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Tur Blogg

25. Dezember 2019

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Cuxhaven

Weihnachten an der Nordsee mit Spazierengehen, Baggersee (Gudendorfer See und Franzenburg), Altenwalde (einem Straßendorf), Plätzchenbacken, Herrnhuter Sternen, Power Nap, Musik, Meeresluft, Wein, mit Geschenken (ich liebe Geschenke), Lesen von Romanen, Kuchen, einer plattdeutschen Mitternachtsmesse St. Nicolai in Altenbruch mit der wunderschönen historischen Orgel Klapmeyer 1730, von Ahrend restauriert, und drei mächtigen Glocken im Glockenturm, Lüdingworth, Strand (Döse und Duhnen, klingt ein bisschen wie Dick und Doof), Kurpark mit Pinguinen, Fisch und asiatischem Essen…

Duhnen hat viele Hotels, zum Beispiel das Badhotel. Besonders gut gefällt mir der Strand an der Kugelbake. Dort gibt es Dünen. Dort fließt die Elbe in das Meer. Hinter Deich, Wellenbrechern und Damm wird die Elbe plötzlich 13 Meter tief. Grosse Container fahren dort Richtung Hamburg oder Ostsee.

Und dann gibt es noch Sahlenburg mit Wald direkt am Wasser.

Ich bin sehr empfänglich für Orgeln wie die Nadel eines Kompasses. Irgendwie bin ich zufällig immer in der Nähe toller Orgeln.

Ich mag die Jahreszeiten am Meer. Die Wolken im Winter sind anders als im Sommer.

Die Nordsee mag ich besonders, weil sie tougher ist als die Ostsee, und wegen Ebbe und Flut, Gezeiten (Tiden) und Priel; das Feeling ist einfach anders an der Nordsee.

Die winzige Insel Neuwerk ist sicher auch sehr schön: Dort kommt man nur mit dem Pferdewagen hin, dem Wattwagen, über das Meer, oder mit dem Schiff oder wattandern (mit Führer). Hat einer der wenigen Anwohner auf Neuwerk Zahnschmerzen, wird er mit dem Hubschrauber nach Hamburg geflogen.

Vielleicht sollte ich eine Fischbude aufmachen und werde reich und aberreich? Kaum zu glauben, dass dies alles noch Niedersachsen ist. Einfach riesig.

Cuxhaven hat ca. 50.000 Einwohner, dazu gehören auch Holte-Spangen (ein Pferdeort) und Altenbruch, jedoch mit dem ganzen Gebiet herum, mit allen Dörfern und Orten wie Otterndorf, Stade und Buxtehude ca. 200.000 Einwohner. Ahoi, Weltenbummlerin!

Eine Frau, die in einem Mann die Angst entdeckt, ist auch bereit, ihn zu lieben.

Woran man sieht, dass es keine Evolution in dem Sinne gibt? Leider, nun, Männer sind seit Anbeginn exakt die Gleichen geblieben. Da hat sich nun nichts geändert seit biblischen Zeiten bis heute.

Ist alles im Leben ein Tanz?

Zu Mozart habe ich noch folgendes bedacht: Es kostet sehr viel Kraft und Hingabe, auf Knopfdruck und innerhalb kürzester Zeit von Kreativität zu leben, das heißt, mit Kunst und Komposition Geld zu verdienen. Mit großen Opern in seinem Fall. Ich bewundere ihn dafür. Er dirigierte seine eigenen Werke, obwohl er nie Dirigieren oder Komponieren “studiert” hatte wie wir es heute tun. Hätte es damals eine Art GEMA gegeben, niemals wäre Mozart arm gewesen, denn seine Opern wurden überall schon zu seiner Lebenszeit aufgeführt, doch er selbst sah dabei keinen Pfennig. Genialität kann man nie verurteilen, und auch nicht die, die genial begabt sind – mit solchen Gaben muss man erst mal (über)leben können.

Es macht keinen Sinn, jemanden zu hassen, den man liebt. 

24. Dezember 2019

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Marienkapelle Kevelaer Teil 2

Blessed Christmas

Gesegnete Weihnachten 🙂

Was macht Spaß, an den großen Orgeln zu spielen? Auf die Größe einer Orgel kommt es dabei allein gar nicht an. Natürlich ist es schön, mit der großen, dramatischen, deutsch-romantischen Seifert-Orgel auch entsprechend mächtig zu spielen. Aber das ist nur ein Effekt. Man kann den zarten Streicherchor mit nur einem Knopfdruck betätigen (chooses stops blind), den Flötenchor (puffig wie dicke Kissen oder Puffärmel), den Gambenchor (Streicher, sehr laut, da Hochdruck-Gamben) und den Prinzipalchor.

