Ich bin in Flieden bei Fulda angekommen und freue mich auf mein Konzert: Auf die große Matthias Kreienbrink-Orgel von 1963/64 mit drei Manualen und 36 Registern in kath. St. Goar im Fliedetal, die eben gereinigt und nachintoniert wurde. Das Denkmalinstrument wurde finanziell gefördert, so dass die Arbeiten von Orgelbau Hey (leider mittlerweile insolvent) ausgeführt werden konnten.
Die besonderen Register Hellzimbel 3fach, Schalmeyregal 8‘, Nonsept 1 1/7‘ + 8/9‘, Hornoboe 8‘ und das Pedal mit reichen 7 Registern wurden sorgfältig saniert. Es ist meine 7. Kreienbrink-Orgel. Kreienbrink stammt aus Osnabrück.
Sankt Goar ist eine barocke Saalkirche mit 4 Glocken und gehört zur Pfarrkirche der Kirchengemeinde Christkönig Flieden im Dekanat Neuhof–Großenlüder des Bistums Fulda.
Von 1728 stammt die erste (anonyme) Orgel und trug das Wappen vom Spender Adalbert von Dalberg. 1756 kam schon die nächste Orgel: Orgelbauer Johann Wolfgang Wiegand baute ein neues Instrument, dessen barocker Prospekt teilweise noch erhalten ist. Darin steht nun die heutige Orgel: Das Brüstungspositiv wurde von der Orgel von 1756 übernommen, ein Rundturm in der Mitte und zwei Harfenfeldern außen, dazwischen kleine Flachfelder.
Der Hauptprospekt wurde genauso barock nachgebildet mit Rundturm in der Mitte und großen Harfenfeldern darum herum.
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18. Juli 2025: Musik ist Wiederholung der Welt in einem einzigartigen Stoff. (Schopenhauer)
Foto: Sehnsuchtsort Orgel
Meine heißgeliebte 23jährige blaue Gurkenkutsche VW Beetle namens Drop bzw. SweetKübel von 2002 ist gerade wieder durch den TÜV gekommen, nach dem zweiten Anlauf, ich freue mich. Ich bin übrigens punktelos.
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Foto: Ladegast Orgel Bachstadt Köthen 1872 Opus 60 ev. St. Jakob Kirche am Marktplatz, Anhalt, 2025
Früher gab es auch eine geniale Buchholz-Orgel von 1834 in der Marienkirche Frankfurt (Oder), die 1945 leider zerstört wurde. Auch in der ehemaligen Nicolaikirche gab es eine spektakuläre Sauer Orgel von 1868 mit umwerfender Disposition, die 1966 einfach vernichtet wurde!
Ich mag gerne gut gemachte Barker-Maschinen, eine Art Vorläufer zur Pneumatik, die ich ebenfalls gern mag. Was ist eine Barker-Maschine oder ein Barker-Hebel? Kleine Bälgchen unterstützen das Öffnen der Tonventile und erleichtern somit das Spielen. Heutzutage ist es vorzüglich für eine Orgelbauwerkstatt, sich mit Pneumatik und Kegelladen überhaupt auszukennen; viele machen eher einen Bogen darum und haben kaum Ahnung von spätromantischen Orgeln.
Orgelbau Werkstatt Christian Scheffler Sieversdorf bei Frankfurt an der Oder
Das rote schöne Firmengebäude steht für die Restaurierung großer romantischer Orgeln, für Pneumatik und Kegelladen – all das, wo andere Orgelbauer einen Bogen drum machen. Ausgebildet im Umgang mit historischen Instrumenten, Pfeifenwerk und Dispositionen erhält diese Werkstatt mit 9 MA die mitteldeutsche und mitteleuropäische Orgellandschaft, um die historischen Epochen zu bewahren.
Ob mechanische Kegellade mit oder ohne Barker, Pneumatik oder Taschen- oder Rövers Kastenladen – all diese Systeme sind Arbeitsschwerpunkt. Ob Sauer, Walcker, Furtwängler, Röver, Reubke, Buchholz oder Ladegast, sogar Neubauten oder Stilkopien werden gemacht.
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Foto: Ladegast Orgel Bachstadt Köthen 1872 Opus 60 ev. St. Jakob Kirche am Marktplatz, Anhalt
Ich finde, Frauenfußball ist so viel mehr Sport als Männerfußball. Beim Frauenfußball kämpfen wunderschöne Frauen elegant und fair um den Sieg – ohne aggressives Testosteron, weder auf dem Feld noch auf den Tribünen. Es erinnert mich an Leichtathletik. An … Sport. Seitdem ich weiß, wie Frauen Fußball spielen, hat Fußball ein völlig neues Gesicht bekommen.
