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Tourblog

11. Januar 2021

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Ich bin auch nur ein Mensch, aber das geht vorbei. Dann werde ich ein Engel. (AHS)

Neue Komposition 2021: Kompositionen 2021

Ich mag sehr das Bachspiel von Wolfgang Rübsam.

Manche Werke spielt Walcha plötzlich erstaunlich virtuos. Sein Umgang mit den Tempi an der Orgel sind gewöhnungsbedürftig für mich. Da empfinde ich oft anders. Dennoch ist es äußerst interessant, zu hören, wie unfassbar unterschiedlich Organisten interpretieren. Solche Diskrepanzen und Unterschiede gibt es in der Klavierwelt nicht. Wie er wohl war? Wirklich so schwierig?

Ob daher diese Streitereien in der unfriedlichen Orgelwelt kommen? In der Klavierwelt sind die Dinge oft recht klar. In der Orgelwelt ist vieles upside down mit gravierende Geschmacksveränderungen über die Zeiten hinweg, was zu Attacken führt, wenn jemand / jefraud etwas anders macht oder aus der Reihe tanzt. Irgendwie lockt mich aber genau auch das. Die Suche nach dem Orgelklang.

Ich sitze wieder stundenlang an der Promotion. Oft etwas trocken. Das viele Denken ohne Musik ist mir oft ein Übel, ich habe das Gefühl, der Kopf braucht einen Dampfablasser. Ich kann nicht verstehen, warum Gott dies vergessen hat. Wohin soll all der Denkrauch, wenn das Gehirn kocht? Selbst ein Schnellkochtopf kann sich abreagieren. Sollte ich nicht mehr sein als ein Topf?

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Im Grunde ist jeder Sonntag Advent. (AHS)

Ich höre gern alte Walcha-Platten und alte Platten von den Silbermann- und Schnitger-Orgeln. Es ist zwar eine völlig andere Sichtweise auf Musik. Walcha spielt sehr langsam, so langsam, wie ich nicht mal dann spiele, wenn ich übe. Wenn das der Stil von damals war, dann verstehe ich, warum so viele Organisten so langsam spielen. Es war vielleicht der Geschmack von damals. Es hat ja auch etwas Schönes und Beruhigendes, ich muss mich nur daran gewöhnen.

Da ich aus einer ganz anderen Welt komme, in dem man das freie, virtuose Spiel liebt, von einer gegensätzlichen Welt sozusagen, war es anfangs ungewohnt und fremd, etwas so Langsames gern zu hören. Aber alles hat seinen Reiz, auch die Kunst der Langsamkeit. 

Manche mögen Orgelmusik nicht auf CD oder Platte, nur live. Aber ich mag es. Sehr sogar. 

Heute kam auch ein Rotkehlchen auf den Balkon. Rotkehlchen sind viel schlauer als Blaumeisen. Ich würde sagen, doppelt so schlau. 

Leider kam von der anderen Seite gleich ein dickes Taubenpaar. Nun lasse ich diese Tauben gewähren, solange das Rotkehlchen da ist. Ich musste dabei an den Bibelvers denken, dass Gott eben das Gute mit dem Schlechten gedeihen lässt.

Bald kommt der Mainpost-Artikel. Ich freue mich.

Sehr interessant ist das Buch von Sigiswald Kuijken aus Belgien: Bleib bei uns, Bach! (La petite Bande)

Wichtig an der Bachvermittlung und der Musikvermittlung finde ich, dass Musik sich erzählt. Dass Bach sich selbst erzählt. Die Integrität der Musik Bachs. Bach kommuniziert sich selbst.

Auch Mendelssohn erzählt sich. Und zwar im Kontrast. Nicht “alles legato”. Manche spielen Mendelssohn legato und sentimental. Aber Mendelssohn ist erst allmählich in eine neue Welt eingetaucht, der Vorhang wurde nicht weggerissen. Viele moderne Leute vergessen dieses “allmählich”, ignorieren es, überspringen damit Kontrast und Tradition. 

Neu: Live-Mitschnitt Liszt Ad nos, Steinmeyer-Orgel Würzburg:

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9. Januar 2021

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Halbbildung ist die gefährlichste Erscheinungsform der Dummheit. (Michael Klein)

Das ist wahr und vom Journalisten gut zusammengefasst.

