2026 New CD: Bach berühren: Goldberg Variationen auf der Orgel, Ambiente Audio: Erste CD einer Konzert-Organistin mit dieser Klavier-Transkription auf Orgel
2025 CD BIBLISCHE BILDER, Ambiente Audio. Neue Orgelklänge: Erste CD einer Konzert-Organistin mit ausschließlich eigenen Werken
Liebst Du Musik? Dann bist Du hier richtig im Mitternachts-Blog und Tourblog 2009-2026! Begleite mich live auf meinem musikalischen Weg und hinter die Kulissen der Klassik und Kirchenmusik als Frau in einer Männerwelt.
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Viele Instrumente und Dispositionen hier zum ersten Mal im Netz.
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Liszt „kopiert“ Bachs Kunst der Dissonanzen. (AHS)
Es ist die einende, ein-endende Kraft, die in den Dissonanzen liegt, wie eine tiefere Lösung für aufgeladene Konflikte – aufgeladene Harmonie, eine Quelle kreativer Energie, größer als ihre Summe. Das Auffangen dieser Kräfte. Es gibt nichts Schräges.
Dissonanzen sind integrierende Dynamik, ein Beben, wie wenn Kontinente oder Kernidentitäten aufeinander prallen. Kräfte aus dem musikalischen Inneren voll Erschütterungen. Die Orgel bringt Dissonanzen besonders gut hervor und heraus.
Bei manchen Dingen würde ich mich gern mit Liszt unterhalten.
Lutoslawski Paganini-Variationen: Mit diesem Stück haben meine Schwester und ich den 1. Preis im Steinway-Wettbewerb Hamburg gewonnen:
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Da man an der Orgel im Nachhinein Klang definiert, ist auch die Art, wie man Akkorde spielt, die Länge der Akkorde und generell die Länge sämtlicher Artikulationen entscheidend. (AHS)
Jetzt bin ich mit Messiaen L’Ascension (Himmelfahrt) beschäftigt. Das ist zeitintensiv, daher habe ich heute nicht so viel geschrieben. Morgen wieder.
Beim Üben müssen sich die Hände gut vertragen. (AHS)
Ja, meine Hände müssen sich nahe kommen und dürfen nicht zanken.
Mit diesem Flügel-Gefühl an der Orgel liegt mir Liszt besonders.
Ich mag es, immer mehr zu erfahren, wie man mit Klang an der Orgel umgeht in romantischer, symphonischer Musik.
Das Abgesetzte kann dicht als legato durchgehen, was für mich früher portato war. Wie man dabei besonders im Pedal umgeht, ist interessant, denn hier ist eigentlich immer der Legato-Gedanke wichtig. Da man an der Orgel im Nachhinein Klang definiert, ist auch die Art, wie man Akkorde spielt, die Länge der Akkorde und generell die Länge sämtlicher Artikulationen entscheidend. Das macht sehr viel Spaß: Die Länge von Achteln, von Staccato, die Länge von Vorhalten definieren, die Länge von diesem oder jenem legato, die Länge von diesem oder jenem Absetzen:
Das Wort oder besser der Klang kurz oder dicht kann sämtliche Facetten, Schattierungen und Farben beinhalten – sehr schön: Meine Kreativität hat angedockt. So entscheide ich durch Längen die Dynamik und auch den Charakter, und diese können ineinander verschmelzen und übergehen.
Ich finde, in der Orgel steckt viel musikalische Weisheit. Sie ist anfangs so introvertiert, so steif, und wird durch mich wachgeküsst, und plötzlich ist sie wie ein elegantes Pferd unter meinen Händen, wird durchlässig und geschmeidig, streckt den Rücken unter mir, und mit ihrem enormen PS fliegen wir um die Welt.
