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Schlosskapelle Solitude Stuttgart, Mühleisen Orgel

Vom Pferdesattel an die Orgelbank: Es war sehr schön, gestern wieder einmal auf Schloss Solitude zu sein. Mein drittes Mal. Diesmal mit Schlossführung, einer schönen Hochzeitsfeier mit Würzburger Streichquartett in der Solitude Gastronomie, und vor allem habe ich auf der Hochzeitszeremonie in der Schlosskapelle die schöne weiße, zweimanualige Orgel (mit Musiziergedackt und Transponierzug) und den wunderschönen Zungen gespielt.

Nun ist es schon September.

Sehr gern würde ich einmal an der Orgel in der Liederhalle spielen.

Während der Feier sagte eine Dame aus Cameroon zu mir, sie sei sich sicher, afrikanische Tänze in Bachs Musik und Rhythmus wiederzukennen. Ob hier eine Verbindung bestanden hätte? Ich fand diese Frage sehr spannend. Sie sagte zudem, dass unterschiedliche Länder am Meer oft gleiche Rhythmen und Melodien hätten, die, die das Meer widerspiegeln würden. Anders als die In-Länder. 🙂

31. August 2019

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Reitabzeichen RA 6 geschafft (Dressur und Springen)

Es hat viel Spaß gemacht, mit der süßen, eingezöpfelten Haflingerstute Josey und meiner neuen weißen weichen Bentex-Hose bei meinem ersten Springturnier zu reiten, auch wenn es nur vier Hindernisse waren :). Wir haben alles geschafft, Dressur auch, ebenso Theorie. Alle anderen auch. Josey war trotz der Zuschauertribüne fleißig und gehorsam. Nur einmal blieb sie äpfelnd direkt mit mir vor einem Hindernis stehen, über das gerade ein anderes Pferd springen wollte – und auch sprang.

Frühs um halb 8 hat Karin mir noch einen Französischen Zopf geflochten, um 8 musste ich noch zur Massage, oder zur Manuellen Therapie, wie Peter es nennt. Dann sofort zum Stall. Heutzutage fahren wir mit dem Auto zum Pferd. Früher war das Pferd das Auto. Kaum eine Minute im Stall, schon war meine weiße Bluse etwas schmutzig. Vor lauter Aufregung habe ich nicht gut geschlafen und bin jetzt etwas erschöpft.

29. August 2019

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Statistiken

Natascha Wegelin schreibt, 99 Prozent des Weltvermögens läge noch immer in den Händen von Männern, Wirtschaft und Politik seien noch immer von Männern beherrscht, die keinerlei Interesse daran haben, Frauen in Führungspositionen zu sehen. Ich merke dies auch in meiner Welt der Musik und der Literatur: Purer Sexismus, der von vielen Profs als “völlig normal” gesehen wird und die mit “kleinen Studentinnen” flirten und sie verniedlichen und in eine Rolle drängen, aus der sie kaum wieder herauskommen, eine Rolle der Unterwürfigkeit, aus Angst. Kleine Frauen sind hier besonders betroffen. Es ist geradezu gefährlich, dabei eher verträumt, hochsensibel, sehr begabt, ehrgeizig und/oder aus der Sicht dieser Männer “naiv” zu sein – denn diese sorgen dafür, dass man während des Studiums und manchmal auch danach abhängig von diesen war. Weibliche Profs wirken oft abhängig und aufs Abstellgleis gestellt von den männlichen. In den Kirchen dürfen Frauen den Kinderchor leiten. Manche fühlen sich nur wohl, wenn ein Mann der Boss ist. 

Klaviere an HBFs… und Reiten…

Bald spiele ich in Gut Wöllried und in Bad Windsheim.

Auch in Heilbronn gibt es ein Klavier am HBF. Ich habe Umfragen an Klavieren in HBFs in Frankfurt, Salzburg, Amsterdam, Kalabrien, Heilbronn durchgeführt – über die Popularität von Klassik.

