23. Januar 2026
Foto: Organistin Burghaun Fulda Kirche 2026
Heute erinnere ich an Kirsten Steward, die Frauen als wandelnde Geheimnisse bezeichnet, die andauernd Übergriffigkeiten ausgesetzt sind.
Im Buch Phallozän von Gertraud Klemm nimmt sie Bezug auf den realen Begriff Anthropozän – vermutlich auch für viele eher unbekannt. Anthropozän bedeutet laut KI ein „neues geologisches Erdzeitalter, das die tiefgreifende und dominante Wirkung des Menschen auf die Erde beschreibt, gekennzeichnet durch globale Veränderungen in Klima, Umwelt und Ökosystemen, die über natürliche Prozesse hinausgehen“ – kurz gesagt, unsere Zeit. Ich würde diese Zeit nicht als Erdzeitalter, sondern als Endzeitalter betiteln.
Getraud Klemm stört sich an „des Menschen“. Sie schreibt, dass es Männer sind, die unsere Erde zerstören, nicht pauschal „der Mensch“. Daher nennt sie Anthopozän Phallozän. Denn welche Art Mensch ist verantwortlich? Es geht also um die Rettung unserer Erde. Um die Rettung des Menschen. Sie schlägt vor, damit wir vielleicht noch herauskommen aus der dauerhaften globalen Krise, in die uns Männer gestürzt haben, indem die männliche Hälfte des Erdballs die weibliche Hälfte in vieler Hinsicht systematisch unterdrückt, sich zu überlegen, ein Matriarchat anzustreben, das nicht nur ein Mythos, sondern eine echte Chance ist.
Was sind Matriarchate? Ich stimme mit ihr darüber überein, dass das Patriarchat unglaublich viel zerstört hat. Aber ich weiß, dass es neben bösen Männern durchaus auch böse Frauen gibt, die herrschen und kontrollieren (wollen), die ich genauso wenig an der Macht haben möchte. Ich wünsche mir, dass Frauen zusammenhalten, anstatt gegeneinander zu arbeiten oder sofort aus dem Häuschen zu geraten, wenn irgendwo ein (gutaussehender) Mann auftaucht, dem sie gefallen wollen. Ich glaube, nur die Heilung und Heiligung durch Gott macht Menschen fähig, zu leiten – also nicht zu herrschen, sondern zu leiten, zu fördern, zu sorgen. Ich stimme jedoch nicht mit den unchristlichen, heidnischen oder einseitigen Vorstellungen von Klemm überein. Außerdem vergisst sie ganz entscheidend wichtige Punkte: Phallozäne werden an wichtigen Stellen von Frauen unterstützt, die das Spiel mitspielen.
Jeder von uns hat vermutlich schon solche Phallozäne erlebt: den Würgegriff des Patriarchats, mehr oder weniger ausgeprägt. Jeder von uns geht anders damit um. Die meisten versuchen, darin zu überleben. Sich irgendwie damit zu arrangieren. Ich habe diesen Würgegriff in manchen Kirchen und Hochschulen erlebt. Die „verzwergte Männlichkeit“, wie sie Klemm nennt, die so viel auf dem Gewissen hat, Rudelführer, die alles bestimmen wollen und Frauen klein halten. Vermutlich haben schon die Mütter ihre Söhne zu erzogen, dass sie etwas besseres sind.
Ich habe das berufliche Phallozän erlebt an der HfMDK Frankfurt, an der HfK Heidelberg, bei Männern wie Carsten Wiebusch, Stefan Viegellahn oder Jörg Breiding. Oft hat das Phallozän sehr nette oder konservative Gesichter, ganz gewöhnliche Patriarchaten, die Frauen „begabt“ nennen. Aber eben nur das, keinen Schritt weiter. Sie sollen in untergeordneten Nebenrollen bleiben. An Männern wie Georg Enderwitz, die scheinbar alles dafür tun, dass sie keine weibliche Konkurrenz bekommen. An Männern wie Hermann Beyer, der sich als „eng verbunden mit der Musikhochschule Würzburg“ bezeichnet, der hintenrum Frauen boykottiert. Kurz gesagt, Männer, die sehr skeptisch sind, wenn eine Frau außergewöhnlich, anders, nicht berechenbar ist und die es wagt, ihr System in Frage zu stellen. Phallozän steht für mich für Männer, die Frauen hindern, unterdrücken und boykottieren. Und wer auch nur eine Frau hindert, unterdrückt und boykottiert, der ist fähig, dies bei allen zu machen, die ihnen nicht passen oder die nicht gehorchen.

