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Video Konzert-Lesung Roman Frei wie die Vögel in Leer, Ostfriesland

Filmteam ago-Dokumentation Oettel Hamburg zu meinem Roman Frei wie die Vögel, SCM-Verlag

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Die Orgelwelt und Karriere

Was für mich doch erstaunlich ist: Es gibt Leute, von denen kenne ich nicht einmal den Nachnamen, die aber scheinen über mich Tagebuch zu führen, die wissen mehr von mir als ich von mir selbst, wie es scheint. Die entscheidenden Dinge aber wissen sie nicht.

In der Klavierwelt wurde man erzogen, starke Individualisten zu sein. Aber in der Orgelwelt ist es problematisch, wenn du ein starker Individualist bist. Die Gruppe und die Interessen der Gruppe müssen über den eigenen stehen. Wobei es vor allem um die geht, die die Gruppe als Territorium wahrnehmen oder “beherrschen”. Neuland. Die Konzerttätigkeit haben meine Individualität noch verstärkt. Wichtig ist in meinen Augen, dass man beides ist: Ein eigenständiger, unabhängiger Künstler durch und durch und dennoch jemand, der sich hervorragend in einer Gruppe bewegt. Dies scheinen nicht viele zu können.

In der Orgelwelt gibt es viele Männer, die vertikal kommunizieren, auch nonverbal. Es ist ein Revierverhalten. Als wäre man nur dann eine “Führungsperson”, wenn man einen Chor leitet oder in irgendeiner Art und Weise eine Machtposition hat. In meinen Augen sieht die Welt der Führung ganz anders aus. Ich kommuniziere gern horizontal, ich möchte nicht auftreten, dass man mir sofort die Führungsperson ansieht, ich möchte gern weich und weiblich bleiben. Dennoch ist meine Reichweite international und groß. Frauen müssen sich also in der vertikal kommunizierenden und männerdominierten Orgelwelt wie verhalten? Stumm bleiben und im Hintergrund? Nein. Vertikal kommunizieren? Nein. Ich suche den Weg. Was mir sehr hilft, sind folgende Bücher, die ich sehr empfehlen kann: Modler: Das Arroganzprinzip (der Männer). Und Corvey: Die 7 Strategien der Effektivität.

Steinway und Bach
https://www.youtube.com/watch?v=ZdY0zdDRMyg

Man schließt die Augen der Toten behutsam; nicht minder behutsam muss man die Augen der Lebenden öffnen. (Jean Cocteau)

Vogelerkundungen IV

Diese Tauben! Die haben nun auch von meinem Vogelfutter Wind bekommen. Ich habe sie verjagt, nach ihnen geworfen, sie kamen mehrmals wieder und starrten meine süßen Kohlmeisen neidisch an. Diese wissen genau, dass die Tauben unerwünscht sind. Johann und seine Familie warnen mich, wenn die Tauben kommen, aber die flüchten erst, wenn es zu spät ist. Ich weiß nun, dass es eine Familie ist: Johann Kohlmeise, seine Frau und die zwei Kinder. Sie spazieren zufrieden auf dem Boden meines Balkons in der Sesamstrasse umher.

Ach, ich liebe Hamburg ❤️

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18. November 2019

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Vogelerkundungen III

Mittlerweile sind die Kohlmeisen sehr zutraulich. Besonders Johann. An Regentagen verbringt er den ganzen Nachmittag auf meinem Balkon. Und zwei seiner Kohlmeisen-Kumpane sind ängstlicher, die kommen und gehen. Seine Schwestern? Sie nehmen die Sonnenblumenkerne mit. Aber Johann pickt sie bei mir auf. Dann zwitschert er. Wenn er wegfliegt, macht er einen fröhlichen Bommel in die Luft. Wenn ich auf den Balkon gehe, zwitschern sie schüchtern aus der Ferne (Nachbarbalkon). Sie haben auch meinen kleinen Zierdetopf zerschmettert, weil sie neugierig und verspielt sind.

