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Ann-Helena Schlüter

26. Juli 2022: Kirchenmusik

Halb ist groß und ganz, voll ist klein und halb. (AHS zu Gehörbildung)

Ein kleines Rätsel oben. Wer kann es lösen? Wer ist fit in Gehörbildung und kann das Rätsel entschleiern? Ich löse es morgen im Blog auf. Nachdem ich crazy vierstimmige Choräle mit Note 1 hören und aufschreiben kann 🎵…

Heute erinnere ich an Lilly Reich, Designerin. Sie gestaltete 1927 als erste Frau allein eine komplette Innenausstattung einer Siedlung.

Das 4. Konzert in Folge kommt: Anklam bei Greifswald.

Der Klavierabend in Meuselwitz vorgestern war sehr schön, 10 € Eintritt. Die Meuselwitzer sind ein besonderer Schlag Menschen, auch vom Dialekt her.

Das Konzert heute in Schwaz an der Inn war das Schönste der drei bisher in Folge, nach Eggenfelden. Auch wieder gut besucht, 15 € Eintritt. Mitten im Mozart in der zarten Flötenuhr mit 4-Fuß ging draußen das Gewitter los. Ich bekam Gänsehaut.

Tirol Österreich

Ich liebe Tirol. Schwaz an der Inn liegt nah bei Innsbruck. Selbst hier in Tirol ist es heiss wie nie zuvor. Aber es weht ein Lüftchen, zwar nicht vom Meer, aber von den Alpen her. Ich bin von Rosenheim gekommen und war mal wieder überwältigt, als ich die Berge plötzlich vom Zugfenster aus sah. Woher kommen sie mit einem Mal?

Ich bin in dem schönen Hotel Goldener Löwe. Ein Hotel nach meinem Geschmack: Ich sehe die Berge, habe einen Balkon mit Geranien und bin im zweiten Stock. Es gibt ein Schwimmbad unten. Da gehe ich morgen hin. Ich fühle mich von den Alpen liebevoll umrundet. Die schöne kath. Kirche Maria Himmelfahrt mit meinem Konzert ist ganz in der Nähe. Ich liebe es, in der Nähe einer Kirche zu leben, wie daheim. Es ist eine mächtige, vierschiffige Kirche (was selten ist, die meisten Kirchen sind dreischiffig), neogotisch, und das Besondere der Orgel ist dies:

Reinisch Orgel in Schwaz 

Das berichte ich morgen. Bin müüde.

Bibel und Theologie

Ich finde die säkulare, liberale und “tolerante” Theologie und Kirchenmusik, in der sämtliche Glaubensströmungen, sexuelle Strömungen und Zeitgeister toleriert werden, problematisch. Es ist auch inkonsequent und unlogisch, da auf der anderen Seite bei gewissen Sachen weiter konservativ entschieden wird.

Das ist nicht schlüssig und auch nicht wissenschaftlich zuende gedacht. Selbst wenn man Theologie, Bibelkunde, Kirchenkunde, Dogmatik und Glaubenslehre als Wissenschaft und Literatur betrachtet, müsste man allein dadurch, durch das Lesen, brennend gläubig und hingebungsvolle Christin werden. Gerade die, die Literatur lieben, müssten gläubig werden, denn die Bibel ist die beste Literatur: radikal, in sich schlüssig, sehr klug, intensiv, weise, provozierend, wahr, zeitlos, mystisch, lebensverändernd, sinnlich und Bestseller aller Zeiten.

Bibel nur Literatur?

Dass akademischmann die Bibel “nur” als Literatur oder als Legende oder Geschichte auslegt, ist kein Grund, nicht hingebungsvoll  gläubig zu werden. Da gibt es andere Hinderungen, weswegen sich akademischmann oft sträubt, wirklich zu glauben. Gerade die, die Wissenschaft, Schlüssigkeit und Logik lieben, müssten Christen werden, denn die Bibel ist konsequent, tiefgründig, schlüssig und wahr. Dass man sich mit der Bibel “nur” wissenschaftlich beschäftigt, ist kein Grund, nicht hingebungsvoll und brennend gläubig zu werden. Es gibt andere Widerstände. In Pommern sind einige Menschen durch die DDR anders und heidnisch geprägt. Das vergesse ich oft. Da müsste ich barmherziger sein.

Evangelium

Aber auch in Franken und Süddeutschland begegnen mir säkular-akademische “Christen” (aber nicht so in dem Maße wie im Mitteldeutsch-Osten), die die Bibel als Legende abtun. Wer nicht glaubt, dass es Mose und den Auszug aus Ägypten wirklich gab, Kern-Fundament der Bibel, auf dem alles aufbaut, der wird auch Probleme haben mit der Auferstehung Jesu. Und erst recht mit Himmel und Hölle und Rettung und dass nur gerettet wird, wer an Jesus glaubt. Wer nicht glaubt, dass Jesus vom Heiligen Geist gezeugt wurde, der wird nicht glauben können, dass Jesus Gott und Mensch war. Der wird an gar kein Wunder glauben.

