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Tourblog

27. April 2020

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Musik ist Wissen. (AHS)

Ich freue mich, dass die Stadt Würzburg Fachbereich Kultur meine neuen Videos fördern wird (Förderung kultureller Projekte). Anbei mein neues Bach-Video:

Wenn ich übe, fällt mir auf, dass jedes Stück (trotz aller Konformität, die manche Klassiker wollen) für Interpretierende doch etwas Individuelles und Persönliches bereit hält wie ein Geheimnis: Der eine spielt das gleiche Werk schneller, virtuoser, die andere nachdenklicher, der eine trillert mehr, die andere ist sehr glatt und strikt… aber genau das macht es aus und lebendig und sollte nicht rigide eingeschränkt werden. Ich habe beispielsweise eine sehr große Persönlichkeit. Wenn man die zu sehr einschränkt, werde ich unglücklich. Das bedeutet, dass auch meine Persönlichkeit in der Musik und Klassik atmen können muss. (Natürlich immer im professionellen Kontext.)

Nun also müssen wir mit Maske leben wie Zombies; individuelle Gesichtszüge verdeckt, und täglich Drosten hier, Drosten da. Es ist natürlich Ohnmacht und Hilflosigkeit, so zu entscheiden. Doch wer Tiere, Erde und Klima zerstört, muss sich am Ende nicht wundern. Leider trifft es auch die Falschen.

Wenn die ganze Welt mit Maske herumläuft, bräuchte ich es ja eigentlich nicht mehr.

Bach Kunst der Fuge Contrapunctus 7:

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26. April 2020

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An der Orgel ist nicht nur der Raum Resonanzboden, sondern auch ich. Ich bin der Raum. Mein Nacken, mein Kopf, mein Brustkorb, mein Kiefer, meine Handflächen. Die Orgel schwingt durch mich. (AHS)

Sogar Feldenkrais und Achtsamkeit geht über Skype. Es ist natürlich absolut nicht dasselbe wie live, aber es geht mal. 

Ich freue mich, dass nur noch 10 Abonnenten fehlen, und dann habe ich 1000 auf YouTube. Auf Instagram habe ich auch über 1000. Merci! 

Heiner Gembris gilt als einer der führenden Forscher im Bereich Musikpädagogik und Musikwissenschaft. Man sagte mir, ich könne gar nicht promovieren, ohne ihn gelesen zu haben. Nun, ich habe ihn gelesen. Dieser Mann stellt schon in einem seiner ersten Bücher eine meiner Meinung nach frauenfeindliche Frage in der Gliederung: “Sind Frauen weniger musikalisch begabt?” Ich finde einen solchen Titel bedenklich, auch von der Formulierung her. Als ich ihn dazu befragte, bekam ich keine Antwort. Dennoch weiß ich, dass ich mehr Vertrauensvorschuss auch in die geben muß, die in einer Weise formulieren, dass ich erst mal abgestoßen bin. Dieser Titel (Frage?), so behauptet er, stellt sich im Zusammenhang, warum es so wenig Komponistinnen und Virtuosinnen gibt. Allein das fragliche Synonym musikalisch = virtuos. Auch, dass Frauen früher nicht instrumental lernen und komponieren durften, sondern heiraten und Kinder kriegen mussten, und zwar Dutzende Kinder, finanziell abhängig vom Ehemann, erörtert er nicht genug meiner Meinung nach. Die Frage der Begabung stellt sich doch kaum: Männer dominierten Frauen und Gesellschaft. Bis heute ist die Männerdominanz in der Kulturszene massiv. Die Frage sollte eher lauten: “Sind Männer weniger musikalisch begabt?” Da sie es nötig haben, Frauen wegzudrängen. Bin ich nicht eine Parade-Beispiel? Wie viele Organisten wollten mich von Anfang an ausbremsen, u.a. wegen meiner schnellen Klavierfinger… Was und wer virtuos und musikalisch ist, wer bewertet dies? Männer. Denn im Studium und auch zuvor in der Schule sind es oft die Frauen, die hochbegabt sind. Aber die Männer landen auch heute letztendlich in den Machtpositionen (Seilschaften, Männerbündnisse). Nicht wegen musikalischer Begabung, sondern wegen Klüngelei und Profilierung. Begabte, virtuose Frauen werden kleingehalten. Auch die Jurys von Kompositionswettbewerben und Orgelwettbewerben sind fast nur Männer. Gerade in akademischen Kreisen muss Heiner Gembris doch das Ungleichgewicht in Machtpositionen, die Ursachen und Folgen bemerkt haben, nennt es aber nicht oder nicht genügend. Da er dies nicht genügend benennt, sondern diese Frage nur viel zu kurz umreißt (wenn schon, dann bitte richtig), macht mich misstrauisch. Wie kann man so einen Titel (Frage?) in so wenigen Seiten abhandeln? Wer solch eine krasse und provozierende „Frage“ stellt, aber offensichtliche Fakten nicht genug erwähnt, schweigt.

