2026 New CD: Bach berühren: Goldberg Variationen auf der Orgel, Ambiente Audio: Erste CD einer Konzert-Organistin mit dieser Klavier-Transkription auf Orgel
2025 CD BIBLISCHE BILDER, Ambiente Audio. Neue Orgelklänge: Erste CD einer Konzert-Organistin mit ausschließlich eigenen Werken
Liebst Du Musik? Dann bist Du hier richtig im Mitternachts-Blog und Tourblog 2009-2026! Begleite mich live auf meinem musikalischen Weg und hinter die Kulissen der Klassik und Kirchenmusik als Frau in einer Männerwelt.
Gebete. Sehnsuchtsort Orgel. Unterwegs. Sein.
Notenspur. Von Schönheit und Scherben. Kontraste. Gott. Stationen. Zerbrechlich. Trotzig. Unerhört. Lyrisch. Satirisch. Saitenspiel. Ort der Inspiration. Gefühlt. Tourblog. Erlebbare Musik-Geschichten.
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Live. Mit Gott. Gegenschätze. Goldstaub, Geistliches und Weltliches von Frauenhand. Your Key To Organ News. Impulse. Beyond Bühne: Konzert & Dokumentation. Musica sacra.
Viele Instrumente und Dispositionen hier zum ersten Mal im Netz.
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14. November 2025: Heute schreibe ich in die gleiche Noten erwachsene Ergänzungen.
Foto: Otter Kyburz Orgel Santa Maria Mahón Menorca, Spanien
Ich liebe die Sprache von Schubert.
Sie steht unserem Zeitgeist unmittelbar entgegen.
Noch mehr die Sprache Bachs.
Deswegen verstehen viele kein Wort von beiden.
Man ist entweder ein Schumann – oder ein Schubert-Typ.
Wegen der unterschiedlichen Dramatik. Ich liebe beide. Aber ich bin ein Schubert-Typ.
Wenn ich aus meinen Kindheitsnoten Wanderer-Fantasie spiele, bin ich erstaunt: nach all den Jahren kennen meine Finger den Weg, wissen genau, wohin.
Und nicht nur das: alles, was ich damals gesehen und gespürt und erlebt habe, als ich die Wanderer-Fantasie als Kind übte, ist durch die Musik, den Klang, das Papier und die sinnliche Bewegung konserviert worden: ich sehe wieder vor mir, was ich als Kind gedacht und gefühlt habe – sehe und spüre Schatten und Lichter, denke mit einem kleineren Kopf, mit kindlicherem Herzen.
Ja, es ist auch das Optische: Die Noten wie damals, aus der alten Peters-Ausgabe, die es heute nicht mehr gibt – die beste, klarste, wenn auch vielleicht nicht die Urtextischte. Aber wie wo Noten stehen, das ist schon wichtig. Es gibt Ausgaben, die ich so eng und beklemmend oder völlig unhandlich finde, dass ich sie nicht spielen oder verwenden kann. Gerade das Optische von Notentexten prägt sich beim Auswendiglernen in das Gedächtnis und in die Seele ein.
Schon als Kind habe ich meine Noten bunt angemalt – mit kindlicher, krakeliger Kinderhandschrift vollgeschrieben und mit riesigen Zahlen als Fingersätze. Mein Papa hat dazu nie etwas gesagt. Manche schwarzen Kleckse hielt er für tote Fliegen, die er mit der Fliegenklatsche auf meinen Noten erledigt zu haben glaubte. Heute schreibe ich in die gleiche Noten erwachsene Ergänzungen.
Große Otter Kyburz Orgel Santa Maria Kirche Mahón, Insel Menorca, Mittelmeer, Spanien, 3 M, 3210 Pfeifen, 52 R, 30 Tasten-Pedal
Die monumentale, historische, wandfüllende Orgel ist sehr gut erhalten, mit französischen und deutschen Klängen, spanischen Trompeten, sowohl für Barock als auch für Romantik geeignet.
Eine Schweizer Orgel auf einer spanischen Insel. Ich lernte sie kennen bei meiner Kreuzfahrt als Pianistin auf dem Segelschiff Sea Cloud Spirit, Cruise Clipper.
Die gotische Kirche ist das älteste Gebäude der kleinen Stadt und steht in der Altstadt. Sie hat berühmte Glocken und viele kleine Kapellen.