Denn Bach war ein Liebhaber von Dissonanzen; ein Künstler darin, wie man mit Dissonanzen umgeht. Die Kunst der Fuge ist im Grunde sehr dissonant, ein Tanz mit Dissonanzen. (AHS)
Wenn man mal überlegt, wie dissonant der Mittelteil von Bachs Piece d’Orgue geklungen hat auf mitteltönigen Orgeln zu Bachs Zeiten! Und selbst heute flirrt und zittert das Gravement geradezu vor Dissonanzen. Und da kommen Leute und meinen, Bach wäre konservativ gewesen. Ich kenne bis heute niemanden, der so absolut revolutionär war/ist. Gleichzeitig lädt er mich beim Üben mit seinen Werken immer wieder zum Singen ein. Da sagen Leute, Bach sei nicht melodisch, und dabei singe ich bei keinem Komponisten so intensiv mit beim Üben wie bei Bach. Selbst wenn ich böse bin auf Gott, muss ich beim Üben Loblieder singen, während ich Bach spiele. Es ist nicht anders möglich.
Es wäre sonst so, als würde man Nutella essen und müsste dabei angewidert das Gesicht verziehen oder als würde man Spargel mit Sauce Hollandaise essen und dürfte dabei nicht den Mund voll Genuss verziehen. Übrigens mag ich besonders, wenn diese Sauce etwas schaumig ist und der Spargel weicher als normal.
Wenn ich manchmal Bach im Pedal ohne Schuhe übe, komme ich mir vor, als würde ich ohne Steigbügel reiten. Das hilft auch ab und zu, besser zu spüren.
Jede tief und wahr empfundene Musik wandelt auf den Höhen, wo Kunst und Glaube sich jederzeit begegnen können. (Albert Schweitzer)
Ich sehe Schweitzer zwar nicht (in erster Linie) als Theologen an, aber er hatte Ideen der Liebe, wollte anderen helfen, empfand Bachs Musik als kostbar und wusste, dass wir auf die Ewigkeit zusteuern.
Schön finde ich: Ich sammle ja auch gern, aber es gibt auch Leute, die mich sammeln.
Eigentlich stammt das nicht von mir, denn so sagte ein Musiker heute über mich :).
Gesegnete Pfingsten!
Die Initiative Musik diskriminiert die Musik-Stile: Nur die Norm-Popmusiker und Jazzer werden dort gefördert. Ich bin eine der einzigen oder seltenen Frauen, die zwischen den Stilen eine Brücke baut und eben nicht „entweder oder“ in U- und E-Musik komponiert/auftritt, sondern in beidem, und eben nicht in die typische Norm der Trennung fällt zwischen Klassik und Pop/Jazz, sondern beides macht. Gerade das sollte besonders gefördert werden, denn da gibt es nur ganz wenige Menschen.
Auch in der GEMA bin ich hier ein Sonderfall, was oft zu Verwirrung geführt hat, welches Stück in welcher Kategorie ausgeschüttet wird.
Ich freue mich, dass meine 10 neuen Werke, 2020 komponiert, in zwei sehr guten Verlagen veröffentlicht werden, auch schon 2020.
CCM – Classical Contemporary Music. Living Composer. Noch immer eine Männerdomäne mit starker Lobby. Die Zielgruppe sind nicht Frauen in den Männerwettbewerben. In fast ausschließlich männlich besetzten Jurys, Vorstand und Leitung wird nach rein männlichen Gesichtspunkten, Regeln und Geschmack entschieden. Und man weiß ja, wie unterschiedlich männlicher und weiblicher Geschmack ist, siehe Filme oder die Weltpolitik. So entscheiden Männer, was männlich oder nicht-männlich ist bzw. – und darum geht- was gut oder schlecht ist.