Sie nehmen meinen Balkon fröhlich ein, vor allem morgens. Und sie hören mir beim Üben zu. Vom Flügel aus beobachten ich sie beim Futtern und Spielen. Mein Balkon ist mein Vogelhaus geworden. Eine Riesen-Voliere wie bei den vier Lübecker Märtyrern (mein Roman Frei wie die Vögel). Ein Wintergarten für Vögel. 

Mein Wunsch ist, dass sie futtern und spielen, auch wenn ich auf dem Balkon bin. Neulich sind sie fast mit mir kollidiert. Da waren sie noch etwas ängstlich. Dabei haben sie mich schon länger beobachtet. Sie wissen, glaube ich, wer ich bin und dass ich es gut mit ihnen meine. Und dass ich die Tauben vertreibe. 

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Orgelkonzert Kunst der Fuge, Heiligenstadt, Oberfranken

Es war schön, gestern die Kunst der Fuge in Heiligenstadt zu spielen, an der schönen, roten Orgel mit Gold in St. Michael/St. Veit. Es war ein besinnliches Konzert mit Andacht. Im Gottesdienst habe ich heute dort auch morgen gespielt. Ich liebe es hier, denn alles ist voll Herbst, die Menschen sind sehr lieb auf dem Land, ich habe hier schon das dritte Mal gespielt und viele Fans und Freunde gewonnen, wir gehen reiten und mit dem Esel Fridolin und Leo, dem Golden Retriever, spazieren, der schon alt geworden ist, ich füttere und pflege die Tiere, wir kochen und essen. Die Gegend ist so unschuldig, zart und weit, selbst die Glocke wird noch selbst geläutet, allerdings schon um sechs Uhr, und ich werde von Fridos Iah geweckt. Wenn ich Klavier übe, deckt mich Leo mit der Gardine zu. Er bringt mir auch ständig meine Stiefel.

Vogelerkundungen II

Es kommt mir manchmal vor, als würde es schneien, weil die Vögelchen auf meinem Balkon immer so hoch und runter fallen. Der Mutigste, Dickste und der am Stück 15 Minuten bleibt heißt Johann. Eine Kohlmeise. Er pickt herum und macht dabei einen runden Rücken.

Stadttauben mag ich übrigens nicht sonderlich.

16. November 2019

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Vogelerkundungen I

Es ist doch erstaunlich: Die kleinen Vögelchen haben erst lange gebraucht, zum Futter hinzukommen, das ich auf dem Balkon in verschiedenen Ecken gestreut habe. Dann kamen sie. Ich habe mir gemerkt, wo sie am liebsten sind und wo genau sie nach Futter suchen. Dort habe ich das Futter ausgelegt. Ihr Lieblingsplatz ist die “Schaukeletage”. Dann habe ich eine Weile kein Futter hingelegt; sie sind so lange gekommen, bis ich wieder Futter hingelegt habe. Wenn ich nur wenig hinlege, bleiben sie kurz. Wenn ich viel hinlege, bleiben sie lange. Und es werden immer mehr. Sie sagen es sich weiter. Sie spielen auch, wollen nicht nur futtern. Sie kündigen sich mit Zwitschern an. Ich höre immer, wenn sie kommen. Und im nächsten Winter kommen sie wieder. Und im nächsten sicher auch. Sie machen beim Futtern Lärm und sind sehr verspielt. Sie haben keine Angst vor mir. Manche sind mutiger als andere. Sie mögen lieber ausgelegte Kerne als die Netz-Futter-Stäbchen.

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Orgelkonzert Zülpich bei Köln (Weimbs-Orgel)

Die besondere und große, moderne, romantische dreimanualige Weimbs-Orgel mit 47 Registern von 2014, Schleiflade (mit sehr geringem Druckpunkt), elektrische Traktur, Automatikpedal, Tuba, Doppel-Orgel (3. Manual Chororgel rechts), frei verschiebbarem Spieltisch, auch versteckten Pedalpfeifen, Tastenfesseln, Winddrossel, freien Koppeln, Windregler ist das ganze Gegenteil von der Walcker-Orgel Hoffenheim, die frühromantisch und historisch ist. Der Vergleich haute mich um!

