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Organistin

22. November 2025: Sogar im Plumpsklo ein Schmetterling. (Issa)

Heute erinnere ich an Bachs Lyriker, Salomo Franck.

Die Kombination von Musik, Spielen, Lernen und Lehren ist mit Schönste im Leben. Johann Sebastian Bach hat dies richtig gelebt: Seine Schüler (leider gab es darunter nicht wirklich Frauen) lebten bei ihm und seiner Frau, daheim, teilweise viele Jahre lang. Maria Barbara versorgte sie alle. Es waren mindestens 12 Schüler. Und damals musste Wasser aus dem Brunnen geholt werden.

Sie aßen, halfen, schliefen. Sie erlebten diese wundervolle Familie jeden Tag. Das ist wahrer Unterricht. So etwas gibt es heute leider so kaum mehr. Aber ich habe das erlebt. Daheim. Als Kind. Bei meiner Familie. Im Ausland später. In den USA. In Studium, als ich bei meinen Profs. daheim lebte – und auf Meisterkursen. Und ich habe es geliebt und bin sehr dankbar dafür.

Einen solchen Haushalt zu führen, war unglaublich viel Arbeit. Gut, dass Maria Barbara ihre Schwester im Haus hatte.

Johann Sebastian war zwar wohl kein Freund von Opernmusik, aber definitiv von Kammermusik. Ich liebe Kammermusik auch. Diese fehlt in der Kirchenmusik leider oft. Für J.S. gehörte diese genauso zur schöpferischen Arbeit zu Ruhm und Ehre Gottes. Leider verstehen dies viele Kirchen nicht – und verachten Instrumente, Soli und (professionellen) Gesang.

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20. November 2025: In dem, in dem Bach am besten war, verdiente er kaum. Das hätte nicht zum Leben gereicht.

Ist es nicht bemerkenswert, dass in dem, was am Ende als Kunst bezeichnet wird, oft (zu Lebzeiten) keine müde Mark mit verdient wird oder zu verdienen ist? Umgekehrt gilt das oft genauso: Wer mit etwas auf der Erde viel verdient hat, hat seinen Lohn meist schon gehabt. Sein Werk verpufft und kein Hahn kräht mehr danach.

Vielen Leuten ist es erstaunlich unwichtig, ob ihr Werk Bestand haben wird oder nicht. Alles, was nach ihnen passiert, interessiert sie nicht mehr. So habe ich nie gedacht. Im Gegenteil. Vermutlich, weil ein Teil meiner Freunde schon lange tot ist.

In dem, in dem Bach am besten war, verdiente er kaum. Aber das war ihm egal. Er suchte und brauchte die Zeit zum Komponieren.

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19. November 2025: War Johann Sebastian wirklich kein Freund der Oper?

Johann Sebastian fand sich, als er endlich seine „regulierte Kirchenmusik zu Ehren Gottes“ machen durfte, nicht in der Kirche, sondern bei Hofe wieder. Also als „säkularer“ Musiker, in Weimar. Denn sowohl in Arnstadt als auch in Mühlhausen hatte er bereits eine schwere Zeit als Kirchenmusiker durchlebt: Streit und Druck; er schrieb, dass ihm in den Kirchen die regulierte Kirchenmusik verwehrt worden war. Verwehrt! Dann war es also schon damals so. Vermutlich schon immer? Bach war tief enttäuscht erstens über die Bezahlung und zweitens: „Eine regulierte Kirchenmusik zu Ehren Gottes und Ihrem Willen war nicht möglich.“ An den Pfarrer bzw. den Kirchenvorstand.

Das ist sehr mutig, das so zu formulieren. Viele Kirchenmusiker machen einfach weiter, was man ihnen sagt; ob es eine regulierte Kirchenmusik zu Ehren Gottes ist oder nicht. Viele wissen zudem gar nicht, was das überhaupt bedeutet. Bach wusste offensichtlich genau, was es ist. Und was er wollte. Denn es ist schon ein starkes Stück, den Geistlichen mitzuteilen, dass „eine Kirchenmusik nach Gottes Willen hier nicht möglich war.“

So einen Ort zu finden, wo es möglich ist … ob der nur im Traum existiert? Oder im Himmel? Habt ihr schon mal einen Ort gefunden, an dem wirklich die Kirchenmusik gemacht wird, die zur Ehre Gottes ist? In Freiheit und Kunst? Offen und gläubig? Virtuos und frei? Hingegeben und ohne Kampf zwischen evangelisch oder katholisch? Ohne religiösem Getue und Macht? Ohne auf einen Stil festgefahren zu sein? Ohne Vetternwirtschaft und Frauenfeindlichkeit? Heilig und in Liebe? Auf höchstem Niveau?

