2026 New CD: Bach berühren: Goldberg Variationen auf der Orgel, Ambiente Audio: Erste CD einer Konzert-Organistin mit dieser Klavier-Transkription auf Orgel
2025 CD BIBLISCHE BILDER, Ambiente Audio. Neue Orgelklänge: Erste CD einer Konzert-Organistin mit ausschließlich eigenen Werken
Liebst Du Musik? Dann bist Du hier richtig im Mitternachts-Blog und Tourblog 2009-2026! Begleite mich live auf meinem musikalischen Weg und hinter die Kulissen der Klassik und Kirchenmusik als Frau in einer Männerwelt.
Gebete. Sehnsuchtsort Orgel. Unterwegs. Sein.
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Viele Instrumente und Dispositionen hier zum ersten Mal im Netz.
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Ich freue mich auf mein Konzert heute in Werdau Zwickau in der ev. Marienkirche und bin unterwegs zu ihrer grossen Jehmlich-Orgel in Sachsen im alten schönen Trampeli-Prospekt.
Viele Kirchenmusiker wollen prompt eine andere neue Orgel haben, sobald sie irgendwo eine Stelle antreten. Da frage ich mich, warum sie die Stelle überhaupt angetreten sind, wenn ihnen die Orgel nicht gepasst hat. Dann haben sie wahrscheinlich nicht zur Orgel gepasst. Warum soll die Orgel weichen und nicht sie?
Eine Orgel sehr gut rekonstruieren zu lassen, schaffen allerdings die wenigstens. Das liegt u.a. an der jetzigen Mentalität zum Orgelbau. Vieles ist Business, Show, Name, Geld und Bamborium. Laut und groß. Oder kann man sich vorstellen, dass Klais wieder solche Orgeln baut wie in Olpe?
Es war sehr schön, hier in Hirschhorn zu spielen. Mein Konzert gestern hat viel Spaß gemacht. Die Kirche war schön kühl in der heißen Sonne und die Orgel spielte sich leichtgängig und tänzerisch, meine Sehnsuchtsort Orgel FLÖTENUHREN.
Von unten sieht die Orgel klein, schlicht und grün aus. Aber oben erkennt man erst ihre Schönheit. Das typische schwarz-glänzende Sauer-Schild mit Opus-Zahl. Das hübsche Pedal. Die außergewöhnlich warmen Klänge:
Kleine historische romantische Sauer Orgel ev. Kirche Hirschhorn am Neckar, Odenwald, Hessen, 1 M, 9 R
Es ist die kleinste historisch romantische Sauer Orgel, völlig original erhalten, der Welt! Sie wird von F&N betreut.
Das malerische kleine Hirschhorn am Neckar ist seit 1802 hessisch und hat ca. 3000 EW.
Die Landschaft im Odenwald-Neckartal ist wunderschön. Die neugotische schlichte Kirche mit Turm liegt malerisch am Neckar, rot und schlank. Hinten steht eine große gesunde Eiche, eine Kaiser-Eiche. Dadurch, dass die Kirche so nah am Fluss steht, gab es schon Hochwasser-Schäden bis zur Kanzel. Die Hirschhörner müssen entweder am Wasser oder am Hang bauen.
Historische spätromantische Sauer-Orgeln gehören zu meinen Lieblingsorgeln. Ich habe schon über 25 Sauer-Orgeln gespielt. Diese ist die kleinste und süßeste Sauer-Orgel, fast original erhalten, unverbaut, 1950 etwas umgebaut, jedoch 1992 von Schuke Berlin perfekt rekonstruiert. Sie ist sehr gut erhalten, grün, süffig im Klang, eine Augenweide. Schuke betreut sie aber nicht mehr.
Sie ist raumfüllend im Klang und hat pneumatische Power.
Die Disposition ist zum ersten Mal im Netz.