Glaubenslehre

Damit fällt das ganze Evangelium wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Wer Glaubenslehre unterrichtet und nicht deutlich unterscheidet und abgrenzt, was Luther und andere interpretiert haben und was die originale Quelle sagt, schmeißt alles in einen Topf, die Quelle mit Sekundärliteratur. Wer nicht abgrenzt, was Kirche erfunden hat (Fegefeuer und dass man für Tote beten kann usw.) und was die Quelle sagt (die Bibel), der nimmt die Primärquelle nicht ernst. Es ist, als würde man Bachs Musik nur durch die Interpretation Schweitzers oder Walchas oder der Orgelbewegung analysieren und dies “Bachlehre” nennen. Mich interessiert Bach, nicht Walcha. Mich interessiert die Bibel, nicht Bekenntnisse oder Nicht-Bekenntnisse anderer, weder von Schleiermacher noch von Kant etc.

Mich interessiert die Bibel, nicht Luther oder der Papst oder die Erfindungen der Kirche (Babytaufe, Maria etc.). Die Bibel ist radikal. Und ihre Nachfolger erst recht. Liberal und radikal passen nicht gut zusammen. Wenn liturgische Formulierungen und Gebete und das Abendmahl und die Sakramente nur Floskeln, aber nicht mit Herzens-Glauben verbunden sind, dann sind sie laut Bibel schädlich für die Betreffenden.

Wenn man säkular ist, dann sollte man konsequent auch im Gottesdienst sein und dort sagen statt: „Lasst uns beten, wie Jesus es uns gelehrt hat: Vater unser…“  – – – dann konsequent: „Lasst uns beten, wie in der Literatur Bibel Jesus angeblich in einer Geschichte gesagt haben soll, und wir murmeln das jetzt nach als liturgische Tradition, damit wir etwas Religiöses tun, was unserer Seele gut tut: Vater unser…“ Das wäre ehrlicher, wenn man Heide ist. Warum sollte man als säkularer Pfarrer den Leuten etwas vormachen?

Orgelvermittlung

21. Juli 2022: Klang mit Atmung füttern

Das würde ich auch machen, wenn ich Hund wäre. Buddeln und sich im Sand wälzen.

Oh, ich war so erschöpft nach all den vielen Dingen, dass ich mal eine Zeitlang Pause mit dem Blog gemacht habe. Aber ich werde hier mit Kommentaren überschwemmt, wann ich wieder schreibe. Ich frage mich, wie es wird, wenn ich mal keinen Blog mehr schreibe. Also, ich danke allen, die gebetet haben, denn es hat alles super geklappt, zumindest fast alles – war auch 1,0 dabei, z.B. in Theologie, und einige 1,3. Es hat auch Spaß gemacht, sich neues Wissen anzueignen. Ich lerne und lese generell gern. Meistens jedenfalls. Ich stand um halb 6 auf und lernte. Und ich möchte, dass es nicht nur in meinem Kurzzeitgedächtnis ist, sondern sich in meinem Langzeitgedächtnis eingegraben hat.

Während es in Würzburg fast 40 Grad hat, haben wir hier in Greifswald Luxus mit 28 Grad, nur gestern war es über 30 Grad, aber selbst dann weht immer ein leichter kleiner Wind vom Meer/Bodden her. Es ist also gut erträglich. Aber in Würzburg und Umgebung sind die Gärten vertrocknet, und das Gras ist zu Stroh geworden. So etwas habe ich noch nie in diesem Ausmaß gesehen. Wer jetzt noch einen Klimawandel anzweifelt, wird das auch dann noch tun, wenn es kein Wasser mehr gibt. Hier aber in Pommern ist der Garten unter uns noch grün. Alles ist grün. Es macht einen Unterschied, ob es 30 oder 40 Grad ist, ob es schattig windig ist oder nicht.

Am Ryck

Abends gegen 22 Uhr ist es lau und die Luft wie Seide am Ryck. Es riecht irgendwo würzig nach Feuer. Es ist angenehm, kühler. Nachdem ich in der Bugenhagenkirche spät Orgel unterrichtet habe, sind wir noch am Ryck spazieren gegangen, denn man kommt über die Holzbrücke nicht mit dem Auto rüber, wenn man kein Anlieger ist. (Das ist auch gut.) Leute kamen spät noch vom Strand her. Auch wenn man vor lauter Gebüsch und Eisdielen den Bodden und das Strandbad Eldena nicht immer sehen kann, spürt man es überall, das Meer.

