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Ann-Helena Schlüter

15. Oktober 2025

Wir reden und streiten alle viel über Musik. Aber Musik ist so viel mehr als Instrumente spielen, sogar mehr als Singen. Musik ist innendrin. In der Luft. In den Blättern. In mir. In der Stille. Gott ist nicht Musik, aber er ist so groß, so künstlerisch, er kann gar nicht anders, als dass im Atmen, in der Liebe, im Sprechen, im Universum, im Klopfen des Herzens, in der Stimme und im Ton Musik ist. Im Wort Musik ist.

In der Lyrik. Im Leben. In der Schöpfung. In der Berührung.

Menschen streiten über Geschmack und Musikrichtungen, was gut, heilig, richtig ist. Aber wird man nicht erwachsen und wächst darüber hinaus? Und weiß, dass auch im finstersten Tal oder im Gefängnis, im Tod oder am Ende der Welt Gottes Stimme die schönste Musik ist? Menschen wie Bonhoeffer haben im größten Elend die schönste Musik geschrieben: Im Gehorsam. Im Leben. Im Wort. Im Segnen.

Letztendlich ist es weder J.S. Bach noch Hillsong, weder Orgel noch Schlagzeug, weder Pop noch Songs noch Choral noch Klassik – es ist .. ja was? Es ist der eine, der einzige, der zählt. Der klingt.

Denn ich mache keinen letzten Atemzug – ich atme hier aus und bei Gott wieder ein.

Und was wird der Himmel klingen!

14. Oktober 2025: Die Kränkbarkeit des Menschen ist die Hauptursache für Kommunikationsstörungen. (Hildegard Horie)

Heute erinnere ich an Tony Sender, Politikerin, 1888.

Als Konzertkünstlerin hat man es manchmal nicht leicht. Meistens ist alles wunderbar und schön. Doch manchmal (Gott sei Dank selten) treffe ich auf Verwaltler, die meist keine Ahnung vom Leben von Konzertmusikern haben, die mich 5 Mal eine Rechnung umschreiben lassen, bis sie ihnen passt, also möglichst viel Aufwand meinerseits für möglichst wenig Bezahlung ihrerseits und diese möglichst spät.

Denn ich bin ja seit 2016 keine Kleinunternehmerin mehr – das Wort Großunternehmerin gibt es allerdings nicht -, und manchmal zanken gewisse Verwaltler um 7 Prozent Umsatzsteuer mit mir, was ich schon seltsam finde, so geschehen gerade in Kirchberg, um 35 € Umsatzsteuer.

Dabei kosten Orgeln meist Millionen, die aufgrund mangelnder Konzerte massive Standschäden entwickeln, die ins Dreißigfache einer Konzertgage gehen. Ein Konzert spart mindestens eine teure Wartung.

13. Oktober 2025: Ein Großteil unserer Kommunikation besteht aus Irrtum. Missverstehen ist der Normalfall – wir merken es nicht. (Gerhard Roth)

Heute erinnere ich an die Sängerin Elisabeth Reichelt, 1910. Und an die kürzlich verstorbene Sofia Gubaidulina.

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12. Oktober 2025: Die Banalität des Bösen

Ich mag pneumatische Orgeln.

Ich empfehle sehr den neuen dokumentarischen Film über die jüdische deutsche Denkerin Hannah Arendt, ein Film von der genialen Chana Gazit. Viel Neues über unsere Geschichte ist hier zu lernen. Er ist sehr berührend. Man kommt nicht umhin, zu weinen, wenn man die originalen, teils schockierenden Bilder, Zitate, Stimmen und Aufnahmen von den Zwanziger Jahren bis heute sieht und hört.

Die Zeit von 1923 bis 1933 ist sehr lehrreich auch für unsere eigene Zeit. Wer hat damals wirklich begriffen, wie schlimm es werden würde? Wieviele sagten damals wie sie es heute sagen, es ist doch alles noch irgendwie ok… Ist doch alles nicht so schlimm… Das sind die, deren normales privates persönliches Leben überhaupt nicht tangiert wird. Die morgens zur Arbeit radeln und den ganzen Tag im Büro sitzen. Die eigentlich keine Ahnung haben, was uns bevorsteht. Und die es auch nicht sehen wollen.

Hannah Arendt hat schon früh die Zusammenhänge erkannt und war nicht überrascht über das, was kam. Wie viel weniger sollten wir überrascht sein. Sie war dennoch überrascht über den Massenmord an den Juden. Ich frage mich immer noch, wie das überraschen konnte!

Schockiert hat mich, dass Martin Heidegger Nazi und Ehebrecher war und dennoch bis heute als „Philosoph“ gefeiert wird, er, der jahrelang Studentinnen in Affären lockte und sofort klein beigab, als die Nazis an die Macht kamen. Und wieviele andere Männer! Was nützt es, wenn ein solcher Mann über ein neues „Weltverständnis“ schwafelt? Seine Lehren haben nichts verändert und hatten eher etwas Heuchlerisches und Sektenartiges.

Laut Hannah Arendt waren es gerade die Akademiker, die sofort eingeknickt sind. Sie hatten ja viel zu verlieren. Ist es nicht heute genauso? Die Banalität des Bösen.

Wenn man über diese kluge Frau hört und liest, die ja auch später massivst kritisiert und angefeindet wurde, so denke ich: Was unsere Welt verbessert und verändert hätte, wäre gewesen, kluge Frauen anzuhören und ernst zu nehmen und wertzuschätzen.

