5. November 2025: Gehört uns die Erde?
Foto: Steinway in der Lounge Sea Cloud Spirit Segelschiff
Ja, ich verstehe, was Colette sagen wollte. Dennoch finde ich das „Weitergehen“ genauso richtig wie problematisch. Die Frage ist, von was man weitergeht und wie lange ein Moment ist.
Heute hörte ich eine Platte mit polnischer Orgelmusik, sehr interessant. Die polnischen romantischen Orgelkomponisten waren mir fast alle unbekannt, jedoch offenbar alle stark von unseren geliebten deutschen Komponisten beeinflusst.
Die kleine Insel Illa del Rei (oder Isla del Rey) bei Maó auf Menorca erreicht man mit einem Boot bzw. einem Yellow Catamaran in mini; hier kann man Kunst bestaunen in der Hauser & Wirth und das ehemalige Hospital. Aber vor allem ist die Insel eine Augenweide voller Palmen und duftenden Pflanzen. Man nennt sie auch Insel des Königs.
Dann fuhren wir weiter nach Palma. Auf Mallorca war ich schon als Kind; aber diesmal lief ich vor allem am Hafen entlang, da wir nur sehr kurz hielten. Der Hafen von Palma de Mallorca ist riesig und voll teurer Katamarane und Kreuzfahrtschiffen. Wir legten an am Pier Muelle de Poniente Sur, Terminal 1.
Von unserer Sea Cloud Spirit sahen wir in all dem weißen Gewühl nur die drei großen braunen Masten, die in die Höhe ragten. Es gab zwar auch andere große Segelschiffe, aber die anderen hatten alle entweder nur 2 Masten oder 3 elektrische Masten. Unseres war das einzige, das Segel an 3 Masten hat, welche manuell gehisst werden. Hierfür müssen die Mädchen und Jungs der Crew nach oben klettern. Also ein richtiges Segelschiff.
Wir sind auch jeden Tag gesegelt; nur nachts mit Motor, bei Sturm oder wenn der Wind nicht ausreichte, um das nächste Ziel zeitgerecht zu erreichen. An einem Hafen anzulegen oder gar über Nacht zu bleiben, ist nämlich extrem teuer für Schiffe.
Die Sea Cloud, obwohl deutsch (und die meisten Gäste an Bord sind deutsch; einige wenige Schweizer oder Amerikaner) segelt nicht unter einer deutschen Flagge, sondern unter der Flagge von Malta. Aufgrund der Kosten. Und die Verträge, die der Crew gegeben werden, sind nicht aus Deutschland, sondern aus Liberia, Afrika. Was ich schon bedenklich finde. Denn neben der ca. 100 Gästen an Bord gibt es auch 100 Crew-Mitglieder.
Und die meisten davon arbeiten versteckt unten im Schiffsbauch, oft below Waterline. Ungefähr 80 Prozent davon sind männliche Filipinos, die aus deutscher Sicht schlecht bezahlt werden. Mit einem deutschen Arbeitsvertrag würde das alles gar nicht gehen und nicht erlaubt, also illegal sein – allein die Arbeitsstunden von teilweise 11 Stunden am Tag, und dass es keine freien Tage gibt und alles befristet ist! Undenkbar!
Manche der Filipinos arbeiten täglich in der Wäscherei im Schiffsbauch, andere im Bügelzimmer, wieder andere in der Küche oder verrichten harte körperliche Arbeit oder arbeiten in der sogenannten Crew Mess, in der das Essen für die Crew steht, meist Reis, Eier, Gemüse, Fleisch und Fisch oder was vom Buffet übrig bleibt und nicht weggeschmissen werden muss. Ab 23 Uhr ist Party in der Crew Mess, es wird gespielt, getrunken und gelacht. Internet, Alkohol und Süßigkeiten müssen gekauft werden. Landgänge für sie sind eher selten und kurz.
Die Filipinos habe ich ins Herz geschlossen. Sie arbeiten, ohne sich zu beschweren, lächelnd, freundlich, lustig, sind untereinander eine Familie, loyal. Nur einmal in der Woche dürfen sie an Deck, müssen singen und sich anstarren lassen von den Gästen und dürfen sich zwei alkoholische Getränke an der Bar aussuchen.
Dabei stehen viele unterwürfig und schüchtern auf dem Lido Deck auf den Gängen. Ich war davon sehr irritiert. Da beglotzen Gäste, die pro Tag ca. 1000 Euro hier ausgeben, Arbeiter, die in einem ganzen Monat kaum das erhalten, was Gäste an Bord an einem einzigen Tag ausgeben, und diese Filipinos stehen dennoch und singen fröhlich vor ihnen, als wäre das Leben ein Spaß.