In Amberg haben sie meine Finger nach unten verlegt mit einer Kamera auf den Beamer, das gefällt den Leuten, wenn sie auch etwas sehen können. Die Funtsch- Sandtner Orgel hat in den Prinzipal-Registern eine Art eingebautes Crescendo, so dass es nach oben hin aufblüht.

Warum ich Rokoko liebe und bin? Es ist das Graziöse, das Gesamtkunstwerk, das Ziel und Absicht ist und die Gaben und Kunstarten wetteifern darum, Räume zu erschaffen, die Gottes Heiligkeit zum Ausdruck bringen. Farben, Rausch und Raum, um Gottes Majestät wiederzuspiegeln. Meine Kunst soll auch eine Repräsentation davon sein.

Ach, ich liebe Schubert Klaviersonaten. 21 Sonaten hat dieses Genie geschrieben, in so kurzer Zeit. Man spürt immer Beethoven in seiner Musik, sein Idol. Es ist süffige, wenn auch “konservative” Musik. Ich übe gerade die Sonate in c-Moll Nr. 19 D 958 von 1828 mit seinen vier Sätzen.

Foto: Funtsch Orgel Amberg

Heute erinnere ich an Franziska von Chantal, die die Mädchenschule in Amberg gegründet und die Gründung des Ordens angeregt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden nur die Jungs ausgebildet. Und Mädchen nicht, sie konnten daher weder lesen noch schreiben. Das muss man sich mal vorstellen, wo doch Mädchen bis heute in der Schule stets die Besten sind.

youtube AHS

Neu: Couperin in Amberg

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18. Juli 2022: Strandbad Eldena

Lebe, wie du, wenn du stirbst, gelebt haben willst. (Christian Fürchtegott Gellert)

Bugenhagenkirche

Ich bin von Amberg wieder zurück in Greifswald. Bevor ich nach Amberg fuhr, spielte ich die wunderschöne Mehmel-Orgel 1883 in der Bugenhagenkirche. Die neoromanische, große und rote, dreijochige Kirche aus dem 19. Jahrhundert (um 1883) wurde 1958 benannt nach Bugenhagen, dem Reformator in Pommern. 5 große Schiffsmodelle schmücken die maritime Kirche, Fürbittengebete für Fischer, ein hölzerner Taufstein und ein wertvoller Altaraufsatz. Die 1883 erbaute Kirche ist nah der Wiecker Holzklappbrücke von 1887 und dem Hafenamt, beim Treidelpfad. Stralsunder Orgelbauer Mehmel und Orgelmusik aus Wieck.

An einem windigen Regentag hier in HGW, der Hansestadt am Greifswalder Bodden, mit Noten von Hans Fagius (Ausgabe). Wieck ist ein wunderschöner Stadtteil Greifswald am Ryck. Viele kleine rohrgedeckte Häuser mit blumengeschmückten Vorgärten. Wieck wirkt wie ein eigenständiges kleines Dorf, und mittendrin, wieder in einem gepflegten Friedhof, die große rote Backsteinkirche Pommerns. Es ist meine 5. Mehmel-Orgel. Sie steht auf einer niedrigen Empore, wie ein brauner Engelsflügel, süffig, romantisch im Klang, trocken-samtige Akustik. Der Klang ist also süffig-samtig. Ich bin mit meinem roten Radl hingefahren.

Im ICE Richtung Greifswald kommt man mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch. Heute mit Österreichern. Ich habe ihnen von Pommern vorgeschwärmt, von Rügen, Hiddensee, Greifswald und Stralsund. Davon haben sie noch nie gehört. Es muss nicht immer Mallorca sein. Die Welt ist klein. Ich habe meine Noten auf dem Tisch. Es gibt immer jemanden, der einen Organisten kennt, den ich auch kenne. Greifswald ist viel zu wenig bekannt. Auf der anderen Seite ist es auch schön, dass sie so ein Geheimnis weit weg ist, halb so klein wie Würzburg.

Amberg

Meine erste Funtsch-Orgel traf ich in Amberg. Die hübsche Stadt, kleiner als Würzburg, besitzt wie Rothenburg ob der Tauber eine Stadtmauer, ganz erhalten. Sie sollte Unesco Weltkulturerbe werden.

Lachen ist die subversivste aller Waffen. (Marjane Satrapi) Ironie und Sarkasmus hilft. Ich habe wieder Tränen gelacht, was für Kommentare.

Bitte betet morgen 14 Uhr.

Neu: Bugenhagenkirche zu Greifswald-Wieck, Eldena

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Foto: Mehmel Orgel Wieck, Bugenhagenkirche

Heute erinnere ich an Victoria Abril, spanische Schauspielerin.