Ich mag Oper natürlich gern. Nicht nur als Spektakel. Es ist definitiv Kunst. Es ist nicht meine Lieblingskunst, da mir die gewisse Tiefe fehlt, das Geistliche. Es wird zwar durchaus das Existenzielle thematisiert, Tod, Liebe, Leben. Aber eben nicht der Himmel bei Gott. Somit ist Oper nicht vergleichbar mit Bachs Kantaten. Da liegen Welten. Zu Bachs Gunsten. Ich mag Geschichten, gute Storys. Aber noch mehr mag ich, mit der Wahrheit tief berührt zu werden.

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18. November 2025: Ja, sagt’ ich, komm nur her, du getreues Instrument. Unser Reich ist nicht von dieser Welt. (Eichendorff)

Foto: Steinway und Trompete 2025

Was im Kopf von Menschen vorgeht, die ein Instrument als Hobby erlernen und die Musik als Hobby betreiben und darin dilettieren, mit ab und zu Üben, war für mich nicht immer leicht zu verstehen, da Musik ein Teil von mir ist, sowohl körperlich als auch emotional, mein Ausdruck ist, sowohl geistlich, körperlich als auch seelisch. Und dieser Ausdruck soll der beste und schönste und intensivste sein, sonst hat es doch keinen Sinn. 

Doch auf der anderen Seite ist es gerade für Profi-Musiker wichtig, ein Instrument als Hobby und ganz ohne Leistung zu erlernen, wie zum Beispiel das Saxophon.

Man lernt, wie man als Erwachsene lernt (wobei ich das schon kenne, siehe die Orgel, die ich als Erwachsene professionell mehr oder weniger über Nacht lernte). Frau sieht von außen auf sich, wie sie lernt. Und man sieht und lernt, wie man unterrichtet wird. Die Kombination von Musik, Spielen, Lernen und Lehren ist mit Schönste im Leben.

Ich habe von meinen Eltern viele „alte“ Klavierbücher, u.a. Nachdenken über Musik (1976) von Alfred Brendel, erhalten. Jetzt, mit den Augen von heute, ist so ein Buch in gewisser Weise seltsam.

Brendel bedankt sich ausschließlich bei Männern, eine Liste, als hätte er in seinem beruflichen Leben nur mit Männern zu tun gehabt, was vermutlich stimmt. Letztendlich ist das ganze Buch für und von Männern, er schreibt rein maskulin und zitiert ausschließlich Männer und listet diese in Fußnoten, um einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben.

Auf jeder Seite werden unterschiedliche Männer genannt, die mit weiteren unterschiedlichen Männern über Männer-Komponisten diskutieren. Diese Art Buch in seiner völlig Ignoranz, was Frauen angeht, weibliche Kunst, Kolleginnen, Künstlerinnen, Pianistinnen etc., ist erschreckend.

Ein Wesen vom Mars würde denken, es gäbe nur Männer auf der Welt, würde es so ein Buch in die Finger kriegen. Und wenn es Frauen gäbe, sind sie weder in der Kunst noch im Originellen und Künstlerischen zu finden? Gerade mal Clara kommt einmal vor.

Ist dies die normale berufliche Welt von Männern, bevor das totale Frauen-Außenvorhalten nicht mehr erlaubt wurde? Ich fürchte ja.

Das einzige Mal, wo von Frauen die Rede ist, auf Seite 126, zeigt eine eher negative Weise – als würde der gute Liszt mit seiner Musik nur „die Frauen“ aufreißen wollen. „Die Frauen“. Wie profan: „Liszts Wirkung wird aufs Physische und Profane beschränkt“, schreibt Brendel. Dieser Satz in diesem Zusammenhang ist schlimm und dumm, man könnte allein über diesen Satz als Merkmal der Frauenfeindlichkeit stundenlang diskutieren.

Ich glaube, dieser Satz ist ein Schlüssel zum Verständnis des ganz normalen, gesellschaftstauglichen Sexismus.

Es ist eine Art berufliche Frauenfeindlichkeit, die sich natürlich auf alles erstreckt. Man kann nicht sagen, man findet Frauen super, wenn man sie nicht im Beruflichen akzeptiert, fördert, annimmt.