13. November 2025: Fort vom starren Wind hin zum natürlichen, sensiblen.
Die Spieltraktur ist der Weg von der Taste zur Pfeife. Es ist sehr wichtig, dass diese Trakturen sensibel sind. Eine Orgel ist niemals ein Gemischtwarenladen. Zu glauben, sie müsse alles können, ist absurd. Es ist jedoch ideal, wenn sie das, was sie kann, in höchster Qualität kann.
Manche meinen, sie hätten einen hohen Anspruch an eine Orgel, wenn keine gut genug ist. Ich halte das für Unsinn. Natürlich kann man Nachbauten verwerfen; man kann alle möglichen Orgeln verwerfen. Ich habe auch meine Lieblingsorgeln und Ideale. Aber mein Anspruch ist, aus jeder Orgel das Beste herauszuholen.
Ich finde, es gibt in der Musik so viele unterschiedliche Facetten an Begabungen. Es gibt Leute, die sind unglaublich gut in Musiktheorie und Intervallen. Und das gibt es tatsächlich Pianisten, die können kein Hänschen Klein aufschreiben, aber Beethoven Sonaten auswendig spielen; es gibt Organisten, die können keine Melodie aus dem Hören auf die Tasten bringen, ohne zu suchen usw. und wieder andere, die können keinen virtuosen Lauf spielen, aber improvisieren.
Wobei das Improvisieren in der Kirchenmusik meist nur Pattern sind, die auswendig gelernt werden, etwas Konstruiertes, das nichts mit Improvisation (= Freies Spielen) zu tun hat, eine Choreographie.
Bei mir sind Intervalle und Klänge oft Farben, Worte. Keine Begriffe. Sie verschmelzen im Kontext, und es kann bei mir eine Art Blackout auslösen, wenn sie einzeln hart herausgezogen werden, um sie zu begrifflichen, da ich in einer ganz anderen Welt lebe.
Andere wiederum wollen vor allem wissen, wie Musik funktioniert und brauchen ausschließlich Definitionen, Begriffe und Systeme, die sie anwenden, Halt.
Und dann sind die Menschen, die leider als Kind nie gesungen haben. Diese werden später oft die Brummer im Chor. Sie merken das oft gar nicht, dass sie vollkommen off sind und keinen Ton nachsingen können. Dass sie es nicht merken oder hören, ist das Bedauerlichste an der Sache. Es zeigt, wie weit weg sie sind von dem, was wir unter Schönheit der Musik verstehen.
Aber vielleicht ist das auch nicht entscheidend. Ich finde es toll, wenn jeder im Chor singt. Das ist das, was zählt – zu kommen und gemeinsam zu singen.
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12. November 2025: It is like saying: I would stay and love you, but I have to go. (Lisa St. Aubin de Teran)
Foto: Orgel Christuskirche Heiligenstadt Franken
Heute erinnere ich an Anna Joachimsthal-Schwabe, Zionistin, 1892.
Ich verstehe, was Lisa damit sagen wollte. Und in ihrem Beruf ist das auch völlig verständlich und in einem ganz anderen Kontext zu sehen. Aber als Zitat für eine Kreuzfahrtgruppe dienen diese Worte nicht gut; denn Lisa meinte sicher nicht, dass 2-4 Stunden an einem Ort reichen, um sagen zu können, man hätte geflirtet; meist hat man in dieser Zeit gerade mal durchgeatmet und sich umgesehen.
Oder ist damit Flirten mit Shops gemeint, um mit Shopping-Tüten an Bord zurückzukehren? Das stimmt natürlich.
I would stay and love you … auch Flirten braucht eine gewisse Zeit, Interesse und eine gewisse Tiefe. Zwei Stunden durch eine Altstadt jagen, um pünktlich beim US-Starkoch beim Gala-Dinner an Deck zu sein, gehört nicht wirklich dazu.
Anstatt den wunderschönen Plaza de la Virgen mit Brunnen und Kathedrale Valencia, die Seidenbörse, Markthalle, Glockenturm und die vielen Museen zu bestaunen, oder die Santa Maria Church of Mahón, saß man wieder beim Essen auf dem Schiff. Das ist, als würde man mit dem Auto irgendwo hinfahren, am Ziel im Auto sitzen bleiben, sein Teewurst-Brötchen essen und auf den Asphalt starren.
Was nützt es, durch die Welt zu reisen und keine Zeit zu haben, die monumentalen spanischen Orgeln zu sehen, die ganze Wände füllen?
Solche aus dem Kontext gerissene Zitate für Kreuzfahrtler rechtfertigen in gefährlicher Weise das blinde Reisen und dienen dazu, das oberflächliche Reisen als etwas Gutes und Schönes anzusehen.
