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Tur Blogg

07. Januar 2010

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Stockholm

Nach dem Konzert heute kam ein älterer Herr auf mich zu. Er erzählte mir, dass er mit seiner Frau schon zehnmal in Verona gewesen wäre, auf Opernreise, und plötzlich fing er an zu weinen und sagte, seine Frau sei vor zehn Jahren tödlich in seinem Haus verunglückt. Sie war auf dem Marmorboden ausgerutscht und mit dem Kopf gegen eine Truhe gefallen. Als er sie fand, war sie bereits im Koma. Ich war so tief erschüttert und berührt von seiner Art, vor mir seine Gefühle zu zeigen, sein zerbrochenes Herz. Die meisten Männer heiraten sofort wieder, kaum ist die Frau gestorben, manche noch im selben Jahr, weil sie nicht allein sein können. Und da ist ein Mann, der in einer ganz kontrollierten Art und doch ohnmächtig und ohne Bitterkeit Gefühle gezeigt hat. Ich dachte mir, diese Welt ist schwer. Und Flo mit zerschmetterten Beinen von einem Motorradunfall. Aber er ist eine so starke Persönlichkeit. Er war mal zwei Meter groß. Seine Hände sind schier fünfmal so groß wie meine. Auch im Rollstuhl könnte er mich zerquetschen. Sein Lächeln und seine Augen sind voller Freundschaft und Zuversicht. Nach so einer Not überhaupt so schauen zu können.

Freue mich auf Schweden. Das viele verschiedene Wasser um Schweden und auch um Stockholm herum mit den vielen Inseln sind, finde ich einfach köstlich. Da ist die Östersjön, sind die Mälaren. Wir besuchen Riddarholmen, Skansen, Skärgården, die Hochschule für Musik. Das Häuschen meiner Verwandtschaft liegt am Skagerack Meer, dann gibt es das Wasser am Öresund, und Umeå liegt am Bottenhavet, und auf der anderen Seite liegt das Bottniska Viken. Da oben ist dann schon wieder Norwegen.

Heute geht es Richtung Köln zum Musikertreffen. Die Musikerwelt ist manchmal eine kleine Mafia.

Hohenroth

Das Konzert in Hohenroth bei Gemünden/ Würzburg war sehr gut besucht, über 250 Leute. Davor kam meine neue CD per Paketservice an, sie sieht wunderschön aus, wie Seide, in einem riesigen Paket, ich habe es mit einer Freundin aufgeschnitten, fuhr dann zum Konzert, die erste 25-Box ging schon direkt vor dem Konzert weg. Das Künstlerzimmer war eine Art Kostümzimmer mit alten, schönen Theaterkleidern. Es war nicht unanstrengend, klassische Musik mit eigenen Liedern zu mischen zwischendurch. Ich hatte ein Mikrofron an meinen Rock angeklickt, das in einer Schnur nach vorne ging, und hatte als Kleidung eine Art Damenfrack gewählt, den ich in Rumänien gekauft habe. Es gefällt mir sehr, in einer Art Mantel zu spielen. Ich hatte heute 900 clicks auf youtube; bin erst seit gestern dort aktiv.

Mittsommer. Midsommar

Vielleicht bin ich Mittsommer in Schweden bei meiner Tante. Es gibt das schwedische Spiel Brännboll und darin sogar Meisterschaften, das wäre mal ein Teamspiel für mich, da man dort nicht auf seine Hände aufpassen, sondern einfach nur schnell und rhythmisch laufen können muss. In so was bin ich gut, auch in Völkerball, aber das spielt ja leider keiner mehr, aber da gewinne ich immer mit meinem Team, keiner schafft es, mich abzuschiessen :-). Nach dem RAD treffe ich mich in Berlin mit Donata Wenders, sie macht Kunst in Fotos und schöne Fotos von mir.