Die Klänge sind warm, auch ohne Zungen süffig, sogar die Mixtur Prog. harm ist mild. Hier ist der einzige Zweifuß drin. Kein Schweller, keine Koppeln, keine Spielhilfen außer Tutti. Jedoch nicht nötig. Besonders die feine Aeoline als Streicher gefällt mir. Sie ist eine Art Schwebung zur Hohlflöte und ersetzt den Schweller. Das einzige, was man vermissen könnte, wäre ein 16 Fuß im Manual.
29. Mai 2026: Wie wenn das Vitamin der Sonne meine Haut trifft, so trifft das Gedicht meinen hungrigen Intellekt, und die Zeit bleibt kurz stehen, sei es im Zug oder daheim, und ich atme wieder und denke und fühle.
Foto: Neue Eisenbarth Orgel 2024 Drolshagen St. Clemens Kirche Basilika 2026
Ich bin unterwegs zum nächsten Konzert an die Sauer-Orgel in Hirschhorn am Neckar in beautiful Hessen. Und lese manessische Handschrift und Aphorismen von Marie von Ebner-Eschenbach. Und Emily Dickinson.
New:
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28. Mai 2026: Schau herm, wie langaus meine Arme reichen. (Droste-Hülshoff)
Foto: Klais Orgel Olpe katholisch St. Martin Kirche 2026
Heute erinnere ich an die wunderbare Fotografin und Reporterin Gisele Freund, 1908, Gisela Freund, die alles für ihre Berufung gab. Die Interviews und ihre Stimme sind spannend. Die einzige Frau in einer massiven Männer-Branche, in einer noch schwierigeren Generation in manchen Dingen als heute (in anderen nicht). Männer können in ihrer Berufung alles weitere zusätzlich haben. Frauen müssen oft alles für ihre Berufung geben. Und sie haben meist doppelt so viel Arbeit.
Und ich habe dagegen viele Kleist-Briefe gelesen und bin erstaunt, wie kindisch und narzisstisch diese klingen. – Am liebsten lese ich Gedichte. Momentan von Droste, Nicolas Born und Bertold Brecht. Brecht ist sehr gut in Wort und Ausdruck, so dass ich Gänsehaus bekomme und tief beeindruckt bin. Jedoch ist seine ganze Art recht gottlos. Manchmal denke ich, dass die große Kunst vielleicht nur gottlos funktioniert? Denn viele Christen machen keine gute Kunst – wenn man die „christliche“ Musik- und Literaturwelt betrachtet, denkt frau, oh nein, wie arm, wie wenig begabt, wie oberflächlich, wie dürftig.
Dann allerdings denke ich an Johann Sebastian Bach und bin ermutigt und erleichtert. Doch wie kann es sein, dass diese dunkle, gottlose Kunst oft solch eine große, begabte ist? Vielleicht liegt es daran, dass diese Menschen suchen und intensiv suchen, hungern danach, sich auszudrücken, sich selbst zu finden, während ein Mensch, der Gott gefunden ist, alles stehen und liegen lässt und völlig befriedigt ist in dem, was sie oder er gefunden hat in Gott? Denn Kunst, Musik, Selbstfindung und Karriere werden völlig zweitrangig, wenn man dem größten Künstler real begegnet ist.
Ich kenne irgendwie beides. Und Bach vielleicht auch?
Warum Gedichte? Sie lassen so viel Spielraum, selbst zu erkennen, zu fühlen, zu sehen, zu wissen. Sie sind ein Korsett, und ich, beim Lesen, erwecke sie zum Leben, mit meinem eigenen Leben und Wissen.
Wie wenn das Vitamin der Sonne meine Haut trifft, so trifft das Gedicht meinen hungrigen Intellekt, und die Zeit bleibt kurz stehen, sei es im Zug oder daheim, und ich atme wieder und denke und fühle.
Das war schon als Kind so.
Neue Eisenbarth Orgel neu St. Clemens Kirche Basilika Drolshagen Sauerland, NRW, neues Kirchenschiff, 3 M, Setzeranlage, RP, 32 R
Es ist meine 8. Eisenbarth Orgel. Nebenan im schönen alten Kirchenschiff steht die romantisch-klassische Eisenbarth / Johann Heinrich Kleine Orgel von 2018 im historischen Kleine-Gehäuse 1787 opus 387 auf der Nonnenempore, die sogenannte Basilika-Orgel.
