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Klavier


19. Juni 2024: Kunst ist immer eine Glaubensbotschaft.
Foto: nächstes Konzert

Als ich ein Kind war, schien es in der Nachbarschaft normal, „unmusikalisch“ zu sein; wenn die anderen Happy Birthday schief gesungen haben, hab ich es auch falsch gesungen.

Auch heute noch finde ich es hin und wieder attraktiv, auf unmusikalisch zu machen. Ich weiß, wie man sich verhalten muss, um normal-unmusikalisch zu wirken, und ich kenne auch die verschiedenen „Stärke-Gerade“ bis hin zu kunstversagt. Durch die vielen Schülerinnen und Schüler meiner Eltern, die ich tagtäglich hören musste, kenne ich die Abstufungen.

Gemeinsam unmusikalisch zu sein verbindet mehr, als wenn ich allein als Künstlerin dastehe. Grölen, schief singen – das verbindet unglaublich viele Menschen. Die Energie dahinter gefällt mir jedoch nicht. 


17. Juni 2024:
Foto: Georg Weishaupt Orgel St. Mauritius Wiesentheid bei Kitzingen 2024

Das Konzert gestern war sehr gut besucht, die große Kirche war voll. Es gab eine Pause mit Getränke-Verkauf. Die Orgel spielte sich butterweich. Wenn man zuvor Orgeln wie Gouda gespielt hat, dann ist es geradezu easy, eine solch neue „weiche“ Orgel zu spielen, die auch noch in brillanter Akustik steht und ein „bequemes“ Pedal und eine Setzeranlage aufweist. St. Mauritius ist eine atemberaubend schöne Kirche, die mitten auf einem residenzähnlichen Platz mit Park und Brunnen steht. Dort parkten wir den Mercedes Sprinter mit GL-Kennzeichen.
Ich liebe diese hübschen fränkischen Dörfer im Sonnenlicht. Anschließend waren wir Pfifferlinge essen, denn jetzt ist es die Zeit.

Der historische Prospekt der Orgel ist eine Augenweide: 

Weishaupt Orgel St. Mauritius Kirche Wiesentheid

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Wo wohnt Gott? Mitten unter uns.

Wann ist Handwerk Kunst? (AHS)

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16. Juni 2024: Das Ei Kunst liegt in ihm. Entweder es wird ein Vogel daraus, der fliegt, oder eben nur Rührei. 

In meinem Umzug lerne ich viel über Handwerk und seine Werkzeuge und Begriffe (und jetzt bitte nicht lachen) wie Heizungssockelleisten, Seitenschneider, Nagelschellen oder OBO, Willis Hausordnung (besonders schwerer Hammer), Wago-Klemmen (ich schrieb in meine Liste zuerst „Vargo-Klammern“), Abzweigdosendeckel, Gehrungsschnitt, Kabelkette… Und wie man einen „Planwagen“-LKW öffnet und schließt. In all dem Streichen, Parkett und Schmuckleisten kleben, Bilder mit Laser ausrichten, zum Hornbach fahren etc. – und das alles für Altbau, ist für mich die Frage, wann „endet“ Handwerk und wird Kunst oder besser, ab wann geht Handwerk in Kunst über?

Handwerk ist generell etwas Wunderbares. Wer Handwerk nicht genug achtet, hat leider nichts verstanden. Denn Handwerk hat mit Kreativität und Phantasie zu tun und ist das Fundament von Kunst. In ihr fängt sie an zu brüten, zu gären und zu atmen. Handwerk ist das warme Nest. Das Ei Kunst liegt in ihm. Entweder es wird ein Vogel daraus, der fliegt, oder eben nur Rührei.

Aber selbst wenn Handwerk keine Kunst ist oder wird, so ist sie doch solide, rechtschaffene und kluge Arbeit, wenn man sie gut macht. Sie ist zu achten und zu ehren.

Früher habe ich Baumärkte gehaßt; diese grässlichen Gänge voller Schrauben und Schläuche, ich werde ganz dizzy, und nie ist ein Mitarbeiter zur Stelle, und selbst, wenn man einen erwischt, versteht er meine Fragen nicht. Heute aber mag ich gewisse Baumärkte wie Hornbach: Wenn ein Baumarkt eine einladende Gartenabteilung und eine nahegelegene Bäckerei aufweist, bin ich zufrieden und versöhnt.

Ich huldige besonders dem Handwerk des Orgelbaus.

Heute ist wieder Konzert, diesmal in kath. St. Mauritius Kirche Wiesentheid in Franken bei Bamberg: meine erste Georg Weishaupt Orgel.

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13. Juni 2024

Nächste Konzerte: München, Bad Lausick, Wiesentheid, Schweden… Ich freue mich. Gestern bin ich zum ersten Mal mit einem großen und voll beladenen Transporter by Mercedes von Osnabrück nach Würzburg gefahren. Es lief sehr gut. Wir haben schöne Kooperationen mit top Unternehmen – als Künstlerin, die gerade umgezogen ist und neue Möbel braucht (ich liebe Holz-Massiv) ist das natürlich spitze.