Osnabrück

Ich freue mich, meine Verwandtschaft väterlicherseits in Osnabrück zu besuchen. Ich spiele dort und unterrichte. Gabi schreibt auch Lyrik. Sie hat mich in ihr Literatur-Radioprogramm eingeladen. Es wird wohl ein intensives ZwanzigZehn.

Ich freue mich darauf, in den Osterferien die Pyramiden und Kairo zu sehen. Wir baden zuvor einige Tage im Roten Meer, da war ich schon mal, in einer anderen Ecke, in Eilat, an der israelischen Küste. Nun ist es das Rote Meer in Hurghada, Ägypten. Ich freue mich auf mein schwedisches Gesangbuch, das ich geschenkt bekommen habe.

Manchmal, wenn ich zuhause übe oder schreibe (meistens beides gleichzeitig), komme ich mir vor wie unter einer Art Glocke, einer künstlerischen Glocke, einer positiven Zauberzone, als wäre die Luft anders. Es war für mich nicht leicht, künstlerisch tätig zu sein, ohne mich eingesperrt zu fühlen. Erst wenn ich locker lassen, spüre ich, wie sich dieser Widerwille für Verantwortung, Kunst, Disziplin und auch gegen Leitung in irgendeiner Art legt. Eigentlich leite ich sehr gern. Noch immer ist es für mich emotional, meine Verwandtschaft nach 15 Jahren kennen zu lernen, manche habe ich noch nie gesehen. Und plötzlich so viel Kontakt. Da spüre ich bereits eine große Verantwortung. Überhaupt spüre ich das überall. Und wenn ich nur eine Taste berühre. Ich möchte mit meinem ganzen Leben ein Zeugnis sein. Wenn ich gegen den Widerwillen, was Leitung angeht, ankämpfe, hilft das nicht, sondern erst wenn ich mich entspanne. Niemand kann seine Berufung bekämpfen. Es ist für mich wichtig und gesund, kreativ zu sein. Es ist eine ganz andere Art, wenn man in Freiheit und Entspannung kreativ ist.

03. Januar 2010

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Fürth

Die Altstadt von Fürth ist urig, vor allem im Schnee. Ich bin erstaunt, wie sehr sich Fürth gemausert hat, vor allem für mich als Nürnberger Kind. Früher war Fürth für uns nur ein kleiner Vorort von Nürnberg gewesen, aber eigentlich ist Fürth fast so groß wie Würzburg. Es war seltsam und schön, in einer verrauchten Kneipe Beethoven und Worship zu spielen und von seinem Leben zu erzählen. Es kamen immer mehr Leute dazu, vor allem, als das Stage Piano bei Chopin beinahe umfiel. Zuerst hatte ich Probleme mit dem Pedal: es funktionierte genau umgekehrt und beruhigte sich erst, als ich erst einmal den Stecker zog. Es kamen viele interessante Fragen. Aber es ist anstrengend für mich, aus meinem Leben zu erzählen, es sind für mich noch so viele Fragen offen.

Auch die Chefin der Kaffeebohne kam dazu, sie hatte an dem Tag Geburtstag. Die evangelische Allianz oder überhaupt die evangelische Landeskirche ist sehr aktiv in Fürth in Zusammenarbeit mit den Freikirchen und sogar der katholischen Kirche, ich bin begeistert, wie fit alle sind, vor allem die Frauen. Sie haben Kontakte zu den Kneipenbesitzern und möchten 20.000 Jugendliche erreichen: so viele Jugendliche sind in ganz Fürth. Jeden Monat kommen nun Redner in die verschiedensten Kneipen, zum Beispiel in den Blauen Affen im März, da spricht der Oberbürgermeister und dann ein Polizeichef über junge Menschen in Verantwortung.
Diese Woche habe ich nun noch einige Konzerte und muss vor-unterrichten, da ich nächste Woche in Schweden spiele.