11. Oktober 2025: Und die Streicher, die Flöten, die Akustik und die 16-Füße.

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10. Oktober 2025: Was ist das, eine Orgel? So viel Gewalt und Zartheit.

Heute besuchte ich eine Freundin in Dresden. Ich freue mich sehr auf die Semperoper. Was mich immer am meisten an der Oper interessiert, sind Musik, Orchester und Dirigentin oder Dirigent. Dann erst die Sängerinnen und dann das Bühnenbild und dann erst die meist etwas dümmliche Geschichte der jeweiligen Oper. Intrigen, „Liebe“…

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9. Oktober 2025: Bei mir kerzt es das ganze Jahr über.

Die wahre Form des Dirigierens und der Chorleitung, die wirklich führen ist, sticht absolut heraus. Es stimmt, dass es einiges an Chorleitung und Dirigieren gibt, das eher an Choreographie erinnert, aber nicht an Leiten und Führen. Das wahre Führen, Formen und Färben des Klangs und auch das konkrete klare rhythmische Führen setzt voraus, dass man das Stück in-und auswendig kennt und auch das richtige Handwerkszeug besitzt.

Besonders das Arbeiten mit Profis hilft hier. Da das Arbeiten mit Profi-Sängern und Orchestern etwas anderes ist, als mit Laien zu arbeiten. Beides ist wichtig.

Man muss einfach in der Praxis stehen. Es ist ein Unterschied, ob ein Professor etwas erklärt, der kaum noch in der Praxis steht, oder ob dir jemand etwas zeigt, der absolut in der Praxis steht, und zwar am besten mit Chor und Orchester.

Ich erinnere mich, wie ich in Greifswald nie das Klavier zur Hilfe nehmen durfte. Der Flügel stand abgedeckt und verkettet in der Ecke. Stattdessen mussten wir mit einer winzigen Stimmgabel arbeiten. Wehe, du hattest die nicht dabei. Ich holte mir jedes Mal blaue Flecken, wenn ich aus der Stimmgabel einen Ton herausbekommen wollte, und schrie laut auf, weil du ja auf Knochen schlagen musst, damit ein gequältes a herausbricht.
Am liebsten hätte ich dem Lehrer seine Stimmgabel in den Hintern geschoben.
Seither bin ich allergisch gegen Stimmgabeln.

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8. Oktober 2025: Habe Bühnenwillen! Forme und färbe den Klang.

Heute erinnere ich an den ermordeten halbjüdischen Komponisten Edwin Geist. Ich habe schon ein Werk von ihm gespielt.

Heute fahre ich zur Vorbereitung meiner Master Chorleitungs- und Ensembleleitungs-Prüfung für die Folkwang Uni der Künste in Essen. Der Titel meiner Prüfung ist Himmelslieder. Das genaue Programm und das Datum gebe ich noch durch.

Ich finde, die Probe mit einem Chor ist wie Üben am Klavier oder an der Orgel. Der Chor ist dann mein Instrument. Chor ist natürlich ein anderes, ein besonderes Instrument. Es besteht aus Stimmen der Menschen mit ganz bestimmten Anforderungen und Bedürfnissen. Der musikalische Grundgedanke der Durchdringung eines Werkes aber bleibt gleich. Es kommt das gewisse große Etwas der Chorleitung hinzu. Das sollte trainiert werden.

Inwiefern Talent hier eine Rolle spielt, wurde ich gefragt. Ich würde sagen, dass es hilfreich ist, wenn man keine Angst vor Menschen, pädagogisches Geschick, Bühnenwillen, Bühnenpräsenz und starken Ausdruckswillen hat. Aber vor allem ist Musikalität und Kreativität gefragt. Und keine Sorge: Ein Alpha-Machotier, der mit Chorsängern flirtet, sich anhimmeln lässt und nach der Probe bechert, muss man nicht sein.
Forme und färbe den Klang!


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7. Oktober 2025

Foto: Konzert Oehninger Orgel kath. St. Antonius Wallfahrtskirche Eichstädt Thüringen 2025

Heute erinnere ich an den zweiten Jahrestag des Überfalls der islamistischen Hamas auf Israel. Über 1000 jüdische Menschen, darunter Babys, Kinder, Mädchen und Frauen wurden damals ermordet von der Terrororganisation Hamas, die nun die Freilassung von Hunderten islamistischer Terroristen verlangt, um die (toten!) und lebendigen jüdischen Geiseln endlich nach Jahren der Folter freizulassen. Dies wird dann als Friedensplan verkauft. Der Frieden basiert darauf, dass eine Terroristen-Organisation dafür belohnt wird, zu morden, zu quälen und zu entführen. Es gelingt ihnen sogar, weltweit als Opfer dazustehen.

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6. Oktober 2025

Foto: Konzert Oehninger Orgel kath. St. Antonius Wallfahrtskirche Eichstädt Thüringen 2025

Das Konzert gestern im Eichsfeld war sehr schön. Diesmal wurde ich in einem anderen Hotel in der Stadt gebucht, wohin mich das Taxi brachte. Es ist spannend, Bachs Goldberg Variationen an der Orgel zu spielen. Ohne Wiederholungen brauche ich 50 Minuten. Manche Variationen spiele ich sehr schnell, wie ich es am Cembalo und am Klavier gewöhnt bin, auch auf einem Manual. Das ist auf der Orgel heikel, da kann man sich gleich einen Knoten in die Hände machen. 🙂

Faszinierend finde ich Schubert an der Orgel, siehe unten:

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