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Klavier

1. Dezember 2025

Foto: Jann Orgel Landsberg 2025

Gesegneter 1. Adventskalendertür-Tag.

Das Konzert gestern war sehr schön und sehr gut besucht trotz des stolzen Preises von 18 Euro Eintritt. Die gelbe Christuskirche, schon ohne Menschen samtig-trocken, war nun komplett trocken – und da muss man fehlerfrei spielen, da die Pfeifen direkt und sprechend die Luft schneiden.

Danach waren wir beim Griechen essen.
In der Nähe stürzt sich der Lech in die Tiefe, und in der Altstadt tobt der quirlige Weihnachtsmarkt.

Mechanische Jann Orgel Christuskirche Landsberg am Lech, bei München, 2 M, 17 R, Schleifladen, Schweller

Das Instrument in der hübschen Kleinstadt in Oberbayern wurde 2023 von Orgelbau Reinhard Frenger generalüberholt. Sie geht mit dem Calcanten an.
Der Ammersee ist nur 20 Minuten entfernt.

Die gelbe kleine, einzig evangelische Kirche im katholischen Landsberg ist innen schön geschmückt mit jüdischen Symbolen.

Angenehm schöne, sprechende und klare Akustik, natürlich und unverzerrt. Hübsche Oboe. Bei dieser Akustik kann man nichts verbergen.

Ich bekam schöne Blumen, Schokolade und habe CDs verkauft. Als Zugabe spielte ich adventliche Improvisationen. Presse war auch da, Kreisbote und LT. Vorgestern bekam ich nach dem Konzert Rotwein aus Bethlehem. 

Disposition zum ersten Mal aktualisiert und mit Fotos im Netz:



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30. November 2025

Foto: Konzert Landsberg 2025

Gesegneten 1. Advent!

Heute erinnere ich an Sarah Beckstrom, National Guard, mit 20 erschossen von Terroristen.

Das Konzert gestern in St. Anna Fulda war sehr schön und adventlich grün beleuchtet mit Strahlern. Ich spielte Bachs Goldberg-Variationen und verkaufte CDs. Die Veranstalter besitzen einen wunderschönen roten großen Rasse-Jagdhund (Langhaar) namens Hugo (der Name passt nicht ganz zu ihm), der mich liebt. Er ist gesittet, verwuschelt und bellt nie.

Nun bin ich unterwegs in die andere Richtung, Richtung München, zum Konzert in Landsberg an der österlichen äh österreichischen Grenze. Zur Jann-Orgel in der evangelischen Christuskirche. Diesmal fahre ich wieder mal erster Klasse, das ist viel ruhiger, und man kann auch gemütlich in die DB Lounge zwischendurch.

Zum Thema, was für Gott Scheitern ist und was nicht: Es ist nicht Scheitern, wenn man einen Standpunkt hat gegen selbstgefällige Vorgesetzte oder Behörden. Auch wenn es Kraft kostet und peinvoll ist. Es ist aber Scheitern, sich so zu verbiegen, dass die Gaben, die man selbst und andere haben, brach und ungenutzt darniederliegen, weil man sich anpasst oder Böses mitmacht. Auch wenn es nach außen nett aussehen mag. Auf diese Weise wird Potential verschwendet. Was letztendlich auf uns alle zurückfallen wird.


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29. November 2025: Es gibt viele verschiedene Facetten von Scheitern.

Foto: Konzert Fulda St. Anna

Ich bin in Fulda Dietershan angekommen. Die Dietershaner Kirche gefällt mir.

Es gibt Leute, die drehen die Wahrheit herum, die sehen etwas Gutes als falsch, etwas Außergewöhnliches als schlecht, Engstirnigkeit als korrekt, Wichtiges als unwichtig oder Begabung als Scheitern an. Mit solchen Menschen hatte auch JS zu tun, mit Männern, deren Maß die „Normalität“ war. Besonders schlimm wurde es für ihn, als er einen wesentlich jüngeren, ehrgeizigen und neidischen Mann als Vorgesetzten bekam. Mit diesem gingen die feindseligen Querelen in eine neue Runde:

Heute kräht kein Hahn mehr nach Johann August Ernesti. Oder kanntet ihr ihn? Aber damals hatte er Macht über Sebastian.