Daher nimmt nur ein Bruchteil Frauen an männerdominierten Wettbewerben teil, und selbst diese werden noch vergrault. Männer gebären in Teufelskreisen immer wieder nur neue Männer durch Seilschaften. Dass Männer davon nicht irgendwann genug haben. Im Grunde ist es widerwärtig und wird nie Frucht bringen. Gerade alle männerdominierten Bereiche sind immer mehr vom Aussterben bedroht: Kirche, Orgel, Komposition. Selbst wenn es eine Frau als Gast-Jurorin hat, so ist es doch eine reine Männerjury für mich, denn diese eine Frau inmitten Männer ist ausgesucht worden, weil sie das Spiel mitmacht und die strukturierte Frauenfeindlichkeit in der Kirchen- und Kunstszene absegnet, indem sie schweigt bzw. schweigen muss, sonst wird sie nie wieder eingeladen. Viele Frauen ziehen sich vor dem profilierenden Gerangel der Männer ohnehin zurück. Ich weiß ja selbst, wie es in Jurys zugeht. Viele Männer gehen grundsätzlich davon aus, besser zu sein als Frauen. Man muss als Frau also überragend gut sein, denn genauso gut sein wie Männer reicht Männern nicht aus und wird Männern stets Grund geben, Frauen klein zu halten. Dann heisst es noch heuchlerisch: Wo sind die Komponistinnen? Dabei wird sich nicht mal darum bemüht, Komponistinnen zu fördern oder zu sehen. Sind nicht schon genug Männernamen auf jedem Programm? Jedoch gibt es auch tolle Männer, die mich sehr unterstützen und die die strukturelle Frauenfeindlichkeit genauso hassen wie ich. Danke dafür! Ich denke, es ist auch ein Neidfaktor, dass ich aktiv konzertierende Komponistin bin. „Normale“ passive oder am Computer schreibende, nicht konzertierende Komponisten, die kaum spielen können und brav IT-mässig mit ihrem Apple und ihrer Noten-Software arbeiten, werden als weniger bedrohlich angesehen. Jeder bleibt dann schön in seiner eigenen Sparte. Und das Verkopfte, Männliche gefällt Männern gut. Künstlerisch ist das meist nicht. Ich glaube, viele Männer in dieser Szene haben etwas stark Autoerotisches und auch Homosexuelles. (So wie die Mode in den Magazinen auch immer stärker homosexuell angehaucht ist: Viele weibliche Models sollen wie magere Männer-Models aussehen, dünn, groß, kantig und ernst. Man kann hier Frauen und Männer kaum noch auseinander halten, weder vom Look noch von der Kleidung her.) Ich glaube, es gibt keinen geringen Teil Männer auf der Welt, die am liebsten eine Welt nur mit Männern hätte. Ihr Verhalten spricht ganz danach.
Ich ahne, dass die Neue Musik keine Geldmusik in dem Sinne ist, dass man davon in erster Linie Geld machen sollte oder kann. Dazu müsste man Populäres schreiben. Aber mir geht es von Herzen wirklich um diese Kunstmusik. Dadurch, dass ich sie selbst spiele, sind die Aufführungsrechte bei der GEMA durchaus nicht schlecht.
Ich bin ja ingesamt eine sehr seltene Mischung, selbst bei der GEMA: Ich spiele meine eigenen Werke selbst, und das sowohl in U und E. Mir ist wichtig, in der zeitgenössischen klassischen E-Musik zu schreiben und auch in den entsprechenden Verlagen zu veröffentlichen, da Frauen dort kaum vertreten und unterwegs sind und sich vor der Männerdominanz normalerweise ducken und zurückziehen. Es ist meine Pflicht, meine Verantwortung und mein Prinzip. Denn ich habe aus mir unerklärlichen Gründen enorm viel Power mit auf den Weg bekommen.
Zwar sind heutzutage Selbstverlage wohl finanziell gewinnbringender. Auf der anderen Seite ist es gerade in der E-Musik seriöser, in entsprechenden Verlagen zu veröffentlichen, auch wenn dies vielleicht noch der altmodische Weg ist. Ich habe nichts gegen diesen altmodischen Weg und finde die Arbeit von Verlagen, die sich um zeitgenössische Musik kümmern, bewundernswert.