Das ist doch sonnenklar. Wieviel Angst muss dahinter stecken, einen so großen Teil der Menschheit nicht wahrnehmen zu wollen und ewig lang unterdrückt zu halten? Nur für Haushalt und Befriedigung zu benutzen?

Der Rest des Buches klingt eher konservativ und langweilig, ich kann nichts Neues oder Künstlerisches in diesem Buch finden.

17. November 2025: Was, du übst du noch? Ich dachte, du hast studiert? 

Foto: Konzert Orgel und Trompete St. Laurentius Kirche Leinach 2025

Das Konzert war sehr schön. Trompete und Orgel ist eine brillante Mischung, besonders in guter Akustik. Wolfgang Huhn, Solo-Trompeter aus Aschaffenburg, und ich hatten Freude beim Spielen. Ein wunderschöner Kranz wurde zum Gedenken nach vorn getragen. Gern hätte ich so einen Kranz. Aber leider bekommt man so einen scheinbar erst, wenn man stirbt?

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Volkstrauertag Oberleinach Kirche


16. November 2025: Beim Klavierspielen stelle ich mir auch Register vor.

Gesegneter Volkstrauertag!

Ich spiele heute ein Trompete-Orgel-Konzert auf einer kirchlichen Gedenkveranstaltung. Ich liebe den Klang aller Blasinstrumente – sei es nun Oboe, Posaune, Flöte … Ich selbst spiele Saxophon und Blockflöte. Habe jetzt wieder regelmäßig Unterricht in Saxophon. Ich habe ein paar schöne Saxophone: Alt, Tenor, C-Melody. Davon spiele ich nun mein goldenes Alt-Sax aus den USA in einem alten Selmer-Koffer, der innen lila gepolstert.

Talent zeigt sich nicht darin, ob man üben braucht oder möglichst wenig üben braucht oder gar nicht – sondern daran, wie sehr und wie häufig man üben möchte. 

Männer und Frauen sind musikalisch unterschiedlich begabt. 

So wie Sport und Herzinfarkt sich anders auswirken oder Alkoholkonsum. Aber oft wird nur die männliche Begabung gefördert in Wettbewerben und im Beruf. Das muss aufhören.  

Sich auch im „Mittelmaß“ (musikalisch) ausdrücken können. 

Denn auch das Leben ist oft „Mittelmaß“. Die meisten Menschen sind es. Mittelmaß muss man sein können. Ob man es nun ist oder nicht. 

Ich habe gestern den alten Männer-Film Fail Safe gesehen. Er ist schlimm und zeigt, wie sehr Männer durch Macht und Krieg das Leben ganzer Städte, das Leben unseres Planeten zerstören.

Habe die Silverline Classics DVD Collection, aber ich bin nicht mehr Fan, denn: Die alten Aufnahmen mancher Orchester sind – ich weiß nicht, wie man das nennen soll – … da sitzen die Orchester, mit wenigen Frauen bestückt, und es werden ausschließlich und ununterbrochen die Männer gefilmt und das in Großaufnahme – die Frauen sieht man nur, wenn die Kamera auf die gesamte Bühne schwenkt. Warum?

Und ich lese Der ideale Chordirigent von Wolfgang Schäfer, hat er mir zugeschickt, weil es das Buch leider nicht mehr zu kaufen gibt. Es erschien bei Peters. Ist super!

Gerade war ich das dritte Mal in der Semperoper Dresden: diesmal in Romeo und Julia. Ich probe in Dresden mit einer Harfenistin für ein Konzert in Berlin. Die Semperoper ist top, vor allem Chor und Orchester. Wir saßen auf dem besten Platz der ganzen Oper: in der Loge.

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15. November 2025: Das ist, wenn man ganz vorn gerade, erwartungsvoll auf der Stuhlkante sitzt. Zum Beispiel im Chor.

Foto: Julián de la Orden Orgel Kathedrale Málaga

Außergewöhnliche Julián de la Orden Zwillingsorgel Kathedrale Malaga, Andalusien, Spanien, 2x 3 M mit 51 Tasten, mechanisch

Der spanische Orgelbauer Julián de la Orden erschuf diese wundervolle große Barockorgel bestehend aus zwei Orgeln mit je 3 Manualen in der Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación des Bistums Málaga nahe am Hafen.

Ich war einige Tage als Pianistin auf dem neuen Segelschiff Sea Cloud Spirit, Baujahr 2021; wir waren in Spanien, es war sehr interessant.