17. Juli 2022: Kloster Amberg und Klosterruine Eldena

“Umbau” ist oft ein trauriges Wort im Orgel-Zusammenhang. Orgel-Zerstörungs-Bewegungen. (AHS)

Foto: Rokoko Muschelorgel Funtsch Sandtner 1758/1993 in Amberg

Heute erinnere ich an alle Menschen, die sich dafür eingesetzt haben, dass Orgeln wieder in ihren originalen Top-Zustand zurückgeführt wurden/werden.

Neu:

Qui tollis pecata – Schlüter, Amberg Rokoko Muschelorgel Kloster-Schulkirche Funtsch-Sandtner Orgel

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Die Kloster Schulkirche ist eine der bedeutendsten Rokoko Kirchen in Deutschland. Rokoko ist Spät-Barock und licht und hell und voll.

Ich mag gern Buko und Philadelphia.

Bei Rameau liebe ich besonders die Allemande a-Moll und Prelude und Gigue a-Moll.

Meine beiden Chorwerke Hallelujah und Du hast meine Angst genommen werden dieses Jahr gedruckt und veröffentlicht, habe heute den Vertrag unterschrieben. Meine ersten gedruckten Chorwerke.

Übrigens, gestern war es meine erste Funtsch-Orgel. My very first Funtsch – und dann gleich eine Muschelorgel, wie ich sie vorher nie gesehen habe.

Ich höre gerade das LSO mit Sibelius. Was ich an Orchester vielleicht mehr mag als an Chor ist die Schwere. Das Gewicht des Apparats.

Ich mag Siegfried Lenz und Oscar Wilde.

Von Hiddensee habe ich Steine vom Strand mitgenommen in Herz-Form.

Ich freue mich, dass mein Gedicht und meine Orgel jetzt im Juli im Orgelkalender ist. Ich liebe diese blaue Orgel. Jetzt in Würzburg hängt es auch, nachdem ich wochenlang nicht daheim war.

16. Juli 2022: Lebe nicht im beschränkten Untertanenverstand. (v. Rochow)

Das Schickste ist, gerade nicht in Google zu existieren (Phoebe Philo): Britische Modeschöpferin, in Paris geboren. Heute erinnere ich auch an Gertrude Duby-Blom, Umweltschützerin, schweizerisch-mexikanisch, 1901 geboren.

Foto: Funtsch-Sandtner Orgel Amberg Juli 2022 

Amberg

Ich bin in Amberg angekommen: Oberpfalz, Bayern. Ich berichte später. Um 12 ist das Konzert. Bin im Parkhotel, Allee Parkhotel am Eingang zur Altstadt im Park. Von meinem Zimmer aus sehe ich den Turm der Martinskirche. Es gibt eine Sauna, aber dafür habe ich keine Zeit. Ich kann das Hotel empfehlen, aber die Eier sind viel zu weich. Die konnte ich nicht essen.

Amberg ist eine schöne, katholische Stadt (ca. 40.000 Einwohnerinnen) mit einer alten Stadtmauer, vier Stadt-Toren und einem Stadtgraben. Der Fluss Vils fließt gemütlich durch alle hübschen Brücken. Das rote Dach der großen Basilika St. Martin am Marktplatz leuchtet in der Abendsonne wie rotes Gold. Eine schwarze Katze schmiegte sich an mich bei meinem gestrigen Abendspaziergang. Man sieht viel barocken Sandstein, Restaurants, geschmückte Balkone. Über der Stadt thront der Mariahilfberg. Ich habe in Amberg schon mal, lange her, auf dem Kunstsommer Klavier gespielt und gelesen. Damals, als ich mich noch nicht für Orgeln interessiert habe. Vor 2017.

Oberpfalz

Ich habe Eis mit Sahne gegessen. Die Sahne thronte auf den beiden Eiskugeln auf der Waffel mit Streuseln. „Für Eisesser-Profis“, sagte die Eisfrau. „Vorsicht beim Schlecken!“ Die Leute staunten und lachten, als ich mit meiner wackeligen Eis-Pyramide von dannen zog. Schon nach kurzer Zeit war mein ganzes Gesicht voll Sahne. Es schmeckte himmlisch.

Muschel-Orgel Rokoko

Ich bin Rokoko.

15. Juli 2022

Foto: Konzert in Amberg morgen

Heute erinnere ich an alle Deutschen, besonders Frauen und Kinder, die absolut keine Nazis waren, sogar vor den Nazis flohen, und dennoch bewusst von den Russen, der Roten Armee, erschossen, gequält, ausgeraubt wurden.

Jesus meidet die Dummen. Bei ihm bleibt niemand dumm.

