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Politische Kunst

Es ist erstaunlich, wie politisch Kunst in seinem Wesen ist, wobei mir das Wort politisch nicht gefällt, es müsste ein anderes Wort sein, geschichtlich vielleicht. Wie sonst könnte ein rothaariges, rebellisches Mädchen wie Pippi Långstrump in einer Zeit von 1945 weltweit so berühmt werden, in einer Zeit des Elends und Machtmissbrauchs in Europa? Und automatisch wird eine Künstlerin auch ein Gesamtkunstwerk, wie man an Astrid Lindgrens Leben sehen kann, zum Beispiel der „Skandal“ mit ihrem unehelichen Sohn Lasse. Dies hat sicher sehr dazu beigetragen zu den Inhalten ihrer Kinderbücher.

Es lässt sich dennoch nicht, wie es Musikpädagogen oder Musikwissenschaftler versuchen, kontrollieren, herausfinden, wie ein Welle rollt oder eine Bombe einschlägt in der Kunst. Der neugestartete kleine Verlag Rabén & Sjögren konnte nicht wissen, was für eine Erfolgswelle er starten würden mit dem Risiko Pippi Långstrump.

In Schwedisch ist es natürlich noch mal etwas anderes, sich öffentlich frei über seine Gedanken zu äußern.

Sprache ist für mich so ein wichtiges Mittel. Ich fühle mich hilflos ohne. Das Film-Festival hier zeigt viele internationale Filme, auch schwedische, darauf freue ich mich. Bisher habe ich israelische, spanische, zwei finnische und türkische Filme gesehen auf dem Festival. Mir fiel auf, dass alle Filme, die ich gesehen habe, eine Suche nach Gott waren, je atheistischer, desto suchender. Ich glaube, ich habe nun endlich den objektiven Maßstab für Kunst gefunden: sie besteht aus vier Themen: Kreativität, Liebe, Unsterblichkeit und Gott. Ich glaube, Kunst ist eine Person, man kann sie kennen lernen. Man kann sie nicht erwissenschaften.

Nächste Woche werde ich mit Michael Ende proben, ich bin gespannt auf Duo E-Bass und Klavier.

27. Januar 2010

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Ballett

Im Ballett Schwanensee in der Meistersingerhalle Nürnberg gestern, das Russische Staatsballett — und bin enttäuscht. Erstens kam die Musik vom Band, von den Lautsprechern. Da entstand keine Atmosphäre. Außerdem waren die Lautsprecher so schlecht eingestellt, kein Dolby Surround, es hätten zumindest noch Boxen hinter uns angebracht werden müssen, so säuselte die Musik leise und quäkend oberflächlich in den großen Saal. Für mich aber ist die Musik bei Schwanensee das Wichtigste, dann erst kommt das Ballett. Tschaikowksy und ein großes Orchester schaffen erst einmal die Atmosphäre und den Rahmen. Durch die leise CD-Musik hörte man das Klappern der Schuhe der Tänzer, alles wirkte so leicht, so geübt, so gehüpft. Noch dazu war die CD-Aufnahme nicht das, was ich von Qualität her kenne. Ich weiß nicht, welches Orchester da auf Band war, aber ich kenne Schwanensee viel schneller, viel leidenschaftlicher gespielt. So waren die Tempi für mich auch viel zu langsam. Ich dachte, ich sitze in einer Übung ohne Schwere, ohne Gewicht, ohne Tiefe. Die Professionalität der Tänzer war groß und fast kalt, dass ich kein Gefühl, keine Füße und Hitze mehr spüren konnte. Da die Karten teuer waren, war das Publikum eher das biedere. Da trifft dann das große Professionelle auf das große Biedere, wegen dem Geld. (Für große Rockkonzerte wird ja auch sehr viel ausgegeben.) Als Kind hörte ich Schwanensee und träumte die Geschichte dazu. Nichts wird für mich je wieder so schön gespielt und erträumt werden wie das, was ich gehört habe als Kind, als die Erinnerung daran, ich kann das nicht mehr finden im Vergleich als Erwachsene. Ich musste weinen bei Tschaikowksy als Kind. Und jetzt, gestern, wäre ich fast eingeschlafen. Es war nett, es war gut, aber es war auch so nichtssagend.

