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30. Mai 2020

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Über das Feld eines anderen rennt man; über das eigene geht man bedächtig. (Malaiisches Sprichwort)

Mein Lieblingsdirigent ist im Moment Paavo Järvi.

Bei Liszts Ad nos muss man insgesamt, wenn man ein schönes Legato spielen will, sehr locker und weich in Schultern, Armen und Handgelenken sein. Das Handgelenk muss wie ein schweres, tropfendes, passives Wesen sein, dass ich wie an einem Marionetten-Seil ziehe über die Tasten ziehen lasse. Man muss seinen Schutzinstinkt überwinden und die Schultern bei allen schweren Stellen und Großakkorden locker lassen. Sonst wird das Stück steif. Besonders der Mittelteil wird sonst in Kleinstteile zerfallen, da die Orgel ja an sich schon „steif“ ist. Das Stück ist einfach himmlisch, wenn die großen Strukturen erhalten bleiben. Dann ist es dauerspannend. Ich habe das Vorrecht, dass ich das Flügelgefühl intus habe und dieses mit an die Orgel nehmen kann: Das Gefühl für Sostenuto-Pedal, Dynamik, das Schwelgen im Klang, das Flirrende, Virtuose.

Ingesamt machen zu viele Farben und Manualwechsel das Werk Ad nos zu kleinteilig. Dann fleddert es aus.

Und die Tempi sind nicht immer leicht zu wählen. Schön ist jedoch, dass vieles individuelle Entscheidungen sind. Es gibt oft kein Richtig oder Falsch hier. Es ist eine Sache des guten Geschmacks, der Orgel und der Erfahrung und auch der momentanen Gefühlslage.

Vorsichtig muss man mit Überlegato bei der Orgel sein und da sehr genau in den Raum hören und nicht in der motorischen Sinnlichkeit „stecken“ bleiben. Es dürfen eben keine echten Dissonanzen entstehen, dazu ist die Orgel zu massiv. Das geht am Flügel gut, aber nicht an der Orgel. Die Dissonanzen werden sonst zu einer Art klanglichem Missverständnis.

Es ist schon wichtig, auch Romantik hervorragend an der Orgel spielen zu lernen, nicht zum Selbstzweck, aber um die Orchestrierung gut zu verstehen, die die Orgel unternimmt; ganz anders als am Flügel.

Schön finde ich, dass ich die Sprache der Dynamik sehr schön beherrsche (Flügel) und nun immer mehr verstehe und begreife, was die Sprache der Orgel-Artikulation meint, was im Grunde der Schlüssel zur Orgel ist. Man erlernt diese Fremdsprache nur durch Machen und Tun, viele Orgeln, es wollen, durch top Lehrer (geduldig und klug) und – durch Fehler machen. Ich habe vor allem durch Fehler Aha-Erlebnisse gehabt. „Aahhh, jetzt verstehe ich, warum….“ Das vergisst man dann nie mehr. Man kann diesen Prozess auch nicht beschleunigen. Diese Sprache muss in Fleisch und Blut übergehen so wie die Dynamik-Sprache auch. Es muss so verstanden werden, dass es echt „angekommen“ und verankert ist, auch motorisch und im Kopf. Man muss also Fehler machen dürfen. Sonst lernt man es nicht. Im Grunde gehört das ganze Legato-Thema bei Liszt (und Mendelssohn…) auch zum Artikulations-Thema der Orgel.

