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Ann-Helena Schlüter

16. April 2021

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Anima organi cantet ac ex corde sancto jubilet. 

(Rieger-Orgel Kloster Marienstatt)

Heute haben wir den ganzen Tag aufgenommen. Ich bin im Delirium. Alles tut weh. Auch Knie und Beine und Bauch. Man braucht für diese Orgel enorm Bauchmuskeln und muß sich beim Pedal stretchen wie auf einer Folterbank. Dennoch, ich liebe diese geniale Trostorgel, wir sind weit gekommen und haben viel geschafft und waren sehr fleißig. Ludger saß in der Sakristei mit Laptop und Heizung und meinen Noten und seinen Boxen. Ich saß oben auf dem Berg. Geschafft haben wir heute Trio-Sonate d-Moll, Piece, 651, 652, Scheidemann, Reincken, Schlüter, Toccata d-Moll. Morgen Passa. Wir kommunizieren über eine Box, eine Art Walkie Talkie. Es war wieder sehr lustig mit Ludger:

„Was sollen das für Noten sein? Das sieht aus wie Altpapier. Damit zünden wir zuhause unseren Ofen an.“ Oder bei Piece d‘Orgue: „Dieses Stück ist ein echter Cliffhanger.“
Ich habe festgestellt, dass Orgelschuhe mit Schnürsenkeln ein Problem sind. Die gehen mir im Eifer des Gefechts immer auf. Ich habe extra die schönen schwarzen neuen für die Videos angezogen, wechselte wegen den Schnürsenkeln aber wieder zurück zu meinen alten braunen mit Schnallen.

Ich bin völlig erschöpft, mir fallen dauernd die Augen zu beim Schreiben.
Ps: Es hilft, viel zu trinken und Äpfel zu essen, um konzentriert zu bleiben an der Orgel.

Gute Nacht!

Livet är en tragedi full av glädje. (Bernard Malamud)

Das Leben ist eine Tragödie voller Freude.

Beautiful Thüringen. Fahre über Eisenach.

Das Gezwitscher der Sonnenorgel Görlitz ist mir noch gut in Erinnerung, eine wunderschöne Nachtigall zusammen mit einem Kuckuck und Vogelgesang (wobei dies letzte etwas künstlich klingt). Waldbaden in der Kirche! Und den Bach mitten durchfließen lassen. ❤️ Und ich mit The Simpsons-Socken.

Doch nun an einer völlig anderen genialen Orgel. Ich habe meine Noten in einem Konzertkleideraufbewahrer von Rimowa (normalerweise wohl für Frack und Männerklamotten) aufbewahrt, damit nichts geknickt wird, 4 Seiten auf eine, aneinander geklebt und hochkant und verkleinert, damit ich selbst blättern kann. Blätterer machen einen wahnsinnig. ☺️

Doch die wunderschöne Trost-Orgel ist einfach spitze. 

Aufgenommen haben wir heute Brahms, Beethoven, Mendelssohn, Schlüter und Bach (alles Video). Sehr nettes Filmteam. Morgen geht dann die Bach-CD los. Die Zimmer sind wunderschön mit Blumenmöbel. Ein Italiener im Haus: Spaghetti Bolognese, und der Tag ist gerettet. Theo und ich haben die Zungen gestimmt. Posaunenbass 32, Fagott, Bachtrompete… die schönen bunten Taler. Ludger und Agnes sind super nett, wir haben uns schon beim Wein kaputt gelacht. Der Humor der beiden ist einfach gut. Und ich bin noch beim Üben.

Försök inte behaga alla. Börja med acceptera dig själv. 

Übersetzung: Versuche nicht, allen anderen zu behagen. Beginne damit, dich selbst zu akzeptieren.

Heute erinnere ich an Sophie Dahl, Hilda Geiringer (Mathematikerin), Hannelore Köhler (Malerin), Dee Rees (Autorin).

Später heute fahre ich nach Waltershausen an die geniale Trost-Orgel, um meine erste große Orgel-CD für Audite aufzunehmen. Freue mich. Es ist wieder eine enorm schwer zu spielende Orgel, aber das macht mir nichts aus, im Gegenteil. Nach vielen neuen Übestunden (Überstunden Übestunden) bin ich mit allen Wassern gewaschen. Ich freue mich auf die super lieben Leute.