Es ist ein Segen und extrem rar und selten, in der Kirche und Kirchenmusik auf Friedensstifter und auf kluge Diplomaten zu treffen, die eine Brücke zwischen Behörden, Neider und künstlerische Menschen schaffen. So einer war Johann Matthias Gesner, der Sebastians Leben einige Jahre erleichterte als erkennender Vorgesetzter. Gesegnet soll er sein.

Für viele Menschen ist das, was angesehen ist, das Wichtigste. Den Regeln dieses Ansehens zu folgen, das ist für sie oberstes Ziel. Wer hier nicht zurechtkommt, scheitert in ihren Augen.

Ich glaube, dass Gott eine ganz andere Meinung dazu hat. Welche, erzähle ich morgen.

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28. November 2025: Nur ein Künstler hat gelitten wie Bach. Ein normaler Kirchenmusiker hätte Bachs Stelle genossen.

Foto: Küchen-Orgel Ochsenhausen

Wird J.S. nicht von manchen als der Parade-Typus des Kantoren und Kirchenmusikers dargestellt? Als das Beispiel des (glücklichen) Organisten, Kirchenmusikers und (Thomas)Kantoren?

Die Realität ist eine andere. Ich glaube, dass es so ist: Seine Kollegen, Vorgänger und Nachfolger kamen ganz gut klar mit Stelle, Bedingungen und Behörden. Das, was für Bach Verzicht bedeutete, waren für seine Kollegen kein Verzicht, weil man nicht auf etwas verzichten muss, was man nie hatte oder war.
Was für den einen Verzicht bedeutet, da leckt sich ein anderer die Finger danach.
Nur ein Künstler hat gelitten wie Bach. Ein normaler Kirchenmusiker hätte Bachs Stelle genossen. Das ist auch heute noch so.


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26. November 2025: Kein Glaube ohne Demut.

Heute erinnere ich an Anna Magdalena Bach.

Auf meinem Fensterbrett steht eine silbern glänzende Weihnachtskugel, und ich habe auch einen schon einen kleinen Tannenbaum, aber einen lebendigen, den ich wieder einpflanze in den Garten, denn ich finde tote Bäume eigentlich sehr traurig – auch wenn sie tot so wunderschön aussehen.

Wenige Biographen fragen nach den Ehefrauen Bachs. Ob sie erfüllt waren, fragt allerdings Ilse Pohl. Anna Magdalena war eine Berufskünstlerin, eine Profi-Solistin, eine Musikerin wie Johann Sebastian. Aber sie musste alles aufgeben, als er mit ihr nach Leipzig ging, da Leipzig zu dieser Zeit eine sehr frauenfeindliche Stadt war, in der Frauen nicht in der Öffentlichkeit musizieren durften. Das muss ja unfassbar für sie gewesen sein. Zudem kam, dass ihr Mann nicht glücklich im Beruf und die Bezahlung schlecht war. Er schlug sich herum mit abweisenden Behörden.

Weiterhin wurde ihr Unglück dadurch vergrößert, dass unzählige ihrer Kinder starben, und zwar in einem Alter, als sie schon reden, laufen und lachen konnten. Vermutlich wurden die schlimmen hygienischen Zustände der Thomasschule der kleinen Familie zum Verhängnis. Ich weiß nicht, ob Bach darauf geachtet hat, seine Familie vor all diesen Bakterien zu schützen.

Die Frauenfeindlichkeit zeigte sich auch darin, dass niemand der Männer, auch nicht die wohlbetuchten Stief-Söhne, die Witwe Bachs finanziell nach dessen Tod unterstützen wollten. Ich weiß nicht, ob Bach auf die Idee kam, seine Frau irgendwie finanziell abzusichern. Er kannte doch die Selbstgefälligkeit und den Geiz der Behörden und deren Frauenfeindlichkeit. Er wusste doch, dass es mit ihm zu Ende ging. Er hatte eine sehr begabte Sängerin im Haus, die nicht öffentlich auftreten durfte. Wie viel Traurigkeit muss doch auch für sie da gewesen sein in all den vielen Jahren.

Wieviel Leid und Zweifel, Nachfragen und Angst muss Johann Sebastian erlebt haben. Und doch oder besser gerade deswegen schrieb er geistlich umwerfende und anspruchsvolle Werke, denn er wurde bis ins Mark geprüft. Dieses Leid und diese Demut sind so stark in seiner Musik, dass mir allein beim Vorstellen und In-mir-Hören die Tränen kommen, während ich dies schreibe. Seine Musik vertiefte sich zu einer Musik, die an sich spricht – fern von Gefühls-Show und gerade dadurch tief berührend.