11. November 2025: Man muss die Dinge beim Namen nennen.
Foto: Becker Orgel St. Anna Kirche Twistringen 2025
Heute erinnere ich an Valeria Kratina-Köhler, 1882, Tänzerin und Musikerin. Und an die spanische Nonne Beata Petra de San José oder auch Petra Pérez Florido.
Es sollten noch viel mehr Klavierwerke auf die Orgel übertragen werden, finde ich. Schubert auf die Orgel zu übertragen, ist nicht leicht: Es gibt kein Sustain-Pedal, und das Registrieren, um den dynamischen Klang zu kompensieren, der an der Orgel fehlt, hindert manchmal den Fluss.
Einen Klavierklang an der Orgel herzustellen, ist kompliziert. Aber es macht Spaß und ist eine Herausforderung. Transkriptionen an der Becker-Orgel Twistringen:
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Die große helle kath. Kirche steht in der hübschen norddeutschen Kleinstadt Twistringen in der Nähe der roten evangelischen Kirche, die etwas kleiner ist. Die Orgel ist laut, jedoch funkelnd. Ich habe alle Register gezogen. Eine Wartung braucht die Orgel erst mal nicht mehr.
Schön sind die spätgotischen Kirchenfenster in der neugotischen, dreischiffigen Backstein-Basilika. Es ist eine lebendige Gemeinde, viel Chorarbeit und Spaß.
Brillante Akustik; schöner Nachhall.
In der Hallenkirche steht ein bronzenes Taufbecken aus dem 13. Jh.
10. November 2025: Mein Mozart klang wie ein orgelverzierterPapageno, retro registriert.
Foto: Michael Becker Orgel St. Anna Kirche Twistringen, Niedersachsen 2025
Michael Becker Orgel kath. St. Anna Kirche Twistringen bei Bremen, Niedersachsen, Bistum Osnabrück, 1995, 3 M, 42 R, RP
Es war sehr schön, hier im Orgelherbst 2025 das Abschlusskonzert zu spielen, Eintritt 10 €. Orgelbauer Michael Becker lebt nun in Süddeutschland. Die Orgel hängt recht tief und hat dennoch einen Schwalbennest-Charakter, da sie schwebt. Hinauf führt eine gefährliche enge Wendeltreppe.
Sie ist von der Idee her ein Nachbau der Silbermann-Orgel Freiberg. Sie ist sogar silbermanniger als Silbermann selbst: Dieser durfte nämlich leider nie ein Rückpositiv bauen, vermutlich aus Platzgründen. Diese hier aber hat ein großes schönes RP.
Es ist meine erste Becker-Orgel. Sie ist ein mechanisches großes Schleifladen-Instrument mit tollen Zungen und Tremulanten, leider ohne Schweller und noch ohne Setzeranlage. Ich habe alles selbst registriert und geblättert, bis auf die Bach-Fuge BWV 542, bei der Julia geblättert hat.
Die Vorrichtung für eine Setzeranlage hat Becker eingerichtet; jedoch braucht die Gemeinde mind. 50.000 € für eine solche.
Der Grund dafür, dass die Orgel keinen Schweller hat, ist der Platz: St. Anna (1870) besitzt ihren Turm nicht vor, sondern in der Kirche, und dann kommt schon die Orgelempore.
Die Orgel spielt sich butterweich. Hinzu kommt die brillante Akustik. Der Musikwissenschaftler Greß hat sich die enorme Mühe gemacht, die Mensuren der Freiberger Silbermann-Orgel exakt und kostenlos zu messen und für die Orgel in Twistringen auszurechnen, die dann 1995 letztendlich 700.000 DM gekostet hat. Die Labien sind bei Silbermann besonders breit, bei Schnitger eher eng.
Silbermann hat ja eher einen direkten Sound. Nichts ist in dem Sinn zart.
Mir gefallen hier besonders die zarten 16-Füße und die süßen Solostimmen. Am Anfang des Konzertes habe ich meine Flötenuhren vorne erklärt, die ich dann mit zarten Stimmen spiele, immer wieder anders, Mozart, Haydn, Beethoven, zusammen mit den Tremulanten klingen sie beinahe retro registriert. Mein Mozart klang wie ein orgelverzierterPapageno – sagte mir eine Dame im Publikum, in deren Pension ich später übernachtete.
Anschließend waren wir griechisch essen. Dort habe ich ein köstliches neues Wort kennengelernt: Urvieh. Was soviel wie Haudegen bedeutet.
