10. November 2025: Mein Mozart klang wie ein orgelverzierterPapageno, retro registriert.
Foto: Michael Becker Orgel St. Anna Kirche Twistringen, Niedersachsen 2025
Michael Becker Orgel kath. St. Anna Kirche Twistringen bei Bremen, Niedersachsen, Bistum Osnabrück, 1995, 3 M, 42 R, RP
Es war sehr schön, hier im Orgelherbst 2025 das Abschlusskonzert zu spielen, Eintritt 10 €. Orgelbauer Michael Becker lebt nun in Süddeutschland. Die Orgel hängt recht tief und hat dennoch einen Schwalbennest-Charakter, da sie schwebt. Hinauf führt eine gefährliche enge Wendeltreppe.
Sie ist von der Idee her ein Nachbau der Silbermann-Orgel Freiberg. Sie ist sogar silbermanniger als Silbermann selbst: Dieser durfte nämlich leider nie ein Rückpositiv bauen, vermutlich aus Platzgründen. Diese hier aber hat ein großes schönes RP.
Es ist meine erste Becker-Orgel. Sie ist ein mechanisches großes Schleifladen-Instrument mit tollen Zungen und Tremulanten, leider ohne Schweller und noch ohne Setzeranlage. Ich habe alles selbst registriert und geblättert, bis auf die Bach-Fuge BWV 542, bei der Julia geblättert hat.
Die Vorrichtung für eine Setzeranlage hat Becker eingerichtet; jedoch braucht die Gemeinde mind. 50.000 € für eine solche.
Der Grund dafür, dass die Orgel keinen Schweller hat, ist der Platz: St. Anna (1870) besitzt ihren Turm nicht vor, sondern in der Kirche, und dann kommt schon die Orgelempore.
Die Orgel spielt sich butterweich. Hinzu kommt die brillante Akustik. Der Musikwissenschaftler Greß hat sich die enorme Mühe gemacht, die Mensuren der Freiberger Silbermann-Orgel exakt und kostenlos zu messen und für die Orgel in Twistringen auszurechnen, die dann 1995 letztendlich 700.000 DM gekostet hat. Die Labien sind bei Silbermann besonders breit, bei Schnitger eher eng.
Silbermann hat ja eher einen direkten Sound. Nichts ist in dem Sinn zart.
Mir gefallen hier besonders die zarten 16-Füße und die süßen Solostimmen. Am Anfang des Konzertes habe ich meine Flötenuhren vorne erklärt, die ich dann mit zarten Stimmen spiele, immer wieder anders, Mozart, Haydn, Beethoven, zusammen mit den Tremulanten klingen sie beinahe retro registriert. Mein Mozart klang wie ein orgelverzierterPapageno – sagte mir eine Dame im Publikum, in deren Pension ich später übernachtete.
Anschließend waren wir griechisch essen. Dort habe ich ein köstliches neues Wort kennengelernt: Urvieh. Was soviel wie Haudegen bedeutet.
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9. November 2025: To travel is NOT to possess the world. (AHS)
Foto: Orgelherbst Twistringen bei Bremen
Heute erinnere ich an Antonia Dietrich, 1900, Schauspielerin.
Und an Erich Klausener, 1885, Recklinghausen, Mordopfer der SS 1934.
Ich bin unterwegs zum Orgelherbst heute. Das Chaos bei der Deutschen Bahn ist schlimmer statt besser geworden. Teilweise werden Gäste von hinten nach vorne gejagt und wieder zurück, weil angeblich ein Zugteil abgekoppelt wird und dann wieder nicht. Massen-Panik war die Folge; Leute stürzten und schrien.
Ich glaube, die Motivation, warum einige reisen, ist, weil sie denken, die Welt damit besitzen zu können. Das ist völlig falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Oft stehe ich hilflos und ohnmächtig vor dem, was ich sehe. Trotzdem ist unsere Welt wunderschön.
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Heute erinnere ich an Georgine Schubert, Sopranistin, 1840.
Am Lido Deck habe ich auch Choräle gespielt, während die SeaCloudSpirit den Hafen verließ. Großer Gott, wir loben dich. .. Das hat vielen sehr gut gefallen.
