtur IV 2 2 / 3‘
43 Posaune 16‘
44 Zinke 8‘
45 Schalmei 4‘
Koppeln

Principalwerk seit 2023 Westempore
| Violonbass | 32′ |
| Contra-Bourdon | 32′ |
| Principal | 16′ |
| Subbass (Verl.) | 16′ |
| Principal | 8′ |
| Bourdon (Verl.) | 8′ |
| Quinte | 5 1/3′ |
| Octave | 4′ |
| Octave | 2′ |
| Mixtur | 2 2/3′ |
| Trompete | 8′ |
| Tuba magna | 16′ |
| Tuba mirabilis (Verl.) | 8′ |
| Tremulant |
|

Streicherwerk seit 2023 Nordempore
| Violone | 16′ |
| Rohrflöte | 16′ |
| Rohrflöte (Verl.) | 8′ |
| Salicional | 8′ |
| Gambe | 8′ |
| Dolcissimo | 8′ |
| Vox coelestis | 8′ |
| Rohrflöte (Verl.) | 4′ |
| Salicet | 4′ |
| Harmonia aeth. | 2 2/3′ |
| Aeoline (durchschl.) | 16′ |
| Vox humana | 8′ |
| Tremulant | |
| Glocken (13 Röhren) |
Flötenwerk seit 2023 Südempore
| Liebl. Bourdon | 16′ |
| Liebl. Bourdon (Verl.) | 8′ |
| Hohlflöte | 8′ |
| Doppelflöte | 8′ |
| Flauto dolce | 8′ |
| Quintatön | 8′ |
| Hohlflöte (Verl.) | 4′ |
| Doppelflöte (Verl.) | 4′ |
| Flauto dolce (Verl.) | 4′ |
| Traverso | 4′ |
| Quintflöte | 2 2/3′ |
| Piccolo | 2′ |
| Terzflöte | 1 3/5′ |
| Septime | 1 1/7′ |
| Saxophon |
| Tremulant | |
| Crotales (30 Scheiben) |
Crotales = französisch cimbales antiques
II – I, III – I, IV – I
III – II, IV – II IV – II
I – P, II – P, III – P, IV – P
Melodie-Koppel
II – I, III – I, IV – I
2 freie Koppeln Sostenuto
Crescendo
Register mit Einzeltonsteuerung
schwellbare Werke (5 Tritte)
geteiltes Pedal Perkussion
“floating Manuals”: frei den Manualen zuteilbar


Kuhn Orgel St. Laurenzen St. Gallen, 6 Normalkoppeln
Die zwei Türme schweben über der Empore.
St. Gallen ist eine wunderschöne kleine schweizerische Stadt mit ca. 88.000 EW. Die schöne kleine Schweiz mit insgesamt nicht mal 10. Millionen EW hat die Migration viel besser im Griff als Deutschland und vermeidet alles, ihre Städte nicht vollgestopft zu bekommen.
So sind die Städte sauber und gepflegt, die Züge pünktlich mit schönen, funktionierenden, gepflegten Toiletten. Ganz in der Nähe dieser Kirche befindet sich der große Dom ebenfalls mit einer Kuhn-Orgel. Die Schweiz ist zwar nicht sonderlich frauenfreundlich, was Mutterschaft angeht, ansonsten aber sehr demokratisch.
Klang und Akustik


Seht schöne Akustik, großer mächtiger Raum, freier Spieltisch, Orgelwerk über dem Chorraum und auf der Westempore und an den Seiten im Süden und Norden.
2.496 neue Pfeifen verteilen sich nun auf die drei zusätzlichen Standorte im Süden (Flötenwerk), im Norden (Streicherwerk) und im Westen (Principalwerk mit den großen Pfeifen). In alle Richtungen hin erweitert.
Persönliche Note


Hier habe ich an Orgel und Klavier konzertiert.
Nun bin ich gespannt auf die “zartesten Streicherstimmen und voluminösesten Solo-Flöten (mit zwei Labien pro Pfeife), grundtönigen Gedeckten und farbig zeichnenden Principalen, zwei 32’-Registern (Violonbass offen und Contra-Bourdon gedeckt), auf den lückenlosen Aliquotstimmen-Aufbau (bis zur Septime), auf die unterschiedlichen Klangkronen, charaktervollen Zungenregistern und vier Perkussions-Elementen” und alles andere Spektakuläre und “das riesige dynamische Spektrum”, wie Goll sein eigeneres Instrument anpreist.
St. Gallen besitzt wunderschöne Kirchen, eine putzige Altstadt, eine außergewöhnliche Stiftsbibliothek (die etwas gestellt wirkt) und gemütliche Cafés mit Schocki und Mohrenkopf.




Dass die Zuhörenden quasi mitten in der Orgel drin sitzen gibt es oft . . Das ist nicht 3 D oder etwas Besonderes. Alles eines Irrlichts Spiel.
Es ist eine doch Atemberaubend und schon fast Kolossal aussehende Orgel. Ann-Helena ich muss Dir zustimmen mit dem übertriebenen Erweiterungen und was der Hilfe für die Armen betrifft.
Es wird zuwenig gemacht!
Ansonsten ist es eine sehr schöne Beschreibung und auch die Vorstellung von dem Ort ist sehr interessant. Deine Orgel News sind viel aktueller als Organ Index.
Bernhard Ruchti als Schweizerischer Olivier Latry. Die enormen Geld-Summen wurden vorsichtshalber mal lieber nicht genannt.
Vielen Dank für die umfangreichen Informationen, Orgel News aus der Schweiz finde ich auch spannend, gern mehr.
Sehr gut dargestellt, das Video mit der Klaviermusik und im Hintergrund die Orgel ist spitze. Danke
Auch in der Schweiz konzertiert Ann-Helena, üb real eine gern gehörte Pianistin und Organistin.