Vieles ist eben orgelspezifisch zu sehen, nicht „rein musikalisch“. Auch Staccato an der Orgel: Dass dies nicht zu löchrig oder zu ausgehungert klingt. Die Frage ist immer: Was wird verschmolzen, damit es decrescendo klingt, was muss abgesetzt werden etc. Hier gehen Artikulation und Dynamik so sehr Hand in Hand, dass die Artikulation im Grunde die Dynamik ist oder ersetzt, zur Dynamik wird. Das ist sehr spannend, fast unheimlich und geheimnisvoll für mich. Eine Synthese. Eine Synergie. Und dann die orgelspezifische Agogik, die zu dieser Synergie gehört. Alles dreht sich um die Dynamik, nicht um die Artikulation. Die Artikulation ist das größte Hilfsmittel zur Dynamik, nicht Schweller und Register. Die orgelspezifische Dynamik mit ihren orgelspezifischen „Hilfsmitteln“, das Umgehen mit dem Schweller, die „gelinden“ crescendi… Zusammengefasst kann man sagen: So viel steifer die Pfeifen sind im Vergleich zu Saiten, so muss sich alles an Artikulation, Agogik und (die Hilfsmittel zur) Dynamik für die Dynamik anpassen. Da ich aber die reale, echte Dynamik-Sprache ohne Hilfsmittel sehr gut beherrsche, es sogar meine Stärke ist, so wie Virtuosität, besitze ich echte Musikalität, die der Orgel gut tut. Da viele (wenn nicht gar die meisten) Organisten die Dynamik-Sprache nicht beherrschen (von Virtuosität ganz zu schweigen), wirkt das Orgelspiel trotz allem oft unmusikalisch. Ohne Dynamik ist es ganz einfach auch unmusikalisch. Und mit Dynamik sind nicht die Hilfsmittel gemeint, die kompensieren sie niemals, sondern reale Farben in einem drin, aus der Seele kommend, aus den Fingern kommend, aus dem Drive.

Natürlich muss sich auch die Virtuosität der Orgel anpassen. Zu schnelle 32tel können verhuscht, zu schnelle Notenwerte gar rhythmisch falsch klingen. Schnelligkeit ist an der Orgel geradezu spiegelverkehrt oder eine „optische Täuschung“, oder besser, eine auditive Täuschung. Nur mit Weichheit kann man sich den mächtige Pfeifen nähern.

Was sehr gut tut, ist, Olivenöl auf den Arme zu verteilen, wenn man viel geübt hat. Das wird dann richtig warm auf und in den Armen. Olivenöl, Ingwer, Ananas und Kurkuma sollen gut gegen Entzündung sein. Vor allem, wenn man 7 Stunden geübt hat. Oder die Arme relaxed in die Sonne halten.

Ich liebe das Gefühl, wenn man so im Flow ist, an einer schönen Orgel sitzt und übt, dann denke ich manchmal die ganze Zeit, zB bei Liszt oder Bach: „Ach, ist das schön. Warum ist das so schön?“ Schön finde ich auch, in Räumen zu üben, wo es eine Orgel und einen Flügel gibt. Da fühle ich mich besonders zuhause.

Wenn man den ganzen Tag geübt hat: Schön ist auch, wenn man, um die Daumen zu lockern, die ganze Handfläche weich, offen hält und aktiv, nicht nur die Finger. Und sich beim Ausruhen an die Schwerkraft abzugeben. Wobei für mich die Schwerkraft Gott ist.

Ich bin daran gewöhnt, meine ganze Lust auf Bewegung beim Üben und Spielen am Instrument auszuleben. Da ich sonst so wenig Sport mache, als Ausgleich. Manchmal bin ich dann mehr in der sinnlichen Bewegung als im Hören. Aber ein Instrument spielen ist eben nicht Tanzen. Man braucht eher minimalen Kraftaufwand, auch um sich zu schonen, und die ganze Aufmerksamkeit auf das Hören und das planvolle Denken gerichtet. Auf die Architektur. Ich bin ein Bewegungsmensch.

Es ist immer noch sehr trocken. Sobald ich lüfte, geht die Luftfeuchtigkeit drastisch nach unten. Als wäre draußen Schmiergelpapier. Ich war immer ein Lüfte-Mensch. Seit dem Cembalo bin ich ein Luftfeuchtigkeitsmensch. Stundenlang das Fenster aufhaben geht nicht mehr. Jedenfalls nicht, wenn es so trocken ist.

