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Ann-Helena Schlüter

9. Februar 2025: Gott verzichtet auf seine Überfülle an Wahrheit, um uns zu erreichen.

Das Konzert heute morgen war sehr schön und gut besucht. Ritter wurde hier zuvor noch nicht gespielt. Danach waren wir in der Innenstadt essen. Die erste Orgel hier 1894 vom Orgelbauer Fritz Clewing war eine geniale mechanische Schleifladenorgel, 16 Register auf zwei Manualen und Pedal. 1905 wurde sie leider verkauft.

Dann 1905 baute die Orgelbaufirma Eggert-Feith (Paderborn) ein neues Instrument mit 26 Registern, 2 M und pneumatischen Kegelladen; das zweigeteilte neugotische Gehäuse stand nun auf der Westempore.

Schließlich baute die Firma Emanuel Kemper & Sohn (Lübeck) 1969 eine neue Orgel mit 37 Registern und 3 M, wobei das alte Pfeifenmaterial auch wiederverwendet wurde, mechanisch mit Aluminium-Trakturen, die Spieltraktur elektrisch. Dann kam der Siegener Mebold.
Große brillante Akustik, farblich abgestimmter Raum.

Ich spielte auch die kleine Walcker Orgel im Marienheim:

Kleine Walcker Orgel kath. Marienheim Siegen, 1 M, 6 R, mechanische Schleiflade

Hübsche, helle, beheizte Kapelle gegenüber St. Joseph Kirche und neben dem katholischen Kindergarten. Die Orgel wurde 1993 von Orgelbau Mebold aus Siegen hier aufgestellt und betreut. Metallstifte sind Registerzüge.

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8. Februar 2025

Ich bin in Siegen angekommen. Ich habe schon oft in Siegen gespielt, bin aber jetzt zum ersten Mal in St. Joseph an der Mebold-Kemper-Orgel. Bin gespannt.

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Appassionata auf Orgel

Große ebenerdige Kemper Mebold Orgel St. Joseph Kirche Siegen, 3 M, 45 R, Setzeranlage

Schleiflade, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur

Die ebenerdige rotweiße Orgel mit freiem Spieltisch steht neben dem Altar vorn. Beeindruckend sind die wogenden blauen Glasbilder, die die Orgel umrahmen. Die neugotische Kirche wurde 1967 erweitert und 1988 renoviert. Hierbei bekam sie auch die neue Mebold-Orgel. Der Spieltisch ist Laukhuff. Besonders gefallen mir die Zimbelsterne Stern und Sonne. Es fehlt nur Mond. Die Zimbelsterne werden mit Drehknöpfen über dem 3. Manual bedient.

1997 baute Mebold im Positiv Vox humana 8’ und im Pedal Trompete 8’. Besonders schön ist das Nachthorn 4 im Positiv I und die beiden Tremulante. Teile der Kemper-Orgel wurden übernommen.

Die ausgiebige Setzeranlage besitzt 128 Kombinationen, mit Schlüssel, Sequenzern, Tutti, Nulltaster und Absteller. Angenehm ist, dass die Kirche beheizt ist und die Orgel eine Heizwand besitzt. Die Orgel wird von Mebold betreut.

Früher gab es hier in der Weidenauer Pfarrkirche eine phantastische Clewing-Orgel, und es ist ein Jammer, dass die nicht mehr da ist.


7. Februar 2025

Heute erinnere ich an die mehr als 400.000 Frauen pro Jahr, die an den Folgen von Schwangerschaften und Geburt sterben, vor allem in den Entwicklungsländern, in denen Frauen sterben wie hier damals zu Zeiten Bachs – vermeidbar, was in (musikwissenschaftlichen) Büchern kaum eine Rolle spielt.

Ich war verblüfft zu hören, dass auch Marie Curie von Neidern und Hatern massiv attackiert wurde. Diese versuchten, ihre Stelle und den zweiten Nobelpreis zu zerstören und ruinierten für einige Zeit ihren Ruf. Sie musste sogar das Land verlassen. Vor allem, dass sie eine Frau und anders war, war der Grund für die Attacken der Hater. Ich bin also in guter Gesellschaft. Hater gab es lange vor dem Internet und zu allen Zeiten. Es ist dennoch erschreckend. Marie Curie musste unfassbare Wege gehen, um Diskriminierung zu überwinden.

Viele Dinge haben sich bis heute nicht geändert, obwohl wir doch in einer angeblich modernen Zeit leben, die sich woke und bunt schimpft. Dennoch oder gerade deswegen sind viele Entscheidungen diskriminierend, sexistisch, politisch: Nehmen wir zum Beispiel den Dom in Trier, der für die männerdominierte Dommusikstelle erneut nur 4 Männer eingeladen hat, als gäbe es mich nicht, wobei keiner der 4 Kandidaten künstlerisch so gut ausgebildet ist wie ich. Der Dom war zu feige, mich anzuhören, weil sie dann gar keinen Grund mehr gehabt hätte. Steht schon die ganze Zeit fest, welcher Mann es werden soll?