Das Oberwerk (2. Manual von unten) besitzt brillante Solostimmen, die lauter sind als die entsprechenden im Hauptwerk, dem ersten (untersten) Manual. Beispielsweise ist der Prinzipal 4 im OW viel lauter als im HW (Solo-Devision). Die Flauto Dolce im OW spielt sich wie Creme und klingt herrlich und butterweich, die Flauto Harmonique zusammen mit dem Nasard 2 2/3 (OW) klingt exotisch. Sehr schön ist auch die Clarinette im OW, sie klingt wie eine wirkliche Klarinette, nicht wie ein Fake. Toll ist auch die Schalmei im OW, eine Zunge. Und die Zungenbatterie und das Chamadewerk in französischer Manier von Romanus Seifert.

Von Register-Namen darf man sich nicht verwirren lassen. Manche heißen Horn und sind Flöten, andere heißen Pfeife und sind Zungen.

Mozarts Flötenuhr auf dem Fernwerk (4. Manual) zu spielen ist eine Wucht (Traversflöte 4 eine Oktave tiefer). Die Traversflöte 4 im Fernwerk trillert wie ein Wellensittich, dazu ihr “Mate” Quintatön 8 oder Serafon 8 oder Cor anglais 8. Die Traversflöte 4 klingt zudem sehr schön zusammen mit Celesta oder Waldflöte. Die Traversflöte 4 ist auch allein einfach outstanding.

Die Orgel-Bänke haben hier alle eine Lehne, das gefällt mir. Das Pult lässt sich weit nach vorn verschieben. Ein Rückpositiv gibt es nicht, was ich erstaunlich finde. Das Rückpositiv hat ja wie in der Oper die Solisten nach vorn geholt. Doch hier sind die Solisten auch ohne Rückpositiv sehr präsent.

Doch wie lieblich klingt Mozart auch an der Chororgel, die mal ein Hochaltar war (wie auch die Orgel in der Beichtkapelle) mit der schönen Flöte im Schwellwerk.

Auch Mozarts Orgelwalze klingt hier toll und die Fantasie f-Moll. Ich mag auch sehr, wie Jean Guillou Mozart spielt.

Das Schwellwerk (3. Manual) hat besondere Klänge, Seraphonstreicher und einen sehr schönen Flötenchor: Rohrflöte 8 und 4, Seraphonflöten (Hochdruck, zwei Münder, a lot of Power), Concertflöte 8, Flaut amabile 8, Travers 4, Nachthorn 4 (Flöte), Flautino 2.

Mit das Wichtigste für mich an einer großen Orgel ist, dass die Orgel schöne Prinzipale hat, zudem viele schöne, verschiedene Acht-und Vierfüße und einen Flötenchor im Pedal. Die Prinzipale müssen wie Sprechstimmen sein, nicht schreien. Sie müssen Konsonanten haben, p-k – aber auch nicht zu starke, nicht sch-t. Man muss hören können, wo und wie die Pfeifen ansetzen und beginnen. Der Klang darf nicht zu flach, sondern sollte delikat und warm sein, auch nicht too bright, mit einem Crescendo nach oben.

Mit solch schönen Prinzipalen kann man jedes Bachstück spielen, ja, hier würde schon ein schöner Prinzipal 8 ausreichen. Hat man solche Prinzipale nicht, muss man ausweichen, was kompliziert werden kann. Auch im Pedal braucht es einen schönen Flötenchor, also mindestens einen Flötenbass 8, mindestens einen eleganten Vierfuß (Flöte 4) und einige kernige 16- und 32-Füße (Subbaß 16, Oktavbaß 16). Und man muss gut und schnell alles koppeln können. All dies hat die erstaunliche Seifert-Orgel zu bieten. Ich bin gespannt, Kleuker-Orgeln kennenzulernen.

Interessant: Exakt gerade als ich Guillous Mozartorgelwalze auf YouTube abspielte, sagte Mozart im Spielfilm: “Ich habe sogar für eine Orgelwalze komponiert!” I am a Pipe. Intoniert mich!

Lecker: Hier gibt es süße Pasta mit Birnen und Pflaumen. Und Pasta mit Gamben statt Garnelen. 🙂

Gesegnete Weihnachten!

Kevelaer, Teil 1

Ich bin im wunderschoenen Wallfahrtsort Kevelaer in der Naehe von Duesseldorf und staune ueber die Marienbasilika und ihre Orgeln, ueber all die vielen Orgeln in dieser wunderschoen geschmueckten kleinen Stadt. Die beruehmte Orgelbaufirma Seifert hat hier ihren Sitz schon seit der 5. Generation. Die Orgeln der ganzen Gegend sind Seifert-Orgeln, auch die groesste Deutschlands (nach Passau, die ja aus unterschiedlichen Orgeln besteht) mit ueber 10.000 Pfeifen in der Basilika aus einem Stueck. Original 1906. 1926 erweitert. An ihr durfte ich viele Stunden ueben und im Gottesdienst spielen. Die Basilia sieht aus wie ein riesiges, exotisches Schmuckkaestchen mit Wandteppichen, Sternen und intensiven Farben,  und hoch oben ueber den geschnitzten Eingangstueren thront die grosse, praechtige Orgel mit ihrem Gehaeuse aus hellem Holz, roetlich angestrahlt, inmitten blauen Sternenwaenden. Sie ist eine viermanualige romantische Orgel mit 138 Stops (elf werden in den naechsten Jahren ergaenzt) mit wunderschoenen Vierfuessen, Floeten und blendende Zungen. Sehr gut gefaellt mir das Fernwerk, das links weit entfernt als grosse eigene Orgel mit zwanzig Stops steht, mit einer Solo-Trompete. Das Fernwerk hat auch eine unglaublich schoene Traversfloete, perfekt fuer Mozarts Floetenuhr. Jedoch ist das Fernwerk im Dialog nicht so leicht zu spielen aufgrund der Akustik. Jedoch ist die Akustik insgesamt ein wundervoller Traeger fuer die Orgel, nicht so gigantisch wie im Koelner Dom:

