Der Flügelschatten kratzt
auf dem Boden
weiße Pirouetten
Lackballerina
und steht wieder auf Spitze auf den Rollen.

Schlagwörter: Ann-Helena Schlüter, Autorin, Konzerte, Lyrik, Tourblog
Der Flügelschatten kratzt
auf dem Boden
weiße Pirouetten
Lackballerina
und steht wieder auf Spitze auf den Rollen.

Schlagwörter: Ann-Helena Schlüter, Gedanke, Reisen, Tourblog
Kamusta! Draussen im Garten wachsen hier in Greenhills in Metro Manila, wo ich lebe, Kokusnuss-Baeume, Palmen, Mangobaeume, Hibiskus, Bananenpflanzen, kleine Zitronenbaeume und Avokadobaeume. Ich finde, die afrikanischen Avocados in Uganda haben besser geschmeckt. Insgesamt bin ich wieder in einem tropischen Land, das kann ich spueren, wieder nah am Aequator. Es gibt hier Malaria, aber ich hoffe nicht, dass ich es bekomme. In Uganda war ich auch beschuetzt.
Die Moskitos moegen mein Blut, ich bin schon oft gebissen worden. Es gibt hier kein Winter, sondern nur Sommer bis ungefaehr Maerz, April, wo es sehr heiss ist, und dann beginnt statt „Winter“ die Regenzeit. Sie begann, als ich hier ankam. Warmer, weicher Regen kommt vom Himmel, es ist schwuel und feucht, ohne Klimaanlage laesst es sich kaum leben, auf der anderen Seite sind diese wieder viel zu kalt eingestellt. Insgesamt erinnert mich Manila an eine Mischung aus Afrika und USA. Aber eigentlich hat es auch sehr viele spanische Einfluesse. Die Strasse, in der wir leben, wird rund um die Uhr von Waechtern bewacht. Ohne Vorzeigen des Fuehrerscheins kann man nicht hinein. Es ist eine reiche Gegend, in der viele Chinesen wohnen, die Businessmaenner sind. Es gibt hier auch viele Thailaender, Japaner und Koreaner. Manchmal ist es schwer, sie alle auseinander zu halten.
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Wir waren auf dem Markt und haben viele besondere Fruechte gekauft: Pakwan (lokale Wassermelone, davon gibt es verschiedenfarbige), Patola, ein gruenes, langes Gemuese, Papaya in vielen Formen und Farben, indische Mango und Carabao Mango, die unglaublich suess sind, Dragon Fruit, Upo, ein nationales Gemuese, Pinya (Ananas), koreanische Birnen, Mata de Coco, Bayabas, auch Gemuese, Lychees, Santol, Singkamas und noch viele andere kleine und grosse Fruechte, die ich mir nicht merken konnte, dazu salziger Ziegenkaese in Kokusnussblaetter eingepackt. Es gibt keine wirkliche Milch hier in Manila, die lokalen Kuehe heissen Carabao oder Tamarow. Die Konzerte stehen bald an, ich freue mich, in Manila zu spielen.
Die Frucht Pomelo sieht von innen aus wie eine Blutorange, aber schmeckt ganz anders. Am Montag, wenn ich die Improvisationsklasse leite, werden auch nationale philippinische Instrumente dabei sein, aehnlich wie auch in Riga nationale Instrumente dabei waren: Kulintang, das sind die Gongs, und die Tongatong, das sind Staebe aus Bambus. Es gibt auch ganz seltsames Essen hier, wie Entenbabies, die erst 16 Tage alt sind, die man als Foetus in der Eierschale isst oder ein Gericht aus Schweineblut namens Dinuguan.
Aber meistens gibt es Haehnchen und Reis und Mangokekse, bis auf letzteres sehr spicy. Der thailaendische Fisch Cream Dory, den ich vor ein paar Tagen ass, war lecker. Reis wird hier auf unterschiedlichste Weise gekocht. Die Kueche hier ist gross und gemuetlich, und es ist bei weitem westlicher hier als in Uganda. Auch in Schweden sind Gerichte aus Schweineblut eine Delikatesse. Ahhh.
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Konzert war gestern sehr gut besucht. Die Plakate hingen an den Plakatwänden in der Stadt, Schweden aus Umeå waren in der Partnerstadt Würzburg, es stand in der Mainpost.
Es war ein Mexikaner da, der sagte, er hätte mich schon gehört, als ich noch ganz klein war, mit meiner Schwester zusammen, im Toscana-Saal der Residenz vierhändig. Er hatte ein Buch dabei, das er geschrieben hat, auf spanisch, und da standen wir drin! Weil er uns so süß und gut fand damals.
Schön, dass alle Altersgruppen, Männer und Frauen, meine CDs mögen: Der eine sagt, er liebt die Texte, die nächste mein Klavierspiel, die nächste die Lieder und Arrangements, die nächste meine Stimme, die anderen wieder Bach. Und der Rest mag meine klassische Musik. Und die jungen Leute öffnen sich für Bach. Ich habe dadurch ein sehr gemischtes Publikum. Einige haben sich gleich meine email Adresse notiert, um mich zu buchen.

