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Preisträgerin

19. August 2009

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Treuchtlingen

Morgen ist mein Konzert in der Nähe von Treuchtlingen, ein Schloßkonzert.  Der Steinway im Saal hier klingt durch die enorme Akustik im weißen Gewölbe — und nach einiger Zeit Durstüben auf einem alten Kawai im Kirchsaal — wie prasselnde, glänzende Edelsteine von hohen Dächern herab geschüttet, ich vergaß alles um mich herum. Der Steinway ist nicht mehr der Jüngste. Die Tasten waren etwas holprig, aber er wickelte sich um mich, frisch gestimmt, und wollte mit seiner goldenen Klang-Zunge jede Ritze meiner Finger und des Hauses ausfüllen. Es gibt etwas Schöneres als normale Konzerte: wenn Menschen, die sonst nie in ein Konzert gehen würden, einfach so kommen und sich stundenlang mein Üben anhören und lächeln dabei. Es sind Menschen darunter, die noch nie mehr als Für Elise gekannt haben und plötzlich ruhig 50 Minuten Bachs Goldberg-Variationen anhören, ohne es zu merken.

14. August 2009

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Töne

Ich liebe Sommergewitter an Augustabenden. Wenn es draußen brodelt, blitzt und in langen silbernen Schleiern nach unten regnet, drückt das Wetter das aus, was ich manchmal empfinde — und das in einer Intensität, die ich liebe und die für mich reine Kunst ist: Der Himmel wird lila, rot, schwarz, silber. Duftender Wind mit kalten Nähten treibt die nasse Gewalt zum Tanzen auf warmem Asphalt. Wenn ich dabei zusehe, werde ich ruhig.

Und ich liebe das Meer.

Mir sagen manchmal Menschen: Wenn man so Klavierspielen kann, was nur wenige auf diese Weise so können auf der Welt… dann… dann ist man unabhängig von Menschen?

Musik vergeht, Ton auch, aber ich bin noch da. Es ist zwar Musik in mir, Rhythmus in mir, aber das Sein ist länger und eher da als Musik und deutlich wichtiger.

Traveling the world

Bad Homburg

Ich bin in der Nähe von Frankfurt und erhole mich im Thaunusgebiet. Ich wohne direkt über dem Flügel und übe aber auf einem kleinen Klavier versteckt im Kirchsaal. Viele Leute sitzen den ganzen Tag und hören mir zu. Sie sagen, sie fühlen sich gesegnet, mir zuzuhören. Ich muss durch meinen Berg von Noten durchkommen. Abends gehen wir im Wald joggen, es ist wunderschön.

Es kommt mir vor, als wären die Noten in meinen Beinen und rennen mit mir im Gesang davon.

Mit Lena Duo zu spielen war wieder sehr schön (Duo Passion, Violine und Klavier).

Bibliothek der Residenz

Leider zieht die musikwissenschaftliche Bibliothek der Residenz um, aber kommt mir so schön geheimnisumwittert vor, als könne ich den Geist, die Atmosphäre der Bücher spüren und wittern. Draußen lacht mich die Sonne und der blühende Rosengarten an, und die Touristen und Menschen gehen im Residenzpark spazieren, während wir innen vor Büchern sitzen — eine andere Welt. Innen sitzen wir an unseren Büchern, Noten und Laptops. Der Sinn und die Aufgabe der Forschung für mich? Ich mag Musikwissenschaft sehr gern. Es ergänzt meine künstlerische Tätigkeit.

Ps: Innerdeutsche Flüge verbieten? Für viele Männer kaum vorstellbar. Eher muß die Welt untergehen.

14. Juli 2009

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Polen

In Polen war ich öfter: in Zakopane auf einem Klaviermeisterkurs bei Gulda und in Warschau, in Krakau, in Breslau — aber hier in Schlesien auf dem Slot Art-Festival hatte ich noch einmal neue Erfahrungen gemacht:
Genossen habe ich das Üben in einem abgeschirmten Raum mitten auf dem Gelände, in dem alle Instrumente und Boxen standen und streng und schwer bewacht wurden und ein Trubel und Kommen und Gehen war. Da ein Amplifier fehlte, war ich gewzungen, dort mit Kopfhörer zu üben. Es kamen einige Band vorbei, meistens Jungs, die mich fragten, was ich übe. Ich sagte: Bach. Sie sagten: Was, Bach? Und konnten es nicht fassen.

Was für ein Kontrast! Am Wochenende ist mein Improvisations-Workshop, für den auch junge Leute aus dem Osten Deutschlands kommen. Ich bin gespannt.