6. Februar 2025: Wir wollen segnen, nicht fluchen. (Esther Lam)

Heute erinnere ich an Dorothea von Schlözer.

Ich lese „Der Sound Gottes. Kirchenmusik neu denken“ von Rainer Bayreuther. Es ist recht bitter und zynisch geschrieben, völlig anders als Läpples „Sound Gottes“, weist aber sehr interessante Schwachstellen und Herausforderungen der Kirchenmusik auf. Das Dilemma ist zudem in gewisser Weise, wie mir scheint, ab welchem Punkt der sündige erwachsene Mensch (öffentlich) musizieren darf – ab dem Zeitpunkt der Errettung, der Rechtfertigung?

Was darf in der Musik vorkommen, wann ist sie Teil der Gabe Gottes und wann eben nicht? Um was alles jedoch immer zu kreisen scheint, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht, ist, inwieweit wir durch (welche) Musik wirklich in Berührung mit Gott kommen, jetzt, aktuell? Denn wer einmal Gottes Gegenwart gekostet hat, verlangt danach, so wie Edmund in Narnia nach dem türkischen Honig oder mehr noch nach Aslan.
Auch die, die Gott noch nie gekostet haben, suchen insgeheim danach. Wir wollen diese Gefühle kaufen. Das klappt aber nicht. Das Wahre kostet kein Geld. Nur dein Herz und dein Leben. Und erst recht das Herz und das Leben professioneller Leviten.

Gehirn & Musik:

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5. Februar 2025: Wer hofft, ist jung. (Rose Ausländer)

Heute erinnere ich an den Dichter Gottfried Benn.

Ich lese „Der Sound Gottes. Musik als Flügel der Seele“ vom Priester Alfred Läpple. Es beginnt mit der Teilaussage: Gott ist Musik! – was mir gefällt. Ich lese alles mit kritischer Sondierung, aber wenn mich etwas berührt, bin ich schon geschmolzen. Gott ist natürlich viel mehr als Musik. Aber dennoch glaube ich, er hat Musik nicht nur erschaffen, in ihm sind alle Töne und Tonzusammenstellungen, die es gibt, so wie er auch Liebe ist. Und so wie Liebe kein Kitsch ist, sondern unendlich viele Facetten hat, so ist Musik auch. Gott ist so voller Phantasie. Daher ist Musik ein wichtiger Weg zu ihm.

Das Piano Recital in Ratzeburg, wo ich einspringen sollte, fällt leider aus, da ich es nicht in Ordnung finde, wenn eine Kirche Künstlerinnen von weiter weg keine Unterkunft und Reisekosten gewährt. So viel Wertschätzung für Musik muss da sein. Ich finde, Kirchenmusiker müssen für das Wohl ihrer Künstler sorgen.

In Ratzeburg habe ich schon als Kind gespielt in einem Kammermusik-Kurs meines Vaters.

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4. Februar 2025: Zwischen Sterben und Verderben ist ein großer Unterschied. (AHS)

Ich habe Beethovens Appassionata auf der Orgel gespielt. Bei dieser Transkription muss man im Grunde ein neues Stück draus machen: aus dem verträumten Andante wird ein festlicher Choral usw. Die größte Herausforderung ist natürlich der kurze Manualumfang. Ich bin immer noch der Meinung, dass es Spieltische mit 88 Tasten geben muss.

Zudem kommt, dass es nicht das Leichteste ist, im Winter in kalten Kirchen (und Offenbach war geheizt! In Düsseldorf werden die Kirchen teilweise gar nicht mehr geheizt!) frierend virtuose Stücke zu spielen. Warme Hände und warme Füße sind schon Voraussetzung für Höchstleistung. Oft nach Stunden bin ich hinterher ausgekühlt, ohne dass ich es merke. Ich werde zwar heiß innerlich, aber das ändert nichts an Fakten von 3 Grad.

Da ich es wichtig finde, dass auch Organisten, die schlecht oder gar nicht Klavier spielen, das pianistische rubato an der Orgel lernen: das magische, dynamische Tool namens rubato, nämlich mit musikalischer Zeit zu spielen, ist auch am Pfeifeninstrument wichtig, wenn man Menschen berühren möchte und das Orgelspiel nicht steif, sondern musikalisch und lebendig werden soll. Ich glaube, das Problem ist oft, dass sehr viel Orgelspiel einfach erschreckend unmusikalisch und starr ist.

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3. Februar 2025:

Das Konzert in Offenbach war sehr gut besucht und alle waren begeistert. Meine Kompositionen finden die meisten spannend. Offenbach ist ungefähr so groß wie Würzburg, aber nicht so bekannt. Die Stadt hat einen sehr hohen Ausländeranteil aus den arabisch-muslimischen Teilen der Welt. Gerade das Mathilden-Viertel, in dem die Kirche liegt, ist eine Art muslimische Stadt geworden, in der sonntags arabische Geschäfte aufhaben, nur Männer auf der Strasse sind und keiner Deutsch spricht. 