Und in vielen Klöstern gespielt, Schwanberg, Puschendorf, Schmerlenbach, Untermarchtal, Münsterschwarzach, Liebfrauenhöhe, Hegne….

Das Reiten macht sehr viel Spaß. Das Schnauben der Pferde ist Musik in meinen Ohren, und ich lerne immer mehr dazu, was zum Springreiten und zur Dressur dazugehört. Dazu gehört viel Musik: Takt, Rhythmus, Schwung… Musik in sportliche Bahnen gelenkt.

27. August 2019

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Bundesgartenschau Heilbronn – BUGA

Blühendes Leben.

Wie schmeckt das Leben? Meine Antwort: Nach Sehnsucht.

Mir hat die BUGA sehr gut gefallen. Schönes Wetter, Sonne und Ruhe. Schiffsfahrt auf dem Neckar, Kirchengarten, Wassershow tagsüber und nachts mit Laser, Farben und Classical Reloaded, Bach mal anders, mit Fontänen, die sich nach allen Seiten drehen und zur Musik tanzen, viel schöner als Feuerwerk, alles blüht, duftende Rosen, sehr viele Blumen, Schönheit und Gärten, sehr liebevoll “angerichtet” und geschmückt, Pilzgarten, Salzgarten, Bunter Garten, Experimenta, Rosengarten, Bienengarten, Fährenbrücken, Terrassen, Essbarer Garten, Kirchengarten mit frischem Kräutertee, einer “Seitz-Orgel” (alte, ausrangierte Orgelpfeifen wurden von Pfarrer Seitz mit je einem Luftmatratzen-Blasebalg wieder “blasbar” gemacht; sie klangen wie Didgeridoos und lockten viele Menschen und Kinder an; die Orgel stand den ganzen Tag nicht still) und Gewürzstationen und Liegestühlen und Kerzen und Filmen und Gesprächen und Andachten:

Mir fällt auf, wie wunderschön Deutschland ist, wie leidenschaftlich und grün und mit Seen und Brunnen die Menschen ihre Städte gestalten und verbessern, auch diese, die zerbombt wurden, mit Holzhochhäusern und Cafés, keiner randaliert, überall Musik und friedliches Verhalten. Grüne Hügel wurden aufgeworfen, Pavillons errichtet, ein Strand angelegt, überall Enten und Schwäne. Und dabei war überall einmal Dreck und Industrie gewesen. Heilbronn ist eine wunderschöne Stadt geworden. Und ich hatte einen sehr guten Führer durch die BUGA in Pfarrer Seitz, eine ultimative Privatführung. Man hat auf der BUGA auch viel gelernt: über Landwirtschaft, Architektur, Digitalisierung, Biologisches, Salze, Weinanbau  – alles viel spannender als Riesenradfahren oder Actionparks. Es war zwar hauptsächlich die deutsche Mittelschicht da – aber wann sieht man diese schon noch, zusammen?  

Mein Konzert auf der BUGA im Kirchengarten war sehr gut besucht. Chopin F-Dur, Beethoven Waldstein, Bach, Chopin g-Moll, Himmelslieder, Lyrik und meine Stücke und Lieder mit Text gesungen, viele CDs verkauft. 

Wie schmeckt das Leben? Nach Sehnsucht. Gott nimmt unsere Sehnsucht auf sein Herz. Auf Landesgartenschaus habe ich schon viel gespielt, Würzburg. Schwäbisch Gmünd, Lahr, Öhringen…

Himmelslieder auf der BUGA

Geschafft 🙂 Rekorde 

Es kommt mir auch manchmal erstaunlich vor, dass ich in einem Jahr Künstlerisches Orgelspiel mit Eins studiert und absolviert habe, dazu viele Fächer und Wahlfächer freiwillig und mit Leidenschaft belegt, die ich nicht mehr hätte belegen müssen, daneben einen Roman geschrieben, meine ersten Orgelnoten veröffentlicht, eine neue Hänssler-Klavier-Bach-CD eingespielt und meine erste Orgel-CD veröffentlicht habe und noch bis zum Tag vor der Orgel-Prüfung regelmäßig Klavierabende gespielt. 