Am Reformationstag war an den Häfen und Airports und den spanischen Städten wegen Halloween die Hölle los.
Von den Sprechern und Rednern an Bord haben wir einiges in den Vorträgen über das Mittelmeer und die Marine und Spanien gelernt. Zudem liefen auch fancy Ärzte herum. Die Bedingungen der Seefahrer-Welt werden mit jeder Reise neu akzeptiert.
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7. November 2025: Meilenweit seewärts dem Licht entgegen. (Carola Krautz)
Heute erinnere ich an Cheryl Araujo, Opfer einer Gruppenvergewaltigung; das besonders Schlimme daran war, dass die weiteren Männer im Raum der Kneipe gegrölt, angestachelt, angefeuert haben. Sie haben ein Verbrechen begünstigt und taten nichts, zu helfen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Die normalst wirkenden Männer werden in gewissen Gruppen (auch online) zu Monstern. Der Fall wurde in dem berühmten Film „Angeklagt“ mit der super Jodie Foster aufgerollt. Den Film kann ich nur empfehlen.
Toll an dem Film ist, dass auch die, die angestachelt und gegrölt haben, angeklagt wurden. Entscheidend dafür war, dass ein Zeuge ausgesagt hat. Und dies war außerordentlich schwer, denn die meisten wollten schweigen. Auch dies kann ich mir gut vorstellen.
Die Vergewaltiger meinten, da das Mädchen einen „schlechten Ruf“ hatte, sie hätte es verdient, es so gewollt oder es provoziert. Sie versuchten sogar, aus ihrem Opfer die Täterin zu machen. Es war auch für die Justiz ein Risiko, denn es waren sogenannte „angesehene“ Männer in der Attacke dabei. Niemand wollte helfen. Sehr bezeichnend. In gewisser Weise habe ich Ähnliches erlebt, nur nicht in einer Vergewaltigung, sondern in Mobbing und Haß von Kirchenmusikern und ihren Semi-Kollegen und Hobbykollegen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn auch mein Fall oder Leben irgendwann mal verfilmt wird.
Übrigens wurde damals, 1988, jede 6. Minute eine Vergewaltigung in den USA gemeldet. Gemeldet. Damals. Ich würde sagen, dass es heute viel schlimmer ist und die Dunkelziffer, also der nicht gemeldeten, viel höher. Man kann vermutlich sagen, dass jede Sekunde Vergewaltigungen passieren. Weltweit. Das ist unsere Erde. Sie dreht sich, mit unzähligen Vergewaltigungen jede Sekunde auf ihr.
Übrigens, bevor ich auf das Schiff gegangen bin, musste ich eine Sicherheitsschulung online machen, eine Security Training for Seafarers SDSD. Auf Englisch.
Weil es mich interessiert hat, habe ich auch einige weitere gemacht, die angeboten wurden, obwohl es Stunden gedauert hat. Ich weiß nun vieles über: Piraten, blinde Passagiere, Hygiene an Bord, sogar über Erste Hilfe, Verletzungen an Bord, Marine, Klima, Hafen, Motor und wie man ein Rettungsboot bedient und was man in diesem macht, während man im Ozean darauf sitzt. Am Schluss gab es zu allem eine Prüfung, die ich mit Note 1 bestand.
Es waren Multiple-Choice-Fragen mit 4 Antwortmöglichkeiten. Manche waren schwer, da sehr weit weg von meinem Leben; ich musste oft meinen Instinkt walten lassen. Wiederum andere waren sehr lustig, da trockener Humor, was man ja selten findet in einer Prüfungssituation.
Zum Beispiel zu (übersetzt): Was machen Sie, wenn Sie eine Bombe an Bord finden? a) „Ich werfe sie ins Meer“. Oder b) „Ich versuche, sie zu entschärfen.“ Oder zu: Was machen Sie, wenn Piraten das Schiff attackieren? a) „Ich suche nach allen erdenklichen Waffen an Bord.“ …
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6. November 2025: Der Unglückliche war durchwühlt worden.
Foto: Sea Cloud Spirit Segelschiff
Reingeflogen bin ich mit Lufthansa hin nach Barcelona und zurück von Málaga. Ich hatte jeweils einen Fensterplatz. Auf dem Rückweg habe ich ein Drama mit meinem Koffer erlebt: Meine Powerbank war im Koffer, und ich wusste nicht, dass dies als „gefährlicher Gegenstand“ gewertet wird.