An beiden habe ich Liszt B-A-C-H gespielt – und es kam mir vor, als spielte ich ein völlig anderes Stück! Bei dem einen konnte ich in kurzer Zeit alles selbst “einstellen”, vor allem durch das teilbare Pedal und die Schweller, bei dem anderen sind Stunden von Einregistrierung nötig und mind. zwei Registranten.

Dennoch oder gerade WEIL muss ich sagen, lebt bei historischen Orgeln ein anderer Wind, als würden die Pfeifen das Stück erküssen. Bei dem einen kann ich durch Setzer alles automatisieren, bei dem anderen muss ich in Zusammenarbeit mit den Pfeifen und sehr viel Geschick (allein, dass man den Physharmonik-Schweller immer einklappen muss, um an das Pedal zu kommen) das Instrument sehr gut kennen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Diese Intimität mit der Orgel ist in Hoffenheim auf eine geradezu mystische Art und Weise da. Sie ist ja auch direkt hinter dir, du sitzt in ihr. 

Jedoch, jede Orgel ist faszinierend, vielleicht bin ich ein Orgel-Junkie geworden. Jedenfalls bin ich eine Art Konzert-Junkie. 

Schön waren auch Messiaen, Mozart, Bach und meine eigenen Werke. An dieser Orgel konnte ich wirklich wild sein. Ich habe fast alles genutzt, “was geht”. Holger Weimbs sagte, es hätte Klänge gehört, die würde er von seiner Orgel noch gar nicht kennen. Ich komme mir vor wie eine Malerin mit einem riesigen Farbkasten, und hinterher bin ich und alles andere und alle anderen bunt und vollgespritzt.  

Hinterher waren wir im Rathaus essen. Zülpich mit seiner Stadtmauer, der römischen Strasse und mitten im Karneval ist ein sehr hübscher Ort. 

Hauptwerk-Orgel, 3 Manuale (Os-Organum)

Ich freue mich sehr, dass meine Hauptwerkorgel eingetroffen ist. Nagelneu, aus Hessen, schwarz, 3 Manuale, Pedal, Setzer, Fußsetzer, viele schöne Orgel-Samples, auch aus Kirchen, in denen ich schon konzertiert habe. Es duftet nach Holz und Leim, wenn ich nach Hause komme. Die Hauptwerkorgel hat natürlich sehr gute Boxen, einen Kopfhörer, Computerbildschirm und eine niedrige Bank (für mich). Sie steht gegenüber meinem Flügel, und die beiden beschnuppern sich, der Steinway und das Virtuelle. Natürlich ist die Orgel nur zum Training gedacht, besonders für abends und nachts. Sie ist ja keine Pfeifenorgel. Aber meine Nachbarn würden sich bedanken. Natürlich kann man gewissen Anschlag, gewisse Artikulation, gewisses Reagieren NUR mit Pfeifen lernen – das wichtigste also. Aber um das Wichtigste zu lernen, habe ich ja meine Kirchenorgel (Klais) und andere. Besonders an historischen Orgeln lernt man, wie die Komponisten damals an ihnen komponiert haben – wie, was, welche Klänge und warum.

11. November 2019

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Italienische Orgeln, italienischer Stil, Durezze e ligature und Frescobaldi