Es haben mir heute mehrere Kantoren bestätigt, dass in ihren Kirchen bisher in all den Jahrzehnten unter 150 Organisten keine Frau dabei war. Und selbst jetzt versuchen manche Orgellehrer, Frauen zu hindern. Vor allem, wenn sie nicht in deren Norm passen. Damit rücken sie das Instrument Orgel in ein noch kleineres gesellschaftliches Hintertreffen und stellen sich selbst ein Bein. Anstatt Win-Win streben vieler dieser Männer eine Lost-Version an. Wären sie interessiert, Frauen zu fördern, würde für alle mehr übrig bleiben. Aber das verstehen diese Männer nicht. Sie meinen, sie müssten den ganzen Kuchen nur für sich behalten und klammern wie Bettler an ihrer Orgel fest. Das ist aber nur in Deutschland so. Ausgerechnet in Bachs Land.
Die Kunst ist lange vor dem Virus in die Krise gekommen. Die Viren der autoritären Männerdominanz fliegen schon zu lange um die Orgel herum.
Empfehlen kann ich die Bücher Musicking von C. Small und Musikvermittlung von Rebekka Hüttmann.
Die Presse von Bad Windsheim ist schön geworden.
Erbärmlich ist, dass beim Orgel-Komponisten-Wettbewerb von Saarlouis wieder alle 3 Preise nur (!) Männer erhalten haben. Eine Jury voller Männer wählen nur Männer aus. Was für ein frauenfeindlicher, diskriminierender Wettbewerb, und das 2020! Die sollten sich schämen. Als ob nicht genügend Männer-Namen auf Programmen stehen. Was für eine Schande für Saarlouis. Man ist nicht mal bemüht darum, Komponistinnen zu sehen und zu fördern. Man kann nämlich auch anonym sehr gut erkennen, ob eine Kompostion weiblich oder männlich ist. Das mit dem sogenannten „Anonymen“ ist nur ein Deckmäntelchen. Ich habe zuvor schon gehört, dass in diesem Wettbewerb nur Männer gewinnen. Alles alte Männer in der Jury und alles alte Männer, die „gewinnen“. Naja, die werden sich noch wundern. Und meine neuen Werke werden nun erneut veröffentlicht.
Bach war ein revolutionärer Komponist bis zum Schluss. Zu denken, er sei im Alten verhaftet geblieben, konservativ oder altmodisch (gewesen bzw. geworden), ist schlichtweg falsch. Dennoch hat man ihm angetan, dass man ihm dieses unterstellt hat gegen Ende seines Lebens. Was für eine Unverschämtheit. Noch 20 Jahre zuvor hat man ihn durchaus gefeiert, dass er Neues auf den Weg bringt. Sogar „zu viel Neues“. Und 20 oder 30 Jahre später soll er plötzlich konservativ und altmodisch geworden sein? Absurd. Er wurde im Gegenteil immer revolutionärer. Das ist die Wahrheit. So, dass man ihn nicht mehr verstanden hat.
Zunächst haben alle erkannt: Seine Harmonien waren revolutionär, weil er in allen Tonarten schrieb. Auf mitteltönigen Orgeln, die Bach ja zu seinen Lebzeiten hauptsächlich hatte, klang das geradezu schief, beispielsweise der Mittelteil Gravement von Piece d’Orgue. So wie für viele heute Messiaen „schief“ klingt (was ja auch schon lange keine moderne Musik mehr ist). Bach setzte durch, aufgrund seiner enormen Kunst, dass es Usus wurde, in allen Tonarten spielen zu können und zu dürfen. Eine Orgel konnte man ja nicht wie ein Cembalo mal eben anders stimmen. Also wurden Schritt für Schritt andere Stimmungen Usus. Bach sprengte sowohl tonumfangmäßig als auch harmonie- und stimmungsmäßig die Norm seiner Zeit! Und das will schon was heißen – denn die andere Seite war konservativ (siehe heute), nicht Bach! Dass er dann gegen Ende seines Lebens die Kunst der Fuge schrieb, ist nichts Konservatives, sondern toppt nur das Revolutionäre in Bachs Denken. Denn Bach war ein Liebhaber von Dissonanzen. Immer. Er war ein Künstler darin, wie man mit Dissonanzen umgeht. Und die Kunst der Fuge ist im Grunde sehr dissonant, ein Tanz mit Dissonanzen. Auf dem Flügel ist nun alles gleichschwebend, da klingt ja (wie manche behaupten) „alles gleich“. Da merkt man das alles nicht so. Daher bin ich froh, mein Cembalo zu haben und zu spüren, anhand von Generalbass und Stimmen und dem Labilen von Stimmungen, wie es auch sein kann.