Ich stand also am Gepäckband in Frankfurt, es war spät, und jeder erhielt seine Koffer. Nur ich nicht. Am Schluss waren alle Leute weg, nur ich stand noch da. Irgendwann stoppte das Gepäckband. Da fing ich an zu weinen. Im Koffer waren alle meine Noten, die ich für das Konzert brauchte, und ich war müde. Mein Koffer stand unterdessen immer noch in Málaga.
Lufthansa hat in gewisser Weise zwei Gesichter. Einige sind sehr hilfsbereit und lieb, andere wiederum eher eine Katastrophe. Wie auch immer, in der nächsten Nacht durften wir den armen Koffer in Frankfurt abholen, nachdem ich zugesichert hatte, dass die Powerbank entfernt werden durfte. Und auch das war ein Drama:
Es war nicht ganz sicher, wo sich mein Koffer nun befand oder ob er schon per DHL unterwegs war. Erleichtert entdeckte ich ihn dann im Kofferlager irgendwo rechts in einem Regal. Der Unglückliche war durchwühlt worden.
Meine nagelneue Powerbank liegt noch immer in Málaga.
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Foto: Steinway in der Lounge Sea Cloud Spirit Segelschiff
Ja, ich verstehe, was Colette sagen wollte. Dennoch finde ich das „Weitergehen“ genauso richtig wie problematisch. Die Frage ist, von was man weitergeht und wie lange ein Moment ist.
Heute hörte ich eine Platte mit polnischer Orgelmusik, sehr interessant. Die polnischen romantischen Orgelkomponisten waren mir fast alle unbekannt, jedoch offenbar alle stark von unseren geliebten deutschen Komponisten beeinflusst.
Die kleine Insel Illa del Rei (oder Isla del Rey) bei Maó auf Menorca erreicht man mit einem Boot bzw. einem Yellow Catamaran in mini; hier kann man Kunst bestaunen in der Hauser & Wirth und das ehemalige Hospital. Aber vor allem ist die Insel eine Augenweide voller Palmen und duftenden Pflanzen. Man nennt sie auch Insel des Königs.
Dann fuhren wir weiter nach Palma. Auf Mallorca war ich schon als Kind; aber diesmal lief ich vor allem am Hafen entlang, da wir nur sehr kurz hielten. Der Hafen von Palma de Mallorca ist riesig und voll teurer Katamarane und Kreuzfahrtschiffen. Wir legten an am Pier Muelle de Poniente Sur, Terminal 1.
Von unserer Sea Cloud Spirit sahen wir in all dem weißen Gewühl nur die drei großen braunen Masten, die in die Höhe ragten. Es gab zwar auch andere große Segelschiffe, aber die anderen hatten alle entweder nur 2 Masten oder 3 elektrische Masten. Unseres war das einzige, das Segel an 3 Masten hat, welche manuell gehisst werden. Hierfür müssen die Mädchen und Jungs der Crew nach oben klettern. Also ein richtiges Segelschiff.
Wir sind auch jeden Tag gesegelt; nur nachts mit Motor, bei Sturm oder wenn der Wind nicht ausreichte, um das nächste Ziel zeitgerecht zu erreichen. An einem Hafen anzulegen oder gar über Nacht zu bleiben, ist nämlich extrem teuer für Schiffe.
Die Sea Cloud, obwohl deutsch (und die meisten Gäste an Bord sind deutsch; einige wenige Schweizer oder Amerikaner) segelt nicht unter einer deutschen Flagge, sondern unter der Flagge von Malta. Aufgrund der Kosten. Und die Verträge, die der Crew gegeben werden, sind nicht aus Deutschland, sondern aus Liberia, Afrika. Was ich schon bedenklich finde. Denn neben der ca. 100 Gästen an Bord gibt es auch 100 Crew-Mitglieder.