29. Mai 2020

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Wer alle seine Ziele erreicht, hat sie wahrscheinlich zu niedrig gewählt. (H.v.Karajan)

Den ich eigentlich nicht sehr mag.

Empfehlen kann ich Hello Beautiful von Bath and Body Works, duftet himmlisch. Nicht empfehlen kann ich Eucerin. Body Lotion ist zwar ok. Aber ich habe immer tränende Augen bei den Gesichtscremes. Da muss – Apotheke hin oder her – in jeder Creme ein echt scharfer Stoff drin sein. Normalerweise bin ich nicht empfindlich. Sehr empfehlen kann ich Lavendel Bad von Weleda. Danach ist die Haut wie Samt.

Reiten in der Sonne macht Spaß, auch wenn Grace oft grasen möchte. Vor allem, wenn ich einem Hasen hinterher schaue.

Dom Würzburg

28. Mai 2020

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Die Orgel redet fast alle Sprachen. (AHS)

Das Schöne bei Bachs Piece d’Orgue ist, dass man das Stück überall spielen kann, auch sehr schön auf französischen Orgeln. Entweder mit Plein Jeu (bzw. Petit Plein Jeu) oder Grand Jeu, hier keine Mixturen in den Händen, sondern Zungen dazu nimmt. Bei Grand Jeu hebt sich allerdings das Pedal nicht so gut ab, besser im Plein Jeu, das ja auch im Plein Jeu das Pedal im Kontrast Zungen hat. Allerdings kann man im Grand Jeu im Vitement sehr schön ein Kornett oder eine flötige Tierce hinzunehmen.

Ich finde es schön, wie Bach die Quartsextakkorde, die zu seiner Zeit absolute Dissonanzen waren, oder auch die Dominantseptimakkorde, manchmal gar mit None, umspielt, oder auch die Sekunden. Dicht und intensiv. Oder wie er im Gravement die Tetrachorde (4) und die Hexachorde (6) verwendet, die Moleküle des Werkes. Wie immer wieder neu nach einer Kadenz eine Hexachord-Linie irgendwo ansteigt, unten oder oben oder beides. Dass er unerträglich lange nicht abkadenziert. Dass man vor lauter Spannung keine Luft mehr bekommt. Wenn man all diese Linien verfolgt, besonders die Mittelstimmen, also keineswegs akkordisch denkt, dann ist der Gravement-Teil schwer. Denn sobald man auch nur eine Linie vergisst oder eine Note länger hält als geschrieben, klingt es bei dieser Dichte schmutzig. Auf der anderen Seite sollen die Linien gerade sehr dicht sein, die genussvollen Dissonanzen nicht abreißen, besonders dichte Terzen und Sexten. Es ist ein Vorhalts-Stück, ein Choral mit einem Diskant voll Cantilene, während es in der Mitte wie Lava brodelt und man von einem Höhepunkt in den nächsten schwimmt. Wie in einer dicken, tröstenden Masse. Ich liebe die Kadenz mit dem tiefen h, die Orgelpunkte, die Überraschungen, die springenden Oktaven, den flirrenden Schluss, aber vor allem, dass er das Anfangsmotiv vom Grave einfach mittendrin wieder einbaut, in Dur, in Moll.

Erschreckend ist, dass der KlangArt-Orgel-Kalender von benno-Verlag bisher nur Männerzitate zeigt.

27. Mai 2020

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Heute fällt mir leider kein Zitat ein :).

