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Ann-Helena Schlüter

13. Mai 2022

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Natürlich müssen Frauen in den Vorstand. (Jennifer Morgan)

Heute erinnere ich an Corinna Hölzer, Biologin, und an Julia Morgan, mit ihren großen wunderschönen Bauten.

Foto: Dom Greifswald

Ich mag Scarlatti. Seine Musik ist meiner Meinung nach noch immer unterschätzt. Manche Pianisten missbrauchen seine Musik als Fingerübungen – und selbst dann ist es noch schwer. Es wird auch an der Orgel viel zu wenig italienische Musik gespielt (im Gegensatz zu französischer Musik). Scarlatti mit seiner unglaublich kreativen und gesanglichen Musik übertrifft bei weitem die Musik von Bachs Söhnen, die galant, aber nicht in diesem Sinne kreativ ist wie Scarlattis Sonaten. Besonders wunderschön sind K. 213, K. 109, K. 138. Und am allerschönsten: K. 380. Besonders schön ist Scarlattis Musik am (italienischen oder französischen) Cembalo.

Neu: Nussböcker Orgel

Nussbücker Orgel Dom Greifswald

Es fragen mich manchmal Leute, wie es für mich als Wunderkind war – ich denke, es ist vor allem die Förderung, die Gene, die Kontinuität, die besondere Leistung hervorruft – egal, in welchem Alter, aber besonders als Kind (Familie, Umfeld). Das, was unterscheidet, ist, ob man zu etwas hingeschleppt werden muss oder die Förderung freiwillig annimmt.

Ich lese Hans Fagius “Johann Sebastian Bachs orgelverk” – ein schwedisches Buch über Bach (was es eher selten gibt).

Neu: Ladegast Orgel Harz

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12. Mai 2022

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Ich lasse nicht zu, dass andere bestimmen, ob ich dazugehöre oder nicht. Das mache ich selbst. (Serap Güler)

Heute erinnere ich an Megan Rapinoe und Kazuyo Sejima, die schrieben, dass Architektur bedingt, wie Menschen sich im Raum begegnen. Sehr wahr.

Foto: Bach und Ann in Leipzig

Ich habe meine Fingernägel rot lackiert. Äußert selten mache ich das.

Also, es sind 30 km jeden Tag mit dem Radl. Anstrengend. Obwohl es hier kaum Hügel gibt. Die Nummernschilder sind HGW, NVP, RÜG, VPR – nett. Heute habe ich auch mit audite telefoniert.

Und war mein Interview mit Backstage Podcast. Es war schön. Ich musste es schon mal verschieben.

Mir fällt auf, es gibt Orgel Nerds, die sind wie Autofans, oder Maschinenfans, oder Flugzeugfans, also Nerds für Technik, Geräte, Maschinen, Cockpits usw. Um Musik geht es ihnen dabei gar nicht. Solche Nerds können auch komplett unmusikalisch sein. All das alles ist weit entfernt von mir. Denn es geht immer natürlich in allererster Linie um Musik. Meine Liebe zur Orgel ist weit darüber hinaus vor allem die Liebe zur Musik an der Orgel. Die Orgel ist nur Mittel zum Zweck, heißt, die Orgel, so schön sie ist, ist das Instrument (kein Gerät), an der die Musik erklingt. Meine Liebe zur Orgel ist die Liebe zur Orgelmusik. Konkret gesagt, die Liebe zu Bachs Musik. Ich glaube, das ist der große Unterschied zwischen Nerds und Künstlern: Die einen reden pausenlos über das Gerät. Sie kommen nie darüber hinaus. Die anderen machen Musik. Es ist ein riesiger Unterschied, über einen Fußball zu reden oder Fußball zu spielen. Über Kochtöpfe zu reden, oder Essen zu kochen und zu essen, wozu man Kochtöpfe braucht. Über die Voraussetzung zu philosophieren oder das Brillante, das große Etwas, das Unsichtbare, Herrliche hinter der Voraussetzung zu sehen und zu lieben und anzustreben. Es ist eine Frage der Erkenntnis, der Gabe, der Priorität. Die Orgel ist sichtbar, irdisch, materiell. Die Musik ist unsichtbar, geistlich, geistig, himmlisch. Niemand, der sich mit dem Zweiten mit Herzblut beschäftigt, wird ein gewissenloses Lästermaul sein oder bleiben. Sehnsuchtsort Orgel. Hier bleibe ich niemals beim Sichtbaren stehen.