Am Samstag morgen musste ich für ein Konzert in Nürnberg auf der Burg Wernfels mit dem Zug früher die Heimreise aus Polen antreten; es war über Wolow, Breslau, Liegnitz, Chemnitz, Zwickau. Nachts wurde ich dann abgeholt und auf die Burg gebracht. Ich liess mich verwöhnen auf der Burg und übte im grossen Saal. Der war kalt, so hatte ich mich eingewickelt in die Flügeldecke, sie war um mich herum wie ein schwarzes dickes Lederkleid mit rotem Futter. Beim Konzert sprachen der Landesbischof Bayern und Fürst zu Castell-Castell und andere, und ich spielte Chopin, Bach.

Slot-Art-Festival SAF

Rock meets Classic. Eigentlich ist das SAF (Slot Art-Festival) im schlesischen Kloster Leubus ein Rockmusik-Festival. Umso erstaunlicher ist es, dass mein Konzert am Freitag so voll und sehr gut besucht war, dass die Leute nicht mehr ins Zelt passten und draußen und innen stehen mussten; Rock meets Art, und das, obwohl einige Parallelkonzerte liefen. Ich dachte mir: Was werden sie denken, wenn ich diese Massen nicht bändigen kann? Dies ist kein Konzertsaal. Zuerst war ich auch nervös, vor allem beim Soundcheck, aber der Soundman war sehr gut. Ich glaube, ich habe erst dreimal in meinem Leben in einem Zelt gespielt. Es waren viele Deutsche da, die bei dem Satz, „Ich komme aus Deutschland“, laut jubelten. Ich musste Zugaben spielen, und ich wählte Bach, und das war so berührend, als die zarte, leise, zärtliche Aria erklang und das ganze voll besetzte Zelt mitten in der Nacht bis draußen still und ruhig war. Ja, dass Bach seit Jahrhunderten Herzen berührt. Es kam mir vor, als sänge Bach ins All hinaus, in die Unendlichkeit.

Einige Leute fingen das Tanzen an zu Bach. Das habe ich noch nicht erlebt, dass Leute zu Goldberg-Variationen tanzen. Rock meets Art.

Kloster Leubus

Stockfechten und Bogenschießen auf dem Kloster Leubus — bei mir geht der Pfeil eher zart, weich und etwas kurvig ins Ziel. Manchmal spüre ich, kurz bevor ein Konzert losgeht, einen seltsamen Druck und Widerwillen in mir hochsteigen, den Wunsch, mich zurückzuziehen. Jedes Geräusch wird mir plötzlich zu viel, ich fühle mich wie aus Glas. Aber dann, wenn ich spiele, verflüchtigt sich das gleich.

Liegnitz, Erfurt

Die Konzerte in Erfurt waren sehr schön. Nun fahre ich heute nach Liegnitz mit anderen Musikern und anschliessend zum Konzert in Nürnberg.

In der Pause nahm ich am Bogenschiessen auf der Wiese teil. Es machte so viel Spass, doch es war nicht leicht: Obwohl ich mir meinen schlimmsten Feind vorstellte, landete mein Pfeil auf der Wiese. Der Bogen ist schwer, man muss sich ziemlich verdrehen, zielen und genau wissen, wann loslassen. Die Atmosphaere des Klosters ist voller Geschichte, Duft, Aufeinanderprallen von Zeit und Kulturen — allein sich drin aufzuhalten ist ein kreativer Akt und inspiriert mich enorm. Beim Ueben heute fiel mir einmal mehr auf, wie bedeutungsvoll Harmonien sind.

Karlsruhe

Ich freue mich, mit Spark in Karlsruhe zu spielen. Daniel rief mich vor zwei Tagen an. Ich liebe neue Musikrichtungen und Ideen, wie man crossover und dennoch in Kunst vorwärtsgehen kann. Die Mischung aus Jazz, Pop, Barock und Debussy ist wirklich betörend. Wie heisst der Rhythmus?

Freiburg

In Freiburg übernachtete ich bei einem Geiger des Rundfunkorchesters. Es ist schön, wenn man sich nicht verkaufen, verstellen, präsentieren muss, sondern einfach über das reden, was mir auf dem Herzen liegt, was meine Leidenschaft ist: Menschen zu kreativer Musik zu verführen.

Ein Open Air Konzert in solch einer schönen Umgebung ist ein Genuß. Ich kann, während ich auswendig spiele, die Wälder sehen, die Vögel hören, die Blumen im Wind, die Wolken betrachten.Ich mische mich mit meinen Klängen in die Wiese, in das Grün, in den Sommer. Das Wetter hielt sich gut. Ich habe noch nie Bachs Goldberg-Variationen draußen, bis es dunkel wurde, gespielt. Die Lichter in den Bäumen und über den Kunstwerken aus Glas blitzten, der Mond war eine winzige Sichel. Die Leute haben sehr gut zugehört, waren angetan und sagten, die Musik habe sich im Garten verfangen und genau dazugehört, als sei sie Teil des Gartens.