Wir besuchten Málaga in Andalusien, die Picasso-Stadt, wo ich die große Palastanlage und Festung Alcazaba und die Burg Castillo de Gibralfarobesuchte, die hoch oben liegt. Das Wetter war sonnig und warm, ca. 24 Grad.

Von der Burg aus konnte ich den schönen Hafen mit unserem Segelschiff und das römische Theater sehen.

Spannend war natürlich auch die Kathedrale, die zu den reichsten in Spanien gehört und über zwei Orgeln verfügt, die 1780 von Julián de la Orden erbaut wurden:

Phantastisch erhaltene, barocke, große, beinahe identische Zwillings-Orgeln, die gegenüber stehen, mit über 10.000 Pfeifen, 2000/2001 restauriert.

Sie steht in außergewöhnlicher Akustik und umschließt das wertvolle braune Chorgestühl. Das Orgelpaar steht ungewöhnlicherweise in der Mitte der Kirche und wird vom Rest der Kirche umschlungen. Das Orgelpaar besteht aus diesen Orgeln: Die Evangelienorgel wurde 1781 fertiggestellt, die Epistelorgel 1782. 

14. November 2025: Heute schreibe ich in die gleiche Noten erwachsene Ergänzungen.

Foto: Otter Kyburz Orgel Santa Maria Mahón Menorca, Spanien

Ich liebe die Sprache von Schubert.

Sie steht unserem Zeitgeist unmittelbar entgegen. 

Noch mehr die Sprache Bachs. 

Deswegen verstehen viele kein Wort von beiden. 

Man ist entweder ein Schumann – oder ein Schubert-Typ.

Wegen der unterschiedlichen Dramatik. Ich liebe beide. Aber ich bin ein Schubert-Typ.

Wenn ich aus meinen Kindheitsnoten Wanderer-Fantasie spiele, bin ich erstaunt: nach all den Jahren kennen meine Finger den Weg, wissen genau, wohin.

Und nicht nur das: alles, was ich damals gesehen und gespürt und erlebt habe, als ich die Wanderer-Fantasie als Kind übte, ist durch die Musik, den Klang, das Papier und die sinnliche Bewegung konserviert worden: ich sehe wieder vor mir, was ich als Kind gedacht und gefühlt habe – sehe und spüre Schatten und Lichter, denke mit einem kleineren Kopf, mit kindlicherem Herzen. 

Ja, es ist auch das Optische: Die Noten wie damals, aus der alten Peters-Ausgabe, die es heute nicht mehr gibt – die beste, klarste, wenn auch vielleicht nicht die Urtextischte. Aber wie wo Noten stehen, das ist schon wichtig. Es gibt Ausgaben, die ich so eng und beklemmend oder völlig unhandlich finde, dass ich sie nicht spielen oder verwenden kann. Gerade das Optische von Notentexten prägt sich beim Auswendiglernen in das Gedächtnis und in die Seele ein.

Schon als Kind habe ich meine Noten bunt angemalt – mit kindlicher, krakeliger Kinderhandschrift vollgeschrieben und mit riesigen Zahlen als Fingersätze. Mein Papa hat dazu nie etwas gesagt. Manche schwarzen Kleckse hielt er für tote Fliegen, die er mit der Fliegenklatsche auf meinen Noten erledigt zu haben glaubte. Heute schreibe ich in die gleiche Noten erwachsene Ergänzungen.


Große Otter Kyburz Orgel Santa Maria Kirche Mahón, Insel Menorca, Mittelmeer, Spanien, 3 M, 3210 Pfeifen, 52 R, 30 Tasten-Pedal

Die monumentale, historische, wandfüllende Orgel ist sehr gut erhalten, mit französischen und deutschen Klängen, spanischen Trompeten, sowohl für Barock als auch für Romantik geeignet.

Eine Schweizer Orgel auf einer spanischen Insel. Ich lernte sie kennen bei meiner Kreuzfahrt als Pianistin auf dem Segelschiff Sea Cloud Spirit, Cruise Clipper.

Die gotische Kirche ist das älteste Gebäude der kleinen Stadt und steht in der Altstadt. Sie hat berühmte Glocken und viele kleine Kapellen.

13. November 2025: Fort vom starren Wind hin zum natürlichen, sensiblen.

Die Spieltraktur ist der Weg von der Taste zur Pfeife. Es ist sehr wichtig, dass diese Trakturen sensibel sind. Eine Orgel ist niemals ein Gemischtwarenladen. Zu glauben, sie müsse alles können, ist absurd. Es ist jedoch ideal, wenn sie das, was sie kann, in höchster Qualität kann.