Und die meisten davon arbeiten versteckt unten im Schiffsbauch, oft below Waterline. Ungefähr 80 Prozent davon sind männliche Filipinos, die aus deutscher Sicht schlecht bezahlt werden. Mit einem deutschen Arbeitsvertrag würde das alles gar nicht gehen und nicht erlaubt, also illegal sein – allein die Arbeitsstunden von teilweise 11 Stunden am Tag, und dass es keine freien Tage gibt und alles befristet ist! Undenkbar!
Manche der Filipinos arbeiten täglich in der Wäscherei im Schiffsbauch, andere im Bügelzimmer, wieder andere in der Küche oder verrichten harte körperliche Arbeit oder arbeiten in der sogenannten Crew Mess, in der das Essen für die Crew steht, meist Reis, Eier, Gemüse, Fleisch und Fisch oder was vom Buffet übrig bleibt und nicht weggeschmissen werden muss. Ab 23 Uhr ist Party in der Crew Mess, es wird gespielt, getrunken und gelacht. Internet, Alkohol und Süßigkeiten müssen gekauft werden. Landgänge für sie sind eher selten und kurz.
Die Filipinos habe ich ins Herz geschlossen. Sie arbeiten, ohne sich zu beschweren, lächelnd, freundlich, lustig, sind untereinander eine Familie, loyal. Nur einmal in der Woche dürfen sie an Deck, müssen singen und sich anstarren lassen von den Gästen und dürfen sich zwei alkoholische Getränke an der Bar aussuchen.
Dabei stehen viele unterwürfig und schüchtern auf dem Lido Deck auf den Gängen. Ich war davon sehr irritiert. Da beglotzen Gäste, die pro Tag ca. 1000 Euro hier ausgeben, Arbeiter, die in einem ganzen Monat kaum das erhalten, was Gäste an Bord an einem einzigen Tag ausgeben, und diese Filipinos stehen dennoch und singen fröhlich vor ihnen, als wäre das Leben ein Spaß.
Und sie müssen Seemannslieder singen mit Texten, die teils sexistisch sind. Dies tat mir alles sehr leid. Mich persönlich hat es an moderne Sklaverei erinnert, getarnt in einer großen Farewell-Party. Und die Ausrede, „wir würden damit den Filipinos helfen, denn in ihrem Land würden sie niemals so viel verdienen, damit können sie ihre ganze Familie ernähren“ macht es nur noch schlimmer, finde ich.
Denn sie werden ausgenutzt und sind eben nicht bei ihrer Familie, teilweise jahrelang nicht. Sie verrichten die „Drecksarbeit“, zu denen die wenigsten Deutschen unter diesen Konditionen willig wären und was unter diesen Konditionen in Deutschland sogar illegal wäre – vom Mindestlohn mal ganz abgesehen.
Ich versuchte, das anzusprechen. Mir sagte daraufhin einer, man könne die Sozialkarte nicht ziehen, denn sonst müsse man sich gleich umbringen, „denn jede Hose, die man bei H&M oder sonst wo kauft, wird von einem kleinen armen Mädchen für 10 Cent genäht“. Und während sie das sagen, tragen sie große Shopping-Tüten und weißes Leinen am Körper, haben eine 25 Jahre jüngere Begleitperson am Arm und steigen zurück an Bord, während die Geschiedene zuhause mit 2 Teenager-Töchtern sitzt. Dass sich solche Leute jemals umbringen würden, weil es andere viel schlechter haben, ist so weit entfernt wie der Mars von der Sonne.
Wenige von der Crew haben es besser: alle die, die draußen arbeiten, alle, die auf dem Lido-Deck servieren oder an der Bar oder mit Gästen zu tun haben oder Ausflüge begleiten oder an der Rezeption sitzen – wobei dies alles auch anstrengend ist. Die Gäste dagegen erscheinen wie Götter oder wie unbeholfene Kinder, die rund um die Uhr umtuttelt werden.
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4. November 2025: Unclench your heart. Let your heart relax.
Foto: Lido-Deck Sea Cloud Spirit Segelschiff am Hafen von Valencia
He who does not travel, does not know the value of men – bedeutet: Die Menschen, die nicht reisen, entdecken nicht den Wert von Menschen, wissen nicht, wie es ist, sich selbst der Welt zu zeigen und auszusetzen.
Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich glaube, es stimmt nicht. Menschen, die nicht reisen, gibt es leider genug, aus unterschiedlichen Gründen. Reisen an sich – sogar sehr viel reisen, bedeutet jedoch nicht, den Wert von Menschen zu erkennen. Im Gegenteil. Manche Menschen scheinen mit jeder Reise gleichgültiger zu werden.
Aber insofern würde ich diesem Spruch recht geben, dass Reisen sehr wichtig ist, wenn man mit offenem Herzen durch die Welt pilgert und geht und zulässt, irritiert und geschockt zu sein. Wer nicht mehr irritiert und schockiert ist, der hat verloren, den Wert von Menschen zu erkennen.
Durch die Welt rasen, macht jedenfalls keinen Sinn.
Mahón auf Menorca ist wunderschön. Die Hauptstadt dieser balearischen Insel im Mittelmeer ist völlig anders als die Hauptstadt auf Mallorca, Palma de Mallorca. Mahón oder auch Maó ist klein, zart, ca. 30.000 EW, eine idyllische, gemütliche Kleinstadt mit vielen engen Gassen, Markt und mit einem Naturhafen.
Glücklicherweise blieben wir über Nacht und besuchten am Abend das älteste Opernhaus Spaniens, das sich in Maó befindet: Teatre Principal de Maó von 1829. Heute finden hier hauptsächlich Konzerte statt. Aber es ist ein richtiges Opernhaus mit 3 historischen Emporen und Balkonen, hufeisenförmig, Orchestergraben, großem Samtvorhang und alten Gemälden, kleiner Bühne, ein Kleinod.
Tagsüber bummelten wir durch die vielen Gassen. Ich bestaunte auch die große historische Orgel in der Santa Maria Kirche, die zwischen 1807 und 1810 von dem Schweizer Johann Kyburz erbaut wurde, vier Manuale, 3600 Pfeifen, 197 davon aus Holz.
Im Gegensatz zu Ibiza wohnen hier tatsächlich Spanier, Inselbewohner, die sogar hier geboren wurden. Mit diesen habe ich mich unterhalten. Sie sind nicht begeistert vom Tourismus und leiden darunter, wenn Mammut-Kreuzfahrtschiffe in den Hafen einfahren und die Sicht blockieren.
Menorca ist eine grüne Insel. Fast noch schöner soll die kleine Stadt Ciutadella sein.
Anschließend fuhren wir mit ca. 138 Seemeilen weiter nach Palma.
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3. November 2025: Eine Kapelle diente mir als Künstlerzimmer.
Foto: Klavier Recital Residenz Bad Neuenahr-Ahrweiler 2025
Das Konzert im idyllischen Ahrtal gestern war sehr schön und gut besucht, mein drittes in Bad Neuenahr. Im Saal mit den großen Lichtern steht ein brauner Bechstein-Flügel. Der erste Flügel wurde bei der Flut zerstört. Die 5-Sterne-Residenz im Kurpark könnten Sea Cloud-Kunden sein. Im Haus Villa Sibilla wohnen ca. 160 Bewohnerinnen, es gibt Spa, Parks, Restaurants, Geschäfte und eine Kapelle mit kleiner Orgel. Es kostet zwischen 4000-8000 € pro Monat, hier zu wohnen – ohne Essen, Kultur und Pflege. Ich wohnte in der schönen Gästewohnung. Warmer Klang des Bechsteins, nicht ganz so brillant wie mein extrovertierter Steinway.
Hinterher waren wir lecker essen à la carte im BillasNovelle.
Auf der 5- Sterne- Sea Cloud Spirit habe ich ca. 2 x am Tag gespielt. Spät abends wurde getanzt, und bis der DJ an Bord kam, habe ich etwas Musik aufgelegt, was Spaß gemacht hat. Ich habe natürlich auch getanzt.
Ibiza war mein erstes Mal vor Ort, und man hat ja schon so viel gehört, meist Negatives – umso erstaunter war ich, dass wir hier von einem zerbrechlichen Küsten-Ort sprechen; einem Ort, der vom Tourismus teils für Gier und Geld missbraucht wird.