Ich habe mir überlegt, zu genau dieser Frage, ob Frauen weniger musikalisch seien, ein Buch zu schreiben. 

Soli Deo Gloria 

24. April 2020

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Erst der Live-Kontakt ist eine Begegnung. (AHS)

So steht es in meiner Dissertation. Da habe ich noch nichts von Corona gewusst. Ich hatte schon immer ein prophetisches Händchen.

Es ist doch sehr nett mit Skype und Zoom, auch diese großen Meetings. Ich kann in meiner bequemen Lieblings-Kleidung an den Meetings teilnehmen, zum Beispiel in meinem gemütlichen Herz-Fleece-Anzug. Ich habe zwar das Gefühl, ich bin die einzige, die das macht, aber das stört mich nicht.

Bei Skype und Zoom ist es übrigens gut, wenn man nur viele 8-Füße verwendet, keine 4 und 2 und keine Mixturen, also kein Plenum, das verzerrt das Klangbild. Zudem ist es gut, wenn man immer eine Schwebung verwendet. Das macht es seltsamerweise klarer für die andere Seite. Und möglichst trocken! Man kann die Sample-Sets bei Hauptwerkorgeln individuell mit und ohne oder weniger Hall loaden.

Heute war der glorreiche Tag, dass ich anonyme Beschwerden vorfand in meinem Briefkasten, aus meiner Wohnung würde immer “laute Orgel- und Kirchenmusik dringen”. “Schon ab 7:45!” Ich bin begeistert, dass aus meiner Wohnung “Kirchenmusik” dringt und strömt, fühle mich geehrt. Meine Nachbarn hören Salsa-Musik. Und zwar wird dieser Salsa-Rhythmus über alles gekippt wie Currysauce über jedes Essen (was ich auf dem Balkon hören kann), sogar über Schokolade, Spargel, Bärlauch und Forelle: Salsa-Rhythmus zu Jazz, Salsa-Rhtyhmus zu The Pink Panther, Salsa-Rhythmus auch zu Bach, wenn ich gerade übe. Und unweigerlich kommt der Moment in jedem Song (wahrscheinlich der Höhepunkt), wo der Standard-Konserven-Salsa-Rhythmus an scheppernde Kuhglocken auf der Alm erinnert.

Das erinnert mich an meinen lieben Klavier-Prof. in den USA, der dachte, an seinem Auto wäre etwas kaputt, weil der Fahrer neben uns laut Salsa-Musik hörte. Ich habe mich kaputt gelacht. “This music makes me think that there is something wrong with my car”.

Ich habe darüber nachgedacht, wie seltsam eigentlich der “Orgel-Sprech” ist: Eines der Hauptmerkmale und Lieblingsworte dieses Orgel-Sprechs ist: Artikulation. Hier geht es nicht um intelligente Artikulation, sondern um ein Füllwort, das für alles herhalten muss. Eine Floskel. Das Wetter ist heute schlecht? Artikulation. Jemand hat Durst? Artikulation. Wie drücke ich dies musikalisch aus? Artikulation. Kurz: Für viele Organisten gibt es nur a) Legato oder b) Artikulation. Als ob Artikulation nichts mit Legato zu tun hätte, als wäre Artikulation das Gegenteil von Legato! Als wäre Artikulation ein Synonym zu Absetzen. Absolut nicht. Einem Pianisten  würde es nicht im Traum einfallen, so zu denken. Es gibt artikuliertes Legato: Dichtes und weniger dichtes Legato, sattes Legato, markiertes Legato – viele Möglichkeiten und Schattierungen, Legato auszuführen. Legato ist ein wichtiger Teil von Artikulation, kein Gegensatz dazu. Am Anfang, als ich neu war und fragte: “Wie wird das hier gespielt?”, sagte man mir: “Das hier wird artikuliert gespielt”. Ich dachte damals schon: What?

Statt Non Legato und Portato wird bei Organisten einfach nur das Wort Artikulation verwendet. Ich habe bei Organisten fast noch nie das Wort Portato gehört. Viele wissen nicht, dass dieses existiert.

