Startseite Nach oben

Klavier

Bibliothek der Residenz

Leider zieht die musikwissenschaftliche Bibliothek der Residenz um, aber kommt mir so schön geheimnisumwittert vor, als könne ich den Geist, die Atmosphäre der Bücher spüren und wittern. Draußen lacht mich die Sonne und der blühende Rosengarten an, und die Touristen und Menschen gehen im Residenzpark spazieren, während wir innen vor Büchern sitzen — eine andere Welt. Innen sitzen wir an unseren Büchern, Noten und Laptops. Der Sinn und die Aufgabe der Forschung für mich? Ich mag Musikwissenschaft sehr gern. Es ergänzt meine künstlerische Tätigkeit.

Ps: Innerdeutsche Flüge verbieten? Für viele Männer kaum vorstellbar. Eher muß die Welt untergehen.

14. Juli 2009

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Polen

In Polen war ich öfter: in Zakopane auf einem Klaviermeisterkurs bei Gulda und in Warschau, in Krakau, in Breslau — aber hier in Schlesien auf dem Slot Art-Festival hatte ich noch einmal neue Erfahrungen gemacht:
Genossen habe ich das Üben in einem abgeschirmten Raum mitten auf dem Gelände, in dem alle Instrumente und Boxen standen und streng und schwer bewacht wurden und ein Trubel und Kommen und Gehen war. Da ein Amplifier fehlte, war ich gewzungen, dort mit Kopfhörer zu üben. Es kamen einige Band vorbei, meistens Jungs, die mich fragten, was ich übe. Ich sagte: Bach. Sie sagten: Was, Bach? Und konnten es nicht fassen.

Was für ein Kontrast! Am Wochenende ist mein Improvisations-Workshop, für den auch junge Leute aus dem Osten Deutschlands kommen. Ich bin gespannt.

Am Samstag morgen musste ich für ein Konzert in Nürnberg auf der Burg Wernfels mit dem Zug früher die Heimreise aus Polen antreten; es war über Wolow, Breslau, Liegnitz, Chemnitz, Zwickau. Nachts wurde ich dann abgeholt und auf die Burg gebracht. Ich liess mich verwöhnen auf der Burg und übte im grossen Saal. Der war kalt, so hatte ich mich eingewickelt in die Flügeldecke, sie war um mich herum wie ein schwarzes dickes Lederkleid mit rotem Futter. Beim Konzert sprachen der Landesbischof Bayern und Fürst zu Castell-Castell und andere, und ich spielte Chopin, Bach.

Kloster Leubus

Stockfechten und Bogenschießen auf dem Kloster Leubus — bei mir geht der Pfeil eher zart, weich und etwas kurvig ins Ziel. Manchmal spüre ich, kurz bevor ein Konzert losgeht, einen seltsamen Druck und Widerwillen in mir hochsteigen, den Wunsch, mich zurückzuziehen. Jedes Geräusch wird mir plötzlich zu viel, ich fühle mich wie aus Glas. Aber dann, wenn ich spiele, verflüchtigt sich das gleich.

Liegnitz, Erfurt

Die Konzerte in Erfurt waren sehr schön. Nun fahre ich heute nach Liegnitz mit anderen Musikern und anschliessend zum Konzert in Nürnberg.

In der Pause nahm ich am Bogenschiessen auf der Wiese teil. Es machte so viel Spass, doch es war nicht leicht: Obwohl ich mir meinen schlimmsten Feind vorstellte, landete mein Pfeil auf der Wiese. Der Bogen ist schwer, man muss sich ziemlich verdrehen, zielen und genau wissen, wann loslassen. Die Atmosphaere des Klosters ist voller Geschichte, Duft, Aufeinanderprallen von Zeit und Kulturen — allein sich drin aufzuhalten ist ein kreativer Akt und inspiriert mich enorm. Beim Ueben heute fiel mir einmal mehr auf, wie bedeutungsvoll Harmonien sind.

Karlsruhe

Ich freue mich, mit Spark in Karlsruhe zu spielen. Daniel rief mich vor zwei Tagen an. Ich liebe neue Musikrichtungen und Ideen, wie man crossover und dennoch in Kunst vorwärtsgehen kann. Die Mischung aus Jazz, Pop, Barock und Debussy ist wirklich betörend. Wie heisst der Rhythmus?

Freiburg

In Freiburg übernachtete ich bei einem Geiger des Rundfunkorchesters. Es ist schön, wenn man sich nicht verkaufen, verstellen, präsentieren muss, sondern einfach über das reden, was mir auf dem Herzen liegt, was meine Leidenschaft ist: Menschen zu kreativer Musik zu verführen.

Ein Open Air Konzert in solch einer schönen Umgebung ist ein Genuß. Ich kann, während ich auswendig spiele, die Wälder sehen, die Vögel hören, die Blumen im Wind, die Wolken betrachten.Ich mische mich mit meinen Klängen in die Wiese, in das Grün, in den Sommer. Das Wetter hielt sich gut. Ich habe noch nie Bachs Goldberg-Variationen draußen, bis es dunkel wurde, gespielt. Die Lichter in den Bäumen und über den Kunstwerken aus Glas blitzten, der Mond war eine winzige Sichel. Die Leute haben sehr gut zugehört, waren angetan und sagten, die Musik habe sich im Garten verfangen und genau dazugehört, als sei sie Teil des Gartens.

Angeln

Heute habe ich eine kleine Bachforelle mit der Angel gefangen. Es war abenteuerlich, da die Brennnesseln an der kleinen Grube — so heißt der Bach im Garten — so hoch und groß waren wie ich. Ich über Stacheldrahtzäune an Kühen und Schafen und Hühnern vorbeimusste. Wir wateten in kniehohen grüngrauen Gummistiefeln durch den kalten Fluss, ohne Schlamm aufzuwirbeln, und flüsterten. Ich merke, wie dort mein verstecktes skandinavisches Blut zum Vorschein kommt. Wir aßen jeden Morgen frische Eier, die ich aus dem Stroh ‚fischte‘.

