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Klavier

8. September 2024: Durch Sprache kann man Politik verändern. (Sahra Wagenknecht)

Foto: Schulze Orgel Meuselbach Schwarzmühle Schwarzatal 2024

Durch atemberaubende Serpentinen geht es in Richtung Rennsteig hoch nach oben nach Meuselbach Schwarzatal. Der Klimawandel und die Hitze haben dem wunderschönen grünen Thüringer Wald sehr geschadet: Kahlschlag, kranke Bäume, lichte Stellen, Parasiten und Borkenkäfer. Ich hoffe sehr, dass  sich die Wälder und Bäume bald wieder erholen und sich neu anpassen lernen. 

Endlich kam ich mit Drop, meinem Beetle, im kleinen Dorf (ca 1300 EW) an. Ich verliebte mich sofort in die wunderbare Orgel. Das Konzert war gut besucht, ich habe viele CDs verkauft, es gab hinterher ein kleines Fest vor der Kirche und wir besuchten die schöne Meuselbacher Kuppe. Die Schwarza fließt fröhlich vor sich hin. Ich übernachte im Hotel in Schwarzmühle.

Ich habe Blumen bekommen ❤️ Ich verbeuge mich gern unten. 

Historische hochromantische, schwergängige North-Schulze Orgel evangelische Kirche Meuselbach Schwarzatal, Schiefergebirge, Thüringer Wald, 2 M, 23 R, 1500 Pfeifen

Der wunderschöne weiße Barock-Prospekt mit 12 Pfeifenfelder thront hoch oben auf der ersten Empore. Zwei Empore thronen darüber.

1354 wurde der Ort Meuselbach zum ersten Mal urkundlich erwähnt (Muzsilbach), 1589 wurde hier das erste Pfarrhaus gebaut und 1638 die erste kleine Kirche, ein kapellenartiges Gebäude mit Betglocke. Diese Kapelle bekam 1687 eine Orgel, einmanualig, von einem Eisfelder Orgelbauer. Diese Orgel wurde später verkauft.

1738-1760 wurde die jetzige schöne Dorfkirche gebaut: Eine dreistöckige, hohe, helle Kirche aus viel Holz. 1751 wurde der schöne separate kleine schieferngedeckte Glockenturm erstellt, aus Furcht, dass die schweren Glocken den schiefergedeckten Kirchturm zerstören könnten. 1744 kam die große Orgel des Orgelbauers Paul North aus Nahwinden auf die dritte Westempore. Bis 1807 wurde diese regelmäßig saniert.

1852 baute Schulze (1793-1858)  die jetzige Orgel. Er war bereits ein bekannter Orgelbauer in Thüringen und baute insgesamt über 150 Orgeln weltweit. Heute ist er in Deutschland weitgehend vergessen leider. Er verwendete den wunderbaren Prospekt, viele Pfeifen der Vorgängerorgel, die Windladen und die Gebläseanlage. Am 21.8.1852 wurde die Orgel eingeweiht.

1980 verstummte die Orgel, da dringend Geld für eine Sanierung gesammelt werden musste. Der Verein wurde gegründet. 2011 hatte Hoffmann/Schindler aus der Rhön die Orgel saniert. Die Blasebälge wurden restauriert, die Schleierbretter neu geschnitzt. Dagmar Weinberg vergoldete sie.  Es fehlen noch ca 70.000 €, um das Gehäuse vollständig zu renovieren.

Die Register der Orgel sind wie bei Knauf-Orgeln seitlich angebracht.

Die gepflegte, größtenteils sanierte Kirche mit den wunderbar bemalten Emporen besitzt eine sprechende, samtig-trockene Akustik, klar, durchsichtig. Sehr schön ist der funktionierende Calcantenzug, die 16-Füße in beiden Manualen, die weichen, rauchigen Flöten und die vielen 8-Füße.

Es gibt auch süffige 4-Füße, schöne Streicher, überblasene Traversflöten. Insgesamt ist der Klang warm, rund, dunkel und gravitätisch. Sehr besonders ist, dass diese von den Registern her doch relativ kleine Orgel so gut und vielfältig bestückt ist und sogar einen 32-Bordun im Hauptwerk besitzt. Auch die Klangkrone Mixtur ist warm und mild. Es stört in keiner Weise, dass die Orgel keine Zungen besitzt.

Der Umfang ist begrenzt, die Manualkoppel möglichst nicht zu verwenden, da diese die Orgel fast unspielbar macht.

Im Nachbarort Oberweissbach gibt es die pneumatische Schulze-Orgel im sogenannten „Thüringer Dom“.