Anhand dieser neuen Kirche und der beiden neuen Orgeln ist das reiche Bistum Paderborn zu bemerken. Alles ist sehr gepflegt und geschmackvoll.
Die neue Eisenbarth Orgel mit elektrischen Schleifladen in der südlichen Erweiterung ist edel, elegant, schlicht, in Silber und Blau, in Himmel getaucht. Leider ging Orgelbau Eisenbarth über diesem Auftrag bankrott. Daher ist das wertvolle Instrument leider noch nicht bis ins letzte Detail fertig (2026). Es fehlt noch einiges, auch weil Fa. Laukhuff Orgelteile ebenfalls insolvent ging.
Es sind also zwei Orgel-Neubauten, zwei Basilika-Orgeln.
Der Orgel-Neubau nebenan im alten Schiff der romanischen weißen Basilika steht im historischen oliv-grünen Barock-Gehäuse von 1787 von Gebrüder Kleine und besitzt Schleifladen. Das alte Gehäuse ist eine Augenweide. Die schlichte uralte Kirche auch. Das blühende grüne südliche Sauerland beim Biggesee ist ein Traum.
Der Neubau in der neuen Kirche ist ebenfalls eine Augenweide. Früher stand hier in der neuen Erweiterung eine schöne große Orgel von Paderborner Orgelbau von 1981, Fa. Paderborner Orgelbau Miklis & Breimhorst. Das frühere Rückpositiv wurde in die neue Orgel integriert. Die Orgel hebt sich gegen die braune Decke ab. Hier werden Fotos aus beiden Kirchteilen gezeigt:
Foto: Eisenbarth (Passau) / Johann Heinrich Kleine & Söhne Orgel 2018 / 1787 op. 387 kath. Basilika Drolshagen bei Olpe Südsauerland
Heute erinnere ich an Ariatani Wolff.
Neue mechanische Eisenbarth / Kleine Orgel alt St. Clemens Kirche Drolshagen Sauerland NRW, altes kleines Kirchenschiff, 2 M, 30 R
Der Neubau Basilika-Orgel steht im historischen oliv-grünen Barock-Gehäuse von 1787 Gebr. Kleine und besitzt mechanische Schleifladen. Das alte Gehäuse auf der Nonnenempore ist eine Augenweide. Die schlichte uralte Kirche auch, eine romanische Basilika. Das blühende grüne südliche Sauerland beim Biggesee ist ein Traum.
Es ist meine 8. Eisenbarth Orgel. Nebenan im schönen neuen Kirchenschiff steht die nagelneue Eisenbarth Orgel von 2024, noch nicht ganz fertig im letzten teuren Detail. Anhand der neuen Kirche und dieser beiden neuen Orgeln ist das reiche Bistum Paderborn zu bemerken. Alles ist sehr gepflegt und geschmackvoll.
Durch wunderschöne, beinahe verborgene Türen kommt man auf die Südseite der Kirche in die überraschende neue Kirche, edel und 2021 neu renoviert, mit einer hohen braunen Holzdecke.
Hier befindet sich das neue Altarbild von Pfingsten 2021 von Thomas Jessen, vor dem ich Pfingsten 2026 staunend davor stand. Mit einer eleganten Wendeltreppe kommt man dort hoch zur großen, blau-silbernen Orgel mit RP. Die Türen sind innen blau und innen in der Basilika weiß:
26. Mai 2026: Wo sind Büsche, Wiesen, Blumen, Insekten, Vögel?
Foto: Klais Orgel Olpe St. Martinus Kirche 2026
Es war sehr schön, hier im Südsauerland zu spielen. Nach meinem Konzert in Olpe fuhren wir zu diesem Schmuckstück in Wenden und nach Drolshagen.
Das südliche Sauerland ist eine wunderbare Gegend, besonders um den großen Biggesee herum bei Olpe und Attendorn. Das blühende südliche Sauerland ist ein Urlaubsgebiet und grenzt an das große Siegerland. Im Gegensatz zu anderen Städten in NRW wie z.B. Hagen, Köln und Mönchengladbach ist das Sauerland gepflegt, sauber und einladend.