Neu: Ilfeld

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Hätten Schlachthäuser Glaswände, wäre die ganze Welt vegetarisch. (Linda McCartney)

Heute erinnere ich an Yvonne Ryakiye aus Busoro. Googelt sie mal.

Ich wohne nun auf dem Dorf. In einem wunderschönen Dorf. In Groß Bisdorf. Ich fahre also mit dem Radl, 14 km. Nach Greifswald. Über Felder und durch Dörfer. Gestern bin ich mit einem roten Hollandrad geradelt. Jedoch war der Sattel zu hoch. Mal sehen, wie lange ich mit dem schwarzen Klapprad brauche.

Heute wurde die Domorgel Greifswald gestimmt. Ich übte derweil auf der Nussbücker Orgel im Dom.

Ich freue mich auf das WE und das Konzert.

Neu: Ladegast Orgel Harz

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Foto: Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

Tabubrüche sind für viele schwer auszuhalten. Aber Kunst stößt ständig in Bereiche vor, die schmerzen, schmerzen müssen. (Marion Ackermann)

Das stimmt. Kunsthistorikerin. Heute erinnere ich an Germaine Krull, deutsch-niederländische Fotografin.

Foto: Greifswald, Dom

Ich bin wieder in Greifswald, über Leipzig gereist.

Ich mag den Parallelismus Membrorum in den Psalmen: Wenn dasselbe mit verschiedenen Worten gesagt, wiederholt wird, in unterschiedlichen Formen. Das mache ich auch oft. Wie die Psalmen wohl gesungen wurden? Wie ein Psalterium wohl geklungen hat? 

Es ist wahr, dass, wenn eine Sache zu lang geht, beispielsweise der Männer-Hype in Kompositionen oder in der Orgel-Welt, dann entsteht, wie Wellen in einem Meer, das Bedürfnis, dagegen zu wirken, etwas Neues zu wagen, zu riskieren, zu beginnen, es auszugleichen. Es ist, als würde die Erde an sich für Ausgleich suchen wollen und sich dafür Menschen aussuchen. I can feel it. 

Neu: Orgel-Information: Jehmlich Orgel in der einzigen katholischen Kirche in Greifswald, St. Joseph:

Jehmlich Orgel St. Joseph St. Otto Greifswald

Neu: Orgel-Information Jehmlich Orgel Plauen:

Jehmlich Orgel Erlöserkirche Plauen

 

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8. Mai 2022

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Wenn Sie glauben, ich habe schon sehr viel über Frauen gesprochen, dann sei Ihnen versichert: Ich habe gerade erst angefangen. (Sahle-Work Zewde)

Äthiopische Politikerin. Heute erinnere ich auch an Mildred Scheel, deutsche Ärztin.

Foto: Seufert Orgel, Dom Würzburg

Muttertag ❤️Das Konzert im Südharz hier in Thüringen war sehr gut besucht, die Kirche voll. Presse war auch da. CDs verkauft. Blumen bekommen. Danach kamen alle draußen zu einem kleinen Empfang mit Sekt und Snacks und Dips zusammen. Leider konnte ich deswegen nicht mit auf das Proben-WE nach Binz (auf Rügen), schade, nicht mitfahren. Ich war schon mal in Binz mit der Fähre bei meinen Rügen-Konzerten. Sehr schön. Aber die Orgeltour hier in Thüringen war auch wieder sehr genial. Ich liebe den Harz. Wir waren in Neustadt im Harz an der wunderschönen Ladegast Orgel von 1876 (meine 18te) und an der Jehmlich Orgel in ev. St. Georg-Marien im malerischen Ilfeld (Harztor, bei Nordhausen), aus den 50iger Jahren, die nun gereinigt wird, nachdem die ganze Kirche restauriert wurde. Beide Orgeln werden von Hüfken (Halberstadt) betreut. Die Orgeln sind auch innen sauber und gepflegt. Vielen Dank an Christine Heimrich und Klaus Rödiger.