 


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Wenn Kirche nur effektiv funktionieren soll, praktisch, alles Abstrakte und Negative unterdrückend, ein Wohlfühl-Ritual, dann steht dies in Konfrontation mit der Bibel. Beliebtheit ist leider nicht immer zu vereinbaren mit Wahrheit. Kirche muss vor allem beharrlich sein, kühn, treu, mit Stehvermögen jenseits der Massen für das Evangelium, die eine wichtige Sache. Ohne Ablenkung. Die Welt reduziert schon zu sehr auf das, was organisiert und reguliert werden kann. Mit Gott zu leben ist ein Wagnis und ein Mysterium.

7. September 2024: Wahre Worte klingen oft wie Gegensinn. (Laozi)

Foto: Werner Orgel Limlingerode, Thüringen

Ich bin wieder unterwegs nach Thüringen zum nächsten Konzert. Ins Bachland. Tag des offenen Denkmals. Ich habe fast schon alle Orgeln hier gespielt. Nun Konzert in Meuselbach Schwarzatal Schwarzmühle hoch oben im Thüringer Wald.

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Ist Gott ein Lebewesen?

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2. September 2024: „Ich wusste gar nicht, dass eine Orgel auch Flöte spielen kann.“ (aus dem Publikum) 

Foto: Werner Orgel Limlingerode

Das Konzert war sehr schön und gut besucht. Ich finde, Thüringen und Franken haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Anschließend waren wir bei schönem Wetter im Biergarten. Ich habe thüringische Zwiebelsuppe mit Käse probiert. Sehr gut. Nun bin ich im Schloss.

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1. September 2024: Meine Lust auf Musik ist einfach nicht zu stillen. 

Foto: Schulze Orgel Heringen

Wieder auf nach Thüringen auf meine Orgelsommerreise, zur Orgel mit dem Hirschgeweih.

Größte besterhaltene historische Schulze Orgel 1843 in Heringen/Helme, Strahlenmechanik, ohne Wellenbrett, stumme Prospektpfeifen, 25 R

Evangelische Kirche Heringen, Nordthüringen, bei Nordhausen, Harz, beim Tante Emma-Laden ❤️ Eine weitere wundervolle Schulze Orgel 1827 spielte ich in Rastenberg, meine dritte in Meuselbach.

Glocken sind (da es keinen Turm gibt) auswärts gelagert in einem Käfig, damit sie nicht davon laufen. Es ist die Gegend mit den meisten Kirchen ohne Turm, die daher oft gar nicht wie Kirchen aussehen.

Die Schulze Orgeln erinnern mich sehr an Knauf Orgeln und umgekehrt.

Ich wohne im Schloß von Heringen an der Helme im Harz. 

Schulze Orgel St. Michaelis Kirche Heringen, Thüringen

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31. August 2024: Wo ein begeisterter Mensch steht, ist der Gipfel der Welt. (Eichendorff)

Foto: Trost Hesse Orgel Greußen

Vor 200, 300 Jahren wurden immer neue Kirchen gebaut, weil es immer mehr Bedarf und Menschen gab. Jetzt ist es genau umgekehrt. Wir leben in einer Zeit, in der sich alles umkehrt. Das ist etwas unheimlich. 

In all dieser Zeit mag ich die Klänge der Orgel so gern: die Streicher in Thüringen, Geigen-Prinzipale, die klingenden Flächen in der Räumlichkeit, meditiere über Dispositionen …

Trost Hesse Orgel St. Martini Kirche Greußen (Greussen), Thüringen

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30. August 2024: Schuld daran, an den leeren Theatern und am Ausbleiben des Publikums – nur der Staat. Warum wird kein Theaterzwang eingeführt? (K. Valentin)

Foto: Knauf Orgel Tüngeda, Jesus-Kirche

Ja, das wäre mal eine lustige Idee von Karl Valentin: ein Orgel-und Konzertzwang 😊

Wertschätzung für sorgsam gepflegte Kirchenmusiktradition – auf ihrer Sommerkonzertreise spielt die Organistin Ann-Helena Schlüter ein kurzweiliges Konzert auch an der Weise-Orgel.

Thüringer Allgemeine, Dr. Karl-Heinz Veit, August 2024

Knauf Orgel Tüngeda Jesuskirche, Thüringen

Heute erinnere ich an die Komponistin Amy Beach.