Die Orgel blueht hinein in die Akustik, die fuellt und nicht ueberwaeltigt. Ich spielte meine drei Mozartstuecke, und die zarten Acht-und Vierfuesse waren charmant wie Puffaermel an Kleidern, die Hohlfloete, Floete Harmonique, die Doppelgedackten, Streicher, vier Serafonfloeten, durchschlagende Zungen wie Euphonium und Englisch Horn (Fernwerk) und Fagott (Oberwerk), warm und harmonisch reich. Zungenbatterie fuer Vierne und Widor. 

Es ist eine elektrisch-pneumatische Orgel, aber sie ist durch die geniale Entdeckung und Erfindung der Membranenladen vom Gruender Ernst Seifert stets klar, schnell und brillant. Ich wusste, irgendetwas ist anders, als ich spielte, die Manuele und der Touch gefielen mir jedoch gleich. Die Orgel ist perfekt fuer Liszt, Reubke, Ritter, Brahms, Mozart, Mendelssohn, Vierne und auch Bach. Nicht so geeignet ist sie fuer Muffat, Buxtehude etc. Auch die kleine Chororgel mit zwei Manualen unten gefiel mir.

Wunderschoen fuer Mozart. Sie steht inmitten groesser Tannenbaeume, Adventskranz und Krippen. Der Kapellenplatz ist ebenso geschmueckt, in ihrer Mitte die Gnadenkapelle ohne Orgel, dafuer spielte ich Seifert-Orgel in der Kerzenkapelle, die alte Orgel in der Sakramentskapelle mit 5 Stops, die suesse Orgel in der Beichtkapelle an der Seite mit 10 Stops und die Hauptorgel und Kapellenorgel in Sankt Antonius. Die vielen Kerzen lagern Russ in der Orgel in der Kerzenkapelle ab, dadurch sind manche Floeten halb erstickt im Klang oder scheinen zu ueberblasen. Jedoch ist gerade diese Kerzenkapellen-Orgel einfach wunderschoen. 

Ueberall Pilger und Kleinkunst, Weihnachtsmarkt, Punsch, herzhafte Pfannkuchen, Esel, Rotwein, Tannenbaeume und Krippen. Die Innenstadt wirkt mit all ihrem Schmuck sehr reizend, und die Italiener haben herrliche Trueffelpasta. 

Es war spannend, an drei Tagen hintereinander drei sehr unterschiedliche Orgeln zu spielen: Saalorgel Klais Wuerzburg, Schnitger Alkmaar, Holland und die grosse Seifert Kevelaer. Ueberall spielte ich Mozart. Schnitger faellt natuerlich sowieso aus dem Rahmen, dreihundert Jahre vor den anderen beiden. Und der Unterschied zwischen Klais und Seifert (beide Firmen sind gleich alt)? Klais ging mehr mit der Orgelbewegung, aber beide haben ihre Staerke in der romantischen Orgel. Die komplett neue elektrische Saalorgel-Klais ist natuerlich voellig anders als die viel groessere Seifertorgel in der Marienkapelle. Klais benutzt die gleichen Stops auf verschiedenen Manualen, viele Transmissionen. Seifert benutzt keine Transmissionen. Hier sind alle Pfeifen da. Ich mag beide sehr.

Alle Orgeln sind sehr gut intoniert. Andrew zeigte mir alles, er arbeitet fuer Seifert. Danke! Durch ihn habe ich viel gelernt ueber Orgelbau. Wir kletterten auch in die grosse Kapellenorgel hinein, wobei ich auf halber Strecke steckenblieb, da meine Hoehenangst mich nicht weitergehen liess. Danke, Elmar, Andrew und Patryk! 

