25. Mai 2026
Foto: Boos Breil Klais Orgel St. Severinus Kirche Wenden 2026
Die Akustik in Olpe gefällt mir gut, da der starke Nachhall bei voller Kirche abgemildert wird. Ich habe sehr non legato gespielt, damit alles klar und hörbar ist. Ich nutzte die vielen Zungen und auch die fragilen, grazilen Klänge.
Ich spielte Sehnsuchtsort Orgel mit FLÖTENUHREN und Scheidemanns Pfingst-Choräle. Und bekam original „Olper Butter-Brezel“. Anschließend fuhren wir nach Wenden beim schönen Biggesee: Die Orgel dort ist von Alt in Neu getaucht:
Boos Breil Klais Orgel kath. St. Severinus Kirche Wenden bei Olpe, sweet Südsauerland, NRW, 2 M, 26 R, 1872 Pfeifen, Zimbelstern, Setzeranlage
Das prachtvolle weiße Barockgehäuse erinnert mich an die Merseburger Dom-Orgel. Dies ist optisch die kleine Schwester. Darin befindet sich eine große neue Orgel.
Die reich geschmückte alte Kirche mit samtig trockener Akustik gehört zum reichen Bistum Paderborn. Der Zimbelstern ist verborgen links hinter den Schleierbrettern; da man das historische Gehäuse nicht frontal verändern wollte. Die Orgel wird von Klais betreut.
Die neue Schleifladen-Orgel von Franz Breil (Dorsten) von 1976, von Orgelbau Klais (Bonn) 2023 erneuert, im Gehäuse der Barock-Orgel von Bartholomäus Boos (Koblenz) von 1755, ist eine Augenweide. Das schöne und in der Sauerländer Orgellandschaft besondere Gehäuse schuf der Ottfinger Schreiner Ferdinand Stracke vom Nachbarort.
Obwohl das Instrument mechanisch ist, besitzt es einen frei stehenden Spieltisch. Früher gab es einen Spieltisch direkt am Instrument. Man sieht noch die Abdrücke der Registerzüge.
Nun hat es einen frei stehenden modernen Spieltisch, da die Empore auch für Chöre genutzt wird. Die mechanischen Trakturen verlaufen verborgen unter dem Boden.
Das Brustwerk befindet sich im verborgenen Untergehäuse mit Gitterwerk. Auf Höhe des Pfeifenprospekts steht die Hauptwerkslade, dahinter das Pedalwerk.
Klais generalsanierte für ca. 200.000 € die Breil-Orgel: Reinigung, Schimmelsanierung, Erneuerung der Elektrik und Generalüberholung, Bau eines neuen Spieltischs; moderne Setzeranlage: Zimbelstern; und die Aluminiumtraktur, die sich verzog, sich ausgedehnt hatte und wieder zusammenzog, wurde durch eine stabile Holz-Abstrakten-Traktur ersetzt; Nasat und Oboe kamen frisch hinzu.
Denn die Breil-Orgel war in keiner guten Verfassung mehr gewesen. Leider ist die Orgelbaufirma Breil bankrott gegangen. Ich habe einige schöne gespielt.
Vorgänger-Orgeln:
Es gab bereits im 17. Jahrhundert eine Orgel hier, die 1683 auf Veranlassung von Pfarrer Antonius Greven erneuert und erweitert wurde. Doch 1714 wurden Kirche und Orgel im Dorfbrand leider zerstört.
1718 wurde die Kirche wiederhergestellt. Es gab auch eine Orgel von 1718. Sie hatte 11 Register.
Aber 1754 schloss die Kirchengemeinde mit dem hoch betagten Orgelmacher Bartholomäus Boos (82 Jahre alt damals) aus Koblenz den Vertrag zum Bau einer neuen Orgel mit 27 Registern ab, worin Teile der alten Orgel darin wiederverwendet wurden.
Leider starb der alte wunderbare Orgelbauer bei der geliebten Arbeit, da er von der Leiter stürzte. Wenden hat ihm das Leben gekostet. Er wurde unter der Orgel-Empore begraben. Das ist sehr berührend! Wenn auch schlimm.
Unter Leitung seines Sohnes Joseph Anton Boos wurde der Bau vollendet und im September 1755 fertiggestellt. Gott sei Dank!
1860–66 führte Adolph Rieschick aus Brilon einen Umbau auf 31 Register durch, wobei er im Pedal eine mechanische Kegellade nach dem neuen Zeitgeist baute und die Orgel romantisierte.
Bei diesem Umbau blieben 14 Register aus der Boos-Orgel erhalten. 1903 folgte ein Neubau im alten historischen Gehäuse durch Anton Feith (Paderborn) mit 25 Registern auf pneumatischen Kegelladen, eine romantische Orgel. Es wurden 10 Register aus dem Vorgängerinstrument übernommen.
Es war also eine bewegte Geschichte. Wieviele Originale von Boos noch erhalten geblieben sind bis heute, ist unklar. So gern hätte ich die original Boos gehört.
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