An sich ist Ibiza Stadt wunderschön, mit alten Kirchen, Stränden, duftenden Pflanzen und Toren, aber von Armut und gleichzeitig von gleichgültigen Menschenmassen durchzogen, und dies direkt neben Souvenir-Shops, Yachten und luxuriösen Miet-Wohnungen, die für die Anwohnerinnen nicht mehr bezahlbar sind und daher im Winter leer stehen, was eine Katastrophe für die Inselbewohner ist. Und der Tourismus wird immer schlimmer.
Im Sommer kommen dann wohl die teuersten DJs – und ein verrückter „Life-Style“ und die Sucht nach Entertainment beginnt. Die Spuren davon waren jetzt im Herbst zu sehen. Ich aß einen Salat im Plaza del Sol und ging nachdenklich zurück aufs Schiff. Dieses hält meist nur wenige Stunden vor Ort, so dass man nur einen kleinen Glimpse bekommt, zwischen den Zeilen lesen muss.
Erschreckendes, undankbares Zitat einiger Gäste an Bord: „Ibiza ist ja eher eine Enttäuschung. Das war ein halber, verschwendeter Tag.“ Was die Blindheit von Tourismus bzw. Kreuzfahrt-Tourismus zeigt.
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Ich sollte noch länger mitfahren auf der Sea Cloud Spirit, aber ich habe wichtige Landkonzerte schon länger ausgemacht, und ich stehe zu meinem Wort.
Daher fahre ich heute nach Bad Neuenahr / Ahrweiler zum Klavierabend anstatt nach Casablanca, Marokko. Aber das macht mir nichts, im Gegenteil. Ich liebe es, in Deutschland zu konzertieren, und ich bin schon so viel gereist, und nach Marokko komme ich auf jeden Fall noch.
Die Sea Cloud Spirit besitzt einen Steinway Baby Grand in der Lounge, kleiner als meiner daheim, an dem ich gespielt habe, und ein Stage Piano auf dem Lido-Deck. Den kleinen Steinway Flügel stimmungsmässig perfekt in shape zu halten auf einem Schiff im Mittelmeer, ist natürlich fast unmöglich.
Das Essen war sehr lecker, besonders frisch zubereiteter Fisch, Muscheln und Fleisch, Wein und Cocktails, aber leider wird auch auf diesem Schiff viel Essen weggeworfen und viel zu viel getrunken.
Es gibt keinen Pool, aber ein Sonnendeck, eine Library, Sauna, Spa, Restaurant, Lift, Lounge mit Flügel, Lido, die Bridge, Krankenzimmer, Rezeption und die Crew-Area im Schiffsbauch. Insgesamt erinnert mich das Leben auf See und seine Hierarchien und Regeln an die Titanic, wo Arm und Reich aufeinander prallen auf engstem Raum.
Meine Kabine war sehr schön, großes Bett, TV, goldenes Bad, 2 große Fenster, die 402 neben der Library. Die besten Kabinen sind jedoch die großen im 3. „Stock“, die einen Balkon besitzen. Wenn ich Tipps zur Kreuzfahrt geben kann: Nehmt eine große Kabine mit Balkon, auch wenn sie die teuerste ist. Man braucht einen Rückzugsort auf einem Schiff. Es ist nicht egal, welche Kabine!
Anfangs hatte ich große Probleme, zu schlafen. Meine erste Nacht war eine windige und die stürmischste auf der Reise. Ich bin ja wie die Prinzessin auf der Erbse und spüre und höre alles. Noch dazu ist die 402 vorne oben.
Der Aufprall des Schiffes auf dem Wasser, das Stöhnen des Holzes in der Kabine bei jedem Aufprall, das unregelmäßige Hin- und Hergeschaukel – mir wurde übel. Bis in die Träume verfolgte mich das Wasser, und ich träumte, dass ich nach unten in das 5000 Meter tiefe Mittelmeer gezogen werde.
Erst die letzten 2 Nächte gewöhnte ich mich und schlief gut, und am besten, wenn das Segelschiff im Hafen lag. Wobei da das Neonlicht des Hafens und das Partylicht der riesigen Monster-Kreuzfahrtschiffe neben uns wie Aida, Tui und Virgin mit ihren 5000 Gästen und das Notlicht der Gänge draußen meine Kabine nie wirklich dunkel werden ließen.