Konzerte und Schnee im Schwarzwald

Das Konzert ist sehr gut gelaufen, der Moderator hielt ein Interview mit mir zwischendurch und danach. Das war nicht geplant, aber spannend.

Ich hatte die Sauna am nächsten Tag nach dem Konzert im Schwarzwald ganz für mich allein; man konnte auf das Dach der Anlage gehen, das ganz in Sonne und Schnee lag. Ich nahm Schnee mit in die Sauna. Der Bademeister kam extra, um nur für mich einen Aufguss zu machen. Im Schwarzwald hat es wiederum auch sehr geschneit.

Ich war recht spät dran, und so vergass ich, das Auto in die Tiefgarage des Hotels zu stellen. Als ich heute losfahren wollte, waren Schnee und Regen dick angeeist, Eisstangen, Eiszapfen hingen von meinem Auto, so etwas habe ich noch nie erlebt. Zuerst sagten ein paar Jungs zu mir, sie würden das Auto für mich freikratzen. Ich dachte, ach, das werde ich wohl alleine schaffen. Als ich zwei Stunden später losfahren wollte, merkte ich, dass ich es nicht schaffen würde. Also halfen mir einige Gäste, die stark waren. In der Zeit, in der ich ein kleines Loch in das Seitenfenster mit Mühe gekratzt hatte, hatte einer fast die ganze Frontscheibe freigekratzt.

Dazu hatte er seinen Kratzer aus dem Auto geholt, der Welten besser war als meiner. Der Bademeister sagte, nun würde mein Beetle mal einen richtigen Winter erleben. Er schenkte mir einen kleinen Besen für die Schneemassen auf dem Autodach. Es war lustig, zusammen am Projekt Auto zu kratzen, während ein tief hängender, orangener Vollmond auf uns niederschien. Als ich losfuhr, begann es erneut zu schneien. Die Nachrichten sagten, man solle nicht fahren, überall 35 km Stau, man solle sich eine Übernachtung suchen. Ich wollte aber nach hause und nicht noch eine Nacht im Wellnesshotel bleiben, so schön es dort ist im verschneiten Schwarzwald mit Thermalbad und Mineralbad, mit Massage und Sauna und Wassergymnastik — aber die Strecke, die ich fuhr, war komplett frei. Ich kam sehr gut durch und sah vor mir stets den tief hängen orangenen riesigen Mond, der fast Adern hatte, so etwas Wunderschönes, ich dachte, ich träume, während ich durch den Winterwald fuhr. Ich kann dann nur eines denken: Wie wunderschön ist der Künstler dieses Mondes. Er hat ein Auge auf mich.

Ich freue mich, bald wieder nach Schweden zu fliegen. Meine Tante Mia (min moster = Tante) und meine Cousinen haben ein Sommarstuga in Falkenberg in Halland, in einem Badeort an der Westküste. Ich freue mich darauf, das zu sehen. Die meisten Schweden haben ein Sommerhäuschen, glaube ich.

Meine Tochter würde ich gern Björna nennen, die Bärin. Aber den Namen gibt es nicht. Stockholm ist so wunderschön, auch im tiefsten Winter. Der Mälaren ist ein See vor Stockholm, der eigentlich zur Ostsee dazugehört. Wenn man in Stockholm ist, denkt man, man ist in New York wegen den hohen Gebäuden und dem Meer. Ich stand am Meer, am Ufer, mitten in der Stadt im Schnee, umgeben von Inseln. Gamla Stan ist wie ein kleines Venedig, eine Insel. Die Schiffe legen an, Schwäne auf dem Wasser, Gänse in der Luft, als ich da stand, Wildgänse flogen über Schweden, fehlte nur noch Nils Holgersson. Die Stadt ist so gut erhalten, die Gässchen und Stadtteile und Inseln und Brücken und vielen hohen Kirchen, ein pittoreskes, edles Labyrinth. Erstaunlich, dass selbst Stadtteile Inseln sind!

01. Januar 2010

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Gesegnetes Neues Jahr 2010!