 

22. Dezember 2019

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Alkmaar, Niederlande

Alkmaar ist eine wunderschoene Stadt, ungefaehr so gross wie Wuerzburg, etwas kleiner. Die wunderschöne, weltberuehmte Orgel in der Laurenskerk, Grote Kerk. Schnitger. Meine erste hollaendische Schnitger, vom Sohn des Schnitger in Stade. Franz Caspar Schnitger. Mir gefallen die Niederlande sehr. Ich rieche die Nordsee, hoere die Moewen, sehe die kleinen, niedlichen, sauberen Gassen, die edlen roten Haeuschen mit den Glasverandas, in denen Weihnachtsbaeume glitzern, der Kaesemarkt mit riesigen Kaeseleibern in allen Farben, gruen, schwarz, rot, Ziege, gelb, weiss… Es riecht nach Fisch, und es gibt viele Bio-Restaurants mit Salat, Suppe und Smoothies. St. Laurens ist eine grosse, gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert, nachts in roetliches Licht getaucht, und alle Baeume herum sind geschmueckt, dazu ein Weihachtsbaum auf dem Platz gegenueber mit Ohrringen und Kerzen. Der Weg von Amsterdam nach Alkmaar mit seinen Kanaelen und Brueckchen ist sehr schoen. Nordholland ist einfach exotisch. An der Schnitger-Orgel mit ihren drei Manualen spielte ich Mozarts Floetenuhr, die Orgelwalze von Mozart, Fantasie f-Moll, Muffat Toccata Septima. Das Pedal ist brillant, und die Orgel ist in vielem in ihren Klangfarben seit 1640 erhalten, genauso hervorragend erhalten wie die Schnitger in Stade. Man ist vom riesigen, mannshohen Rueckpositiv komplett verdeckt wie von einem Schrank. Man verliert den inneren Kontakt zum herrlichen Prospekt, aber wir Organisten sind ja auch oben zum Arbeiten, der Prospekt ist fuer das Publikum. Das Hauptwerk ist in der Mitte, das Rueckpositiv unten, das Oberwerk oben. Natuerlich macht besonders das Rueckpositiv manualiter Nebengeraeusche, man muss also sehr vorsichtig absprechen und die Ellenbogen locker haengen lassen. Ich liebe das Fagott, die Oboe, und die Gambe (Fiol di Gamba) ist hier im Gegensatz zu Sueddeutschland eine Zunge, dazu den Praestant ziehen. Durch die 24-Quinten haben wir einen 32-Fuss. Ueberall schoene Floeten. Aber besonders liebe ich die Baarpyp, eine konische Floete, erhalten von 1685. Sie zusammen mit dem Tremulant, Quintadena und Vox Humana ist eine typische niederlaendische Kombination fuer Schoenheit, sehr gut fuer Dialog und Echo, eine besondere Klang-Choreographie. Und es gibt die kuriosen Coppelings. Jedes Manual kann miteinander gekoppelt werden, anders als in Stade. Mit den verschiedenen, besonderen Vierfuessen ist die Floetenuhr entzueckend zu spielen, dicht, nicht zu aktiv, mit brillanten Doppeltrillern. Merci, Pieter!

21. Dezember 2019

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Musikalischer Impuls 13: Harmonisieren und Orgelimprovisation

Partita improvisieren

  1. Zunächst ein Choral, zum Beispiel jetzt zu Weihnachten: Nun komm, der Heiden Heiland – ein gregorianischer Hymnus in g-dorisch aus dem 12. Jahrhundert, über den allein Bach drei schöne Ausführungen schrieb, mit den fünf Strophen (die fünfte das Siegel oder der entscheidende Zusatz wie Bachs Soli Deo Gloria oder Und dein ist das Reich… im Vaterunser oder Ehre sei… in den Psalmen, die Zusammenfassung des Glaubens).
  2. Im ersten Satz der Partia also den verzierten Choral mit obligatem Sopran mit Pedal vierstimmig wie in einem ganzen Vorspiel. Vorsicht: in der engen Lage bleiben, solange es geht. Nicht unbewusst in weite Lage abdriften. Nur, wenn es nicht anders geht, zum Beispiel um Parallelen zu vermeiden, in die weite Lage ausweichen. Die Stimmen der weiten Lage sind ansonsten schwerer zu kontrollieren (Parallel-Gefahr). Ist aber in der engen Lage eine Oktav- oder Quintparallele unvermeidbar, dann muss der Tenor beispielsweise abspringen (weite Lage einmalig). Parallelen sind leicht zu hören, aber natürlich macht es nicht allzu viel Spaß, dauernd etwas nicht zu dürfen. Daher gewöhne dich an den richtigen Klang wie an die richtige Grammatik und denke nicht mehr an das, was nicht geht, sondern an das, was sein soll und gut klingt. (Seltsam, früher waren Quintparallelen, also Parallelführung beispielsweise am Quintorganum gang und gäbe, sie waren mindestens dreihundert Jahre lang normal. Dann wurden sie plötzlich verpönt, seit dem 15. Jahrhundert. Und jetzt? In der Popmusik gewünscht, im Choral verpönt…). Auch beim verzierten Choral auf die Zäsuren und den Rhythmus achten. Und auch darauf, im Stile zu verzieren und nicht zu überladen. Vergiss nicht: Kein Schubidu und Trugschlüsse eher selten. Im Sextakkord die Terz im Manual nicht verdoppeln, da diese ja schon im Pedal liegt. Zur Vorbereitung Kadenzen und Tonleiter harmonisieren in allen Lagen und Tonarten. Dies soll zur Routine werden.
  3. Als zweiter Satz in der Partita kann nun ein Bicinium folgen, zwei Stimmen manualiter, die eng beeinander und gleichwertig sind, in Sexten und Terzen (keine Quinten, kein Bass). Die linke Hand beginnt, die rechte imitiert, die linke Hand wieder allein, die rechte wieder imitierend dazu und so fort.
  4. Der dritte Satz Apreggien manualiter von oben nach unten und von unten nach oben: Fun.
  5. Der letzte Satz wäre ein vollgriffiges Concerto mit Pedal, wenn der Choral in Dur wäre: Immer wieder das Ritornello als freies Zwischenspiel dazwischen. Hier könnte ein majestätischer Tanz im Dreier erfolgen.