Letztes Mal waren wir Quedlinburg und in Hahnenklee. Der Südharz ist Karstgebiet mit Gips als Untergrund. Der kleine Fluss Wieda und der Fluss Bere versickern im Sommer im Gips. Ganz in der Nähe ist das KZ Dora. Hier wurde die V-2 Rakete im 2. WK als Vergeltungswaffe entwickelt. Und natürlich sieht man den Berg Kohnstein, die Burgruine Hohnstein mit Restaurant und den Brocken, den Goethe für seine Hexen-Stories verwendet hat. Goethe soll auch in Ilfeld abgestiegen sein. Dort hinauf auf den Brocken fährt die teure Harzer Schmalspurbahn mit echtem Dampf.

Es sind sehr viele Motorradfahrer unterwegs, die in Tunneln Gas geben. Die stärken sich dann im Netzkater. Die Thüringer Bratwurst hat das besondere Gewürz, das schon in Sachsen-Anhalt nicht mehr dasselbe ist.

Alles voller hübscher Fachwerkhäuser, Biergärten und gelber Rapsfelder. Pollen überall. Meine Nase juckt. Ich niese. „Haben Sie Corona?“ „Nein, ich habe Heuschnupfen“. Skeptischer Blick. Als ob Niesen etwas mit Corona zu tun hätte. German Angst. Ich habe leider eine ganz andere Angst: Wir waren nach den Orgeln auf der berühmten großen Hängebrücke im benachbarten Sachsen-Anhalt (Rappbode Talsperre). Die schaukelt ganz schön in ca. 70 m Höhe an der Staumauer. Ich konnte leider keine Fotos machen, weil die Höhenangst meine Knie weich macht, ich musste mich den ganzen Weg an beiden Geländern festhalten. Da die Brücke recht breit ist, hatte ich danach lahme Arme. Ein Mitarbeiter hat mich beobachtet und sagte hinterher, wenn er das gewusst hätte – er hätte mich auch beauftragen können, wenn ich schon mal dabei bin, die Geländer mit einem Tuch zu wischen. Manche haben die Brücke extra schaukeln lassen, was natürlich verboten ist. Neben uns sausten die nach unten, die das Fliegen gebucht haben. Man bot es mir an, aber ich konnte mich nicht dazu durchringen. Es erinnerte mich an meine Münsterbesteigung in Ulm, als sich die ganze Bagasch hinter mir stapelte, weil ich wegen HA im Schneckentempo hochstieg. Zurück konnte ich auch nicht mehr. In Ilfeld hätten wir auch auf den Turm gehen können. Es sind dort 7 Glocken. Es ist dort nicht ganz gesichert, sehr steile Treppen. Ich habe es nur bis zur ersten Glocke geschafft, trotz guten Zuredens. Spät abends schauten wir dann noch 2 Krimis.

Danke an alle lieben Leute hier! Vielen Dank an Sabine Wegner und Gemeinde Obersachswerfen.
Gute Nacht! Und morgen auf nach Plauen!

Neu: St. Marien zu Bergen

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Ladegast Orgel Neustadt im Harz (Thüringen)

Alles Heilige hat etwas Kindliches. Gott selbst. (AHS)

Heute erinnere ich an Sara Seager, Astrophysikerin, kanadisch-amerikanisch.

Foto: Kirschsocken im Kino

Bin wieder im Norden. Es ist nun schon etwas wärmer hier. Es gibt sogar Löwenzahn. Nach einem langen Tag schaue ich 9-11. Es ist zwar komplett unrealistisch, aber entspannend und berührend. Ich selbst lebe hinter dem Mond, was Serien, Netflix, Amazon Prime und Disney Plus oder wie das heißt angeht. Ich habe dafür keine Zeit. Aber hier im Norden werde ich mit hineingezogen, die Leute haben all das schon seit Jahren und haben alles schon durchgesehen. Man glaubt kaum, dass das geht. Es scheint süchtig zu machen.

Ich liebe Scarlatti. Ist es nicht erstaunlich, dass er mit Bach lebte und so ganz andere wundervolle Musik schrieb?