Heute zeigte mir Michael Müller das schöne Münster Bad Mergentheim. Die Kirche und die Orgel werden vollständig saniert, so dass sie auch beheizt werden kann; das Münster ist normalerweise geschlossen. Aber Michael zeigte mir die Baustelle, und diese war sehr spannend. Das historische Gehäuse der wunderbaren Vorvorgängerorgel J.A. Ehrlich-Orgel 1772 (siehe die herrliche Ehrlich-Orgel in Bad Wimpfen) befindet sich bei Orgelbau Rensch. Das neue Orgelwerk wird nämlich von Rensch gemacht (3 Manuale, Schweller, Setzeranlage). Ca. 700.000 Euro. Das ist günstig. Die obere Empore wurde abgerissen, damit die Orgel nun mehr Platz hat und man nicht mehr seitwärts spielen muss (Walcker 70). Die neue Orgel wird sicher eine Wucht. Super fand ich, dass Michael sagte: Ich muss dabei nicht an mich denken, sondern an meine Nachfolger!

Früher waren hier die Laden auf Sturz gestellt, was laut an der Orgel war.

Beim Orgelspiel muss man sich weg vom Spieltisch denken, hinein in den Raum, hinein in die Orgel. (Besonders dann, wenn der Spieltisch nicht schön ist.) Er zeigte mir auch die wunderbare Rohlf-Truhenorgel in St. Marien mit dem schönen Regal. Ich mag Truhenorgeln und möchte gern selbst eine. Danach übte ich wieder an der schönen Späth-Orgel. Die Späth Orgelbaufirma gibt es noch, Gott sei Dank, mit Sitz in Freiburg. Die Dynastie geht weiter, mit Versöhnung und Zusammenschluss. Prima!

In der Schlosskirche steht eine Plum-Orgel (siehe Heilbronn).

Man kann sicher sagen, dass ich wohl die einzige Konzertorganistin bin, die ab und zu in Freikirchen in den Gottesdienst geht. Jedoch bin ich kein Fan von Freikirchen mehr, nachdem ich dort viele Jahre war, meist in einer Baptistengemeinde. Ich habe dort sehr viel gelernt. Vieles war mir sehr wichtig und gut. Jedoch habe ich mich künstlerisch weiter entwickelt; ein Unding in Freikirchen. Ich gehe ein, wenn ich mich nicht weiterentwickeln darf.

Ich mag nicht, dass in Freikirchen aus meiner Sicht so viel Unbildung herrscht: Dass im Musikgeschmack und auf dem Büchertisch im Grunde nur ein oder zwei Stile vorgegeben und “erlaubt” sind. Die Leute erscheinen mir in mancher Hinsicht engstirnig und “dumm”. Von Kunst verstehen sie meiner Meinung nach meist nichts. Oft säuseln sie sich gegenseitig etwas vor: Nach dem Motto, hört man den ganzen Tag “Worship” und liest freikirchliche Literatur, dann kommt man “in den Himmel”. Dabei wird mit “Worship” vor allem ein einträgliches Business gemacht, was ich selbst aus Erfahrung weiß. Klassische Musik wird oft abgewertet; und auf Landeskirchen geschimpft, diese seien liberal und ungläubig. Das mag zwar manchmal tatsächlich so sein, aber ich frage mich, ob ein manipulierendes, kontrollierendes, überhebliches “Christentum” so viel besser ist. Bedenklich finde ich die Citychurch Würzburg; diese Freikirche hat sektenartige Züge in meinen Augen.

Zudem habe ich einige Freikirchen als frauenfeindlich erlebt. Als wäre die Frau nur dazu da, den Mann zu bewundern. Leider krankt die Emanzipation auch an Frauen, die solche Spiele nach wie vor mitspielen. Und anderen Frauen ein Bein stellen. Leider sind gerade verheiratete Frauen besonders schlimm darin, andere (freie) Frauen zu hassen. Daher mache ich mir Sorgen, zu heiraten.

Ich mag nicht, wenn Männer tatsächlich meinen, die “böse Eva hätte den armen Adam verführt”. Das ist die (subtile) Lebenseinstellung vieler Männer, religiös oder nicht. Damit rechtfertigen sie jede böse Tat gegen Frauen. Etwas klügere sehen ein, dass beide, Mann und Frau, die verbotene Frucht aßen. Die, die die Bibel gelesen haben, kapieren sogar noch mehr: Gott rief zuerst den Mann und stellte ihn zur Rede.

Bach wusste dies. Er vertonte:

Durch Adams Fall ist ganz verderbt

menschlich Natur und Wesen.

