20. Dezember 2025: Verändert sich je der Wind? (Liane Bruylants)
Heute erinnere ich an die Komponistin Corona Schröter, die 1782 für Goethe komponiert hat.
Gesegneten 4. Advent.
Ein wichtiger Teil der Musik ist, dass die Taste oder die Klappe oder der Griff der Ton oder die Farbe ist, nicht nur so klingt oder danach heißt. Der Ton heißt nicht nur g, sondern ist g. So kommt es mir mit vielen wichtigen Dingen vor. Die wichtigsten Dinge sind – und heißen nicht nur. Gott ist Liebe, er liebt nicht nur. Er tut nicht nur, sondern ist.
Im tiefsten Flow bin ich die Musik, die ich spiele. Ich spiele sie nicht nur. Ich bin sie.
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19. Dezember 2025: Ich habe oft darüber nachgedacht, wo mein Zuhause ist. (Claudio Abbado)
Heute erinnere ich an den Komponisten Karl Goldmark, beinahe vergessen, der 1867 im Salzburger Land seine „Fuscherlieder“ komponierte, denn er liebte die Alpenwelt und dichtete Lieder für den Fluß Fusch. Er war Sohn eines jüdischen Kantors.
Boris Pasternak war ein russischer Dichter, jüngerer Zeitgenosse von Alexander Skrjabin,
Ich höre die beautiful Sinfonie Lobgesang von Mendelssohn.
Für mich sind die Registerfarben auch dynamische Farben. Ich denke und fühle nicht mehr nur in mf, f oder p, sondern in Plenumsfarben oder Prinzipalfarben oder Flötenfarben, so auch beim Intonieren beim Saxofonspielen.
Ich wurde ja schon ein paar Mal gefragt, was aus meiner Diskriminierungsklage gegen den Dom in Trier wurde, da dieser wieder nur Männer zum Vorspiel eingeladen hat. Da warte ich noch ab. Bisher bin ich dem aus meiner Sicht recht eingebildeten Anwalt der Beklagten, Kilian Huber, zweimal begegnet. Er meinte allen Ernstes, ich würde „das System der Kirche stürzen wollen“, weil ich mehr Frauen in die Kirchenmusik bringen möchte. Thomas Kiefer hat sich (meiner Meinung nach feige) nicht blicken lassen, obwohl ich darauf bestand.
Stattdessen sandte er Thomas Sorger, der (für mich) Inbegriff der konservativen weißen alten Männer-Kirchenmusik, der natürlich niemals etwas gegen seinen Brötchengeber sagen würde und auch keinen Hehl daraus machte, dass er alles bestens so findet, wie es ist.
Beide beschwerten sich, dass ich sie nicht freundlich genug gegrüßt hätte.
Habt ihr schon einmal etwas von Thomas Sorger gehört? Auf einem Konzertplakat? Auf einer CD? Ich nicht. Er sah eher so aus, als würde er bei der Bank arbeiten. (Wobei ich sehr nette und dufte Bankfrauen kenne.)
Die Richterin meinte, dass die Kirche kein in dem Sinn öffentlicher Arbeitgeber sei und daher nicht die Beste nehmen muss. Sie betonte, dass man im Ausschreibungstext nicht finden kann, dass der Dom Frauen fördern will, aber das müsste er nicht.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass sie eher auf Nummer sicher gehen will, anstatt zu helfen, dass sich etwas ändert. Aber vielleicht irre ich mich?
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18. Dezember 2025: … die Liebe gibt mir nichts zu tun als in leichten häuslichen Pflichten zu sein… (Caroline Schlegel-Schelling)
Heute erinnere ich an Caroline (1763-1809), die durch ihre Briefe berühmt wurde. Diese Briefe zeigen das Leben einer Frau aus dieser Zeit.
Heute übte ich mit meiner Cellistin für unsere Konzerte:
Luigi Boccherini Sonaten
Beethoven Variationen für Klavier und Cello (eher Klavierkonzerte)
Max Bruch Kol Nidrei (nach hebräischen Melodien)
Mit dem Italiener Boccherini hatte ich bisher noch nicht viel am Hut – was für ein lustiger Ausdruck übrigens, etwas „am Hut zu haben“.
Ich spiele immer ohne Blätterer – die meisten sind schlecht, und dann ist man aufgeschmissen. Beethoven ist sehr virtuos, besonders „liebe“ ich die Halbchromatischen, das kann ich leiden. Schön ist hier, man kann insgesamt ziemlich Betrieb machen. Anschließend bummelten wir durch die unzähligen Weihnachtsmärkte ihrer Stadt.