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29. August 2024: Die Musikmaschine Salomon de Caus, Kloster Michaelstein Blankenburg, Nordharz: Die Wasser-Orgel

Foto: Wasser-Orgel Kloster Michaelstein Blankenburg

Auf dem Klostergelände gibt es auch die mechanische, stiftwalzengesteuerte Orgel der Musikmaschine, die das Klangideal der Renaissance zeigt. Von drei Wasserrädern angetrieben, werden eine stiftwalzengesteuerte Orgel fröhlich und die weiße Nymphenfigur in Bewegung gesetzt wie lustige Automaten – von Salomon de Caus. Ich bekam eine Solo-Sonderführung. ❤️

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Konzert Gräfenroda 2024

Die Musik von Johann Peter Kellner ist eine kuriose aparte Musik, so wie die schönen Orgeln seines Gebietes: die Weise Kellner Orgel in Gräfenroda, die Knauf-Orgel in Frankenhain, die Gutjahr-Kellner-Orgel in klein Geschwenda und die Ratzmann Orgel in Liebenstein – im Grunde auch die Poppe-Orgel in Crawinkel Ohrdruf. Ich bin mir sicher, dass Bach hier überall war. 

ps: Ich finde es schön und wichtig, in Orgelkonzerten als Künstlerin Blumen 🌷 zu bekommen. In Klavierabenden, Piano Recitals und allen anderen Konzerten ist das ja ganz normal. Da in deutschen Orgelkonzerten jedoch meist nur Männer spielen (siehe Orgelkonzerte in Dillingen, in Landsberg am Lech usw. usw.), sind Konzertblumen in Orgelkonzerten nicht üblich – auch weil sich die meisten Organisten nicht unten vor Publikum verbeugen, sondern oben bleiben. Ich mach das aber immer gern und liebe es, mit dem Publikum zu connecten. Fühle mich ohne Blumen nackt. 

Knauf Orgel St. Leonhard Kirche Frankenhain, Thüringen

Für mich ist die Orgel auch eine Rinck-Orgel. Die Familien-Dynastie von Johann Christian Heinrich Rinck und seiner Frau existiert in diesem Dorf bis heute, in dem Anhängerinnen dieser Familie die Orgel spielen. Ob Rink, Ringk oder Rinck – sie stammen von hier.

Valentin Knauf war der Vater von Friedrich und Inhaber der Firma. In Frankenhain hat der Sohn einen Großteil der Arbeiten erledigt und erscheint auf Rechnungen als Orgelbauer.

Die evangelische gelb-weiße Dorfkirche ist eine barocke Saalkirche in der Gemeinde Geratal im Ilm-Kreis bei Gräfenroda, Kirchturm und Schiff schiefergedeckt, etwas erhöht stehend, mit einem barocken Kanzelaltar mit dem siegenden Christus.

Die Register sind hier nicht seitwärts wie in Geschwenda, sondern nach vorn angebracht.

Zunächst gab es 1720 eine für 441 Taler gekaufte kleine Orgel, die 1742 von Johann Christoph Thielemann ergänzt wurde. Ich habe bereits an 2 Thielemann-Orgeln hier in Thüringen konzertiert.

1839 erweitere Johann Valentin Knauf die Orgel für 1250 Taler. Auch das hübsche Gehäuse stammt von ihm: originale Zinn-Pfeifen. Unter Verwendung alter Pfeifen und Bälge bauten Knauf die Orgel.

1987 restaurierte Norbert Sperschneider die Orgel und 2011 wurde durch Orgelbau Waltershausen ein neuer Blasebalg angebracht, ich hoffe, kein zu kleiner. Zu kleine Blasebälge können für Windstößigkeit verantwortlich sein. Kleine (zu kleine) Windbälge sind bei Orgelbauern manchmal „in Mode“.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.

Samtig-trockene Akustik. Ich mochte besonders die engen Streicher Geigenprincipal und Harmonika. Das Geigenprincipal hier in Frankenhain ist nicht so eng wie in Geschwenda. Sehr schön und selten ist auch das Gedact 16 im Oberwerk!

Die Deckengemälde von 1750 sind vom Hofmaler Johann Heinrich Ritter aus Gotha.

So viel zur romantischen Knauf Orgel St. Leonhard Kirche Frankenhain, Thüringen, 2 M, 28 R, mechanische Schleifladen:

Knauf Orgel St. Leonhard Kirche Frankenhain, Thüringen

Poppe Orgel Marienkirche Crawinkel, Thüringen

28. August 2024: … alle Tage geschieht das Unwahrscheinlichste. (Fontane) 

Foto: Knauf Rinck Orgel Frankenhain, Thüringen

Romantische Georg Ratzmann Orgel St. Johannis Kirche Liebenstein, Thüringen, 2 M, 27 R, mechanische Schleiflade, mit durchbrochener Zwillingslade

Die thüringische Orgelbau-Dynastie Ratzmann mit ca. 170 Orgeln in Thüringen und Hessen aus der Bachstadt Ohrdruf überlebte 3 Generationen. Diese schwergängige schöne, hellgrüne Orgel ist eine Augenweide. Die helle, schlichte Johanniskirche ist nicht bemalt und wirkt dadurch älter als die Barockkirchen der Gegend. Die Hallenkirche ist denkmalgeschützt.

