21. Februar 2026: … die stille Nacht hindurch. (aus Haydn: SCHÖPFUNG)
Die Musik der Schöpfung ist meiner Meinung nach im besten Sinne kindlich (was ich als sehr positiv empfinde, gerade in unserer Zeit des Hasses und der Angst), unbefangen, aufbauend, heiter, vielleicht sogar naiv komponiert. Und gleichzeitig hoch majestätisch und dramatisch, was eine wunderbare Kombination ist. Der lobpreisende Text hat romantische Anklänge (der hellen Sterne Gold…). Text: Gottfried van Swieten
Die Schöpfung ist für unsere Zeit ein Wundermittel, gegen Verwirrung und Depressionen: Dieser Schimmer des Mondes zieht sich durch das ganze Werk. Überall glitzert und schimmert es. Und alle Sängerinnen und Sänger und alle Instrumente kommen auf ihre Kosten.
Joseph Haydn hat ganz bewusst dieses große Oratorium so geschrieben, dass die Herzen mit Ehrfurcht vor Gott erfüllt werden, und dies auch außerhalb der Kirche. In jedem Saal. Bei allen Heiden, sogar unbewusst. Und dies ist ihm hervorragend gelungen. Anbetung und Schönheit pur. Er wollte, dass die Menschen beim Anhören dieses Werkes „heilige Gefühle“ erfahren … erquickt werden. Wie auch J.S. Bach seine Musik schrieb: zur Erquickung des Geistes. Erquickung geht nur mit reiner Kindlichkeit. Die Kindlichkeit Gottes wird sehr unterschätzt.
Ich mag dieses Kindliche; manchmal werfen mir Leute dies auch vor und sagen „wir sind doch nicht im Kindergarten“. Ich bin auch manchmal Kindergarten.
Es kommen mir bei Haydns Schöpfung plötzlich Spritzer des Glücks hoch, weil es so intensiv und … göttlich – das darf man nicht sagen – geschrieben ist. Selbst das Chaos ist himmlisch bei ihm. Ruhig und hoffnungsvoll. Auf den Flächen der Tiefe ….
Ich weiß, manche mögen keine Programmmusik. Ich LIEBE Programmmusik. Ich liebe einfach die Kombination von Wort und Musik, von Lyrik und Musik, wie bei Schubert und Bach…
Auch Haydn hatte Hater, die sich als Kritiker bezeichneten und seine Kindlichkeit (in der Schöpfung) „Unfug“ nannten. Es gefiel ihnen nicht, wie Haydn die biblische Stimmung darstellte. Die Kritiker kennt man heute namentlich überhaupt nicht mehr. Viele von diesen waren auch in der katholischen Kirche.
Doch woher stammt diese Kindlichkeit in der Kreativität? Vom größten Künstler überhaupt: Von Gott, der Punkte auf Marienkäfer und auf Hundebeine und auf Gesichter malt.
Die Tonsprache, die Haydn für die Schöpfung verwendet, wird bis heute diskutiert; die leuchtende, freundliche Stimmung, die er zeichnet, findet sowohl Anhängerinnen und Anhänger wie auch Kritiker, die beispielsweise einen mehr pathetischen Grundton verlangten, wie es die damaligen Oratorien ihrer Meinung nach an den Tag legten. Doch Haydn ließ sich nicht beirren. Er wollte die liebenswürdige Stimmung ganz bewusst, denn diese durchzieht sein Gesamtwerk. Es ist auch nicht zu verstehen, wie die Kritiker die Majestät, den Glauben, das Lyrische und die poetische Vorstellungskraft seiner Schöpfung überhaupt verpassen konnten.
Haydn sagte zu seinen späteren Biographen: „Der Sonnenaufgang gelang mir so gut, weil ich mir dabei den Vater des Lichts vorstellte, mit Stahl und Stein in den Händen… so war der Funke da, aus welchem das prächtige Licht hervor strahlte…“
Darf man Haydn mit Bach vergleichen? Ja, das darf man. Haydn war im Gegensatz zu Johann Sebastian frei, reich, reisend, von Erfolg und Vermögen verwöhnt, ohne Erben, sammelte Geld, da er aus armem Hause stammte, was ihn offenbar traumatisiert hatte. Joseph arbeitete am Hofe und nicht in der Kirche, war wie JSB tüchtig und fleißig und hatte neben dem fürstlichen Dienst große Werke und bis ins hohe Alter geschrieben. Er hatte reiche Gönner, Sponsoren und Auftraggeber im Gegensatz zu Johann Sebastian, der seine größten Werke ohne Geld schrieb.
Haydn wurde älter als Bach und wurde fast genauso vergessen begraben wie Bach, denn Haydns Tod fiel in die Kriegspanik Wiens, und auch er schrieb seine größten Werke alt, aber er war wie die meisten Österreicher katholisch, wie der Kaiser es befohlen hatte. Und gegen Ende seines Lebens hatte sich Haydn mit der Kirche angelegt, wie es auch Bach tat.
Wenn ich jedoch Bach mit Händel vergleiche, kommt Händel nicht gut weg; selbst in Händels Halleluja kommt mir dessen „Gott der Götter“ beinahe heidnisch vor.
Die Schöpfung ist für mich zeitlose sinfonische Musik, die weit über seine eigene Zeit hinausreicht. Und Ordnung keimte empor…
Habt ihr die Schöpfung auf CD mit einer Dirigentin gefunden?
https://www.ann-helena.de/orgelinformation