Die Meistersingerhalle habe ich oft besucht, als ich ein Kind war, da wir ein Abo hatten, ich war mindestens einmal im Monat dort im Orchesterkonzert, und die Halle war so groß und leuchtend, und jetzt war selbst die Halle fast renovierungsbedürftig und klein. Es gab auch kein Eis mit heißen Himbeeren mehr in der Pause, sondern nur Brezeln und Bier. Aber natürlich fiel mir das nur am Rande auf.

Insgesamt dachte ich, hm, irgendwie kann das nicht alles gewesen sein, Kunst ist für mich mehr, viel mehr. Es kam mir vor, als wäre der Konzertsaal lechzend nach Kunst.

25. Januar 2010

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CVJM Traumschiff

Sonne. Meer.

 

Heute ist mir wieder ein Engel in Form eines Menschen begegnet. Manchmal kommt es mir vor, als wäre es immer derselbe, nur wechselt er das Gesicht. Er sagte, ich soll an die Leidenschaft der Rotgerüsteten (einer meiner Romanfiguren) denken, nicht an Berühmtheit. Ich sei eine Künstlerin. Gerade vor dem aktiv Künstlerischen scheue ich mich. Mit weiblich und rot und gerüstet verbindet man Ekstase, Pompöses, Gewaltiges. Das ist mir irgendwie nicht so recht. Vielleicht sollte ich doch eine Goldgerüstete werden? Er sagte, nein, mit rotgerüstet verbindet er zum Beispiel We will rock You in Wembley vor einer halben Million Menschen. Ich weiß nicht. Ich mag Queen. Aber …

Jürgen Werth hatte mich heute als ‘Predigtthema’ auf dem Traumschiff. Wenn ich meine eigenen Lieder spiele, habe ich das Gefühl, ich ‘füttere’ die Leute, sie bekommen zu essen. Ich ahne, dass ich ein Transportmittel bin. Aber eben nicht nur. Ich bin auch eine Frau. Und seltsam, es verändert sich so viel in mir. Ich erkenne mich gar nicht wieder manchmal. Aber ich spüre immer noch so viel, von dem andere gar nicht wissen, dass es da ist. Das Verändern passiert, ich habe wirklich keinen exakten Einfluss darauf, und doch, habe ich.

Es ist schön, zu sehen, wie die kleinen Vierjährigen im Schülerkonzert ohne Angst und gemütlich von hinten auf den Klavierhocker krabbeln und es ganz geniessen, gesehen zu werden. Nächstes Jahr spielen sie bei Jugend musiziert.

Für mich war Schwedisch früher an der Uni eine Doppelbelastung, da sie doch manchmal Fremdsprache war, auf hohem Niveau. Trotzdem machte es mir viel Spaß (Meine erste Uni-Note in Schwedisch war eine 1,7. Der Fördjupningskurs ist Level B2. Der höchste Level ist hier C2.).

23. Januar 2010

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Rotgerüstet und goldgerüstet

Als mich Jürgen Werth anrief, sagte er: Hallo, ist da die Rotgerüstete? Das freute mich. Er sagte, mein Roman wird mal eine große Hilfe für andere sein. Die Granitmänner kennt jeder aus der Kirche, schätze ich.

Jürgen Werth schrieb mir, ich sei jung mit einer alten Seele. Genauso fühle ich mich, allerdings mit einem Herzen wie ein Kind. Ich habe ein Herz für Künstler in der Kirche. Meine Lieblingsgeschichte aus der Bibel ist die von Mose. Ich frage mich, wie ich als introvertierte Schreibende ein extrovertierter Bühnenmensch sei kann.

Manchmal vertausche ich die Rollen.

Gesamtkunstwerk und Schloss

Es kostet mich manchmal Kraft, ein Gesamtkunstwerk zu sein. Schreibe ich an meinem Roman, verändere ich mich, oder besser, so wie ich mich verändere, so verändert sich mein Schreiben, ganz konkret der Roman. Einige sagen, ich hätte einen ähnlichen Stil wie Herta Müller.

Das Homburger Schloss ist sehr schön; es erinnert mich an unser kleines Schloss, in dem meine Familie und ich in Röthenbach an der Pegnitz gewohnt haben, den Brunnen, die Böden und Türen und Klinken. Die Atmosphäre von Burgen und Schlössern mag ich sehr, den Geruch der Türme. Ob ich wieder in einem Schloss wohnen wollen würde, ist eine andere Frage.