Ich mag ihn sehr, den italienischen Stil, den Prototyp für die Orgel aufgrund der immer durchklingenden Dissonanzen, die auf der schweren Zählzeit, der Eins erklingen: Durezze e ligature (Durum und Überbindungen), wobei es um die Dissonanzen in dem Dur geht. Die Toccaten stehen in prachtvollem glänzenden Dur (oder lösen sich in die piccardische Terz am Schluss auf), der Anfang ist frei. Das strenge Taktmaß des vierstimmigen Satzes verschwindet, fängt an zu schweben. Diese Dissonanzen sind die Wunde in der Musik. Ich mag das Schwingende, die Mediation, die Ruhe, die Gravität, die Schatten der Dissonanzen, das Spirituelle und Mystische: Die (Ver)wandlungs-Toccaten, in denen die Dissonanzen für die Wunden Jesu, für das Kreuz stehen (Elevation, wenn die Hostie hochgehalten wird). Die Toccaten, die mit ihren schwer-leicht-Gefällen, den Dissonanzen auf der Eins (unterschiedlich zu gewichten und zu behandeln) oft Elevations-Toccaten sind, im weichen Prinzipalsound gespielt. Gedackt gab es nicht. Es gibt kein Legato, kaum freie Triller (Verniedlichung), keine Deko, aber Chromatik und Dissonanzen und den Kairos (griechisch: das göttliche Zeitmaß) in der Freiheit, und das Spontane, Lebendige und Unberechenbare (und das in Rom!): Frescobaldi ist eine Art Vorstufe zum Stylus Phantasticus und zum Rezitativ,  allerdings hat bei Frescobaldi der Takt natürlich eigentlich keineswegs Feierabend. Wenn man das Notat sieht, könnte man nicht auf die Idee kommen, das Stück würde frei schwingen. Die Zeitgestalt ist das Spannende, ihre Relationen.

Dur ist hart, Moll ist weich- hier ist es gut zu hören. Bach mochte den italienischen Stil auch und kannte ihn gut (siehe auch das Italienische Konzert mit seiner Sarabande (Abendmahl, Liebeslied)). Drei Bäche vom Urbach Ambrosius ausgehend waren auch in Italien gewesen. Davon werden sie sich in bächischen Zusammentreffen berichtet haben. Bach hat auch Frescobaldi abgeschrieben, besonders Fiori Musicali, den musikalischen Blumenstrauß.

Für Bach ist Tanz innerlicher Tanz, kein körperlicher, sondern Andacht, ein Tanz von Seele und Geist, ein verinnerlichter Tanz, ein Schwingen. Bach ist zudem der einzig perfekte Musikwissenschaftler, denn er hat alle Gattungen, Stile und Formen durchdacht, präsentiert, unterschieden und künstlerisch umgesetzt. Auch seine Passacaglia c-Moll ist eine Sarabande, eine Verbeugung vor 1 und 2 (Gott und Mensch, und die 3 schwingt: der HG).

Leider wurde die Bach-Abschrift von Frescobaldis Fiori im Zweiten Weltkrieg verbrannt.

Man spürt bei Frescobaldi schon den Übergang zu Drama, Oper, als das strenge Taktmaß sich zu verschieben und zu verabschieden begann, als man anfing zu fragen: Wer bin ich? und nicht nur: Wer ist Gott? (wenn man sich das wirklich gefragt hat) und zum Wechsel hin zur Gefälligkeit auf der anderen Seite, den Jahrhundertumschwung, die Revolution. Bei Frescobaldi ist das Schwingen des strengen Taktmaßes also keine Weltlichkeit.

Die italienische Orgel ist eine labiale Orgel mit angehängtem Pedal (aber mit Pedalpfeifen), keine Mixtur, eine helle Orgel, mi Voce Umana (Schwebung), keine Streicher, manchmal Zungen (Trompete), keine Gedeckten, eine Reihenstil-Orgel (Ripieno), mit Flöten und Quinten (aber keine 2 2/3 Quinte). Italienische und spanische Orgeln sind zwar keine “bachfähigen Orgeln” (wie die Orgelbewegung sagen würde), jedoch absolut wichtig, auch für Bach. Sie gehören zu unserer Orgelgeschichte.

10. November 2019

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Hoffenheim: Romantische, historische Walcker-Orgel (1846)

Ich bin begeistert von dem Denkmal der Frühromantik, der Walcker-Orgel in Hoffenheim (bei Heidelberg). Eine schöne durchlässige Kegelladenorgel von Eberhard Friedrich Walcker in der evangelischen Kirche Hoffenheim (die sogar einen kleinen Flügel besitzt),  opus 62 von 1846 (Restaurierung 2012 von Orgelbau Lenter, Sachsenheim). Sie besitzt eine schöne brüchige, exotische Holzharmonika (offener Streicher aus Holz) im zweiten Manual, die dem Gedackt, Dolce und der Flute d’amour besondere Würze und Helligkeit gibt, und eine Physharmonika mit Windschweller (durchschlagene Zunge) – mit Akkordeon oder Mundharmonika haben beide nichts zu tun. Es geht eher um die Harmonie, um Idealklänge, um neu erfundene, kreative, eigene Instrumente. Besonders die Physharmonika ist eine eigene kleine “Maschine” mit Klangplättchen. Beide sind sehr zart im Klang und im Pianobereich. Sehr schön ist auch die Gambe im ersten Manual. Calcant (Windmotor).