Dafür dies:

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26. Mai 2020

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Ich bin froh, einer dieser Menschen zu sein, die problemlos Musik hören können, ohne dabei zu joggen. (Anonym)

In Concert, erster Aufritt nach der Krise in der Krise: Die schöne renovierte, neobarocke Hey-Orgel in St. Kilian Bad Windsheim von 1986 mit vier Manualen und Setzer-Anlage, Druckpunkt, aktives Pedal, ist sehr spannend, da sie noch in dem wunderschönen alten Prospekt von 1735 steht. Die Orgel wirkt riesig, wenn sie hell erleuchtet ist. Die große schöne Kirche St. Kilian hat viele Orgeln erlebt. Nach dem Stadtbrand vor sehr langer Zeit wurde in Bad Windsheim damals eine wunderschöne Wiegleb-Orgel eingebaut (siehe Ansbach), doch leider wieder vernichtet, dafür eine Steinmeyer-Orgel eingebaut, die auch wieder vernichtet… Viel Chaos nach dem jeweiligen Zeitgeschmack. Aber der herrliche Prospekt ist erhalten geblieben: Überall pfeifentragende Engel und zwei große Männerfiguren, die die Pedalpfeifen tragen. Diese muskulösen Männerfiguren und Engel schauen so verzweifelt und ächzend unter ihrer schweren Last, dass man an der Orgel spielend nach einer Weile, da man diesen Figuren und Engeln ins Gesicht guckt, fast etwas depressiv wird. Der Prospekt wirkt sehr schwer. Viele kleine Pfeifen sind verschnörkelt. Oben auf der Orgel thront ein Engel-Orchester.

Bad Windsheim ist viel kälter als Würzburg. Ich habe schon oft Klavierabende in Bad Windsheim gespielt. Nun Orgel. Auch in dieser schwierigen Zeit leuchtete die große St. Kilianskirche, mit ihrem Brunnen davor. Die Gäste (zwischen 80 und 90 Leute) wurden zu ihren Plätzen begleitet von lieben Damen mit Schutzmaske. Mein erstes Schutzmasken-Konzert. Die Presse war auch da in der ersten Reihe und hat Fotos gemacht. Habe CDs verkauft, mit rasch angelegter Schutzmaske, die mir eilig hinterher getragen wurde. Ich liebe es, mich hinterher schnell nach unten zu begeben und mich zu verbeugen. Die Leute finden diese Kombination „Ann-Helena und Orgel“ immer erstaunlich, das merke ich. Begeisterte emails hinterher erhalten. Anschließend war alles schon zu, aber wenigstens konnten wir zwischendurch tagsüber ein Eis essen und Kaffee trinken. Das Filmen hat Spaß gemacht, auch wenn es anstrengend war. Die Videos kommen bald. Danke, Bernd! 

Eine Orgel ist ein lebendiges Wesen wie ein Tier, sagen wir, ein Pferd (da ich gern reite und auch die Orgel einen trägt). Vor allem, wenn die Orgel schon oft umgebaut wurde, muss man sensibel mit ihr umgehen. Da sie erweitert wurde (die Leute mögen immer gern laute, große Orgeln, neue Setzer-Anlage, neues Extra-Manual und mehr Pfeifen…), stehen die Pfeifen hier eng gedrängt im alten schönen Prospekt. Ich aber glaube, für die Persönlichkeit einer Orgel kommt es auf keinen Fall auf Größe und Lautstärke an. Viele Männer reden immer von Riesenorgeln, von Erweiterungen, von größeren Motoren, von Universalorgeln. Aber das ruiniert manchmal anstatt zu verbessern. Denn dadurch werden Farben und Klänge auch zerstört. Die Orgel muss atmen und ihre Individualität behalten. Mir kommt es auf das Persönliche an, auf die zarten Farben. Man muss eben nicht alles auf einer Orgel spielen können. Im Gegenteil, sonst spielt man zwar alles, aber mehr schlecht als recht, weil nichts wirklich perfekt passt. Man könnte nie mit einem Pferd oder mit einem Menschen oder mit einem Auto alles können! Ein Rennwagen ist keine Kutsche und ein SUV kein Flitzer. Gerade die Entscheidungen machen eine Orgel aus, gerade der Verzicht! Aber das verstehen viele unmusikalische Menschen nicht. Dann haben sie aber auch Musik und schon gar nicht Bachs Musik verstanden, die von Verzicht und Entscheidungen lebt. Auch eine Orgel braucht einen festen Rahmen, zu manchem ein Ja und zu manchem ein Nein.