Doppelbegabung

Bin im Zug zum Konzert in Amberg und lese Helga Schuberts wundervolles Buch „Vom Aufstehen“. Schlicht, sensibel-poetisch, ein Zeitzeugnis einer klugen, bescheidenen Frau, 1940 geboren, Ehefrau des Malers und Psychologen Prof. Johannes Helm, 1927 geboren. Er lebt noch und ist mittlerweile leider krank. Ich finde es schön, wenn Menschen eine Doppelbegabung haben und mehrere, unterschiedliche, vielleicht sogar gegensätzliche Sachen sind. Früher war das viel häufiger der Fall. Angelus Silesius (eigentlich Johannes Scheffler) war Lyriker, Arzt und Theologe. Völlig unterschiedliche Dinge. Heute ist das fast ganz und gar unmöglich. Mendelssohn: Komponist, Lehrer, Zeichner. Hans Lehndorff: Chirourg und Schriftsteller. Früher schien diese professionelle, individuelle Misch-Vielfalt gut und „normal“. Heute wird es immer schwieriger, mehr als eine Sache zu sein. Und wenn du mehr als eine Sache bist, dann treten die Skeptiker wie Motten ans Licht: „Was? Das kann nicht wahr sein. Orgel und Klavier? Malen auch? Und Komponieren? Da kann was nicht stimmen. Und was – schreiben? Das ist nun wirklich zu viel. So viel kann sie nicht sein. Das muss erstunken und erlogen sein. Niemand kriegt das hin. Niefraud schon gleich gar nicht.“
Doch, das geht. Es ist traurig und ungerecht, wenn Menschen von anderen verlangen, ihr kostbares kurzes Leben nur auf eine Sache zu beschränken, nur damit alles in der Norm bleibt und kontrolliert werden kann.

Amberg

Amberg in Bayern mit ihrer schönen Barockorgel ist von Greifswald ca. 9 Stunden entfernt. Ich fahre Stralsund-Berlin-Nürnberg-Amberg. Über Grimmen und Demmin. Grimmen braucht dringend einen neuen Bahnhof. So etwas zu sehen. Für alles andere ist Geld da.
Ich bin gespannt, wie verspätet der ICE in Berlin ist, denn die letzten 4 Male war er immer sehr verspätet.
Danke für eure Gebete gestern. Liturgik ist gut gelaufen.

Hymnologie

Ich mag das Lied EG 428 „Komm in unsre stolze Welt“ (1968/1982) – beide Macher haben den Krieg erlebt: Manfred Schlenker (1926 geboren, jetzt beinahe 100 Jahre alt) und Hans Graf von Lehndorff (1910-1987), der sogar beide Kriege erlebt hat. Schlenker hat dieses Lied in Greifswald geschrieben. Damals lebte er im Institut, als es die Orgel noch nicht gab. Zuvor hatte er die sowjetische Gefangenschaft erlebt. Seine Frau kümmerte sich um 5 Kinder, während er das Institut leitete. Es ist inspirierend, im selben Raum zu sein, indem er komponiert hat. 

13. Juli 2022: Meine Zeit in Vorpommern

Singen ist wie Schwimmen im Atmen. Nicht abtauchen. (AHS)

Foto: Nerlich Orgel Ziethen. Die Fotos der letzten Tage sind auch drin.

Vitte auf Hiddensee

Heute besuchte ich Vitte auf Hiddensee. Vitte ist die “Hauptstadt” vom Seebad Hiddensee. Ich bin mit der Kutsche dorthin gekommen. Es war “Zufall”. Ich kam aus unserem Gelände raus, und eine Kutsche fuhr just vorbei. Ich fragte den netten jungen Kutscher, wohin er fährt. “Nach Vitte”. Ich fragte, ob ich mit kann. Er sagte Ja. Ich wollte einfach weg. Er nahm mich mit. Der Hafen ist hübsch. Es tat mir sehr gut, mit der Kutsche über die Insel zu fahren. Ich saß vorne neben ihm. Die Kutsche war eine Art Planwagen wie aus “Unsere kleine Farm”.

Die beiden Mecklenburger Kaltblüter, aussehend wie große Haflinger, klapperten laut und beruhigend mit ihren beschlagenen Hufen über die Wege. Boris und Hartmut hießen die beiden. Boris, links, war der Freche. Es war noch Vormittag, die Sonne schien warm, es war leicht windig, und überall grasten glückliche Pferde. In Vitte hatte ich eine Stunde Zeit, dann wollte der Kutscher eine gebuchte Gruppe auf den Leuchtturm fahren.