Suite (Tanzsätze) improvisieren

  1. Beispielsweise nach dem Bass-Schema von Bachs Goldberg-Variationen (immer mit Wiederholungen der beiden Teile) erst eine Allemande im fließenden Vierer mit Auftakt, dann eine schärfere, schnellere Courante im Dreier, dann eine schöne, ruhige Aria (mit Double) im Dreier, dann eine lebendige Gigue im Zwölfachtel als Schlusssatz. Die linke Hand kann stets immer kreativ sein. Man kann auch einen Tanzsatz mit Pedal ergänzen.
  2. Wichtig ist, dass alles schwingt, klar und dennoch zart ist, dass die Proportionen (eine gewisse Symmetrie) eingehalten werden, Taktabfolge, Kadenzen und Harmonieabfolge.
  3. Wichtig ist auch, die Sprache zur richtigen Zeit einzuhalten, vor allem in den Kadenzen, in Verzierungen, Kolorierungen, Trillern, Lagen, auch dass die Läufe immer zur richtigen Zählzeit in der richtigen Harmonie landen und nicht beispielsweise in der Dissonanz. Vorsicht mit zu viel Dissonanzen.
  4. Als Vorbild dienen auch die manualiter Buxtehude Suiten.
  5. Das Tänzerische liegt mehr in der Seele, findet im Innenleben statt, mental.

Präludien improvisieren

  1. Hier muss man sich an keine strenge Taktabfolge und harmonische Schemata mehr halten, es kann freier, “unsymmetrischer” werden beispielsweise anhand einer Kunstrede mit Aussage, Gegenaussage und Zusammenfassung: mit Einführung der Harmonie und anschließend der ersten Behauptung oder Geschichte. Dann geht es in eine Art Disput oder Bestätigung, also eine ständige Intensivierung. Am Anfang schon das Ende kennen.
  2. Beispielsweise kann die linke Hand solo mit der Einführung beginnen, es kann imitierend weitergeführt werden rechts, bis das Pedal einsetzt.
  3. Polyphonie kann direkt eine große Rolle spielen, muss aber nicht. Präludien sind so unterschiedlich in ihrer Strenge und Freiheit: Vorbild Bachs Präludien.

Bachfestival Arnstadt

“Prinzipien und ihre Konsequenzen sind noch wichtiger als Werte. Und Integrität ist wichtiger als Loyalität oder ihre höchste Stufe.” (Covey)

Jede Taste ein Finger und jeder Finger eine Pfeife.

Ich freue mich auf Arnstadt. Bachstadt. Und ich freue mich auf meine Konzerte.

Heute wird ein spannender und besonderer Tag. Es ist übrigens wirklich wahr: Die neuen Klais-Orgeln sind in vielem wie Steinways, und die Saal-Orgeln sind einem Flügel gleich. Auch wenn ich die Pfeifen spüre und höre. (Diese Nebengeräusche hat kein Flügel.)

Sehr viele Orgeln sind fern von einem Flügel, was ich auch sehr gut finde, so soll es sein; es sind ja auch viele Klaviere fern von einem Steinway wie der Mond von der Sonne. Jedoch vermisse ich an den (Saal-) Orgeln oft viele schöne Vierfüße. Es gibt meist nur wenige, und sie sind miteinander (beinahe) identisch. Gerade für Mozart braucht es viele schöne unterschiedliche Vierfüße. Orgel und Flügel zu spielen bedeutet: mehrsprachig zu sprechen. Das Wissen über Musik darf natürlich nicht zur Sucht werden.

Musikalischer Impuls 12:

Mozart und Bach

Der Applaus hilft oft nicht weiter, sondern nur noch die Stille in unserem Herzen. 