Der Triumphbogen in Wenden St. Severinus mit Musikinstrumenten, dem sogenannten „Wendener Orchester“, und lobenden lateinischen Bibelstellen und der Schutzengel sind von 1752. Die weiße Kanzel ist von 1752. Die schmucke Dorfkirche ist eine Barockkirche. Die Vorgängerkirche stammt von 1350. Die hängende Madonna ist von 1757, die Muttergottes von 1516, die Madonna im Marienaltar von 1670 und der Hochaltar, optisch passend zur Orgel, und auch der Kreuzaltar von 1618. Die 12 Apostel und Jesus von 1670 stehen auf der Orgelempore als „Stifterfiguren“. Schön sind auch die Tafelbilder, die 4 Glocken und der Taufstein. Die Kapelle Dörnschlade gehört zur Kirche.
Die Akustik ist eher trocken. Die Klais Breil Orgel klingt stabil und gesund. Einen Schweller gibt es leider nicht.
Die jetzige Orgel hier in Wenden geht auf einen Neubau von der Familie Franz Breil (Dorsten) 1975 / 1976 zurück. Dabei stammen bis auf Mixtur und Trompete im Hauptwerk und die Terz im Schwellwerk alle Register aus der Vorgängerorgel; einige gedeckte Pfeifen im Hauptwerk stammen sogar noch von 1755 von Boos, sogar von 1718:
Aber was ich in Drolshagen sah … das erzähle ich morgen …
Foto: Boos Breil Klais Orgel St. Severinus Kirche Wenden 2026
Die Akustik in Olpe gefällt mir gut, da der starke Nachhall bei voller Kirche abgemildert wird. Ich habe sehr nonlegato gespielt, damit alles klar und hörbar ist. Ich nutzte die vielen Zungen und auch die fragilen, grazilen Klänge.
Ich spielte Sehnsuchtsort Orgel mit FLÖTENUHREN und Scheidemanns Pfingst-Choräle. Und bekam original „Olper Butter-Brezel“. Anschließend fuhren wir nach Wenden beim schönen Biggesee: Die Orgel dort ist von Alt in Neu getaucht:
Boos Breil Klais Orgel kath. St. Severinus Kirche Wenden bei Olpe, sweet Südsauerland, NRW, 2 M, 26 R, 1872 Pfeifen, Zimbelstern, Setzeranlage
Das prachtvolle weiße Barockgehäuse erinnert mich an die Merseburger Dom-Orgel. Dies ist optisch die kleine Schwester. Darin befindet sich eine große neue Orgel.
Die reich geschmückte alte Kirche mit samtig trockener Akustik gehört zum reichen Bistum Paderborn. Der Zimbelstern ist verborgen links hinter den Schleierbrettern; da man das historische Gehäuse nicht frontal verändern wollte. Die Orgel wird von Klais betreut.
Die neue Schleifladen-Orgel von Franz Breil (Dorsten) von 1976, von Orgelbau Klais (Bonn) 2023 erneuert, im Gehäuse der Barock-Orgel von BartholomäusBoos (Koblenz) von 1755, ist eine Augenweide. Das schöne und in der Sauerländer Orgellandschaft besondere Gehäuse schuf der Ottfinger Schreiner FerdinandStracke vom Nachbarort.
Obwohl das Instrument mechanisch ist, besitzt es einen frei stehenden Spieltisch. Früher gab es einen Spieltisch direkt am Instrument. Man sieht noch die Abdrücke der Registerzüge. Nun hat es einen frei stehenden modernen Spieltisch, da die Empore auch für Chöre genutzt wird. Die mechanischen Trakturen verlaufen verborgen unter dem Boden.
Das Brustwerk befindet sich im verborgenen Untergehäuse mit Gitterwerk. Auf Höhe des Pfeifenprospekts steht die Hauptwerkslade, dahinter das Pedalwerk.