Leuchtturm Dornbusch

Der Leuchtturm Dornbusch ist neben dem Seepferdchen auf der Flagge das Wahrzeichen von Hiddensee. Ich durfte wieder mit. Vorne. In der Stunde in Hiddensee besuchte ich den Strand, der ganz anders ist als der in Kloster, jedoch ebenfalls an der offenen Ostsee, jedoch ohne schwarze Steine, die das Meer zurückhalten. Nacktbader. Auch Frauen. Das Wasser ist furchtbar kalt. Ich schaffte es nur bis zu den Knien hinein. Ich habe mich nicht überwunden, zu baden, schon gar nicht nackt.

Dafür besuchte ich die Blaue Scheune, eine Kunstgalerie mit interessanten Gemälden, die man teilweise auch kaufen kann. Zeitungsladen, Zeltkino (eine Art Stadthalle), eine andere Kunst-Galerie, das Rathaus und das Henni Lehmann-Haus, eine Frau! Sie war jüdische Malerin und Autorin, politisch engagiert und sehr kontaktfreudig, und hat einige gewagte Projekte auf Hiddensee umgesetzt mit Malerei, die auf dem Festland nicht möglich waren. Jedoch wurde sie von den Nazis verfolgt und nahm sich deswegen das Leben. Wie traurig! Heute ist in dem Haus auch die Stadtbibliothek.

Daher erinnere ich heute an Henriette (Henni) Lehmann.

Grieben

Hiddensee ist nur ca. 17 km lang. Neuendorf ist das Fischerdörfchen, Grieben hat nur 35 Einwohnerinnen. Die meisten wohnen in Vitte. Insgesamt gibt es (ohne Touristen) nur ca. 1000 Inselbewohnerinnen. Dann fuhren wir also mit Boris und Hartmut im Trab zum Leuchtturm, erst nach Grieben, dann in die Dünen und an die Steilküste. Es war eine sehr schöne Tour. Alles duftete. Ich stieg auch auf den Leuchtturm hinauf, mit seinen 102 Stufen. Allerdings oben hatte ich kurz ziemlich Höhenangst, auch wegen des Windes, was die Höhe irgendwie verstärkt hat. Und zurück die erste Steiltreppe hatte ich kurz Probleme.

Ich warf meine Schuhe runter und gab jemand anderem mein Handy (ich hatte keine Tasche dabei) und stieg dann unter verschiedenster Ratschläge, wie ich es am besten zu machen habe, die erste steile Treppe zurück nach unten. Ab da ging es. Wichtig: Immer rückwärts runter. Auf keinen Fall von vorne. Der Leuchtturm-Wächter ließ mich auch kostenlos nach oben. Ich hatte nichts dabei, da alles spontan war. Ich liebe solche spontanen Aktionen, die mir Gott schenkt. Von der Tour habe ich etwas Sonnenbrand bekommen.

Inselkirche Kloster Hiddensee

Ich besuchte anschließend die kleine Inselkirche von 1330 mit ihrer hübschen kleinen Schuke-Orgel, Alexander Schuke (Potsdam), Opus 199, Anno 1942, 2 M. Sie steht unter einer gewölbten hellblauen Holzdecke voll gelber Rosen, gemalt von Nikolaus Niemeier. Abends nach dem Posaunenchor-Konzert (aus Königs-Wusterhausen) spielte ich die Orgel. Top in Schuss, sehr hübsch zu spielen. Freu mich auf meine Konzerte hier.

Und war am Nachmittag im Insel-Buchladen mit Hiddensee-Krimis.

Chorleitung

Nachmittags hatten wir dann Dirigieren und Chorleitung. Es ist immer interessant, ich erlebe viel, auch wenn die Leute anders sind als ich.

Aber ich schmelze oft wie eine Kerze, wenn etwas ist. Erschrecke mich, wenn eine tote Amsel auf dem Weg liegt. Ich denke über viele Dinge sehr viel nach. Ich finde, Charakter hat nicht unbedingt etwas mit sozialem Verhalten zu tun.

Maria von Oldenburg und Hans Graf von Lehndorff

Und ich erinnere an Maria von Oldenburg. An ihr erkennt man den sexistischen Apparat Wikipedia. Maria von Oldenburg war die Mutter von Hans von Lehndorff, der den wunderbaren Text zum Kirchenlied “Komm in unsere stolze Welt” geschrieben hat, in Greifswald vertont. Wikipedia listet unter Lehndorffs Eltern auf der mobilen Version nur den Vater. Nur der hat auch eine Wikipedia Seite. Genauso mit Lehndorffs Frau, Gräfin Margarete von Finckenstein. Als wären nur die Männer wert, gelistet zu werden. Weil diese studiert haben und Ärzte geworden sind? Dabei war es Frauen damals kaum möglich gemacht worden, zu studieren. So sind viele Männer: Sie listen ihr Geschlecht und machen die Regeln so, dass es für das andere Geschlecht schwer bis unmöglich ist, gelistet zu werden.