Dennoch gab es immer noch Kirchenmusiker, die so taten, als wären sie kreativer und breiter aufgestellt als ich! Dabei spielten sie so schlecht Klavier und sangen so schlecht, wie ich es von Musikschulschülern nicht kenne.

Und es gibt immer noch sehr viel mehr männliche Profs in den Hochschulen Frankfurt, Stuttgart, Regensburg und Heidelberg – qualifizierte Frauen werden hier oft nicht einmal eingeladen. Das klassische Rollendenken und die Hierarchie im Denken dieser Profs ist noch sehr stark. 

Daher hatte ich auch schwere Zeiten. Da ich nicht der Norm entspreche und die hierarchische klassische Rollenverteilung immer noch unter den Professoren klebt, bei denen die sehr viel jüngere Ehefrau zuhause sitzt und Konzerthemden bügelt, bin ich diesem Rollendenken auf den Schlips getreten. In den Musikhochschulen Frankfurt und in Heidelberg ist die Männerdominanz noch sehr mächtig. Anstatt stolz zu sein auf erfolgreiche Frauen, die anders sind, bin ich dort viel Neid und Ignoranz begegnet.

Aber auch ganz wundervollen Leuten, die unterstützen und fördern.

Der männliche Ton. Wikipedia & Co

Erstaunlich finde ich, dass viele Frauen in akademischen Kreisen eine Art männlichen Ton anschlagen. Kurz, knapp, kühl, sachlich. Vor allem schriftlich. Dazu ganz modern gerade: “Beste Grüße”. Die ganze Wissenschaft trägt diesen maskulinen Ton. Sogar Wikipedia. Als wäre dies dann korrekter, stimmiger, objektiver. Wenn Frauen einen anderen Ton anschlagen, heißt es, es wäre Selbstdarstellung oder emotional. Und das, obwohl Wikipedia bei Männern ellenlange Artikel hat und viele Frauen gar nicht erst listet.

Bei Frauen entdeckte ich auf der anderen Seite oft eine Art “Opferrolle”: Als wären sie ausreichend beglückt, überhaupt registriert und wahrgenommen und manchmal gar zum Thema gemacht zu werden in dieser Männerwelt. In der von Männern erfundenen money culture. Nach dem Motto (verlegen): “Ach, uns Frauen braucht man nicht zu erwähnen. Wir tuen alles für die Ehre.”

Würzburg liest ein Buch 

Jahr für Jahr werden bei “Würzburg liest” nur Männer gelesen. Die Regeln sind so, dass Frauen hier nicht gelesen werden können, da Männer nur Männer in der Literaturgeschichte finden und feiern. Ich habe auf diese frauenfeindlichen Regeln und das frauenfeindliche Format hingewiesen, bei denen Frauen keine Chance haben. Sexismus in der Literatur ist immer noch “ganz normal”. Das ist traurig. Die Regeln werden von Männern gemacht. Noch dazu werden Bücher von Männern gelesen, die in ihrem Inhalt sexistisch sind, bei denen schon im Titel Frauen schlecht wegkommen. 

Musikerausbildung

Ein Musikerinterview bei Natascha Wegelin:

“In der Musikerausbildung gewöhnt man sich daran, für nichts als Ruhm und Ehre aufzutreten. Auf das Umdenken nach dem Studium – also sich des Wertes für Veranstalter, Publikum, Gesellschaft bewusst zu werden und sich richtig zu verkaufen – bereitet dich niemand vor. Und das bei viel Konkurrenz und recht verschlafenen Entscheidern bei Labels und Konzerthäusern.”

Schönes Zitat:

“Ich habe niemanden gezwungen, dass er das Neue Testament lese, das ich übersetzte, und es ist niemandem verboten, es besser zu machen. Wer es nicht lesen will, der lasse es liegen.” 

(Martin Luther)

Ann-Helena Schlüter Herzton