(Lazarus Spengler, 1524)

1524 waren manche Männer viel klüger als heute. Ich sehe es so, dass Adam verantwortlich war. Er hätte Eva schützen müssen, die bei Gottes Reden zu Adam noch gar nicht anwesend war. Aber die meisten Männer haben bis heute verpasst, Frauen zu ehren und zu schützen, weil sie extrem egoistisch sind. Dabei sind Frauen die schönsten Geschöpfe des Universums, wen nach Gott will man sonst ehren?

In der Landeskirche jedoch kommt man durchaus vom Regen in die Traufe, obwohl ich hoffte, dass es dort vom Niveau besser wird: Viele Männer der (Hobby)kirchenmusikszene kompensieren ihr Nichtkönnen mit Kritik an anderen. Auf infantile Art werden Menschen an den Pranger gestellt. Man erkennt hier kriminelle Energie.

Es gibt viele “Orgelfummler”. Jedoch mit Musikalität hat dies eher selten etwas zu tun. Viele Kirchenmusiker üben fast nie. Während Hobbypianisten genau wissen, wie schwer das Klavierspiel ist, stellen Möchtegernorganisten ihre Unzufriedenheit durch Lästern zur Schau – das Offene, Direkte, Persönliche ist diesen Menschen fremd. Es geht bei diesen Menschen nur feige hintenrum ab. Dadurch entsteht nie eine wirklich fruchtbare Diskussion.

Dabei ist Musik integer. Können zeichnet sich durch Integrität aus. Lästernde Menschen können also gar keine Musiker sein. Wen ich sehr integer finde, ist mein Lehrer Pieter van Dijk.

Es gibt nur ein Genie: Johann Sebastian Bach. (AHS)

Da lasse ich auch nicht mit mir diskutieren…  Allerdings mag ich auch sehr die deutsche Romantik. Das Pfund 8-Füße, das man zieht. Ein Blumenstrauß 8-Füße bei Brahms… Etwas Schweller bei den Kadenzen: eine Prise Salz. Ein kerniges M1 (evtl. gekoppelt und mit einem Prinzipal 8) und ein lyrisches, flötiges M2. Oder mit Streichern.

Ich bin froh, dass ich durch die romantische Romantik am Flügel das Musikalische und Freie inhaliert habe. Wie wunderschön ist Brahms, Mendelssohn und Grieg am Klavier… Aber Mendelssohn war auch ein prima Organist. Und diesen Brahms an der Orgel kennenlernen: Ein Wucht. Natürlich ist die Romantik an der Orgel nicht ganz so frei. Jedoch dennoch gefühlvoll. Verlangend. Streicherstücke.

Der Druckpunkt liegt bei der Orgel viel höher, bei der Öffnung des Ventils, nicht so tief in der Taste wie beim Klavier. Aber etwas Widerstand muss sein. Ich mag nicht ganz so gern, wenn die Orgel zu glatt ist im Spielgefühl.

Eine Orgel muss ich erobern. Etwas kämpfen. Ganz ohne Druckpunkt ist manchmal schade und erinnert mich an eine elektronische Orgel, die oft bei modernen Orgeln geradezu “nachgemacht” wird. Der Anschlag aber darf ruhig etwas kernig sein. Die Ladegast Schwerin ist vielleicht zu extrem, da auch die Barker kaputt ist und die Wege weit, die Ventile groß, die Traktur schwerfällig. Aber so etwas in die Richtung darf schon sein. Durch die vielen 8-Füße ist die Lade bei Ladegast besonders groß. Ob er deswegen Ladegast heißt? Ich heiße ja auch Schlüter, was bedeutet, dass man etwas aufschließt. Ein Name hat etwas zu sagen, wie bereits die hebräische Bibel weiß.

Ich mag den dunklen, terzigen Klang bei Mendelssohn. Hierzu ist immer eine Terz wichtig, denn die Mixturen zu Mendelssohns Zeiten waren terzhaltig. Er hat die Sonaten seiner Schwester in Frankfurt vorgespielt. Die Stummorgeln mochte er gern, ich auch. In Katharine HH kann man auch ein schönes RP-Plenum bauen, 8,4, mit Sesquialtera (mit Terzen), wenn man nicht immer koppeln möchte. Das Plenum muss zwar klar, aber nicht immer aufgedrängt sein. Aber im vierten Satz muss man schon koppeln.

Wie gesagt baut man heute bei modernen Orgeln oft zu leichte, kurze, direkte Wege. Jedoch etwas Kerniges muss bleiben.