Musikpädagogik und Musikvermittlung

Ich liebe die internationale Orgel-Szene; dafür muss ich mal eine Lanze brechen, die Leute sind unglaublich lieb, liken und sharen viel und begeistern sich, sind selbst bei Diskussionen untereinander von der ganzen Art her wesentlich weniger gehässig als weite Teile der deutschen Kirchenmusik-Szene im Netz. Die internationale Szene ist nicht verbittert, keine Frauenfeindlichkeit, kein Vergleich. Ob es am Kirchenmusikstudium liegt, dass dort so viele Leute so lästernd sind? Oder an den sozialen Netzwerken an sich, in denen das wahre Gesicht vieler ans Licht kommt? Ich merke, wie aggressiv, arrogant oft in den sozialen Netzwerken allgemein geschrieben wird. Das Internet deckt den schlechten Charakter vieler Leute auf, auch von denen, die Vorbild sein sollten. Im realen Leben wären diese Menschen natürlich nicht so. Aber sie sind es tief drinnen, sonst würden sie nicht so schreiben. Es kommt auch immer darauf an, wer gewisse Gruppen und Ämter leitet und anführt. Wie sagte jemand so schön: “Ist der Chorleiter ein …, wird der Chor es auch.” Die Kirchenmusik war sicher nicht immer so. Und der deutsche Orgelbau ist zum Beispiel wundervoll.

Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme. (Morus)

Das verstehen viele nicht.

Als Musikerin und Influencerin ist es wichtig, sowohl praktisch begabt zu sein als auch abstrakt denken zu können. Beides.

Heute empfehle ich Elsa Bernstein, Literatin, und Deborah Barnhart, NASA, und Anne Schwanewilms (Oper). Frauen auf Weltniveau mag ich, vor allem Senkrechtstarterinnen.

Es ist absolut unmöglich für mich, Atheistin zu werden. Es ist, als müsste ich leugnen, dass es Luft zum Atmen, Musik, Farben gibt. Gott hat mich gefangen, eingenommen, gecatched. Selbst wenn ich ihn hasse, muss ich ihn loben. Da hilft leider nichts dagegen. Er ist Teil meiner DNA geworden. Ich könnte ihn nur loswerden, wenn ich mich, wenn man meine DNA zerstört. Wenn man unter der Erde liegt und sich begraben fühlt, denkt Gott ganz anders: Er hat einen gesät, und das erste Grün bricht hervor.

ps: Wegen Corona kosten Pakete in die USA ab 55 € (nur Premium Versand erlaubt)! Heute ging ein solches los mit meinen CDs an einen amerikanischen Fan.

12. April 2021

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Dies ist nicht die Zeit, Angst zu haben.

(Maria Ressa)

Ich mag Die Kunst der Fuge gespielt vom Hamburger Kammerorchester, eine ältere Aufnahme, so schön, mit Solo-Oboe.

Und Giesekings historische Bach-WTK-Aufnahmen, Bachs Tonartenzyklus. Gieseking war der Lehrer meines Halbbruders.

Es stimmt, dass man manchmal bei Bach an einem „modernen“ Flügel der Verlockung erliegen könnte, manches „romantisch“ zu spielen. Wobei Bach so exemplarisch, fortschrittlich und anders war, dass ich glaube, dass sich sein Spiel sowieso unterschied von dem Stil seiner damaligen Zeit, außergewöhnlich und zeitlos. Ich stehe mehr auf zeitlos als auf hysterisch historisch. Giesekings Bachspiel ist viel mehr „schöner Vortrag“ als korrektes Spiel – mit eigenem Stil und Ungenauigkeiten. Wer heute so Bach spielen würde, der würde verrissen.

Ach, und wenn dem armen Gieseking mit seinen rasend schnellen Bach-Tempi und Trillern auch eingefallen wäre, noch Orgel zu studieren wie ich – oh, ich weiß nun genau, was gewisse neidische Kirchenmusiker an ihm auszusetzen gefunden hätten. Wenn so richtig  “pianistische Pianisten”, wie auch ich einer war (jetzt bin ich beides, P und O), auf gewisse Kirchenmusiker treffen, dann clasht es viel mehr, als wenn Pianisten auf Schulmusiker treffen.