Zuvor habe ich noch nie in Offenbach gespielt.

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2. Februar 2025: Heute spiele ich in Offenbach am Main

Große historische, elektropneumatische Klais Orgel kath. St. Marienkirche Offenbach, Hessen, 31 R, 2 M, Kegelladen, über 1750 Pfeifen

Die besondere, seltene, historisch erhaltene romantische, süffige Denkmalorgel wurde 2001 generalüberholt. Dabei wurde das schöne runde Kirchenfenster wieder freigelegt.
Jetzt soll sie im Herbst für knapp eine halbe Million von Klais saniert werden.

1973 war die pneumatische Orgel elektrifiziert worden von Klais und bekam einen neuen, freien Spieltisch auf der West-Empore. 2025 soll dies wieder zurückgeführt werden in ihren ursprünglichen Zustand. Dabei kommt der Spieltisch wieder zurück an seinen ursprünglichen Ort.

Die schöne Innenstadtkirche besitzt das schwerste und tiefste Glocken-Geläut im Bistum Mainz. Die große Kirche in der Innenstadt besitzt bunte Glasfenster.

Sehr warmer, voller, angenehmer Klang in zarter, schöner Akustik. Sehr schön ist die Harmonia ätherea 4f., das  Horn und die Traversflöte 4 im Schwellwerk. Ich mag die Nische oben, wo früher der pneumatische Spieltisch stand: Die Pfeifen sehen hier aus wie die Rücklehne von Stühlen.

Ich freue mich auf das Konzert, das ich heute hier spiele. Ein winterliches Konzert, während es draußen sonnig und kalt ist.

Es ist das erste Konzert 2025 in der Kirche. Leider sind die Umstände gerade erschreckend in Offenbach, berichtete man mir. Es gibt keine feste Kirchenmusikerin, keinen festen Pfarrer, nachdem alle gestorben sind. Und obwohl es das Geld für die Renovierung der Orgel gibt, wird auch dies verzögert.

Mich macht das verzweifelt und ärgerlich, obwohl ich nicht davon betroffen bin. Aber wenn Wertvolles vergeudet und verschwendet oder zerstört oder verschleppt wird, muss ich nach Atem ringen und es sticht in meiner Brust.


 

1. Februar 2025: … und Gottes Wort Erquickung.

Ich empfehle sehr das Hörbuch A man called Ove – entweder wie gesagt auf Englisch oder in der Originalsprache auf Schwedisch (und hier als Buch). Auf keinen Fall die deutsche Übersetzung nehmen. Die britische Version als Audio Book ist hervorragend. Man lacht und weint und ist oft sehr berührt.

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29. Januar 2025: mittwochgespräche Maxhaus Düsseldorf


Es war sehr schön im Maxhaus heute; gut besucht und tolle, spannende Leute, die gerne diskutiert haben, auch Küster und Kirchenmusiker und Fans. Einer hatte ein Buch parat, das ich signieren sollte. Das Thema war heute: Wo ist Gott in Kirchenmusik? Oder: Der Sound Gottes. Themen waren: Künstlerinnen in der Kirche? Basisarbeit und Folgedienste? Das Studium der Kirchenmusik?

Es fand im Klosterhof statt – und ich habe auch viel am Bechstein-Flügel gespielt und CDs verkauft. Die Akustik im Klosterhof ist sehr besonders: hoch, direkt und trocken. Das muss erst mal einkalkuliert werden. Der Steinway bei mir daheim ist natürlich eine ganz andere Nummer. Ich bin durch meinen exzellenten, warmtiefen, extrovertierten, neuen Steinway B daheim etwas „verdorben“ für andere Flügel 😌


Es gab Sekt am Anfang für jeden, kostenlos, bzw. im Eintritt mit drinne, das war meine Idee. Und es wurde auch gut genutzt. Nun habe ich auch ein Glas Sekt getrunken gleich am Anfang. Da er mein erster Alkohol in diesem Jahr war, ist er bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Ich merkte es erst, als es losging. 😅 Zu spät.

Ich habe aus meinem Leben berichtet und völlig frei geredet. Ich bereite mich innerlich vor und lass mich dann von Gott führen. Da ich in einem sehr schönen Hotel „Das Carls“ in der Altstadt untergebracht bin, habe ich in der Badewanne gebetet und meditiert.

Am Ende gab es ein Interview, Fragerunde und Nachgespräch. Peter Krawczack und ich waren im Interview ein gutes Team. Das war Part 1.

Am schönsten war das Kompliment des Vaters des Veranstalters. Er sagte: Wenn in der Kirche so gepredigt werden würde wie ich heute gesprochen habe aus dem Herzen, dann wären die Kirchen wieder voll.

Anschließend waren wir im Casita Mexicana.