Der apokalyptische weiße Reiter. Physharmonica Solo. Edition Merseburger Verlag

Neu: Orgel Information Greifswald

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In unserer Zeit ist Musik schon zu Alkohol gegärt. (AHS)

Heute erinnere ich an Sandra Hüller, die diszipliniert große Theaterprojekte beschloss, ohne Larmoyanz.

Es ist schon Mai! Maibaum, Feuerwehr, Residenzlauf. Und ich war in Schwebheim an meiner 17. Steinmeyer Orgel, Opus 1837.

Ich freue mich sehr: Meine beiden neuen Orgelwerke sind beim Merseburger Verlag herausgekommen und bei mir eingetrudelt: Edition Merseburger 2835: Der apokalyptische weiße Reiter. Physharmonica-Solo. Und Edition Merseburger 2836: 7 Sendschreiben Laodicea (Fensterbilder Tholey). Es sind schöne rote Noten, Baujahr 2021 und 2022. Das ist mein viertes Werk, das 2022 rausgekommen ist. Neben LICHTUNG, meinem Orchesterwerk (Furore Verlag 2644) und meinem Orchesterwerk bei Stringendo. Es macht mir viel Spaß, zu komponieren. Ich liebe es, meine Kompositionen zu veröffentlichen und unsterblich zu werden. Komponieren ist für mich die höchste Form der Kunst überhaupt. Es ist wie die Königsdiziplin der Kunst. Wie Morde aufgrund von Indizien aufklären, die Königsdisziplin im Rechtssystem ist (wobei es ein Rechtssystem nicht gibt, Kunst schon). 

Ich freue mich auf meine Konzerte in Plauen und im Südharz.

Ich freue mich auch, dass Leguano mir wieder neue schöne Schuhe geschickt hat, und zwar die hübschen Hausschuhe. Ich kann Leguano Barfußschuhe nur empfehlen. Absolut bequem und schön für schöne Füße. Leguano baut jedoch nicht für sehr große oder dicke, breite Füße. Daher kaufen Männer oft andere Barfußschuhe. 

Man muss sich vorstellen, dass der geniale Heinrich Schütz, der Magdalena Wildeck heiratete, im Dreißigjährigen Krieg lebte und nach Dänemark “flüchtete” mit seinen Konzerten und Kompositionen, um eine Auszeit vom Krieg zu haben. Ich bin jetzt auch einige Zeit unterwegs. Meinem Autochen Drop geht es wieder gut, wir haben es geputzt, gefahren, gelüftet, gesaugt und wieder gut gemacht. Als ich auf der Tankstelle auf der Autobahn war, hatte ich sogar vergessen, dass der Tankdeckel rechts ist und musste noch mal rückwärts raus. Es gab ein paar Männer, die mich dabei amüsiert beobachtet haben. Ich musste auch lachen. 

Später war ich bei einer Freundin zum Essen eingeladen, mit Festungsblick. Wir haben mit dem schwarzen Thermomix gekocht. Ich liebe püriertes Essen, alles, was sahnig und cremig ist (vielleicht noch übrig geblieben aus meiner Babyzeit?) Für püriertes Essen ist der Thermomix genial: Tomatensuppe, Kartoffelpüree, Eis…

Ich habe heute Immanuel Kant gelesen. Ihm scheint es viel um Regeln und Dogmen zu gehen, um Pflichten (egal, ob er diese nun als göttliche Gebote, ethische oder moralische Pflichten bezeichnet). Wenn ich das lese, fallen mir schon vor Müdigkeit die Augen zu. Was manche (berühmten) Männer aus “natürlicher Religion” gemacht haben, ist ermüdend und anstrengend. Warum so kompliziert? Gott ist doch gar nicht kompliziert. Warum nicht einfach die blühenden rosa Bäume betrachten und die weiten gelben Felder? So ist Gott. Würde ein Mann rosa blühende, duftende Bäume erschaffen? Nein. Würde ein Mann glänzende gelbe Felder und zarte Blüten erschaffen? Nein. Gott ist weit entfernt von dem, was viele Männer meinen, Gott sei. Männer denken, nur das Starke darf und wird überleben? Der Mann glaubt: Evolution. Gott ist genau das Gegenteil von Evolution. Er liebt das Zarte, das Winzige, das Weiche, das Duftende. Männer erschaffen graue Autobahnen, Asphalt, Krieg, Porno, Konkurrenz und Hochhäuser und lästern hintenrum. Gott erschafft Maikäfer und Blaukehlchen, Maulwürfe, Babies und Bienen und küsst dein Gesicht. Gott ist meistens das Gegenteil von Mann. Gott sei Dank. 