Sehr schön finde ich auch Käte van Tricht an der Orgel. Heute erinnere ich auch an Kirsten Boie und Lena Dunham. Ich mag, wenn Frauen unangepasst sind und auch unvollkommen sein dürfen. Sehr empfehlen kann ich auch Renate Rubinstein, Dichterin.

ps: Der neue Thermomix ist toll, leider ist es nicht so, dass man auf einen Knopf drückt und Kartoffelpüree mit Schnitzel serviert bekommt. Man muss doch leider noch immer zerkleinern, schälen und auch in der Pfanne anbraten. Dennoch geht es schneller, abwechslungsreich und gesund zu kochen. So, ich denke: Ich nehme ihn. Aber teste ihn erst mal. Wir haben gestern sehr viel gekocht. Es war lustig. Auch Eis geht, sogar spülen kann er, nur Musik spielt er nicht ab. Bitte, Menschen, erfindet eine Maschine, die alles von alleine kocht und raspelt! Ich mache die Musik.

Ich mag meinen weißen bzw. Creme-Vintage-Sommer-Pelzmantel, geerbt (Lamm).

Piano Organ Vlog #3:

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Es gibt Momente, in denen sich plötzlich die Zeit öffnet, dann kann man sie von allen Seiten ansehen. (Joachim Meyerhoff)

Ich mag sehr die Komponistinnen und Pianistinnen Maria Theresia von Paradis, Ingeborg Starck-von Bronsart, Germaine Tailleferre, Teresa Carreno, Agathe Backer-Grondahl; ich habe schöne, alte Aufnahmen von ihnen. Und Emilie Mayer, die erste „Berufskomponistin“, „weiblicher Beethoven“, mit Klavier-Trios.

Es ist erstaunlich, wie völlig anders Weinberger Liszt Ad nos spielt.
Heute erinnere ich an Martina Merz (Maschinenbauerin) und Ewa Kopacz (Ärztin und Politikerin).
Ich lese „Die Nadel“ und höre Platten, sehr gern Schütz-Motetten, lieblich, beruhigend, klagend. Aber meist arbeite ich. = Üben CD und Diss.

Heute wird mir ein Thermomix vorgestellt. Es geht darum, dass ich will, dass eine Maschine gesund kocht, während ich übe, das spart Zeit.

Sonnenorgel Görlitz

10. April 2021

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Klang zu entdecken gehört zu den faszinierendsten Erlebnissen im Leben. (AHS)

Leguano Interview mit Ann-Helena

Es waren 10 Finalisten aus 800 Teilnehmern im Livestream des Literaturwettbewerbs gestern. Habe den 6. Platz von 800 bekommen.
Mein iPhone heißt wohl noch immer Phönchen. „Phönchen, bitte nicht niesen.“ Ok. Meine Erwartungen an Literatur sind hoch. Aber so geht es wohl jedem.

Endlich hat mein begabter kleiner Klavierschüler (10) gestern ein eigenes Klavier bekommen, ich war dabei. Ein Ibach-Klavier. Das freut mich.

Wie wichtig das Visuelle der Noten beim Üben ist, ich kann es deutlich genug nicht betonen. Daher habe ich meine Noten hochkant verkleinert, das macht etwas aus, wenn man vieles auf einmal sieht.

9. April 2021

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Ohne Angst sagen zu können, was man denkt, ist so wichtig. (Katarina Sikku)

Das ist in Deutschland ja schon länger nicht mehr möglich.

Eine tolle Frau aus Schweden, eine Sami.

Heute bzw. morgen, also am Freitag, der jetzt beginnt, dem 9.4. ab 18 Uhr:

Finale Literaturwettbewerb Zeilenlauf via Stream, mit Passwort: zeilen+lauf

im live-stream www.gassnerfilm.stream

Ich lese eigene Prosa (Kurzgeschichte).

Anbei mein geliebter Brahms, as-Moll-Fuge auf YouTube – Nachtaufnahme gestern mit meinem iPhone 12 an meiner Hauptwerkorgel daheim. Ich weiß, es gibt ein paar Dumme, die denken, dieses Stück wäre vielleicht nicht so schwer. Das denken die, die es nie gespielt haben.

Es ist sehr schwer:

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Brahms Fuge as-Moll WoO8

Geniale Menschen beginnen große Werke, fleißige vollenden sie. (Leonardo da Vinci)

Bach war beides: Genial und fleissig.

