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Tourblog

9. Februar 2020

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Sei reizend zu deinen Feinden, nichts ärgert sie mehr. (Carl Orff)

Nachdem ich das Konzert in der Marktkirche Wiesbaden gespielt habe, durfte ich die kleinere Walcker-Orgel in der wunderschönen Ringkirche Wiesbaden spielen. Die Kirche ist groß und rund mit bunten Fenstern, Gemälden an Wänden und Decke und einem leuchtenden Altar, über den direkt die Orgel thront wie in der Christuskirche Karlsruhe. Mir gefällt das Modell, dass die Orgel über dem Altar ist, also mit das erste ist, was man sieht, wenn man durch die Vordertür eintritt. Die dreimanualige, romantische Orgel original von 1894 ist apart und klangvoll, mit schön geschnitztem Schmuck, ideal für Mendelssohn, Reger, Brahms, Messiaen, Liszt, Mozart… Sie soll erweitert und umgebaut werden, auch in Verbindung mit dem kleinen Fernwerk gegenüber. Wiesbaden hat viel zu bieten, Bergkirche, Lutherkirche, die griechische Kapelle… Selbst der Hauptbahnhof sieht wie eine Kirche aus.

Und überall schießt kochend heißes Wasser aus dem Boden: die heißen, schwefelhaltigen Quellen, die gesund sein sollen zum Baden und Trinken. Ein Kollege meinte, meine Virtuosität würde Geysire generieren :). Und in den Bäumen rund um die Marktkirche zwitschert und singt es ohrenbetäubend laut, ohne dass man die Vögelchen sieht. Tritt man an den Baum, wird es kurz für Sekunden ganz still. Dann geht es von vorne los. Die Vögel können nicht anders als singen.

Ich frage mich, warum Menschen in Zeiten der Umweltkrise ihre Autos anlassen, wenn sie gar nicht fahren, sondern irgendwo halten. Sogar, wenn sie aussteigen, lassen sie ihr Auto Schadstoffe in die Luft pumpen.

Auch in Wiesbaden kennen die Menschen ihre Kirchen nicht. Als ich spazieren war, wollte ich zurück zur Kirche.

“Wie komme ich zur Marktkirche?”

“Hä?”

“Zum Markt?”

“Supermarkt?”

In Heilbronn bin ich angekommen, obwohl Züge schon mal prophylaktisch wegen Orkan Sabine ausfielen, obwohl es nirgends windet. Gleich findet das Konzert statt: Klavierabend diesmal, gestern Orgelkonzert. Genauso wie ich es wollte.

Heute Klavier, morgen Orgel.

Wir Musiker müssen an der Kante der Katastrophe wandeln, das ist das Risiko, das wir suchen. (Harnoncourt)

Das Konzert in der Marktkirche an der Walcker-Orgel mit ihrem majestätischen Prospekt war sehr schön und gut besucht, mind. 400 Leute. Es gab viele Bravo-Rufe und Standing Ovations. Es waren auch bekannte Gesichter darunter, die extra wegen mir gekommen sind. Mein eigenes Stück Snö (Schnee) kam sehr gut an: Es schneite in der Kirche, und die Flocken rieselten herunter. (So empfanden es die Leute.) Eine wunderschöne Walcker-Sauer-Oberlinger-Orgel, 1863 Neubau, Umbau 1900, 1929, 1938, 1970.

Bach kam auch gut an. In meine letzten leisen Liszt-Takte von B-A-C-H läuteten die melodischen Glocken.

Ich habe viele CDs verkauft. Jedes Orgelkonzert ist noch ein Abenteuer für mich. Eine Bergwanderung hoch zum Gipfelkreuz. Jedes Mal passiert Unvorhergesehenes. Ich gerate in eine Lawine, ein Sturm kommt auf. Ich genieße das Adrenalin.

Da ich Liszt nur mit der Walze gespielt habe, also ohne Setzer und allein, war die Orgel teilweise mit seinem Bombardewerk wunderschön laut, da die Walze, ganz nach unten gewalzt, an der Orgel so ziemlich alles zieht, was sie hat. Aber ich genoss das oben. Und das Publikum unten offensichtlich auch, denn alle waren sehr begeistert. Ich hatte das Gefühl, die Orgel gibt alles. Wunderschön ist auch die Doppelflöte 8, die Schwebung Unda maris mit der Gambe 8 und die Acht- und Sechzehnfüße, das Herz der Orgel. Und der 32-Fuß.