Klais generalsanierte für ca. 200.000 € die Breil-Orgel: Reinigung, Schimmelsanierung, Erneuerung der Elektrik und Generalüberholung, Bau eines neuen Spieltischs; moderne Setzeranlage: Zimbelstern; und die Aluminiumtraktur, die sich verzog, sich ausgedehnt hatte und wieder zusammenzog, wurde durch eine stabile Holz-Abstrakten-Traktur ersetzt; Nasat und Oboe kamen frisch hinzu.
Denn die Breil-Orgel war in keiner guten Verfassung mehr gewesen. Leider ist die Orgelbaufirma Breil bankrott gegangen. Ich habe einige schöne gespielt.
Vorgänger-Orgeln:
Es gab bereits im 17. Jahrhundert eine Orgel hier, die 1683 auf Veranlassung von Pfarrer Antonius Greven erneuert und erweitert wurde. Doch 1714 wurden Kirche und Orgel im Dorfbrand leider zerstört.
1718 wurde die Kirche wiederhergestellt. Es gab auch eine Orgel von 1718. Sie hatte 11 Register.
Aber 1754 schloss die Kirchengemeinde mit dem hoch betagten Orgelmacher Bartholomäus Boos (82 Jahre alt damals) aus Koblenz den Vertrag zum Bau einer neuen Orgel mit 27 Registern ab, worin Teile der alten Orgel darin wiederverwendet wurden.
Leider starb der alte wunderbare Orgelbauer bei der geliebten Arbeit, da er von der Leiter stürzte. Wenden hat ihm das Leben gekostet. Er wurde unter der Orgel-Empore begraben. Das ist sehr berührend! Wenn auch schlimm.
Unter Leitung seines Sohnes JosephAntonBoos wurde der Bau vollendet und im September 1755 fertiggestellt. Gott sei Dank!
1860–66 führte AdolphRieschick aus Brilon einen Umbau auf 31 Register durch, wobei er im Pedal eine mechanische Kegellade nach dem neuen Zeitgeist baute und die Orgel romantisierte.
Bei diesem Umbau blieben 14 Register aus der Boos-Orgel erhalten. 1903 folgte ein Neubau im alten historischen Gehäuse durch AntonFeith (Paderborn) mit 25 Registern auf pneumatischen Kegelladen, eine romantische Orgel. Es wurden 10 Register aus dem Vorgängerinstrument übernommen.
Es war also eine bewegte Geschichte. Wieviele Originale von Boos noch erhalten geblieben sind bis heute, ist unklar. So gern hätte ich die original Boos gehört.
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24. Mai 2026: Die ersten 30 Minuten übe ich an der jeweiligen Orgel langsam und barfuß, um meine Zehen wie Fühler auszustrecken.
Foto: Klais Orgel Olpe St. Martinus Konzert 2026
Mein Konzert gestern in Olpe war sehr schön. Es hat mich gefreut, dass viele Orgel-Kollegen der Gegend da waren, auch viele Menschen von außerhalb und YouTube-Fans kamen, um mich zu hören. Die ersten 30 Minuten übe ich an der jeweiligen Orgel langsam und barfuß, um meine Zehen wie Fühler auszustrecken, um das Pedal einzuschätzen und zu fühlen.
Es war spannend, innerhalb kürzester Zeit, am nächsten Tag zwei sogenannte Universalorgeln fast gleicher Größe und gleichen Alters zu spielen, mit RP, Nacktpfeife und Walze, nämlich Steinmeyer Darmstadt und Klais Olpe. Und obwohl beide zur gleichen Zeit gebaut wurden und beide Denkmal-Orgeln der „Orgelbewegung mit Romantik“ und „Kinder ihrer Zeit“ sind, so sind sie doch so unterschiedlich. Und genau das finde ich spannend!
Wenn sogar ähnliche Orgeln nicht ähnlich sind, so kann man sich vorstellen, wie ganz unterschiedlich wirklich unterschiedliche Orgeln sind. Ich vergleiche nicht, was besser ist, sondern um die Kreativität dieser lebendigen Wesen herauszustellen, wie Wale mit ihrer unterschiedlichen Haut, Gesang, Höckern und Muschel-Ablagerungen.