Über das Feld eines anderen rennt man; über das eigene geht man bedächtig. (Malaiisches Sprichwort)
Mein Lieblingsdirigent ist im Moment Paavo Järvi.
Bei Liszts Ad nos muss man insgesamt, wenn man ein schönes Legato spielen will, sehr locker und weich in Schultern, Armen und Handgelenken sein. Das Handgelenk muss wie ein schweres, tropfendes, passives Wesen sein, dass ich wie an einem Marionetten-Seil ziehe über die Tasten ziehen lasse. Man muss seinen Schutzinstinkt überwinden und die Schultern bei allen schweren Stellen und Großakkorden locker lassen. Sonst wird das Stück steif. Besonders der Mittelteil wird sonst in Kleinstteile zerfallen, da die Orgel ja an sich schon „steif“ ist. Das Stück ist einfach himmlisch, wenn die großen Strukturen erhalten bleiben. Dann ist es dauerspannend. Ich habe das Vorrecht, dass ich das Flügelgefühl intus habe und dieses mit an die Orgel nehmen kann: Das Gefühl für Sostenuto-Pedal, Dynamik, das Schwelgen im Klang, das Flirrende, Virtuose.
Ingesamt machen zu viele Farben und Manualwechsel das Werk Ad nos zu kleinteilig. Dann fleddert es aus.
Und die Tempi sind nicht immer leicht zu wählen. Schön ist jedoch, dass vieles individuelle Entscheidungen sind. Es gibt oft kein Richtig oder Falsch hier. Es ist eine Sache des guten Geschmacks, der Orgel und der Erfahrung und auch der momentanen Gefühlslage.
Vorsichtig muss man mit Überlegato bei der Orgel sein und da sehr genau in den Raum hören und nicht in der motorischen Sinnlichkeit „stecken“ bleiben. Es dürfen eben keine echten Dissonanzen entstehen, dazu ist die Orgel zu massiv. Das geht am Flügel gut, aber nicht an der Orgel. Die Dissonanzen werden sonst zu einer Art klanglichem Missverständnis.
Es ist schon wichtig, auch Romantik hervorragend an der Orgel spielen zu lernen, nicht zum Selbstzweck, aber um die Orchestrierung gut zu verstehen, die die Orgel unternimmt; ganz anders als am Flügel.
Schön finde ich, dass ich die Sprache der Dynamik sehr schön beherrsche (Flügel) und nun immer mehr verstehe und begreife, was die Sprache der Orgel-Artikulation meint, was im Grunde der Schlüssel zur Orgel ist. Man erlernt diese Fremdsprache nur durch Machen und Tun, viele Orgeln, es wollen, durch top Lehrer (geduldig und klug) und – durch Fehler machen. Ich habe vor allem durch Fehler Aha-Erlebnisse gehabt. „Aahhh, jetzt verstehe ich, warum….“ Das vergisst man dann nie mehr. Man kann diesen Prozess auch nicht beschleunigen. Diese Sprache muss in Fleisch und Blut übergehen so wie die Dynamik-Sprache auch. Es muss so verstanden werden, dass es echt „angekommen“ und verankert ist, auch motorisch und im Kopf. Man muss also Fehler machen dürfen. Sonst lernt man es nicht. Im Grunde gehört das ganze Legato-Thema bei Liszt (und Mendelssohn…) auch zum Artikulations-Thema der Orgel.