Diese vielen Achtfüße kommen mir vor wie Samt und Seide: Die Schwebung wie Samt, die Flöten wie Seide. Viele dieser Achtfüße, auch die Doppelflöte 8, sind original Walcker-Pfeifen von 1863. Ich empfinde jede Orgel an sich als etwas so Wichtiges, Künstlerisches, dass es mir beim Spielen vorkommt, als wären all die Pfeifen in meinem Bauch. Ich werde die Orgel. Die Akustik ist natürlich recht enorm in dieser großen Kirche. Die Chororgel wirkte sehr weit weg für mich. Wenn man direkt darunter steht, soll sie wohl angeblich spucken. Aber ich war wie Kilometer entfernt und habe doch Connection aufgebaut. Zu allen Werken möchte ich an der Orgel, an der ich spiele, Verbindung haben. Die Chororgel und die Walze (und der Schweller) waren meine besten Freunde. Und das Pedal ist herrlich übersichtlich und angenehm. Auch Max Reger war hier Gast!

Ich selbst weiß, das ich Potential habe, crazy gut zu spielen. Aber eine Orgel hat seine Tücken. Da ich nicht fünf Sekunden wartete, bevor ich die Chororgel nach der Hauptorgel anstellte, war ich plötzlich auf der Setzeranlage der Chororgel gelangt, die mit 99 beginnt. Das wusste ich nicht. Nur, dass ich keine Setzer mehr hatte. Daher stieg ich komplett auf die Walze um, die sehr fein und sensibel bedient werden muss und immer einen freien Fuß braucht. Mir macht die Walze viel Spaß.

Aber ich habe daraus gelernt: Habe ich das nächste Mal Probleme mit irgendeiner Setzeranlage: Die Orgel erst mal noch einmal ausstellen.

Zudem erkannte ich final: Meine Noten müssen übersichtlicher sein. Aus meinen Liszt-Noten kann nicht mal ich mehr spielen. Und das will was heißen. Sie sind im Grunde von meinen Reisen und von meinen Eintragungen und Überlegungen voll, verknickt, zerfetzt und zerlöchert. Manche Töne konnte ich heute nur noch erraten.

Es gab Registranten, die sich weigerten, bei diesen Noten Registrant zu sein. Sie sind natürlich ein Kunstwerk, aber sicher gäbe es auch Leute, die denken, ich hätte diese Noten mal eben aus dem Müll gefischt. Manche meinten, meine Noten sehen aus wie Regers handschriftliche Werke. Ob dies meine eigene Komposition sei. Ich muss also alle Noten doppelt haben. Auch einmal frisch für mich und für eventuelle Helfer. Auch meine Kopien gegen Blätterer müssen besser angeordnet sein. Ich gebe zu, ich bin gern oben allein an der Orgel, ohne Helfer. Doch so oder so: Die Kopien dürfen nicht “ins Gesicht der Noten” segeln und mich und Helfer “wahnsinnig” machen oder mir das Gefühl geben, ich muss so schief gucken, dass ich eine Nackenstarre bekomme. Dennoch genieße ich es, allein an der Orgel zu sein. So sehr, dass ich auf Blätterer, Registranten etc. verzichte und lieber alles allein mache. Mir sagte jemand, dass es absolut erforderlich ist, es auch allein zu können. Sich selbst allein zu registrieren, sich selbst zu blättern zu können. Früher wäre das wohl auch geprüft worden im Studium. Ich lasse eigentlich nur gern mir sympathische Menschen als Helfer zu (auch wenn das nicht immer geht). Ich brauche an der Orgel einfach viel Raum für mich und mag es nicht, wenn mir jemand auf die Finger starrt oder nervöser ist als ich. Heute aber hatte ich einen netten Blätterer bei Bach g-Moll 542 (auch wenn er einmal vergaß zu blättern).

Jeder Ton beginnt mit der Stille und kehrt zur Stille zurück. (Leopold Mozart)

Ich bin in Wiesbaden angekommen. Die Marktkirche ist groß, rot und schön, mit “zackigen” Türmen. Der Kirchenraum riesig, hoch und langgezogen. Hoch oben thront die große, viermanualige Walcker-Orgel. Das vierte Manual ist die Chororgel, sie ist wie ein Fernwerk und besitzt sehr schöne Vierfüße; besonders gut gefällt mir hier Scharff 4. Mozart klingt hier wundervoll, die Auswahl der Stimmen ist immens, ich komme mir vor wie an einem großen Buffet von Köstlichkeiten. Auch mit köstlichen zarten und glockigen Achtfüßen, selbstredend. Ich spiele morgen im Konzert Liszt, Bach, Mozart und eigene Werke. Ich kann heute die ganze Nacht spielen. Jetzt bin ich aber erst mal im Hotel in der Taunusstraße.

Mir gefallen Hotels, die noch richtige Schlüssel haben und keine Chipkarten. Wo also die Steckdosen und Lichtschalter im Zimmer normal funktionieren wie daheim.

Mein Zimmer hat sogar einen kleinen Erker und eine Badewanne. Ich mag auch, wenn dort Schokolade bereit liegt und Wasser mit Sprudel. Trotzdem kann ich es mir nicht zu gemütlich einrichten, denn ich möchte gleich noch mal los und spielen. Das Gästebuch für alle Organisten an der Walckerorgel zeigt mir, dass (zumindest laut Gästebuch) ich hier die erste deutsche Organistin bin. Zudem Komponistin. Nunja, ich bin ja eigentlich schwedisch-deutsch. Aber eben nicht aus Asien oder Russland oder USA. (80 Prozent sind natürlich ohnehin Männer.)