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10. Juni 2024: Ich lerne von allen Künsten.

Foto: Scharfe Orgel Ebersbach 2024

Heute erinner ich an Emmy Noether.

Das Konzert gestern an der Gilbert Scharfe Orgel 2009 in Ebersbach Bünzwangen bei Stuttgart war sehr schön und gut besucht. Ich mag die schwäbischen gepflegten Orte. Ich bin mit dem Wagen gekommen. Leider schien auch hier das Hochwasser gewütet zu haben. Auch in Bünzwangen spielte ich das gleiche Programm wie in Gouda – obwohl hier eine ganz andere Welt herrscht.

Zuvor strömte man noch ins Wahl-Lokal zur Europawahl.
Wir waren danach alle zusammen essen im schönen Holz-Haus der Scharfes. Das Unternehmen ist ein Familienunternehmen.

Scharfe Orgel ev. Kirche Ebersbach Bünzwangen bei Stuttgart

 

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8. Juni 2024: Der Pfad des Herzens ist dornig. (Noor Inayat Khan)

Foto: Moreau Orgel Sint-Jans-Kirche 2024

Heute erinnere ich an Mary Edwards Walker.

Das Konzert war sehr schön! Meine holländischen Fans und facebook-Freunde waren da. Einige waren zum ersten Mal auf einem Orgel-live-Konzert und zu Tränen gerührt. Zum ersten Mal habe ich auch Guus getroffen. Meine Hände wurden nach unten gebeamt auf Leinwand. Danach gab es Rosen.

Im Publikum waren auch viele Touristen. Ich habe alles allein gemacht (Blättern, Register ziehen) – außer bei der BWV 542-Fuge. Gerben hat die Zungen gestimmt. Ich musste mich nach Reise und Umzug ausruhen und habe 10 Stunden durchgeschlafen, so erschöpft war ich. Meine Hände sind vom Umzug noch zerkratzt und ramponiert.

Unten gibt es noch eine wundervolle Johan Joseph Mitterreither Schrank-Orgel ( 1733-1800) von 1779 mit Perlmutt-Tastatur. Er war ein österreichischer Orgelbauer und wohnte in Rotterdam, 1761 ist er nach Gouda umgezogen und hatte hier auch seine Werkstatt. Später hat er noch in Leiden (NL) gewohnt.

Da ich morgen wieder Konzerte in Deutschland habe, fahre ich mit dem Nachtzug zurück. Ich werde Holland vermissen. Die Organisten sind sehr relaxed, freundlich und bei weitem nicht so gehässig und neidisch, wie ich Kollegen in Deutschland kenne. Ich brauche manchmal das Ausland (egal, welches), um mich zu erholen. Die Züge sind pünktlich und fangen erst das Spinnen an, wenn sie die deutsche Grenze passiert haben.

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Moreau Orgel Sint Jan Kerk in Gouda Holland

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7. Juni 2024: Foto: Sint-Jans-Kirche 2024

Heute erinnere ich an Alice Ball.

Ich bin in Holland angekommen, in Gouda (Cccchauda ausgesprochen) – bei Rotterdam. Auch Amsterdam ist nicht weit weg. Ich bin über Utrecht gereist. Gouda ist eine kleine gepflegte Stadt von 50.000 Einwohnerinnen, an typischen Grachten und Wassern und Flüssen und Booten und Brücken und perfekten Rädern. Man denkt, man ist am Meer.

Die evangelische Sint-Jans-Kirche ist hier die längste und größte Kirche, mächtig und wunderschön, mitten in der Altstadt. Die Kirche ist gleichzeitig ein Museum aufgrund der wertvollen Fenster. Die riesige, tief stehende flämisch-französische Jacob Francois Moreau Orgel von 1732-1736 (vom Sohn vollendet) mit metallgrünen-goldenen Pfeifen und großem Rückpositiv ist eine Augenweide. Man kann am Prospekt die Werke nicht erkennen.

Das Konzert ist morgen um 16 Uhr.

Der schöne Spieltisch mit 3 M ist spannend. Die sehr schwergängige historische Orgel mit vielen Traktur-Nebengeräuschen besitzt einige weiße Einrast-Schiebe-Koppeln, die ich so noch nie gesehen habe. Sie hat Tremulante, was ich persönlich liebe. Das Pedal ist absolut nicht leicht zu spielen, weil die Abstände völlig verschoben oder anders sind, sehr eng. Man kann im Grunde (vor allem mittig) nur mit Spitze spielen und muss die Abstände neu einkalkulieren.

Unten gibt es eine schöne Chororgel. 

Obwohl die Kirche weitläufig ist, ist die Akustik eher trocken. Mittags waren wir am Markt essen. So lecker! Käsesuppe und Bauernbrot. Raclette. Ein Käsemarkt. KAAS BAR. Vor dem Alten Rathaus aus Sandstein, mit Carillon. Es ist sonnig und friedlich. Mein Hotel ist mitten in der Stadt. Gouda kommt tatsächlich von hier, hat aber kein Patent erhalten.