Wenn man also an einer neuen Orgel ist, muss man sehr kreativ mit den Farben umgehen und im Gehör haben, was man hören möchte. Denn man kann oft nicht die typischen oder die eigentlich „richtigen“ Kombinationen nehmen, sondern muss neue suchen, die dem Gehör nahe kommen, auch ungewöhnliche, „unrichtige“. Dabei hilft, zu koppeln, vor allem das Pedal zu koppeln, wenn man dort eine leise Zunge braucht, die es sonst nicht gibt, oder zum Beispiel mit den Händen mal im Vierfuß eine Oktave tiefer zu spielen. Natürlich muss man sich auch zudem motorisch an jede neue Orgel gewöhnen.

Wenn ich meine eigenen Stücke spiele, hilft mir das sehr, mich mit der jeweiligen Orgel anzufreunden, weil ich mich dann komplett individuell auf die Orgel einstelle. Das freut die Orgel, ich merke das. Ich werfe dann ihre Farben in die Luft und lasse sie strahlen. Ich wähle ganz instinktiv wie eine Malerin Farben aus, die zuvor noch nie oder selten kombiniert wurden. None mit Krummhorn, Plein Jeu mit 32-Fuß, Nasard mit Zimbelstern – ich komme dabei richtig in einen kreativen Flow, in Ekstase. Ich entspanne dabei. Die Orgel biegt sich mir freundlich entgegen, wie ein Pferd, dass endlich durchlässig den Rücken frei gibt. Die Orgel entspannt. Schnaubt ab. Und die Leute staunen. Natürlich ist es auch manchen Leuten zu experimentell oder zu verrückt. Das verstehe ich. Wobei mir es nicht experimentell genug sein kann. Daher habe ich auch immer ein eigenes Stück dabei, das etwas „normaler“ ist. Damit belohne ich alle. 

Ich sende die Videos, sobald sie fertig sind. 

Meine Instrumente genießen hier zuhause Luftfeuchtigkeit 50-55 %. An den Nebel habe ich mich ebenfalls gewöhnt und niese nicht mehr. 

25. Mai 2020

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In Bachs Musik werden Dissonanzen zu reinen Klängen und Terzen zu Dissonanzen. (AHS)

Ich freue mich auf die neuen Konzerte in Heiligenhafen und Eggenfelden. Ostsee und Niederbayern Ende des Jahres bzw. 2021. 

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24. Mai 2020

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Die Füße an der Orgel sind viergeteilt: Zweimal Spitze, zweimal Ferse. So habe ich zehn Finger und vier Füße. (AHS)

Wenn ich die Seiten der Füße mit einrechne, sind sie eigentlich sogar achtgeteilt. Acht Füße und zehn Finger. 

Ich freue mich heute auf den ersten Auftritt nach der Krise in St. Kilian in Bad Windsheim. Es wird gefilmt. Die Adresse ist für heute Abend 19:30 ist  

Evang.-Luth. Pfarramt Bad Windsheim
Dr. Martin-Luther-Platz 3
91438 Bad Windsheim

Und ich freue mich auf die nächsten weiteren Video-Aufnahmen für die Stadt Würzburg bald, zunächst an der Schindler-Hoffmann-Orgel St. Laurentius mit einem wundervoll riesigen Notenpult – perfekt für mich und meine Noten. Diese Firma hat sogar eine LWK-Orgel, was ich witzig finde, für Konzerte im Freien. 

Der Beethoven-Klavier-Abend in Mönchengladbach findet wohl am 9. Juli statt. Freue mich. 

Die zweite Symphonie von Sibelius gefällt mir besonders gut. 