Wichtig ist es, respektvolle und kluge Mentoren, Begleiter und Supervisoren zu haben, jedoch auch, den eigenen Weg zu finden und zu gehen, nicht auf andere zu hören. Hier die richtige Balance im Leben zu finden, ist nicht leicht, denn beides ist notwendig. Und im geschützten Raum lernen und Fehler machen, Schwächen zeigen zu dürfen. Jeder kommt aus einem anderen Hintergrund. Das Spannende ist gerade der Lernprozess: Erst ist Null, dann Eins, dann Zwei, dann wieder Null, dann Zweieinhalb usw. Was gibst es Spannenderes als das durchzustehen?

Man muss nie aufhören zu lernen. Wir lernen nicht nur für die hundert Jahre hier auf der Erde. Wir lernen für die Ewigkeit. Wir lernen nicht für Geld. Geld wiegt kein Lernen auf. Wir lernen auch nicht, um aufzuhören, zu lernen. 

Ich freue mich auf die Beethoven-Konzerte “Jänner” mit dem Wiener Dirigenten Azis. Und Mozart und Bach an der Orgel

J.S. Bach lief nicht der Mode nach. Man kann die Mode sowieso nicht einholen. Im Gegenteil, Bach wartete, bis die Mode ihn einholte. Es gibt ja geradezu einen Bach-Hype hier und da. Man kann an Mozarts Leben den gravierenden Unterschied zu Bach sehen: Der eine, J.S., auf sich gestellt, allein, auf Gott geworfen, ohne besondere Anerkennung, wachsend in der Stille bis zur Reife; der andere, Amadé, von seinem Vater prostituiert und verwirrt, auf Anerkennung geeicht, auf Mode, Geld, Geschmack, Seifenblasen und bis zum Schluss auf Gefallen bei Menschen und Vorgesetzten; immer auf der Straße. Bach wollte Gott gefallen; Mozart seinem Vater und dem verwöhnten Adel und deren Wunsch nach Zerstreuung. Mozart spielte nach den Spielregeln anderer, hat an die Gesellschaft, dem Vorteil und an Menschen seine Seele verkauft. Bach war kein Balancekünstler. 

Dies alles ist auch in der Musik. Dennoch liebe ich beide Musik. Helle hohe Musik. Besonders am Ende des Lebens beider Künstler ist gut zu erkennen, wem sie dienten. Manchmal ist unmöglich, beiden “Herren” gleichzeitig zu dienen: Menschen und Gott.  

Beethoven, Mozart, Bach. Diese drei gerade in meinem Leben. 

18. Dezember 2019

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Musikalischer Impuls 11: Die Kunst der Ausklangs. Der Hammerflügel 

Ich schätze sehr den Hammerflügel, das Hammerklavier. Die Triller sind durchsichtig, und wenn ich mit dem Knie Pedal spiele, wirkt der Klang wie mit einem Schleier unterlegt. Romantisch. Die schwarzen Dämpfer sind fein, manche Hammerflügel erinnern an ein Cembalo.

Historische Tasteninstrumente oder Claviere sind wie eine Art Therapie für Pianisten wie mich, die sehr von Kraft und Virtuosität und Schnelligkeit kommen. Dagegen wirken Clavichord, Cembalo und Hammerflügel (für Mozart, Haydn…) wie zerbrechliche kleine Instrumente. Therapie für Leichtigkeit. Aber so zerbrechlich sind sie gar nicht; sie helfen, wieder zur Basis zurückzukommen, zu den Fingern, zur Ruhe; zurück zu kommen, Ton passieren zu lassen, Ton zu produzieren und zu formen. Differenzierten Klang mit Volumen, ohne unter Strom zu stehen.

Es ist beispielsweise gar nicht so leicht, auf einem Clavichord  einen runden, vollen Klang zu erzeugen, keinen eckigen. Das Training am Clavichord hilft für alle Tasteninstrumente.

Nur auf einem Clavichord kann eine bereits gedrückte Taste noch in Bebung (Vibrato) gebracht werden. Ton formen auch an den leichten, schier schwerelosen Tasten der unterschiedlichsten Hammerflügel, deren Erzeugungsweg zum Klang immerhin noch etwas länger ist als am Clavichord (hier nur die Tangente). Natürlich, der Tastenumfang ist viel geringer, jedoch kann man andere, unterschiedliche Farben kreieren. Ja, die Farbigkeit der historischen Instrumente gefällt mir, die vielen Schattierungen des Pianissimo.

Die Instrumente sind an sich schon Lehrmeister! Ja, ich wünsche mir ein Clavichord (gebunden oder ungebunden), ein (italienisches oder deutsches oder französisches) Cembalo mit zwei Manualen (zwei Achtfüße, oben einen nasalen und unten einen grundtönigen, und die Möglichkeit des Koppelns für einen voller wirkenden Klang; einen Vierfuß, den man dazu nehmen kann, und dass man eventuell ein Manual auf das andere legen kann). Und einen Hammerflügel. “Aber dann ist alles mit Instrumenten bei dir vollgestellt!” Nun ja. Die Instrumente kommen zu einem, sie finden mich. Man braucht nur Geduld. Das habe ich ja selbst erlebt. Der Steinway kam zu mir, die Übe-Orgel…

Wo lernt man besser als an diesen historischen Instrumenten, leicht ohne Arm zu spielen mit sanften, sensiblen Trillern? Dies sind alles Basis-Instrumente, keine Vorläufer. Vollkornbrot. Und dann noch das kreative Continuo-GB-Spiel mit anderen. Praktischer, künstlerischer Generalbass. 