Manche meinen, sie hätten einen hohen Anspruch an eine Orgel, wenn keine gut genug ist. Ich halte das für Unsinn. Natürlich kann man Nachbauten verwerfen; man kann alle möglichen Orgeln verwerfen. Ich habe auch meine Lieblingsorgeln und Ideale. Aber mein Anspruch ist, aus jeder Orgel das Beste herauszuholen.

Ich finde, es gibt in der Musik so viele unterschiedliche Facetten an Begabungen. Es gibt Leute, die sind unglaublich gut in Musiktheorie und Intervallen. Und das gibt es tatsächlich Pianisten, die können kein Hänschen Klein aufschreiben, aber Beethoven Sonaten auswendig spielen; es gibt Organisten, die können keine Melodie aus dem Hören auf die Tasten bringen, ohne zu suchen usw. und wieder andere, die können keinen virtuosen Lauf spielen, aber improvisieren.

Wobei das Improvisieren in der Kirchenmusik meist nur Pattern sind, die auswendig gelernt werden, etwas Konstruiertes, das nichts mit Improvisation (= Freies Spielen) zu tun hat, eine Choreographie.

Bei mir sind Intervalle und Klänge oft Farben, Worte. Keine Begriffe. Sie verschmelzen im Kontext, und es kann bei mir eine Art Blackout auslösen, wenn sie einzeln hart herausgezogen werden, um sie zu begrifflichen, da ich in einer ganz anderen Welt lebe.

Andere wiederum wollen vor allem wissen, wie Musik funktioniert und brauchen ausschließlich Definitionen, Begriffe und Systeme, die sie anwenden, Halt.

Und dann sind die Menschen, die leider als Kind nie gesungen haben. Diese werden später oft die Brummer im Chor. Sie merken das oft gar nicht, dass sie vollkommen off sind und keinen Ton nachsingen können. Dass sie es nicht merken oder hören, ist das Bedauerlichste an der Sache. Es zeigt, wie weit weg sie sind von dem, was wir unter Schönheit der Musik verstehen.

Aber vielleicht ist das auch nicht entscheidend. Ich finde es toll, wenn jeder im Chor singt. Das ist das, was zählt – zu kommen und gemeinsam zu singen.

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12. November 2025: It is like saying: I would stay and love you, but I have to go. (Lisa St. Aubin de Teran)

Foto: Orgel Christuskirche Heiligenstadt Franken

Heute erinnere ich an Anna Joachimsthal-Schwabe, Zionistin, 1892.

Ich verstehe, was Lisa damit sagen wollte. Und in ihrem Beruf ist das auch völlig verständlich und in einem ganz anderen Kontext zu sehen. Aber als Zitat für eine Kreuzfahrtgruppe dienen diese Worte nicht gut; denn Lisa meinte sicher nicht, dass 2-4 Stunden an einem Ort reichen, um sagen zu können, man hätte geflirtet; meist hat man in dieser Zeit gerade mal durchgeatmet und sich umgesehen.

Oder ist damit Flirten mit Shops gemeint, um mit Shopping-Tüten an Bord zurückzukehren? Das stimmt natürlich.

I would stay and love you … auch Flirten braucht eine gewisse Zeit, Interesse und eine gewisse Tiefe. Zwei Stunden durch eine Altstadt jagen, um pünktlich beim US-Starkoch beim Gala-Dinner an Deck zu sein, gehört nicht wirklich dazu.

Anstatt den wunderschönen Plaza de la Virgen mit Brunnen und Kathedrale Valencia, die Seidenbörse, Markthalle, Glockenturm und die vielen Museen zu bestaunen, oder die Santa Maria Church of Mahón, saß man wieder beim Essen auf dem Schiff. Das ist, als würde man mit dem Auto irgendwo hinfahren, am Ziel im Auto sitzen bleiben, sein Teewurst-Brötchen essen und auf den Asphalt starren.

Was nützt es, durch die Welt zu reisen und keine Zeit zu haben, die monumentalen spanischen Orgeln zu sehen, die ganze Wände füllen?

Solche aus dem Kontext gerissene Zitate für Kreuzfahrtler rechtfertigen in gefährlicher Weise das blinde Reisen und dienen dazu, das oberflächliche Reisen als etwas Gutes und Schönes anzusehen.

Und was ist schon Flirten im Vergleich zu Lieben?