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9. November 2025: To travel is NOT to possess the world. (AHS)
Foto: Orgelherbst Twistringen bei Bremen
Heute erinnere ich an Antonia Dietrich, 1900, Schauspielerin.
Und an Erich Klausener, 1885, Recklinghausen, Mordopfer der SS 1934.
Ich bin unterwegs zum Orgelherbst heute. Das Chaos bei der Deutschen Bahn ist schlimmer statt besser geworden. Teilweise werden Gäste von hinten nach vorne gejagt und wieder zurück, weil angeblich ein Zugteil abgekoppelt wird und dann wieder nicht. Massen-Panik war die Folge; Leute stürzten und schrien.
Ich glaube, die Motivation, warum einige reisen, ist, weil sie denken, die Welt damit besitzen zu können. Das ist völlig falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Oft stehe ich hilflos und ohnmächtig vor dem, was ich sehe. Trotzdem ist unsere Welt wunderschön.
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Heute erinnere ich an Georgine Schubert, Sopranistin, 1840.
Am Lido Deck habe ich auch Choräle gespielt, während die SeaCloudSpirit den Hafen verließ. Großer Gott, wir loben dich. .. Das hat vielen sehr gut gefallen.
Am Reformationstag war an den Häfen und Airports und den spanischen Städten wegen Halloween die Hölle los.
Von den Sprechern und Rednern an Bord haben wir einiges in den Vorträgen über das Mittelmeer und die Marine und Spanien gelernt. Zudem liefen auch fancy Ärzte herum. Die Bedingungen der Seefahrer-Welt werden mit jeder Reise neu akzeptiert.
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7. November 2025: Meilenweit seewärts dem Licht entgegen. (Carola Krautz)
Heute erinnere ich an Cheryl Araujo, Opfer einer Gruppenvergewaltigung; das besonders Schlimme daran war, dass die weiteren Männer im Raum der Kneipe gegrölt, angestachelt, angefeuert haben. Sie haben ein Verbrechen begünstigt und taten nichts, zu helfen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Die normalst wirkenden Männer werden in gewissen Gruppen (auch online) zu Monstern. Der Fall wurde in dem berühmten Film „Angeklagt“ mit der super Jodie Foster aufgerollt. Den Film kann ich nur empfehlen.
Toll an dem Film ist, dass auch die, die angestachelt und gegrölt haben, angeklagt wurden. Entscheidend dafür war, dass ein Zeuge ausgesagt hat. Und dies war außerordentlich schwer, denn die meisten wollten schweigen. Auch dies kann ich mir gut vorstellen.
Die Vergewaltiger meinten, da das Mädchen einen „schlechten Ruf“ hatte, sie hätte es verdient, es so gewollt oder es provoziert. Sie versuchten sogar, aus ihrem Opfer die Täterin zu machen. Es war auch für die Justiz ein Risiko, denn es waren sogenannte „angesehene“ Männer in der Attacke dabei. Niemand wollte helfen. Sehr bezeichnend. In gewisser Weise habe ich Ähnliches erlebt, nur nicht in einer Vergewaltigung, sondern in Mobbing und Haß von Kirchenmusikern und ihren Semi-Kollegen und Hobbykollegen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn auch mein Fall oder Leben irgendwann mal verfilmt wird.
Übrigens wurde damals, 1988, jede 6. Minute eine Vergewaltigung in den USA gemeldet. Gemeldet. Damals. Ich würde sagen, dass es heute viel schlimmer ist und die Dunkelziffer, also der nicht gemeldeten, viel höher. Man kann vermutlich sagen, dass jede Sekunde Vergewaltigungen passieren. Weltweit. Das ist unsere Erde. Sie dreht sich, mit unzähligen Vergewaltigungen jede Sekunde auf ihr.
Übrigens, bevor ich auf das Schiff gegangen bin, musste ich eine Sicherheitsschulung online machen, eine Security Training for Seafarers SDSD. Auf Englisch.
Weil es mich interessiert hat, habe ich auch einige weitere gemacht, die angeboten wurden, obwohl es Stunden gedauert hat. Ich weiß nun vieles über: Piraten, blinde Passagiere, Hygiene an Bord, sogar über Erste Hilfe, Verletzungen an Bord, Marine, Klima, Hafen, Motor und wie man ein Rettungsboot bedient und was man in diesem macht, während man im Ozean darauf sitzt. Am Schluss gab es zu allem eine Prüfung, die ich mit Note 1 bestand.