Die Instrumente des Schlosses sind hochinteressant. Am besten gefiel mir das dunkelrote Clavichord in dem kleinen Gästezimmer, in dem ich übernachtete. Wieviel Kraft und Klang in einem solchen und alten Instrument steckt! Die Pedale an dem Hammerflügel im Saal gebraucht man mit den Knien, was für mich natürlich eine Umstellung ist, vor allem, da sie überkreuzt empfunden werden, das heißt, die Dämpfung ist rechts.

Der Flügel ist perfekt für Beethoven, Haydn und Schubert. Ein Clavichord in der Sammlung soll Mozart gespielt haben. 

Die Konzerte kommen in die Endphase, ich übe teilweise 5-6 Stunden am Tag, das ist sehr anstrengend, alles Bach, alles auswendig, zwischendurch meine Lieder. 

Lyrische Bilder

Meine lyrischen Bilder und meine Malerei seien wunderschön, ein gigantisches Feuerwerk, aber Menschen würden noch draußen stehen, nicht wirklich verstehen, sagten mir heute Veranstalter und Publikum. Ich komme mir noch vor, als würde ich unter einem Schleier schreiben: Der lyrische Schlüssel bin ich, doch ich kenne ihn, mich selbst noch nicht gut genug. Das Erstaunliche ist, dass ich gerade von diesem Schlüssel schreibe in meinem Roman. Alles ist so eng verwoben, als würden so viele Teile meines Lebens verwoben sein. Allerdings manches passt so überhaupt nicht hinein und scheint so sinnlos zu sein. Ich liebe es, wenn jemand schreiben kann, weise, mutig, Dinge auf den Punkt bringend, verborgen und prophetisch. Es gibt kaum etwas Schöneres. Das kann man auch nicht studieren. Die meisten großen Schriftsteller haben etwas ganz anderes studiert, wenn sie studiert haben.

20. Januar 2010

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Kreativ

Die Filme von Andrei Tarkovsky sind kunstvoll, sie sind für mich eine Mischung aus Italien, Russland, Musik, Gedicht. Das Treffen der Traumschiff-Crew im Nürnberger CVJM am Kornmarkt war sehr schön. Ich freue mich sehr, meine Gaben einzubringen und die anderen besser kennen zu lernen, auch Jürgen Werth, der bei der Vorbesprechung nicht dabei war. Obwohl es in der christlichen Welt sehr von Frauen wimmelt, sitzen in den obersten Gremien und dort, wo kreativ und beeinflussend entschieden wird, hauptsächlich Männer, das macht mich traurig. Wenn es Frauen sind, haben sie oft die Aufgabe einer Sekretärin, einer Diener, einer Organisatorin.

Es fällt mir immer mehr auf, dass ich, egal, wo ich bin, oft die einzige kreative junge Frau bin, die mit entscheiden möchte. Warum ist das so? Es ist auch nicht leicht für mich als Frau, mir Gehör zu verschaffen und mich durchzusetzen, daher bin ich vielleicht manchmal auch zu stark oder auch zu schwach, je nachdem. Was mir oft passiert, ist, dass mich Männer necken, mich prüfen, mit mir flirten oder unbewusst versuchen, meine Autorität zu testen oder auch zu untergraben oder auszubremsen — vielleicht unbewusst. Ich freue mich auf den Kontinent Afrika in den Osterferien. Wahrscheinlich werde ich meine Hängematte mitnehmen und mich an Deck legen nachts.

Geschichte, Zeit, Schweden

Meine letzte Schwedisch-Klausur fällt genau in die Zeit, in der ich in Stockholm bin. Nun muss ich alleine nachschreiben Ende Februar, dann: Akademisches Arbeiten und Schwedische Literatur.
Heute habe ich gehört, dass ich eine Art Synästhetikerin sei, das heißt, ich kann verschiedene Sinnesebenen koppeln und mischen, konkret: Wort, Ton und Farbe. Das kann auch sehr belastend sein und anstrengend. Ich merke zum Beispiel, dass die Kreativität nicht als Muse kommt bei mir, sondern fordernd. Ich übe, und plötzlich weiß ich das poetische Bild zu einem Gedanken. Ich laufe dann oft zwischen Flügel und Laptop hin und her und kann nach zwei Stunden ins Bett gehen, so müde bin ich, was ich nicht tue. Ich habe Angst vor meiner Kreativität.