Vollmond, Lichtwolken, 2010, Gedichte, Sekt-Energizer, Stille auf dem Berg, doch ich muss heute noch arbeiten, Neujahrskonzert Schwarzwald.

“Es gibt etwas viel Wichtigeres als einen Menschen, der den Mond betritt — Gott betrat diese Erde.” (Mond-Astronaut James Erwin)

30. Dezember 2009

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Jönköping

Es hat geklappt an meinem letzten Tag in Schweden 2009, wir konnten nach Jönköping fahren, um meine Verwandten zu besuchen. Es schneite nicht mehr in der Nacht. Wir fuhren an den weiten Golfplätzen, dem kleinen Omberg und Skihügeln vorbei von Östergötland nach Småland, an Gränna vorbei, wo es die leckeren, zähnezerbrechenden rot-weißen, süßen Lutschstangen namens Polkagris (eigentlich ‚Polkaschweinchen’) gibt. Als der Vätternsee nach der winzigen Insel Visingsö schmaler wurde Richtung Jonköping/ Huskvarna, konnte ich auf die andere Seite sehen, nach Västergötland. Wir fuhren an den Ruinen vorbei, am Brahehus. Nun bin ich wieder zuhause nach einem langen Reisetag. Es regnet hier in Strömen, ich vermisse die weiße Schneewelt, es war so schön, weiße Weihnachten. In Umeå soll es nun bei Hanna minus 28 Grad sein.

Dagegen ist es warm in Deutschland. Wir fuhren also am Montag gegen 8 Uhr nach Linköping, an Gamla Linköping vorbei, tranken Kaffee in dieser schönen kleinen Großstadt, die trotz der identischen Einwohnerzahl mit Würzburg tatsächlich eine Großstadt ist, nicht nur in schwedischer Hinsicht (die fünfgrößte Stadt Schwedens), denn es kommt auf Stil und nicht nur auf Größe an. Schweden ist ja nun größer als Deutschland und hat tatsächlich nur knapp 9 Millionen Einwohner, während Deutschland über 80 Millionen Menschen beherbergt. Daher sind das Zugnetz und die Verbindungen zwischen den schwedischen Orten nicht so gut und schnell. Filme werden nicht synchronisiert, aber dadurch sprechen viele Schweden sehr gut Englisch und Deutsch.

Schweden erinnert mich sehr an Amerika. Es sind ja auch viele Schweden Anfang des Jahrhunderts nach USA ausgewandert, als Schweden arm war, haben diesen Stil geprägt, der jetzt nun überall in den USA zu finden ist — und dies finde ich auch in Schweden: diese Weite und den Stil der Villen und die Freiheit der Kleiderwahl und den lockeren, künstlerischen Kleiderstil und die Shopping Malls und die Inneneinrichtungen, all das ist wie in Amerika. Sehr gefällt mir das Geschäft Åhléns, und es ist lustig, Lidl und Media Markt in Schweden zu finden. H&M wird ‘HoEm’ gesprochen, da das schwedische H Ho im Alphabet heisst, und das ‚und‘ wird nicht gesprochen, also ‘Ho-Em’. Der weiße, schwedische Regionalzug fuhr Richtung Uppsala und Gävle an Norrköping und Nyköping und Södertälje vorbei nach Stockholm Arlanda, und mein Gepäck mit den Weihnachtsgeschenken und meinen Einkäufen beim schwedischen REA (= Sale) türmte sich im übervollen Zug bis zur Decke.