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Seit über einem Jahr schreibe ich meinen Blog.
Heute abend Konzert in Martin Luther-Kirche Würzburg, gestern erst aus Frankfurt zurückgekommen von der schwedischen Kirche dort, stelle meine neuen CDs PianoLyrik und Jeden Augenblick vor.
Viele Verlage rätseln um meinen Roman, ich hoffe sehr, dass er genommen wird, sie finden meinen Schreibstil außergewöhnlich und dass ich durch und durch Künstlerin sei. Ich finde, meine Geschichte Die Rotgerüstete ist auch besonders. Eberhard Münch wird vielleicht dazu malen, seine Farben und Motive sind wunderschön.
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Es ist wirklich kalt in Deutschland. Vermisse die Arion und die warmen Kontinente und Menschen. Mein früheres Musikgymnasium MGGW hat mich zu einer prominenten Schülerin gekürt.
Wieder daheim. Ich habe das Gefühl, alles unter mir, unter meinen Füßen schwankt, als wäre ich noch auf dem Schiff. Viele Stempel in meinem Reisepass. Es ist kalt und regnerisch in Deutschland, aber dennoch freue ich mich jedes Mal auf Deutschland. Das ist so, wenn ich von Reisen nach hause komme. Unser Traumschiff ist meist 9 Knoten gefahren, ca. 16 Stundenkilometer. In der letzten Nacht sind wir etwas in eine unruhige See gekommen, Sturm würde ich es nicht nennen, aber ich fiel fast aus dem Bett, eben April über dem Mittelmeer. Seekrank war ich in 10 Tagen nicht einmal. Aber die Hälfte der 300 Menschen hatten Pflaster unter dem Ohr und Tabletten eingenommen und lagen dennoch im Bad auf dem Boden. Jeden Tag hatten wir Mitarbeitertreffen, ich habe den Chor begleitet, einmal den Gebetskreis geleitet, Karstens Konzert begleitet (Sänger), zweimal Ausflugs-Bus-Leitung (einmal in Petra, einmal Korinth, wobei Korinth wirklich easy war), Andacht und Singen, dann meine eigenen Konzerte, Gottesdienste. Und es waren sehr viele lange Ausflüge.
Cairo war sehr intensiv mit den Pyramiden und dem berühmten ägyptischen Museum, aber Petra war wirklich noch toller. Es war sehr heiß, und ich lief mit dem weißen Regenschirm (Erkennungsmerkmal) durch die Wüste, um alle Schäfchen einzutreiben, danach war ich komplett kaputt. Dennoch bekam ich am Schluss das kleine Geschenk eines Kamelritts unten im Tal. Ich muss sagen, ich mag Kamele, sie haben eine so geduldige, starke, treue Art, eine Gelassenheit. Als sich das Kamel mit mir erhob, dachte ich, ich falle kopfüber über das Gesicht des Kamels hinunter. Der Kamelguide fand es lustig mit mir und spornte uns zu einem Galopp an!
Skarabäus, Nofretete, Tutanchamun, Bastet, Hatschepsut und Memnon habe ich als schwarze Alabasterfiguren gekauft, einmal für mich und einmal für meine kleine Nichte Emilia. Auf dem Schiff habe ich mehrere Anträge bekommen, der älteste war 75. Das Höchstangebot bei den Arabern für mich waren bisher 900 Kamele. Ich fand es lustig und später bedrohlich, dass die Ägypter pausenlos hinter mir her waren. Das ging schon bei den Beamten am Flughafen los. Höhepunkte der Reise waren auf jeden Fall die Wüsten: Sinai, Sahara, Arabische Wüste, das Vier-Länder-Eck Saudi Arabien, Israel, Jordanien und Ägypten, das Schwanken zwischen Asien und Afrika, Petra, die Pyramiden und die beiden Kanäle: Suez Kanal und der Kanal von Korinth. Und die Meere natürlich, Golf von Aqaba, Rotes Meer, Golf von Suez, Mittelmeer, Adria.