Wo immer noch eine starke Männerlobby herrscht, ist die „Komponistenwelt“. Ich erinnere mich, dass ich zu Frauenverlagen verwiesen wurde, als wären alle anderen Verlage Männerverlage. Es gab sogar einen in dieser Männerlobby, der behauptete, meine Werke würde die normale Range der Orgel sprengen, daher ließe es sich nicht verkaufen – was eine Lüge war, denn ich hatte die Werke nachweislich auf ganz normalen Orgeln gespielt. Unfassbar, was sich Männer alles an Unwahrheiten ausdenken, um Frauen abzuwiegeln. Diese Männer rechnen nicht mit  Widerstand. Und es gibt auch Männer, die fühlen sich in ihrer Ehre gekränkt, wenn eine Frau besser und kreativer ist als sie selbst. Es könnte mir egal sein, wenn nicht ausgerechnet solche manchmal an „Schaltstellen“ sitzen. 

Anbei der Link für heute Abend:

Event Bad Windsheim

Schindler-Orgel Heidingsfeld

23. Mai 2020

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Alle Kunstbereiche, als mikrokosmische Abbilder göttlicher Ordnung, unterliegen der gleichen großen Aufgabe und Sinndeutung: Verwirklichung einer göttlichen Ordnung zu sein – wie Gott in den Menschen gelegt, vom Menschen für den Menschen geschaffen, um wieder innerlich eins zu werden mit der natürlichen und geistigen Umwelt, mit Gott selbst! Das ist der Sinn aller Künste! Das ist die Aufgabe jedes Künstlers! Das ist Anliegen jedes tiefer denkenden und künstlerisch interessierten Menschen. (Helmut Degen)

Ich liebe die Orgelsonate von Reubke. Es ist Musik, an die ich mich erst gewöhnen musste, aber jetzt finde ich sie umwerfend gut. 

Und ich mag sehr Sibelius – besonders Night Ride und Valse Triste.

Manchmal höre ich auch gern Frank Zappa. Vielleicht probiere ich es wirklich mal aus und spiele was von Pop und Jazz auf der Orgel. 

Und vor kurzem jährte sich auch wieder der Geburtstag von Froberger.  

Es war schön, wieder draußen Spargel essen zu können oder schöne leckere, gesunde Sachen – nur wenn Jakobsmuscheln „rohvegan“ angeboten werden, dann wundere ich mich doch – und Soja-Lasagne, also, ich weiß nicht … aber ab und zu vegetarische Wochen finde ich gut mit Salat. 

22. Mai 2020

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Music is not a thing at all but an activity, something that people do. The apparent thing „music“ is a figment, an abstraction of the action, whose realtiy vanishes as soon as we examine it at all closely.(Christopher Small)

Ja stimmt, Musik verschwindet geradezu, wenn man sie zu eng analysieren und in Schubladen pressen will.

Frei übersetzt bedeutet dieses Zitat von dem Neuseeländer Christopher Small, der von „Musicking“ sprach, dass Musik in keinster Weise eine Sache ist oder ein Ding, sondern eine Aktivität, etwas, dass Menschen tun. Das angebliche Ding „Musik“ ist eine Abstraktion der Aktion, deren Realität verschwindet, wenn wir sie allzu genau analysieren oder in Schubladen pressen wollen.

Musik ist etwas so Zartes, ein Wunder, etwas, das wirklich verpufft, wenn sie zu aufdringlich examiniert wird.

Ich fand es sehr schön, die Orgel von St. Laurentius kennenzulernen in Würzburg. Es ist interessant zu sehen, was mit Erweiterungen aus einer kleineren Orgel (27 Register) gemacht werden kann, durch Sub- und Superkoppeln, mit der Möglichkeit des Durchkoppelns bis ins Pedal, Tastenfessel, Walze etc. Das ist natürlich teuer, um die 70.000 € kosten solche Erweiterungen schon, zudem muss meist ein größerer Motor eingebaut werden. Würzburg hat so schöne kleine Randorte mitten in den Weinbergen: Weindörfer mitten im Grün. Und es ist schön, dass Menschen wieder draußen sitzen.

