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Organistin

15. Februar 2026: Kunst ist ja etwas anderes, nicht? (Chlodwig Poth, 1930)

Heute erinnere ich an Edith Landmann, 1877, Philosophin. Und an die wundervolle und unterschätzte Schauspielerin Diane Lane.

Ich lese über Elisabeth Dufaing, 1804, die Gründerin der Franziskanerinnen in Luxemburg. Sie wird Mutter Franziska genannt, adelig, demütig, entschlossen, großzügig. Ich kann nur erahnen, in welchen schwierigen Zeiten sie lebte. Sie hat sich sehr für Frauen eingesetzt, die sie ihre Töchter nannte. Zwar sind ihre Fotos erschreckend, finde ich, düster, ernst und dunkel, aber dennoch glaube ich, dass sie eine wundervolle Frau war.

Mein Geburtstag gestern war sehr schön. Wir waren brunchen, essen, spazieren, genießen.

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12. Februar 2026: Das Leben einer Frau kann die intensive Abfolge mehrerer Leben sein. (Wallis Simpson, 1896, Herzogin)

Heute erinnere ich an Sophie Mereau, geborene Schubart, 17170, deutsche Dichterin. Und an die amerikanische Schriftstellerin Pearl S. Buck, 1892.

Ich lese von dem flämischen Schriftsteller Felix Timmermans (1886) „Das Triptychon von den Heiligen Drei Königen“. Die traurige Geschichte erinnert mich sehr an das schrecklich traurige Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“.

Und natürlich über das Leben von Jospeh Haydn für das Programmheft zur Schöpfung.

Und morgen habe ich Geburtstag 🙂


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11. Februar 2026

Heute erinnere ich an Franz Brentano, 1838, der auch in Würzburg studiert hatte. Auf der einen Seite finde ich es gut, dass Franz sich radikal gegen das unbiblische Dogma der „Unfehlbarkeit“ des Papstes stellte. Auf der anderen Seite finde ich bedenklich, dass er den Tod Bruder nannte, den Tod, den Jesus klar als Feind bezeichnet hat, den er am Kreuz besiegte.

Warum finden es eigentlich so viele Menschen und Kirchen schwer, bei der Bibel zu bleiben und erfinden immer wieder Neues hinzu? Selbst Franziskus nannte den „leiblichen Tod unseren Bruder“. Das ist so, als würde man unsere Sünden unsere Brüder nennen. Eine Verharmlosung der Fakten – vermutlich deswegen wird so vieles zur Bibel hinzugedichtet: um alles ein wenig abzuschwächen und abzumildern.
Allerdings glauben viele weder an Sünde noch an die Bibel. Aber an den Tod – an den müssen sie glauben. Am liebsten täten sie auch dies nicht und verdrängen ihn, solange es geht.

Wenn die vielen Päpste unfehlbar und damit alle ohne Sünde wie Jesus sind, warum haben sie nicht wie er den Tod besiegt? Warum haben sie nicht wie er für die Schuld der Welt bezahlt und stattdessen in dicken Betten in Palästen geschlafen? Warum haben sie niemanden aus dem Grab gerufen wie Jesus und sind stattdessen in den Männer-Riegen der Macht, der Dogmen und des Missbrauchs bis nach oben gestiegen? Unzählige Male geschwiegen zur Sünde? Sich feiern lassen? Man riecht also gleich, was menschengemacht erfunden und was von Gott ist.

Und ich erinnere an Augustinus Aurelius. Auch er glaubte wie viele Menschen an Dogmen: männergemachte Lehren und Mysten, wie ich sie nenne, die gefährlicherweise zur Bibel hinzugefügt und hinzugedichtet wurden, wie zum Beispiel das andauernde neue Empfangen des Leibes.

ps: Den Film Die siebente Saite kann ich leider nicht empfehlen. Zwar wird die Gambe in ihrer Schönheit durchaus herausgehoben. Aber die Hauptpersonen, die beiden französischen Komponisten Jean de Sainte Colombe, 1640, und Marin Marais, 1656, präsentieren sich als Ausgeburt der Hölle, während die Rolle der Frau in ihrer Lebensgefährlichkeit erschreckend und drastisch vor Augen geführt wird durch die Tochter Jeans.

Mit einer Sache aber hat Sainte-Colombe Recht: viele, die sich für Musiker halten, sind keine, sondern Gaukler. Zirkustiere. Und die Gaukler waren damals oft bei Hofe. Heute sind sie – überlegt mal, wo.

Das Karotten-Register:

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10. Februar 2026: Mut ist der Preis. (Amelia Earhart, 1898)

Heute erinnere ich an Julia Child, 1912, amerikanische Küchenmeisterin.

Ich liebe es, wenn Instrumente obertönig, leuchtend und gleichzeitig warmklanglich, süffig und rauchig singen.

Heute habe ich zum ersten Mal einen Pizza-Automaten gesehen. Innen scheint ein Backofen zu sein und heraus kommt … eine warme Pizza ??!!