Als Solostimme ist in Katharine (St. Katharinen Hamburg) in HH Trompete, Zinke, 4, 2 2/3 und 2 schön. Die eine Trompete ist die andere nicht. Will sagen, nicht jede Trompete ist schön und eignet sich als Solostimme. Ach, diese wunderschöne Flentrop-Orgel in Hamburg. Ein Segen, dort so oft spielen zu dürfen.

Neu: Muffat Passacaglia Steinmeyer-Orgel Würzburg:

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7. Januar 2021

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Fühlst du nicht an meinen Liedern, dass ich eins und doppelt bin? (Goethe)

Lemare, Dupré, Langlais, Karg-Elert, Eben – alles, was ich spielen möchte…

Fortsetzung Tholey im Saarland: Die älteste Abtei Deutschland. Und ein aktives und gläubiges Kloster.

Die Mayer-Orgel hat zwar eine mechanische Spieltraktur, aber eine elektrische Registertraktur – was ich daran merke, dass ich das Gefühl habe, alles geht sanft und butterweich. Ich habe Bach gespielt und Improvisationen, um alle Farben auszuprobieren, und bei Piece d’Orgue das Tutti verwendet (mit Zimbelstern) – unglaublich abgerundet auch im Tutti. Für meine Kompositionen habe ich einen passenden Namen gefunden.

Die Glaskünstlerin heißt Mahbuba Maqsoodi – was für ein künstlerischer Name!

Auch der moderne Beichtstuhl – ein Beichtzimmer – mit seinem eindrucksvollen, großen Kruzifix, und die Krippe hinten – sparkling!

Wenn man wieder hinaus geht – draußen ist es dunkel und innen bleibt das Licht an, dann leuchten all die Fenster von außen noch schöner als von innen. Es wirkt so, als wäre die Klosterkirche aus Papier, und man hat leuchtende Farben hineingeklebt. Wie eine Laterne scheint sie; die Richter- und Maqsoodi-Fenster leuchten warm und einladend in die leicht schneeige Nacht hinaus.

Bei Gerhard Richter war ich schon zuhause, es ist länger her.

Auf dem Weg nach Tholey/Theley sind wir über St. Wendel gefahren. Dort haben wir die evangelische und katholische Kirche besucht. Sowohl die schöne, zweimanualige Vier-Orgel (siehe Tübingen), die ich eine Stunde spielte, als auch die wunderbare Wendelinus-Basilika-Orgel (Klais-Pfeifen, historischer Prospekt der Vorgängerorgel Stumm) haben mir sehr gefallen. Die Basilika St. Wendel ist wunderschön, farbvoll, rot, reich verzierte Decke, überwältigender Prospekt. Ach, zu gern hätte ich die originale Stumm-Orgel dort kennengelernt. Aber leider ist nur der Prospekt übrig geblieben.

St. Wendel ist ein malerischer Ort, sehr geschmackvoll weihnachtlich geschmückt mit einem der schönsten Weihnachtsbäume, den ich je gesehen habe.

Vor genau einem Jahr habe ich im Saarland konzertiert, nun bin ich genau ein Jahr später wieder hier und entdecke noch mehr Schönes in der anderen Himmelsrichtung.

Dann ging es zurück auf die dunkle Autobahn.

… und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel. (Matthias Claudius)

Schon 1790 erkannt. Und wir? Kennen wir das Ziel?

Künstler im Lockdown. Can you hear your heART?

Heute war ich in Tholey. Die Abteikirche ist mit das Schönste, was ich je gesehen habe. Was für eine Kirche, was für eine Orgel! Ich bin noch ganz hin und weg. Frater hat uns alles gezeigt. Die neue Hugo-Mayer-Orgel im wunderwunderschönen, historischen Prospekt mit dunkler Eiche, Gold, Schwung und einem Rückpositiv, zu dem an den Seiten die Pedaltürme stehen – also am Rückpositiv, nicht hinten im Hauptprospekt. Das ist etwas Besonderes und lässt die Orgel wie eine Harfe aussehen. Oben thront König David, der tatsächlich eine Harfe in der Hand hält. Die Orgel spielt sich butterweich, köstlich. Drei Manuale, französisch im Stil. Schönes Rückpositiv, tolle Zungen, die meisten im top gestimmten Zustand, sogar ein nicht-französisches Krummhorn. Auch das Schwellwerk hat ganz zärtliche Farben. Eine Walze gibt es nicht.