Auf dem Weg hierher habe ich die ganze Zugfahrt wie ein Stein geschlafen. Ich bin froh, dass ich auf Knopfdruck (ein)schlafen, entspannen und mich so wieder aufladen kann. Könnte ich das nicht, würde ich nie im Leben das Programm schaffen, dass ich mir aus Leidenschaft “auferlege”.

Denn meist gehe ich sehr spät ins Bett und stehe dennoch sehr früh auf. Obwohl ich eigentlich acht Stunden Schlaf brauche. (Leider merke ich manchmal zu spät, wenn mein Akku komplett leer ist. Dann kann ich kaum noch mehr etwas in der Hand halten, laufen oder denken. Glücklicherweise lade ich schnell wieder auf.)

Ich kann schlecht Nein sagen. Wenn man mir sagen würde, morgen wäre eine Orgelfahrt zum Mond, ich würde “Hier” rufen. Und erst später meinen Terminkalender prüfen. Und ich würde auch dann noch mit zum Mond fliegen wollen, wenn ich zeitgleich zum Jupiter fliege und umgekehrt. Das war schon immer so. Terminkalender machen einem schmerzlich bewusst, dass man nicht wie Gott an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Wie gerne wäre ich dies.

Sehr schön für mich war gestern, eine kleine Weile in Ruhe an der tollen Schnitger-Orgel in St. Jacobi Hamburg zu spielen. Ich hatte sofort eine gute Connection zur Orgel. Das hat mich selbst gewundert. Meine erste Begegnung mit dieser Arp-Schnitger-Orgel war während der Orgelfahrt mit der HfMDK, und ich hatte Angst vor der Orgel; alles war mir fremd. Aber jetzt, alleine, hatte ich das Gefühl, dass die Orgel sehr zart, freundlich, übersichtlich, liebevoll ist. Handy.

Man muss sich auf sie einstellen, auch vom Pedal und vom Umfang her. Aber das war nicht schwer. Ich denke, hier kann man ungewöhnliche Sachen spielen, nicht immer das typische Programm (norddeutsch rauf und runter). Sie ist eben nicht mitteltönig, sondern modifiziert, 1/5 syntonisches Komma. (Mitteltönig ist 1/4.)

Auch Mozart würde hier gut gehen, nicht alles natürlich, aber das Andante, wenn man eine Oktave tiefer spielt mit Vierfüßen. Klingt spitze. (Die Kemper-Orgel eine Etage tiefer gefällt mir nicht sonderlich.)

Kerstin hat für die Schnitger-Orgel schöne, braune, kleine “Handschühchen” für die Registerknöpfe nähen lassen, mit Zahlen, damit es für die Registranten einfacher ist. Denn ohne Hilfe kann man hier manches schlecht spielen. Und verändern geht nicht, wegen Denkmalschutz. Diese Näherin war sogar an der Orgel zum Maßnehmen. Ich habe schon gehört, dass Laien zu den Registerzügen “Stöpsel” gesagt haben.

Beim Spielen hören einem die Engel an den Seiten zu. Und die plötzlich wie aus dem Nichts herausgeschossenen tollen Pedalpfeifen rechts und links.

Erschreckend ist, wenn ich nach dem Weg frage zu den Hauptkirchen, dann wissen die Leute nicht mal, wo St. Jacobi ist, oder sie schicken mich stattdessen zur Petrikirche, weil sie die Namen nicht kennen und die Kirchen verwechseln.

Orgeln sind so komplex. Leider ist es noch immer so, dass ich selbst trotz Lesen, Üben, Spielen, Reisen vieles zur Orgelwelt noch nicht weiß und Dinge verwechsle. Aber dafür sind ja tolle Lehrer da.

Und bald spiele ich in Altona.

Nichts ruft die Erinnerung an die Vergangenheit so lebhaft wach wie die Musik. (Anne de Stael)

Es war spannend, gestern die Trio-Sonate d-Moll von Bach auf einer kleinen, italienischen, mitteltönigen Orgel von Reil mit kurzer, gebrochener Oktave zu üben. e, d, gis und fis  sind einfach im Pedal woanders zu finden, und das c ist dafür sehr nah.

Der Bachfilm von Guillermou zeigt zwar einen sehr unmusikalischen Bach, der wüst gegen den Takt dirigiert, und es werden viel falsche Informationen verbreitet (dass Händel sein Schüler war…), aber er vermittelt doch auch Dinge, die nachdenklich machen: Dass Frauen zu Bachs Zeiten keine Instrumente spielen durften oder sollten. (!) Und wie unglaublich wichtig die Rolle seiner Frauen war. Ohne Anna Magdalena wären noch viel mehr von Bachs Noten untergegangen. Sie muss sehr gut, verlässlich, schnell und fleißig im Abschreiben und Sortieren gewesen sein. Und wahrscheinlich auch im Organisieren. Und das bei den dauernden Geburten. Ohne sie wären all die vielen Kantaten nicht möglich gewesen. Wieviel seiner Kompositionen sind wohl dennoch verschwunden?