Was sind hier die Unterschiede? Steinmeyer Darmstadt steht in 3 Sekunden, Klais Olpe in 5-7 Sekunden Nachhall. Steinmeyer Darmstadt ist pneumatisch, mit Taschenladen (typisch Steinmeyer, seine Innovation in Deutschland), Klais Olpe elektrische Schleifladen (mit einem pneumatischen Pedal). Die frei stehenden Spieltische sind auch sehr unterschiedlich, Steinmeyer Darmstadt angenehm crazy, mit Blick auf Altar und Instrument, Klais Olpe sehr übersichtlich und rund mit Rücken zum Altar.
Zudem ist die Steinmeyer etwas symphonischer, die Klais etwas neobarocker, dafür mehr und übrigens sehr geniale Zungen, alles frisch gestimmt:
Historische Klais Orgel 1958 op. 989 kath. St. Martinus Kirche Olpe, Süd-Sauerland 3 M, 41 R, 2758 Pfeifen, elektrische Schleifladen, im Pedal pneumatische Kegeladen, Schweller, Walze, großes Rückpositiv
Das schöne große Nacktpfeifen-Instrument hier im grünen Sauerland wird von jeher von Klais betreut. Sie gehört zum reichen Bistum Paderborn. Das Schleifladen-Instrument besitzt einen runden, klar übersichtlichen, frei stehenden Spieltisch mit Blick auf die Pfeifen. Er zeigt feste Kombis, Absteller, Pedal 2, Nadeln der Walze, Pistons… Die Orgel geht sehr angenehm leichtgängig.
Die mystisch dunkle Kirche ist reich geschmückt und strahlt aus bunten Fenstern. Unter den majestätischen Gewölberippen fühlt man sich wie unter einem Zelt.
Auf der Westempore steht vor der leuchtenden Rosette die grazil wirkende Klais mit ihren historischen, aufragenden Pfeifen. Von außen wirkt die Sandstein-Kirche wie eine Basilika. Sie steht mitten in der City. Olpe ist eine sehr gepflegte kleine Kreisstadt.
Große symphonische historische Steinmeyer Orgel op. 1831 von 1959, ev. Johanneskirche Darmstadt, 3 M, 45 R, Denkmal-Orgel, elektropneumatische Taschenladen, Walze, Schweller, großes Rückpositiv
Das mächtige, wellenförmige Nacktpfeifen-Instrument steht auf der breiten Westempore in der hellen großen Kirche.
Mein Konzert gestern hier in Darmstadt war sehr schön. Ich habe alles autark gemacht, geblättert, registriert, manuell. Die Setzeranlage kommt 2028, da die Orgel bald von Orgelbau Fleiter saniert, erweitert und mit einem neuen Spieltisch versehen wird, evtl. auch unten mit einem mobilen. Ich freue mich, noch auf dem alten, rechts freistehenden weißen Denkmal-Cockpit-Spieltisch konzertiert zu haben.
Die nackten Pfeifen sind so schwer auf dem roten Sockel, dass sich dieser beinahe neigt.
Besonders gefallen mir die beiden Tremulanten, einer im SW oben und einer im Rückpositiv unten, der einem Kino-Synthesizer-Tremulant gleicht, da sehr schnell. Der im SW ist sehr langsam und zart. Jemand fragte mich nach dem Konzert, ob ich einen Synthesizer zusätzlich benutzt hätte, denn vor allem mit dem Krummhorn klingt der Tremulant wundervoll heftig.
Genial ist auch die Trompete, die ich solo zu Pfingsten in Scheidemanns „Komm, Heiliger Geist“ verwendet habe. Manche dachten, ich hätte einen realen Trompeter dabei. Der Choral klingt wunderbar nach Renaissance.
Alle Zungen waren top gestimmt von Ben und seinem Vater. Das Pedal ist intensiv bestückt. Ich ging richtig auf in der Fuge BWV 542. Mit dieser Orgel macht es Spaß, alles richtig aufzubrezeln. Allerdings schätze ich auch hier die zarten Flötenuhr-Klänge. Überall gab es singende 4- und 8-Füße.