Es ist erschreckend, wie gute oder schöne Dinge durch Gewalt, Testosteron, Lärm und Machtphantasien verzerrt und verändert werden und dann als „normal“ oder „gut“ gelten. Und das gilt für alles. Selbst für Musik.
Apropos Lärm:
Die Nebengeräusche an der Orgel sind für mich absolut kein Lärm. Diese gehören für mich dazu, beispielsweise das Klappern bei Tasten, die sowohl bei Schleifladen als auch bei Kegelladen vorkommen, bei Taschenladen weniger.
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15. Juli 2025: Duftendes, knarzendes Holz. Eine Duftorgel wie ätherisches Öl, wie nach Honig duftender Baumharz. (AHS)
Foto: Ladegast Orgel Bachstadt Köthen 1872 Opus 60 ev. St. Jakob Kirche am Marktplatz
Es war sehr schön, hier zu spielen und zu konzertieren. Kurz vor der Pandemie war meine erste Orgel-Tour hier durch Thüringen und Sachsen-Anhalt, Anhalt und Sachsen.
Das Konzert war sehr schön und gut besucht, es kamen Fans viele Stunden angereist, auch aus Dresden, denen ich oben die Orgel vorgestellt habe. Ich verkaufte CDs und danach aßen wir Salat auf dem Balkon von Martina und ihrem Geiger-Ehemann. Unten pickten die Hühner Körner, während wir ihre Eier aßen.
Romantische, historische große F. Ladegast Orgel Bach-Stadt Köthen bei Halle, Sachsen-Anhalt, 3 M, 47 R, mechanisch, Schleifladen, 3000 Pfeifen
Dreischiffige gotische Hallenkirche mit 2 Türmen, hell und groß, von Johnny Bach besucht, dunkles neugotisches Gehäuse, das Instrument vom tollen Christian Scheffler umfassend rekonstruiert 1997.
Keine Sperrventile mehr, keinen Calcanten mehr, kein Tremulant nötig (und das will schon was heißen, wenn ich das sage), keine Setzeranlage, klar – nicht schwergängig aufgrund der Barkermaschine im HW II.
Ich habe oben wie immer alles allein gemacht, inklusive Blättern und Registrieren. Ich liebe es, alle Farben zu verwenden und sehr viel zu registrieren und aussergewöhnliche Mischungen zu finden. Ich liebe es, Farben zu mischen und besondere Kombinationen zum Verschmelzen zu finden.
Ich finde generell interessante, widersprüchliche Kombinationen faszinierend: Dass die Orgel grob und zerbrechlich ist. Wenn Klänge schief und doch leuchtend sind. Wenn Farben singen und doch fast unhörbar sind etc. Solche Widerspruch-Kombis mag ich auch bei Menschen.
Große Orgel mit Schweller-Löffeltritt, dunkelbraune Schnitzereien, schöner süffig fetter Klang: Friedrich Ladegast Orgel St. Jakob Kirche Köthen (Sa.-Anhalt), erbaut 1872 Opus 860 durch F. Ladegast (Weißenfels). Seit 1928 bekam die Orgel einen Motor.
Zuvor war hier eine Zacharias Thayßner Orgel 1674 bis 1866. Diese erlebte J. S. Bach, auch wenn sie schon stark beschädigt war.
Johnny B war 6 Jahre lang am Hofe in Köthen tätig, von 1717-1723. Das Schloss Köthen beherbergt nun eine interessante Bach-Ausstellung.
Albert Schweitzer schrieb 1958 aus Lambarene an den Merseburger Domorganisten:
„Ich halte Friedrich Ladegast für den bedeutendsten Orgelbauer nach Silbermann, dessen Tradition er fortsetzt. Sowohl in technischer wie auch in klanglicher Hinsicht sind seine Schöpfungen in gewisser Hinsicht einzigartig. Ich selber war ergriffen von der Spielart und der Tonschönheit der Ladegast-Orgeln.“
So ist es! Ladegast ist (wenn man es überhaupt vergleichen und beurteilen möchte) vielleicht ein Ticken edler noch als die phantastischen, romantischen Sauer-Orgeln. Sauer 1878 Frankfurt (Oder) und Ladegast 1872 (Köthen) in meinem direkten Konzert-Vergleich (ich durfte nicht verwechseln, wo nun das HW ist: bei Sauer I, bei Ladegast II):
Die Klänge Ladegasts sind noch eine Spur weicher und „traditioneller“. Die Oboe im ersten Manual süffigt singend und ist ein Traum! Zudem hat Friedrich Ladegast diese wunderbare Ladegast-Aeoline als Zunge, nicht als Streicher. Der Löffeltritt schwillt noch ein Ticken besser und die Sounds von Ladegast verschmelzen aussergewöhnlich gut miteinander. Allerdings gefällt mir die Kegellade von Sauer unter den Fingern besser.