In Jönköping besuchte ich einen Teil meiner schwedischen Verwandtschaft, meinen Onkel, meine Tante, meine Cousinen. Man spürt sofort in der Luft, wenn man verwandt ist, und mein Onkel ist ein so attraktiver Mann. Am schönsten aber war es, meine Cousinen wiederzusehen. Sie und Tante Mia wohnen schön, oben am Berg, und haben eine tolle Aussicht über Jonköping und Huskvarna und den Vättern, den großen See. Auch das Haus meiner verstorbenen Oma in der Lundgatan sah ich, es steht zum Verkauf. Als ich klein war, kam mir das alles so riesig vor. Es war sehr emotional alles für mich, ich musste das erst verarbeiten. Alle waren zuhause, alles war wie geplant, und wir fanden die Adressen leicht. Aber meinen Cousin Konrad habe ich nicht gesehen, auch Tante Elisabeth nicht, da haben wir noch nicht geforscht. Im Sommer muss alles ganz anders aussehen, ich freue mich darauf. Ich habe einen katholischen Gottesdienst in Schweden besucht, da die Freikirchen am Sonntag nach Weihnachten nicht auf hatten. Allmählich höre ich die unterschiedlichen schwedische Dialekte heraus. Hätte ich kein Schwedisch gelernt, hätte ich mit meinen Verwandten gar nicht sprechen können.

Sie waren ganz erstaunt, wie gut ich spreche. In Motala habe ich Avatar gesehen, mein erstes Kino in Schweden, ein wirklich schöner Film, ich musste weinen. Ich sehe immer das Evangelium, egal, was ich sehe. Der Busfahrer war aus Bulgarien und erzählte mir von seiner Zeit, 13 Jahre nun, als Ausländer im Schweden. Er mochte mich und schenkte mir tur och retur die Busfahrkarte. Würde so etwas in Deutschland passieren? Als Hanna und ich mit dem Bus das erste Mal durch Östergotland fuhren mit den Östgotatrafiken, schneite es so sehr, dass der Busfahrer immer wieder anhielt und das Eis von den Scheibenwischern wegschlagen musste. Ich bewunderte seine Geduld. Insgesamt lag an vielen Stellen über einen Meter Schnee. Ich hätte drin baden können.

Kulturchock

När jag studerade på Arizona State University i Phoenix, var min första tid mer ‘romantisk’, äventyrlig och likt ett paradis som europeisk pianist. Först efter ett halvt år förändrades mina tankar så, att jag lät landet USA och den annorlunda, främmande kontinenten med kraft störta in på mig. Jag skulle vilja säga att först efter ett halvår har ett land riktigt kommit dig in på livet. För första gången retade jag mig på människornas uppförande, jag var nästan allergisk mot språket och ville hem. Det är inte bara det främmande språket som utlöser kulturchocken, utan också tankarna bakom kulturen och bakom varje språk som förvirrar när man är utomlands.
Att tänka kan vara mycket annorlunda och mäktigt eftersom det präglar humor, emotioner och därmed ett lands mentalitet. Kommunikation, känslor och en nations värden och inställningar, allt detta utgör tankarna bakom ett språk. Att lära sig ett språk betyder för mig också att känna ett språk. Det tyska språket är mycket säreget och speciellt. Det är inte lätt att ta avsked från det lite grand och dyka in i en ny kultur. Det var en speciell chock för mig också eftersom jag lämnade min kontinent Europa och flyttade till kontinenten Amerika. När jag flyttade tillbaka igen till Tyskland efter två år, hade jag en kris med mitt eget land och var chockad för första gången av Tyskland, eftersom den tyska mentaliteten som tycks vara rå och kall ibland hade hunnit ikapp mig. Du får ett nytt intryck av ditt eget land och egen kontinent efter att du har bott några år någon annanstans. Att bo någon annanstans öppnar din horisont. Det är viktig för din egen språkkänsla, för ditt modersmål, att lära dig nya främmande språk och lära känna nya kulturer.

Mantorp und Linköping

Mein zweites, schwedisches Gedicht geschrieben.

