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Becker Orgel Twistringen

Es ist ein Unterschied zwischen Leben und Welt. 

10. November 2025: Mein Mozart klang wie ein orgelverzierter Papageno, retro registriert.

Foto: Michael Becker Orgel St. Anna Kirche Twistringen, Niedersachsen 2025

Michael Becker Orgel kath. St. Anna Kirche Twistringen bei Bremen, Niedersachsen, Bistum Osnabrück, 1995, 3 M, 42 R, RP

Es war sehr schön, hier im Orgelherbst 2025 das Abschlusskonzert zu spielen, Eintritt 10 €. Orgelbauer Michael Becker lebt nun in Süddeutschland.
Die Orgel hängt recht tief und hat dennoch einen Schwalbennest-Charakter, da sie schwebt. Hinauf führt eine gefährliche enge Wendeltreppe.

Sie ist von der Idee her ein Nachbau der Silbermann-Orgel Freiberg. Sie ist sogar silbermanniger als Silbermann selbst: Dieser durfte nämlich leider nie ein Rückpositiv bauen, vermutlich aus Platzgründen. Diese hier aber hat ein großes schönes RP.

Es ist meine erste Becker-Orgel. Sie ist ein mechanisches großes Schleifladen-Instrument mit tollen Zungen und Tremulanten, leider ohne Schweller und noch ohne Setzeranlage. Ich habe alles selbst registriert und geblättert, bis auf die Bach-Fuge BWV 542, bei der Julia geblättert hat.

Die Vorrichtung für eine Setzeranlage hat Becker eingerichtet; jedoch braucht die Gemeinde mind. 50.000 € für eine solche.

Der Grund dafür, dass die Orgel keinen Schweller hat, ist der Platz: St. Anna (1870) besitzt ihren Turm nicht vor, sondern in der Kirche, und dann kommt schon die Orgelempore.

Die Orgel spielt sich butterweich. Hinzu kommt die brillante Akustik. Der Musikwissenschaftler Greß hat sich die enorme Mühe gemacht, die Mensuren der Freiberger Silbermann-Orgel exakt und kostenlos zu messen und für die Orgel in Twistringen auszurechnen, die dann 1995 letztendlich 700.000 DM gekostet hat. Die Labien sind bei Silbermann besonders breit, bei Schnitger eher eng.

Silbermann hat ja eher einen direkten Sound. Nichts ist in dem Sinn zart.

Mir gefallen hier besonders die zarten 16-Füße und die süßen Solostimmen. Am Anfang des Konzertes habe ich meine Flötenuhren vorne erklärt, die ich dann mit zarten Stimmen spiele, immer wieder anders, Mozart, Haydn, Beethoven, zusammen mit den Tremulanten klingen sie beinahe retro registriert. Mein Mozart klang wie ein orgelverzierter Papageno – sagte mir eine Dame im Publikum, in deren Pension ich später übernachtete.

Anschließend waren wir griechisch essen. Dort habe ich ein köstliches neues Wort kennengelernt: Urvieh. Was soviel wie Haudegen bedeutet.


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10 Antworten auf “Es ist ein Unterschied zwischen Leben und Welt. ”

    • Pfeffer, Lachen und Korn

      Der Vorgänger des jetzigen Kantors dort hat quasi nur geklimpert auf der Orgel. Youtube gibt Auskunft dazu. Oder wie soll man das sonst nennen ? Orgelmäßig war er höchstens C Niveau. Aber natürlich war er „Kreiskantor“

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