Ladegast war vielleicht nicht ganz so experimentell wie Wilhelm Sauer, der gleich durchstartete mit Kegellade und Pneumatik und immer weiter ging.
Ich bin auch auf den Turm geklettert und bewunderte die Reformationsstadt von oben.
In Köthen gibt es noch eine Feith Orgel im Steampunk-Style und eine der größten Rühlmann-Orgeln, Ladegast-Schüler. Meine 7. Rühlmann-Orgel.
Mehr Infos auf meiner Orgel-Information:
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Foto: Wohltemperierte Leidenschaft in „Glaube + Heimat“
Duftendes, knarzendes Holz. Eine Duftorgel wie ätherisches Öl, wie nach Honig duftender Baumharz: Bachstadt Köthen (30.000 EW) bei Halle und ihre Orgel mit Löffel-Schweller, Posaune, Oboe und Trompete. Sperrventile, Calcant gibt es nicht mehr, kein Tremulant. HW in der Mitte. Überall spürst du Johnny B.
Ich bin in Köthen angekommen und freue mich auf das Konzert in der ev. St. Jakob Kirche. Von Sauer 1878 zu Ladegast 1872, von einer wunderbaren Barker Maschine zur nächsten, von Opus 860 zu Opus 60. 2020 war ich das erste Mal hier an der genialen Orgel der Bach-Stadt Köthen bei Halle.
Zuerst stimmen wir die Zungen: Posaune, Trompete, Aeoline, Oboe. Auf mich wartet eine geniale Orgel: Rein mechanisch, bis auf eine Spielhilfe und dem Barker-Hebel im Hauptwerk. Die Disposition und Intonation sind genial. Alles verschmilzt ineinander mit viel Charakter! Guckt es euch an!
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Wegscheider Silbermann Orgel ev. Dorfkirche Güldendorf Frankfurt an der Oder, Brandenburg, Lausitz
Güldendorf (bis 1937 Tzschetzschnow), der älteste Ortsteil der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) in Brandenburg, besitzt eine wunderschöne Dorfkirche aus Feldsteinen aus dem 15. Jahrhundert mit Spitzbogenportal und Mosaik.
1773 wurde der Turm umgebaut und bekam eine pyramidenförmige Spitze. Im 19. Jahrhundert wurden Emporen eingebaut.
Es gab zwei Glocken: 1688, gegossen von George Hofmann aus Frankfurt (Oder). Die Orgeleinweihung erfolgte 1811. Was es wohl für eine Orgel war?
Nach einem Blitzschlag 1945 brannte die Kirche mit Orgel aus, doch die Außenwände und das Mosaik blieben erhalten.
1951 erhielt das Kirchenschiff ein neues Dach. Allmählich wurde die Kirche aufgebaut.
Die Spitze des Giebels bekrönt die hebräischen Buchstaben JHWH für den Namen Gott.
1995 wurde die neue kleine ebenerdige Orgel eingeweiht, die rechts steht, ohne Pedal. Sie ist eine Kopie der Gottfried Silbermann Orgel, die 1732 für die Dorfkirche Etzdorf gebaut wurde und seit 1939 im Bremer Dom steht.
1994 wurde das Original in der Werkstatt von Kristian Wegscheider in Dresden restauriert, der dann Kopien der Silbermannorgel anfertigte. Eine andere Kopie von ihm steht seit 1994 im Silbermann-Museum in Frauenstein im Erzgebirge.
Es war sehr schön, hier nachts zu spielen nach meinem Konzert. Die Dorfkirche ist schlicht, mysteriös dunkel in der Nacht. Die Klänge fluteten den Raum.
Foto: Wilhelm Sauer Orgel 1901 Opus 860 kath. Pfarrkirche Heilig Kreuz Frankfurt (Oder)
Meine Lieblings-Orgeln sind Sauer und Ladegast.
Historische große Sauer Orgel Heilig Kreuz Kirche Frankfurt an der Oder, 3 M, 46 R, pneumatische Kegelladen, Walze, Löffeltritt, Tremulant
Wilhelm Sauer spielte selbst 1901 das Einweihungskonzert. Die größte Orgel Frankfurts ist ein geniales, original erhaltenes Instrument mit süffigem, spätromantischen Klang. Leider musste auch dieses Instrument viel leiden: musste im Krieg Pfeifen hergeben, durchlitt die „Orgelbewegung“, die Gott sei Dank durch den Zweiten Weltkrieg gestoppt wurde (zumindest eine gute Sache am Krieg).
