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28. September 2025

Foto: Musikalischer Bibliolog

Bin unterwegs von Rendsburg bei Kiel nach Balve bei Dortmund, im Sauerland, was doch weiter weg ist als ich dachte – zum Konzert. Der Chorleitungs-Intensiv-Kurs mit Annedore Hacker-Jakobi im Nordkolleg Rendsburg war super, kann ich nur empfehlen.

Es war echt sehr intensiv. Wie ein Schwamm habe ich alles aufgesaugt. Ich habe Annedore ja im Studium an der HfMT Hamburg schon kennengelernt. Sie stammt auch aus der Wolfgang Schäfer-Schule, den ich ja auch wunderbar finde.

Wir waren eine tolle Gruppe und ich habe viel gelernt. Im Abschlusskonzert sollte ich Evening Prayer dirigieren. Aber leider musste ich schon weg.

Was habe ich erlebt?

  • spielerischer, positiver Umgang mit Leitung und Musik
  • spannendes weibliches Repertoire
  • Themen: Bewegung, Kreativität, Bühnenpräsenz und Gruppendynamik bzw. Gruppenphänomene
  • Einstieg, Übergang, Probe
  • Einsingen (lang und kurz) und körperliche Warm-Ups
  • Technik
  • Das Standing vor dem Chor
  • Funktionales Wissen über die Stimme und Übungen dazu
  • Das Lernen von anderen und durch andere (Feedback, Austausch) zu Dirigat und Probenmethodik

Chorleitung ist ein sehr weites Feld und doch etwas Fließendes und Natürliches.
Pädagogik, Musikalität, Klangvorstellung, Psychologie, Gesangsqualitäten, aber auch klarer, strukturierter Pragmatismus und Methodik gehören dazu.

Ich mache vieles instinktiv und gefühlvoll. Alle intensiven, ruhigen Stücke kommen mir entgegen. Andere wiederum stehen mehr auf Zahlen, fetzige Stücke, viele Taktwechsel usw. Beides ist wichtig.

Balve Schwalbennest-Orgel:

27. September 2025: … set way-marks for the doubtful feet that stumble on in search of it. 

Ich bin im hübschen Rendsburg bei Hamburg bzw. Kiel im Norden angekommen. Das Nordkolleg ist ein großes grünes Gelände. Es ist sonniges Wetter. Wir sind eine interessante große schöne Gruppe mit völlig unterschiedlichen Backgrounds. Das ist spannend.

Chorleitung ist etwas Natürliches. Wie Singen. Manche machen daraus eine Wissenschaft, etwas Abgrenzendes. Dabei ist es etwas so Natürliches und Menschliches, gerade für musikalische Menschen. Ich glaube, dass gerade die daraus etwas Ausgrenzendes oder Abgehobenes machen, die in anderen musikalischen Gebieten versagen, z.B. darin, ein Instrument zu spielen oder gut zu spielen.

Aber eigentlich ist Chorleitung etwas, das jedem steht und liegt. Etwas, das man gut lernen kann. Etwas, das sehr individuell ist. Nicht gefährlich, maskulin oder autoritär. Im Gegenteil. Etwas, das bei jedem „funktioniert“, wenn man musikalisch ist.

Leider gibt es Leute, die Chorleitung beherrschen oder kontrollieren wollen, oder daraus einen Wettbewerb machen, nach dem Motto: Das ist erlaubt, das nicht. Das darf man machen, das nicht. „Es geht nur so“. „Nur so ist es gut.“ Das ist falsch.

Deswegen ist Chorleitung ein Prozess. Erfahrung. Vertiefung. Bühnenpräsenz. Gruppendynamik. Um den eigenen Weg zu finden.

Hier sind wir eine schöne Gruppe mit tollen Komponistinnen. Wir lernen viel. ❤️ Ich gehe schlafen mit überkreuzten Ohrwürmern.

Ich habe Clara Schumanns Gandoliera dirigiert.

26. September 2025

Heute erinnere ich an Walentina Kirliana.

Meine neue Lieblings-Pizza ist Bresaola-Pizza. Was mich schon immer an Pizza gestört hat, ist „Hinterschinken“. Gruselig. Aber richtig lecker ist der norditalienische, milde Bresaola, zusammen mit Rucola auf Pizza.

Schuberts wunderschöne 4 Impromptus spiele ich an meinem Gotrian Klavier. Wenn dann alles fertig ist, gehe ich an den Steinway.

25. September 2025: Wenn ich zum Himmel flöge, ich könnt dir nicht entflieh’n. Wenn ich zum Abgrund zöge, ich fände dich darin. Trüg’ mich das Morgenrot bis zu der Erde Enden, du hieltest mich in Händen im Leben und im Tod. (Thurmair)

Foto: Konzert in Balve

Dieses Lied GL 428 gehört mit zu den schönsten der Welt, finde ich. Einer der schönsten Texte im gesamten Gotteslob ist von einer Frau geschrieben. Auch die Melodie liebe ich. Wenn ich im Marienheim mit den alten Menschen an der Kapellen-Orgel singe, bin ich diejenige, die bei diesem Lied weinen muss, weil mich der Text so berührt.

Ich freue mich auf Rendsburg und Balve.

Gerade lese ich jeden Tag Bücher in alter deutscher Schrift, da ich festgestellt habe, dass ich die am Anfang gar nicht lesen konnte, und das gefiel mir nicht. Zudem lese ich gerade Lebendige Stimme.

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24. September 2025: So leben heute noch viele Politiker, Parteien und selbstgerechte Machtmenschen.