Foto: Ladegast Orgel Köthen

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Neu: Scarlatti, Transkription AHS, Stralsund St. Nikolai, Buchholz Orgel 

Steinmeyer Orgel Schwebheim

Orgel News

Bachs Verwandte: Choral Variationen, Steinmeyer Orgel

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Bachs tolle ältere Verwandte

1. Mai 2022

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Niemand von uns kennt den Tod. (Sokrates)

Vielleicht ist der Tod das Beste? Nichts, wovor wir uns fürchten müssen?

Heute erinnere ich an Anna Mae Hays, Offizierin aus Buffalo, 1920 geboren. Als Krankenschwester half sie den Soldaten zu überleben.

Heute übe ich am Flügel Liszt B-A-C-H. Es macht Spaß. Es ist ganz anders als an der Orgel.

Foto: Silbermann Orgel Helbigsdorf

 Neu: Orgel-Information: Schwebheim bei Schweinfurt

Steinmeyer Orgel Schwebheim

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30. April 2022

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Es gibt so etwas wie “geborgener Schmerz”: Bach drückt in seiner Musik Schmerz in Geborgenheit aus. (AHS)

Foto: St. Nikolai Stralsund

Es ist eigentlich ein völlig falsches, abschreckendes und bedenkliches Wort, Generalbass „Generalbass“ zu nennen. Es müsste ein neues Wort gefunden werden, das weniger kriegsmännerautoritär klingt, denn es geht ja um etwas ganz anderes: Ankerbass müsste er genannt werden. Denn der sogenannte Generalbass bedeutet nicht, stur nach Zahlen zu spielen, was manche fälschlicherweise denken und auch so unterrichten, sondern er ist etwas sehr Kreatives: Eine Sprache, eine Klangsprache, die man lernt, um mit anderen kammermusikalisch zusammenzuspielen. Das macht Spaß!

Der Greifswalder Domchor macht auch Spaß. Einen Chor zu dirigieren ist eine feine Sache. Es ist zudem Gehörbildung pur, finde ich. Die Arbeit mit Stimmgabel ist noch seltsam für mich; denn ich habe eigentlich ein absolutes Gehör. Aber vor einem Chor habe ich schon erlebt, dass man in eine Art „Rauschzustand“ gerät und gar nichts mehr hört, weil man in der Musik schwebt und nur noch das hört, was man hören will: Engelsgesang. Es ist also absolut Training und Erfahrung. „Mehr nicht“. Bodenarbeit. Nicht im Himmel schweben. Es gehört Mut dazu, sein Gehör, diesen wichtigen Sinn, der Realität zu überlassen. Das zu hören, was real ist. Das Gehör hat sehr viel mit der Seele zu tun, spiegelt diese sozusagen wider. Wer eher verträumt ist und mit dem Kopf im Himmel lebt, hört dementsprechend anders. Ich höre oft mit Adrenalin und Rausch, oder mit Drama oder mit unendlichem Gefühl. Aber ich weiß, dass man auch sehr nüchtern, gelassen und klar und real hören muss. Das kann ich auch. Beim relaxten Üben. Und genau dieses Hören braucht man bei der Chorleitung. Down to earth, ganz beim Chor, auch wenn er „schief“ singt. So auch im übertragenen Sinne. Manchmal ist übergroße Musikalität auch ein Hindernis. Wenn sich mein Gehör mit meiner Vorstellungskraft verbindet. Mit geschlossenen Augen wiege ich mich Engelsmusik, während der Alt keinen Ton trifft. Beste Sprüche dieser Woche:

“Mach meine Stimmgabel nicht kaputt“.

“Wenden Sie sich doch mal dem Alt zu.“

In der Dusche lache ich oft über solche Sprüche noch lange im Nachhinein. Ich liebe Situationskomik, wenn Leute kollidieren mit meiner komplexen Innenwelt.