Aber das wirklich Berührende ist: Die Mutter Lehndorffs, Maria von Oldenburg, ist eine Heldin, ähnlich wie Bonhoeffer, größer und wird im Himmel größer sein als er. Sie wurde verhaftet, weil sie sich gegen die Nazis aufgelehnt hat, um einen Pfarrer zu beschützen, und später in Stuhm (Ostpreußen) von Russen erschossen. Wo steht ihre Geschichte? Unter Hans von Lehndorff. Nicht auf einer eigenen Seite.

12. Juli 2022: Bach Vlog. Bach weiß, wie man Emotion entwickelt. (AHS)

Niemand weiß so gut wie Bach, wie Emotion in Musik entwickelt werden. Seine Textvertonungen sind bis heute ungetoppt, und das trotz Schubert und Clara Schumann. Wobei diese auch genial sind.

Hiddensee

Ich bin auf der Insel Hiddensee. Wir fuhren von Greifswald nach Schaprode auf Rügen und von dort mit der Fähre Weiße Flotte über den Ortsteil Neuendorf (bereits Hiddensee) zum Ortsteil Kloster über den Bodden. Das Wasser ist so flach, dass man in einer bestimmten Spur fahren muss, um nicht auf Grund zu gehen. Unzählige Schwäne gibt es hier, ca. 70 habe ich gezählt, aber es sind bestimmt mehr. Wir hatten tolle Sicht und konnten die drei Kirchen von Stralsund und die Rügener Brücke glasklar sehen von der Fähre aus. Auch Wind und Sonne perfekt. So gab es viele Segelboote, die vom Wind her schräg in der Kurve lagen, so wie Organistinnen vom Wind der Orgel her in der Kurve liegen. Die Segelboote folgten der Fähre.

Kloster auf Hiddensee

Hier auf Hiddensee im Ortsteil Kloster gibt es eine “Biologische Station Hiddensee” der Uni Greifswald – eine hübsche Anlage mit roten und blauen schwedischen Häuschen, also Holzhäuschen im schwedischen Stil für Doktoranden. Hier wohnen wir, ich im roten Bungalow. Man hat von hier einen großartigen Blick auf das Meer. Und zwar auf die offene Ostsee, nicht auf den Bodden.

Das offene Meer ist natürlich kein Vergleich mit dem Bodden. Es ist rau, wellig, brausend, wild. Die Wellen brechen sich an den aufgetürmten schwarzen Steinen. Ich liebe das offene Meer viel mehr als den Bodden oder den Sund. Die Leute baden hier nackt (= springen kurz ins kalte Wasser), auch wenn nirgends FKK steht.

Früher gab es hier in Kloster ein Zisterzienserkloster. Ein weiterer Ortsteil heißt Vitte (mit F gesprochen). Man kann auch von Stralsund nach Kloster fahren.

Hiddensee ist ein schönes Wort. Die Insel ist gar nicht so klein wie ich dachte. Man fährt von Rügen schon eine kleine Weile, ca. 30 Minuten oder mehr, und dann angekommen gibt es hier ein echtes Inselfeeling, keine Autos, so wie auf Langeoog, und es gibt einen Bäcker, einen kleinen Supermarkt, kleine Läden mit Kunst und Schmuck, Eis, eine Kartenlegerin mit Stimmanalyse (aha), Ferienwohnungen, Kutschen. Aber alles in Miniatur, wirklich klein. Zwergenformat. Hiddensee ist viel mehr Insel als Rügen. Es ist heimelig und sandig, und man hat die offene Ostsee. Die Kiefern duften. Es gibt Sanddorn. Auf den Dünen gibt es in den grünen Büschen einsame Plätze mit Bänken, von wo das Meer wunderbar zu sehen ist, der Sonnenuntergang, der langsam in die Ostsee sinkt und alles in Schönheit färbt. Man kann die Insel an einem Tag durchqueren, zu Fuß. Die meisten sind mit Rädern da.

Es gibt hier Zecken, Mücken und Schlangen (Kreuzotter). Aber begegnet sind mir bisher nur Mücken. Die Inselkirche ohne Turm ist sehr hübsch. Berühmt ist der große Leuchtturm.

Die kleine Insel Vilm ist ein Naturschutzgebiet. Früher sollen Politiker diese Insel für sich als Erholung genutzt haben. Die Insel Riems ist wohl ausschließlich für Virenforschung zu nutzen, und zwar für Tierforscher. Ich kenne einen von diesen. Die große Insel Rügen nicht mit Fehmarn verwechseln!