Leider hat es heute so sehr geschneit, dass wir nicht nach Jönköping fahren konnten. Auch gestern fuhren wir nicht nach Mantorp, da es einfach zu gefährlich war wegen den Schneemassen. Am Montag geht mein Flug zurueck, Göran und Christina fahren mich nach Linköping, und von dort geht der Zug nach Stockholm Arlanda Flughafen. Ich komme etwas zu frueh an. Ich hoffe, dass wir morgen nach Jonköping fahren können, da es mein letzter Tag ist, ich hoffe, dass es nicht mehr schneien wird und die Strassen bis nach Mjölby befahrbar sind. Göran fuhr hinter dem Schneepflug her, und doch war es kaum möglich, zu fahren, nach den Feiertagen kommt die Stadt kaum dazu, den Schnee zu räumen, es werden sogar die Bauern gefragt, zu helfen. Ich habe zuerst den Nachnamen meiner Vorfahren mit Elmgren verwechselt, weil so mein Ururgrossvater hiess, der die Buecher geschrieben hat, aber meine Oma hiess dann Lindblad; die Frau am Telefon half uns sehr, eine Dame der Skattverket oder der Folkbokförring, es hat aber 20 Minuten gedauert.
Ein freundlicher Mann in dem Antiquariat hier in Vadstena versprach, nach weiteren Buechern meines Urgrossvaters Clas Elmgren zu suchen, der ein Missionar in Schweden und ein Prediger war in der evangelischen Kirche in Jönköping. Ich finde es spannend, danach zu suchen und dabei ein schwedisches Gespräch zu fuehren. Heute spielte ich wieder in einer befreundeten Familie Klavier, es war ein seltsames, verstimmtes Klavier, eines, das fast nur aus Tastatur bestand; es lag ein schlafendes Baby daneben, das während der ganzen Goldberg-Variationen nicht aufwachte, aber aufwachte, als ich aufhörte zu spielen. Die Eltern konnten nicht fassen, dass das Baby nicht aufwachte, da es sonst bei jeder Radiomusik sofort aufwacht, und es hatte schon eine Stunde geschlafen. Aber gerade die Goldberg-Variationen sind zur ‘Gemuetsergötzung’ geschrieben worden, auch fuer Laien, und es ist fuer mich eine Ehre, wenn Menschen dabei einschlafen zum Beispiel, also in einen friedlichen, angenehmen Schlaf fallen, dazu ist das Stueck auch gedacht.
Meine Freunde zeigten mir ganz Vadstena, sie kennen fast jeden Menschen dort. Sie zeigten mir das Kloster Vadstena, die Einkaufsstraße, das Schloss von Gustav Vasa, das Archiv, das Antiquariat, ihr Kontur (Büro) in der Stadt, wir besuchten einen schwedischen Männerchor, den Cantuskören — und ein schwedisches Weihnachtsmusical. Trotz allem kam ich ein bisschen zur Ruhe. Die beiden Filme Flickan som lekte med elden und Män som hatar kvinnor habe ich auf schwedisch gesehen und konnte nicht mehr einschlafen.

Das Julklappspel war sehr lustig, auch die schwedischen und englischen Original-Krimis im Fernsehen, wir tranken Wein und Julmust und Skogs Glögg und Milch mit O`Boy und aßen Köttbullar mit Kryddpeppar und Gräddsås, Janssons Frestelse und Sockerkakan med Safran und dem typischen schwedischen Vaniljsocker. Auch Niklas, der Freund von Hannas Schwester Maria, fragte mich, ob ich an Gott glaube, einfach so. Wir aßen Havregrynsgröt, also heiße Haferflocken, gekocht mit Wasser, mit schwedischer Milch, und Filmjölk (Buttermilch mit etwas saurer Milch). Filmjölk ist in jedem Haushalt. Niklas legte sich snus unter die Oberlippe, das ist typisch schwedisch, aber verboten in Deutschland. Die snusdosen liegen im Kühlschrank und sind pro Portion 6x so stark wie eine Zigarette. Viele sind davon abhängig. Ich wollte es unbedingt probieren, aber das Zeug, wohl zurecht gedreht von Niklas, war so scharf in meinem Mund, das ich dachte, ich müsste mich übergeben, ich spuckte es sofort wieder aus, während Niklas lachte. Ihm tat es sicher leid um das schöne snus. Ich hatte noch Stunden später diesen bitteren Geschmack im Mund, der mir alles wegätzen wollte. Niklas hatte jede Stunde neuen snus in seinem Mund.