Die Orgel ist ein Wunder. Sie vermittelt einen pianistischen und dynamischen Klang, ihre Klänge und Register blühen nach oben auf und wechseln innerhalb einer Tonleiter von Flöte zu Streicher. Albertibässe sind absolut möglich, wie beim Flügel. Hier ist also der Flügel in der Orgel. Das, was man mir sagte, dass es nicht ginge. Ja, es geht: mit Flöten und Streichern.

Man muss den Anschlag jedoch stets sehr anpassen. Nie zu hart sein. Eher sehr zurückhaltend. Ihre leisen Klänge sind die inspirierenden. Nicht das laute Plenum. Es ist ja eine verhältnismäßig kleine Orgel, zwei Manuale, die Pedalpfeifen versteckt, ohne Schweller, ohne Setzer. Den Holzschweller zur Physharmonika muss man hochklappen, sonst kann man das Pedal drunter nicht mehr gut erwischen.

Liszt B-A-C-H hier zu spielen eine Herausforderung, um nicht zu sagen, sehr schwer. Jede Pfeife, jedes “Pult” muss man im Blick haben, wo was ist, auswendig kennen. Auch, dass das Pedal oben ist. Man braucht zudem sehr fite Registranten auf beiden Seiten und saubere, frische Noten. Warum? Die Registerzüge sind aufgrund der Kegellade komplex, sie machen Lärm, müssen sanft gezogen und eingehängt werden, verhalten sich bei jedem Register anders, und beim Abregistrieren noch mal anders. Zudem müssen sie in einer Art Griff gezogen werden, da man oft 3 oder mehr gleichzeitig braucht. Es ist ganz schön Arbeit. Die Holzharmonika und die Physharmonika (und die Traversflöte) waren ebenfalls Vorbild für die Bossert-Klais-Orgel im Saal Würzburg. Andreas Saage wurde von Christoph Bossert nach Hoffenheim geschickt. Viele kennen Hoffenheim gar nicht, außer vom Fußball. Auch die Orgelfirma Lenter wird von Herrn Bossert unterstützt. Ich muss sagen, dass ich die Lenterorgeln mit Kegellade ebenfalls sehr mag. Sie haben sogar eine labiale Klarinette. An der Walcker-Orgel in Hoffenheim kann man Klarinetten- und Hornklang herstellen – auf kreative Art und Weise. Es ist schön, wenn man Flöten, Streicher, Zungen, Prinzipalchor, Schwebung, konische Pfeifen vorfindet. Die Unterscheidlichen. Die Ehrlich-Orgel in Bad Wimpfen besitzt sogar eine konische Pfeife aus Holz, eine Spitzflöte. Wo sind in heutigen Orgeln solche Besonderheiten?

Wie wichtig Streicher sind, war mir lange nicht bewusst. Bach liebte wohl Gambe und Quintatön. Rieger (aus Österreich) und andere heutige Orgelbauer scheinen oft nicht die exotischen schönen Flöten- und Streicherstimmen mehr zu treffen. Es ist natürlich traurig, dass manche aus der Orgelbewegung meinten oder noch immer irrtümlicherweise meinen, Walcker-Orgeln seien “Fabrik-Orgeln” gewesen. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Das Poetische der Orgel ist wichtig, nicht so sehr das Kühle, Professionelle. Den Keysound finden. Früher hatte Walcker Orgeln mit 100 Registern gebaut – alles zerstört.

Die Orgel ist sehr schön geeignet für Brahms, Mendelssohn, Schubert, Schumann, Ritter, sogar für Bach und Liszt.

Wunderschöne Hoffenheim Orgel Walcker