Bach

Ich singe gerade Bachs “Aus Liebe will mein Heiland sterben” aus der Matthäus-Passion. Ich habe eine ungewöhnlich hohe Stimme. Die Arie ist mit ihren unglaublichen Sprüngen und ihrer Chromatik so kreativ, berührend und textlich auf den Punkt gebracht, dass die Mozart-Aria Zerlina in Don Giovanni, die ich auch singe (so wunderbar sie ist und mit ihrem lieben Schluss – und gilt nicht Mozart bis heute als “das Wunderkind” schlechthin?) völlig abfällt im Vergleich zu Bachs Musik. Auch wenn manche diese Aussage vielleicht undifferenziert halten: Aber ich differenziere ja gerade: Es ist geradezu erschreckend, wie sehr sie abfällt. Von ihrer Tiefe, von ihrem Inhalt. Mozarts Musik ist wenig im Vergleich zu Bach. Wieviel weniger sind alle anderen im Vergleich zu Bach. Ich weiß, das ist eine harte Aussage, und an manchen Tagen sehe ich es nicht ganz so scharf wie heute.

Foto: Hiddensee (Kloster)

Heute erinnere ich an Ursula Schlenker.

Orgel Vlog AHS

11. Juli 2022: Orgel Vlog

Sie ist eine Fixe. Eine Wassermännin (Doris über AHS). Ich finde es schön, aber manchmal auch nicht so leicht, schnell zu sein. So multitasking.

Uni-Gottesdienst

Es hat Freude gemacht, heute im Uni-Semester-Abschluss-Gottesdienst unseren Chor zu dirigieren. Helga Schubert war eingeladen, vorzulesen, die geniale 82-jährige Schriftstellerin, die in ihren Kurzgeschichten viel aus ihrer Kindheit in der DDR berichtet, Bachmann-Preisträgerin. Es wurde auch gefilmt. Im Gegensatz zu mir war der Chor jedoch nicht happy, gefilmt zu werden. Wie unterschiedlich Menschen sind. Aber zurück zu Helga Schubert. Ihr Stil ist eine Mischung aus gefilterter Trauer mit großer Authentizität, Lebensechtheit und Bescheidenheit. Ich habe danach kurz mit ihr gesprochen. Sie fand mein Dirigat schön. Früher war sie als Psychologin tätig und nie auf das Schreiben angewiesen und hat dennoch immer geschrieben. Sie schildert von ihren echten, hoch-persönlichen Dingen in ihrer Literatur ohne Scham, sogar mit Humor, und so, dass man sich identifizieren kann. Erstaunlich, wie sie das geschafft hat. Und sie wirkt so fit mit ihren 85 oder was. Der Dom war gut besucht.

Morgen geht es frühs nach Hiddensee.

Foto: Gutshaus Ziethen

Das Buch: “Die heilende Kraft der Musik” von Stefan Kölsch ist eine langweilige Ödnis-Katastrophe. Man kann mit 300 Seiten gut und gerne heidnisch am Thema vorbeischreiben. Nicht zu empfehlen.

Mir fällt auf, dass viele Menschen abergläubisch sind: Sie kreuzen ihre Finger, klopfen auf Holz, sagen Toi Toi Toi und andere heidnische Sprüche und Redensarten. Dabei essen sie vegane grüne Bratwurst. Ich meine, buchstäblich grün. Habt ihr schon mal eine grüne Bratwurst gegessen? Ich war neulich auf einem rein vegetarischen Grillabend. Das Gemüse schmeckte gut.

Bariton/Euphonium

Es macht Spaß, Bariton zu üben. Es ist ovaler und etwas kleiner als ein Euphonium. Beide sind B-Instrumente. Vier Ventile, runder warmer, tiefer Klang. Die ganz tiefen Töne fallen mir nicht so leicht. Die Bariton-Schule deHaske zeigt nur Fotos mit Männern am Instrument. Sexistisch, noch 1999. Als würden nur Männer Blech spielen. Auch der sogenannte “Büchmann” listet als “Geflügelte Worte” ausschließlich Männer (Knaur, 1959). Früher war Sexismus ganz normal. Auch und gerade für Frauen. Die Art, wie sich manche Frauen immer zurückhalten, nervt mich durchaus auch. Doch Bücher mit Weisheiten und Zitate listeten früher nur Männer. Was eigentlich absolut lächerlich ist. Gibt es nicht noch mehr Frauen wie mich? Die gern gesehen werden wollen?

Heute erinnere ich an alle Schriftstellerinnen aus der ehemaligen DDR.

Youtube AHS

Neu: Wie man Orgeln anschaltet

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Neu: Schwedisches Sommer-Liebeslied

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Orgel Vlog Ziethen: Wie schalte ich eine Orgel ein?

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Uti var hage