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Moreau Orgel Sint Jan Kerk Gouda Holland

6. Juni 2024: Foto: Kreuztal 2024

Ich fahre heute nach Gouda, meinem Lieblingskäse.

Ich habe die Doku „Jung-Stilling“ gesehen. Was ich bedenklich finde, ist, dass ganz nebenbei lapidar erwähnt wird, dass die Ehefrauen allesamt früh und jung starben, nachdem sie Dutzende von Kindern zur Welt brachten – meist ohne medizinische Hilfe. Was daran christlich sein soll, ist mir schleierhaft. Das war eben früher „normal“, dass Frauen jedes Jahr geschwängert wurden bis zum Tod, weil der Mann nicht verzichten wollte.

Kinder und Frauen starben wie die Fliegen, und da heißt es, der Mann heiratet die Frau „aus Mitleid“? Damit sie früh stirbt? Und die vielen Kinder wurden eben weggegeben, wenn die Mama tot war und wenn sie selbst nicht starben.

Oder es musste die nächste Frau als Mutter herhalten – und es wurde die nächste junge Frau zu Tode geschwängert. Damit der Mann hinterher tiefgeistige Lyrik schrieb und überall Denkmäler und Straßennamen bekam. In seiner Lyrik ging es dann darum, dass der gute Denker „nicht zu hohe Erwartungen hatte“ und „sehr genügsam“ war. Der Frau jedenfalls hat es meist das Leben gekostet, ununterbrochen schwanger zu sein in jenen Zeiten. Und dann wurden sie einfach ersetzt von den mystischen Genies.

Wo sind die Denkmäler für all diese Frauen, die diesen Egoisten zu Diensten waren bis zum Tod?

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5. Juni 2024: Foto: ev. Coudray Kirche Rastenberg 2024

Es ist schockierend, was man täglich „in den Nachrichten“ hören muss. Danach sollen wir uns richten? Was sollen das für Nachrichten sein? Das eine sind die verzerrten Infos über Israel, die bei uns eingehen: ich war ja nun da und weiß, dass alles völlig anders als, als man es uns in Deutschland verkaufen will.

Wenn ich das Radio einstelle, höre ich sofort „die Palästinenser“. Da wundere ich mich schon. Ist uns bewusst, was am 7. Oktober passiert ist? Und dass auch Ägypten keinen Wunsch hegt, die Grenze zu Gaza zu öffnen? Niemand möchte die Hamas als Nachbarn haben. Und was hat Europa Israel zu richten? Nach allem, was bei uns los ist und war, nach all dem Haß gegen Juden, der bei uns multikulti los ist? Wir haben zwar zu wenig Probleme damit, dass Terroristen bei uns Menschen erstechen. Aber Israel hat damit ein Problem.

Das zweite ist das weltweite Rechtssystem, das eine Farce geworden ist, auch bei uns und in den USA. Ich weiß, Musikerinnen sollen sich nicht politisch äußern. Aber wer zu all dem schweigt, hat kein Herz oder nichts verstanden.

Mein Flügel ist nun zu mir gezogen. Es war aufregend.

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4. Juni 2024: Foto: Schulze Orgel 1827 Rastenberg bei Weimar 2024 an der Lossa, ev. Coudray Kirche

Wunderschöne vokale Akustik. Besonders gut gefallen mir Gambe 8, die Flöten und Salicional 8, die schick ansprechen. Zitat von 1889: „Altmeister Schulze rechnete bei seinen langsam ansprechenden Gamben ohne Bärte auf die Verbindung derselben mit Hohlflöte oder Gedackt.“

Der Orgelinnenraum ist gepflegt und sauber und duftet nach Holz. Meine 2. Schulze Orgel (siehe Heringen in Thüringen). Große historische Schulze Orgel 1843 in Heringen/Helme, Strahlenmechanik, ohne Wellenbrett, stumme Prospektpfeifen, 25 R

Die Schwergängigkeit der Orgel gefällt mir; vor allem für Bach; sie ist einen Ton höher gestimmt: 476 Hz, Stimmung gleichstufig. Besonders hübsch sind die Register-Gesichter, die mich anlächeln. An dieser Orgel merke ich, dass auch ohne Schweller, Tremulant und Ähnlichem Romantik Romantik ist. Ja, und auch Bach kann man hier sehr gut spielen. 

MK und Bank sind spannend unangenehm.

Vom Architekten der Kirche, Clemens Wenzeslaus Coudray, wurden auch die Entwürfe für den Orgelprospekt angefertigt.

Der Spielschrank der zierlichen und doch mächtigen Orgel steht original in einem weißen „Käfig“ mit Lampen, in dem man sich selbst einschließen kann – rausfallen kann man jedenfalls nicht. Es gibt einen blitzenden Calcantenzug, eine wunderbare, gepflegte Balgtretanlage und 3 Keilbälge. Das Pedal ist gerade, flach, weit auseinander und spannend unangenehm.

Schulze Orgel Coudray Kirche Rastenberg in Thüringen

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