Kein einziger Klang ist irgendwie schrill, kein 2-Fuß, keine Quinte. Alles ist unglaublich abgefedert im Klang, gestützt. Nicht so herrlich sonor und dunkel wie Ladegast Schwerin, einfach anders. Überhaupt ist man oben hinter dem Rückpositiv sicher und geborgen, es gibt dennoch viel Platz, die Engel und Schleifen runden die Seiten ab. Der Spieltisch wirkt neu, gepflegt, hell. Auch der Innenraum der Orgel ist unglaublich sauber, groß, hell, einladend, weiträumig, ordentlich und gepflegt. Man sieht die Pfeifenreihen säuberlich angelegt, überall kann man stehen und gehen, auch die Leitern nach oben sehen selbst für mich richtig “machbar” aus. Also keine wackeligen, dürren Gestelle, sondern richtige Tritte. Der Holzboden um die Orgel herum ist ebenfalls im einem schönen Zustand. Alles wirkt edel, geschützt und neu.

Auch gerade von weitem sieht die Orgel überwältigend aus, wie eine vornehme, kostbare Harfe, ja, wie ein heiliges Davids-Instrument.

Die Orgel hat eine lange, besondere Geschichte. Die will ich hier jetzt nicht wiedergeben, das kann man im Google nachlesen. Aber eine besondere Sache hat die wunderschöne Kirche natürlich neben der phantastischen Orgel. Die Fenster!

Genau! Deswegen sind wir hingefahren, denn genau zu diesen Fenster soll ich ein Orgelwerk komponieren. Ich habe nicht gewusst, was mich erwartet, denn ich wollte mich überraschen lassen. Ich hatte also “no idea”.

Wir kamen an, die Kirche wirkte von außen rund und “türmig”. Die schwere, goldene Tür ist bereits kostbar geschmückt. Die Bilder der Tür zeigen rechts das neue, links das alte Testament. Obendrüber ist ein denkmalgeschütztes Kunstwerk.

Man kommt hinein. Ist sprachlos. Frater hat von innen geöffnet. Die Tür hat kein Schloss. Es wird ein schwerer Riegel zurückgezogen. Zuerst war die Kirche dämmrig. Dann hat der Frater das Licht angemacht. Doch schon im Dunkeln leuchteten die Fenster. Sie sind rechts und links und hinten (hinter der Orgel), von einer Frau gemalt, einer Glaskünstlerin, die in München wohnt. Ich war völlig fassungslos. So etwas Wunderschönes! Jedes Bild hat eine Geschichte, gibt das alte und neue Testament wieder. Jedes dieser Fenster hat viele besondere Details und ganz ausdrucksstarke Farben und vor allem Gesichter. Wenn man zur Orgel hinaufgeht, die geschmackvoll runde, künstlerische Treppe hinauf, sieht man hinter der Orgel den Fall Satans eindrücklich dargestellt. Ich finde das Bild passend in der Nähe der Orgel.

Die ganze Kirche ist Kunst. Alles. Die Treppe zur Orgel, die Farben der Stühle, die Kissen, der Altar, Beichtstuhl, Krippe, Kreuz, die Schnitzereien, die Gemälde, die Fenster, der ganze Stil, das Design der Kirche. Sie zieht nach oben. Hin zu Gott.

Die Christologie: Menschwerdung, Kreuzigung, Himmelfahrt und Pfingsten ist hinten links in einer Art Kuppelsaal dargestellt, in drei großen Fenstern der Außenfront. Sehr schön ist hier die gelungene, künstlerische Mischung aus alter und neuer Kunst. Die Säulen und das gesäuberte, helle Gestein ist alt, aber der kunstvolle Tabernakel moderne Kunst, darüber die umwerfenden Fenster. Diese Künstlerin ist faszinierend. Sie hat das Evangelium verstanden, obwohl sie wohl Muslima sein soll. Wahrscheinlich hat sie das Evangelium besser verstanden als so mancher “Christ”. Frater sagte passend, dies seien die sogenannten “anonymen” Gläubigen, die das Evangelium darstellen können, während Sonntagschristen gar nicht sagen können, was das Evangelium überhaupt ist.

Und dann sind da die drei großen Richter-Fenster vor dem Altar. Er hat sie der Kirche geschenkt, sein letztes großes Werk, sie mussten nur die Anfertigung bezahlen. Gerhard Richter ist ja kein Glaskünstler. Es sind beeindruckende Fenster, die irgendwie zeitlos wirken, wie ein Kaleidoskop. Es schimmert immer irgendwie anders, leuchtet hier, dann da. Leuchtende Patterns. Die Fenster sind ungeschützt, was ich gut finde. Es geht ja nicht darum, alles abzusichern und zu kontrollieren, sondern Gott zu vertrauen.