Die Zeitgenossen und Konkurrenten Strebel, Ratzmann und Knauf haben „ähnliche“ Orgeln gebaut. Der krasseste Geschäftsmann war hier die Knauf-Dynastie. Diese haben es Ratzmann mit Aufträgen schwer gemacht.

Bis heute gibt es viel mehr Knauf Orgeln als Ratzmann Orgeln, was ich schade finde. Ratzmann-Orgeln sind auch wundervoll.

1993 wurde die Orgel durch Hey restauriert und die Schwergängigkeit etwas abgemildert.

Die durchbrochene Lade bedeutet, dass das OW keine eigenständigen Register besitzt, sondern die des Hauptwerk unten benutzt. Daher gibt es auch keine Manualkoppel.

Die bunten Registerzüge (himmelblau für Oberwerk) zeigen nicht an, welche Klangfarben welche sind in dieser Zwillingslade, da sie unterschiedlich benannt wurden. Das OW besitzt also kein eigenes Pfeifenwerk, es sind Transmissionen aus dem HW.

In der Disposition aber zeigt sich, welcher Klangfarbe aus dem HW ist, wenn auch vieles anders benannt. Ich finde es klug, platz- und geldsparend, mit Transmissionen zu arbeiten – Voraussetzung, es ist so gut gelungen wie hier.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.

Der Kanzelaltar ist schlicht und einfach, gegenüber die Orgel, ebenfalls schlicht und klar, alles in warm-grünlichen Farben getaucht.

Die Akustik in der Kirche ist durch die hölzerne Flachdecke etwas brillanter als in Geschwenda und Frankenhain, nicht ganz so trocken.

Ratzmann war ein begabter Tischler, deswegen sind seine Spieltische oft eleganter als die von Knauf: zarte Intarsien schmücken die Spieltische, die schwarze Ebenholztasten passen sehr gut dazu.

Besonders schön und süffig sind die Hohlflöten, überblasen und rauchig, Gemshorn 4 und die wunderbare enge Harmonica, alles frisch und klangschön. Viele wunderbare 4-Füße überall.

Es war sehr schön, diese elegante Orgel zu spielen. Leider wurde die Posaune im Pedal ausgebaut, dafür nun der schöne 4-Fuß im Pedal. Schlimm ist, dass der Pedalumfang nachträglich beschnitten wurde.

Die Orgel muss diesbezüglich dringend auf ihre ursprüngliche Idee zurückgebracht werden. Dies ist meine zweite Ratzmann Orgel. Liebenstein ist nicht mit Bad Liebenstein zu verwechseln, welches ebenfalls in Thüringen liegt. In Liebenstein gibt es auch eine schöne Burgruine. 

Ratzmann Orgel St. Johannis Kirche Liebenstein, Thüringen

Knauf Orgel St. Leonhard Kirche Frankenhain, Thüringen

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27. August 2024: Über Dinge reden und in Dingen sein, sind zwei komplett unterschiedliche Welten. (AHS)

Foto: Robert Knauf Orgel ev. Michaelskirche Blankenburg, Nordharz, Sachsen-Anhalt

Folgende Knauf-Orgeln habe ich u.a. bisher gespielt: Geschwenda, Frankenhain, Goldbach, Österbehringen, Friedrichswerth, Wangenheim, Blankenburg, Bleicherode, Tüngeda, Rügen, Liebenrode

– fast alle in Thüringen, alle im Osten, zwischen 1830-1890, von der Familie Knauf (Friedrich, Robert, Guido und Johann Valentin).

Die Zeitgenossen und Konkurrenten Strebel, Ratzmann und Knauf haben „ähnliche“ Orgeln gebaut. Der krasseste Geschäftsmann war hier die Knauf-Dynastie, besonders Guido Knauf. Dieser hat es Ratzmann mit Aufträgen schwer gemacht.