Insgesamt ist das System der Kirchenmusik oft erschreckend bürokratisch, kühl und nüchtern. Wenn die Kirchenmusik ein Mensch wäre, bräuchte der Mensch einen ordentlichen Schuss Spontanität, Flexibilität, Gnade ins Blut gepumpt. Dann kämen auch wieder mehr Menschen in die Kirche. Es wundert mich nicht, dass so viele Menschen aus Kirchen austreten. Das System ist zu hart und zu lieblos. Oft ohne Erbarmen. Auch ich bin mit einem Berg von Bürokratie konfrontiert. Allerdings muss ich persönlich lernen, mit Nüchternheit gut umzugehen. Eine Spur mehr Nüchternheit würde mir gut tun. Dennoch und deswegen merke ich, dass die Ausbildung an sich wertvoll und wichtig ist.

Im Mai kommen on top viele Konzerte auf mich zu. Bitte betet für mich. Ich brauche viele Wunder, weil sich im Mai Termine stapeln und teilweise alle auf einen Tag fallen. Ich kann mich nicht zerreißen zwischen Terminen, die 1000 km auseinander liegen. Wichtig: Entscheidungen fällen. Ich versuche dabei, auf mein Herz zu hören.

Orgel-Information:

Pfaff Orgel Klosterkirche Oberndorf, Schwarzwald

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29. April 2022

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Jeder Mensch kommt mit einem weiblichen Gehirn zu Welt. (Tatsache)

Heute erinnere ich an Marlene Dumas, südafrikanisch-niederländische Künstlerin.

Orgelstadt und „schwedische“ Hansestadt Stralsund: Wunderschöne, große, süffige Buchholz-Orgel mit 56 Registern, 3 Manualen und ihrem typischen spitzen Gehäuse, lieblich, ich liebe Buchholz! An Buchholz Orgeln kann man erkennen: Orgeln sind zwar groß, aber auch sehr zart und zerbrechlich. Genau diese Mischung LIEBE ich. Schöne Hansestadt Stralsund, von ihrem “Vorort” Altefähr auf Rügen besonders gut zu sehen, vom Strand aus, direkt bei St. Nikolai Altefähr. Hier küssen sich über die Ostsee zwei Seefahrerkirchen namens St. Nikolai. Schuke Chororgel rechts oben. Truhenorgel unten.

Mehr als 3800 Pfeifen.

Das Besondere des silbernen Schwellers: Der Löffeltritt fungiert wie ein viertes Manual. Er wird súbito piano, wenn man ihn zum Echoeffekt loslässt. Er kann aber auch ganz konzentriert bewegt werden. Schöner, je spitz zulaufender Prospekt, flach, da kein Rückpositiv.

Sehr schön ist auch der alte viermanualige Spieltisch, der noch bis vor kurzem gespielt wurde und unten als Ausstellungsstück neben der „Kinderorgel“ steht.

Die Orgel wurde neu gebaut 1841 durch C. A. Buchholz 1841 (vorher Orgel von N. Maaß (1599), Kosten ca. 11.060 goldene Taler), dann umgebaut 1879 und 1895 durch F.A. Mehmel, wieder umgebaut 1935 durch Fi. Heinze (Kolberg), erweitert und umgebaut 1951/1955 durch Fi. Schuke und stillgelegt 1986, erstmals wieder gespielt 1997, schließlich restauriert, saniert und neuintoniert 2006 durch Fi. Wegscheider.

Einst schwedische Hansestadt. Stralsund und Greifswald sind mit knapp 60.000 Einwohnern ca. gleich groß, aber völlig unterschiedlich. Die eine eine Unistadt. Die andere, Stralsund, eine Hafen-Orgel-Urlaubsstadt.

Egal wie groß eine Orgel ist: Ein solches „Blasinstrument“ muß von der Basis her immer weicher gespielt werden als ein „Schlaginstrument“ wie Flügel.

Foto: Dinse Orgel Sassnitz, Rügen

Neu: St. Marien Stralsund

Stellwagen Orgel St. Marien Stralsund

Große Buchholz Stralsund

Johann Michael Bach – Choral, Stralsund St. Nikolai Buchholz Orgel Vlog AHS, Organ Improvisation

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