Vadstena

Ich bin nun in Vadstena, in Östergötland, am gefrorenen Vätternsee. Es schneit noch immer dicke Flocken, aber die Schweden fahren sehr sicher, kein Problem, auf Eis und Schnee zu fahren. Der Kaffee ist so stark hier, dass ich ihn nicht trinken kann, er ist wie Gift, selbst mit Milch und Zucker. Die Julklappar heissen deswegen so, weil Tomte vor langer Zeit geklopft und die Geschenke dann hineingeschmissen haben soll, deswegen heissen die Geschenke nicht Presenter. Jultomte, der schwedische Weihnachtsmann, kam wahrscheinlich von dem schwedischen Troll, oder von dem lieben schwedischen Vätte, den Jenny Nyström eines Tages mit roten Kleidern gemalt haben soll. Santa Claus oder Nikolaus oder Weihnachtsmann…. Morgen werden wir nach Jönköping fahren. Dorther kommen meine schwedischen Wurzeln. Ich bin gespannt, ob wir das ehemalige Haus meiner Oma finden werden. Vielleicht treffen wir meinen Onkel Otto und meine beiden Cousinen. Mein anderer schwedischer Onkel wohnt in Litauen mit meinem Cousin. Jönköping ist ungefähr 2 Stunden entfernt und liegt schon in Småland, dem vielleicht beruehmtesten Teil Schwedens. Vor ungefähr 2 Monaten war ich in Skåne gewesen mit der Uni Würzburg.

In den beiden unteren Teilen Schwedens, Götaland und Svealand, war ich schon, aber noch nie so richtig in Lappland oder in Norrland allgemein, also dem wunderschönen Norden Schwedens. Umeå ist die Partnerstadt Wuerzburgs, dies sei eine sehr moderne, radikale Stadt im Vergleich zum kleinen konservativen Wuerzburg, obwohl Umeå nur 80 000 Einwohner hat. Kein Wunder, dass es fuer Hanna und die anderen schwedischen Erasmus-Studenten und schwedischen Germanisten ein ‘Schock’ war in Wuerzburg. Ich habe einige gute Gespräche gefuehrt mit meinen neuen Freunden hier, an zwei erinnere ich mich besonders, einmal in einem kleinen Coffeehaus in Stockholm, kurz bevor wir nach Norrköping fuhren mit dem Zug, und eines nachts am Fluss von Norrköping, dem Mutala Ström, der von Mutala nach Norrköping fliesst. Die meisten wollen genau wissen, wie mein Erlebnisse waren und denken darueber nach. Ich spuere dann, dass sich die Atmosphäre ändert. Manchmal aber werden Gespräche auch schwer und nehmen eine wilde Wendung. Obwohl ich meist nur einen Bruchteil sage und so vorsichtig ich kann, passiert es doch, dass Menschen im Innersten getroffen sind, vor allem dann, wenn ich ueber mich berichte und dem, was ich gelernt habe. Sie weinen dann manchmal, und ich muss sie umarmen und beruhigen und kann vieles Gefuehl nachvollziehen. Ich habe dabei vor allem ein Herz fuer Kuenstlerinnen und Kämpferinnen, aber auch fuer Kuenstler und Kämpfer.
Der Mutala Ström in Norrköping ist wunderschön gelegen und war von schneebedeckten Bäumen und schweren, vereisten Ästen umgeben; er floss halb erfroren langsam dahin, in den Weihnachtslichtern der Stadt, etwas kleiner als Wuerzburg, badend, mit schwarzen Enten hier und da, und der Weg in tiefem Schnee fuehrte an Lauben und Ausruheplätzen vorbei. Der grosse Göta Kanal fliesst ausserhalb nach Göteborg. Man kann segeln von Stockholm nach Göteborg wegen dem von Baltzar von Platen gegrabenen Kanal und kreuzt den zweitgrössten See, den Vättern, eventuell auch den grössten, den Vänern. In Göteborg war ich noch nie. In Norrköping liegen Teile der Universität von Linköping. Wir besuchten das Arbeitsmuseum von Norrköping; es war sehr interessant zu sehen, wie sich Schweden aus Zeiten der Armut der 30er Jahre zu solch einem schönen Land entwickelt hat. Vor allem die Entwicklung der Frau, ihre Leistungen und Erfindungen wurden gewuerdigt und gelobt. Das tut mir gut. Ich leide noch immer mit der Geschichte der Frau auf dieser Welt. Ein Teil des Museums zeigte auch Fotographie in Suedafrika. Kunst macht Augen. In der Bibliothek des Arbeitsmuseums gab es ein braunes Klavier ohne Namen, auf dem ich spielte. Leute kamen aus ihren Zimmern, setzten sich, sassen am Boden und lasen und hörten zu. Ich habe fuer Schweden gespielt. Hanna sagte, sie findet es schön: Wo immer wir hinkommen, wir finden ein Klavier. Sie ist eine Kuenstlerin aus der Kunstschule, sie schneidet Bilder und schreibt und illustriert Kinderbuecher. Dann kam mein erstes schwedisches Gedicht: Så vackert är Sverige.