Ich geniesse es, am Flügel ab und zu ganz ohne Pedal zu spielen. Natürlich darf Klang nie wie vier Tage altes Brot klingen oder wie “nichts und wieder nichts”. Der Unterschied ist eben zwischen nichts und etwas. 

Schön finde ich die dritte Ritter-Sonate an der Orgel. Sie ist eingängig für das Publikum, eingängiger als Reger und Liszt, und auch leichter zu spielen. Wobei ich eine Reger- und Liszt-Verehrerin bin. Oder im Organisten-Sprech: “Ich registrier mal auf.” Und das im Turbo-Studium. 

Empfehlen kann ich heute den Film Maos letzter Tänzer, erst war er der Schwächste, aber er hielt durch; er war inspiriert; dann wurde er der Beste. (Auch wenn der Film fast nur auf Männerkarrieren fixiert ist.) Und den mehrteiligen Film Mozart (ARD, Bluwal), auch wenn dem Wolferl homosexuelle Neigungen und einen höchst aggressiven Vater wohl angedichtet wurden. Sehr sympathisch kommt Amadeus nicht herüber. Seltsamerweise sind immer die Frauen und Mädchen “unmusikalisch” und “dumm” und “intrigant”. Aber seine Flötenuhr und seine Orgelwalze gefallen mir so gut. 

 

 

17. Dezember 2019

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Musikalischer Impuls 10:

Der Unterschied zwischen Orgel und Klavier

“Jeder von uns trägt ein unermessliches Potential in sich, das jedem Vergleich mit anderen widersteht.” (Stephen R. Covey)

Bei der Orgel müssen sich Laien zunächst oft an den Klang gewöhnen, der etwas blurry wirken kann. Der Klavierklang dagegen wirkt schneidend klar und brillant, auch wenn tatsächlich ein großer Teil der Obertöne durch die Filzhämmerchen absorbiert und gedämpft wird. Bei einem Cembalo dagegen werden die Saiten durch einen Federkiel oder ein Plastik-Pendant angerissen. Hier reden wir daher von unterschiedlichen Stimmsystemen. Bei einem Flügel geht es lediglich um eine leicht modifizierte Gleichstufigkeit durch Spreizung.

Die Orgel übertrifft das Cembalo noch in ihrer Obsession für Obertöne. Obertöne stehen nicht unbedingt für Klarheit, aber auch an der Orgel können klare Klänge produziert werden, in allen Lautstärken.

Am Steinway braucht man, so sagen die Organisten, sehr viel Kraft. Ich empfinde das gar nicht so. Aber was ich empfinde: Ich brauche viel weniger Kraft an der Orgel. Ich habe zu viel Kraft, Hilfe! Die Orgel bebt.

Mir hat ein Umblätterer mal gesagt: Meine Energie wäre auf ihn übergegangen, hätte ihn geradezu angesengt, es wäre “ein tolles Gefühl” gewesen. Er wäre verbrannt. Hm. Also, ich weiß nicht. Dass ausgerechnet die große Orgel so viel weniger Kraft braucht. Völliges Paradoxum. Und doch gerade nicht. Es ist eben ein Blasinstrument. Ökonomisch an der Orgel bleiben. Mir hilft, mir meine Seele als eine konische Pfeife vorzustellen; ich spüre die Länge meiner Seele; eine, die auf dem Kopf steht. (Wo der Pfeifenfuß genau steht, weiß ich nicht.) Sie strahlt in meine Gliedmaßen, besonders in meine Hände. Wenn meine Daumen, mein Nacken (Schaltstelle), mein Gehirn, meine Mitte und meine Handinnenflächen frei und entspannt sind, ist es auch mein Klang. Feldenkrais hilft. Mein Körper reagiert ganz automatisch. Die Mitte ist hinten, im Rücken. Ich muss nichts festhalten. Ich mag auch sehr gern Alexandertechnik.

Mixturen und Quintregister beschäftigen mich gerade. Quinta 3 ist 2 2/3 (der Tastenton C erklingt als Ton G, also als Quinte). Andere Quintregister in weiterer Flötenmensur werden meist Nasat genannt, selten Quinte. Mixtur III oder Cornett III (dreifach) haben drei Pfeifenreihen, drei Chöre, wie man sagt: Es klingen pro Taste drei Töne, meist im Oktav- und Quintabstand. Zimbel ist eine hohe Mixtur. In der französischen Tradition wird sie immer zur Mixtur gezogen, in Norddeutschland eher selten.