Doch die Leidenszeit war und ist noch nicht vorbei. Es gab Umbauten in der Kirche, die den Nachhall verdoppelten, und dann regnete es zu guter Letzt noch durch das undichte Dach:
Die Orgel muss dringend generalüberholt werden. Bitte spendet und betet!
Mir gefällt der starke brillante Nachhall eigentlich sehr gut. Die Orgel ist für den Raum gemacht, das merkt man.
Mir gefällt auch, dass man mit dem Gesicht zum Altar sitzt. Der Anschlag ist weich, sie ist singend und leichtgängig. Ich liebe pneumatische Kegelladen!
Die große rote Kirche besitzt leuchtende bunte Fenster, Rosenfenster und Kapellen, eine fahrbare helle Chororgel vorne rechts von der neuen Sauer-Firma von 1988 mit 8 Registern.
Es war sehr schön, hier zu spielen. Pneumatische Kegelladen brauchen keinen Barker, da alles per Luft läuft. Die ältere Schwester-Orgel in St. Gertraud, wo ich konzertierte, besitzt eine mechanische Kegellade, daher Barker – sonst wäre sie sehr schwergängig.
Wilhelm Sauer hatte 3 sehr gute Intonateure: Herr Kramer für die Vorintonation im Werk, Herr Franz für die milderen und Herr Kranzien für die kräftigeren Register.
Die große Kirche ist sehr wohlproportioniert und in der Mitte der Quadrate steht der Altar.
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Foto: Lady Sauer Orgel 1878 Opus 348 St. Gertraud Frankfurt (Oder) 2025
Kunst ist etwas, das einen erfüllt und befriedigt, weil man weiß, dass sie dort existiert. Man muss sie nicht dauernd hören oder sehen. Sie ist da und das weiß man. Sie rettet die Wirklichkeit und ist Teil der Seele geworden, für immer. Schubert. Winterreise. Es befriedigt, dass sie da ist und dass man sie innerlich immer hört. Man wird sie nie mehr vergessen. Sie wird einem nie mehr geraubt. Ein Schatz.
In der Zeitung GlaubeundHeimat ist gerade ein Interview mit mir erschienen. Titel: WohltemperierteLeidenschaft.
Historische kleine, lindgrüne Sauer Orgel St. Andreas Kirche Sieversdorf bei Frankfurt an der Oder, Brandenburg, 1 M, 6 R, mechanische Kegellade
Die schöne mittelalterliche märkische Dorfkirche mit Reformationsaltar, mittelalterlichen Wandmalereien, Sternenhimmel und Sauer-Orgel von 1891 ist eine Augenweide. Farblich abgestimmt in Kaminrot, Sternenblau und Lindgrün präsentiert sie ihre historische Orgel mit zart-süffigen Klangfarben – und ihren wertvollen Altar.
Im Ort (Sieversdorf hat ca. 300 EW) befindet sich auch die interessante Orgelbauwerkstatt Christian Scheffler, die ich besuchte. Das malerische Dorf ist umgeben von wogenden Sonnenblumenfeldern und Eichen-Alleen.
Die ganze Gegend wurde vom Meister Wilhelm Sauer mit wertvollen Orgeln in allen Größen bestückt, denn er besaß seine große Werkstatt in Frankfurt (Oder), ca. 20 km weit weg von Sieversdorf, gegenüber von St. Gertraud, wo ich gestern konzertierte. Die Orgeln werden betreut von Orgelbau Scheffler.
Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.
Die Kirche ist eine Art Pilger- oder Wallfahrtskirche mit Herberge nebenan. Dort, wo das Quadratische und das Runde der blau-violetten Apsis sich treffen, steht der Altar. Der wurde nicht verbrannt bei der Reformation, sondern verändert:
Die katholischen Frauen wurden herausgerupft bzw. bekamen einen Männerkopf und dicke Hände, mit denen sie Lanzen halten. Das Jesusbild kam an die Wand, so dass sein Blick auf die Orgel fällt.
Samtig trockene Akustik, süffige, zarte Farben. Ich liebe historische Sauer-Orgeln. Dies ist meine 22.
W. Sauer baute bis 1898 mechanische Kegelladen, ab dann pneumatische Kegelladen und ab 1910 pneumatische Taschenladen. Ich liebe Kegel- und Taschenladen!
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