Die ersten Proben und Aufführungen seiner Passionen und Kantaten mit einem kleinen Ensemble und Chor  – wie müssen diese gewesen sein? Da erblickten seine Werke das Licht der Welt. Schon alleine eine simple erste Chorprobe heute in einem normalen Laienchor mit einer Bachkantate ist berührend. Wie muss die erste Probe gewesen sein?

Oder dass Bach, den es nirgendwo lange gehalten hat und der nun festsaß in Leipzig unter erneut konfliktbeladenen Umständen, dennoch so leidenschaftlich geistliche Werke komponierte  – ich denke, er blieb vor allem, weil er wusste, er sollte, von Gott, denn das Komponieren stand im Mittelpunkt, es ging um das Komponieren. Seine Inspiration in Leipzig zum Komponieren ist ja enorm gewesen. Diese Dinge stehen im Zusammenhang. Vielleicht war er vom weiteren Reisen auch abgeschreckt, da er seine erste geliebte Frau tot vorfand, als er einmal länger unterwegs war.

Viele reden immer vom Thomaskantor – Bach war vor allem freier Komponist. 

Fugen selbst zu improvisieren… am meisten machen mir hier die Zwischenspiele Spaß, die Sequenzen. 

5. Februar 2020

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Gott hat auf seiner Harfe ein Lied gespielt, und ihre Saiten gehen durch meine Seele. (Hildegard von Bingen)

Es war sehr spannend, die schöne Beckerath Orgelbaufirma Hamburg heute zu besuchen. Die große Werkstatt duftete nach Holz und Sägespänen. Diese Späne werden an den riesigen Säge-Maschinen durch Schläuche nach draußen gepumpt. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben, da Sägespäne gesundheitsschädlich für Mitarbeiter sind. Sie können ins Auge gehen, eingeatmet werden etc. Andere große Schläuche dienen zur Beheizung der Werkstatt. Dieselben Späne werden zu Pellets gepresst (sie haben eine eigene Pressmaschine dafür), und mit diesen wird im Ofen geheizt. Alle trinken sehr gern schwarzen Tee mit Milch (oder Zitrone) und Zucker. Wie ich. Sie hatten noch nie einen Gast, der genauso gern und viel Tee getrunken hat wie ich. Überall hängen Bilder von tollen Orgeln. Um eine Orgel zu planen, gehen viele Schritte als Grundschritte voraus. Es wird oft mindestens ein Jahr geplant, bevor gebaut wird. Und das dauert dann auch noch mal ca. ein Jahr. In welchen Raum kommt die Orgel? Wie groß soll sie sein, also wieviele Register? Wer bezahlt sie? Wieviel Geld steht insgesamt zur Verfügung? Heute sind 50 Register schon groß. Ein Register kostet ca. zwischen 13.000 und 17.000 €. Was für ein Spieltisch? Radialpedal oder nicht? Ich mag es lieber, wenn das Pedal nicht versetzt ist. Ich finde das unnötig. Wenn die Orgel Raum und Platz hat, nicht nur für die Pfeifen, sondern vor allem für die Spielenden vorne für Hände und Füße. Nichts darf eng und sperrig sein. Viel Umfang. Neue Klänge. Erst zum Schluss geht es um Pfeifen, Winddruck und Intonation. Diese drei Dinge aber sind das Kernstück der Orgel. Lebendiger Wind oder nicht, Keilbalg oder nicht? Welche Klänge? Was ist realistisch? Was ist keine gute Idee? Alle Werke sollten gut miteinander korrespondieren. Nicht einfach von berühmten Orgeln zusammenkopieren und zusammenstückeln. Jede Orgel hat ihr eigenes Gesicht.

Ich habe eine Traumorgel im Kopf. Sie muss nur noch realistisch werden. Es braucht Visionäre, Erfahrene, Bodenständige, Weise. Eben ein Team. Ich habe die Vision. “Hast du nicht erst mal versagt mit deinem Traum, also bist du nicht zunächst gescheitert, war dein Traum, deine Vision nicht groß genug.” So sagen weise Worte. Man darf und soll und muss aus Fehlern lernen! 

Die Werkstatt ist in viele Teilwerkstätten unterteilt. In einer werden die Pfeifen hergestellt. Sie sind mit das Herz der Firma. Die Pfeifen in allen möglichen Größen bis hin zu offenen 32-Füßen werden nicht irgendwo in Rumänien oder anderswo bestellt, also keine zusammengestückelten Orgeln, sondern selbst gegossen, geschnitten und angefertigt, vorintoniert. Ich habe eine Hausorgel gesehen, Orgeln, die gerade restauriert werden, Beckerath opus 1 (mittlerweile gibt es opus 500) für die Elisabethkirche neben dem katholischen Dom Hamburgs (Marienkirche), die drei neue Werke bekommen soll, von 14 Register auf 45 aufgestockt, Truhenorgeln usw. Und viele, viele Pfeifen.