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17. Dezember 2025: Singen im Chor macht dich musikalisch, namentlich Mittelstimmen. (Robert Schumann)
Ich dirigiere Haydns Schöpfung. Dieses Werk ergreift mich jedes Mal aufs Neue. Es hinterlässt auch fatal intensive Ohrwürmer. Wenn ich mit Joseph ihn hörend und innerlich dirigierend beim Umsteigen durch die säkularen busy Bahnhöfe laufe, komme ich mir vor wie in einer Parallelwelt:
„Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser“ – „und es ward Licht.“ ff
Eigentlich verwendet Joseph Haydn sehr einfache musikalische Mittel, die mächtigen, unglaublichen Worte zu vertonen. Und dennoch – es ist so WUNDERVOLL, schwerbefrachtet, hochtheologisch, dass ich glücklich schluchzend mit meinen airpods durch die Städte laufe. Gott war der erste Sänger. Oder besser: Der Heilige Geist.
Das Leiten muss dennoch präzise, relaxed, weich und klar sein.
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16. Dezember 2025: Das ängstliche Harren der Kreatur.
Warum ist Musik, die „Recreation des Gemüts“, wie J.S. Bach sie bezeichnete, bei uns oft zu einem von Neid, Wettbewerb und Gier verkommenen Geschäft geworden? Musik, die Therapie und Reaktion des Menschen auf Gottes Handeln ist? Musik gegen Schwerkraft und Tod, die unsere Seele läutert, bis wir singen? Musik ist Glanz und Glut, doch weitgehend verstummt oder missbraucht. Was ist aus unserem Gesang geworden? Wo wird Kunst eingeübt und weitergegeben? Was ist aus der Kirche geworden, die bröselt und Gott nicht mehr kennt? Was aus der Kirchenmusik, die von Menschen zerstört wird, die Macht haben und diese für das Böse nutzen? Musik ist im Krieg.
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16. Dezember 2025: … so reiß mich aus der Finsternis zu dir. (Gryphius 1616)
Ich liebe TheSnowman (1982) – sowohl die Zeichnungen als auch die Geschichte als auch die Musik. Ich muss immer weinen, wenn der Schneemann fliegt – und wenn er schmilzt. Es gibt Dinge, die sind unvergänglich schön und ergreifend.
Es ist die Kindlichkeit des Schneemanns, der doch auf der anderen Seite fliegen und frei sein kann – ein kindlicher und gleichzeitig mächtiger Freund- , und das Vertrauen des Jungen. Am schönsten finde ich die reine Musikversion mit den Zeichnungen. Und das Lied. Eine Zeile daraus:
„We’re swimming in the frozen sky“.
Ein Instrument zu spielen, ist singen. Ich freue mich über meine Schülerinnen und Schüler. Warum ist es so wichtig, zu musizieren und zu singen? Es ist das Umgehen, Erkennen und Erleben der Zeit und damit des Atmens und Lebens. In der Musik drücken wir uns aus, wir erleben den Klang im Verklingen (Vergangenheit) und im Kommen und Anschwellen (Zukunft) und natürlich im Jetzt. Im Klang erkennen wir, dass es Vollendung gibt und Ewigkeit.
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15. Dezember 2025: Ein wenig Wohllaut und Gesang, und eine ganze Seele. (Marie von EE)
Ist denn nun Selbstverwirklichung oder Selbstzeugnis authentisch und wahr oder irreführend? – Das kommt auch auf die Betrachtenden an. Repräsentation kann Präsenz schaffen, also das geistige Antlitz, während Rekonstruktion gerade die Abwesenheit schafft, also die abwesende (historische) Präsenz, da nur Gesicht und Materie
– so verstehe ich Hänsel-Hohenhausen. Repräsentation dagegen kann Bedeutung und „Macht auf Dauer“ zeigen, einen „permanenten Zustand von Macht“, re-präsentativ.
Der Geist der Gegenwart huldigt nur dem Sichtbaren und dem Materiellen, so Hohenhausen. Eine Vernichtung von Bedeutung. Doch Repräsentation schafft eine Gegenwart der Abwesenden, eine Erscheinung.
Ja, ich stimme dem durchaus zu. Auch, was Portraits, Worte, Insignien und Bildnisse und Webseiten angeht. Es geht um das schöpferische Tun, nicht nur um Technik.
Und geht es dabei nicht um Unsterblichkeit? Alles, was wirklich zählt, ist jedoch unsichtbar. Nicht nur symbolisch, sondern faktisch.
ps: Orgeln sind auch repräsentativ, nicht nur rekonstruiert.