21. Mai 2020

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Wenn du nicht Kultur bewusst baust, wirst du früher oder später überrascht sein von der Kultur, die du hast. (Anonym) 

Nämlich keine. Kunst ist auch systemrelevant. 

Es stimmt, manche Künstler sind Musik, sie machen nicht nur Musik. Diese inspirieren mich. Sehr interessant finde ich Harnoncourt, Gergijev, Simon Preston.  

Ich merke, dass ich aufgrund meiner großen Persönlichkeit manchmal mit Leuten aneinander gerate. Diese sind meist überrascht, dass jemand „Süßes“ so eine Persönlichkeit hat, also zielgerichtet, mutig, wissbegierig etc. ist, aufs Ganze geht. Damit rechnen viele Männer nicht bzw. kommen mit dieser Mischung nicht klar. Wie kann jemand, der trotz Millionen von Reisen noch immer Orte verwechselt und geographisch und auch generell oft etwas chaotisch ist, eine „große Persönlichkeit“ haben? Aber das geht. Für viele Männer sind Frauen schöne Blumen, eine nette Augenweide zur Ablenkung vom Stress des Alltags, eine Art Deko für das Egostreicheln. Sie erwarten, dass Frauen dementsprechend sind und sich kleiden. Von beruflichen, ernstzunehmenden, echten Seilschaften völlig entfernt. Im Ausland ist es besser, einfacher, relaxter, speziell in den USA und Skandinavien. 

Ich habe erlebt, dass Lehrende mich gerade wegen meines Potentials nicht fördern wollten. Das Fiese daran ist, dass ich als Frau mit Männern nicht dieselbe Seilschaften haben kann wie Männer untereinander. Männer verschaffen sich durch ihre Seilschaften massive und entscheidende Vorteile. Wenn ich versuche, Seilschaften mit Männern zu haben, werden Ehefrauen eifersüchtig, Männer verstehen es falsch, und Kolleginnen oder Kollegen gucken neidisch und skeptisch. Das Schlimmste aber ist, dass Männer nicht darüber hinweg kommen, dass ich eine Frau bin. Es wäre vielleicht leichter, wenn ich größer oder weniger emotional wäre. Ich müsste also für Seilschaften mit Männern ein anderer Mensch werden, am besten ein Mann. Manche Männer haben nur wegen der Seilschaft zu einem anderen Mann Vorteile, eine Stelle oder ein Angebot bekommen. Da kann Kumpelschaft ohne Flirten einfach vonstatten gehen, und keine Ehefrau wird eifersüchtig. Wie sollte ich eine beruflich intensive Seilschaft mit einem Mann haben? 

Mit Frauen kann ich keine Seilschaften haben, ich habe es verzweifelt versucht. Frauen sind leider überhaupt nicht willig, mit anderen Frauen Seilschaften zu haben. Das sieht zwar anfangs so aus. Aber es ist nicht echt. Frauen sind Einzelkämpferinnen. Das ist traurig. Oder wollen „beste Freundinnen“ sein. Die Männer, die Seilschaften haben, sind oft keine engen, privaten Freunde. Das ist auch nicht immer Sinn der Seilschaft. Aber unter Frauen ist so etwas schwer. So habe ich einen doppelten Nachteil als Frau. Das wissen meine Feinde auch. Dennoch und gerade deswegen weiß ich, dass Gott auf meiner Seite ist, auch wenn der Weg steinig ist. Und Gott ist die größte und treueste Seilschaft, die ein Mensch haben kann.

Eigentlich sind nur wirklich gesunde, reife (nicht unbedingt vom Alter her) und kluge Männer in der Lage, mit mir (und anderen Frauen dieser Art von Persönlichkeit) Treue, Seilschaft, Freundschaft, oder besser, berufliche künstlerische Synergien einzugehen, die für beide Win-Win sind. Männer, die es nicht nötig haben, mich zu hindern.