Es hängen auch Gemälde mit Brahms, da Johannes Brahms mit Beckerath befreundet war. Die Firma gibt es also schon sehr lang. Brahms, wie er pfeiferauchend mit Bart am Flügel hängt – ein völlig anderer als der Charmeur aus dem Film Geliebte Clara – ja, diesen Bart-Brahms habe ich auch zuhause als Postkarte, schon als Kind. Das Original befindet sich im Besitz des Hauses Beckeraths. Leider hat Brahms wenig für die Orgel komponiert. Und am Klavier auch ganz anders, viel intensiver. Ganz im Gegenteil zu Bach. Seine Orgelwerke empfinde ich als die Krönung seines Schaffens. Diese Erkenntnis hat mich zur Orgel geführt! 

Ich habe schon einige schöne Beckeraths gespielt, in Würzburg, Wetzlar, Saarbrücken, Frankfurt am Main… Und bald in Heessen. Sehr unterschiedliche, alte und neuere. Und es werden viele neue gebaut, zum Beispiel auch ins Ausland, besonders USA. Auf dem Tisch lag das brandneue, weiße Buch Die Orgeln Hamburgs.

Ich wurde von Dammtor abgeholt, weil gerade ohnehin eine geliehene Truhenorgel (um die 40.000 €) zurück nach Wandsbek geliefert werden sollte. So eine Truhenorgel hätte ich auch gern. 

Ja, die Welt der Orgeln ist wohl bedroht. Beispielsweise war die Elbphilharmonie-Orgel ursprünglich nicht geplant gewesen, wurde nachträglich durch einen einzigen Privatspender eingebaut. Sonst gäbe es keine Orgel dort. Viele Kirchen in Hamburg und Umgebung sind vom Schließen bedroht. Und die Orgeln? Sollen als Gebrauchtorgeln verscherbelt werden. In den Osten. Ins Ausland. Das geht doch nicht. Es gibt einen riesigen Gebrauchtorgel-Markt. Es wundert mich, dass die Kirchen dennoch sperrig, unfreundlich und konservativ bleiben, anstatt aufzuwachen und die jungen Leute in die Kirche zu holen, damit sie nicht dicht machen müssen. Stattdessen gibt es oft Streit, Lästereien, Regeln und Verbote, viele schlecht bezahlte, neidische Kirchenmusiker, die dann auch noch die letzten willigen Musiker vergraulen, und gut bezahlte Pfarrer, die von Musik keine Ahnung haben.

Aber ohne Kirchen und Kirchenmusiker sind die Orgelbaufirmen existenziell bedroht. Konzertorgeln werden viel zu selten in Auftrag gegeben. Die Orgel ist nicht abgekoppelt von der Kirche. In den USA sieht es da anders aus. Ich hoffe, Deutschland wird wieder ein christliches Land. Die vielen Orgel-Fans und Orgelfreaks bringen nicht das Geld und die Aufträge für die Orgelbauer. Was weiter hier noch wichtig ist: Neue Kompositionen für die Orgel! 

Das Team ist jedenfalls sehr nett, ich wurde anschließend in die Kreuzkirche Wandsbek gefahren und habe dort an der Kemper-Beckerath-Orgel Mozart und Bach geübt. Sie ist neu restauriert; drei Manuale, schöne Zungen. Die Firma Kemper aus Lübeck gibt es leider nicht mehr, wie so viele Firmen nicht mehr. 

Ich habe gefragt, warum bei großen aufwendigen Restaurationen die neue Orgelfirma nicht angeschlagen steht. “Das macht man nicht.” Das finde ich demütig. Geübt habe ich am Ende des Tages auch in Altona St. Petri an der Schuke-Orgel. Dafür mussten wir quer von Wandsbek nach Altona fahren. Durch Hamburg durchfahren dauert mit dem Auto manchmal eine Stunde.

Es gibt in der Hauptkirche St. Petri eine große Beckerath-Schuke-Orgel, d.h. Schuke hat sie verändert, erweitert. Es gibt viele solcher “Misch-Orgeln”. 

Ich habe oft das Gefühl, dass sich Orgeln freuen, wenn man kommt. Orgeln sollten immer viel gespielt werden. Es ist ja sogar schlecht für ein Auto, wenn es nur herumsteht.

Nun, die Traktur lächelt, wenn eine Frau spielt. 

Haerpfer-Orgel im französischen Forbach Saint Remi

Das Innen wird unaufhörlich zum Außen (James Allen)

Alles, was wird, muss organisch wachsen, kann nicht einfach “eingeführt” werden. Vor allem das Gute. Ich suche nach dem Blick. Das Sehen und Hören ist Sein und Tun.