Und sie müssen Seemannslieder singen mit Texten, die teils sexistisch sind. Dies tat mir alles sehr leid. Mich persönlich hat es an moderne Sklaverei erinnert, getarnt in einer großen Farewell-Party. Und die Ausrede, „wir würden damit den Filipinos helfen, denn in ihrem Land würden sie niemals so viel verdienen, damit können sie ihre ganze Familie ernähren“ macht es nur noch schlimmer, finde ich.
Denn sie werden ausgenutzt und sind eben nicht bei ihrer Familie, teilweise jahrelang nicht. Sie verrichten die „Drecksarbeit“, zu denen die wenigsten Deutschen unter diesen Konditionen willig wären und was unter diesen Konditionen in Deutschland sogar illegal wäre – vom Mindestlohn mal ganz abgesehen.
Ich versuchte, das anzusprechen. Mir sagte daraufhin einer, man könne die Sozialkarte nicht ziehen, denn sonst müsse man sich gleich umbringen, „denn jede Hose, die man bei H&M oder sonst wo kauft, wird von einem kleinen armen Mädchen für 10 Cent genäht“. Und während sie das sagen, tragen sie große Shopping-Tüten und weißes Leinen am Körper, haben eine 25 Jahre jüngere Begleitperson am Arm und steigen zurück an Bord, während die Geschiedene zuhause mit 2 Teenager-Töchtern sitzt. Dass sich solche Leute jemals umbringen würden, weil es andere viel schlechter haben, ist so weit entfernt wie der Mars von der Sonne.
Wenige von der Crew haben es besser: alle die, die draußen arbeiten, alle, die auf dem Lido-Deck servieren oder an der Bar oder mit Gästen zu tun haben oder Ausflüge begleiten oder an der Rezeption sitzen – wobei dies alles auch anstrengend ist. Die Gäste dagegen erscheinen wie Götter oder wie unbeholfene Kinder, die rund um die Uhr umtuttelt werden.

Frau Dariiia musste jetzt sogar Kritik über ihre „weltbeste“ CD ernten.
Verkaufsrang Dariia
Verkaufsrang in CDs: 32259
Guido nimmt sich das Leben?
Euer Flori
#neuerFloriamSternenhimmel
Pinch me !!! I was criticised for my world Beat recording.
Aber lernen sie nicht wenigstens die Welt kennen?
Nein. Der Hafen ist weit weg von der Stadt. Wie will man in 2 Stunden was sehen?
Unser Kumpel Hans-Werner Schambach ist jahrelang zur See gefahren, bis zu seiner Pensionierung. Ein grobschlächtiger, vierschrötiger Kerl.
Wenn wir von Kneipe zu Kneipe zogen, sang Hans-Werner, in vielen Sprachen, Lieder aus seiner Vergangenheit, nicht immer jugendfrei. Dafür aber laut. Die Gesänge dienten ursprünglich dazu, Gemeinschaftsarbeiten von Matrosen zu „synchronisieren“.
Mit dem Landleben konnte er sich nie wirklich arrangieren.
Einmal wurde er von der Straße aus gesehen, wie er aus dem vierten Stock seines Wohnhauses, bedenklich weit aus einem Fenster gelehnt, Auf- und Abwärtsbewegungen mit der Hand machte. „Ey, Hans-Wener, bist Du jeck? Was machst Du da?“, fragte ein Passant. Hans-Werner ließ sich nicht beirren:
„Ich streich’ mein Schiff !“.
Aber manchmal, mitten in der Nacht, zu Kneipenschluß, ging er nach Hause und sang, aus voller Brust, das „Ännchen von Tharau“, und ja, das war Kunst, tiefempfundene Kunst, die die Seele dieses scheinbar vierschrötigen Mannes offenbarte:
Ännchen von Tharau ist’s, die mir gefällt.
Sie ist mein Reichtum, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
auf mich gerichtet in Lieb und in Schmerz.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.
So, Hans-Werner, jetzt bist Du vielleicht im Internet.
Jedem sein Ännchen …
Schöne Worte sind nicht immer wahr,
wahre Worte sind nicht immer schön.
Du hast schön UND wahr geschrieben.
Ich hätte jetzt gedacht, daß diese eklige Dreiklassengesellschaft nur auf diesen fetten Mumienschiebern existiert, zumindest aber nicht auf so einem tollen Schiff. Falsch gedacht.