Ich glaube, es liegt daran, dass Organisten das Legato am Klavier nicht kennen. Das dynamische, das fliegende, das strömende Legato am Flügel. Das sostenuto-Legato oder das flirrende mit unacorda und Mittelpedal. Natürlich ist das Legato an der Orgel anders, sachlicher, klarer, nüchterner; die Mittelstimmen an der Orgel  müssen angepasst werden an die Oberstimme, dürfen nicht kürzer sein und “fliegen” wie beim Flügel, wo jeder Ton vibriert und ein automatisches Decrescendo besitzt. Dennoch: Musik nur auf Legato oder Artikulation zu begrenzen ist schon sehr dürftig. Und das ausgerechnet bei der Orgel! Dem Orchester im Instrument! Wie will man mit diesem Verständnis Mendelssohn spielen? Wie will man das Legato bei Mendelssohn verstehen oder seine Bögen? Es gibt bei Mendelssohn ein Legato im Legato, so etwas wie ein Grundgedanke Legato, und ein Geigenbogen-Legato. Kein Wunder, dass, wenn man dies nicht kennt, die Phrasierung so oft falsch gemacht wird. Ich bin übrigens völlig verliebt in Mendelssohns vierte Sonate. The best!

23. April 2020

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Musik ist die Art von Wohlbefinden, die eine menschliche Seele beim Zählen erfährt, wenn sie sich des Zählens nicht bewusst ist. (Gottfried Leibnitz. )

Dies trifft auf Bachs Musik besonders zu, die Poesie, Rhetorik und Mathematik verbindet. Dies jedenfalls habe ich im Vorwort meiner Studie Das Demutsprinzip in Bachs Musik und die Wirkung der Kunst der Fuge im Erstkontakt mit Jugendlichen geschrieben. Popmusik bietet im Rhythmus ca. 76 – 88 Pulsschlag des Menschen; Popfans kommt dieses Tempo physisch entgegen. Klassiker hingegen vermeiden eher Musik in diesem Tempo und bevorzugen a) langsamer oder b) schneller. Schon tickende Uhren mag ich nicht im Tempo des Pulses. Ich glaube, der Puls-Rhythmus steht für Sterblichkeit, alles andere für die Ewigkeit. Daher kommt mir Popmusik meist irdisch vor. 

Es stimmt, dass man als Künstlerin nicht zu autark sein sollte, da sonst auch das Publikum autark wird vom Künstler oder dies im Raum stehen könnte. Natürlich ist es wichtig zu wissen, was das Publikum gern hört und was nicht. Jedoch darf man unmöglich nur danach gehen. Wo wären wir sonst hingekommen? Alle großen Künstler wurden zunächst oder irgendwann einmal abgelehnt. Dass die Orgel generell bei manchem (jungem) Publikum nicht so beliebt ist, liegt sicher auch daran, dass es kaum Künstler an der Orgel gibt. Zudem haben die Kirchenmusiker kaum Zeit zu üben und haben mit Chor und Bürokratie zu tun, vom Studium bis zuletzt.

22. April 2020

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Musik ist finale Sprache. Körpersprache. (AHS)

Nun laufen die Dissertanten-Seminare und Privatissima über Skype, Zoom oder Webex ab. Dadurch ist die Arbeit intensiver geworden. Selbst Yoga läuft über Zoom. Dabei kann ich im Nachthemd bleiben und mache meine Verrenkungen auf Kissen, Mützen und Schlafanzügen. Man kann natürlich auch kurz das Video ausstellen und die Atemübungen mitmachen, ohne dass man gesehen wird. Über Österreich, Holland, Finnland bis nach Kanada ist es möglich, sich wundervolle Anregungen über Zoom für die Musik zu holen. Danach sitze ich wieder in Würzburg auf dem Balkon, obwohl ich kurz in Montreal, Salzburg, Amsterdam oder Innsbruck war. Natürlich weichen Meinungen über bestimmte musikalische Angelegenheiten wie Manualwechsel, Registrierung, Triller, Phrasierung, Orgeln von Mensch zu Mensch voneinander ab und “widersprechen” sich. Aber insgesamt lernt das Gehirn von den unterschiedlichsten Quellen. Ich bin längt da, dass ich sagen kann wie in der Bibel: Prüfet alles, und das Beste behaltet.

Dass die Orgel verborgen ist, ist für (junge) Menschen im Publikum sicher ein Problem. Daher zeige ich mich immer, komme nach unten beim Applaus, beantworte hinterher Fragen, verkaufe CDs. Die Leute wollen ohnehin wissen, wer man ist, verrenken sich den Kopf, einen zu sehen. Viele Männer an der Orgel sind so steif wie die Orgel selbst, wenn sie nicht von Lyrischem, Weichem, Schönem “erobert” ist. Um die Orgel beliebt zu machen, muss man nicht Pop an der Orgel spielen, wie manche meinen – man kann, aber man muss nicht. Man kann auch anders kreativ sein, komponieren, improvisieren, interpretieren. Leider steht für viele die Orgel für Kirche, und diese ist für manche konservativ, kalt, männerdominant, hierarchisch.