Anbei neue Texte hier auf meiner Seite Autorin.

Die Kommunikation in der Literaturwelt hat völlig andere (ungeschriebene) Gesetzmäßigkeiten als die Welt der “Klassik”. Es ist nicht leicht, hier zu jonglieren und sich den unterschiedlichen Sprachen und Gepflogenheiten der Kunstrichtungen anzupassen, vor allem, wenn sie konträr gehen.

Meine Webseite hilft mir dennoch, mein Leben zu bündeln und ist mein wichtigster Terminkalender.

Der französische Film Johann Sebastian Bach baut seinen Plot auf allen nur erdenklichen Legenden über J.S. auf, und nicht nur das: Die Legenden werden ausgeweitet, ausgeweidet hin zu reinen Erfindungen. Trotzdem ist er schön gefilmt mit schönen Menschen; und es macht Spaß, Bach französisch sprechen zu hören und wie er dabei Arnstadt, Pachelbel und andere Wörter ausspricht, französisch natürlich. Da ist Buxtehudes Tochter in Lübeck, die ihn im Nachthemd verführt, und wilde Streitereien in Arnstadt (wo ich bald sein werde)… und natürlich zuvor der große Bruder, dem den ganzen Tag nichts anderes einfällt, als den Schlüssel zu verstecken, so dass der junge Bach mit großen blauen Augen im Mondenschein schreiben muss und krank wird…

Trotz all dem Kitsch wird deutlich und leuchtet hervor, dass Bach ehrgeizig, zielsicher, revolutionär war, wenn auch nur ein Fünkchen Wahrheit in den Legenden steckt, keineswegs der brave, langweilige, konservative Mann, der “nur in seiner Musik revolutionär” war – nein, er verärgerte eindeutig Leute, sorgte für Unruhe, hatte ständig Konflikte, nichts war ihm gut genug, er legte sich an, blieb nirgends lange, widersetzte sich, machte, was er wollte, entschied sich ungewöhnlich und war auf der Suche.

Wie auch immer J.S. Bach dargestellt wird – so nüchtern wie möglich oder mit ausgeweiteten Legenden – , er ist und bleibt mir ungeheuer sympathisch. Und zwar vor allem auch als Mensch. Seine Musik sowieso. Und sie ist voll mit Leidenschaft und Willensstärke.

Niemals könnte ein langweiliger, konservativer Mensch so schreiben! Seine Musik trieft geradezu vor Schönheit, Sehnsucht und Leidenschaft. Und zwar triefen im absolut positivsten Sinne. Ich mag Menschen mit Willensstärke. Ich freue mich auf Dornheim, Mühlhausen, Köthen, all die Orte, in denen er gearbeitet hat, getauft oder verheiratet wurde. All die Orgeln. Bachs Leben war alles andere als langweilig. Sein Leben war sehr, sehr intensiv. Der Film bringt nicht das Wichtigste herüber: Seine Liebe zu Gott.

Empfehlen kann ich das kleine Buch Eine kleine Lady über Harriet Beecher Stowe (Onkel Toms Hütte) von Dorothee Dziewas – es ist schon hilfreich, zumindest einen kleinen Geschmack auf das wohl gewesene Private großer, verstorbener Autorinnen zu erhaschen, eine Art Vorgeschmack für die Vorstellungskraft. Zur Zeit Harriets durften Frauen noch nicht studieren, das ist unvorstellbar. Was für eine Welt, in der wir leben.

3. Februar 2020

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Die Musik wurde nicht nur als Pflanzstätte nationaler Gesinnung, sondern auch als Kunst für sich eine Macht im deutschen Volksleben, die bewies, dass dieses unser Volk musikalisch begabt ist und musikalisch empfindet. (Theobald Ziegler, 1846)

So etwas wäre heutzutage nicht möglich zu sagen. Nationale Gesinnung ist in Deutschland etwas sehr Schlechtes geworden.

Sehr empfehlen kann ich den französischen Film Das Konzert, wenn er auch eher ein Märchen ist. Aber: Moralisch. Witzig. Sehr berührend. Es handelt im Grunde darum, seiner Berufung und seinen Menschen treu zu bleiben. Egal, was passiert. Am besten ist: 1:22:10-05 (also im Grunde die zwanzig Sekunden hier).

Mein Tipp für heute: “Verhandeln ist wie Fahrradfahren. So etwas verlernt man nie”. Selbst Beethoven war ein Businessmann. Also: Kapriziös sein.

Verliebt habe ich mich in Bach BWV 688.

Ich finde es schön, durch die Orgel all die Komponisten vor Bach intensiv kennenzulernen: Sweelinck, Froberger, Muffat, alles inspirierende, wichtige Musik mit eigener Tonsprache.