Vieles ist eben orgelspezifisch zu sehen, nicht „rein musikalisch“. Auch Staccato an der Orgel: Dass dies nicht zu löchrig oder zu ausgehungert klingt. Die Frage ist immer: Was wird verschmolzen, damit es decrescendo klingt, was muss abgesetzt werden etc. Hier gehen Artikulation und Dynamik so sehr Hand in Hand, dass die Artikulation im Grunde die Dynamik ist oder ersetzt, zur Dynamik wird. Das ist sehr spannend, fast unheimlich und geheimnisvoll für mich. Eine Synthese. Eine Synergie. Und dann die orgelspezifische Agogik, die zu dieser Synergie gehört. Alles dreht sich um die Dynamik, nicht um die Artikulation. Die Artikulation ist das größte Hilfsmittel zur Dynamik, nicht Schweller und Register. Die orgelspezifische Dynamik mit ihren orgelspezifischen „Hilfsmitteln“, das Umgehen mit dem Schweller, die „gelinden“ crescendi… Zusammengefasst kann man sagen: So viel steifer die Pfeifen sind im Vergleich zu Saiten, so muss sich alles an Artikulation, Agogik und (die Hilfsmittel zur) Dynamik für die Dynamik anpassen. Da ich aber die reale, echte Dynamik-Sprache ohne Hilfsmittel sehr gut beherrsche, es sogar meine Stärke ist, so wie Virtuosität, besitze ich echte Musikalität, die der Orgel gut tut. Da viele (wenn nicht gar die meisten) Organisten die Dynamik-Sprache nicht beherrschen (von Virtuosität ganz zu schweigen), wirkt das Orgelspiel trotz allem oft unmusikalisch. Ohne Dynamik ist es ganz einfach auch unmusikalisch. Und mit Dynamik sind nicht die Hilfsmittel gemeint, die kompensieren sie niemals, sondern reale Farben in einem drin, aus der Seele kommend, aus den Fingern kommend, aus dem Drive.
Natürlich muss sich auch die Virtuosität der Orgel anpassen. Zu schnelle 32tel können verhuscht, zu schnelle Notenwerte gar rhythmisch falsch klingen. Schnelligkeit ist an der Orgel geradezu spiegelverkehrt oder eine „optische Täuschung“, oder besser, eine auditive Täuschung. Nur mit Weichheit kann man sich den mächtige Pfeifen nähern.
Was sehr gut tut, ist, Olivenöl auf den Arme zu verteilen, wenn man viel geübt hat. Das wird dann richtig warm auf und in den Armen. Olivenöl, Ingwer, Ananas und Kurkuma sollen gut gegen Entzündung sein. Vor allem, wenn man 7 Stunden geübt hat. Oder die Arme relaxed in die Sonne halten.
Ich liebe das Gefühl, wenn man so im Flow ist, an einer schönen Orgel sitzt und übt, dann denke ich manchmal die ganze Zeit, zB bei Liszt oder Bach: „Ach, ist das schön. Warum ist das so schön?“ Schön finde ich auch, in Räumen zu üben, wo es eine Orgel und einen Flügel gibt. Da fühle ich mich besonders zuhause.
Wenn man den ganzen Tag geübt hat: Schön ist auch, wenn man, um die Daumen zu lockern, die ganze Handfläche weich, offen hält und aktiv, nicht nur die Finger. Und sich beim Ausruhen an die Schwerkraft abzugeben. Wobei für mich die Schwerkraft Gott ist.
Ich bin daran gewöhnt, meine ganze Lust auf Bewegung beim Üben und Spielen am Instrument auszuleben. Da ich sonst so wenig Sport mache, als Ausgleich. Manchmal bin ich dann mehr in der sinnlichen Bewegung als im Hören. Aber ein Instrument spielen ist eben nicht Tanzen. Man braucht eher minimalen Kraftaufwand, auch um sich zu schonen, und die ganze Aufmerksamkeit auf das Hören und das planvolle Denken gerichtet. Auf die Architektur. Ich bin ein Bewegungsmensch.
Es ist immer noch sehr trocken. Sobald ich lüfte, geht die Luftfeuchtigkeit drastisch nach unten. Als wäre draußen Schmiergelpapier. Ich war immer ein Lüfte-Mensch. Seit dem Cembalo bin ich ein Luftfeuchtigkeitsmensch. Stundenlang das Fenster aufhaben geht nicht mehr. Jedenfalls nicht, wenn es so trocken ist.