Die beste Aussicht auf diese Fenster hat man… wo?

Genau! Von oben, von der Orgel her. Es sieht wirklich überwältigend aus, wenn man durch die Spalten des Rückpositivs über den Altar hinweg zu diesen langen, großen Fenstern blickt.

Fortsetzung folgt morgen. Sonst wird dieser Blogeintrag ein Roman. Und ich muss noch üben.

Auch in einem Rolls Royce wird geweint, vielleicht sogar mehr als in einem Bus. (Francoise Sagan)

Ich freue mich über die vielen emails und Anfragen von Organisten aus der ganzen Welt. Auch von ganz jungen. Heute schrieb mir ein Dreizehnjähriger, ich sei sein Vorbild. Und Morgen: eine schöne Reise.

Wenn man etwas in einer Kirche aufnimmt, u.a. für sich zum Training, dann gibt es ein Geräusch, das wirklich stört: Wenn Leute unten für Kerzen Münzen einwerfen. Manchmal scheinen sie zehn Zwei-Centstücke bei sich zu tragen, die sie genüßlich einzeln scheppernd hineinschmeißen. Manche tun das sogar dann, wenn unübersehbar große Mikrofone aufgestellt sind.

Mir kommt es so vor, als würden sich einige Omas und Opas zusammenrotten, mit ihrem gesamten Kleingeld in die Kirche marschieren, wenn ich gerade aufnehme, um Dutzende Kerzen mit Ein-Cent-Stücken zu kaufen. Dann wird natürlich auch noch mit viel Lärm Kerzen angezündet, wobei die Hälfte herunterfällt. Einmal war ich kurz davor, mit Klebeband sämtliche Münzschatullen abzukleben. Ich träume schon nachts von diesem Geräusch klimpernder Münzen.

Bald kommen drei neue Würzburg-Videos.

Gestern hat es ein wenig geschneit, das freut mich.

Anbei der neue Mendelssohn und Scarlatti  – mein erster Scarlatti auf der Orgel. Ich habe meist nur Scarlatti auf dem Flügel gespielt:

Mendelssohn ist so lieblich, dass mir die Orgel plötzlich wie ein Klavier vorkommt. Schön!

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4. Januar 2021

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“Schleich di, du Oaschloch!” – Ich liege lieber grob richtig als exakt falsch. (Rothkegel)

So ist es. So, meine ersten Orgeln 2021 wieder in Bad Mergentheim und Weikersheim heute – Schleiflade, Druckpunkte, Zugapparate, Vakuumanlage.

Das Äußere einer Orgel (Prospekt, Spieltisch) beeinflusst tatsächlich. Eine schöne Orgel scheint schöner zu klingen als eine, die nicht so schön aussieht. Orgeln, die wie ein (moderner) Kasten aussehen, stoßen eher ab. (Wobei ich alle Orgeln mag und nicht auf das Äußere achten möchte).

Von Rothkegel stammt auch: “Laufenlassen von Verbrennungskraftmaschinen verboten.” Sehe ich genauso. Ich hasse es, wenn Männer ihre Autos ewig laufen lassen, wenn sie irgendwo parken und mit dem Handy spielen. Ich klopfe denen an die Scheibe und sage: Motor bitte ausstellen! Sie verpesten die Luft! – Die staunen ganz schön.

Scarlatti neu:

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Ich begrüße die Anzeichen dafür, dass ein männlicheres, kriegerisches Zeitalter anhebt. (Nietzsche)

Ein weiblich kriegerisches Zeitalter? Wobei viele Männer schon männlicher werden könnten heutzutage, das stimmt schon. Vor allem in Deutschland…

Ich hatte gestern schon mal vorgebloggt. Sorry, eingeschlafen…

Messiaens Banquet Celeste  ist so wunderschön…. Von Brahms 7 b  zu Messiaen 6 # – das Leben ist zu schön… 

Das Herzstück meiner Dissertation wird fertig. Ein Wunder!

Ich mag sehr Herzlich tut mich verlangen von J. G. Walther. Wenn dieses wunderschöne Stück an einer tollen Orgel ergreifend registriert wird, ist es ein Genuss. Ich bin sehnsüchtig nach der Serassi-Orgel von Tenda. Ich liebe auch Lübeck, Hanff, Ritter (sehr schön ist auch seine Sonatina) und Clerambault. Als Pianistin hatte ich diese wundervolle Musik nie aktiv kennengelernt, in der Klavierwelt geht erst bei Bach “das Licht an”. Es gibt noch so unendlich viele schöne Orgeln, an denen ich spielen möchte; sie sind nicht zu zählen.