Nicht empfehlen kann ich den Film Mahler von Ken Russell, denn mir kommt der Film zu abstrus vor. Ich glaube, der arme Mahler sollte hier einen Touch von John Lennon bekommen, verheiratet mit Agneta oder Frida von ABBA. Bedenklich finde ich auch den Film Händel. “Es gibt in Händels Leben keine Bett- und Klatschgeschichten und er war nicht verheiratet, was hatte er also zu verbergen?” Was ist das für eine Schlussfolgerung? Händel ist zwar niemand, den ich besonders bewundern würde, ich vermisse die Tiefe und Spiritualität in seiner Musik, wie ich bei Bach vorfinde, zudem hat er verpasst, Bach zu begegnen… aber ob er nun homosexuell war oder nicht, spielt für mich keine Rolle. Wie kann man da auf “Spurensuche” gehen, wie sein Sexleben war? Bewundernswert finde ich, dass er ein Kämpfer war, und dass er als Lutheraner nicht aus Erfolgsgründen katholisch wurde und nicht Lakai, sondern frei. Er war wohl “fame-geil”, wie manche sagen würden, aber er hatte auch seine Talente, vornehmes Leben anzuziehen. Seine Gönner wurden jedoch manchmal seine Gegner.

Seltsam finde ich viele Semi-Professionelle: Auf der einen Seite hatten sie nie den Mumm, Musik zu studieren, geschweige denn, davon zu leben. Sie haben irgendwo einen “sicheren Job”, beispielsweise als Steuerberater. Und am WE spielen oder singen sie umsonst! Und brüsten sich noch damit. Sie haben gar kein Herz für professionelle Musiker.

2. Februar 2020

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Die Musik ist eine schöne, herrliche Gabe Gottes und ein Vorbild und Gleichnis der himmlischen Musik. (Michael Praetorius)

Wenn ich meine Wäsche in der Nähe meines Flügels zum Trocknen aufhänge, steigt die Luftfeuchtigkeit auf fast 60 Prozent. Das ist gut für die Instrumente.

Für mich ist es schwierig, wenn ein atheistischer Geist weht, wo man Musik macht, wo Blasphemie und Spott erklingen. Dies ermüdet mich. “Ist die Musik nur Spiel und Scherz, bewegt sie nicht zum Guten unser böses Herz” (Johann Gleim).

Der alte, französische Film Der Glöckner von Notre Dame (ArtHaus), Roman von Victor Hugo, ist einfach super, eine Mischung aus Theaterstück, Musikstück, Film, beinahe Oper und Musical, ein politisches, symbolische Schauspiel mit Weisheit und Liebesgeschichte – die Befreiung der Zigeuner; die Kirche, die Zuflucht gibt; die Glocken, die eine wichtige Rolle spielen; der Böse in der Kirche, der Gute außerhalb der Kirche, die Hässlichkeit, die Liebe zeigt und schön ist (wird), ein Pamphlet der Armen, das neue Gesetze durchsetzt, und eine Frau, die erst später erkennt, wen sie wirklich liebt. Dazu die Bosheit der Menschen, die Gier der Männer, und inmitten eine Frau mit Herz.

Es gibt so viele musikalische Themen, die auf “Behandlung” warten, daher möchte ich mehr komponieren.

1. Februar 2020

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Musik ist Gebet

Das Klavier besitzt sehr viele Register, vor allem bei Brahms.

Als Solistin stelle ich mir vor, wie ein tänzerisches Band im und über dem Orchester zu schweben. Aber das geht nicht, wenn das Orchester zu wenig elastisch, zu langsam, zu starr ist. Dann fängt es nicht auf.

Seltsam: Ist man in einem System, und erst recht, wenn man sehr gut in einem System (eingebettet) ist, wird das, was man tut, als sehr gut angesehen. Ist ein Mensch (auch der gleiche) (plötzlich) ausserhalb eines Systems, kann dieselbe und viel bessere Leistung als schlecht angesehen werden. Das heißt, das System herrscht, wird Gott. Und es ist willkürlich. Für große Kunst darf man nicht von einem System beherrscht werden. Brahms sagte: Lieber einsam, aber frei sein. 

Sehr, sehr empfehlen kann ich heute den Film Félicité. Sehr berührend mit einer sagenhaften Véro Tshanda Beya: Eine schwarze Frau, eine Musikerin, die um ihren Sohn kämpft. Eine Löwin.

Interessant waren auch die Filme Klang der Stille (nur als Idee, nicht als Realität, wenn man zudem die vielen Klischees über Beethoven weglässt), Hitlerkantate (zu plakativ, wahrscheinlich als Mittel gegen aufkommende Langeweile) und Geliebte Clara (wenn auch sehr freizügig im Gedankengang über Brahms und Clara). Robert wird als medikamentenabhängiger, brutaler, egoistischer Alkoholiker dargestellt, der dann teuren Pfuschern in die Hände fällt. Was wirklich aber interessant ist: Brahms liebt eine ältere Frau (es ist mal umgekehrt, und nicht wie heute, wo die Männer 15 -25 Jahre jüngere Ehefrauen haben), und tatsächlich, die begabte Clara war mit den Kindern abhängig von Roberts Gehalt und musste gute Miene zum bösen Spiel machen. Wie es wohl wirklich gewesen ist? Ich erinnere mich an das Schumann-Haus in Leipzig, die Schumannkonzerte, Zwickau, unsere Notentour mit dem Fahrrad durch “seinen” Park zu seinen Orten und Kirchen… Ob Brahms wirklich so ein Charmeur war? Anhand seiner Musik könnte ich es fast glauben. Das Intensive an diesen Musikerfilmen ist für mich, dass die Grundatmosphäre und die Musikerhaushalte für mich so bekannt sind und mich immer an meine Kindheit erinnern. Heute Trio-Sonate und Reger geübt, wenn ich auch ein wenig kränklich war. 