Bis heute gibt es viel mehr Knauf Orgeln als Ratzmann Orgeln, was ich sehr schade finde. Ratzmann-Orgeln sind nämlich wundervoll. Dennoch stelle ich heute wieder eine schöne Knauf-Orgel vor: die von Geschwenda, bei der ich heute war: 

Gutjahr Kellner Knauf Orgel Sankt Nikolaikirche Kirche Geschwenda, Thüringen, Gräfenroda-Geschwenda, Gemeinde Geratal, 2 M, 22 R

Die große gelbe Barockkirche, 1984 saniert, mit schwarzem Dach neben alten Bäumen schmückt das kleine thüringische Dorf bei Gräfenroda. Die prachtvolle Saalkirche, vom selben Architekten erbaut wie die Kirche nebenan in Gräfenroda, ist innen weiß und gold gestrichen und hell – so wie es auch in St. Laurentius (Ort und Kirche etwas größer) ursprünglich geplant war – jedoch dann alles Geld in die Orgel floss.

Der reiche Orgelprospekt mit musizierenden und singenden Engeln erinnert stark an die Weise Kellner Orgel in Gräfenroda, so auch der wertvolle strahlende Kanzelaltar (hier jedoch ohne Schnitzereien und Bibelvers).

Für die Gutjahr-Barock-Orgel von 1744  bestimmte der Bach-Schüler Johann Peter Kellner (1705-1772) die Disposition. Leider wurde diese Barockorgel nicht rekonstruiert bis heute. Dadurch ist sie verloren gegangen. 1750 wurde sie zerstört durch den Einsturz der Decke und 1751 von Stephan Schmaltz (Arnstadt) repariert.

1882 veränderte Guido Knauf (Gotha) die Orgel massiv (beinahe Neubau). Es wurde eine romantische Orgel. Leider hat Knauf den Wert der Barockorgel nicht erkannt.

1993 reinigte Schönefeld aus Stadtilm die Orgel. 2012 restaurierte Orgelbau Waltershausen das Schleifladeninstrument, rekonstruierte es jedoch nicht – im Gegensatz zur Weise Kellner Orgel in Gräfenroda.

Original erhalten sind jedoch viele süffige Pedalpfeifen der Barockorgel. Die Orgel braucht nun jedoch erneute Sanierung.

Die großen originalen Bälge wurden leider von Waltershausen entfernt, stattdessen ein zu kleiner Balg eingesetzt, neben dem Windgebläse (blauer Kasten). Zum Vergleich: bei der Rekonstruktion der Gräfenroda Orgel nebenan wurden die 5 (!) großen Bälge( hinter der Orgel) rekonstruiert.

In Geschwenda gibt es nun nur noch einen kleinen Balg (der große originale existiert noch, wurde jedoch abgeschaltet). Ein Balg ist für den Winddruck zuständig. Die Windstößigkeit der Orgel hängt mit dem zu kleinen Balg zusammen. Die Orgel bekommt nicht genug Luft. Die Rekonstruktion eines Balgs kostet viel Geld.

Der fürstlich-schwarzburgische Hofmaler Gottfried Wunderlich (1689-1749) und sein Sohn Christian Gottfried (1721-1765) gestalteten die Deckengemälde und Leinwandgemälde des Kirchenschiffs. Der Taufstein ist von 1618.

Bezahlt wurde die Kirche vom reichen Freiherrn von Röder, der auch ein Wappen erhielt, ein Portrait rechts vom Altar und die Patronatsloge. Jedoch sollte dieses Bild abgehängt werden, da eben dieser Freiherr Röder „Jud Süß“ verhaftet haben soll, der dann hingerichtet wurde.

Dies war schon damals ein antisemitischer Skandal, festgehalten vom Autor Lion Feuchtwanger. Daran sieht man, wie wichtig es ist, Skandale zu dokumentieren. Röder kennt heute niemand, Jud Süß jeder. Natürlich hieß der Hofjude anders, wurde aber „Jud Süß“ genannt (was ich schon schlimm finde). Er wurde ermordet, weil er als Sündenbock herhalten musste – vermutlich für Fehler von Röder selbst. Antisemitismus hat nichts in Kirchen zu suchen.

Die 13 Pfeifenfelder der Gutjahr-Orgel mit insgesamt 109 Pfeifen, verziert mit Schnitzwerk, 4 musizierenden Engelsfiguren und einem großen Engelskopf, schließt an die hölzerne Kirchendecke.

Samtig-trockene Akustik, in der diese klangschöne Orgel steht; erstaunlich ist, dass es keinen Tremulanten gibt. Vielleicht war der etwas heikle Tremulant in Gräfenroda etwas abschreckend. Ich liebe Tremulanten. Die typisch seitlichen Registerzüge von Knauf gefallen mir schon.

Gutjahr Kellner Knauf Orgel St. Nikolai Kirche Geschwenda, Thüringen

Knauf Orgel St. Leonhard Kirche Frankenhain, Thüringen

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz. 

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