Ich wurde gefragt, warum ich finde, dass die Westenfelder viel schwieriger zu spielen ist als die Haupt-Rieger. Ich bemerke, dass die modernen neuen Orgeln einem leicht, gefällig und fast ein wenig fast-food-mäßig alles darlegen, so dass man nur zugreifen muss, ohne sich anzustrengen … das ist bei Orgeln, die entweder historisch sind oder nach historischen Vorbildern gebaut wurden, anders: Sie haben viel mehr Hindernisse, Tücken und Herausforderungen.

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9. Februar 2026: Dass es nicht anders geht, dass der Mann immer ein Welträtsel daraus macht, wenn er einer Frau nicht mehr genügt! (Max Frisch)

Heute erinnere ich an Marianne Werefkin, 1860, russisch-deutsche Expressionistin, mit intensiven, temperamentvollen Selbstbildnissen. Solche Künstlerinnen sind immer noch viel zu vergessen und waren doch Wegbereiterinnen.

Ich lese Stich-Worte.

Mit der Zeit bekommt man eine ganz andere Sichtweise auf Zeit, finde ich. Alma Mahler war früher für mich eine Frau, die vor längst vergangene Zeiten gelebt hat. Dann eine Frau, die schon lange tot ist. Dann eine Frau, die einer anderen Generation angehört. Jetzt denke ich, meine Güte, sie ist 1964 gestorben. Das war ja gestern. Wie nah die Zeiten werden und wie nah dadurch all die Menschen und Künstler für mich werden, die ich leider nicht mehr erleben konnte.

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8. Februar 2026: Die Schöpfung ist nie vollendet. (Kant)

Doch, das ist sie. Und auch wieder nicht.

Heute erinnere ich an Anna Schlatter-Bernet, 1773, Seelsorgerin und Wohltäterin, mit offenem Haus und 13 Kindern, die predigte und Kriegsopfer pflegte. Und an Wiborada, die erste Frau weltweit, die in Rom 1407 posthum heiliggesprochen wurde: Sie war eine Schweizer Beterin, Inklusin und Märtyrerin.

Ich lese gern über weibliche Lebenswege und die über die Spuren, die Frauen hinterlassen haben. Und habe wieder viel gespielt.

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7. Februar 2026: Wenn Gram beschattet, was nicht mehr ist. (Paula Ludwig)

Heute erinnere ich an Dora Julia Rittmeyer-Iselin, 1902, Musikwissenschaftlerin aus Basel, die bekannt wurde dafür, dass sie sich um jüdische Kinder gekümmert hat.

Ich lese Eine Kuh namens Manhattan von Rolf Hermann. Ich mag aber lieber Gedichte, die man ruhig in sich aufnimmt.

Gedichte, die eher Performer-Texte sind, die nur wirken, wenn man sie laut liest, also Sprechtexte und „orale Lyrik“ gefallen mir nicht so. Bei Lyrik mag ich eben gerne so das Verborgene, Feinfühlige, Eigenwillige, Heimliche, Mystische. Dass sie sich nicht Gehör verschaffen muss. Dass sie still ist und dadurch spricht. Plakative oder „lustige“ laute Texte dagegen stoßen mich oft eher ab.

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6. Februar 2026

Foto: Luxemburg 2026

Künstlern wird ja oft nachgesagt, sie seien unbeholfen. Ein entscheidender Punkt hier ist, dass wir meinen, wir hätten alles im Griff und gar nicht merken, dass wir unbeholfen sind, weder damit rechnen noch dies miteinkalkulieren noch akzeptieren noch wissen. Jedes Mal ist es eine große Überraschung, wenn man sich verläuft oder im Kreis irrt oder an der völlig falschen Stelle aussteigt. Bei mir geht die Unbeholfenheit, wie meine Freunde sie betiteln, dann erst richtig los: In Weltuntergangsstimmung frage ich verzweifelt nach dem Weg, dass die Betroffenen mich ihr ganzes Leben lang nie wieder vergessen werden.

Ich bin in einem solchen Moment der Meinung, die Landkarte, die Straße, die Stadt, das Internet, das GPS, die Schwerkraft oder die Welt hätten sich gedreht. Ähnlich ist es, wenn ich etwas suche. Was oft der Fall ist. Am Ende ist die Materie, mit der ich aus Wut spreche, oder sogar Gott schuld, und ich knie dramatisch mit einer ausgewälzten, entleerten Tasche auf dem Bürgersteig, um mich her eine Wolke intensiver Gefühle.

Als ich neulich bei einer Flugticket-Buchung unter „Bemerkungen“ etwas ausfüllen könnte, tippte meine Schwester: Künstlerin (= unbeholfen) ein. Falls mir mal wieder ein Koffer verloren geht. Unbeholfen und hochsensibel.