Es waren Multiple-Choice-Fragen mit 4 Antwortmöglichkeiten. Manche waren schwer, da sehr weit weg von meinem Leben; ich musste oft meinen Instinkt walten lassen. Wiederum andere waren sehr lustig, da trockener Humor, was man ja selten findet in einer Prüfungssituation.
Zum Beispiel zu (übersetzt): Was machen Sie, wenn Sie eine Bombe an Bord finden? a) „Ich werfe sie ins Meer“. Oder b) „Ich versuche, sie zu entschärfen.“ Oder zu: Was machen Sie, wenn Piraten das Schiff attackieren? a) „Ich suche nach allen erdenklichen Waffen an Bord.“ …
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6. November 2025: Der Unglückliche war durchwühlt worden.
Foto: Sea Cloud Spirit Segelschiff
Reingeflogen bin ich mit Lufthansa hin nach Barcelona und zurück von Málaga. Ich hatte jeweils einen Fensterplatz. Auf dem Rückweg habe ich ein Drama mit meinem Koffer erlebt: Meine Powerbank war im Koffer, und ich wusste nicht, dass dies als „gefährlicher Gegenstand“ gewertet wird.
Ich stand also am Gepäckband in Frankfurt, es war spät, und jeder erhielt seine Koffer. Nur ich nicht. Am Schluss waren alle Leute weg, nur ich stand noch da. Irgendwann stoppte das Gepäckband. Da fing ich an zu weinen. Im Koffer waren alle meine Noten, die ich für das Konzert brauchte, und ich war müde. Mein Koffer stand unterdessen immer noch in Málaga.
Lufthansa hat in gewisser Weise zwei Gesichter. Einige sind sehr hilfsbereit und lieb, andere wiederum eher eine Katastrophe. Wie auch immer, in der nächsten Nacht durften wir den armen Koffer in Frankfurt abholen, nachdem ich zugesichert hatte, dass die Powerbank entfernt werden durfte. Und auch das war ein Drama:
Es war nicht ganz sicher, wo sich mein Koffer nun befand oder ob er schon per DHL unterwegs war. Erleichtert entdeckte ich ihn dann im Kofferlager irgendwo rechts in einem Regal. Der Unglückliche war durchwühlt worden.
Meine nagelneue Powerbank liegt noch immer in Málaga.
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Foto: Steinway in der Lounge Sea Cloud Spirit Segelschiff
Ja, ich verstehe, was Colette sagen wollte. Dennoch finde ich das „Weitergehen“ genauso richtig wie problematisch. Die Frage ist, von was man weitergeht und wie lange ein Moment ist.
Heute hörte ich eine Platte mit polnischer Orgelmusik, sehr interessant. Die polnischen romantischen Orgelkomponisten waren mir fast alle unbekannt, jedoch offenbar alle stark von unseren geliebten deutschen Komponisten beeinflusst.
Die kleine Insel Illa del Rei (oder Isla del Rey) bei Maó auf Menorca erreicht man mit einem Boot bzw. einem Yellow Catamaran in mini; hier kann man Kunst bestaunen in der Hauser & Wirth und das ehemalige Hospital. Aber vor allem ist die Insel eine Augenweide voller Palmen und duftenden Pflanzen. Man nennt sie auch Insel des Königs.
Dann fuhren wir weiter nach Palma. Auf Mallorca war ich schon als Kind; aber diesmal lief ich vor allem am Hafen entlang, da wir nur sehr kurz hielten. Der Hafen von Palma de Mallorca ist riesig und voll teurer Katamarane und Kreuzfahrtschiffen. Wir legten an am Pier Muelle de Poniente Sur, Terminal 1.
Von unserer Sea Cloud Spirit sahen wir in all dem weißen Gewühl nur die drei großen braunen Masten, die in die Höhe ragten. Es gab zwar auch andere große Segelschiffe, aber die anderen hatten alle entweder nur 2 Masten oder 3 elektrische Masten. Unseres war das einzige, das Segel an 3 Masten hat, welche manuell gehisst werden. Hierfür müssen die Mädchen und Jungs der Crew nach oben klettern. Also ein richtiges Segelschiff.
Wir sind auch jeden Tag gesegelt; nur nachts mit Motor, bei Sturm oder wenn der Wind nicht ausreichte, um das nächste Ziel zeitgerecht zu erreichen. An einem Hafen anzulegen oder gar über Nacht zu bleiben, ist nämlich extrem teuer für Schiffe.