Virtuose, attraktive Frauen sind hier nicht so gern gesehen. Männer lassen Orgel lieber vergessen als weibliche Konkurrenz frei- und zuzulassen, dabei haben Frauen jedes andere Instrument beliebt gemacht und verändert. Der Kampf der Männer gegen Frauen an der Orgel ist über die Kirche und in akademischen Kreisen deutlich. Weder in Orgelforen, in Lehrkörpern, wichtigen Kirchen, in orgelsachverständigen Kreisen tauchen Frauen auf. Ich gebe mein Bestes, dies zu verändern.

Anbei ein neue Link auf meiner Homepage: Bachvermittlung

21. April 2020

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Noten lesen, schwere Sprache. (AHS)

Es macht Spaß, Salat aus dem eigenen Balkon zu essen, und Zitronenmelisse aus der Sonne schmeckt im Tee sehr gut. Tja, früher war ich immer im Zug, jetzt sitze ich auf dem Balkon und esse Erdbeeren. Seltsam.

Irgendetwas stimmt nicht. Der Lockdown steht nicht im Verhältnis, aber man soll vertrauen. Deutschland macht vieles sehr gut. Ich spüre dennoch Segen wie Schwingungen auf meinem Leben, lerne und gebe vieles auch visuell sehr gut, ohne viel Fahrerei. 

Ich finde es spannend, dass Stimme immer da ist, Atem, auch wenn ich nicht singe, nicht spreche und nur an der Orgel und am Flügel sitze. Die Ruhe vom Fühlen des Schwingungsbereichs Brustkorb und Nacken helfen mir, mich mit Ruhe auf die Musik einzustellen. Die Vibration in Brust und Nacken. Dass der Ton im Raum schwingt. Ich bin der Raum, die Orgel ist der Raum, der Raum ist der Raum. Denn manchmal gehe ich in Vorleistung nach vorn, falle aktiv nach vorn, was zur Verkrampfung führt. Dann bin ich zu aktiv, als würde ich der ganzen Welt erklären wollen. Damit streicht man auch einen Teil von sich weg, denn Dinge werden enger, mit Druck, hart. Wenn ich nach hinten falle, werden die Einsätze und Übergänge weich, warm, weit, nicht rau oder kratzig, bleiben im Klangpool, reißen nicht ab, bleiben entspannt. Daher berühre ich mich kurz vor dem Spiel im Nacken: Ich aktiviere das Gefühl, dass der Ton durch mich hindurchschwingen darf. Er wird nirgends abgedrückt, er darf tief schwingen, in der Mitte. 

Registrierung ist auch sehr spannend. Sich zu überlegen, welche Zungen ich nehmen soll, im Pedal und im Cantus Firmus beispielsweise. Das gefällt mir besonders. Oder was für Zungen man mit welchen Grundstimmen verbinden kann. Was für Solo-Zungen bei Scheidemann passen. Welche Zungen man kombinieren kann. Welche laut und welche leise sind. Affekt und Registrierung gehen nicht immer Hand in Hand. Zinke mit Trompete und Flöte 4 und Gemshorn 2. Ich finde, Registrierung brauchen an sich eine Zeit des Prozesses. Es ist eine Sprache, die man lernen muss. Und diese Sprache überträgt sich natürlich auf andere Instrumente. Auf Streichinstrumente zum Beispiel. Die 4-Fuß-Violine etc. 

20. April 2020

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Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab. (Marc Aurel)

Ein philosophischer Kaiser.

Diese Seite finde ich interessant: Walcker-Stiftung  – hier wird auf die gesellschaftliche Stellung der Orgel eingegangen, wobei ich nicht übereinstimme, dass Popmusik an der Orgel der Schlüssel für eine neue Beliebtheit der Orgel darstellen würde. Der “Rückgang der Orgel” hat aus meiner Sicht viel mit Hierarchie, Konservatismus und Männerdominanz zu tun. Es gibt Tabus, die man (als Frau) nicht brechen darf. Bricht man sie aber wie ich, sind manche versteiften Autisten bis ins Mark gekränkt und versuchen heute noch, mir zu schaden.

Meine Spaziergänge durch eine leere Stadt sind schön, aber auch irgendwie unnatürlich. In Schweden sieht das alles anders aus. In solchen Momenten spüre ich, dass ich doch sehr schwedisch bin. Die deutsche Bürokratie und Hierarchie liegen mir oft nicht so. Bei Deutschen heisst das: Regeln befolgen. Es sind meist Regeln von Männern.