Wenn ich das erste Mal die Aufnahme für meine neue CD anhöre, bin ich immer nervös. Manchmal lasse ich Tagen oder Wochen verstreichen, bis ich mich überwinden kann, mich anzuhören … weil man hohe Erwartungen an sich selbst hat. Es ist ja nicht die Orgel, die man hört, sondern sich selbst. Ich höre mich, nicht „die Orgel“. Es ist ja nicht der Flügel, den ich höre, sondern mich. So wie eine Sängerin ihre Stimme hört. Die neue Bach berühren – meine 10. Bach-CD – schwingt in schöner, brillanter Akustik und fasziniert, wie ich finde, besonders durch die kreativen Wiederholungen der Goldberg-Variationen, die ich immer wieder neu, anders und außergewöhnlich registriert, kreiert und klanglich gestaltet habe. Zudem die virtuosen Tempi, zudem wie und wo ich das Pedal eingebaut, also transkribiert habe. Toms hat es genial aufgenommen. So eine Barockorgel aufzunehmen, erfordert höchste Professionalität. Es ist ja alles real und echt, keine KI.

Übrigens lese ich gerade Paula Ludwig (1900): Dem dunklen Gott. Gedichte. Sie hatte ein schwieriges Leben, von Armut und Verlassenheit geprägt, so wie ich das herauslese. Leider schien sie sehr von der Gunst und der Zuneigung von Männern abhängig zu sein, hatte offenbar eine Liebelei nach der anderen, vor allem mit mehr oder weniger bekannten, verheirateten Männern aus der Kunst- und Literaturszene, von denen sie benutzt wurde und von denen sie sich Anerkennung und Hilfe auch im künstlerischen Bereich erhoffte, um zu überleben. Männer, die so etwas tun, möchte ich erst gar nicht lesen. Leider hat sich Paula offenbar nicht zugetraut, dass ihr Talent auch ohne die „Hilfe“ von Männern groß genug ist. Daher sind Paula Ludwigs Gedichte schön, aber irgendwie verloren und traurig.

Ich lese auch heraus, dass es damals wie heute eine von Männern bewusst dominierte und kontrollierte Kunst- Musik- und Literatur- Szene in Europa ist. Zu allem Überfluss und sehr befremdlich anfühlend stellt Volker Weidermann und C.H.BECK die Lyrikerin in diesem Buch so dar, als wäre sie erst dadurch interessant, weil sie mit Iwan Goll eine Affäre hatte (name-dropping) und dass sie „immerhin in der literarischen Welt mitgezählt wurde“. Mitgezählt? Was ist denn diese literarische Welt? Eine von Männern bewusst kontrollierte und dominierte Blase. Und so sind auch alle Urteile und Behauptungen daraus dementsprechend gefärbt.

Genauso liest sich auch dieses angebliche „Lob“ (was nichts weiter als ein misogyn anmutendes Urteil ist) von Weidermann: Im ersten Jahr ihrer Affäre mit Goll gelingen Paula Ludwig Gedichte von einer Schönheit wie vorher und nachher nur selten. …. Das liest sich wie eine Tatsache und ist lediglich eine Meinungsäußerung eines Mannes. Ein Mann, der behauptet, dass Paulas Gedichte nur im Zusammenhang mit Iwan Goll und unter seinem Einfluss und unter dieser sexuellen Affäre wirklich gut waren … aber danach, alleine, nicht mehr. Die ganz normale Frauenfeindlichkeit – oft in Wohlwollen und Lob getarnt.

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4. Februar 2026: Nicht aus Furcht oder Pflichtgefühl meide die Sünde, sondern aus Liebe zu Gott. (AHS)

Foto: Westenfelder Orgel Kathedrale Luxembourg

Manufacture d’Orgues succ. Georges Westenfelder Luxbg.

Wie findet ihr das Booklet zu meiner neuen Bach-CD bei Ambiente Audio? Es wird ein Digipack. Das Foto vorne habe ich selbst gemacht. Noch könnt ihr mir Anregungen geben. Es ist meine zweite CD bei Ambiente. Die erste sind die Biblischen Bilder.

Zärtliche Berührung

Dies sind meine realen Hände. Johann Sebastian Bach ist mein Lieblingskomponist seit meiner Kindheit. Er ist für mich der spirituellste und demütigte Künstler, dem ich je begegnet bin – ja, ich bin ihm durch seine Musik begegnet, für mich ist er nicht tot, im Gegenteil. Meine Lieblings-Variationen der Goldberg-Variationen sind: Variationen 13, 15, 16, 21, 25, 29 und das Quodlibet natürlich. Es war für mich eine Herausforderung, diese virtuosen Kleinode auf einer schwergängigen begrenzten Barock-Orgel zu spielen, so wunderschön sie ist. Auf dem Booklet vorn sind meine echten Hände zu sehen: zarte Berührung mit dem größten Komponisten aller Zeiten. Soli Deo Gloria 

Kunst ist gewordene Sehnsucht

Wir die wir oft ungeübt sind 

Im Nachsinnen über Wahrheit 


 

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