Nun bin ich schon ueber eine Woche im tiefverschneiten Schweden. Das Wetter ist mild und trocken. Sogar die Sonne scheint manchmal. Ich verstehe immer besser. Schwedisch kommt mir als Sprache und auch in meinem Gehirn vor, als wuerde Deutsch und Englisch miteinander gemischt worden sein in einem Mixer — und heraus kommt Schwedisch. Ich weiss noch, dass sich manche Deutsche frueher ueber mein Sing Sang Deutsch lustig gemacht haben, aber das Sing Sang kommt von meinem Gehör, in dem das Schwedisch meiner Mutter sitzt, deswegen habe ich als fränkisches Kind in Sueddeutschlnad, in Bayern, kein Fränkisches gesprochen. Im Vergleich ist Schwedisch eine sehr singende Sprache. Das war so auffällig, dass alle dachten, ich käme aus dem Norden. Kann man eine schwedische Fränkin sein?

Die beruehmte Klosterkirche in Vadstena hatte einen alten schwarzen Fluegel, auf dem ich spielte. Vor mir stand der grosse Tannenbaum, der geschmueckte Weihnachtsbaum. In Schweden gibt es hauptsächlich Glitter, was ich schöner finde als Lametta. Ich spielte Bach, und durch die hohe Akustik des Klosters der Heiligen Birgitta zogen die Klänge.

Als wir im Zug gesessen waren nach Frankfurt, habe ich einen alten Mann bettelnd gesehen, wie er durch den Zuggang ging. Seine Nase war kaputt, seine Augen rot, er hinkte. Er tat mir so furchtbar leid, dass ich dachte, mir dreht sich der Magen um. Ich nahm Geld und lief ihm hinterher. Seine Unsicherheit konnte ich körperlich fuehlen. Ich gab ihm das Geld in seine grosse, steife Hand. Dann ging ich auf die Toilette und weinte. Ich war unglaublich versucht, ihm mein komplettes Reisegeld zu geben. Warum habe ich es nicht getan? Ich war betäubt von mir selbst und hatte nur den Wunsch, ihn zu umarmen. Es war aber eigentlich nicht das Geld oder Nichtgeld, was mich bewegte, sondern ich dachte, dieser Mann könnte ich sein. Denn Elend ist meist innerlich.