31. Januar 2020

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Es liegt im Lied ein wenig Klang, ein wenig Wohllaut und Gesang und eine ganze Seele. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Ich freue mich sehr, dass nach langer Abstinenz aufgrund von Tauben die wilden Kohlmeisen zu ihrer Futterstelle auf dem Balkon zurückgekehrt sind. Leider sind die Kohlmeisen bei weitem nicht so schlau wie die Tauben. Ich musste schon tüfteln, um die Tauben fern zu halten. Oder besser: Die Kohlmeisen sind vielleicht nicht dumm, aber schüchtern und zurückhaltend und sehr unschuldig. Sie melden sich immer mit Gesang an, sitzen auf meinem Trampolin und schauen ins Zimmer. Wenn ich eine neue Futterstelle anlege, brauchen sie eine Weile, sie zu finden. Die Tauben aber brauchen nicht mal eine Millisekunde. Sie melden sich nicht mit Gesang an, sondern mit Lärm, weil sie aggressiv irgendwas vom Tisch gefegt haben.

Ich habe festgestellt, dass die Orgel eher ein Alt ist und man mit dem Baßschlüssel sehr befreundet sein muss. Ich würde deswegen nicht sagen, dass die Orgel männlich ist (der Flügel ist für mich sehr feminin, der Fokus liegt hier auf dem brillanten Sopran), aber da Pedal und linke Hand und damit eindeutig Tenorlagen nun mal das Fundament sind, stelle mir vor, dass ich an der Orgel meine tiefen, ruhigen Stimmlagen und die Bruststimme trainiere.

Es kostete natürlich viel mehr Demut, mich zu unterrichten. An der Orgel war ich von Anfang an eine externe Exotin. Ich erinnere mich an den Anfang, an meine C-Prüfung, wieviel Misstrauen mir entgegengebracht wurde: Warum will eine Konzert-Pianistin noch Orgel lernen? Oder besser: “Mal eben” noch Konzert-Organistin werden? Was die langjährigen Kirchenmusiker ja schon oft nicht sind? Es ist klar, dass umgekehrt dieselben Organisten, die mich unterrichteten, nie quereinsteigend Konzert-Pianisten hätte werden können. Ich glaube, die meisten Musiker möchten sehr gern noch ein zweites Instrument professionell erlernen und können. Das liegt so in uns. Die wenigstens schaffen es. Allein zeitlich. Warum sollte man mir dies gönnen? Und dann noch mir als Frau in der konservativen Orgelwelt? Ohne meine mir typische Leidenschaft wäre ich geflüchtet, da ich wirklich nicht willkommen war, sogar beschimpft wurde.  Aber ist die Orgel nicht ein Instrument der Liebe in einer Kirche? Ein Verkündigungsinstrument? Je mehr sie nicht wollten, dass ich es schaffe, desto mehr wußte ich, ich soll und werde es schaffen. Beide Instrumente.

In einem künstlerischen Haus sollte nicht Leistung auf Knopfdruck auf dem Fließband abgeliefert werden, da sonst immer der selbe Stil interpretiert wird (für neue Interpretationen oder Tempi gibt es gar keine Probenzeit mit und für das Orchester), das Standard-Programm der immer gleichen Leute. Sondern Neues. Aber Orchester sind meist schon recht eingefahren.

Es ist seltsam, wenn gewisse Feste veranstaltet werden, Beethoven-Fest, Mozart-Fest, und dabei würden diese Häuser die jeweiligen Komponisten, die sie feiern, würden sie noch leben, also im realen Leben verachten und über sie lästern, da sie mit echten Künstlern nicht umgehen können, bestenfalls mit Handwerkern. Oder mit denen, die auf Knopfdruck abliefern können. Diese Feste werden also oft zum Zweck der Selbsterhaltung durchgeführt. Die Musik wird missbraucht. Sind dies dann noch künstlerische Häuser?

Was mir auffällt:  Menschen tun Böses und sind sich dessen nicht bewusst sind, wie böse sie sind. Für sie ist ihr Verhalten normal. Sie müssten es wissen und wissen es nicht (mehr).

Inwiefern können musikalische Menschen böse sein? Leider, sie können.

Künstlerische auch. Sind künstlerische Menschen eigentlich immer auch musikalisch?