25. November 2025: Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert mehr Energie als dessen Produktion. („Brandolinis Gesetz“)

Nachdem Johann Sebastian viele Jahre lang mit gutem Auskommen und viel Freiheit „säkular angestellt“ gearbeitet hat, zuletzt in Köthen, muss es für ihn eine große Umstellung gewesen sein, an die Kirche zurückzukehren. Über ein Jahrzehnt hatte er den Luxus der Welt genossen und sehr viel komponiert. Es waren zwar kleine Städtchen gewesen, immer außerhalb der großen Städte, die er nur besuchte, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten er und seine kleine Familie nie in großen Städten gelebt.

Vor den Höfen in Weimar und Köthen hatte Bach nur eine vergleichsweise kurze Zeit an Kirchen fest gearbeitet; bisher hatte er auch nie eine wirklich große Orgel oder Stadt gehabt. Die Stelle in Halle hatte er abgelehnt zugunsten des Hofes. Und andere Stellen kamen nicht zustande.

Nun kam er 1723 nach Leipzig. Wenn man seine Geschichte bis hierhin studiert hat und weiß, dass Bach ein sehr gläubiger, umtriebiger und radikaler Mensch war, so kommt man zu dem Schluss, dass es von Gott bestimmt gewesen sein könnte, dass JS nach Leipzig kam und dort auch bleiben musste. Denn obwohl er sich nicht beworben und eine gut bezahlte Stelle hatte und Leipzig andere Männer haben wollte, landete er über ungewöhnliche Umstände doch in Leipzig bis zum Tod.

Hier musste er gegen die „Herren Räte der Ratsverwandtschaft“ ankämpfen, eine bornierte Gesellschaft, die ihn weder verstanden noch ehrten und sich über ihn ärgerten und verachteten, dass er kein Universitäts-Studium besaß, sondern nur ein Musiker war. Sie haben nicht erkannt, dass sie es mit einem Künstler zu tun hatten, sondern sahen ihn nur als Musikus, als Musikanten. Sie wollten eigentlich andere Männer haben.

Ich finde es erstaunlich, wie es überhaupt geschehen kann, dass manche Menschen in ihren Lebzeiten nicht erkannt werden. Dazu gehört auch Jesus. Vielleicht kann man sagen, dass sie erkannt wurden – aber im Haß und Widerstand der Macht-Menschen. Johann Sebastian fühlte sich ausgeliefert und fand sich in Leipzig pausenlos in Querelen und Zusammenstößen wieder. Diesmal konnte er nicht fliehen.

24. November 2025: Unzählige Femizide weltweit pro Tag. Tendenz steigend.

Heute erinnere ich an den „Orange Day“: Gegen Gewalt an Frauen. Über 400 Frauen sollen allein im letzten Jahr in Deutschland bei häuslicher Gewalt getötet worden sein.

Kunst versus Kirche? Johann Sebastian wusste nicht nur, was er wollte und wer er war. Bach wusste offensichtlich genau, was “eine Kirchenmusik nach Gottes Willen“ ist und was nicht. Und er kannte seinen Wert als Künstler. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass es schwer ist, in einer „devoten Untertanhaltung“ zu leben, wenn man seinen Wert als Künstlerin kennt – selbst oder gerade dann, wenn andere ihn nicht kennen.

Dahin zu kommen, zu seinem eigenen künstlerischen Wert zu stehen, ist ein wichtiger und langer Prozess. Vor allem dann, wenn man angefeindet wird.

Johann Sebastian wurde mehrfach abgewertet und verletzt, teilweise von Personen, die seinen Wert hätten kennen müssen. Das ist noch viel schlimmer, als wenn einen dumme Fremde verletzen.

Die eingeschworenen Machtverhältnisse waren damals nicht besser als heute. Und sehr viel haben wir nicht dazu gelernt. Es gibt zwar heute keine absolutistisch regierenden Herzoge mehr. Dafür aber mindestens genauso schlimme Systeme der Macht. Zudem kommt, dass für manche Menschen gerade die, die besonders begabt sind, das größte „Gesindel“ sind, wenn sie nicht tun, was der Norm entspricht oder was sie wollen. So erging es J.S. Bach, als er wochenlang inhaftiert worden war in Weimar – weil er sich nicht alles bieten ließ. Das war im November 1717. Jetzt ist November 2025. Was haben wir seither gelernt? Aber es sollte für ihn in Leipzig noch viel schlimmer kommen.