Die Orgel hat sowohl romantische (französische) als auch neobarocke Facetten. Das ist schön bei Steinmeyer-Orgeln. Man weiß, was man bekommt. Sie haben einen stabilen Typus.
Die Bank stand auf Holzbrettern; was ich spät „registrierte“; beim Versuch, diese zu verschieben, stand die Bank kurzzeitig schief, während ich spielte. Ich hatte den Eindruck, das Pedal schien dadurch schief.
Ich wurde mit einem Beamer nach unten gebeamt. Vorher waren wir lecker beim Italiener, ich bekam danach Wein und Erdbeeren. Nun bin ich unterwegs zum nächsten Konzert in Olpe.
Ich habe schon viele Steinmeyer Orgeln gespielt, aber diese hat mir mit am besten gefallen.
Foto: Dauphin Orgel ev. Kirche Spachbrücken Hessen
Ich bin im schönen Hessen angekommen. Vor meinem Konzert in Darmstadt heute haben wir gestern eine Orgel-Tour mit 7 Orgeln gemacht. Anbei Number One:
Helle kleine Dauphin II Orgel Kirche Spachbrücken Reinheim Hessen, Odenwald, 1 M, 9 R, Altar-Orgel, Barock-Orgel
Die schöne, schlichte weiße Saalkirche ohne Turm, innen in helles Türkis mit Rosa getaucht. mit einem 3/8 Chorschluss und flacher Decke, besitzt auf drei Seiten umlaufende Emporen. Diese liegen auf runden Holzsäulen, die auf der Westseite bis zur Decke durchgehen und das Dach tragen.
Die kleine Kirche im schönen Friedhof gehört in den Landkreis Darmstadt-Dieburg Hessen / Nassau.
Die barocken Ausmalungen vorne im Chor sind bei der letzten Renovierung 1971 freigelegt worden. Die Kirche in Georgenhausen ist nach ihrem Vorbild entstanden.
Die rosagoldene kleine Orgel ist eine Altar-Orgel und reicht bis unter die Decke. Eine steile Treppe hinter der Kanzel führt zu ihr empor. Sie besitzt noch die originale Windanlage direkt nebenan, mit den historischen Rädern, dem Seilzug und der Ablage für die Füße. Der große grüne Kasten erinnert mich an ein Folterinstrument oder an einen alten Waggon mit Kohlekästen.
Nach Dispositionsänderungen 1839 wurde sie 1973 von Andreas M. Ott restauriert.
Erst im 20. Jahrhundert bekam sie einen Motor.
Die Orgel wird nun von F&N betreut. Da die Kirche eine trockene Akustik hat, klingt die kleine wertvolle Barockorgel sehr direkt.
Man merkt, dass Spachbrücken früher ein eigenständiges Dorf war, nun ein Stadtteil von Reinheim. In Reinheim und Darmstadt habe ich schon gespielt. Im wunderschönen Odenwald mit seinen Burgen fügt sich dieser malerische Ort ein. Hoch die steile Treppe hinter den Altar und man sitzt auf der engen Empore mit dem knarzenden Holz an der Orgel. Einige Register wie die Quinte und die Mixtur wurden mit Pflastern namens „schrill“ überklebt.
Das mechanische Instrument hat einen sehr schönen Gedackt 8, der Prinzipal-Ersatz, helle Aliquoten und zwei Pedal-Register. Der Klang geht direkt in die Holzkirche wie ein Schwert. Ein paar mehr 8-Füße wären schön.
Es war sehr schön, hier zu spielen. Die Orgellandschaft in Hessen ist super. Es ist meine erste Dauphin-Orgel.
Wir gingen spazieren im grünen Odenwald bei der Ruine Rodenstein und der Burg Reichenbach, Schloss Reichenberg, und man sah oben den angrenzenden Taunus, Frankfurt und sogar die Grenze zu sweet Bayern. Wir hatten die Dackelwelpin Emi dabei. Alles roch nach Mai.