Das Haus der Landschaftsarchitekten und Künstler in Höxter bei Kassel, dort, wo ich das Open-Air-Konzert auf der Gartenbühne spiele, ist wiederum eine ganz andere Art Traumhaus, nicht so romantisch, sondern eine Mischung aus Wildheit, Weite, Ordnung. Es ist ein fast rein ökologisches Haus in einem warmen Gelb mit Holzvorbau, Holzfenstern, Brunnen, Solaranlage auf dem Dach, Hühnern, Katzen, Gewächshaus, einem eigenen Bach, indem sie Forellen fischen.

27. Juni 2009

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Open-Air Höxter

Ein Open Air Konzert in solch einer schönen Umgebung ist ein Genuß. Ich kann, während ich auswendig spiele, die Wälder sehen, die Vögel hören, die Blumen im Wind, die Wolken betrachten.Ich mische mich mit meinen Klängen in die Wiese, in das Grün, in den Sommer. Das Wetter hielt sich gut. Ich habe noch nie Bachs Goldberg-Variationen draußen, bis es dunkel wurde, gespielt. Die Lichter in den Bäumen und über den Kunstwerken aus Glas blitzten, der Mond war eine winzige Sichel. Die Leute haben sehr gut zugehört, waren angetan und sagten, die Musik habe sich im Garten verfangen und genau dazugehört, als sei sie Teil des Gartens.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von dem erschütternden Tod Michael Jacksons.

Im ICE verwandelte sich ein Mann: Nachdem ein grauer „Momo-Mann“ neben mir ausgestiegen war, kam ein neuer, so dachte ich, und beachtete ihn nicht. Nach einer Weile bekam ich das Gefühl, ich sollte auf ihn reagieren und erwiderte sein Lächeln, das ich zuvor ignoriert hatte. Sofort kamen wir ins Gespräch, und da ich leider zu spät gespürt hatte, dass jemand Besonderes neben mir sitzt, war das Gespräch zu unserem beider Bedauern sehr kurz, da ich aussteigen musste. Es tat mir weh, dass ich manchmal zu schnell Menschen in Schubladen stecke: Verpasste Gelegenheit, einen interessanten Menschen zu sprechen.

26. Juni 2009

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

ICE-Leben

Um von Freiburg nach Kassel zu kommen, muss man durch das ganze Land fahren. Hört sich Freiburg — Kassel nicht nah an? Es geht über Baden-Baden, Mannheim, Karlsruhe, Frankfurt, Fulda … Da Freitag nachmittag war, wimmelte es im ICE von den grauen Männern wie bei Momo: Männern in gleichen Anzügen mit lauten unkünstlerischen Laptops, müde, genervt, monoton, emotionslos laut telefonierend, mit Stöpseln in den Ohren und großen Schuhen. Unheimlich. Draußen fing es an zu regnen, gleichzeitig schien die Sonne, und ein wunderschöner Regenbogen spannte sich über den Himmel. Ich quiekte, als ich ihn sah. Niemand beachtete den Regenbogen. Ich war die einzige Frau im Abteil. Eine herrliche Landschaft breitete sich draußen vor den Leinwand-Panorama-Fenstern aus. Ich lag da und sah dem Sonnenuntergang entgegen. Erstaunlich ist, dass selbst kilometerweit weg von dem Ereignis Sonne die Wolken rot gefärbt eine Märchenwelt formen.

16. Juni 2009

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Gipfel und Melodien

Die Kinder und Jugendlichen waren mir besonders wichtig, weil sie eine Band gründen wollen, was es in dieser über hundertjährigen Kirche noch nie gab. Diese Kinder von 9 bis 16 Jahren waren für mich das Erstaunlichste an dieser Gemeinde Es war das erste Mal für mich, dass ich eine komplett gemischte Gruppe so einheitlich im Seminar sitzen hatte: Kinder von 9 bis 16, Erwachsene, die spielen und noch gar nicht spielen konnten, alle Instrumente, passive Teilnehmer. Gerade die Zehnjährigen waren mit Eifer dabei und umrundeten den kleinen Flügel, spielten vierhändig und später sogar zu dritt am Flügel, auch in Kombination mit Erwachsenen, die spielen und noch nicht spielen konnten. Es dauerte eine Weile, bis die Kinder eine Rhythmusgruppe gleichmässig lernten zu spielen, damit Melodieinstrumente darüber improvisieren konnten, so die Flöte, die Trompete, Gesang. Leider traute sich noch keiner, der Saxophon oder E-Gitarre spielte. Der Sechzehnjährige am Schlagzeug half mir und der großen Gruppe, gemeinsam einen Rhythmus halten zu können. Nachdem ich Dur und Moll und viele Harmonien vorgestellt hatte, worüber wir in Basis-Schritten improvisierten, in verschiedener Dynamik, gingen wir zu Liedern über, die den meisten bekannt waren, nachdem ich das Schema eines Liedes erklärt hatte: Taktanzahl, wie es aufgebaut ist, auch bezüglich Soli. Das war das Highlight, ich konnte sie nicht mehr bremsen. Als ich am Ende der Kurses müde und erschöpft war, fingen die Kinder erst richtig an, Musik zu machen und übten noch stundenlang weiter. Es war das erste Mal seit der hundertjährigen Geschichte dieser Kirche, dass sich eine Band zu formieren begann. Die Kinder haben mich sehr beeindruckt.