Ich habe das alte Buch gelesen: Helmut Kohl, die Macht und das Geld von Hans Leyendecker u.a.. Obwohl es so ein altes, dickes Buch ist, lernt man von diesem Werk sehr viel über unsere jetzige Politik und unsere jetzige Justiz und unsere Gesetze. Das Buch ist im Grunde diesbezüglich zeitlos. Ich finde, man lernt von diesem Buch viel über unser Land, wie es sich entwickelt hat, wie es so weit kommen konnte, wo die Weichenstellungen waren. Ich kann es nur empfehlen, jedenfalls allen, die sich für Politik, Geschichte und Justiz interessieren.

Es geht dabei nicht um Helmut Kohl allein; er ist längst tot und hat auch sicher viel Gutes für unser Land getan. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man das, was jemand Gutes geleistet hat, wegwerfen kann oder muss, wenn er etwas Falsches tut. Das ist unmenschlich. Es geht mehr um das ganze (Männer-)System, um den Geist dahinter, um die Zusammenhänge, die blinden Flecken, „den Gesetzgeber“, das „Grundgesetz“.

Das, was unser Land rettet, ist Vergebung und Umkehr.

23. September 2025: Hehr ist sein Name und alle Himmel sind sein Gebiet. (Christian Fürchtegott Gellert)

Heute erinnere ich an Evelyn Palla. Und erneut an Erika Kirk, die ich von ganzem Herzen bewundere.

Mein dunkelbraunes Gotrian Steinweg Klavier ist endlich bei mir angekommen. Seit ich klein bin, hatte ich immer auch ein Klavier, nicht nur einen Flügel. Es ist etwas Gemütliches, Intimes und positiv Introvertiertes, an einem Klavier an der Wand zu üben, wie ich es seit meiner Kindheit gewöhnt bin. Ich fühle mich sicher und fein. Die Welt ist heil.

Seit ich Kind bin, hatten wir folgende Klaviere im Haus: Yamaha, Blüthner, Steinweg.

Empfehlen kann ich, jeden Tag vierstimmige Chorsätze und vierstimmige Choräle am Klavier zu spielen. Es ist wie Vollkornbrot. Gesund.

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22. September 2025: Es ist im Grunde unmöglich.

Foto: Pedal Bad Homburg Gonzenheim 2025

Heute erinnere ich an Evelyn Palla.

Das Konzert war sehr schön. Natürlich habe ich die Fuge BWV 542 gespielt. Ich hasse es übrigens, wenn jemand diese Fuge als „das Kaffeewasser kocht“ bezeichnet. Was für eine dämliche Respektlosigkeit. Es ist ein so dichtes Werk, das einem keine Luft lässt, eine Fuge, die nach der Fantasie buchstäblich explodiert. Mit Kaffeewasser hat dies alles überhaupt nichts zu tun und ist einfach nur lächerlich.

Es war schön, hier zu konzertieren an der frisch gestimmten Orgel. Neu hinzugekommen ist die Trompete 8 im HW und die Klangkrone 1 im OW und die schrille, piepsige Mixtur im HW wurde abgemildert. Das Nachthorn 2 im HW wurde entfernt.

Gonzenheim hat ca. 8000 EW, Bad Homburg ca. 57.000 EW.

21. September 2025

Foto: Orgel Bad Homburg Gonzenheim 2025

Ich bin in Gonzenheim angekommen:

Mild neobarocke, mechanische, frisch sanierte Förster & Nicolaus Orgel ev. Kirche Gonzenheim Bad Homburg, Taunus, Hessen, 17 R, 2 M, 2000 Pfeifen, Schleifladen

Die Gonzenheimer Orgel ist ein Allround-Instrument, auf dem viele Musikrichtungen gespielt werden können. Sie wurde 2024/2025 gereinigt für über 100.000 Euro von F&N.

Hübsche, schlichte, helle Kirche mit türkis geschmückter Tafeldecke und Turm.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.

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19. September 2025: Es ist Grashüpferzeit.

Foto: Konzert Bad Homburg Gonzenheim

Heute erinnere ich an Kaija Saariaho.

Ich freue mich auf das Chorseminar in Rendsburg, gesponsert für meinen Master Chorleitung von der Folkwang Essen. Ich habe auch wieder angefangen, für Chor zu komponieren. Seit ich Chöre dirigiere, ist natürlich auch mein Interesse für Chorliteratur intensiver geweckt.

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18. September 2025

Foto: Orgelherbst Twistringen

Heute erinnere ich an Vítězslava Kaprálová.

Ich liebe die Chormusik von Clara Schumann. Die Art, wie sie Text in Musik setzt, ist sehr intensiv, ihre harmonischen Wendungen besonders.

Überhaupt mag ich Chormusik; es ist zwar eine andere Stilistik hier und da als das, was ich an Flügel und Orgel spiele. Und manches des heutigen Chorrepertoire ist mir auch zu platt oder zu einfach gestrickt und zu sehr auf (rhythmische) Effekte aus – man findet überhaupt sehr viele Effekte auf engstem und kürzestem Raum vor in der Chorliteratur.

Aber dafür gibt es auch Stücke, die umwerfend sind, besonders in der alten Literatur, und nicht zu überladen mit den typischen Choreffekten, die mich auf Dauer stören, weil sie mir kitschig vorkommen. Die „neuen“ Stücke sind oft voll mit postromantischen Dissonanz-Wendungen. So etwas Plattes würde man für die Orgel niemals schreiben.