Ich habe auch in Kombination von Musik ganz klare Erkenntnisse und ein Wissen über Dinge, als würde mir die Musik das konkret als Schriftzug sagen, was in der Luft liegt. So auch mit Farben und Bilder, nicht ganz so ausgeprägt, da ich es nicht so häufig tue. Meine Antennen sind immer ausgefahren, was mich viel Kraft kostet. Ich muss erstmal lange erklären, warum ich was wie sage. Aber es gibt auch Leute, die sagen, dass das eine Gabe ist, eine Hochbegabung.

Vernunft ist eine kostbare Gabe. Vernunft kommt von Vernehmen. Von Hören. Sprachlich sein.
Heute badete ich mit einem Duschherzen; ich wollte die rote Flüssigkeit aus der Öffnung drücken, was natürlich nicht ging, aber plötzlich bekam das große Herz einen Riss mittendurch und die komplette rote Creme war in meinem Gesicht und an den Kacheln und überall auf mir. Irgendwie fand ich das sehr symbolisch und schön.

Gefüge

Ich freue mich auf den Suezkanal, Port Said, Luxor, Korinth.

Schlagzeug macht sehr viel Spaß, in kann meine Energie verwandeln in Rhythmus. Manchmal kann ich bei Bernd Kremling üben. Ich bewege mich manchmal mit Leidenschaft außerhalb der Klassik. Zur Zeit höre ich wieder sehr gerne Björk, die isländische Künstlerin, sie ist eine besondere Persönlichkeit und Komponistin.

Nordhelle

Es war eine seltsame Erfahrung, im ‘Elefantentreffen’ (Leitertreffen) von Nordhelle dabei gewesen zu sein. Die Elefanten tragen Verantwortung. Einer sagte, ich wäre ihm vorgekommen wie ein Flamingo, bunt und künstlerisch. Aber ein Flamingo trägt anders, kommt dahin, wo ein Elefant nicht hinkommt, er ist schön, sensibel, kann schwimmen und fliegen, er ist nicht so träge wie ein Elefant. Dennoch bin ich oft sprachlos und entsetzt über den ‘Wald an Männern’, den ich vorfinde, kaum eine Frau.

Spannend fand ich den Persönlichkeitstest für Künstler, und ich bin ENFP, das ist extrovertierte Intuition mit introvertiertem Fühlen (manchmal introvertiertem Denken, das ist dann ENTP). Ich war da etwas hin- und her gerissen zwischen beiden Typen. Der Test hieß MBTI. Die ENFPs oder ENTPs sind schlau, kreativ, phantasievoll, energiegeladen, spontan, begeistert, bestimmend, hinterfragend und neugierig — und normalerweise kooperativ, freundlich, warm und unterstützend. Werden sie aber verletzt, können sie rebellisch, übermäßig nonkonformistisch und frustriert werden. Na, das ist doch erstaunlich. Es gäbe viele berühmte ENFPs und ENTPs. Sie müssen lernen, Intuition, Denken und Fühlen besonders zu entwickeln. Ich kann leider nicht wirklich sagen, ob ich eine Denkerin oder eine Fühlerin bin. Ich bin eine Kämpferin und clever, das spricht wohl für den Denker, aber so viele Dinge treffen ganz klar auf den Fühlmenschen bei mir. Jetzt ist die Frage, wer ich im Kern bin und was antrainiert wurde. Der Denker ist scharfsinnig und kann gut mit Worten umgehen, bei mir ist das Analytische vom Gefühl geprägt. Wenn ich aber darüber nachdenke, bin ich aber wahrscheinlich doch tatsächlich eher der ENTP, der Denker. Daher sind Gefühle für mich oft doch ziemlicher Stress. Manchmal bin ich eindeutig ENFP, der Herzmensch, ich treffe Entscheidungen mit dem Herzen.

Nun fällt mein Geburtstag am 14.2. mitten in das Rad-Treffen. Naja, es ist Sonntag, es ist Fasching, es ist Valentinstag, es ist das Rad. Zwei Tage vor meinem Geburtstag erscheint die neue klassische CD PianoLyrik bei cap-music. Am 16. Januar ist erst mal das CVJM Treffen für die Kreuzfahrt, anschliessend bin ich bei Jonny und seiner Familie in Nürnberg. Ich war noch nie bei der Planung einer Schifffahrt dabei. Hoffentlich werde ich nicht seekrank. Ich kenne bisher nur die Fähren über die Ostsee, in Deutschland und Skandinavien, und die Fähre nach Griechenland. Ich mag Schiffe sehr. Mein Vater spielte regelmäßig auf der MS Europa.