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23. November 2025: In der Geschichte der Menschheit ist kein Kapitel unterrichtender als die der Verirrungen. (Schiller)

Heute erinnere ich an das erste Kind der Bachs: Catharina Dorothea.

Es hat geschneit. Mein Garten und mein Beet liegen unter Schnee. Meine Amaryllis hat leuchtend rot davor ausgeschlagen, und der Duft der Yankee Kerze erfüllt das Haus, zusammen mit Schuberts Forelle.

Ich freue mich auf das Wochenende mit den Konzerten in Fulda und Landsberg. Am Mittwoch habe ich die nächste Vorbereitung für meinen Master in Chorleitung.

Mein erstes Weihnachtsgeschenk habe ich schon erhalten: eine große schwarze Ledertasche für meine Noten.

Johann Sebastian war nicht einfach nur ein Kirchenmusiker, er war vor allem ein Künstler. Das Komponieren und Konzertieren waren ihm das Wichtigste. Wer ihn daran hinderte, wurde aus dem Weg geräumt. Das war auch der Grund, warum er der Kirchenmusikstelle in Halle eine Absage erteilte, trotz großer, neuer, toller Orgel damals und guter Bezahlung.

Bach blieb lieber in säkularer Anstellung, wo er in Ruhe komponieren und konzertieren konnte.

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22. November 2025: Sogar im Plumpsklo ein Schmetterling. (Issa)

Heute erinnere ich an Bachs Lyriker, Salomo Franck.

Die Kombination von Musik, Spielen, Lernen und Lehren ist mit Schönste im Leben. Johann Sebastian Bach hat dies richtig gelebt: Seine Schüler (leider gab es darunter nicht wirklich Frauen) lebten bei ihm und seiner Frau, daheim, teilweise viele Jahre lang. Maria Barbara versorgte sie alle. Es waren mindestens 12 Schüler. Und damals musste Wasser aus dem Brunnen geholt werden.

Sie aßen, halfen, schliefen. Sie erlebten diese wundervolle Familie jeden Tag. Das ist wahrer Unterricht. So etwas gibt es heute leider so kaum mehr. Aber ich habe das erlebt. Daheim. Als Kind. Bei meiner Familie. Im Ausland später. In den USA. In Studium, als ich bei meinen Profs. daheim lebte – und auf Meisterkursen. Und ich habe es geliebt und bin sehr dankbar dafür.

Einen solchen Haushalt zu führen, war unglaublich viel Arbeit. Gut, dass Maria Barbara ihre Schwester im Haus hatte.

Johann Sebastian war zwar wohl kein Freund von Opernmusik, aber definitiv von Kammermusik. Ich liebe Kammermusik auch. Diese fehlt in der Kirchenmusik leider oft. Für J.S. gehörte diese genauso zur schöpferischen Arbeit zu Ruhm und Ehre Gottes. Leider verstehen dies viele Kirchen nicht – und verachten Instrumente, Soli und (professionellen) Gesang.

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20. November 2025: In dem, in dem Bach am besten war, verdiente er kaum. Das hätte nicht zum Leben gereicht.

Ist es nicht bemerkenswert, dass in dem, was am Ende als Kunst bezeichnet wird, oft (zu Lebzeiten) keine müde Mark mit verdient wird oder zu verdienen ist? Umgekehrt gilt das oft genauso: Wer mit etwas auf der Erde viel verdient hat, hat seinen Lohn meist schon gehabt. Sein Werk verpufft und kein Hahn kräht mehr danach.

Vielen Leuten ist es erstaunlich unwichtig, ob ihr Werk Bestand haben wird oder nicht. Alles, was nach ihnen passiert, interessiert sie nicht mehr. So habe ich nie gedacht. Im Gegenteil. Vermutlich, weil ein Teil meiner Freunde schon lange tot ist.

In dem, in dem Bach am besten war, verdiente er kaum. Aber das war ihm egal. Er suchte und brauchte die Zeit zum Komponieren.

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