Tägliche Videos von meinen Reisen seit Januar könnt ihr auf facebook sehen: Facebook Ann-Helena

18. April 2020

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Orgelspielen ist in erster Linie ein Wissen. (AHS)

In der Musik muss man an so vieles denken: Man ist Redner, Präsentationskünstler, spielt nicht nur für sich, sondern macht anderen ein Werk verständlich. Dazu gehört, dass man die nuancierte Mitte kennt, denn in den meisten Stücken ist nichts drastisch, besonders nicht in der Barockmusik. Und dann die feine Ausarbeitung: Auf der einen Seite das Metrum, auf der anderen Seite die Besonderheiten und das Charakteristische der Figuren. Dies beides in eine Einheit zu bekommen, dies macht Musik erst schön und schwingend.

Für mich ist es immer noch ein Schock, wenn Konzerte ausfallen und abgesagt werden, aber: Man darf von Kunst nicht zu abhängig sein. Mein Wert macht sich nicht daran fest, ob und wieviele Konzerte ich spiele. Und es tun sich plötzlich ganz andere Türen auf. Trotzdem habe ich es nicht geschafft, die Konzerte als “ausgefallen” in meiner Konzertliste zu markieren. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür. In meiner Vorstellung sind sie gewesen, trotz C-19.

Wichtig ist, dass man in der Musik spricht und die einzelnen Stimmen, zum Beispiel den Tenor, ihn anbindet, verbindet, nicht abreißt oder zu kurz spielt, dass man eben spricht, nicht nur spielt; dass man dabei ruhig ist, nicht hektisch, sondern sich einzählt, sich einschwingt. Artikulieren bedeutet eher ein dichtes Non Legato, und Absetzen ist durchaus auch ein Verbinden.

Nur weil eine Stimme artikuliert, bedeutet es nicht, dass die anderen Stimmen das gleiche machen.

Natürlich mag ich es sehr, zu improvisieren. Meine “Haussprache” ist romantisch, spätromantisch bis hin zu ganz zeitgenössischen Gefilden; dennoch finde ich es sehr spannend, in allen (alten) Stilen zu improvisieren, und in diesen Stilen jeweils auch zu bleiben.

Momentan liebe ich die Zeitreise hin zu Bach an “giftigen” alten Orgeln mit spitzen Klängen – für mich sind diese Klänge einfach lieblich. Und jeder Stil, jeder Klang ist anders und hat seine Stärke und ist zu finden und aufzufinden und zu kennen und auszuprobieren, dazu die jeweiligen Komponisten – ich probiere all das momentan mit viel Phantasie an meiner Hauptwerk-Orgel, mit Setzern und Kombinationen – man muss neugierig bleiben. Die unterschiedlichsten Stile in dieser Zeitreise zu kennen, das macht den Reiz aus. Bei all dem darf man nicht vergessen, um was es letztendlich geht.

Ich freue mich, dass die neue hübsche Lupe, die Such-Funktion (die Lupe oben rechts eingebaut) auf meiner Seite seit heute ganz frisch erschienen ist, dort könnt ihr alles ersuchen über mich. Und Spotify ist ebenfalls neu als Button auf der Frontseite. Zudem sind die Header-Bilder bei den Terminen abgegrenzt zum Tourblog-Headerbild und die Links unterstrichen. Ich hoffe, dies sorgt für mehr Durchblick auf dieser großen Seite.

Mit gemütlichen Düften (frisch gewaschene Baumwolle, Regenluft oder geliebter Haut) kann man sich übrigens am besten entspannen.

ps: Ich habe darüber nachgedacht, dass Begriffe und Inhalte wie Zufall, “Wissenschaft” und “Toleranz” männliche Begriffe und Inhalte sind und meist einen Atheismus gegensätzlich zur Bibel dokumentieren und sehr hoch gehalten als höchste Werte überhaupt, meist normativ, einen (Ersatz-) Glauben darstellen. Und es heißt sogar, Irren sei wissenschaftlich. Ich freue mich, wenn sich die Milliarden Jahre, die manche Steine und Wesen alt sein sollen, als Irrtum herausstellen. Aber bis heute darf man sich das in Museen anhören, und das von sterblichen Menschen, die nicht mal wissen, was morgen ist. Im Grunde sind alle lebenden Menschen immer jung. Was wissen wir schon von Millionen von Jahren? Die meisten kennen nicht mal hundert Jahre, persönlich.

aus meinen Orgel-Videos Hamm