Becker Orgel St. Anna Kirche Twistringen bei Bremen
kath. St. Anna Pfarrkirche (1870)
Orgelbauer:
Michael Becker (Kupfermühle)
Baujahr:
1995 / 2020
Datum des Erstbesuchs:
November 2025
Disposition und Spielhilfen
Michael Becker-Greß- Orgel kath. St. Anna Kirche Twistringen bei Bremen, Niedersachsen, Bistum Osnabrück, 3 M, 42 R, RP, 3000 Pfeifen
Es war sehr schön, hier im Orgelherbst 2025 das Abschlusskonzert zu spielen, Eintritt 10 €. Orgelbauer Michael Becker lebt nun in Süddeutschland.
Die Orgel hängt recht tief und hat dennoch einen Schwalbennest-Charakter, da sie schwebt. Hinauf führt eine gefährliche enge Wendeltreppe. 2020 war die Grundreinigung.
Sie ist als Idee her ein Nachbau der Silbermann-Orgel Freiberg. Sie ist sogar silbermanniger als Silbermann selbst: Dieser durfte nämlich leider nie ein Rückpositiv bauen, aus Platzgründen. Diese hier aber hat ein großes schönes RP.
Es ist meine erste Becker-Orgel. Sie ist ein mechanisches großes Schleifladen-Instrument mit tollen Zungen und Tremulanten, leider ohne Schweller und noch ohne Setzeranlage. Ich habe alles selbst registriert und geblättert, bis auf die Bach-Fuge BWV 542, bei der Julia geblättert hat.
Die Vorrichtung für eine Setzeranlage hat Becker eingerichtet; jedoch braucht die Gemeinde mind. 50.000 € für eine solche.
Der Grund dafür, dass die Orgel keinen Schweller hat, ist der Platz: St. Anna besitzt ihren Turm nicht vor, sondern in der Kirche, und dann kommt schon die Orgelempore.
Die Orgel spielt sich butterweich. Hinzu kommt die brillante Akustik. Der Musikwissenschaftler Greß hat sich die enorme Mühe gemacht, die Mensuren der Freiberger Silbermann-Orgel exakt und kostenlos zu messen und für die Orgel in Twistringen auszurechnen, die dann 1995 letztendlich 700.000 DM gekostet hat. Die Labien sind bei Silbermann besonders breit, bei Schnitger eher eng.
Silbermann hat ja eher einen direkten Sound. Nichts ist in dem Sinn zart.
Mir gefallen hier besonders die zarten 16-Füße und die süßen Solostimmen. Am Anfang des Konzertes habe ich meine Flötenuhren vorne erklärt, die ich dann mit zarten Stimmen spiele, immer wieder anders, Mozart, Haydn, Beethoven, zusammen mit den Tremulanten klingen sie beinahe retro registriert. Mein Mozart klang wie ein orgelverzierter Papageno – sagte mir eine Dame im Publikum, in deren Pension ich später übernachtete.
Anschließend waren wir griechisch essen. Dort habe ich ein köstliches neues Wort kennengelernt: Urvieh. Was soviel wie Haudegen bedeutet.






I RP
Gedackt 8′
Principal 4′
Rohrflöte 4′
Nasat 2 2/3′
Octave 2′
Terz 1 3/5′
Quinte 1 1/3′
Sifflet 1′
Mixtur III 1′
Krummhorn 8′
Tremulant
II HW
Bordun 16′
Principal 8′
Rohrflöte 8′
Unda maris 8′
Octave 4′
Spitzflöte 4′
Quinte 2 2/3′
Octave 2′
Cornett V 8′
Mixtur IV 2′
Cymbel III 1 1/3′
Trompete 8′
III OW
Quintade 16′
Principal 8′
Gedackt 8′
Gamba 8′
Octave 4′
Flöte 4′
Fugara 4′
Octave 2′
Flageolett 1′
Cornett III 2 2/3′
Mixtur IV 1 1/3′
Vox humana 8′
Tremulant
Pedal
Principal 16′
Subbass 16′
Octavbass 8′
Oktave 4′
Mixtur IV 2 2/3′
Posaune 16′
Trompete 8′
Clairon 4′



Spielhilfen & Koppeln |
Koppeln (mechanisch): I/II, III/II, I/P, II/P, III/P. |
Nach 25 Jahren, 2020, wurden die 3001 Pfeifen gesäubert von der Erbauerfirma. Manche Pfeifen sind 8 Millimeter, andere 5 Meter. Auch die Kirche wurde gereinigt; man wechselte auf Ölkerzen.
Die Orgelbaufirma Becker ist eine Familien-Dynastie seit 1955. Leider wurde die Firma 2006 verkauft.
Klang und Akustik

Brillante Akustik; schöner Nachhall.
In der Hallenkirche steht ein bronzenes Taufbecken aus dem 13. Jh.
In den drei Massivholz-Gehäusen, für die 18 Meter Lärchenholz und zwei Meter Eiche genutzt wurden, stehen die 3000 Pfeifen.
Persönliche Note

Die große helle Kirche steht in der hübschen norddeutschen Kleinstadt in der Nähe der roten evangelischen Kirche, die etwas kleiner ist.
Die Orgel ist laut, jedoch funkelnd. Ich habe alle Register gezogen. Eine Wartung braucht die Orgel erst mal nicht mehr.
Schön sind die spätgotischen Kirchenfenster in der neugotischen, dreischiffigen Backstein-Basilika. Es ist eine lebendige Gemeinde, viel Chorarbeit und Spaß.

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