Super finde ich die Dirigentin Oksana Lyniv.

Sehr empfehlen kann ich den Film Stille Nacht. Er mag zwar etwas sentimental sein, aber das stört mich nicht, wenn die Botschaft Wahrheit ist. Ich musste weinen, gekuschelt unter die Decke, Kerzen an, denn es schimmerte eine sehr berührende Wahrheit hindurch: Was für ein wunderbarer Mensch dieser Josef Mohr war, der den Text des Liedes Stille Nacht schrieb. Beeindruckend, wie lange er durchhielt trotz Anfeindung und Angriffe durch die eigenen Leute in der Kirche und der nie die Popularität seiner Lyrik miterleben durfte. Ich habe den Eindruck, dass viele von Gott besonders geliebte Menschen ihre großen Erfolge auf der Erde in ihrem eigenen Leben nicht miterleben dürfen, damit sie demütig bleiben: Mose, Jesus, Bach, Luther, Mohr, Roth, Klepper, Claudius… Denn viele Obrigkeit in der Kirche war damals schon… ein Kreuz…

Ich mag nicht Edward Power Biggs und sein Orgelspiel, denn sein Bachspiel wirkt auf mich spitz und kühl.

Mein Lieblingskirchenlied momentan ist die Nummer 63 aus dem EG: Das Jahr geht still zuende – von Eleonore Reuß (1857).

Dieses Mal Jahr-zuende-Gehen war wirklich schön still – schön mit Liturgie und Andacht und Cordon Bleu (Blaue Schnur). Den Krach der Böller mag ich sowieso nie.

Was mit Pfarrer Olaf Latzel passiert ist, zeigt mir auch heute den oft traurigen Zustand der Kirche. Ich will nicht alles gutheißen, was er tut oder wie er zu Frauen steht, dazu kenne ich ihn zu wenig. Da ist jemand mit sehr vielen Fans und Followern und Herz, jemand, der anders denkt, anders ist – in der Kirche, das ist doch selten!  –  und wird, aus meiner Sicht, prompt ans Messer geliefert von seinen eigenen Leuten, die ihm wohl die Popularität nicht gönnten. Ich kann mit ihm mitfühlen, obwohl ich ihn nicht kenne. Mag sein, dass er extrem ist. Aber sein Auto wurde wohl zerkratzt, er wurde bedroht… wie er behandelt wurde (egal, wie seine Meinung ist), empfinde ich als bedenklich. Dies ist meine freie Meinung, auch wenn ich hierzu angegriffen wurde, besonders von Benjamin Frensel, der sich als Admin in der Kirchenmusik aufspielt und selbst doch gar kein Berufsmusiker ist.

Manchen geht es in der Kirche wie Josef Mohr und vielen anderen, die leiden mussten, weil sie nicht unter der Masse duckten.

Ich gehe davon aus, dass dicke Fische Foren nutzen, um “anonym”, mit Nicknames über andere zu lästern und gegen sie zu hetzen. Es geht solchen Männern meist nicht um Inhalt oder um sachliche Themen. Es geht um eines: um Neid, unfaire, lieblose Kritik, Sexismus, Mobbing und Stänkern. Wegen Neid musste auch Jesus sterben. Denn nicht in der säkularen Welt, nein, in der Kirche (besser: in der religiösen Szene) ist Neid oft am größten. Religion erscheint mir oft das Gegenteil von Glauben. So wie die Orgel oft das Gegenteil vom Klavier ist.

Übrigens gibt’s auch ganz tolle Hobbymusiker und Laien, die ich sehr schätze.

Neu: Gottlieb Muffat, Sohn von Georg Muffat – Stylus Phantasticus Schnitger-Orgel – süddeutsche Musik an norddeutscher Orgel:

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2. Januar 2021

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Ett leende är smittsamt. Låt oss starta en pandemi!

Übersetzung: Ein Lächeln ist ansteckend. Lass uns damit eine Pandemie starten. 