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Bin nun schon fast eine Woche auf dem Meer unterwegs. Stehen mit dem Kreuzfahrtschiff nun kurz vor dem Suez Kanal. Morgen früh legen wir wieder ab, um 5 Uhr früh, um durch den Kanal zu fahren, links Afrika, rechts Asien, politisch alles äygptisch. Windstärke 6-7, heute erster kompletter Seetag, durch den Wind nur 22 Grad, das Meerwasser 23 Grad, aber ich bin schon etwas sonnenverbrannt. Mückenstiche habe ich außerdem, aber im Gegensatz zu vielen bin ich nicht seekrank geworden.
Luxor (eigentlich Theben) war mit dem Tal der Könige mit den Gräbern von Ramses und Tutanchamun und den berühmten Zeichnungen und Hiroglyphen an den Felswänden, dem Luxor Tempel, dem Karnak Tempel und dem Tempel der Haschepsut eine sehr intensive Zeit. Es war sehr heiß, und eigentlich habe ich von dem wirklichen Theben nur über die Pferdekutsche, die auch ins Innerste der Stadt fuhr, etwas mitbekommen. Ich habe Schwierigkeiten mit solchen Fahrten, reich zu sein und die Armen anzustarren, die hinter uns herrennen, die Kinder, die nicht zur Schule gehen, sondern Alabastereier für einen Dollar verkaufen, ich kann das eigentlich nicht. Ich habe versucht, mit den Kindern und einigen Ägyptern zu reden. Aber es ist so schwer.
Was mich auch sehr bewegt hat, waren die völlig dünnen Esel und Pferde, die für uns Touristen vor Kutschen gespannt und stundenlang durch die Hitze getrieben werden. Ich sah das eine Pferd weinen, es war so müde, und ich konnte die Seele des Pferdes durch seine Augen sehen. Mich hat es zerrissen. 30. März 2010 Der März geht zu ende. Morgen fliege ich nach Kairo, dann nach Luxor. Frühmorgens geht es los. Wir treffen uns alle in Frankfurt am Airport, Freitag nacht fährt dann das Traumschiff weiter.

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Es kostete mich viele Stunden Arbeit, meine Lieder mit komplettem Ablaufplan für den Bassisten aufzuschreiben. Ich höre das ‚Playback‘ meiner Lieder sehr gern an. Es ist etwas völlig anderes als klassische Musik. Ich sehne mich manchmal richtig nach Rockmusik. Und dabei übe ich 7 Stunden Bach. Das wird allmählich überhaupt kein Problem mehr für mich. Ich liebe Musik. Warum muss ich sie so eingrenzen und abgrenzen? Als dürfte man nicht beides machen, E und U? Wenn diese Begriffe überhaupt helfen…
Manchmal bin ich wie weggetreten bei der Arbeit: Flow.
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Die Interviews waren sehr gut, es hat Spaß gemacht, mit Lothar Reichel, der nun schon über 6000 Interviews geführt hat, über Chopin zu sprechen und wie ich Chopin als Pianistin erlebe. Ich spielte Chopins zweite Ballade. Am Sonntag, an dem das Interview gesendet wird, am 28., bin ich nicht da, sondern in Altensteig, aber jeder Interview-Partner bekommt eine CD zugesandt. Ich bin gespannt, was er aus dem Live-Interview schneidet.
Morgen um acht Uhr fahre ich los ins Studion nach Haiterbach, zwei Tage lang und zwei Nächte, das sind für mich auch neue Erfahrungen. Es wird sicher anstrengend werden für mich, so viel zu singen und zu arrangieren.
Manche sagen, Künstler hätte einen Tiger in sich, eine Gabe, die andere nicht haben, und ich müsste diesen Tiger zähmen. Ich weiß, dass dieser Tiger meine größte Gabe ist, und ich kenne ihn nun ein wenig, kenne seine Kraft. Seitdem ich ihn einschätzen kann, merke ich, wie meine Fröhlichkeit zurückkehrt. Ich habe einige Jahre in Angst vor dem Tiger gelebt. Aber er lässt sich tatsächlich zähmen, ich kann es kaum fassen. Am Nachmittag schlief ich erst mal lange, während der Regen und der Sturm um das Haus gingen. Es war gemütlich.
Hier im Studio cap-music hier hat man das Gefühl, dass man in einem großen schönen Glaskasten mitten im Schwarzwald sitzt, von CDs und Büchern umgeben.
Übermorgen werde ich für das Morgenmagazin von Radio Charivari interviewt, das dann am Sonntag morgen um 8 Uhr ausgestrahlt wird. Das Thema ist Chopin, Bach Glaube und Musik. Das kirchliche Morgenmagazin heißt Kreuz und Quer beziehungsweise Cappuccino — Prof. Konrad aus der Musikwissenschaft wurde auch bereits mehrere Male dort interviewt. Schön ist auch, dass ich nach meinem Interview beim ERF im Juni am Tag danach direkt zu den Konzerten in die Philippinen fliege bis Juli, zu den Masterclasses, die ich halte an der Uni dort, und auf dem Rückweg fliege ich direkt nach Rumänien zu Konzerten.

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Der Lufthansaflug von Stockholm nach Frankfurt wurde wegen Schnee in Frankfurt gecancelt, wir flogen mit 5-stündiger Verspätung mit der SAS, aber es hat sich gelohnt, es war ein wunderschöner Himmel über den Wolken, in den Sonnenuntergang und in die Röte hineinzufliegen. Ich hatte einen schönen Fensterplatz.
Leider verpasste ich die Abendrunde beim RAD, aber immerhin erwischte ich den ICE mit 28 Minuten Verspätung vom Fernbahnhof aus Richtung Stuttgart direkt um 19 Uhr und war dann um 22 Uhr in Schwäbisch Gmünd.
Es ist immer wieder anders, hier zu sein, inmitten von 250 künstlerisch Tätigen.