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Erster November 2025: Es gibt eine stadtplanmäßige Frauenunterdrückung in deutschen Städten, der sich wie ein roter Faden durch alle Landkreise zieht und weibliche Namenspatrone für Plätze und Straßen unterdrückt. (nach Barbara Feichtinger)
Foto: Sea Cloud Spirit Segelschiff Kreuzfahrtschiff 2025 by AHS
Heute erinnere ich an Ida von Lüttichau, Künstlerin, 1798.
Ich war einige Tage als Pianistin auf dem neuen Segelschiff Sea Cloud Spirit, Baujahr 2021; wir waren in Spanien, es war sehr interessant. Wir besuchten Málaga in Andalusien, die Picasso-Stadt, wo ich die große Palastanlage und Festung Alcazaba und die Burg Castillo de Gibralfaro besuchte, die hoch oben liegt. Das Wetter war sonnig und warm, ca. 24 Grad. Von der Burg aus konnte ich den schönen Hafen mit unserem Segelschiff und das römische Theater sehen.
Spannend war natürlich auch die Kathedrale, die zu den reichsten in Spanien gehört und über zwei Orgeln verfügt, die 1780 von Julián de la Orden erbaut wurden, phantastisch erhaltene, barocke, große, beinahe identische Zwillings-Orgeln, die gegenüber stehen, mit über 10.000 Pfeifen, 2000/2001 restauriert.
Berühmt sind auch die wunderschönen andalusischen Pferde, ganz besondere Tiere.
Zuvor waren wir in Cartagena, eine Hafenstadt, in der es leckere Tapas gab, wo wir das römische Theater besuchten und durch die Altstadt bei mildem Sonnenwetter bummelten und spanischen Wein tranken. Berühmt ist hier der Likör 43.
Leider sind alle diese schönen Orte selbst im Herbst vom Massen-Tourismus heimgesucht. Ich dachte, Corona hätte die Kreuzfahrtindustrie eingedämmt; da habe ich mich getäuscht.
Zuvor besuchten wir Valencia, wo ich schon mal eine Woche war, allerdings hauptsächlich am Strand und zum Aufnehmen meiner ersten Orgel-CD. Diesmal waren wir in der Altstadt, in der neuen Stadt, in den Markthallen mit Fisch, Muscheln, Obst, spanischem Schinken – und im wunderschönen Flussbett-Park, im Jardín del Turia (Turia-Garten), und den durchquerten wir mit den Fahrrädern bei schönstem Wetter. Valencia ist eine große, reiche Stadt, die sich immer mehr mausert. Der gesamte Park im Flussbett erinnert mich an eine Campus-Anlage der USA, an meine Zeit in Arizona an der ASU, an der ich 2 Jahre Klavier studierte – exotisch, grün, sauber, duftend und von Palmen gekrönt. Lecker ist hier die Paella mit Meeresfrüchten oder Fleisch.
Besonders faszinierend ist El Oceanográfico, das Ozeaneum, Teil der Ciudad de las Artes y de las Ciencias; sie befindet sich ebenfalls im trockengelegten Flussbett des Turia im Osten der Stadt. Das Aquarium wurde vom Architekten Félix Candela (1910–1997) und den Ingenieuren Alberto Domingo und Carlos Lázaro gebaut. Das ganze Areal wirkt neu, futuristisch, funkelnd im Sonnenlicht, und auch das Opernhaus ist eine Augenweide – ein riesiger römischer Helm.
Der Hafen in Valencia liegt übrigens 6 km vom Zentrum entfernt. Wir fuhren mit dem Taxi in die Stadt.
Mir gefiel auch davor Ibiza, Palma, Palamos und Isla del Rey und Mahon in Menorca. Ingesamt sind alle diese Orte zarte, zerbrechliche Küstenorte, teilweise arm, die vom Massentourismus attackiert werden, besonders im Sommer. In Madrid war ich leider bisher noch nie.
Die Sea Cloud Spirit ist ein sehr elegantes Segelschiff mit weißen Segeln, voll Holz und für eine exklusive Gruppe um die 100 Gäste geplant, die für ca. 6000- 8000 Euro pro Person und pro Woche unterwegs sind.
Diese Fotos haben wir von Booten rings um das Schiff in offener See gemacht.
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