Ein Literaturwettbewerb wollte, dass ich folgende Fragen beantworte:

Welchem Buchstaben können Sie nicht verzeihen?

Dem E. Wenn man meinen Vornamen falsch ausspricht und Ä daraus macht.

Wie stehen Sie zu (künstlerischen) Grenzüberschreitungen?

Sehr wichtig: Grenzen durchbrechen und doch dabei genau wissen, dass echte Kunst nur unter Grenzen möglich ist.

Shoshin: Kindliche, unschuldige Anfänger-Einstellung zum Leben, wie ich es hatte, anfangs bei der Orgel – das will ich beibehalten, mich nicht von der negativen “Alleswisser”-“Besserwisser”-Einstellung von anderen behindern und einengen lassen.

Das freie Spiel von früher mag ich, aus dem 18. und 19. Jahrhundert, indem man sich auf Augenhöhe mit dem Komponisten stellen darf, mit körpergewöhnten Augen, so wie Debussy, Messiaen, Saint-Saens, Mahler sich selbst gespielt haben (Welte), frei, selbstbewusst und individuell – nicht das fade, fahle Fehlerlose und Korrekte von heute, schülerhaft duckend unter den Komponisten, ohne Risiko – vor allem die, die selbst nie komponieren. Heute haben alle nur Angst, dass sie Fehler spielen.

Heute erinnere ich an Vee Lawnhurst, Broadway-Komponistin und Pianistin mit Power. Und Luise Rainer, Ada Hegerberg, Raffael Busse, Nadia Murad.

Leider gibt es keine/kaum Orgelaufnahmen vor der Orgelbewegung. Wieviel die Orgelbewegung wohl insgesamt beeinflusst hat? Ist sie mit verantwortlich für diese “Mode” des duckenden, korrekten Spiels? In der es wenig Persönlichkeit, keine Impro, keine Kompo gibt? Wenn ich die ganz alten Aufnahmen anhöre von Pianisten – wieviel Selbstbewusstsein, “Ungenauigkeiten” und Individualität! Wo ist dies heute?

Bach hat alles fehlerlos und korrekt gespielt? Nein, ich stelle mir sein Spiel ganz anders vor: Hochpersönlich, wild, groß, frei. Was haben viele aus dem Bachspiel gemacht? Angeblich historisches. Schwarz-weiß-Filme, obwohl die Welt damals schon in Farbe mehr, mehr als heute. Wenn man erkennt, wie Komponisten ihre eigenen Werke spielen…

Anbei Organ Piano Vlog Part 2 #2: Piano Organ Vlog #2 Diesmal geht es um Legato und Überlegato; ich merke, manche werden nicht meiner Meinung sein, nicht schlimm, es geht mir um das Überlegato, welches ich vom Klavier kenne, und es ist nicht als Kritik gemeint, denn ich liebe die Orgel. 

Ich würde im Zweifel lieber etwas anderes machen, als meine künstlerische Integrität zu verraten. (Fries)

Mimin. Ich freue mich, Orgeln um Osnabrück herum kennenzulernen, Erich Stoffers wird sie mir zeigen. Ich freue mich.

Ich übe gern an meiner Hauptwerkorgel. Tägliches Training ist wichtig. Ein Tag ohne Üben macht mich unzufrieden.

Anbei der Link zum Finale des Literaturwettbewerbs am Freitag in Österreich online:  Zeilenlauf Literaturwettbewerb

Ab 18 Uhr kann man per öffentlichem live-Stream live dabei sein, am 9.4. Ich bin mit meiner Prosa die Nummer 4 zum Vorlesen. Man loggt sich folgendermaßen ein:

www.gassnerfilm.stream und dann das Passwort „zeilen+lauf“ – ich weiß nicht, ob mit oder ohne Anführungsstrichchen – einfach ausprobieren.

Früher im 18. Jahrhundert gab es die “schöne Interpretation”, die frei und je nach Persönlichkeit war, da waren Persönlichkeit und Körper das Interface. Heute gibt es oft nur noch das „korrekte Spiel“. Oft gleichförmig, langweilig. Für alle mit großer Persönlichkeit ist die korrekte Gleichförmigkeit (je nach Mode-Erscheinung) eine Zumutung. Manche kommen über das korrekte Spiel nicht hinaus. Sie bleiben immer Schüler.