Die Sea Cloud, obwohl deutsch (und die meisten Gäste an Bord sind deutsch; einige wenige Schweizer oder Amerikaner) segelt nicht unter einer deutschen Flagge, sondern unter der Flagge von Malta. Aufgrund der Kosten. Und die Verträge, die der Crew gegeben werden, sind nicht aus Deutschland, sondern aus Liberia, Afrika. Was ich schon bedenklich finde. Denn neben der ca. 100 Gästen an Bord gibt es auch 100 Crew-Mitglieder.
Und die meisten davon arbeiten versteckt unten im Schiffsbauch, oft below Waterline. Ungefähr 80 Prozent davon sind männliche Filipinos, die aus deutscher Sicht schlecht bezahlt werden. Mit einem deutschen Arbeitsvertrag würde das alles gar nicht gehen und nicht erlaubt, also illegal sein – allein die Arbeitsstunden von teilweise 11 Stunden am Tag, und dass es keine freien Tage gibt und alles befristet ist! Undenkbar!
Manche der Filipinos arbeiten täglich in der Wäscherei im Schiffsbauch, andere im Bügelzimmer, wieder andere in der Küche oder verrichten harte körperliche Arbeit oder arbeiten in der sogenannten Crew Mess, in der das Essen für die Crew steht, meist Reis, Eier, Gemüse, Fleisch und Fisch oder was vom Buffet übrig bleibt und nicht weggeschmissen werden muss. Ab 23 Uhr ist Party in der Crew Mess, es wird gespielt, getrunken und gelacht. Internet, Alkohol und Süßigkeiten müssen gekauft werden. Landgänge für sie sind eher selten und kurz.
Die Filipinos habe ich ins Herz geschlossen. Sie arbeiten, ohne sich zu beschweren, lächelnd, freundlich, lustig, sind untereinander eine Familie, loyal. Nur einmal in der Woche dürfen sie an Deck, müssen singen und sich anstarren lassen von den Gästen und dürfen sich zwei alkoholische Getränke an der Bar aussuchen.
Dabei stehen viele unterwürfig und schüchtern auf dem Lido Deck auf den Gängen. Ich war davon sehr irritiert. Da beglotzen Gäste, die pro Tag ca. 1000 Euro hier ausgeben, Arbeiter, die in einem ganzen Monat kaum das erhalten, was Gäste an Bord an einem einzigen Tag ausgeben, und diese Filipinos stehen dennoch und singen fröhlich vor ihnen, als wäre das Leben ein Spaß.
Und sie müssen Seemannslieder singen mit Texten, die teils sexistisch sind. Dies tat mir alles sehr leid. Mich persönlich hat es an moderne Sklaverei erinnert, getarnt in einer großen Farewell-Party. Und die Ausrede, „wir würden damit den Filipinos helfen, denn in ihrem Land würden sie niemals so viel verdienen, damit können sie ihre ganze Familie ernähren“ macht es nur noch schlimmer, finde ich.
Denn sie werden ausgenutzt und sind eben nicht bei ihrer Familie, teilweise jahrelang nicht. Sie verrichten die „Drecksarbeit“, zu denen die wenigsten Deutschen unter diesen Konditionen willig wären und was unter diesen Konditionen in Deutschland sogar illegal wäre – vom Mindestlohn mal ganz abgesehen.
Ich versuchte, das anzusprechen. Mir sagte daraufhin einer, man könne die Sozialkarte nicht ziehen, denn sonst müsse man sich gleich umbringen, „denn jede Hose, die man bei H&M oder sonst wo kauft, wird von einem kleinen armen Mädchen für 10 Cent genäht“. Und während sie das sagen, tragen sie große Shopping-Tüten und weißes Leinen am Körper, haben eine 25 Jahre jüngere Begleitperson am Arm und steigen zurück an Bord, während die Geschiedene zuhause mit 2 Teenager-Töchtern sitzt. Dass sich solche Leute jemals umbringen würden, weil es andere viel schlechter haben, ist so weit entfernt wie der Mars von der Sonne.
Wenige von der Crew haben es besser: alle die, die draußen arbeiten, alle, die auf dem Lido-Deck servieren oder an der Bar oder mit Gästen zu tun haben oder Ausflüge begleiten oder an der Rezeption sitzen – wobei dies alles auch anstrengend ist. Die Gäste dagegen erscheinen wie Götter oder wie unbeholfene Kinder, die rund um die Uhr umtuttelt werden.
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