Sie besitzt unterschiedliche Zusammensetzungen, meist häufige Repetitionen. Es gibt aber auch Solo-Zimbeln, die mit Gedackt kombiniert für solistische Zwecke genutzt werden. Mixturen beispielsweise: 16, 8, 4, 2 2/3, 2, 1 1/3, 1, 1/2, 1/3, 1/4. Orgelbauer lieben Verdoppelungen, daher gibt es zusätzlich meist auch Einzel-Aliquoten, wie man die Terz- und Quintregister nennt. Aufgrund von Einzel-Aliquoten bräuchte es keinen 4-Fuß-Chor in der Mixtur. Gibt es aber oft, wegen der Lust auf Verdoppelung.

Im Grunde ist eine Mixtur ein großer Vielfach-Chor, mit Repetitionspunkten. Selbst in den alten Blockwerk-Orgeln gab es riesige Mixturen (12fach, 25fach) , die man hinzuziehen und wieder abstoßen konnte. In den alten italienischen Orgeln gab es dagegen nur Mixtur-Einzelreihen zum Kombinieren.

Ich liebe Beethovens Waldstein-Sonate, auch den alternativen zweiten Satz Andante Favori. Neben der Orgel wiederum am Flügel zu sitzen und den genialen Beethoven zu spielen ist sehr schön, Pathetique, Appassionata, Mondschein… Genial! Im Kontext immer genialer.

Seltsamerweise empfinden manche Songwriter Beethovenspielen als “Nachspielen” und “Nachspielen würde ja jeder können; Chillout-Songs wären viel besser.”

Nun. Muss ich dazu etwas sagen?

Empfehlen kann ich heute den Film Nowhere Boy über John Lennon. Und ich mag die Filmmusik von ganz alten Schwarz-Weiß-Filmen wie beispielsweise Zu neuen Ufern. 

16. Dezember 2019

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Link zu den Heessener Orgelkonzerten 2020

Beethoven Klavierkonzert c-Moll mit Christoph Preiß zusammengespielt; geprobt für Saarbrücken und Kaiserslautern; es macht Spaß; er ist ein jagendes, virtuoses Orchester. Wenn man ein Klavierkonzert allein übt, ist es völlig anders, als wenn man es dann zusammenspielt; nicht nur wegen den vielen Einsätzen, sondern weil die Musik sich schier zu verschieben scheint.

Ich freue mich auch auf die Orgelkonzerte 2020. Und über die Ausschüttungen der GVL dieses Jahr.

Empfehlen kann ich diesmal: The Mule: Ein sehr guter Clint Eastwood-Film.

Ich liebe die Pathetique.

Manchmal vermisse ich meine alte orange Vespa mit der Sonnenblume auf dem Kotflügel. Und die Aprilia. Nun fahre ich mit meinem tapferen Beetle durch den Regen.

Es gibt viele verschiedene Gesichter von Bescheidenheit und Nicht-Bescheidenheit. Es gibt auch eine Schein-Bescheidenheit, die in Wirklichkeit mit Demut nichts zu tun hat, sondern mit Unsicherheit, Zweifel, einer gewissen deutschen Verklemmtheit, Niemandem-etwas-Gönnen (denn “niemand ist jemals gut genug”) und gleichzeitig Größenwahn.

Im ICE mag ich es nicht, wenn jemand laut neben mir eine Mohrrübe ißt. Gibt es denn keine anderen Lebensmittel, die man im Zug essen kann? Zum Beispiel nichts? Lärm finde ich…

Beim Improvisieren ist es mir wichtig geworden, dass keine Art Schubidu entsteht: Manche Chöre und Bands sind durch dieses Schubidu leicht kitschig geworden: durch dauernde Quartvorhalte, Parallelen, Übertreibungen in Sequenzen und Lametta. Wenn man das Schubidu zu oft hört, gewöhnt man sich fatalerweise noch daran. Im Grunde läuft das Schubidu ja fast in jedem Kaufhaus, Radio und Fahrstuhl. Ich finde es sehr schön, dass an Hauptbahnhöfen großer Städte im Gegensatz dazu Schumanns Klavierkonzert läuft.

Ich denke gern an die Klosterkirche Maihingen (Baumeister-Steinmeyer), wenn ich Muffat Toccaten übe: 23 Register, modifiziert mitteltönig, gebrochene Octave und original erhaltene Faltenbälge.

Übrigens gibt es überall… Wissenschaftler. Ja, sogar Orgelwissenschaftler! Man glaubt es ja kaum.

Programm für Schnitger:

Muffat Toccata Septima C-Dur (eigentlich mixolydisch)

Fresobaldi Toccata Duodecima C-Dur

Mozart Flötenuhr KV 616 F-Dur

Scarlatti Sonata K 159

Rathgeber Aria 10 und 11 ex F

Muffat Passacaglia g-Moll

Bach Jesu, meine Freude BWV 1105

Ein Stück von mir: Längtan (Sehnsucht)