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Meine neue Orgel-Pyramide aus dem Erzgebirge mit einem Engel an der Orgel ist eine Augenweide. Es ist natürlich eine Engelin.
Der Roman NachtzugnachLissabon gefällt mir nicht. Ich verstehe nicht, warum der Schweizer Pascal Bieri beliebt wurde. Seine Hauptfigur wird als „gottloser Priester“ gefeiert; im Grunde vermarktet Bieri geschickt hier nur sein eigenes Gedankengut. Er lobt seine eigenen Worte, in dem er ein Buch in seiner eigenen Story anbetet, ein Buch mit seinem eigenen „philosophischen“ Gedankengut. In diesen seinen Ideen kommt Gott schlecht weg. Aber auf eine sehr oberflächliche, dumme Art, welche durchgehend von ihm selbst als klug und hochbegabt gepriesen wird. Ist das alles, was er Philosoph gelernt hat?
Was mir unbegreiflich ist und was mich auch ärgert, ist, dass jemand, der behauptet, schlau und suchend zu sein, es einfach nicht schaffen will, Gott zu finden… sondern im Gegenteil, immer gottloser wird. Das gibt es doch gar nicht!
Gedanken wie „wer will schon unsterblich sein“ oder „wie neugierig ist Gott, dass er alles von uns wissen will“ oder „nur der Tod macht unser Leben spannend“ oder „warum sollten wir bösen Menschen verzeihen“ und „wir sollten die Bibel wegwerfen“ usw. mit all seinen nett klingenden Nebengleisen und falschen Schlüssen sind weder schlau noch hochbegabt, sondern gelinde gesagt, vollkommen töricht. Nicht mal mit 10 habe ich so was Dummes gedacht.
Aber es gibt auch „Philosophie“, die weniger offensichtlich gottlos klingt und noch gottloser ist.
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13. Dezember 2025: Mein Herz will ich ihm schenken und alles, was ich hab. (Friedrich v. Spee / Psalter 1638)
Heute erinnere ich an Friedrich Heinrich Ranke.
Kleine neobarocke Elenz Orgel St. Nikolaus Kapelle Würzburg SanderauSt.-Nikolaus-Kapelle, Hauskapelle des Seniorenheims Ehehaltenhaus/St. Nikolaus der Bürgerspitalstiftung, 1 M, 11 R
Es ist meine vierte Elenz-Orgel.
Zelebrationsaltar, Ambo und Sedilien aus rotem Sandstein stammen vom Würzburger Bildhauer Weber, der Tabernakel (1957) von Josef Amberg. Im Chor leuchten farbige Fenster, rechts sitzt auf einer Konsole eine Madonna mit dem Jesuskind und weiter hinter steht die Figur des hl. Nikolaus aus der Riemenschneider-Schule von 1515.
Die Disposition der Orgel ist hier zum ersten Mal im Netz.
Die große Elenz-Steinmeyer-Orgel in Würzburg war eine meiner Examens-Orgeln für Master Orgel.
12. Dezember 2025: Was ist das Eigensein eines Menschen?
Identität ist ein sinnliches, leidenschaftliches Thema. Maske, Antlitz, Äußeres, Inneres, Wahres, Geist, Seele – alles spielt hier hinein. Und neuerdings auch der Begriff RBF – was das ist, schaut bitte selber nach. Doch was mich heute besonders interessiert, ist:
In wiefern ist eine Webseite, beispielsweise wie ich sie habe, Identität? Ist ein Konstrukt, ein Bildnis, ein Selbstzeugnis Identität, und wenn ja, welche? Damit beschäftigen sich auch Forscher, und zwar mit dem Bildnis, dem Selbstkonstrukt, welches sich Johann Sebastian Bach 1746 anfertigen ließ von dem Maler Elias Haußmann. So ein Bildnis war damals ungefähr das Gleiche wie eine Webseite heute, finde ich. Man stellt sich selbst dar. Und dies tat Bach auch. Er stellte sich, wie jede weiß, mit einem Notenblatt dar. Mit einer Komposition, einem seiner Rätselkanons. Als Meister seines Fachs. Was er auch war.
Künstler stellen sich selbst dar. Das müssen sie. Viele Nicht-Künstler, darunter Kirchenmusiker, hassen Künstler und deren Selbstdarstellung.
Ist ein SeIbstkonstrukt wahrer, authentischer Ausdruck? Identität? Und wenn ja, warum? Und wenn ja, warum neiden und verachten manche Menschen genau dies? Bach ging es da nicht besser mit den Hatern, die er hatte.
Ihr wisst, ich bin unterwegs, aber das beschäftigt mich trotzdem sehr.
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