Es war spannend, die Werkstatt der Orgelbaufirma Heissler Weikersheim Markelsheim zu besuchen, meine 5. Orgelwerkstatt. Toll ist, dass Heissler die Pfeifen und viele andere Herzteile wie Elektromagnete für die Orgel selbst herstellen und sie nicht im Ausland billiger einkaufen. Es gibt dort eine Furnierpresse, einen riesigen, blauen Leimsack, eine Zylinderschleifmaschine, einen Absauger für die Sägespäne, eine Fräsmaschine, Bandschleifmaschinen, Tellerschleifmaschine, Pressluftmaschine. Es gibt eine Drechselmaschine, eine Stanzmaschine, Schleifmaschinen, Schweißmaschinen, Wickelmaschinen, eine ganz neue Heizanlage, viele Leimtöpfe. In der Schlosserei gibt es viele spannende Maschinen, mit Drehstühlen und Schutzmasken aus Blech.

Oben ist der Orgelsaal, daneben das Pfeifenlager. Ganz oben unter der Decke ist die Intonationslade und links das Büro, in dem Pläne gezeichnet werden. Im neuen Haus werden die Wellenbretter gestanzt. Im Orgelsaal befindet sich eine Klais-Orgel, die aufgrund eines Bischofs kein Zuhause mehr hat, eine Hausorgel, eine Seuffert-Orgel, die restauriert wird. Interessant war die Intonationslade mit Tasten, Registern und mit Balg, besser, mit zwei Bälgen: Einmal der Balg zum Leitregister und einmal zu den Pfeifen, die intoniert werden müssen. Man konnte die Windladen, die Wellenbretter, das Rasterbrett, den Pfeifenstock, die Tonventile (Schwanzventile), das Leitregister gut wie in einer aufgeschnittenen Torte sehen. Der Luftdruck muss eingestellt werden. Ich durfte eine Rasterstütze (Pfeifenstuhlträger) mitnehmen und eine Membran für pneumatische Orgeln.

Und Rochus Schmitz aus Münster, der sich Streitschlichter auf seiner Homepage nennt, sät bewusst Streit im Internet-Forum, in dem er vertrauliche emails (in denen ich ihm meine Meinung geigte) veröffentlichte gegen meinen Willen und hetzte. Schmitz nennt sich Mediator, gar Musikmediator, scheint jedoch mit ca. 60 so fern von Vermitteln und Schlichten zu sein wie von professioneller Musik. Er und Karl-Bernhardin Kropf und Peter Elsen sind sehr aktiv in einem Forum, dessen Bertreiber Strupat sich rühmt, sich nirgendwo mit Wohnsitz anzumelden, damit man ihn nicht vorladen kann, der also bewusst kein korrektes Impressum führt, was jedoch die Polizei nicht beeindruckt. So was unterstützen Kropf und Schmitz und Küchler-Blessing und andere, indem sie in solchen Foren aktiv sind. Nicht gerade ein Vorbild. „Kriminelle Energie“ im Internet habe ich vorher nicht gekannt. Bedenklich finde ich, dass dieses „Netzwerk“ quer durch alle Sparten von Gesundheit und Können geht, da ist ein Lucas Kluck mit Christoph Brückner befreundet und der wiederum mit Thorsten Pirkl und Matthias Dreißig. Da werden denn Gerüchte verbreitet. Ich kann daher kein einziges Orgelforum empfehlen. Manche (Hobby)organisten sind offenbar nicht einmal in ihrem Alltags-Beruf professionell, geschweige denn in der Musik. Unmusikalisch ist für mich jeder Mensch, der das künstlerische Können eines oder einer anderen bewusst abwertet, um sich selbst besser zu fühlen, um das eigene Nichtkönnen zu kompensieren. Die Werke und Stücke kritisieren, die sie selbst gar nicht spielen können. Weibliche Profis kritisieren, weil sie sich an männliche Profis mit fester Stelle nicht rantrauen.

Halbbildung ist die gefährlichste Erscheinungsform der Dummheit.

Es kann sein, dass ich in der grauen Männer-Kirchenmusikwelt weiter “heilige Kühe” schlachten muss, aber das mache ich gern und unbekümmert. Kirchenmusik muss vielleicht bis ins Mark abgestaubt werden. Denn manche Kirchenmusikeminenz ist so langweilig und altmodisch, dass es nicht verwundert, dass keiner in die Kirche geht. Die Hobbyszene in diesem Bereich (siehe facebook-Gruppe Kirchenmusik, Gründer Ansgar Kreutz und bekannt für gehässige Ausdrucksweisen vieler immer gleicher männlicher Mitglieder): Hahnenkämpfe und Neid.Tragisch, dass sogenannte Kirchenmusiker so vom Leder ziehen und jegliche christliche Grundeinstellung vermissen lassen.

Kunst-Foto (ich rauche nicht)